Profilbild von MadBookNerd

MadBookNerd

Lesejury-Mitglied
offline

MadBookNerd ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MadBookNerd über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.01.2021

Seichte Unterhaltung

Die Chroniken der Meerjungfrau - Der Fluch der Wellen
0

Die Meerjungfrau, deren Name von einem Menschen nicht ausgesprochen werden kann, war schon von klein auf anders als ihre Familie. Ihre Neugier treibt sie trotz aller Warnungen immer wieder aus den sicheren ...

Die Meerjungfrau, deren Name von einem Menschen nicht ausgesprochen werden kann, war schon von klein auf anders als ihre Familie. Ihre Neugier treibt sie trotz aller Warnungen immer wieder aus den sicheren Tiefen des Ozeans an die Oberfläche. Für eine Meerjungfrau nicht ungefährlich, denn dort gibt gibt es Boote, Menschen und Netze. Und genau darin verfängt sie sich eines Tages: im Netz eines Fischer. Doch sie hat Glück. Der Fischer Jack liebt und respektiert den Ozean und so lässt er seinen seltsamen Fang mit den verzaubernden, sturmgrauen Augen wieder frei. Vergessen kann er sie jedoch nicht und auch die Meerjungfrau fühlt sich von der Einsamkeit in seinem Blick angezogen.
Also folgt sie ihm und bleibt schließlich über viele Jahre bei ihm.
Die Geschichte von einer Meerjungfrau, die in einem Dorf im Norden lebt dringt schließlich bis nach New York zu dem Museumsdirektor P.T. Barnum, der gerade auf der Suche nach einer neuen Sensation für seine Ausstellung ist. Barnum glaubt nicht wirklich an Meerjungfrauen, aber er glaubt an seine Fähigkeiten als Trickster und den Willen der Leute für Kuriositäten zu bezahlen. Also schickt er seinen Freund, den ehemaligen Anwalt Levy Lyman, in den Norden, die vermeintliche Meerjungfrau zu finden und nach New York zu bringen. Levy hat bedenken, nicht nur am Wahrheitsgehalt der Gerüchte, sondern auch an den Absichten von Barnum und besteht, sollte es ihm gelingen sie ins Museum zu bringen, auf einen fairen Arbeitsvertrag mit angemessener Bezahlung für die Meerjungfrau. Sie können sich einigen und so macht er macht sich schließlich auf den Weg.
Die Meerjungfrau muss sich nun entscheiden. Bleibt sie an der vertrauten Küste oder begibt sie sich nach New York, um mehr von der Welt und den Menschen darin zu entdecken? Soll sie sich dafür zum Ausstellungsstück machen lassen?

Christina Henry hat nun mit „Die Chroniken der Meerjungfrau“ einem weiteren Klassiker einen neuen Touch verliehen.
Die Geschichte ist allerdings nicht so düster und aufregend wie man es nach der Alice-Trilogie oder selbst vom Klapptext her erwartet hätte.
Die Autorin schreibt in ihrer gewohnt flüssigen Art. Man kann ihr leicht folgen und es liest ich wirklich sehr angenehm.
Die Charaktere sind ansprechend. Sie sind vielschichtig dargestellt und machen Entwicklungen durch.
Der Meerjungfrau merkt man an, dass ihre Begegnung mit den Menschen und deren mit unter sehr konservative Ansichten sie teilweise verwirren, aber auch ihre Spuren hinterlassen. Sie hat das Denken einer modernen Frau zu einer Zeit in der Frauen allgemein als Besitz ihrer Männer gelten. Das beeinflusst auch die Menschen in ihrem direkten Umfeld. Selbst die sympathischeren Charaktere, wie zum Beispiel Levi Lyman, sind nicht ohne Fehler und P.T. Barnum ist nicht einfach nur der egoistische, geldgierige Trickbetrüger, sondern auch Familienvater, dem das Wohl seiner Frau und Kinder durchaus nicht egal ist. Das alles macht sie greifbar. Unterstützt wird das auch durch die wechselnden Perspektiven der Erzählung, wobei die der Meerjungfrau überwiegt.
Der Handlungsverlauf ist stellenweise überraschend, aber nie wirklich unvorhersehbar.
Es ist eine schöne, nicht unbedingt langweilige, aber auch nicht besonders aufregende Geschichte einer Meerjungfrau, die durch ihre Neugier auf neue Wege geführt wird.
Die Erwartung eine düstere Version der kleinen Meerjungfrau zu lesen ist nicht zu treffend. Tatsächlich basiert diese Meerjungfrauengeschichte weder auf der Version von Disney, noch Hans Christian Andersen, sondern der historischen Person P.T. Barnum.

Möchte man einfach ein paar ruhige Abende mit einem netten Buch ins Reich der Fantasy abtauchen, dann ist „Die Chroniken der Meerjungfrau“ genau das richtige. Für düstere Abenteuer wendet man sich lieber einem von Christina Henrys anderen Werken zu.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2021

Packender Thriller mit aktuellen Inhalten

CO2 - Welt ohne Morgen
0

Inhaltliche Zusammenfassung:

Die 15 jährige Hannah ist eigentlich ein ganz normaler Teenager und lebt zusammen mit ihrer Mutter in Berlin. Das Thema Klimaschutz liegt ihr sehr am Herzen und so engagiert ...

