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Veröffentlicht am 08.05.2026

Angenehmer Wohlfühlroman mit kleinen Schwächen

Zeit der Freundinnen
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„Zeit der Freundinnen – Wundertütentage“ von Tanja Huthmacher ist der Auftakt einer neuen Trilogie um drei Freundinnen aus München. Im Mittelpunkt der Handlung steht in diesem Roman Goldschmiedin Julia. ...

„Zeit der Freundinnen – Wundertütentage“ von Tanja Huthmacher ist der Auftakt einer neuen Trilogie um drei Freundinnen aus München. Im Mittelpunkt der Handlung steht in diesem Roman Goldschmiedin Julia.
Cover und Farbschnitt des Romans sind rosa, was mir persönlich etwas grell und wuchtig erscheint. Das Ganze wird jedoch mit hübschen Wildblumen aufgelockert.
Julia ist von der überraschenden Entscheidung ihres 16-jährigen Sohnes Flavio eine Ausbildung als Geigenbauer zu beginnen und daher auszuziehen schwer getroffen, denn ein einschneidendes Erlebnis in ihrer Kindheit ruft bei ihr noch immer stark ausgeprägte Verlustängste hervor. Rückhalt findet Julia jedoch nicht nur bei ihrem Ehemann Max, sondern auch bei ihren Freundinnen Sophie und Helen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden. Inmitten dieses neuen Lebensabschnittes kommen lang gehütete Geheimnisse ans Licht, neue Pläne werden geschmiedet und auch ein alter Bekannter scheint unverhofft wieder auf der Bildfläche aufzutauchen.
Genau wie in Tanja Huthmachers vorangegangener Trilogie „Zeit der Schwestern“ hat mich auch in diesem Roman ihr sehr detaillierter Schreibstil begeistert und in die Handlung hineingezogen. An einigen Stellen hatte ich beinahe das Gefühl Schauplatz und Atmosphäre mit allen Sinnen wahrnehmen zu können. Besonders zentral sind die Themen Freundschaft, Familie und Loslassen und einen neuen Lebensabschnitt beginnen bzw. neue Wege wagen. Die Handlung besticht mit großer Alltagsnähe, die Protagonistinnen im Alter von Anfang bis Ende 40 müssen sich damit arrangieren ihre Kinder aus dem eigenen Haushalt in die (Berufs-)Welt zu verabschieden. Ein paar kleinere und eine größere Überraschung sorgen für die titelgebenden „Wundertütentage“ und einen Hauch Spannung. Allerdings lassen ziemlich viele Zufälle auf einmal die Handlung zeitweise etwas fadenscheinig wirken. Andere Situationen sind für Protagonistin Julia wohl überraschender, als für den Leser selbst. Kleinere Probleme und Konflikte wirken manchmal ein wenig aufgebauscht, werden aber kurzerhand genauso schnell und unproblematisch behoben, wie auch die komplexeren, belastenderen Situationen. Einerseits wirkt der Roman dadurch wirklich hoffnungs- und trostspendend, andererseits empfinde ich persönlich das Verhältnis aber eben auch ein wenig unausgewogen. Nichtsdestotrotz macht das Geschehen mit einer beachtlichen Anzahl noch zu verknüpfenden Enden ziemlich neugierig auf die Folgebände.
