Profilbild von Lu-cy

Lu-cy

Lesejury Profi
offline

Lu-cy ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lu-cy über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.05.2026

Es geht im Leben nicht darum, allen anderen zu gefallen

The Iced Caramel Coffee Agreement
0

Im zweiten Band von Kyra Grohs Lower Whilby Reihe „The Iced Caramel Coffee Agreement“ dreht sich dieses Mal alles um das selbstlose Mauerblümchen Eleanore Morley und den jungen, aber verbrauchten Musiker ...

Im zweiten Band von Kyra Grohs Lower Whilby Reihe „The Iced Caramel Coffee Agreement“ dreht sich dieses Mal alles um das selbstlose Mauerblümchen Eleanore Morley und den jungen, aber verbrauchten Musiker Dex mit dem Bad Boy Image. Die Bände der Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden. Wer den Reihenauftakt bereits kennt, darf sich auf eine Wiederbegegnung mit alten Bekannten freuen. Das Hörbuch wird stimmungsvoll, der Atmosphäre des Textes entsprechend, gesprochen von Jesse Grimm und Sandra Voss.
Eleanore ist jedermanns Liebling in Lower Whilby, jedoch ohne dabei als Mensch mit eigenen Bedürfnissen wirklich gesehen zu werden. In der Liebe vollkommen unerfahren, möchte sie nun endlich auch als Frau wahrgenommen werden. Doch in dieser Hinsicht absolut naiv und blauäugig, benötigt sie dringend Unterstützung. Dass die Nachhilfe ausgerechnet in Person des ausgebrannten Musikers Dex Cartwright vor ihr steht, macht die Sache nicht einfacher. Schließlich ist Eleanore seit ihrer bisher ersten und einzigen kurzen Begegnung vor beinahe einem Jahrzehnt bis über beide Ohren in Dex verliebt und Dex steckt aktuell zweifelsfrei in einer persönlichen Krise.
Titel und Cover passen sehr gut zum ersten Band der Reihe, wirken aber in Bezug auf den Inhalt meiner Meinung nach wenig anschaulich.
Kyra Groh gelingt es erneut bildhaft die Kleinstadtatmosphäre sehr stimmig in Worte zu fassen. Kein Zweifel: Hier kennt jeder jeden, es wird fleißig ge- und verurteilt und die Nachbarn wissen mehr über dich als du selbst. Durch die wechselnde Ich-Perspektive aus (Elea)Nores und Dex‘ Sicht werden die Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten sehr intensiv greifbar. Leider muss ich sagen, dass mich der Roman trotz des wirklich tollen Schreibstils nicht so recht abgeholt hat. Im ersten Band der Reihe hat Eleanore sich zu meiner Lieblingsfigur entwickelt – sympathisch, zuverlässig, loyal und ein kleinwenig frustriert in Liebesdingen. Genau das ist Nore auch, allerdings eher sehr frustriert, äußerst unsicher und mit einem Selbstbewusstsein ausgestattet, das sich auf dem Niveau der Grasnarbe befindet. Mit diesen Eigenschaften abgestraft, zerfließt Nore über weite Teile des Romans in Selbstmitleid – im Hörbuch durch treffende Stimmmodulation ausgesprochen wirkungsvoll hervorgehoben. Glücklicherweise und eigentlich auch recht voraussehbar bekommt sie mit der Unterstützung von Dex und ihrer Freundin Jude doch noch die Kurve. So erkennt Nore schließlich, dass zunächst einmal sie selbst mit sich zufrieden sein, nicht jedem ihrer Mitmenschen alles recht machen und ihre eigenen Bedürfnisse ernst nehmen und danach handeln muss. Zweifelsfrei wichtige Einsichten, die sie gewinnt. Dex wiederum ist trotz seines Rockstar-Images eigentlich ein sehr liebenswerter Kerl. Er nimmt sich Nore jedoch auch deswegen an, um seine eigenen Dämonen ein Stück weit zu verdrängen. In seinem Inneren leidet auch er vor sich hin, fühlt sich auf andere Weise ebenso unzulänglich wie Nore und es dauert eine ganze Weile ehe er einige der guten Ratschläge, die er ihr so fleißig erteilt auch selbst beherzigt. Dieses langanhaltende Klagelied der Protagonisten ist mir persönlich einfach ein bisschen zu viel – gerade für eine cozy small-town-romance – und lässt mich die Eigeninitiative auf beiden Seiten vermissen, um aktiv etwas zu ändern. Ein wenig irritiert hat mich beim Hören an einigen Stellen wie hart und zeitweise ungerecht James mit seinem Bruder Dex umgeht, gerade mit Bezug auf Nore.
Auch wenn der Roman bzw. das Hörbuch mich nicht völlig überzeugen konnte, beschert es durch den eindrücklichen Schreibstil doch eine angenehme Lesezeit und liefert mit vielen schrulligen Figuren und paradoxen Lebenseinstellungen, die aufeinandertreffen immer wieder Anlass zum Schmunzeln.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.04.2026

Ein Mörder, viele Täter und jede Menge Lokalkolorit

Ostseehölle
1

Mit „Ostseehölle“ bringt Eva Almstädt bereits den 21. Fall der Lübecker Kriminalpolizistin Pia Korittki auf den Markt. Mit jeder Menge Lokalkolorit, beruflichen und privaten Spannungen geht es auch dieses ...

Mit „Ostseehölle“ bringt Eva Almstädt bereits den 21. Fall der Lübecker Kriminalpolizistin Pia Korittki auf den Markt. Mit jeder Menge Lokalkolorit, beruflichen und privaten Spannungen geht es auch dieses Mal auf Mördersuche.
Das Cover passt hervorragend zum Inhalt des Krimis: Im Vordergrund ist ein einsam wirkender See zu sehen, während in einiger Entfernung im Hintergrund gut erkennbar die Türme der auf die Lübecker Altstadtinsel gelegenen Marienkirche aufragen. Dunkle, unheilvolle Wolken erzeugen die dazu passende Krimiatmosphäre.
Während einer Führung wird im Turm der Marienkirche eine Leiche entdeckt. Das Lübecker K1 nimmt unter Pias Leitung die Ermittlungen auf. Ins Visier rückt vor allem ein Chor aus Ostholstein in dem die Tote gesungen hat. Mit der Harmonie innerhalb der Chorgemeinschaft ist es nicht allzu weit her. Doch wer kommt wirklich als Täter in Betracht und mit welchem Motiv? Eine Beziehungstat, eher politisch motiviert oder doch etwas ganz anderes? Als anscheinend endlich Bewegung in den verzwickten Fall kommt, werden die Ermittlungen plötzlich an das LKA und damit auch an Pias Lebensgefährten Marten Unruh übertragen.
In diesem jüngsten Fall beeindruckt mich Eva Almstädts bildhafter Schreibstil und vor allem auch die konkreten lokalen Angaben wieder einmal ganz besonders. Es ist einfach toll an wie vielen Stellen sich exakt nachvollziehen lässt, wo in Lübeck sich das Geschehen gerade abspielt. Auch sonst liest sich der Krimi gewohnt flüssig und lädt zum Miträtseln bei der Mördersuche ein, wodurch er nur schwer aus der Hand zu legen ist. Schon im Prolog stellt sich die Frage, was der Unfall des ehemaligen Lehrers wohl mit dem weiteren Handlungsverlauf zu tun haben könnte. Es bleibt also durchweg spannend, denn Eva Almstädt versteht es ihre Leser immer wieder auf die falsche Fährte zu führen, Verbindungen zu schaffen, die erst auf den zweiten Blick erkennbar sind und die zu zahlreichen weiteren Tätern führen. Natürlich wir es zum packenden Finale auch nochmal ziemlich brenzlig. Nebenher ist Pias private Situation wie so oft ziemlich angespannt. Durch die personale Erzählweise ist vor allem ihre Sicht auf die Ereignisse gut nachvollziehbar. Obwohl ich Pias Ansichten und ihr Handeln nicht in jeder Situation vollkommen gutheiße, ist es doch erfrischend menschlich – schließlich ist niemand perfekt. Lebensgefährte Marten Unruh kümmert sich liebevoll um den gemeinsamen Sohn, was in Pia einen Hauch Eifersucht wachruft und auch sonst bedarf ihre Beziehung dringend einer Aussprache. Dass ausgerechnet Martens Abteilung ihre Ermittlungen übertragen werden, nimmt Pia ihm noch zusätzlich übel. Selbstverständlich gelingt es Pia dennoch die Dienstanweisung zu umgehen und über eine aufgedeckte Parallelspur weiter nach Erkenntnissen zu graben. Auf dem Kommissariat verhält sich Kollegin Juliane patziger denn je und setzt sich gleich mehrfach über Pias Anweisungen hinweg, während der neue Kollege bei der Spurensicherung sehr rätselhaft wirkt. Auch die Chormitglieder haben mich durchaus fasziniert. Hier machen offenbar alle gute Miene zum bösen Spiel, denn eigentlich lassen die meisten kaum ein gutes Haar an den anderen, fast jeder hat etwas zu verbergen und auch ihre Ehen und Beziehungen wirken alles andere als glücklich. Trotzdem mimen sie nach außen hin die eingeschworene Gemeinschaft – eine überaus spannende Truppe.
Dieser Krimi hat mich sehr animiert in Lübeck mal an einigen Orten vorbeizuschauen und über die Lage der ostholsteinischen Dörfer zu spekulieren. Außerdem bin ich ausgesprochen neugierig, wie es vor allem zwischen Marten und Pia weitergeht, denn etwas kompliziert ist es ja eigentlich immer. Ich fiebere also dem 22. Fall schon sehnsüchtig entgegen.
Insgesamt ist „Ostseehölle“ ein toller Krimi mit einer gelungenen Mischung aus Lokalkolorit, Spannung, menschlichen Abgründen und interessanten Charakteren, der sich absolut würdig in die beliebte Pia Korittki-Reihe einfügt.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 05.04.2026

Tierische Abenteuer auf der kleinen Farm

Judiths kleine Farm, Band 3,
0

„Charlies großes Fohlen-Abenteuer“ ist der dritte Band aus der Reihe ‚Judiths kleine Farm‘ von Judith Rakers geschrieben und mit herrlichen Illustrationen von Julia Weinmann.
Schon das hübsche Cover mit ...

„Charlies großes Fohlen-Abenteuer“ ist der dritte Band aus der Reihe ‚Judiths kleine Farm‘ von Judith Rakers geschrieben und mit herrlichen Illustrationen von Julia Weinmann.
Schon das hübsche Cover mit Fohlen Charlie im Vordergrund und den quirligen Katzen Lotti und Jack auf der Wiese hat es uns absolut angetan und als große Katzen- und Pferdefans unheimlich neugierig auf die Geschichte gemacht.
Fohlen Charlie übt mit Judith fleißig für die Fohlenschau, stets unter wachsamer Beobachtung der anderen tierischen Farmbewohner. So recht will das Training aber einfach nicht klappen. Als endlich der große Tag gekommen ist, lassen sich Lotti und Jack das große Abenteuer natürlich nicht entgehen und schleichen heimlich zu Charlie in den Pferdeanhänger. Als Charlie seinen großen Auftritt hat, drücken die beiden Katzen ihm kräftig die Pfoten. Nach so viel Aufregung steigt den beiden Samtpfoten ein köstlicher Duft in die feinen Nasen. Blöderweise verpassen sie dabei die Abfahrt zur Farm und sind nun für den Heimweg ganz auf sich gestellt. Eine abenteuerliche und gefährliche Suche nach dem richtigen Weg beginnt. Natürlich können zum Schluss (fast) alle Bewohner der kleinen Farm einen Beitrag zum spannenden Bericht über das große Abenteuer leisten.
Absolut verliebt waren meine kleinen Mitleser und ich sofort in die unheimlich liebevoll gestalteten bunten Illustrationen von Julia Weinmann, in denen sich die Charakterzüge der einzelnen Farmbewohner wunderbar und teils humorvoll widerspiegeln. Besonders hingerissen hat uns der lebhafte und unternehmungsfreudige Kater Jack – ein richtiges kleines Schlitzohr. Natürlich haben meine Mitleser auch bei Charlies großem Auftritt regelrecht mitgefiebert und sich wenig später große Sorgen um Lotti gemacht. Die Fotos der tierischen Helden hinten im Buch verleihen dem Ganzen durch die Erkenntnis, dass die Tiere der kleinen Farm real existieren enorme Authentizität und haben den Kindern große Freude