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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2019

Tragisch. Faszinierend. Grausam.

So schöne Lügen
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„Es heißt ja, wenn man in New York bis dreißig nichts erreicht hat, erreicht man nie etwas.“

„So schöne Lügen“ ist ein Roman von Tara Isabella Burton und in sich abgeschlossen.
Louise ist 29 und lebt ...

„Es heißt ja, wenn man in New York bis dreißig nichts erreicht hat, erreicht man nie etwas.“

„So schöne Lügen“ ist ein Roman von Tara Isabella Burton und in sich abgeschlossen.
Louise ist 29 und lebt in New York. Sie wollte dorthin, ist aus der Enge ihres Heimatortes geflohen, wollte „jemand“ werden. Schriftstellerin. Doch irgendwann zwischen einem ihrer eher schlechtbezahlten Jobs, hat sie selbst den Wunsch danach verloren. Sie hat keine Energie zum Schreiben und lebt nur, um genug Geld zu verdienen, damit sie sich über Wasser halten kann. Über einen Nachhilfejob lernt sie die junge, reiche und hübsche Lavinia kennen und gerät sofort in deren Bann. Lavinia lebt das Leben der Reichen und Schönen, von dem Louise träumt und sie darf es mit leben – solange sie Lavinias Meinung zustimmt.

„So schöne Lügen“ ist ein Roman der den Leser in einen Bann zieht. Die 29-jährige Louise hat eigentlich ihre Träume verloren. Sie hat erkannt, wie die harte Wirklichlichkeit des Lebens aussieht. Sie kann damit umgehen. Irgendwie schafft sie es, hat sie es immer geschafft. Trotzdem sehnt sie sich innerlich nach mehr. Nach mehr Geld, nach mehr Freundschaft, mehr Liebe, Einzigartigkeit, Anerkennung und Beachtung, die innere Uhr tickt. Bald wird sie dreißig und hat damit das Alter erreicht, in dem man in New York verloren hat. Alles was Louise sich wünscht hat Lavinia. Sie ist jung, sie hat Geld wie Heu, sie ist überall beliebt, sie sieht gut aus und lebt ihr Leben so, wie sie es eben möchte. Dabei schafft sie es, die Menschen um sich herum von sich selbst zu überzeugen. Sie hat dieses gewisse Etwas. Eigentlich ist sie von „allem zu viel“, aber trotzdem wirkt sie anziehend, man will von ihr gemocht werden. Ebenso geht es auch Louise, um jeden Preis, möchte sie als Freundin an Lavinias großzügiger Seite bleiben. Zusammen tauchen sie ab in eine Welt der Reichen, eine Welt voll exklusiver Partys, Alkohol, Drogen. Doch eigentlich kann Louise sich dieses Leben nicht leisten. Zum Glück zahlt meistens Lavinia… Trotzdem ist Louise ständig pleite, sie beginnt ein Netz von Lügen zu spinnen, in dem sie sich mehr und mehr selbst verfängt und verliert. Belügt sie nur die anderen? Oder auch schon sich selbst? Wird es einen sanften Weg aus der Lügenfalle geben oder hat nur ein tragisches Ende die Kraft die Abwärtsspirale von Louise zu stoppen?
Durch den allwissenden Erzähler, der hier und da Andeutungen, Vorhersagen und Bewertungen über die Figuren und vor allem über Louises Handeln fallen lässt, weiß der Leser früh mehr, als die Romanfiguren. Trotzdem bleibt es spannend bis zum Schluss. Fesselnd und mit einer Prise schwarzem Humor, der besonders durch die bissigen Kommentare des Erzählers zum Vorschein tritt, beschreibt Tara Isabella Burton, wie Louises Einstieg in Lavinias Leben beginnt. Sie berichtet von zerstörerischer Freundschaft, von scheinbaren Notlügen und angeblich notwendigem Diebstahl. Ungewollt beginnt man sich zu fragen: Wo fängt Abhängigkeit an? Wo hört Freundschaft auf? Und welche Rolle spielt die Liebe im Wechselbad der Gefühle? Wer ist wirklich so naiv und lässt sich innerhalb weniger Stunden vollständig auf die Freundschaft mit einer völlig Fremden ein? Einer Fremden, die eigentlich nur selten private Dinge von sich preisgibt? Oder gibt es einen Plan, der hinter diesem scheinbaren Freundschaftswunsch steht? Berechnung? Kalkül? Sexuelle Anziehung?
Die Figuren sind großartig gezeichnet. Ein wenig überspitzt, aber so klar und einmalig. Lavinia, die ihren Charme versprüht, exzentrisch, laut auffällig. Eine junge Frau, bei der man nicht weiß, ob man sie beschützen muss oder sich von ihr beschützen lassen soll. Eine Frau, deren Motive bis zum Schluss nicht eindeutig sind.
Louise, die deutlich mehr verbirgt, als man glaubt. Die Geheimnisse hütet und einen Teil ihres Wesens vor allen, auch vor sich selbst, zu verbergen versucht. Sie wirkt so normal und unschuldig – ein Opfer der heutigen so schnellen und materiellen Gesellschaft. Aber ist sie das wirklich? Oder trügt auch hier der Schein?
Die Spannung war das ganze Buch über hoch, zunächst war gänzlich unklar, worauf die Handlung hinauslaufen würde. Der klassische Spannungsbogen wurde an der Hälfte des Buches erreicht, doch auch danach geschah noch so viel mehr. Jedes Ereignis für sich war schockierend oder mindestens überraschend. Auf eine Lüge folgt die nächste Lüge und der Leser fragt sich unweigerlich, wann das Kartenhaus denn endlich einstürzt. Und vor allem: Wie laut wird es einstürzen? Welchen Schaden wird es anrichten und bei wem? Oder könnte es sogar halten?
Zu der großartigen Geschichte kommt das wunderschöne Cover, es funkelt und glänzt und gibt eine Vorahnung auf die Welt des Glitzers und des schönen Scheins. Nicht alles was glänzt ist Gold, doch hier passt das Cover einfach hervorragend zum Inhalt. In doppelter Hinsicht! Der Inhalt ist großartig und doch geht es um den Schein, den man in der Gesellschaft der Reichen und Schönen aufrecht erhalten muss.

