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Veröffentlicht am 31.10.2020

Gepäck

Touch My Heart
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“Nein, absolut nicht, wir beide haben viel zu viel Gepäck. Damit muss man erstmal klarkommen. Alles nur rein geschäftlich.“

„Touch my Heart“ ist ein New Adult-Roman von Michelle Schrenk und Emily Ferguson. ...

“Nein, absolut nicht, wir beide haben viel zu viel Gepäck. Damit muss man erstmal klarkommen. Alles nur rein geschäftlich.“

„Touch my Heart“ ist ein New Adult-Roman von Michelle Schrenk und Emily Ferguson. Er erschien im Juli 2020 im Montlake Verlag von Amazon Publishing und ist der zweite Band der New York Dreams-Reihe.
Lillian ist bereit einen Neuanfang in New York zu wagen, was mit einigen Startschwierigkeiten auch tatsächlich gelingt. Ihre Vergangenheit lässt sie allerdings nicht vollständig los und der Tag, an dem sie sich mit ihr auseinandersetzen muss rückt immer näher und könnte alles zerstören, dass sie sich seit dem Neustart aufgebaut hat…

Auf den zweiten Band der New York Dreams-Reihe hatte ich mich sehr gefreut, denn die Geschichte von Tad und Mary fand ich sehr berührend und emotional. Dieser zweite Band konnte mich dann jedoch leider nicht vollkommen erreichen, denn es gab zu viel Klischee und ein für mich völlig unnötiges und zu klassisches Missverständnis zum Ende der Handlung. Die Plotidee sowie die angerissenen Themen haben mir dabei zwar im Grunde sehr gut gefallen, die Umsetzung wirkte auf mich allerdings etwas zu konstruiert und letztendlich nur wenig einzigartig.
Logan und Lillian gefallen mir als Figuren allerdings sehr gut. Lillian kann man im Grunde nur gernhaben und die Art, mit der sie mit der kleinen Haley umgeht, ist wirklich einzigartig und toll. Lillian schafft es innerhalb kurzer Zeit wieder Freude in das Leben der Familie Westwick zu bringen und lockert die Stimmung im Haus deutlich auf. Der langsame Beginn einer Beziehung zu ihrem Chef Logan ist dabei sehr schön beschrieben und definitiv romantisch. Insgesamt hat es mir sehr gut gefallen, wie die beiden einander näherkommen und füreinander einstehen. Hierbei gibt es genug Probleme und Konflikte, jeder von ihnen hat „Gepäck“ dabei, denn die Vergangenheit lässt sich nun mal nicht begraben. Der Umgang der beiden mit diesen Altlasten und das gemeinsame bewältigen der Krise ist aber einzigartig und wunderschön.
Die Ich-Perspektive von Lillian veranschaulicht ihre Gedanken und Gefühle dabei sehr gut und verstärkt die Spannung um das Ereignis ihrer Vergangenheit, welches sie um jeden Preis verbergen will, das sie aber noch immer stark belastet und schließlich einholt…
Die ersten dreiviertel des Buches haben mir daher sehr gut gefallen und wirkten auf mich sehr authentisch und nachvollziehbar. Erst im letzten Viertel des Buches wurde die Geschichte für mich dann ein bisschen klischeehaft, denn obwohl der eigentliche Hauptkonflikt bereits gelöst war, musste ein weiterer, völlig unbegründeter und durch ein typisches Missverständnis entstandener Streit zwischen dem jungen Paar entstehen, der die zarte Verbindung direkt vollständig in Frage stellt. Dieser, für mich gewollte und übertriebene Konflikt hat für mich leider die gesamte Handlung zerstört und den sonst gut überlegten und romantischen Roman in einem anderen Licht dargestellt – wirklich schade! ☹
Als zweiter Band der „New York Dreams“-Reihe fehlte mir zudem eine klare Verbindung zum ersten Teil der Reihe. Mary und Tad spielen nur zu Beginn eine winzig kleine Rolle, eine weitere Verbindung stellt die Agentin von Tad dar, die auch als Jobvermittlerin für Logan kurz erwähnt wird. Obwohl Mary zu Beginn als Freundin von Lilian vorgestellt wird, taucht sie im Rest des Romans nicht mehr auf und Sam, von der vorher nicht erkennbar war, dass sie eine Freundin von Lillian ist, ist die einzige Verbindung zu Teil 1 der Reihe. Hier fand ich also die Zusammenhänge nicht ganz logisch und finde es sehr schade, dass man von Mary und Tad nichts mehr erfährt. Was ich ebenfalls schade finde ist, dass Logans Vergangenheit lediglich angerissen, aber im Gegensatz zu Lilians Vergangenheit nicht vollständig aufgelöst wird.
Der Schreibstil ist während des gesamten Romans locker und leicht, die Handlung im Grunde ebenfalls eher unkompliziert und leicht lesbar. Humorvolle und niedliche Szenen wechseln sich mit durchaus ernsten Themen ab, die ich als gut gewählt und auch nachvollziehbar und einfühlsam dargestellt empfunden habe.

Mein Fazit: „Touch my Heart“ ist ein unterhaltsamer Roman zum „weglesen“. Mit einer unkomplizierten und leichten Geschichte enthält er berührende, aber auch spannende Momente mit durchaus tiefgründigen Themen. Dabei kann er unabhängig von Band 1 der Reihe gelesen werden, da es keine größeren Verknüpfungen gibt. Mich konnte er leider nicht überzeugen weshalb es von mir nur 3,5 von 5 Sternen gibt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.10.2020

Loyalität

All das Ungesagte zwischen uns
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„Wenn man beschließt, sich an einen Menschen zu binden, sagt man nicht: ‚Ich verspreche dir, dass ich mich nie mehr zu jemandem hingezogen fühlen werde‘, man sagt: ‚Ich verspreche dir, dass meine Loyalität ...

„Wenn man beschließt, sich an einen Menschen zu binden, sagt man nicht: ‚Ich verspreche dir, dass ich mich nie mehr zu jemandem hingezogen fühlen werde‘, man sagt: ‚Ich verspreche dir, dass meine Loyalität dir gilt, obwohl ich möglicherweise anderen Menschen begegne, zu denen ich mich auch hingezogen fühlen werde.‘“

„All das Ungesagte zwischen uns“ ist ein Roman von Colleen Hoover, übersetzt von Katarina Ganslandt. Er erschien im Oktober 2020 im bold Verlag und ist in sich abgeschlossen.
Ein schrecklicher Unfall verändert das Leben von Morgan komplett. Und als wäre das nicht schon genug, führt der Unfall ihr auch noch vor Augen, dass ihr gesamtes Leben auf einer Lüge aufgebaut ist und entfremdet sie immer weiter von ihrer Tochter Clara…