bereitet. An der Kartoffelpflanzaktion werden wir uns jetzt auch bald versuchen und Pferdepflege wird sowieso schon betrieben. Wirklich toll finde ich für die Kinder auch die Möglichkeit, sich das Buch ergänzend per App so oft wie sie möchten anzuhören – gelesen von Judith Rakers selbst. Natürlich gehört es trotzdem zur Lesekultur dazu, Bücher gerade mit kleineren Kindern vorab einmal gemeinsam zu lesen / vorzulesen und (bei Bedarf) zu besprechen.
Die Begeisterung meiner Kinder für die Geschichte konnte ich nicht im gleichen Maß teilen, denn in meinen Augen fehlt es ein wenig an Stringenz: Zunächst steht Fohlen Charlie im Mittelpunkt, um den es ja laut Titel auch geht, dann sind plötzlich die Katzen in Gefahr und zwischendurch geht es noch um Kartoffelanbau und Pferdepflege. Natürlich gehört all das zum Farmleben dazu und regt die Eigenaktivität der Kinder an, dennoch sind die Überleitungen in meinen Augen etwas holprig. Vielleicht wäre es in einem separaten Mitmach-Abschnitt stimmiger. Zudem finde ich die Texte in Anbetracht der Altersempfehlung (4-8 Jahre) insgesamt recht lang. Für ältere Kinder ist das Selbstlesen recht anspruchsvoll, für jüngere Kinder teilweise bereits das Zuhören – gerade bei geringer literarischer Förderung. Natürlich ist es aber für Kindern denen grundsätzlich viel vorgelesen wird bzw. die mit Freude und Motivation viel selbst lesen mit den tierischen Helden eine absolut ansprechende und herrlich bebilderte Geschichte.
Obwohl die Geschichte mich – ganz im Gegensatz zu meinen Kindern, also der eigentlichen Zielgruppe – nicht gänzlich überzeugt hat, überwiegt auch bei mir die Begeisterung über die wundervollen Bilder, die niedlichen, sehr individuellen tierischen Charaktere und die tollen Mitmach-Aktionen. Auch die Möglichkeit das Buch per App anzuhören ist sehr positiv. Ein wirklich schönes Buch für alle kleinen Tier- und Buchfreunde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.04.2026

Großstadtpflanze trifft auf Landleben

Die Liebe trägt Gummistiefel - Lakeland Love
0

„Die Liebe trägt keine Gummistiefel“ von Alexandra Zöbeli ist Band zwei der „Lakeland Love“-Reihe. Auch wer den Auftakt der Reihe noch nicht gelesen hat, wird mühelos in den zweiten Band hineinfinden. ...

