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Veröffentlicht am 26.01.2026

Zwischen Wahrheit und Täuschung – ein raffiniertes Verwirrspiel

Wer die Zweifel sät
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Während der erste Band die Geschichte von Brie Tucker erzählte, rückt im zweiten Teil ihr Bruder Jack in den Mittelpunkt. Als Ermittler wird er in einen Mordfall hineingezogen, bei dem die Privatköchin ...

Während der erste Band die Geschichte von Brie Tucker erzählte, rückt im zweiten Teil ihr Bruder Jack in den Mittelpunkt. Als Ermittler wird er in einen Mordfall hineingezogen, bei dem die Privatköchin Lindsey eine Schlüsselrolle spielt – und zugleich die einzige Hauptzeugin ist. Doch je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto mehr verdichten sich Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit. Unerklärliche Zwischenfälle, widersprüchliche Eindrücke und Lindseys traumatische Vergangenheit, die erst zwei Jahre zurückliegt, lassen die Grenzen zwischen Wahrheit, Erinnerung und Verdrängung zunehmend verschwimmen.

Aus der Beobachterperspektive entfaltet sich ein spannungsgeladener Roman, in dem die Autorin gekonnt mit den Erwartungen der Leser spielt. Immer wieder meint man, die Wahrheit erkannt zu haben, nur um diese Einschätzung kurz darauf wieder verwerfen zu müssen. Verdachtsmomente wechseln rasch, neue Wendungen tauchen auf, und das Gefühl, bewusst in die Irre geführt zu werden, zieht sich konsequent durch die Handlung. Besonders Lindseys anfangs abweisendes Verhalten gegenüber Jack wirkt zunächst befremdlich, gewinnt jedoch mit fortschreitender Handlung an Tiefe und Nachvollziehbarkeit.

Der Spannungsbogen steigert sich kontinuierlich bis hin zu einem packenden Finale, das zwar auf mehreren Zufällen basiert, dennoch mit einem echten Überraschungseffekt überzeugt. Die Auflösung trifft unerwartet und zeigt, wie geschickt die Autorin falsche Fährten gelegt hat – ein gelungenes Verwirrspiel, auch wenn das zugrunde liegende Motiv stellenweise etwas komplex und verworren erscheint.

Die Charakterentwicklung von Jack und Lindsey ist ein zentraler Punkt des Romans. Beide Figuren wirken menschlich, verletzlich und glaubwürdig in ihrem Umgang mit Schuld, Zweifel und traumatischen Erfahrungen. Ergänzt wird die ernste Grundstimmung durch ausgewogene Einblicke in Jacks beruflichen Alltag sowie durch humorvolle und herzliche Szenen mit seinen Schwestern, die der Geschichte wohltuende Leichtigkeit verleihen. Eine dezente, angenehm zurückhaltende Romantik fügt sich harmonisch in die Handlung ein, ohne den Krimianteil zu überlagern.

Etwas mehr christliche Tiefe in den besonders schweren Momenten hätte der Geschichte zusätzlichen Halt geben können, da diese Aspekte überwiegend auf Gemeindeleben, Bekanntschaften und Tischgebete beschränkt bleiben. Dennoch lässt sich der Roman unabhängig vom ersten Band lesen, auch wenn die fortlaufenden Einblicke in Jacks Familie das Verständnis für sein Handeln vertiefen.

Insgesamt eine spannende, emotional geprägte Fortsetzung mit leichtem amerikanischem Flair und hohem Lesesog.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Zwischen Glauben, Gewissen und der Sehnsucht nach Freiheit

Die Stimme meines Herzens
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Eingebettet in die konfliktreiche Zeit der frühen amerikanischen Unabhängigkeitsbestrebungen erzählt der Roman eine bewegende Geschichte über Mut, christliche Werte und den Preis von Gehorsam. Vor dem ...

Eingebettet in die konfliktreiche Zeit der frühen amerikanischen Unabhängigkeitsbestrebungen erzählt der Roman eine bewegende Geschichte über Mut, christliche Werte und den Preis von Gehorsam. Vor dem historischen Hintergrund politischer Spannungen unter britischer Herrschaft, inspiriert von den Idealen des 2.Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ,John Adams’, verbindet die Erzählung große Geschichte mit persönlichem Schicksal.

Im Mittelpunkt stehen der engagierte Anwalt Benjamin Ross und die Pfarrerstochter Susanna Smith, deren behütete Welt zunehmend ins Wanken gerät.. In einer Welt, in der Bildung, Selbstbestimmung und Mitspracherecht für Frauen kaum vorgesehen sind, wird Susannas Wissensdurst und Mitgefühl zur inneren wie äußeren Zerreißprobe. Die strengen gesellschaftlichen Erwartungen, insbesondere an junge Frauen, kollidieren zunehmend mit der bitteren Realität von Unterdrückung, Armut und Ungerechtigkeit.

Besonders eindrucksvoll ist die Auseinandersetzung mit der Frage, was wahrer christlicher Gehorsam bedeutet: blinde Unterordnung unter weltliche Macht – oder das mutige Eintreten für Nächstenliebe und Gerechtigkeit. Susannas Glaube wird dabei nicht als starres Regelwerk, sondern als lebendige Kraft dargestellt, die sie antreibt, Verantwortung zu übernehmen, selbst wenn dies Gefahr und persönliche Opfer bedeutet. Das harte Schicksal junger Frauen und entrechteter Dorfbewohner wird sensibel aufgegriffen und verleiht der Geschichte emotionale Tiefe und gesellschaftliche Relevanz.

Die Figuren sind vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet, ihre inneren Kämpfe und Gewissensentscheidungen nachvollziehbar. Die behutsam eingeflochtene Romantik fügt sich stimmig in das historische Setting ein und verstärkt den Eindruck, dass Liebe, Glaube und Hoffnung selbst in Zeiten größter Unterdrückung Bestand haben können. So entsteht ein fesselnder Roman, der nicht nur Einblick in eine prägende Epoche gewährt, sondern eindrucksvoll zeigt, wie Glauben, Mut und Mitmenschlichkeit Lebenswege – und Geschichte – verändern.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Auserwählt trotz Narben – wenn Gott tiefer sieht als wir selbst

I am Chosen
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Im zweiten Band der Three-Lakes-Reihe öffnet sich ein besonders behutsamer Blick auf eine Wahrheit, die wir im Alltag nur allzu oft vergessen: Gott schaut nicht auf das, was uns gezeichnet hat – sondern ...

Im zweiten Band der Three-Lakes-Reihe öffnet sich ein besonders behutsamer Blick auf eine Wahrheit, die wir im Alltag nur allzu oft vergessen: Gott schaut nicht auf das, was uns gezeichnet hat – sondern auf das, was uns ausmacht. I am chosen ist weniger eine laute Geschichte als vielmehr eine leise, tiefgehende Einladung, hinter Fassaden zu blicken und Narben nicht als Makel, sondern als Teil eines größeren Plans zu begreifen.

Kat trägt körperliche und seelische Verletzungen mit sich, die ihr Denken, Fühlen und Handeln prägen. Ihre Abwehr, ihre Ängste und ihre innere Zerrissenheit sind Ausdruck eines Schmerzes, der tief sitzt. Gerade hier entfaltet der Roman seine größte Stärke: Er verurteilt nicht, er erklärt. Stück für Stück wird sichtbar, warum Kat ist, wie sie ist – und dass Gott sie dennoch oder gerade deshalb erwählt hat. Nicht weil sie stark ist, sondern weil ihr Herz gesehen wird.

Besonders berührend ist die spirituelle Ebene der Geschichte. Durch den Astrophysiker Aron, liebevoll Sternensänger genannt, bekommt der Glaube eine staunende, forschende und zutiefst ehrliche Stimme. Seine Liebe zum Universum und sein fester Glaube an einen Schöpfer zeigen eindrucksvoll, dass Wissenschaft und Glaube keine Gegensätze sein müssen. Vielmehr wird deutlich: Wer genau hinsieht, erkennt Ordnung, Sinn und Handschrift Gottes – im Kosmos wie im menschlichen Leben.