„All das Ungesagte zwischen uns“ war mein erster Roman von Colleen Hoover. Als ich angefangen habe ihn zu lesen, kam ich zunächst nicht richtig in die Geschichte hinein und hatte auch eine ganz andere Idee, in welche Richtung die Handlung gehen würde. Ein paar Seiten später hat mich das Buch dann aber tatsächlich gepackt und mich vollständig überrascht. Ich wurde regelrecht in die Handlung eingesogen und konnte den Roman nur noch schlecht aus der Hand legen. Meine Erwartungen wurden indirekt zwar erfüllt, aber insgesamt hatte ich mit einer anderen Handlung gerechnet, weshalb mich die Autorin definitiv überrascht hat.
Colleen Hoover schafft es mit ihrem flüssigen und rasanten Schreibstil durch die gewählte Ich-Perspektive von Morgan und ihrer Tochter Clara Gefühle und Emotionen brillant zu transportieren. Man kann nicht anders, als mit den Figuren mitzuleiden und zu fühlen. Die ausgetragenen Konflikte spiegeln die Realität exakt wider und beschönigen dabei nichts. Lügen, Hass und Ehebruch werden thematisiert und aus mehreren Perspektiven betrachtet. Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass die Handlungen von Clara und Morgan von ihnen selbst in Gedanken reflektiert und bewertet werden, sodass man als Leser Teil der Entwicklung der jeweiligen Person ist.
Einige Gedanken und Handlungen regen dabei definitiv zum Nachdenken an und gerade die Aussage von Morgan, dass man, wenn man eine Beziehung eingeht, nicht verspricht, nie wieder jemand anderen attraktiv zu finden, sondern verspricht seinem Partner gegenüber ab sofort loyal zur Seite steht, hat mir unglaublich gut gefallen.
Insgesamt hat mir Morgan sehr gut gefallen. Mit ihrer besonnenen und verantwortungsbewussten Haltung ist sie jemand, den man nur bewundern kann. Sie stellt ihr eigenes Glück hinten an und lebt für ihre Familie. Mit ihrer Schwangerschaft hat sie ihre eigenen räume aufgegeben und sich vollständig auf ihre Familie eingelassen, ohne dabei unglücklich zu sein. Erst durch den Unfall bemerkt sie, dass ihr die Leidenschaft verloren gegangen ist. Sie weiß nicht, was sie gerne macht und wofür sie brennt und muss lernen, was ihre Gefühle ihr schon viele Jahre lang sagen wollten. Ihr innerer Kampf und ihr Umgang mit ihrer Verwirrung und ihren Gefühlen ist sehr intensiv beschrieben und gut nachvollziehbar. Das Loch, in das sie nach dem Unfall fällt ist nachvollziehbar und obwohl sie allen Grund hätte, in diesem zu versinken, kämpft sie sich heraus und baut ihr Leben neu auf.
Der Umgang mit ihrer Tochter Clara zeugt von einer innigen Mutter-Tochter-Beziehung, die durch den Unfall und die daraus resultierenden Ereignisse gehörig aus den Fugen gerät. Clara selbst kämpft dabei mit typischen Teenagerproblemen, der ersten Liebe und der Frage, was Liebe überhaupt bedeutet. Gleichzeitig hat sie einen großen Verlust zu bewältigen und ihre trotzigen Reaktionen sind damit mehr als verständlich. Imponiert hat mir dabei aber ihre persönliche Entwicklung und die Stärke, die sie beweist, als sie schließlich die Wahrheit akzeptiert.
„All das Ungesagte zwischen uns“ ist nicht nur ein Liebesroman, sondern eine Geschichte, die ernste Themen anschneidet und reflektiert. Verknüpft mit einer großartigen Erzählkunst, unerwarteten Wendungen und tiefgründigen Themen wird aus dem Roman ein Werk, das große Gefühle und Emotionen hervorruft und einfach unglaublich berührend und emotional ist. Man ist gezwungen, sich mit dem Thema Loyalität in einer Beziehung auseinanderzusetzen und sich zu fragen, wie man selbst wohl gehandelt hätte.
Einziger Kritikpunkt von mir ist, dass ich gerne noch mehr über die anderen Personen des Romans und ihre Handlungsgründe erfahren hätte, was durch den Unfall allerdings nicht mehr möglich ist. Die von Morgan gefundenen Briefe hätten mich daher sehr interessiert, so lässt die Autorin einen großen Interpretationsspielraum und man kann sich überlegen, was wohl am ehesten zutrifft.

Mein Fazit: „All das Ungesagte zwischen uns“ ist ein bewegender und emotionaler Roman mit tiefgründigen Themen und rasantem Handlungsverlauf. Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen und werde definitiv schnellstmöglich weitere Romane der Autorin lesen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.10.2020

Der Anfang

Die Erben von Seydell - Das Gestüt
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„Manchmal müssen wir Menschen loslassen, die wir mehr lieben als unser Leben, und von vorne anfangen.“

„Die Erben von Seydell – Das Gestüt“ ist der erste Band der Familiensaga um die gleichnamige Familie ...

„Manchmal müssen wir Menschen loslassen, die wir mehr lieben als unser Leben, und von vorne anfangen.“

„Die Erben von Seydell – Das Gestüt“ ist der erste Band der Familiensaga um die gleichnamige Familie Seydell. Er erschien im Oktober 2020 im Goldmann Verlag und ist von einem bekannten Autorenduo unter dem Namen Sophie Martaler geschrieben worden.
London, 1947: Als Elizabeth von ihrem Onkel unerwartet ein Gestüt in Deutschland erbt, scheinen all ihre finanziellen Sorgen gelöst. Leider gestaltet sich der Verkauf dann jedoch schwieriger als gedacht, denn der Miterbe aus Spanien verweigert jegliche Kommunikation mit Elizabeth. Ob das Familiengeheimnis, das hinter dieser Abneigung steht, auch Elizabeths wahre Herkunft verbirgt…?

