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Veröffentlicht am 07.07.2026

Familiengeheimnisse in Norwegens spektakulärer Landschaft

Die vergessene Tochter
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Mit „Die vergessene Tochter“ von Soraya Lane ist bereits Band sieben der Reihe „Die verlorenen Töchter“ erschienen. Diese Mal entführt die Autorin ihre Leser in die atemberaubende Schönheit Norwegens. ...

Mit „Die vergessene Tochter“ von Soraya Lane ist bereits Band sieben der Reihe „Die verlorenen Töchter“ erschienen. Diese Mal entführt die Autorin ihre Leser in die atemberaubende Schönheit Norwegens. Wer, wie ich, einige oder alle weiteren Bände der Reihe gelesen hat, wird bekannte Handlungsverläufe und natürlich Hope als gute Seele der Romane wiedererkennen, darf sich aber auch über zahlreiche Abweichungen von Gewohntem freuen. Obwohl einer Reihe zugehörig, lässt das Buch sich auch unabhängig davon bestens lesen.
Ein kleines, an ihre Großmutter adressiertes Kästchen führt die in London lebende Köchin Charlotte zurück in ihre Heimat Norwegen. Dort erhält sie nicht nur ein spannendes Jobangebot als Küchenchefin in einem neuen Hotel, sondern versucht gemeinsam mit ihrer Großmutter zugleich einem lange gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen. Warum versetzen Kästchen und Inhalt ihre betagte Urgroßmutter in eine solche Aufruhr? Als Charlotte auch noch dem gut aussehenden und erfolgreichen Architekten Harrison näher kommt, drohen die Geister der Vergangenheit sie einzuholen.
Das Cover zeigt eine kleine Hütte vor der weitläufigen, unberührten Natur der norwegischen Fjorde. Zwar spiegelt es damit keine Handlungsinhalte des Buches wider, passt jedoch hervorragend zu den unheimlich atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen, die den Roman auszeichnen. Auch abseits der wunderschön bildhaft dargestellten Natur, die wirklich Lust auf eine Norwegenreise macht, ist der Schreibstil sehr angenehm flüssig zu lesen. Wie gewohnt verläuft auch dieser jüngste Teil der Reihe auf zwei Zeitebenen: In der Vergangenheit dreht sich alles um Amalie und ihre große Liebe Oskar. In der Gegenwart versucht Charlotte mit Unterstützung ihrer Großmutter und des Architekten Harrison die Geheimnisse der Vergangenheit aufzudecken. Vor allem die schicksalhafte Vergangenheit ist ausgesprochen ergreifend. Ein besonderer Aspekt dieses Bandes ist die Tatsache, das Protagonistin Amalie noch lebt und selbst nach und nach von den Ereignissen berichtet, was die Handlung noch einmal emotional vertieft. An einigen Stellen wirkt die beschriebene Romantik beider Zeitebenen, trotz aller Schicksalsschläge beinahe schon ein wenig schwülstig. Ein wenig irritierend habe ich außerdem die etwas unausgewogenen Verhältnisse - die Gegenwart wirkt mitunter recht oberflächlich - die vielen Fragezeichen, die am Schluss noch bestehen und einen nicht unerheblichen Logikfehler empfunden. Dies hat das vorhandene Lesevergnügen durchaus etwas beeinträchtigt. Auch der Zusammenhang zwischen Titel und Inhalt erschließt sich mir nicht so recht, wobei der Buchtitel sich natürlich hervorragend in die Reihe einfügt.
Als Protagonisten in der vergangenen Zeitschiene dienen mit Amalie und Oskar zwei junge Menschen voller Hoffnungen und Träume, die aus grundverschiedenen Welten kommen. Beide sind jedoch bereit für ihre Liebe und alles, was ihnen wichtig ist zu kämpfen. Besonders Amalie stellt dies nach einem herben Schicksalsschlag eindrucksvoll unter Beweis. Ihre Urenkelin Charlotte zeigt sich sehr ehrgeizig und ziemlich nachtragend. Bei genauerer Betrachtung lassen sich aber auch große Verletzlichkeit und die Fähigkeit schnell zu verzeihen nachdem sie einmal über ihren Schatten gesprungen ist erkennen. Harrison hat mit einem Wechselbad der Gefühle zu kämpfen. Obwohl er sich zu Charlotte hingezogen fühlt, bereitet ihm diese Zuneigung mitunter erhebliche Gewissensbisse, denn auch er hat eine belastende Vergangenheit zu tragen.
Obwohl „Die vergessene Tochter“ nur in landschaftlicher Hinsicht zu meinem Lieblingsband der Reihe werden konnte, schenkt dieser Roman eine unterhaltsame, berührende und entspannte Lesezeit und ist damit durchaus lesenswert.