Die eingeflochtenen Bibelstellen wirken dabei nicht belehrend, sondern tröstend und richtungsweisend. Sie spiegeln wider, dass Gott Wege lenkt, Türen öffnet und Geduld lehrt – auch dann, wenn wir selbst nur Stillstand oder Umwege sehen. Gerade Kats Geschichte macht klar: Gottes Blick auf unsere Narben ist ein anderer als unserer. Wo wir Schwäche sehen, erkennt er Wachstum. Wo wir uns selbst definieren über Schmerz, sieht er ein geliebtes Kind.

Trotz ernster Themen bleibt Raum für Leichtigkeit, Humor und echte Freundschaft. Figuren wie Grace bringen Wärme und Ehrlichkeit in die Geschichte und zeigen, dass wahre Nähe dort entsteht, wo man sich gegenseitig unterstützt und füreinander da ist – liebevoll, aber klar und aufrichtig. Freundschaft wird hier als göttliches Werkzeug sichtbar: um zu heilen, zu wachsen und den eigenen inneren Kompass neu auszurichten.

I am chosen ist ein Roman, der daran erinnert, dass es mehr als nur Plan A gibt und dass Gottes Wege oft dort beginnen, wo wir selbst nicht mehr weiterwissen. Am Ende bleibt die leise, aber kraftvolle Erkenntnis: Unsere Narben erzählen nicht vom Scheitern, sondern davon, dass wir gesehen, gehalten und geliebt sind.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

spielerisch anhand eines Bibeltextes etwas aus der Natur und dem Miteinander lernen

Tom und Lulu
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Mit Tom und Lulu erlebt man eine süße Geschichte, die nicht nur Werte der Bibel spielerisch mit Dingen aus der Natur verbinden, sondern auch hilfreich für das Miteinander ist.

In diesem süßen Bilderbuch ...

Mit Tom und Lulu erlebt man eine süße Geschichte, die nicht nur Werte der Bibel spielerisch mit Dingen aus der Natur verbinden, sondern auch hilfreich für das Miteinander ist.

In diesem süßen Bilderbuch hat man nicht nur eine Menge zu bestaunen und zu entdecken, denn es wimmelt nur so von lustigen und bunten Illustrationen, sondern stellt auch fest, dass Kinder schon von klein auf den Umgang miteinander lernen.

Ob als Vorlesegeschichte oder zum Selbstlesen erlebt man, wie beide Mäusekinder nicht nur Mama helfen können, das Zuhause sauber und ordentlich zu halten, sondern auch zu erfahren, was es mit dem Samen säen auf sich hat. Aus dem fröhlichen Spielen wird eine Entdeckungsreise, wobei aber der Spaß mit Mama und Papa auch nicht zu kurz kommt. Liebevoll erklären die Eltern den Mäusekinder aber wichtige Abläufe aus der Natur, von denen auch sie selbst abhängig sind und was das Säen und Ernten auch mit Freundschaft und lieb miteinander umgehen zu tun hat. So erhalten die kleinen Leser einen bleibenden Eindruck aus einem einfachen Bibeltext und können selbst überlegen, was sie schon kennen oder daraus lernen.

So kann man tolle Gespräche führen, ob als Eltern, Großeltern oder im Kindergarten – mit diesem Buch macht die Entdeckungsreise ganz viel Spaß und ich hoffe, dass es noch viele weitere Lerngeschichten von den beiden Mäusegeschwistern gibt.

Die Illustrationen sind bunt und über einen großen Teil der Doppelseiten verteilt, dabei ist die Schriftgröße genau richtig, was es auch Erstlesern leichter fällt, diese Geschichte ohne große Mühe lesen zu können.

Am Ende des Buches gelangt man über einen Link oder QR Code auf eine Seite, wo man zusätzliche Gedanken, Spiel-, Bastel u.Malvorlagen erhält und Anregungen, um mit den Kindern über die Bedeutung des Bibeltextes sprechen zu können. Die Ideen fand ich richtig süß ausgewählt und für kleinere und größere Kinder bunt gemischt.

