Es geht im Leben nicht darum, allen anderen zu gefallen
The Iced Caramel Coffee AgreementIm zweiten Band von Kyra Grohs Lower Whilby Reihe „The Iced Caramel Coffee Agreement“ dreht sich dieses Mal alles um das selbstlose Mauerblümchen Eleanore Morley und den jungen, aber verbrauchten Musiker ...
Im zweiten Band von Kyra Grohs Lower Whilby Reihe „The Iced Caramel Coffee Agreement“ dreht sich dieses Mal alles um das selbstlose Mauerblümchen Eleanore Morley und den jungen, aber verbrauchten Musiker Dex mit dem Bad Boy Image. Die Bände der Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden. Wer den Reihenauftakt bereits kennt, darf sich auf eine Wiederbegegnung mit alten Bekannten freuen. Das Hörbuch wird stimmungsvoll, der Atmosphäre des Textes entsprechend, gesprochen von Jesse Grimm und Sandra Voss.
Eleanore ist jedermanns Liebling in Lower Whilby, jedoch ohne dabei als Mensch mit eigenen Bedürfnissen wirklich gesehen zu werden. In der Liebe vollkommen unerfahren, möchte sie nun endlich auch als Frau wahrgenommen werden. Doch in dieser Hinsicht absolut naiv und blauäugig, benötigt sie dringend Unterstützung. Dass die Nachhilfe ausgerechnet in Person des ausgebrannten Musikers Dex Cartwright vor ihr steht, macht die Sache nicht einfacher. Schließlich ist Eleanore seit ihrer bisher ersten und einzigen kurzen Begegnung vor beinahe einem Jahrzehnt bis über beide Ohren in Dex verliebt und Dex steckt aktuell zweifelsfrei in einer persönlichen Krise.
Titel und Cover passen sehr gut zum ersten Band der Reihe, wirken aber in Bezug auf den Inhalt meiner Meinung nach wenig anschaulich.
Kyra Groh gelingt es erneut bildhaft die Kleinstadtatmosphäre sehr stimmig in Worte zu fassen. Kein Zweifel: Hier kennt jeder jeden, es wird fleißig ge- und verurteilt und die Nachbarn wissen mehr über dich als du selbst. Durch die wechselnde Ich-Perspektive aus (Elea)Nores und Dex‘ Sicht werden die Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten sehr intensiv greifbar. Leider muss ich sagen, dass mich der Roman trotz des wirklich tollen Schreibstils nicht so recht abgeholt hat. Im ersten Band der Reihe hat Eleanore sich zu meiner Lieblingsfigur entwickelt – sympathisch, zuverlässig, loyal und ein kleinwenig frustriert in Liebesdingen. Genau das ist Nore auch, allerdings eher sehr frustriert, äußerst unsicher und mit einem Selbstbewusstsein ausgestattet, das sich auf dem Niveau der Grasnarbe befindet. Mit diesen Eigenschaften abgestraft, zerfließt Nore über weite Teile des Romans in Selbstmitleid – im Hörbuch durch treffende Stimmmodulation ausgesprochen wirkungsvoll hervorgehoben. Glücklicherweise und eigentlich auch recht voraussehbar bekommt sie mit der Unterstützung von Dex und ihrer Freundin Jude doch noch die Kurve. So erkennt Nore schließlich, dass zunächst einmal sie selbst mit sich zufrieden sein, nicht jedem ihrer Mitmenschen alles recht machen und ihre eigenen Bedürfnisse ernst nehmen und danach handeln muss. Zweifelsfrei wichtige Einsichten, die sie gewinnt. Dex wiederum ist trotz seines Rockstar-Images eigentlich ein sehr liebenswerter Kerl. Er nimmt sich Nore jedoch auch deswegen an, um seine eigenen Dämonen ein Stück weit zu verdrängen. In seinem Inneren leidet auch er vor sich hin, fühlt sich auf andere Weise ebenso unzulänglich wie Nore und es dauert eine ganze Weile ehe er einige der guten Ratschläge, die er ihr so fleißig erteilt auch selbst beherzigt. Dieses langanhaltende Klagelied der Protagonisten ist mir persönlich einfach ein bisschen zu viel – gerade für eine cozy small-town-romance – und lässt mich die Eigeninitiative auf beiden Seiten vermissen, um aktiv etwas zu ändern. Ein wenig irritiert hat mich beim Hören an einigen Stellen wie hart und zeitweise ungerecht James mit seinem Bruder Dex umgeht, gerade mit Bezug auf Nore.
Auch wenn der Roman bzw. das Hörbuch mich nicht völlig überzeugen konnte, beschert es durch den eindrücklichen Schreibstil doch eine angenehme Lesezeit und liefert mit vielen schrulligen Figuren und paradoxen Lebenseinstellungen, die aufeinandertreffen immer wieder Anlass zum Schmunzeln.