Die Charaktere wirken allesamt sympathisch, wobei ich den Zugang besonders zu Flavio und Max sehr leicht gefunden habe. Flavio beeindruckt mich trotz seiner Jugend mit seiner großen Zielstrebigkeit und beachtlichem Kampfgeist. Julias zweiter Ehemann Max macht einen absolut liebenswerten Eindruck. Mit seiner gelassenen und vernünftigen Art ist er für Julia der Fels in der Brandung, unterstützt sie bei ihren Vorhaben auf ganzer Linie und zeigt ihr in kleinen Gesten immer wieder seine Liebe. Max ist zweifelsfrei mein Favorit. Die emotionale Annäherung an Sophie und Helen fiel mir bis zum Schluss ein wenig schwerer, sodass ich sie beim Lesen eher etwas distanziert wahrgenommen habe. Julia dagegen habe ich als Protagonistin gut kennengelernt. Alle drei Freundinnen gehen ihrem Beruf mit großer Leidenschaft nach: Sophie in der Modebranche, Helen als Buchhändlerin und Julia als Goldschmiedin und auch die Kinder der drei haben beinahe zeitgleich das häusliche Nest verlassen. Allerdings gehen die drei Frauen sehr unterschiedlich mit der Situation um: Sophie sieht die Situation recht gelassen. Sie stürzt sich mit voller Energie in die Arbeit und leidet eher unter ihrer spürbaren Ehekrise. Als alleinerziehende Zwillingsmutter hatte Helen in den letzten fast zwanzig Jahren kaum Zeit für sich und genießt es nun endlich ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen zu können. Julia hat zweifelsfrei die größten Probleme damit loszulassen. Oft interpretiert sie zu viel in eine Situation hinein oder fühlt sich schnell im Stich gelassen. Was auf den ersten Blick ein wenig egoistisch wirkt, geht jedoch auf eine traumatische Erfahrung in ihrer Kindheit zurück. Trotz ihrer Schwierigkeiten bemüht sich Julia sehr, die Situation zu meistern und das Beste daraus zu machen. Zwar könnte man meinen, dass die drei Freundinnen mit Ü40 durchaus schon über eine gewisse Reife verfügen, stattdessen wirken sie vor allem bei der gemeinsamen Bergtour eher wie etwas naive und recht unbeholfene Teenager.
Obwohl das Buch mich nicht gänzlich überzeugen konnte, hatte ich eine sehr angenehme und entspannte Lesezeit. Vor allem den lebendigen, detailreichen Schreibstil und die Alltagsnähe in der Handlung haben mir sehr gefallen.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Ziemlich schräg, aber sehr amüsant