Mein Fazit: „So schöne Lügen“ ist ein großartiger Roman über toxische Freundschaften und Beziehungen. Er zeigt, wie sehr Menschen in den Bann anderer Menschen geraten können und wie sehr sie sich in ihr eigenes Verderben stürzen können. Dabei könnten sie sich aus der ungesunden Freundschaft herausziehen, doch der eigene Drang nach Bestätigung, nach Anerkennung und Liebe, hindert sie daran.
Mich hat die Geschichte berührt, beängstigt, schockiert und überrascht. Ich vergebe 5 von 5 Sternen für einen Roman, den ich nicht Recht in ein klassisches Buchgenre einordnen kann. Ich kann ihn auch nicht direkt einer Lesergruppe empfehlen, aber ich kann sagen: Wenn euch die Leseprobe anspricht, dann lest das Buch! Es wird sich lohnen, es wird euch fesseln und nicht mehr loslassen!

Veröffentlicht am 10.10.2017

Kurzweilig, aber spannend

Das blaue Medaillon
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In dem historischen Roman „Das blaue Medaillon“ von Martha Sophie Marcus geht es um die junge Meisterdiebin Alessandra Ferretti und das blaue Medaillon, ein Erbstück ihrer Familie.
Bisher gehört der Roman ...

In dem historischen Roman „Das blaue Medaillon“ von Martha Sophie Marcus geht es um die junge Meisterdiebin Alessandra Ferretti und das blaue Medaillon, ein Erbstück ihrer Familie.
Bisher gehört der Roman keiner Reihe an, und ist in sich abgeschlossen.

Nachdem Alessa innerhalb kürzester Zeit ihre gesamte Familie verliert, wandelt sich das Leben der 21-jährigen Meisterdiebin vollständig: Sie muss vor dem Mörder ihres Großvaters aus Venedig fliehen und kann aus ihrer Heimatstadt kann sie nur wenige Dinge retten. Dazu gehört unter anderem das Medaillon in Form einer blauen Rose. Dieses ist für Alessa nicht nur eine Erinnerung an ihre verstorbene Tante, sondern auch der Schlüssel zu einem alten Familiengeheimnis, mit dem ein Verbrechen aufgedeckt werden kann.
Auf ihrer Flucht schließt Alessa sich der Schauspielertruppe Sartori an und versucht mit deren Hilfe zu ihrem Cousin Lucas nach Deutschland zu gelangen. Während der Reise wird sie dann auch noch selbst bestohlen und muss nun versuchen das wertvolle Medaillon zurückzugewinnen…