„Die Erben von Seydell“ ist eine Familiensaga ganz nach meinem Geschmack. Von Beginn an hatte ich das Gefühl mich mitten im Geschehen zu befinden, wobei die Haupthandlung bisher nicht wie erwartet in Elizabeths Zeit spielt, sondern deutlich früher, 1890 auf Gut Seydell beginnt.
Auf dem Gut gerät der Leser in eine Familienfehde, die die beiden Brüder Seydell entzweit und den jüngeren Alexander zu einem Neuanfang im fernen Spanien treibt.
Nahezu alle Figuren konnte ich mehr oder weniger schnell ins Herz schließen, wobei meine Sympathien klar bei dem gradlinigen und zuverlässigen Alexander liegt. Die Brüder könnten unterschiedlicher kaum sein und ein Streit zwischen ihnen war nach dem Tod ihres Vaters meiner Meinung nach unvermeidbar.
Mit Luise, der Frau von Ludwig, konnte ich nur schlecht warm werden, aber ich denke sie ist eine Schlüsselfigur, die polarisieren muss. Sie hat Ecken und Kanten und sieht hauptsächlich ihren eigenen Vorteil, vergisst darüber aber nahezu alle Menschen um sich herum. Trotzdem imponiert sie mir, denn sie kämpft für ihre Ziele und letztlich auch für das fast ruinierte Gestüt Seydell. Gerade der Ehrgeiz und der Mut den sie dabei zeigt, finde ich bemerkenswert.
Neben den gut charakterisierten und authentisch dargestellten Hauptfiguren, sind aber auch die Nebenfiguren liebevoll gezeichnet und haben ihre eigenen Geheimnisse und Geschichten. Gerade die Zofe Martha von Luise finde ich sehr interessant, denn bisher habe ich nicht durchschauen können, was sie verbirgt.
Insgesamt ist die Geschichte der Familie bildlich und emotional dargestellt, auch an Spannung mangelt es nicht. Die Kapitelgestaltung ist wahnsinnig gut gelungen, die Übergänge zwischen den verschiedenen Handlungssträngen sowie die zeitlichen Abläufe sind brillant miteinander verknüpft, die Szenenwechsel geschehen häufig in „Echtzeit“, sodass man das Gefühl hat wirklich mitten im Geschehen zu sein. Die Handlung ist dabei an keiner Stelle zu langatmig oder zu kurz, sondern auf das Wichtigste zusammengefasst. Immer wieder gibt es spannende Wendungen oder offene Fragen, die einen zum Weiterlesen animieren. Der flüssige und mitreißende Schreibstil tut sein Übriges: Man kann den Roman nur schlecht beiseitelegen und auch ich habe ihn in kürzester Zeit ausgelesen.
Neben der fiktiven Geschichte sind zudem historische Fakten mühelos eingearbeitet, was mir in Romanen immer besonders gut gefällt.
Das Ende barg dann gehörige Cliffhanger, weshalb ich nun unendlich gespannt auf die Fortsetzung der Reihe bin und mich wahnsinnig auf die nächsten Bände der Trilogie freue. Bisher ist für mich noch nicht recht klar, wie Elizabeth und Javier aus Spanien miteinander verwandt sein könnten und auch die Rolle von Elizabeths Onkel Robert habe ich noch nicht vollständig verstanden. Auch bin ich gespannt, wie es mit Elizabeth weitergeht, denn sie steckt in Geldsorgen, hängt aber im Grunde ebenso an Pferden wie ihr Onkel es tat… Vielleicht kann es ja sogar eine Zukunft für das Gestüt Seydell geben…?

Mein Fazit: „Die Erben von Seydell“ ist eine Familiensaga mit einer guten Mischung aus Familiendrama und Liebesgeschichte. Ich habe den Roman regelrecht verschlungen und kann die Fortsetzung kaum abwarten. Ich vergebe für den Auftaktband der Buchreihe 5 von 5 Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.10.2020

Erinnerungen

Das Schmetterlingszimmer
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„Du siehst also, dass alles auf einem fragilen Gleichgewicht beruht. Ein einziger Flügelschlag eines Schmetterlings kann große Folgen haben.“

„Das Schmetterlingszimmer“ ist ein Roman von Lucinda Riley, ...

„Du siehst also, dass alles auf einem fragilen Gleichgewicht beruht. Ein einziger Flügelschlag eines Schmetterlings kann große Folgen haben.“

„Das Schmetterlingszimmer“ ist ein Roman von Lucinda Riley, übersetzt von Ursula Wulfekamp. Er erschien im August 2019 im Goldmann Verlag und ist in sich abgeschlossen.
Als Posy als Kind ihren Vater verliert und von ihrer Mutter verlassen wird, wächst das junge Mädchen bei ihrer Großmutter auf. Trotzdem bleiben die Erinnerungen an ihren geliebten Vater bestehen und ihr Leben lang bleibt er ihr in guter Erinnerung. Als sie schließlich ihre große Liebe Freddie kennenlernt, verlässt dieser sie eines Tages ohne Erklärung. Jahre später begegnen die beiden sich wieder, doch kann es für die Liebe eine zweite Chance geben…?

Zunächst konnte ich mich in die Geschichte des Romans nicht richtig hereinfinden. Zu viele, zunächst scheinbar unzusammenhängende Figuren tauchten auf und jede schien ihr eigenes Geheimnis zu hüten.
Im Laufe der Handlung und der Zeitsprünge in die Vergangenheit von Posy werden die Verbindungen dann jedoch klarer und auch der Handlungsverlauf flüssiger. Neben Posys Geschichte werden in der Gegenwart auch die Lebenswege ihrer Söhne Nick und Sam beschrieben, die ebenfalls das ein oder andere Problem mit sich herumtragen und unterschiedlicher nicht sein können. Während Nick, der jüngere Bruder, ausgeglichen, ehrlich und zuverlässig ist, ist Sam eher aufbrausend, unzuverlässig und vor allem Alkoholiker. Trotzdem werden beide von Posy leidenschaftlich unterstützt und auch ihre Schweigertöchter sowie eigentlich jeder, den die alte Frau in ihr Herz schließt, wird rührend umsorgt.
Für diese Haltung bewundere ich Posy sehr, denn sie besticht durch ihre unglaubliche Loyalität zu den Menschen, auch wenn diese einen Fehler machen. Sie verzeiht nicht vollständig und ist auch nicht naiv, aber sie ist zur Stelle, wenn sie gebraucht wird und übersieht dabei auch dann die Tatsachen nicht, wenn einer ihrer Familienangehörigen derjenige ist, der beschuldigt wird.
Ebenso geht es ihr auch mit ihrem Vater, an den sie nur gute Erinnerungen hat, da er mit ihr immer sehr liebevoll umging. Auch Freddie, der sie in jungen Jahren kommentarlos verlassen hat, bekommt von der liebenswerten Frau eine zweite Chance, denn die beiden scheinen füreinander gemacht. Doch auch der zweite Anlauf startet turbulent und zerbricht fast ein weiteres Mal an dem Geheimnis, das Freddie vor Posy verbirgt. Nur durch das gute Zureden eines gemeinsamen Freundes ist Freddie schließlich bereit, Posy die Wahrheit über ihren Vater zu berichten… Eine Wahrheit, an der Posy zerbrechen könnte…
Obwohl „Das Schmetterlingszimmer“ hauptsächlich Posys Geschichte erzählt, bekommt auch ihre Familie eine große Rolle im Roman wodurch die Hauptstory durch viele kleine Nebenschauplätze ergänzt wird. Zu Beginn hat mich dies verwirrt, im Verlauf fügte sich aber ein Gesamtbild zusammen, in dem ein großartiger Roman über Liebe, Loyalität und Freundschaft ersichtlich wird.
Es geht um die große Frage, ob man seine Kinder belügen sollte, um sie zu schützen, oder ob die Wahrheit manchmal nicht doch der bessere, wenn auch schwere Weg ist. Es werden für beide Varianten Beispiele angeführt und letztendlich muss wohl jeder entscheiden, was er selbst für richtig hält. Klar wird aber, dass Menschen eben nicht immer so sind, wie man sie in Erinnerung hat und auch, dass Lügen häufig weitreichende Folgen haben.
Der Schreibstil der Autorin war wieder einmal flüssig und leicht lesbar, die Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit brillant gelöst.
Der Roman birgt unerwartete Wendungen und hat mich als Familiendrama am Ende tatsächlich begeistern können.

Mein Fazit: Ein weiterer großer Roman aus der Feder Lucinda Rileys, der die Probleme und Sorgen einer ganzen Familie darstellt und auf großartige Weise beschreibt. Ich habe mit den Figuren gelitten und mich mit ihnen gefreut und vergebe 4,5 von 5 Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.10.2020

Naturkatastrophen

Herz zu gewinnen
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„Wer auch immer diese Parker Sinclair sein mochte, sie war jedenfalls völlig anders als alle anderen kalifornischen Mädchen, die er kannte.“

„Herz zu gewinnen“ ist ein Liebesroman von Catherine Bybee. ...