Stralsund ermittelt - Tote Dichter schreiben nicht
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In Annabel Ravens jüngstem Krimi heißt es wieder „Stralsund ermittelt“. Der zweite Teil der Reihe ist unter dem Titel „Tote Dichter schreiben nicht“ erschienen und lässt sich auch ohne Kenntnis des ersten ...

In Annabel Ravens jüngstem Krimi heißt es wieder „Stralsund ermittelt“. Der zweite Teil der Reihe ist unter dem Titel „Tote Dichter schreiben nicht“ erschienen und lässt sich auch ohne Kenntnis des ersten Bandes problemlos lesen.
Eigentlich hatte sich das ‚Team Weingold‘-Trio den Sommer ganz anders vorgestellt: Während Fanny – sehr zu Hektors Missfallen eine ausgedehnte Reise nach Asien geplant hat, ist Nele einem Sommerflirt mit ihrem Jugendschwarm nicht abgeneigt. Doch dann erschüttert ein Mord die Sommeridylle. Mysteriöse Hinweise auf einen „Club der toten Dichter“ und das merkwürdige Verhalten von Polizist Enno bringen das Team Weingold ins Ermittlungsfieber und führen auf einer vielversprechenden Spur viele Jahre in die Vergangenheit.
Das Cover vermittelt pure sommerliche Strandidylle, lediglich das hingeworfene Fahrrad deutet sacht daraufhin, dass möglicherweise etwas im Argen liegt.
Annabel Raven vermittelt in ihrem humorvollen Krimiroman jede Menge Lokalkolorit, sodass ich die Ostseeluft beinahe riechen kann. Dabei ist der Schreibstil überaus angenehm und dementsprechend zügig zu lesen. Trotzdem erscheint mir das erste Drittel des Buches etwas langatmig, denn hier fehlt in meinen Augen absolut die Spannung. Nach den ersten 100 Seiten nimmt das Geschehen bzw. die Ermittlung aber rasant an Fahrt auf und auch wenn die Authentizität damit doch deutlich ins Hintertreffen gerät, fällt es mir von da an schwer das Buch aus der Hand zu legen.
Die meisten Charaktere erscheinen mir ziemlich sympathisch, trotzdem kann ich das dreiköpfige Team Weingold, Polizisten Enno und die Nachbarin Birdie kaum ernst nehmen. Das ist aber wohl auch nicht der Anspruch und vielleicht liegt darin sogar der Reiz des spaßigen Krimis. Neles Nachbarin Birdie hat die 80 nach Schätzung ihrer Mitmenschen bereits überschritten. Scharfsinnig, ziemlich dominant und trotz ihres Alters noch ausgesprochen fit gelingt es ihr überaus geschickt andere auszuhorchen ohne selbst all zu viel von ihrer geheimnisvollen Persönlichkeit zu offenbaren. Enno leitet neben der Polizeistation auch noch ein Café am Strand. Was normalerweise gut funktioniert, bringt ihn während der Sommersaison und einem gleichzeitigen Gewaltverbrechen ziemlich in die Bredouille, zumal er auf seiner Dienststelle wenig Unterstützung findet. Über seine Gefühle für Nele ist er sich nicht sicher oder redet es sich zumindest so ein. Dennoch packt ihn die Eifersucht und lässt ihn ziemlich tölpelhaft aussehen. Das Team Weingold wirkt recht blauäugig, ziemlich impulsiv und hat durchaus Ähnlichkeit mit Jugend-Detektivteams wie TKKG oder 3 Fragezeichen, nur das diese drei eben schon beträchtlich älter sind. Gärtner Hektor ist mit seinen 43 Jahren der älteste Hobby-Detektiv. Er wirkt teilweise etwas einsilbig und grummelig. Doch obwohl ernste Gespräche, vor allem mit Fanny, nicht seine größte Stärke ist, hat er das Herz auf dem rechten Fleck. Mit seinen heimlichen Lauschangriffen und zahlreichen nützlichen Verbindungen leistet er für das Team Weingold einen wertvollen Beitrag. Fanny, das Küken im Team, ist ein Computergenie und hat aus Unterforderung ihren Job gekündigt. Sie ist ein wenig unbeholfen in puncto sozialer Interaktion und stößt den Menschen in ihrem Umfeld mit ihrer meist direkten Art gelegentlich ziemlich vor den Kopf. Dabei meint sie es jedoch nicht böse und ihre Fähigkeiten sind für die Ermittlungen oft Gold wert. Psychotherapeutin Nele lebt noch nicht lange in Stralsund, genießt es aber ihr Leben etwas entspannter angehen zulassen als zuvor in New York. Zwar liegt es ihr vor allem die Mikrosignale ihrer Patienten wahrzunehmen und einzuschätzen, im eigenen Lebensumfeld scheinen diese Fähigkeiten jedoch manchmal ihren Dienst zu versagen. Sie trägt vor allem mit ihrer besonnen, planvollen Art und ihrer einfühlsamen Gesprächsführung zu den Ermittlungen bei. Zwar sind die Figuren wenig glaubwürdig, dafür aber herrlich amüsant.
Insgesamt ist „Stralsund ermittelt – Tote Dichter lügen nicht“ ein humorvolles Krimivergnügen, dass zwar etwas schleppend in Gang kommt, dann aber mit seinen schrägen Charakteren viel Lesefreude bereitet und dem tollen Ostseeflair punktet.

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Veröffentlicht am 10.10.2025

Emotionale Achterbahnfahrt mit den Friesenhofschwestern

Der Friesenhof
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Mit „Der Friesenhof – Schicksalstage“ ist der zweite Teil der Teehändler-Saga von Fenja Lüders erschienen. In dem Roman beweisen die starken Frauen der Familie de Fries trotz zahlreicher Differenzen und ...

Mit „Der Friesenhof – Schicksalstage“ ist der zweite Teil der Teehändler-Saga von Fenja Lüders erschienen. In dem Roman beweisen die starken Frauen der Familie de Fries trotz zahlreicher Differenzen und furchtbarer Schicksalsschläge jede Menge Zusammenhalt: Während Hanna mit ihrem Mann Tomek den familiären Hof führt und ihr zweites Kind erwartet, hat ihre Schwester Gesa sich bei ihrer Arbeit im Teekontor unentbehrlich gemacht. Aber auch ihr eigenes Teekontor entwickelt sich überraschend schnell und die heimliche Beziehung zu ihrem verheirateten Chef Keno wird immer intensiver. Doch dann taucht nach 10 Jahren Kriegsgefangenschaft überraschend Gesas Verlobter Gerold auf dem Friesenhof auf. Zusätzlich sorgt die scharfe Zunge der oft schlecht gelaunten ältesten Schwester Helga für Konfliktpotenzial, sodass Tanti mit ihrer direkten Art und ihrer Lebenserfahrung einige Wogen zu glätten hat.
Das Cover passt gut zum Inhalt des Buches und macht die Zusammengehörigkeit mit dem Auftaktband der Saga auf den ersten Blick deutlich. Im Vordergrund sind zwei Frauen zu sehen, die vermutlich die Protagonistinnen Hanna und Gesa darstellen. Etwas unscharf im Hintergrund ist der von Bäumen umgebener Hof zu erkennen, eingerahmt vom blau-weißen Muster eines friesischen Teeservices.
Obwohl ich den ersten Teil noch nicht gelesen habe, was ich zweifelsfrei nachholen muss, bin ich problemlos in die Geschichte eingestiegen. Dass Fenja Lüders vollkommen zurecht zu meinen Lieblingsautorinnen zählt, beweist sie auch mit diesem Buch eindrucksvoll. Sie legt den Fokus der Erzählperspektive mal auf Gesa, mal auf Hanna und transportiert das authentisch wirkende Geschehen ohne Effekthascherei. Dabei aber so eindringlich, dass ich vollkommen von der Handlung vereinnahmt mit den Schwestern gehofft, gebangt, gelitten und mich gefreut habe. Damit erklärt sich auch, das für eine Familiengeschichte vergleichsweise hohe Spannungsniveau, dass zum Schluss in einem überraschenden und absolut mitreißenden Höhepunkt gipfelt. Als Leser kann man nur schwer vorausahnen, was in diesen schweren Zeiten als nächstes passiert, auf welche Art das Schicksal der Familie mitspielt oder ob es ein Happy End gibt. Gern wäre ich beim Lesen auch noch näher an die dritte Schwester im Bunde herangerückt, die aber erzählerisch hinter Hanna und Gesa zurücksteht.
Ebenso wie die Handlung wirken auch die Figuren des Romans mit ganz individuellen Charakterzügen äußerst authentisch. Hannas Mann Tomek und Gesas große Liebe Keno sind überaus loyal und sympathisch. Sie stärken ihren Frauen stets den Rücken ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Trotzdem habe ich beim Lesen immer wieder an Kenos Schneid gezweifelt und mich um Gesa gesorgt. Helga ist von den Erfahrungen aus ihrer Ehe verbittert und bricht oft Streit vom Zaun. Andererseits blüht sie in ihrer neuen Aufgabe auf dem Nachbarshof spürbar auf, behält auch in Ausnahmesituationen einen kühlen Kopf und zeigt manchmal überraschendes Einfühlungsvermögen. Wenn es darauf ankommt, ist auf sie Verlass. Gesas Verlobter Gerold kommt nach 10-jähriger Gefangenschaft psychisch und physisch schwer gezeichnet in die Heimat zurück. Dass von seiner Familie niemand mehr übrig ist und er auch bei Gesa nicht nahtlos an die Vergangenheit anknüpfen kann, versetzt ihm einen weiteren harten Schlag. Hanna hat den Hof mittlerweile gut im Griff und ist mit ihrer kleinen Familie trotz der harten Arbeit sehr glücklich. Doch auch sie wird vom Schicksal nicht verschont. Die mittlere Schwester Gesa steht mit beiden Füßen mitten im Leben. Sie weiß, was sie will und baut sich mit ihrem Realitätsbewusstsein und ihrem unternehmerischen Talent eine Existenzgrundlage auf. Lediglich im Hinblick auf Keno wirkt sie zeitweise etwas naiv. Ganz besondere Freude hat mir Tanti mit ihrer schlagfertigen und direkten Art gemacht und mich einige Male zum Schmunzeln gebracht. Sie steht den Schwestern treu zur Seite, hält mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg, beweist aber auch immer wieder enormes Fingerspitzengefühl.
„Der Friesenhof – Schicksalstage“ ist ein Roman ganz nach meinem Geschmack: von Anfang an fesselnd, emotional unheimlich ergreifend, mit einer unvorhersehbaren, authentischen Handlung und vielschichtigen Charakteren. Lesefreude in reinster Form!

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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 04.08.2025

Lange verdrängte, traumatische Kindheitserlebnisse bewegend aufbereitet

Der Sommer am Ende der Welt
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In „Der Sommer am Ende der Welt“ widmet sich Eva Völler ebenso einfühlsam wie eindringlich dem Schicksal ehemaliger Verschickungskinder – ein Thema das gerne unter den Tisch gekehrt wird.
Journalistin ...

In „Der Sommer am Ende der Welt“ widmet sich Eva Völler ebenso einfühlsam wie eindringlich dem Schicksal ehemaliger Verschickungskinder – ein Thema das gerne unter den Tisch gekehrt wird.
Journalistin Hanna verbindet den Urlaub mit ihrer Teenagertochter Katie auf Borkum mit Recherchearbeit für ihren nächsten Artikel. Auf ebendieser Insel hat auch Hannas Mutter als sogenanntes Verschickungskind Anfang der 60er Jahre sechs Wochen voller traumatischer Erlebnisse in einem der vielen Kinderkurheime zugebracht. Doch selbst Hanna hätte nicht mit dem gerechnet, was bei ihren Recherchen nach und nach ans Licht kommt. Ihre romantischen Gefühle dem loyalen Inselarzt Ole gegenüber, stürzen Hanna in einen tiefen Gewissenskonflikt, denn auch seine Familie ist maßgeblich in die damaligen Verbrechen verwickelt.
Das Cover mit dem Mädchen und der jungen Frau unter unheilvoll dunklen Wolken in trister Umgebung hat für mich etwas Bedrückendes, das hervorragend zum Inhalt des Romans passt. Doch auch wenn das Cover eher düster denn einladend wirkt, ist da auch noch der hoffnungsbringende Lichtschein am Horizont.
Warum Eva Völler zu meinen Lieblingsautorinnen gehört, stellt sie auch mit diesem Roman wieder eindrucksvoll unter Beweis. In ihrem wunderbar flüssig zu lesenden, eindrücklichen Schreibstil, stellt sie auf zwei verschiedenen Zeitebenen und in mehreren spannenden Erzählsträngen sehr feinfühlig das Schicksal ehemaliger Verschickungskinder dar. Ein Schicksal, das auch ich geteilt habe und obwohl mir fast alle Erinnerungen an diese Zeit fehlen, ist einiges doch wieder hochgekommen – ebenso wie das oftmals mühsam heruntergewürgte Essen im Kinderkurheim. Es ist überaus erschütternd, wie wenig damals hinterfragt wurde und das pädagogische Handeln hätte zweifelsfrei besser in eine Kaserne gepasst. Als wäre die wochenlange Trennung von Zuhause nicht schon schlimm genug gewesen. Zusätzlich verbindet Eva Völler die Verschickungsthematik mit NS- und Nachkriegsverbrechen und auch wenn es sich um einen fiktiven Roman handelt, wirkt die Szenerie doch authentisch und liegt absolut im Bereich des Vorstellbaren. Die beinahe von Beginn an vorhandene Spannung baut sich in den verschiedenen Erzählsträngen immer weiter auf und erreicht kurz vor Schluss einen dramatischen Höhepunkt. Langweilig wird es beim Lesen mit Sicherheit nicht. Vielmehr konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen – für mich ein echter Pageturner.
Die Charaktere lassen sich, mit Abstufungen, ziemlich deutlich in die Kategorien gut und böse einordnen, erhalten aber mit ihren individuellen Charakterzügen und Beweggründen deutliche Tiefe. Isa ist stets auf ihr eigenes Wohl und ihren Vorteil bedacht. Die zahlreichen Verbrechen ihrer Vorfahren lassen sie weitgehend kalt. Vielmehr ist sie in Sorge, dass ihr Hotel durch negative Presse eine Rufschädigung erfährt. Um dies zu verhindern ist sie zu einigen Intrigen bereit. Isas herrische Großmutter Margret ist bei ihren Mitmenschen alles andere als beliebt. Doch auch sie hat während ihrer Kindheit und Jugend traumatische Erfahrungen gemacht. Einer Inszenierung gleich gibt sie nun häppchenweise Details aus der Vergangenheit preis. Mehr noch als ihre Enkelin hat auch sie die Fähigkeit ihr Umfeld geschickt zu manipulieren. Mit Luise und Angela gibt es im Jahr 1962 zwei Betreuerinnen im Kinderkurheim die unterschiedlicher nicht sein könnten. Hannas Tochter Katie ist trotz ihres Alters weitgehend umgänglich, verantwortungsbewusst und aufrichtig um ihre Familie besorgt. Inselarzt Ole verliebt sich ebenso Hals über Kopf in Protagonistin Hanna, wie auch umgekehrt. Mit seiner überaus loyalen und zuverlässigen Art steht er Hanna stets liebevoll zur Seite. Die Geschehnisse aus der Vergangenheit machen Ole allerdings schwer zu schaffen. Hanna ist froh darüber Ole an ihrer Seite zu wissen, denn nicht nur ihre Rechercheergebnisse erschüttern sie, auch ihre Gesundheit bereitet ihr Anlass zur Sorge und dann wird auch noch ein Anschlag auf ihr Leben verübt. So sehr sie ihre Erkenntnisse über das Kinderkurheim und die traumatischen Erlebnisse der Verschickungskinder auch an die Öffentlichkeit bringen möchte, treibt sie die Liebe zu Ole in einen tiefen Gewissenskonflikt.
„Der Sommer am Ende der Welt“ ist ein überaus lesenswerter Roman. Düster, spannend, erschütternd, einfühlsam und tiefgründig zugleich, widmet Eva Völler sich einem Thema zu, das viel zu wenig Aufmerksamkeit erhält. Früher war eben doch nicht alles besser.

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Das Koblenzer Katzenkommissariat ermittelt

Frühstück mit Elvis
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„Frühstück mit Elvis“ ist ein Cosy-Katzenkrimi von S. Sagenroth der in Koblenz spielt und einiges an Lokalkolorit zu bieten hat. Das Hörbuch wird von Torsten Buhck gelesen.
Das ansprechende Cover zeigt ...

„Frühstück mit Elvis“ ist ein Cosy-Katzenkrimi von S. Sagenroth der in Koblenz spielt und einiges an Lokalkolorit zu bieten hat. Das Hörbuch wird von Torsten Buhck gelesen.
Das ansprechende Cover zeigt Kater Elvis der zu nächtlicher Stunde auf das vor ihm zwischen Rhein und Mosel liegende Deutsche Eck blickt – sehr passend zum Inhalt des Buches.
Für Elvis bricht eine Welt zusammen: Sein Frauchen Klärchen ist spurlos verschwunden und ihre Kinder räumen zuerst die Wohnung leer und verfrachten ihn anschließend ins Tierheim. Keine Frage, hier will Elvis auf keinen Fall bleiben und so befreit er sich mit einem wagemutigen Trick aus dem Tierheim und macht sich in Koblenz auf die Suche nach seinem Klärchen. Unterwegs lernt er nicht nur einige menschliche und kätzische Bewohner der Stadt kennen, er stolpert auch gleich noch über einen dubiosen Todesfall aus der Vergangenheit und eine brandaktuelle Vermisstensache. Gemeinsam mit seiner neuen Freundin, der unerschrockenen Samtpfote Cloe stürzt Elvis sich in die Ermittlungen – unterstützt von der Koblenzer Katzencommunity.
Eines ist zweifelsfrei klar, die Autorin ist ganz sicher Katzenliebhaberin und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Protagonist Elvis charakterlich besonders differenziert dargestellt wird. Seine Entwicklung vom verwöhnten Stubentiger zum abenteuerlustigen Helden vollzieht sich an Chloes Seite schrittweise und glaubwürdig. Nicht ganz so authentisch erscheint mir die Veränderung der menschlichen Figuren. Wohl auch, weil sie zwar fast alle ausgesprochen sympathisch erscheinen, ihnen meiner Meinung nach aber charakterlich ein wenig Tiefe fehlt. Manche Figuren wirken in ihrer überaus moralischen Haltung, wie z. B. der alte Joseph beinahe schon zu perfekt um einen realen Eindruck zu erwecken. Natürlich sind die im Roman eingebrachten Moralvorstellungen wichtig, insbesondere in der heutigen Zeit. Ein paar Ecken und Kanten hätten einigen Charakteren aber meiner Meinung nach auch gut getan. Die Handlung ist sehr gefällig und trotz des überschaubaren Spannungsniveaus nicht zu seicht. Es werden zahlreiche Themen angerissen, wie z. B. Leben in einem fremden Land, Einsamkeit (im Alter), Resozialisierung und Rehabilitierung und Neubeginne. Hier halten sich die breite Masse der Themen und die Intensität in der Schilderung so gerade noch die Waage. Auf sehr harmonische Art lässt die Autorin auch einigen Lokalkolorit einfließen, während sie Elvis und Co auf Spurensuche schickt.
Ein wenig zwiegespalten bin ich hinsichtlich der Stimme von Torsten Buhck. An einigen Passagen, vor allem bei den älteren Menschen und Katzen passt er wirklich perfekt zum gelesenen Text. Bei den spannenden Textstellen hätte ich mir allerdings ein wenig mehr Schwung gewünscht. Hier erscheint mir seine Stimme etwas zu unaufgeregt. Vielleicht bietet es sich an die Lesegeschwindigkeit ein wenig zu erhöhen.
Insgesamt ist „Frühstück für Elvis“ ein wirklich angenehmer und lesens- bzw. hörenswerter Katzenkrimi, nicht ausschließlich für Katzenfans. Neben einer schönen Atmosphäre und einer interessanten Handlung werden hier auch moralische Werte hochgehalten.

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