Mit rund 400 Seiten ist der Roman ein kurzweiliges und dabei trotzdem spannendes Buch. Die Autorin hält sich an den klassischen Spannungsbogen und leitet die Geschichte zunächst mit der Einführung in die Hauptcharaktere und die allgemeine Handlung ein. Im zweiten Buchteil folgt der Spannungshöhepunkt, im dritten Teil fällt diese dann wieder langsam ab, wobei die Geschichte auch hier nochmal unerwartete Wendungen bereit hält. M.S. Marcus schafft es, in einen relativ kurzen Roman viele spannende und unterhaltsame Handlungsstränge einzuarbeiten. Dabei überschlagen sich die Ereignisse allerdings zum Teil sehr, viele Dinge geschehen in kurzer Zeit. Durch diese Erzählweise ist es nahezu unmöglich sich als Leser zu langweilen. Nach jedem Absatz möchte man wissen, wie es weiter geht. Durch den schnellen Verlauf entstand bei mir allerdings teilweise auch das Gefühl, dass der Roman nicht zu lang werden durfte und daher alle Ereignisse so schnell wie möglich berichtet werden müssen. Auch das Ende bereitet mir Kopfzerbrechen. Zwar wird das Geheimnis des Medaillons vollständig gelüftet, was nun sich aber daraus für Folgen ergeben und wie es dem Mörder letztendlich ergeht, bleibt offen. Vermutlich möchte die Autorin sich hiermit die Möglichkeit einer Fortsetzung offen halten.
Der Titel des Romans deutet für mich daraufhin, dass das „blaue Medaillon“ die zentrale Rolle in der Geschichte spielt. Letztendlich trifft dieses auch zu, wenn auch nicht in der von mir erwarteten Weise. Das Geheimnis des Medaillons wird schon im ersten Buchteil fast vollständig aufgelöst und der Rest der Romans dreht sich hauptsächlich um Alessa, welche versucht dem Mörder ihres Großvaters zu entkommen und das Medaillon, welches ihr gestohlen wurde, zurückzubekommen. Dieses Buchthema war für mich, ausgehend vom Buchtitel, völlig unerwartet. Trotzdem es schafft die Autorin Alessas Geschichte äußerst spannend und bildreich darzustellen, was dazu führte, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Die Figuren der Geschichte werden sehr gut und mit vielen Details beschrieben und geben einem die Möglichkeit sich mit ihnen zu identifizieren. Gerade die Meisterdiebin Alessa wirkt gerade durch beschriebene Gewissenbisse am durchgeführten Diebstahl, jugendliche Fröhlichkeit mit ausgeführten Späßen und selbstbewusstes Auftreten sehr sympathisch. Weiterhin erleichtert die Einarbeitung einer kleinen Romanze zwischen Alessa und einem Mitglied des herzoglichen Hofes, an dem ihr Cousin lebt, den Einstieg in die Gefühlswelt der 21-jährigen. Man kann ihr einfach nur das Beste wünschen und mit ihr mitfühlen.
Vom Mörder wird ein unheimliches und grausames Bild gezeichnet, welchen ihn als Bösewicht eindeutig zuordnen lässt. Auch die weiteren Figuren des Romans sind liebevoll beschrieben und dargestellt, ein bildliches Vorstellen ist bei nahezu jeder möglich. Auch das Jahrhundert in dem die Geschichte spielt, ist authentisch dargestellt und historische Fakten werden weitestmöglich beibehalten.
Das Einbringen italienischer Bezeichnungen macht die Herkunft der Hauptfiguren realistisch und interessant. Leider verwirren sie zu Beginn, da auf das vorhandene Glossar am Ende des Buches nicht hingewiesen wird.
Der Roman wird aus Sicht der vorkommenden Personen erzählt („Er-Erzähler“). Diese Schreibweise gefällt mir sehr gut, „Ich-Erzähler“ und „allwissende Erzähler“ fallen mit beim Lesen häufig sehr schwer.
M.S. Marcus begibt sich mit ihrem Roman in ein Venedig und ein Deutschland im 17. Jahrhundert. Alleine diese Zeit macht den Roman zu einem historischen Roman. Indem die Autorin aber zusätzlich zu der Geschichte um das Medaillon noch eine Liebesgesichte und ein großes Maß an Spannung einbaut, schafft sie einen Spagat zwischen historischem Roman, Liebesgeschichte und spannender Erzählung. Durch diese Verknüpfung hebt sich das Buch sich von anderen historischen Romanen ab und bietet auch Lesern einen Zugang zur Vergangenheit, denen normalerweise das Interesse an dieser fehlt.

Fazit
Das „blaue Medaillon“ ist ein schöner und liebevoll geschriebener Roman. Für mich war es der erste Roman der Autorin, einen möglichen Nachfolger würde ich auf jeden Fall lesen, da mich eine Fortsetzung nach dem offenen Ende sehr interessieren würde.
Da die Geschichte für mich aber zu schnelllebig und zu wenig tiefgründig war, würde ich vermutlich kein weiteres Buch von M.S. Marcus lesen. Beim Lesen des Romans war es zwar so, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte, trotzdem stellt es für mich als Vielleserin lediglich eine kurzweilige Unterhaltung dar.
Insgesamt würde ich den Roman aber als sehr gelungen bezeichnen, sofern man diese Art von Erzählung mag. Er ist leicht lesbar, ist gut recherchiert, hat eine spannende Geschichte und authentische Charaktere, und ist dadurch eine gute Unterhaltung für Zwischendurch. Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 20.05.2019

Leichte und unterhaltsame Lektüre

Phoebe
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„Phoebe, eine Straßenhündin checkt ein“ ist ein Roman von Uwe Krauser. Er erschien im Februar 2019 im Shaker Media Verlag.
Durch einen glücklichen Zufall, oder vielleicht auch einfach durch das Schicksal, ...

„Phoebe, eine Straßenhündin checkt ein“ ist ein Roman von Uwe Krauser. Er erschien im Februar 2019 im Shaker Media Verlag.
Durch einen glücklichen Zufall, oder vielleicht auch einfach durch das Schicksal, gelangt Phoebe aus einem kroatischen Tierheim in das beschauliche deutsche Bodenmais. Angekommen bei ihren neuen Besitzern Uwe und Oliver gelingt es ihr schon am ersten Tag, diese um ihre Pfoten zu wickeln. „Ein Hund gehört nicht ins Bett“, doch was geschieht innerhalb kürzester Zeit? Natürlich, Phoebe erobert das Bett… ? Welche weiteren Hürden es in Phoebes erstem Jahr als Familien- und vor allem Hotelhund zu meisten gibt, berichtet sie selbst in diesem Roman.

Phoebes Besitzer Uwe Krauser beschreibt in seinem Roman liebevoll aus der Ich-Perspektive Phoebes, wie die Mischlingshündin ihr erstes Jahr in Deutschland meistert.
Durch die Wahl der Erzählperspektive aus Phoebes Sicht, wird sie für meinen Geschmack ein wenig zu vermenschlicht. Gewisse Zusammenhänge und Schlussfolgerungen traue ich den Hunden am Ende doch nicht zu, obwohl ich sie über alles liebe und ihnen durchaus einiges zutraue. Zudem können die Ereignisse natürlich nur aus Sicht der Hündin beschrieben werden, dadurch gewinnen sie deutlich an Komik, verlieren aber ein wenig an Tiefgang und bleiben eher oberflächlich.
Niedlich ist es allerdings schon, zu lesen, was für Gedanken im Hundehirn so vor sich gehen könnten. Bestimmte Situationen kennt einfach jeder Hundehalter zu gut. Die „großen braunen Fladen mit weißem Papier“ zum Beispiel… Igitt Wer kennt sie nicht und natürlich merken die lieben Vierbeiner sich genau, an welcher Stelle sie liegen…
Insgesamt die die auftretenden menschlichen Figuren eher überspitzt dargestellt. Sowohl die „Dorf-Tratschtante“ Anna, die zunächst extrem unsympathische Schwiegermutter (um nicht zu sagen, das „Schwiegermonster“…), als auch die esoterische Barbara zeigen hier natürlich ein Extrem. Im echten Leben wird wohl ein bisschen was dieser Charaktereigenschaften auch in ihnen zu finden sein, aber ich denke die Darstellung im Roman ist eher konstruiert, gewinnt dadurch aber natürlich deutlich an Unterhaltungscharakter! ?
Phoebe selbst ist als empathische und freundliche Hundedame beschrieben. Hilfsbereit für andere, unsichere Hunde und stets zur Stelle als Seelentröster für die Menschen.
Der Roman zeigt zwischendurch komplexe Themen der Hundeerziehung auf, die auf leicht verdauliche Art als gut oder schlecht dargestellt werden. Dies hat mir gut gefallen.
Einen klassischen Spannungsbogen gibt es nicht, diesen gibt aber auch die Geschichte nicht her. Der Roman bietet durch viel Witz und Charme eine lockere und leichte Unterhaltung, die in vielen Aspekten und auf amüsante Weise das Leben von fast jedem Hundebesitzer widerspiegelt. Dabei werden auch die unerfreulichen und traurigen Momente in diesem Leben nicht vergessen, sodass der Roman durchaus auch ernste Passagen enthält.