Inhaltliche Zusammenfassung:

Die 15 jährige Hannah ist eigentlich ein ganz normaler Teenager und lebt zusammen mit ihrer Mutter in Berlin. Das Thema Klimaschutz liegt ihr sehr am Herzen und so engagiert sie sich unter anderem bei den „Friday for Future“ Demonstrationen. Auch bei ihrer Mutter versucht sie das Umweltbewusstsein zu steigern, was nicht immer konfliktfrei bleibt, wenn es zum Beispiel darum geht das schon in die Jahre gekommene Auto zu verkaufen oder alles Plastik aus der Wohnung zu verbannen. Genau diese Leidenschaft ist es aber, die dafür sorgt, dass Hannah als eine von zwölf Teenagern aus aller Welt für ein Klima-Camp in Australien ausgewählt wird. Doch kaum nach Beginn des Camps werden die Teenager mit einem ihrer Begleiter entführt. Die ganze Welt ist in Aufruhr und die betroffenen Nationen arbeiten fieberhaft zusammen daran ihre Staatsbürger wiederzufinden. Parallel findet eine Klimakonferenz statt, an denen über zukünftige Beschlüsse zum Stoppen der Erderwärmung verhandelt werden soll. Als die Entführer sich melden wird schnell klar, dass dies kein Zufall ist. Ihre Forderungen sind eindeutig: Die Umsetzung drastischer Klimaziele innerhalb von sieben Tagen oder eines der Kinder stirbt vor laufender Kamera. Und dann jede Woche ein weiteres. Wir als Leser begleiten Polizisten, hohe Regierungsbeamte, einfache Bürger, Klimaforscher, einen ehemaligen Journalisten und eine Mutter, Hannahs Mutter, mit der Hoffnung nicht nur das Leben der entführten Kinder, sondern das unseres Planeten zu retten und kommen dabei zu einem verblüffendem Ende.

Meine Meinung:

Journalist und TV-Experte, Dozent, Rechtsanwalt und Notar. Außerdem tätig in der Forschung zum Thema Klimawandel und CO2-Zertifikate. Autor Tom Roth ist vielseitig bewandert und das wirkt sich auch positiv auf die Qualität des Inhalts dieser Geschichte aus. Ich hatte den Eindruck er weiß genau wovon er schreibt und damit hat er mich von diesem Buch voll überzeugt.
Das Buch-Cover besticht durch seine Einfachheit. Unübersehbar in großen Buchstaben CO2 und darunter Welt ohne Morgen. Mehr braucht es nicht den interessierten Leser anzulocken, denn dass das Thema Erderwärmung brisant ist wissen wir alle.
Tom Roth nimmt dieses heikle Thema und kombiniert es mit etwas noch viel heiklerem: der Entführung und drohenden Hinrichtung von Kindern. Zusammen mit den vermeintlich edlen Zielen der Entführer hat er so einen spannungsgeladener Thriller geschaffen, den man gar nicht mehr aus der Hand legen kann. Zumindest ging es mir so. Tom Roth schreibt in einem flüssigen, ansprechendem Stil, der einem das Lesen sehr angenehm macht. Es sind einem so komplexen Thema angemessen viele Charaktere involviert. Einige spielen eine größere Rolle als andere, aber bei allen glaubt man ihm, dass es echte Personen sind. Es gibt keine ausgeweiteten Vorgeschichten, ab er gibt zu jedem Charakter genug Informationsstücke, um sie greifbar zu machen. Man leidet und bangt mit Hannahs Mutter, kalkuliert und wägt ab mit der Kanzlerin oder versucht sich mit einem FBI Agenten einen Reim auf das Buch „Peter Pan“ zu machen. An schwer- bzw. unvorhersehbaren Wendungen mangelt es in diesem auch Buch nicht. Aber niemals wirkt es weit her geholt oder unrealistisch. Das macht es so spannend und so schwer wieder aus der Hand zu legen.
Die Kapitel sind vergleichsweise kurz angelegt. Das gibt uns als Leser die Möglichkeit übersichtlich die unterschiedlichen Perspektiven der Charakter zu erfahren und baut gleichzeitig Spannung auf, weil sich so sehr einfach kleine Cliffhanger einbauen lassen. Es wird in diesem Buch nicht langweilig. Aufgelockert wird die halsbrecherische Suche nach den Teenagern durch Kapitel, die von 20 Jahren aus der Zukunft erzählen mit Rückblick auf die aktuellen Ereignisse. Trotzdem beeinflusst es nicht die Spannung. Hier erfährt man zwar das ein oder andere, hat aber trotzdem keinen Hinweis darauf wie es passiert und sich auf die aktuellen Handlungen genau auswirkt.
Auch komplizierte Themen, wie zum Beispiel der Handel mit CO2-Zertifikaten werden versucht im Kontext der Geschichte verständlich zu erklären. So hat man am Ende des Buches sogar das ein oder andere gelernt und möglicherweise seinen Horizont zum Thema Klimawandel erweitert.

Fazit:
CO2 - Welt ohne Morgen ist ein Buch was man gelesen haben sollte. Nicht nur ist es aufgrund der Entführungssituation unglaublich spannend, sondern es führt den Leser auch anschaulich vor Augen, dass sich das Klima um uns herum verändert und welche Folgen unsere eigene Tätigkeit und Untätigkeit dazu bei trägt. Denn es spielt nicht irgendwann in der Zukunft, sondern jetzt.
Es regt zum Nachdenken an, denn die eigentlichen Absichten der Entführer sind grundsätzlich nicht absurd. Schon sehr extrem, auch wegen der kürze der Zeit, die zur Umsetzung eingeräumt wird. Aber der große emotionale Konflikt in diesem Buch liegt wohl auch darin begründet, dass gerade in den aufgezeigten Problemen doch ein großer Kern Wahrheit steckt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere