Familiengeheimnisse in Norwegens spektakulärer Landschaft
Die vergessene TochterMit „Die vergessene Tochter“ von Soraya Lane ist bereits Band sieben der Reihe „Die verlorenen Töchter“ erschienen. Diese Mal entführt die Autorin ihre Leser in die atemberaubende Schönheit Norwegens. ...
Mit „Die vergessene Tochter“ von Soraya Lane ist bereits Band sieben der Reihe „Die verlorenen Töchter“ erschienen. Diese Mal entführt die Autorin ihre Leser in die atemberaubende Schönheit Norwegens. Wer, wie ich, einige oder alle weiteren Bände der Reihe gelesen hat, wird bekannte Handlungsverläufe und natürlich Hope als gute Seele der Romane wiedererkennen, darf sich aber auch über zahlreiche Abweichungen von Gewohntem freuen. Obwohl einer Reihe zugehörig, lässt das Buch sich auch unabhängig davon bestens lesen.
Ein kleines, an ihre Großmutter adressiertes Kästchen führt die in London lebende Köchin Charlotte zurück in ihre Heimat Norwegen. Dort erhält sie nicht nur ein spannendes Jobangebot als Küchenchefin in einem neuen Hotel, sondern versucht gemeinsam mit ihrer Großmutter zugleich einem lange gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen. Warum versetzen Kästchen und Inhalt ihre betagte Urgroßmutter in eine solche Aufruhr? Als Charlotte auch noch dem gut aussehenden und erfolgreichen Architekten Harrison näher kommt, drohen die Geister der Vergangenheit sie einzuholen.
Das Cover zeigt eine kleine Hütte vor der weitläufigen, unberührten Natur der norwegischen Fjorde. Zwar spiegelt es damit keine Handlungsinhalte des Buches wider, passt jedoch hervorragend zu den unheimlich atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen, die den Roman auszeichnen. Auch abseits der wunderschön bildhaft dargestellten Natur, die wirklich Lust auf eine Norwegenreise macht, ist der Schreibstil sehr angenehm flüssig zu lesen. Wie gewohnt verläuft auch dieser jüngste Teil der Reihe auf zwei Zeitebenen: In der Vergangenheit dreht sich alles um Amalie und ihre große Liebe Oskar. In der Gegenwart versucht Charlotte mit Unterstützung ihrer Großmutter und des Architekten Harrison die Geheimnisse der Vergangenheit aufzudecken. Vor allem die schicksalhafte Vergangenheit ist ausgesprochen ergreifend. Ein besonderer Aspekt dieses Bandes ist die Tatsache, das Protagonistin Amalie noch lebt und selbst nach und nach von den Ereignissen berichtet, was die Handlung noch einmal emotional vertieft. An einigen Stellen wirkt die beschriebene Romantik beider Zeitebenen, trotz aller Schicksalsschläge beinahe schon ein wenig schwülstig. Ein wenig irritierend habe ich außerdem die etwas unausgewogenen Verhältnisse - die Gegenwart wirkt mitunter recht oberflächlich - die vielen Fragezeichen, die am Schluss noch bestehen und einen nicht unerheblichen Logikfehler empfunden. Dies hat das vorhandene Lesevergnügen durchaus etwas beeinträchtigt. Auch der Zusammenhang zwischen Titel und Inhalt erschließt sich mir nicht so recht, wobei der Buchtitel sich natürlich hervorragend in die Reihe einfügt.
Als Protagonisten in der vergangenen Zeitschiene dienen mit Amalie und Oskar zwei junge Menschen voller Hoffnungen und Träume, die aus grundverschiedenen Welten kommen. Beide sind jedoch bereit für ihre Liebe und alles, was ihnen wichtig ist zu kämpfen. Besonders Amalie stellt dies nach einem herben Schicksalsschlag eindrucksvoll unter Beweis. Ihre Urenkelin Charlotte zeigt sich sehr ehrgeizig und ziemlich nachtragend. Bei genauerer Betrachtung lassen sich aber auch große Verletzlichkeit und die Fähigkeit schnell zu verzeihen nachdem sie einmal über ihren Schatten gesprungen ist erkennen. Harrison hat mit einem Wechselbad der Gefühle zu kämpfen. Obwohl er sich zu Charlotte hingezogen fühlt, bereitet ihm diese Zuneigung mitunter erhebliche Gewissensbisse, denn auch er hat eine belastende Vergangenheit zu tragen.
Obwohl „Die vergessene Tochter“ nur in landschaftlicher Hinsicht zu meinem Lieblingsband der Reihe werden konnte, schenkt dieser Roman eine unterhaltsame, berührende und entspannte Lesezeit und ist damit durchaus lesenswert.