Mein Fazit: Komplett überzeugt hat „Phoebe, eine Straßenhündin checkt ein“ mich leider nicht. Der Roman war leicht zu lesen und dabei auch unterhaltsam. Er ist locker, charmant und niedlich und damit vielleicht am besten für Hundeliebhaber geeignet, die seichte Unterhaltung und Zerstreuung in Form eine schönen Hundebuches möchten. Ich vergebe 3 von 5 Sternen, da der Roman mich leider nicht umhauen konnte. Trotzdem freue ich mich darauf, Phoebe nun bei Instagram zu folgen und weiter Abenteuer von ihr mitzuerleben.

Veröffentlicht am 21.01.2018

Tolles Thema, weniger gut erzählt. :(

Das Erbe der Rosenthals
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"Das Erbe der Rosenthals" von Armando Lucas Correa ist ein historischer Roman. Hauptsächlich geht es um Hannah. Diese ist ein 12-jähriges, jüdisches Mädchen, welches zur Zeit des Nationalsozialismus in ...

"Das Erbe der Rosenthals" von Armando Lucas Correa ist ein historischer Roman. Hauptsächlich geht es um Hannah. Diese ist ein 12-jähriges, jüdisches Mädchen, welches zur Zeit des Nationalsozialismus in Berlin lebt. Ihre Familie ist wohlhabend und wird von den Nazis unter Druck gesetzt, sodass ihnen eine Flucht nach Kuba als einziger Ausweg erscheint.
Parallel zu Hannah geht es um Anna, ebenfalls ein 12-jähriges Mädchen, sie lebt allerdings im Jahr 2014 in New York. Sie ist ohne ihren Vater aufgewachsen und macht sich, zusammen mit ihrer Mutter, auf die Suche nach ihren Wurzeln.

A. L. Correa greift mit seinem Roman ein Thema auf, welches mich sehr interessiert. Die Judenverfolgung ist ein Kapitel der deutschen Geschichte, welches nicht vergessen werden darf! Romane, die dieses Thema behandeln, machen die Thematik greifbarer und versetzen den Leser zurück in dieses furchtbare Zeitalter des Hasses und des Leids.
Dass auch Juden mithilfe von Schiffspassagen nach Kuba fliehen konnten, war mir bisher völlig unbekannt. Ich fand es gut, dass man hier neues lernen konnte und auch historische Fakten in Form von Bildern, Passagierlisten und Telegrammen dargestellt wurden. Auch das Nachwort, welches nochmal einige Fakten erläutert hat mir sehr gut gefallen.

Leider hat es der Autor überhaupt nicht geschafft, mich mit seiner Erzählperspektive zu fesseln. Die Geschichte wird aus Sicht von Hannah und Anna geschrieben, also aus der Ich-Perspektive 12-jähriger Mädchen. Dadurch bleibt die Erzählung zum teil oberflächlich und nicht detailliert genug. 12-jährige Mädchen können gewisse Zusammenhänge nun mal noch nicht begreifen und in Worte fassen. Dadurch hackt gerade zu Beginn der Geschichte der Erzählfluss enorm und einige Details bleiben ungeklärt. Auch der Wechsel zwischen Vergangenheit und Zukunft erfolgte für meinen Geschmack zu häufig. Kaum hatte man sich in einen Charakter hineingelesen, sprang es zum anderen Mädchen. Diese Zeitsprünge haben mich in vorherigen Romanen nicht gestört, hier waren sie einfach zu oft.
Am besten hat mir der Bericht der Schiffspassage nach Kuba gefallen. Hier gab es kaum Sprünge in der Erzählzeit und Hannah berichtet sehr detailliert und genau von der Überfahrt.

Sehr schade fand ich, dass weder das Schicksal von Annas Vater, noch das Schicksal von Leo, Hannahs Freund, eindeutig geklärt wird. Hannah bzw. Anna stellen darüber nur Vermutungen an, eindeutig geklärt wird es aber leider nicht.

Insgesamt wirkt die gesamte Erzählung auf mich künstlich und erzwungen. Einen richtigen roten Faden konnte ich nicht erkennen, Hannahs Geschichte ist unglaublich interessant, aber die Verknüpfung zur Zukunft wirkt zu erzwungen. Auch das "Schicksal" der Rosenthals wirkt eher aus der Luft gegriffen. Ich konnte kein konkretes Familienschicksal erkennen und empfinde die Sicht der Personen als zu negativ dargestellt.

Mein Fazit:
Das Thema des historischen Romans ist wirklich gut gewählt. Leider hinkt die Erzählung an manchen Stellen und konnte mich als Leserin kaum fesseln. Von mir gibt es daher nur 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 06.06.2019

Sinnliche und erotische Gefühle vor spiritueller Yogakulisse

Lotus House - Lustvolles Erwachen
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„Lotus House – Lustvolles Erwachen“ ist der erste Band der insgesamt 7 Bände umfassenden Lotus House-Reihe von Audrey Carlan. Er erschien im Mai 2019 im Ullstein Taschenbuch Verlag.
Genevieve Harper musste ...

„Lotus House – Lustvolles Erwachen“ ist der erste Band der insgesamt 7 Bände umfassenden Lotus House-Reihe von Audrey Carlan. Er erschien im Mai 2019 im Ullstein Taschenbuch Verlag.
Genevieve Harper musste nach dem Tod ihrer Eltern schon früh die Verantwortung für ihre beiden jüngeren Geschwistern Rowan und Mary übernehmen. Um diesen ein gutes Leben und später eine gute Ausbildung zu ermöglichen gab sie ihre Träume zunächst auf und finanziert das gemeinsame Leben nun als Yogalehrerin und durch gelegentliches Haareschneiden bei Freunden und Bekannten. Zeit für einen Mann hat sie parallel zu ihren Verpflichtungen nicht, bis Trent Fox, der bekannte Baseballspieler auf einmal in ihrem Yogakurs auftaucht und sie aus dem Konzept bringt. Trotzdem ist ihr klar: „Nein, dieser Mann ist nur ein Spieler und für Frauengeschichten bekannt.“ Eine Beziehung zu ihm kommt also niemals in Frage… Oder…?!

Genevieve, kurz Viv, musste schon früh in ihrem Leben die Verantwortung für ihre beiden Geschwister übernehmen. Dies schafft sie lediglich mit einer großen Portion Disziplin und natürlich auch der Unterstützung ihrer besten Freundin und deren Großmutter. Trotzdem lebt sie kein leichtes Leben. Finanziell ist es nicht einfach und auch die Erziehung von jüngeren Geschwistern ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Ich bewundere Genevieve für diese Ausdauer und Hingabe. Sie hat ein offenes und freundliches Wesen und beweist durch ihre Handlungen viel Pflichtbewusstsein und Selbstständigkeit.
Trent Fox hingegen ist ein Spieler. Er geht in seiner Rolle als Baseball-Star vollkommen auf und hat nach jedem Spiel einen anderen weiblichen Groupie an seiner Seite. Sesshaft werden ist nicht sein Ziel, er genießt das Leben auf andere Weise. Durch eine Kniesehnenruptur wird allerdings seine Karriere plötzlich unterbrochen und die Genesung und der Wiedereinstieg gelingen ihm nur schwer. Als er zur Reha Yogastunden nehmen muss begegnet er Genevieve und sie ist „die erste Frau, die ihm mit ihrer Schönheit den Atem raubt“. Eines ist ihm klar: Er muss ihre Aufmerksamkeit erringen…
Die Hauptfiguren sind typisch für dieses Buchgenre. Viv ist die vernünftige und unschuldige Frau, Trent der Bad Boy, der mit den Frauen eher spielt als sie als Freundin anzusehen. Bad Boy trifft also Good Girl und es entsteht etwas mehr als das, was sie normalerweise kennen und mehr als das, was sie erwartet haben. Trotzdem finde ich beide Protagonisten gelungen dargestellt und die Entwicklung der beiden während der Geschichte ist nachvollziehbar und ohne große Schnörkel erkennbar. Ich persönlich hätte mir allerdings für die Entwicklung der Beziehung der beiden ein bisschen mehr Zeit gewünscht, gerade das rasante Ende ging für mich ein bisschen zu weit und ein wenig zu sehr in die Richtung „Friede, Freude, Eierkuchen“. Dies ist aber lediglich ein kleines Minus denn insgesamt muss ich sagen, dass ich die Beziehung von Viv und Trent sehr rührend finde. Sehr schnell wird klar, dass Viv für Trent nicht nur „irgendein“ Mädchen ist und dass er für sie gerne der Beschützer sein möchte. Diese, zugegeben recht romantische, Vorstellung hat nun doch fast jede Frau von ihrem Partner, auch wenn wir alle selbstbewusst und emanzipiert sind. Wenn einen jemand unterstützt und sagt „Alles wird gut.“ Ist es aber ja genau das, was wir von ihnen hören wollen… ?
Grundsätzlich ist also aber auch die Gesamthandlung nichts neues, lediglich die Einbindung des Yogas ist ein Thema, von dem ich bisher noch nichts weiter gehört habe.
Dieses Thema hat mich dann auch doch sehr angesprochen. Yoga scheint anstrengender zu sein, als man glaubt und die Lehren der verschiedenen Chakren ist durchaus interessant. Dass vor jedem Kapitelanfang ein Chakre oder eine Yoga-Stellung erläutert wurden hat mir sehr gut gefallen. Vielleicht sollte ich Yoga also doch mal ausprobieren, denn auch in anderer Hinsicht scheint es durchaus Möglichkeiten zu bieten ^^. Audrey Carlan bindet die häufigen, erotischen und sinnlichen Szenen geschickt in den Yogahintergrund ein und stellt klar, das Dehnbarkeit ein Pluspunkt im Bett sein kann. Ob dies so ist, dazu kann sich jeder selbst seine Gedanken machen. ?
Ja, das Buch ist eher ein erotischer Liebesroman und viele Szenen sind mehr als heiß. Die dabei teilweise vulgäre Sprache hat mich persönlich nicht gestört, auch diese kennen wir nun schon aus mehreren Romanen dieser Art und ich habe mich daran gewöhnt.
Insgesamt fand ich den Erzählstil, der zwischen der Ich-Perspektive von Trent und Viv wechselte mitreißend und flüssig. Ich habe den Roman in einem Tag durchgelesen und war durchaus gefesselt.
Einen klassischen Spannungsbogen würde ich eher nicht festmachen wollen, wobei es durchaus einen Spannungsaufbau mit entsprechender Konfliktlösung gibt. Hierauf liegt aber nicht der Fokus des Buches. Es geht eher um die sinnlichen und erotischen Szenen und um die Charakteränderung, die eben doch möglich sind.

Mein Fazit: Ich freue mich schon sehr auf die weiteren Bände der Lotus House-Reihe. Band 1 hat mich in seinen Bann gezogen und mein Interesse für Yoga geweckt. Ich konnte vollständig in der Geschichte versinken, hatte wirklich Spaß beim Lesen und bin ab sofort glühender Audrey Carlan Fan!
Ich empfehle die Reihe Leserinnen, die in diesem Buchgenre – erotische Liebesromane wie die „Edinburgh Love Stories“ von Samantha Young oder die „Royal-Reihe“ von Geneva Lee – zu Hause sind und genau diese Geschichten mit klassischem Bad Boy gerne und immer wieder lesen. Ich selbst zähle mich definitiv dazu und vergebe daher 4,5 von 5 Sternen. Den Halben ziehe ich ab, da es mir ein bisschen zu viel „Happy End“ am Ende der Handlung war.