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Veröffentlicht am 30.05.2026

Charismatische Figuren und ein tödliches Jubiläum in dörflicher Nordseeidylle

Akte Nordsee - Die letzte Predigt
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Der vierte Teil der Akte Nordsee Reihe von Eva Almstädt trägt den Titel „Die letzte Predigt“. Auch in diesem Krimi um einen toten Pastor und eine tote Frau stellen Anwältin Fentje und Journalist Niklas ...

Der vierte Teil der Akte Nordsee Reihe von Eva Almstädt trägt den Titel „Die letzte Predigt“. Auch in diesem Krimi um einen toten Pastor und eine tote Frau stellen Anwältin Fentje und Journalist Niklas wieder waghalsige Ermittlungen an. Wer mit diesem Band erst in die Reihe einsteigt wird vielleicht wenige Anspielungen auf frühere Geschehnisse nicht erkennen, ansonsten aber sicher keinerlei Schwierigkeiten haben dem Geschehen zu folgen.
Das unheilvoll wirkende, aber dennoch ansprechende Cover passt gut zu Inhalt und Schauplatz des Buches. Wie auch die anderen Buchcover der Eva Almstädt Krimis hat es hohen Wiedererkennungswert.
Nach den Feierlichkeiten zu einer Silbernen Konfirmation wird zunächst der Pastor von Estherwieck und kurz darauf eine der Silberkonfirmandinnen tot aufgefunden. Obwohl der Tod des Pastors auf den ersten Blick nicht nach Fremdverschulden aussieht, stellen sich schließlich beide Todesfälle als Morde heraus. Ins Visier der Ermittlungen gerät dabei vor allem Journalist Niklas, der zuletzt mit der Toten gesehen wurde. Als möglicher Tatverdächtiger im Fadenkreuz stehend, ist Niklas auf die Mithilfe von Anwältin Fentje angewiesen, um seine Unschuld zu beweisen und die wahren Täter zu entlarven. Was jedoch als harmlose Ermittlung beginnt, wird schon bald zur tödlichen Gefahr.
Eva Almstädt bietet ihren Lesern auch in diesem Krimi wieder die Möglichkeit zum Miträtseln und legt zahlreiche falsche Fährten. Ihr Schreibstil ist gewohnt eindrücklich und lässt sich ausgesprochen flüssig lesen. Allerdings fällt eines bei die Aufteilung des Buches auf: Während die charismatischen (Neben-)Figuren im ersten Teil in zahlreichen Situation eher für Schmunzeln sorgen, stehen in der zweiten Hälfte vor allem die Beziehungsebene von Fentje und Niklas sowie die Ermittlungen im Fokus und die Spannung steigt massiv an. Dies wirkt auf mich etwas unausgewogener als ich es von anderen Romanen der Autorin gewohnt bin. Dennoch punktet „Die letzte Predigt“ mit einer packenden Handlung, sehr plastischen Charakteren, einem tollen Setting und – zumindest in der zweiten Hälfte – mit einer ordentlichen Dosis Spannung. Sehr missfallen haben mir hingegen die zahlreichen Rechtschreibfehler über die ich beim Lesen immer wieder gestolpert bin auch ohne explizit danach zu suchen.
Unheimlich viel Gefallen finde ich an den Figuren: Sowohl Fentje und Niklas als Protagonisten, als auch die Nebenfiguren wie Gretje, Blofeld, Nichte Sofia und auch Patricia bereiten mir enormes Lesevergnügen. Die kleinen plattdeutschen Einschübe von Oma Gretje, die immer wieder ziemlich aufdringlich versucht Fentje an den Mann zu bringen, sind absolut charmant. Sie ist eben ein absolutes Original. Ein bisschen traurig bin ich, dass die divenhafte Katze Blofeld nur einen kurzen Auftritt hatte, denn sie ist mit ihren Launen mein heimlicher Star. Die Beziehung zwischen Fentje und Niklas liefert eine tolle Dynamik, die vor allem in der zweiten Hälfte des Buches zum Tragen kommt. Als Fentje ihre kurze Beziehung zu Niklas unter einem jämmerlichen Vorwand beendet, erntet er automatisch mein Mitgefühl. Überhaupt wird er für seine Gutmütigkeit und seine Hilfsbereitschaft gewaltig abgestraft. Die Zusammenarbeit zwischen Fentje und ihm ergänzt sich bei den Ermittlungen wieder einmal ausgesprochen gut. Wobei die beiden das planvolle Vorgehen auch gern mal über den Haufen werfen. Ihre spontanen Reaktionen führen auch dieses Mal wieder von Schwierigkeiten bis hin zu tödlicher Gefahr. Die Art wie Fentje ihre Beziehung beendet deutet zwar zunächst auf eine impulsive Kurzschlussreaktion hin, doch dahinter steckt deutlich mehr. Eingestehen kann sie dies jedoch weder sich selbst noch Niklas. Ihr Plan auf Abstand zu gehen scheitert trotzdem kläglich, sowohl aufgrund der gemeinsamen Mordermittlungen aber nicht zuletzt auch aufgrund ihrer mangelnden Standhaftigkeit in Bezug auf Niklas und der nicht zu leugnenden Gefühle der Beiden füreinander. Als Fentje den skrupellosen Tätern ein wenig zu nah kommt, setzt Niklas Himmel und Hölle in Bewegung um sie zu retten.
„Die letzte Predigt“ steht als vierter Band der Akte Nordsee Reihe seinen starken Vorgängern in puncto Handlung in meinen Augen ein klein wenig nach. Mit den liebenswert, schrulligen Figuren und der Mischung aus heiteren Situationen und spannungsgeladenem Krimi ist aber auch dieser Band herrlich zu lesen und absolut zu empfehlen. Ich freue mich schon auf Band fünf.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
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  • Charaktere
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  • Spannung
Veröffentlicht am 08.05.2026

Angenehmer Wohlfühlroman mit kleinen Schwächen

Zeit der Freundinnen
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„Zeit der Freundinnen – Wundertütentage“ von Tanja Huthmacher ist der Auftakt einer neuen Trilogie um drei Freundinnen aus München. Im Mittelpunkt der Handlung steht in diesem Roman Goldschmiedin Julia. ...

„Zeit der Freundinnen – Wundertütentage“ von Tanja Huthmacher ist der Auftakt einer neuen Trilogie um drei Freundinnen aus München. Im Mittelpunkt der Handlung steht in diesem Roman Goldschmiedin Julia.
Cover und Farbschnitt des Romans sind rosa, was mir persönlich etwas grell und wuchtig erscheint. Das Ganze wird jedoch mit hübschen Wildblumen aufgelockert.
Julia ist von der überraschenden Entscheidung ihres 16-jährigen Sohnes Flavio eine Ausbildung als Geigenbauer zu beginnen und daher auszuziehen schwer getroffen, denn ein einschneidendes Erlebnis in ihrer Kindheit ruft bei ihr noch immer stark ausgeprägte Verlustängste hervor. Rückhalt findet Julia jedoch nicht nur bei ihrem Ehemann Max, sondern auch bei ihren Freundinnen Sophie und Helen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden. Inmitten dieses neuen Lebensabschnittes kommen lang gehütete Geheimnisse ans Licht, neue Pläne werden geschmiedet und auch ein alter Bekannter scheint unverhofft wieder auf der Bildfläche aufzutauchen.
Genau wie in Tanja Huthmachers vorangegangener Trilogie „Zeit der Schwestern“ hat mich auch in diesem Roman ihr sehr detaillierter Schreibstil begeistert und in die Handlung hineingezogen. An einigen Stellen hatte ich beinahe das Gefühl Schauplatz und Atmosphäre mit allen Sinnen wahrnehmen zu können. Besonders zentral sind die Themen Freundschaft, Familie und Loslassen und einen neuen Lebensabschnitt beginnen bzw. neue Wege wagen. Die Handlung besticht mit großer Alltagsnähe, die Protagonistinnen im Alter von Anfang bis Ende 40 müssen sich damit arrangieren ihre Kinder aus dem eigenen Haushalt in die (Berufs-)Welt zu verabschieden. Ein paar kleinere und eine größere Überraschung sorgen für die titelgebenden „Wundertütentage“ und einen Hauch Spannung. Allerdings lassen ziemlich viele Zufälle auf einmal die Handlung zeitweise etwas fadenscheinig wirken. Andere Situationen sind für Protagonistin Julia wohl überraschender, als für den Leser selbst. Kleinere Probleme und Konflikte wirken manchmal ein wenig aufgebauscht, werden aber kurzerhand genauso schnell und unproblematisch behoben, wie auch die komplexeren, belastenderen Situationen. Einerseits wirkt der Roman dadurch wirklich hoffnungs- und trostspendend, andererseits empfinde ich persönlich das Verhältnis aber eben auch ein wenig unausgewogen. Nichtsdestotrotz macht das Geschehen mit einer beachtlichen Anzahl noch zu verknüpfenden Enden ziemlich neugierig auf die Folgebände.
Die Charaktere wirken allesamt sympathisch, wobei ich den Zugang besonders zu Flavio und Max sehr leicht gefunden habe. Flavio beeindruckt mich trotz seiner Jugend mit seiner großen Zielstrebigkeit und beachtlichem Kampfgeist. Julias zweiter Ehemann Max macht einen absolut liebenswerten Eindruck. Mit seiner gelassenen und vernünftigen Art ist er für Julia der Fels in der Brandung, unterstützt sie bei ihren Vorhaben auf ganzer Linie und zeigt ihr in kleinen Gesten immer wieder seine Liebe. Max ist zweifelsfrei mein Favorit. Die emotionale Annäherung an Sophie und Helen fiel mir bis zum Schluss ein wenig schwerer, sodass ich sie beim Lesen eher etwas distanziert wahrgenommen habe. Julia dagegen habe ich als Protagonistin gut kennengelernt. Alle drei Freundinnen gehen ihrem Beruf mit großer Leidenschaft nach: Sophie in der Modebranche, Helen als Buchhändlerin und Julia als Goldschmiedin und auch die Kinder der drei haben beinahe zeitgleich das häusliche Nest verlassen. Allerdings gehen die drei Frauen sehr unterschiedlich mit der Situation um: Sophie sieht die Situation recht gelassen. Sie stürzt sich mit voller Energie in die Arbeit und leidet eher unter ihrer spürbaren Ehekrise. Als alleinerziehende Zwillingsmutter hatte Helen in den letzten fast zwanzig Jahren kaum Zeit für sich und genießt es nun endlich ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen zu können. Julia hat zweifelsfrei die größten Probleme damit loszulassen. Oft interpretiert sie zu viel in eine Situation hinein oder fühlt sich schnell im Stich gelassen. Was auf den ersten Blick ein wenig egoistisch wirkt, geht jedoch auf eine traumatische Erfahrung in ihrer Kindheit zurück. Trotz ihrer Schwierigkeiten bemüht sich Julia sehr, die Situation zu meistern und das Beste daraus zu machen. Zwar könnte man meinen, dass die drei Freundinnen mit Ü40 durchaus schon über eine gewisse Reife verfügen, stattdessen wirken sie vor allem bei der gemeinsamen Bergtour eher wie etwas naive und recht unbeholfene Teenager.
Obwohl das Buch mich nicht gänzlich überzeugen konnte, hatte ich eine sehr angenehme und entspannte Lesezeit. Vor allem den lebendigen, detailreichen Schreibstil und die Alltagsnähe in der Handlung haben mir sehr gefallen.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Ziemlich schräg, aber sehr amüsant

Stralsund ermittelt - Tote Dichter schreiben nicht
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In Annabel Ravens jüngstem Krimi heißt es wieder „Stralsund ermittelt“. Der zweite Teil der Reihe ist unter dem Titel „Tote Dichter schreiben nicht“ erschienen und lässt sich auch ohne Kenntnis des ersten ...

In Annabel Ravens jüngstem Krimi heißt es wieder „Stralsund ermittelt“. Der zweite Teil der Reihe ist unter dem Titel „Tote Dichter schreiben nicht“ erschienen und lässt sich auch ohne Kenntnis des ersten Bandes problemlos lesen.
Eigentlich hatte sich das ‚Team Weingold‘-Trio den Sommer ganz anders vorgestellt: Während Fanny – sehr zu Hektors Missfallen eine ausgedehnte Reise nach Asien geplant hat, ist Nele einem Sommerflirt mit ihrem Jugendschwarm nicht abgeneigt. Doch dann erschüttert ein Mord die Sommeridylle. Mysteriöse Hinweise auf einen „Club der toten Dichter“ und das merkwürdige Verhalten von Polizist Enno bringen das Team Weingold ins Ermittlungsfieber und führen auf einer vielversprechenden Spur viele Jahre in die Vergangenheit.
Das Cover vermittelt pure sommerliche Strandidylle, lediglich das hingeworfene Fahrrad deutet sacht daraufhin, dass möglicherweise etwas im Argen liegt.
Annabel Raven vermittelt in ihrem humorvollen Krimiroman jede Menge Lokalkolorit, sodass ich die Ostseeluft beinahe riechen kann. Dabei ist der Schreibstil überaus angenehm und dementsprechend zügig zu lesen. Trotzdem erscheint mir das erste Drittel des Buches etwas langatmig, denn hier fehlt in meinen Augen absolut die Spannung. Nach den ersten 100 Seiten nimmt das Geschehen bzw. die Ermittlung aber rasant an Fahrt auf und auch wenn die Authentizität damit doch deutlich ins Hintertreffen gerät, fällt es mir von da an schwer das Buch aus der Hand zu legen.
Die meisten Charaktere erscheinen mir ziemlich sympathisch, trotzdem kann ich das dreiköpfige Team Weingold, Polizisten Enno und die Nachbarin Birdie kaum ernst nehmen. Das ist aber wohl auch nicht der Anspruch und vielleicht liegt darin sogar der Reiz des spaßigen Krimis. Neles Nachbarin Birdie hat die 80 nach Schätzung ihrer Mitmenschen bereits überschritten. Scharfsinnig, ziemlich dominant und trotz ihres Alters noch ausgesprochen fit gelingt es ihr überaus geschickt andere auszuhorchen ohne selbst all zu viel von ihrer geheimnisvollen Persönlichkeit zu offenbaren. Enno leitet neben der Polizeistation auch noch ein Café am Strand. Was normalerweise gut funktioniert, bringt ihn während der Sommersaison und einem gleichzeitigen Gewaltverbrechen ziemlich in die Bredouille, zumal er auf seiner Dienststelle wenig Unterstützung findet. Über seine Gefühle für Nele ist er sich nicht sicher oder redet es sich zumindest so ein. Dennoch packt ihn die Eifersucht und lässt ihn ziemlich tölpelhaft aussehen. Das Team Weingold wirkt recht blauäugig, ziemlich impulsiv und hat durchaus Ähnlichkeit mit Jugend-Detektivteams wie TKKG oder 3 Fragezeichen, nur das diese drei eben schon beträchtlich älter sind. Gärtner Hektor ist mit seinen 43 Jahren der älteste Hobby-Detektiv. Er wirkt teilweise etwas einsilbig und grummelig. Doch obwohl ernste Gespräche, vor allem mit Fanny, nicht seine größte Stärke ist, hat er das Herz auf dem rechten Fleck. Mit seinen heimlichen Lauschangriffen und zahlreichen nützlichen Verbindungen leistet er für das Team Weingold einen wertvollen Beitrag. Fanny, das Küken im Team, ist ein Computergenie und hat aus Unterforderung ihren Job gekündigt. Sie ist ein wenig unbeholfen in puncto sozialer Interaktion und stößt den Menschen in ihrem Umfeld mit ihrer meist direkten Art gelegentlich ziemlich vor den Kopf. Dabei meint sie es jedoch nicht böse und ihre Fähigkeiten sind für die Ermittlungen oft Gold wert. Psychotherapeutin Nele lebt noch nicht lange in Stralsund, genießt es aber ihr Leben etwas entspannter angehen zulassen als zuvor in New York. Zwar liegt es ihr vor allem die Mikrosignale ihrer Patienten wahrzunehmen und einzuschätzen, im eigenen Lebensumfeld scheinen diese Fähigkeiten jedoch manchmal ihren Dienst zu versagen. Sie trägt vor allem mit ihrer besonnen, planvollen Art und ihrer einfühlsamen Gesprächsführung zu den Ermittlungen bei. Zwar sind die Figuren wenig glaubwürdig, dafür aber herrlich amüsant.
Insgesamt ist „Stralsund ermittelt – Tote Dichter lügen nicht“ ein humorvolles Krimivergnügen, dass zwar etwas schleppend in Gang kommt, dann aber mit seinen schrägen Charakteren viel Lesefreude bereitet und dem tollen Ostseeflair punktet.

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Veröffentlicht am 10.10.2025

Emotionale Achterbahnfahrt mit den Friesenhofschwestern

Der Friesenhof
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Mit „Der Friesenhof – Schicksalstage“ ist der zweite Teil der Teehändler-Saga von Fenja Lüders erschienen. In dem Roman beweisen die starken Frauen der Familie de Fries trotz zahlreicher Differenzen und ...

Mit „Der Friesenhof – Schicksalstage“ ist der zweite Teil der Teehändler-Saga von Fenja Lüders erschienen. In dem Roman beweisen die starken Frauen der Familie de Fries trotz zahlreicher Differenzen und furchtbarer Schicksalsschläge jede Menge Zusammenhalt: Während Hanna mit ihrem Mann Tomek den familiären Hof führt und ihr zweites Kind erwartet, hat ihre Schwester Gesa sich bei ihrer Arbeit im Teekontor unentbehrlich gemacht. Aber auch ihr eigenes Teekontor entwickelt sich überraschend schnell und die heimliche Beziehung zu ihrem verheirateten Chef Keno wird immer intensiver. Doch dann taucht nach 10 Jahren Kriegsgefangenschaft überraschend Gesas Verlobter Gerold auf dem Friesenhof auf. Zusätzlich sorgt die scharfe Zunge der oft schlecht gelaunten ältesten Schwester Helga für Konfliktpotenzial, sodass Tanti mit ihrer direkten Art und ihrer Lebenserfahrung einige Wogen zu glätten hat.
Das Cover passt gut zum Inhalt des Buches und macht die Zusammengehörigkeit mit dem Auftaktband der Saga auf den ersten Blick deutlich. Im Vordergrund sind zwei Frauen zu sehen, die vermutlich die Protagonistinnen Hanna und Gesa darstellen. Etwas unscharf im Hintergrund ist der von Bäumen umgebener Hof zu erkennen, eingerahmt vom blau-weißen Muster eines friesischen Teeservices.
Obwohl ich den ersten Teil noch nicht gelesen habe, was ich zweifelsfrei nachholen muss, bin ich problemlos in die Geschichte eingestiegen. Dass Fenja Lüders vollkommen zurecht zu meinen Lieblingsautorinnen zählt, beweist sie auch mit diesem Buch eindrucksvoll. Sie legt den Fokus der Erzählperspektive mal auf Gesa, mal auf Hanna und transportiert das authentisch wirkende Geschehen ohne Effekthascherei. Dabei aber so eindringlich, dass ich vollkommen von der Handlung vereinnahmt mit den Schwestern gehofft, gebangt, gelitten und mich gefreut habe. Damit erklärt sich auch, das für eine Familiengeschichte vergleichsweise hohe Spannungsniveau, dass zum Schluss in einem überraschenden und absolut mitreißenden Höhepunkt gipfelt. Als Leser kann man nur schwer vorausahnen, was in diesen schweren Zeiten als nächstes passiert, auf welche Art das Schicksal der Familie mitspielt oder ob es ein Happy End gibt. Gern wäre ich beim Lesen auch noch näher an die dritte Schwester im Bunde herangerückt, die aber erzählerisch hinter Hanna und Gesa zurücksteht.
Ebenso wie die Handlung wirken auch die Figuren des Romans mit ganz individuellen Charakterzügen äußerst authentisch. Hannas Mann Tomek und Gesas große Liebe Keno sind überaus loyal und sympathisch. Sie stärken ihren Frauen stets den Rücken ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Trotzdem habe ich beim Lesen immer wieder an Kenos Schneid gezweifelt und mich um Gesa gesorgt. Helga ist von den Erfahrungen aus ihrer Ehe verbittert und bricht oft Streit vom Zaun. Andererseits blüht sie in ihrer neuen Aufgabe auf dem Nachbarshof spürbar auf, behält auch in Ausnahmesituationen einen kühlen Kopf und zeigt manchmal überraschendes Einfühlungsvermögen. Wenn es darauf ankommt, ist auf sie Verlass. Gesas Verlobter Gerold kommt nach 10-jähriger Gefangenschaft psychisch und physisch schwer gezeichnet in die Heimat zurück. Dass von seiner Familie niemand mehr übrig ist und er auch bei Gesa nicht nahtlos an die Vergangenheit anknüpfen kann, versetzt ihm einen weiteren harten Schlag. Hanna hat den Hof mittlerweile gut im Griff und ist mit ihrer kleinen Familie trotz der harten Arbeit sehr glücklich. Doch auch sie wird vom Schicksal nicht verschont. Die mittlere Schwester Gesa steht mit beiden Füßen mitten im Leben. Sie weiß, was sie will und baut sich mit ihrem Realitätsbewusstsein und ihrem unternehmerischen Talent eine Existenzgrundlage auf. Lediglich im Hinblick auf Keno wirkt sie zeitweise etwas naiv. Ganz besondere Freude hat mir Tanti mit ihrer schlagfertigen und direkten Art gemacht und mich einige Male zum Schmunzeln gebracht. Sie steht den Schwestern treu zur Seite, hält mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg, beweist aber auch immer wieder enormes Fingerspitzengefühl.
„Der Friesenhof – Schicksalstage“ ist ein Roman ganz nach meinem Geschmack: von Anfang an fesselnd, emotional unheimlich ergreifend, mit einer unvorhersehbaren, authentischen Handlung und vielschichtigen Charakteren. Lesefreude in reinster Form!

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