„Wer auch immer diese Parker Sinclair sein mochte, sie war jedenfalls völlig anders als alle anderen kalifornischen Mädchen, die er kannte.“

„Herz zu gewinnen“ ist ein Liebesroman von Catherine Bybee. Er ist in sich abgeschlossen, aber gleichzeitig auch der Auftaktband der Buchreihe „Creek Canyon“. Er erschien im Juli 2020 im Montlake Verlag von Amazon Publishing.
Deit dem Tod ihrer Eltern kümmert Parker sich um ihre jüngeren Geschwister und das Grundstück ihrer Familie. Als ein Waldbrand über das Gelände hereinbricht, lernt Parker den attraktiven Colin kennen, der beim Schutz der im Canyon liegenden Grundstücke helfen will…

„Herz zu gewinnen“ war für mich der erste Roman der Autorin. Insgesamt fand ich ihn sehr unterhaltsam und die Liebesgeschichte zwischen Parker und Colin auch sehr herzerwärmend und niedlich.
Die Protagonisten haben mir sehr gut gefallen. Parker mit ihrer selbstbewussten und starken Art, Colin mit seiner führsorglichen und freundlichen Seite. Das Annähern der beiden ist ebenfalls sehr gut gelungen und unglaublich romantisch beschrieben.
Auch die anderen Figuren sind authentisch und anschaulich beschrieben, ich kann mir schon jetzt gut vorstellen, wie es im zweiten Band der Reihe weitergehen wird und freue mich auch tatsächlich auf die nächsten Protagonisten.
Trotzdem konnte ich mich nicht vollständig auf die Geschichte einlassen, denn die gefühlt permanent auftauchenden Katastrophen waren für mein Empfinden zu zahlreich und dramatisch. Ich habe mir mehrfach die Frage gestellt, warum man an so einem gefährlichen Ort überhaupt Häuser baut und warum es sich lohnt, in diesem Rahmen gegen Naturgewalten anzukämpfen. Natürlich sehe ich ein, dass man, wenn man Häuser baut und Landschaften erschließt, nicht immer sofort weiß, was in diesen Landstrichen geschehen kann, aber auf mich wirkte es in diesem Roman so, als ob dies durchaus schon deutlich länger bekannt wäre… Tatsächlich beruht die Geschichte aber auf einer wahren Geschichte, was mir dann am Schluss des Buches noch einmal zu denken gegeben hat. Die Menschen, die täglich so um ihr Leben und ihr Hab und Gut bangen müssen tuen mir unglaublich leid. Wenn die Ereignisse, Feuer und Überschwemmungen, dann auch noch Gas, in diesem Rahmen in gewissen Teilen Amerikas an der Tagesordnung sind, dann haben die Menschen dort meinen größten Respekt verdient und es tut mir Leid, dass ich gerade diese Katastrophen im Roman bemängele. Trotzdem muss ich aber für diesen Roman bei meiner Haltung bleiben.
Parker ist eine so starke und selbstbewusste Frau, die weiß was sie kann und die sich nicht scheut anzupacken. Die immer wieder kehrenden Katastrophen, die das Leben der jungen Frau immer und immer wieder erschüttern sind meines Erachtens zu viel für ein ganzes Menschenleben und definitiv zu viel für einen solchen Roman.
Auch der Schreibstil hat mir leider nicht vollständig zugesagt. Die eher blumige und sanfte Wortwahl im größten Teil des Romans steht im starken Kontrast zu der Sexszene, die zwischen Parker und Colin beschrieben wird. Plötzlich wird die Sprache deutlich obszöner und hebt sich daher deutlich vom Rest des Romans ab, was mich sehr irritiert hat. Als Erzählperspektive wird die klassische personale Erzählung von Parker und Colin im Wechsel gewählt, wodurch Gedanken und Gefühle beider Hauptfiguren gut dargestellt werden.

Mein Fazit: Obwohl mir die Hauptfiguren und die Plotidee des Romans sehr gut gefallen haben, haben die fortwährend passierenden Katastrophen an meinen Nerven gezehrt. Ich fand sie unglaubwürdig und anstrengend, weshalb mich der Roman leider nicht vollständig erreichen konnte. Trotzdem freue ich mich auf die folgenden Bände der Reihe, da mir die Figuren schon sehr ans Herz gewachsen sind. Für „Herz zu gewinnen“ vergebe ich aber leider nur 3,5 von 5 Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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