Ich kann das Buch wirklich empfehlen und freue mich auf ein Wiedersehen mit Tom und Lulu.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Ein Roman, der weh tut – und gerade deshalb Hoffnung schenkt

Die Apotheke der Hoffnung
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Dieser Roman lässt einen nicht unberührt zurück – er geht unter die Haut, reißt auf, hält fest und lässt nicht mehr los.

Basierend auf den realen Aufzeichnungen des jungen Apothekers Tadeusz Pankiewicz ...

Dieser Roman lässt einen nicht unberührt zurück – er geht unter die Haut, reißt auf, hält fest und lässt nicht mehr los.

Basierend auf den realen Aufzeichnungen des jungen Apothekers Tadeusz Pankiewicz aus der Adler-Apotheke im Ghetto von Krakau, verbindet die Autorin historische Realität mit einer fiktiven, aber zutiefst authentischen Geschichte rund um die Polin Zosia und die Jüdin Hania. Stellvertretend für unzählige Schicksale zeigen sie, was es bedeutete, in einer Zeit größter Unmenschlichkeit zu überleben.

Schonungslos führt der Roman durch das Leben im Ghetto, in Lagern und Konzentrationslagern. Nichts wird beschönigt – denn, wie der Text selbst spürbar macht, es gibt nichts zu beschönigen. Für diese Lektüre braucht man starke Nerven und viele Taschentücher. Und doch ist sie unerlässlich. Gerade weil Erinnerung weh tut, ist sie notwendig.

Besonders eindrücklich ist die Botschaft, die die Autorin auch im Nachwort betont:
„Selbst wenn die Bemühungen zur Hilfe noch so klein erscheinen mögen, so ist doch jeder Akt der Menschlichkeit von Bedeutung.“
Jeder Mutmoment, jedes Risiko, jede Entscheidung für Mitgefühl zählt.

Der Apotheker und seine Helferinnen wussten, was ihnen drohte – und handelten trotzdem. Hoffnung und Mut waren größer als die Angst. Diese innere Zerrissenheit spiegelt sich auch in den vielen starken Zitaten wider, die lange nachhallen. Sätze wie
„Der Mut ist stark, bis er auf den Prüfstand gestellt wird“
oder
„Der Krieg entlarvt den Glauben an unsere eigene Anständigkeit schonungslos als Illusion … nur in unseren Entscheidungen liegt Hoffnung“zwingen zur Reflexion – über damals und über uns heute.

Durch die wechselnde, persönliche Erzählperspektive von Hania und Zosia fühlt man sich nicht wie ein bloßer Beobachter, sondern mitten im Geschehen. Ihre wachsende Freundschaft, der verzweifelte Versuch, Menschlichkeit zu bewahren, das Gefühl von Ohnmacht, wenn es nicht gelingt – all das ist zutiefst emotional, intensiv und schmerzhaft ehrlich erzählt.

Auch der Glaube findet seinen Platz: leise, respektvoll, mit Raum für Zweifel und dennoch getragen von der Überzeugung vieler Verfolgter, dass Gott nicht gleichgültig war. In kleinen Gesten zeigt sich, wie trotz Angst, Hass und Gewalt Liebe, Freundschaft und Hilfe wachsen konnten – und wie Menschen selbst zu Hoffnungsträgern wurden. Der Titel des Buches erhält dadurch eine besondere, berührende Tiefe.

Die Figuren sind vielschichtig und lebendig gezeichnet. Trotz der allgegenwärtigen Traurigkeit gibt es immer wieder ergreifende, fast zarte Momente, die das Herz berühren. Und dann dieser Satz, der sich unauslöschlich einprägt:
„Solange die Fähigkeit zur Unmenschlichkeit in den Herzen der Menschen wohnt, solange es Hass gibt, wird auch das Leid bleiben.“
Ein Satz von erschreckender Aktualität.

Für mich ist dieses Buch ein schmerzhafter Erinnerungsschatz – und zugleich ein Hoffnungsschimmer in einer der dunkelsten Epochen der Geschichte. Ein Roman, den man nicht vergisst. Ein Buch, das gelesen werden muss: gegen das Vergessen, für die Menschlichkeit und als stilles Gedenken an all jene Leben, die durch Willkür als wertlos erklärt wurden.

5 Sterne – ein absolutes Highlightbuch.

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