„Die Liebe trägt keine Gummistiefel“ von Alexandra Zöbeli ist Band zwei der „Lakeland Love“-Reihe. Auch wer den Auftakt der Reihe noch nicht gelesen hat, wird mühelos in den zweiten Band hineinfinden. Alle anderen dürfen sich schon mal auf ein Wiedersehen mit Tom, Poppy, Harriet und ihrer Familie freuen, wenn auch nur als Nebenfiguren.
Das Cover macht auf den ersten Blick deutlich, dass es sich hier um einen absoluten Feeling-Good-Roman handelt. Vor einem romantischen Cottage inmitten einer Blütenpracht sitzt ein hübscher Boarder-Collie mit einem gelben Gummistiefel im Maul unter einem strahlend blauen Himmel. Alles in allem wirkt es auf beinahe kitschige Art paradisisch und passt hervorragend zum cosy Inhalt des Buches.
Aufgrund gesundheitlicher Sorgen stellt Investmentbankerin Tess plötzlich ihr ganzes Leben in Frage. Eine Wanderung auf dem idyllischen Pennine Way soll ihr bei der Suche nach einem neuen Lebensplan helfen. Tess muss zwar feststellen, dass wandern nicht ihr Ding ist, trifft dabei aber unverhofft auf den sympathischen Gregg – und findet sich plötzlich auf dem Bauernhof seiner Nachbarin Fran wieder.
Alexandra Zöbeli versteht es das Setting so zu beschreiben, dass man sich beim Lesen beinahe dorthin versetzt fühlt und auch der Gefühlsaufruhr, allen voran von Tess kommt gelungen zur Geltung. Dabei ist das Buch so flüssig geschrieben, dass es sich wunderbar locker-leicht liest. Über den Ausgang des Liebesromans muss man sich sicher keine Illusionen machen. Trotzdem plätschert die Handlung nicht nur seicht dahin, sondern bekommt mit den unterschiedlichen Existenzängsten von Tess und Fran durchaus eine gewisse Dynamik. Herausfordernde Themen wie Traumata und Ängste, Leben mit Down-Syndrom, die Sinn-Frage im Leben, Alternative Heilmethoden und Schwierigkeiten Alleinerziehender werden zwar nicht explizit in den Mittelpunkt gestellt, spielen aber mehr oder minder intensiv in die Handlung rein.
Trotz ihrer misslichen Situation – hochschwanger und vom Lebensgefährten betrogen und verlassen – bietet Tierärztin Fran der gestrandeten Wanderin Tess ein Dach über dem Kopf. Obwohl die beiden Frauen ihre bisherigen Leben grundverschieden verbracht haben, sind sie einander sofort sympathisch. Ohne zu ahnen, wie sehr sie noch auf Tess‘ Hilfe angewiesen ist, bringt Fran ihr das Leben auf dem Land näher. Gregg ist mit seiner hilfsbereiten, freundlichen und verantwortungsvollen Art unheimlich sympathisch. Er kümmert sich um die Menschen und Tiere um ihn herum, ist dabei nach Meinung seiner Schwester Harriet allerdings ein kleiner Kontrollfreak. Gerade der Zusammenhalt und die Nähe zu seiner Familie ist Gregg ausgesprochen wichtig. Die Nähe zu Tess sucht er definitiv nicht nur, um sein ausbrecherisches Alpaka wieder einzusammeln. Mit der Protagonistin Tess hatte ich zugegebenermaßen einen eher schwierigen Start. Obwohl die Autorin hier eigene Erfahrungen einfließen lässt, finde ich Tess‘ Handeln im Großen und Ganzen ziemlich überzogen. Ja, sie hat eine traumatische Zeit hinter sich und sicher hat auch jeder das Recht auf eine Phase von Selbstmitleid oder darauf den eigenen Lebensweg in Frage zu stellen, dennoch steigert sich Tess meiner Meinung nach ziemlich in ihre Ängste hinein – so sehr, dass diese für sie bereits Realität sind. Ihre Entwicklung, ihre Hilfsbereitschaft und ihr unermüdlicher Einsatz in völlig fremden Gefilden gefallen mir jedoch ausgesprochen gut. Zwar ist sie stets bereit andere zu unterstützen und mit großer Hartnäckigkeit das Beste zu erreichen, sie selbst ist jedoch keineswegs bereit Hilfe anzunehmen und hält ihre Mitmenschen immer ein wenig auf Abstand. Vor allem bei Gregg erweist sich dies aber als ausgesprochen schwieriges Unterfangen, denn ihre Gefühle machen ihr einen absoluten Strich durch die Rechnung.
Insgesamt bietet „Die Liebe trägt Gummistiefel“ aus der Lakeland-Love-Reihe ein unterhaltsames Lesevergnügen. Insbesondere Freunde romantischer Liebesromanen im ländlichen Setting kommen hier voll auf ihre Kosten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.03.2026

Nur Dystopie oder doch realistisches Grauen?

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
0

Ich muss zugeben, dass „Wellengrab“ von Stefan Ahnhem mich eiskalt erwischt hat. Den Autor und damit auch die Reihe um den schwedischen Ermittler Fabian Risk kannte ich bisher noch nicht. Der Klappentext ...

Ich muss zugeben, dass „Wellengrab“ von Stefan Ahnhem mich eiskalt erwischt hat. Den Autor und damit auch die Reihe um den schwedischen Ermittler Fabian Risk kannte ich bisher noch nicht. Der Klappentext klang interessant und ein „Kriminalroman“ passte gerade auch gut zu meiner Leselaune. Nicht gerechnet habe ich dabei allerdings mit dieser extrem packenden und verstörend authentischen Mischung aus Psycho- und Politthriller, denn als genau das entpuppt sich „Wellengrab“.
Das Cover wirkt mit der roten Schwedenhütte auf dem schroffen Felsen vor dunklen Wolken zwar ein wenig unheilvoll, bereitet den Leser aber nicht annähernd auf den regelrechten Horror vor, der ihn bei der Lektüre erwartet.
Was treibt vollkommen normale Menschen dazu schreckliche Straftaten zu begehen? Wie kann ein Mord inmitten einer Geschäftssitzung vor dutzenden Augen ungesühnt bleiben? Und wie untergräbt man das System das mühelos? Um all diese Fragen dreht sich dieser „Kriminalroman“, aber auch um Fremdenfeindlichkeit, Instrumentalisierung, Manipulation, Radikalisierung, das Gefühl von Zusammenhalt und Abspaltung. Vor allem aber geht es um Angst – das nackte Grauen für die Betroffenen.
Stefan Ahnhems Erzählstil wirkt teilweise recht nüchtern, ebenso wie die Stimme des Hörbuchsprechers David Nathan und erzeugt damit einen äußerst wirkungsvollen Kontrast zu dem düsteren, spannungsgeladenen Geschehen. Die Spannungskurve steigt nach kurzer Anlauf rasch enorm an und steigt bis kurz vor Schluss in schwindelerregende Höhen. Wie das Ende zu bewerten ist, muss wohl jeder Leser für sich entscheiden, denn es bleiben doch einige Fragen offen.
Obwohl Fabian Risk anfangs noch ziemlich lustlos wirkt und den Biss für seinen Job verloren zu haben scheint, weckt der neue perfide Fall den Ermittler aus seiner Lethargie und er beweist sicheres Gespür und zieht oftmals die richtigen Schlüsse. Doch der Fall entwickelt unvorstellbare Dimensionen und nicht allein Fabian und sein Team geraten zunehmend in Gefahr je näher sie der Wahrheit kommen. Auf wen lässt sich in diesem Alptraum noch zählen, wem kann Fabian vertrauen?
Düster, spannend und hochexplosiv geht es in diesem „Kriminalroman“ zu, ganz sicher nichts für schwache Gemüter. Mit einem erschreckend nachvollziehbaren und damit sehr authentisch wirkenden Plot, ist „Wellengrab“ aber ganz sicher ein Hochgenuss für alle Thriller-Fans und obwohl meine Leseerwartung doch gänzlich anderer Art war, hat dieses (Hör-)Buch mich dennoch voll und ganz in seinen Bann gezogen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere