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Veröffentlicht am 16.03.2018

Leidenschaftlich, aber fern des Titels

Die verborgene Seele der Kühe
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Bereits 2003 erschienen Die verborgene Seele der Kühe als „The Pig who sang to the Moon. The emotional world of farm animals„, übersetzt 2006 und unter dem Titel „Wovon Schafe träumen. Das Seelenleben ...

Bereits 2003 erschienen Die verborgene Seele der Kühe als „The Pig who sang to the Moon. The emotional world of farm animals„, übersetzt 2006 und unter dem Titel „Wovon Schafe träumen. Das Seelenleben der Tiere„. Jetzt mit neuem Vorwort des Autors unter neuem Titel, nach Schweinen und Schafen nun Kühe, untertitelt mit „Das geheime Leben von Rinder, Hühnern, Schweinen und anderen Hoftieren.“
Ich bin mit anderen Erwartungen an das Buch heran gegangen und auch wenn sich der Autor bemüht hat sein Anliegen begreiflich zu machen hat er bei mir leider das Gegenteil bewirkt. Nicht ganz unschuldig mag daran auch die mehrfache Erwähnung (und Verlinkung) verschiedener Tierrechtsorganisationen, die ich als etwas fragwürdig (und teilweise verbrecherisch) erachte und die es mir schwer machen, das Geschrieben sachlich zu sehen. Zumal die geheime Seele (egal welcher Nutztierart) eher eine untergeordnete Rolle spielt und den Zuständen in Massentierbetrieben (gefühlt) mehr Raum geboten wird.
Anhand des Klappentextes und des Titels hatte mir Geschichten über Tiere erwartet, eine kleine Reise in das Gedankenleben (ohne die Tiere zu sehr zu vermenschlichen). Es gibt ein paar Geschichten (u. a. jene vom Schwein, das den Mond ansingt), aber unterschwellig wird man den Gedanken nicht los, dass es viel eher darum geht, den Leser davon zu überzeugen vegan zu leben.
Ich habe nichts gegen Veganer (jedenfalls gegen die meisten), aber dieses Buch geht mir leidenschaftlich in eine dem Titel nicht gerechten Weg.
Ein weiterer Schwachpunkt des Buchs ist das Alter. Einer Neuauflage ein neues Vorwort zu verleihen ist zu wenig, denn wenn sich etwas rasant schnell verändert dann sind es wissenschaftliche Erkenntnisse.
Die Fußnoten (und Literaturtipps) sind gut gemeint, beziehen aber neue wissenschaftliche Ergebnisse nicht ein.

Von daher kann man eigentlich nur sagen, dass die Aussage des Buchs gut gemeint sein mag (und unter anderem Titel auch berechtigt), aber die Schwachpunkte überwiegen:
Titel und Untertitel sind falsch gewählt, sie lassen etwas anderes erwarten.
Ich erfahre nichts über die verborgene See der Kühe.
Es geht nicht um das geheime Leben von Tieren auf dem Bauernhof (Hoftiere) es geht eher darum wie gut es Nutztiere haben, die nicht wegen ihrer Produkte (Eier/Milch/Fleisch…) gehalten werden.
Es wird auf keine neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse hingewiesen. Immerhin hat das Buch schon 15 Jahre auf dem Buckel.
Literatur- und Linktipps zu Tierrechtsorganisationen und veganer Lebensweise erwarte ich in einem Buch mit diesem Titel nicht.

Veröffentlicht am 09.03.2018

Kein Highlight

Die Bärenführerin
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Nun ja, ich gebe zu, dass es mir schwer viel mich in die entsprechende Zeit hineinzuversetzen. Manchmal kamen mir vor allem die Denk- und Handlungsweisen der Frauen etwas zu modern vor (und die entsprechenden ...

Nun ja, ich gebe zu, dass es mir schwer viel mich in die entsprechende Zeit hineinzuversetzen. Manchmal kamen mir vor allem die Denk- und Handlungsweisen der Frauen etwas zu modern vor (und die entsprechenden Reaktionen der Männer auch).
Die Liebesgeschichte zwischen Agnes und Killian hat mich aber bei der Stange gehalten, ebenso die Beziehungen die Agnes zu den unterschiedlichen Tieren (nicht nur den Bären, wie es der Buchtitel vermuten lässt).
Der Roman ist nicht schlecht, verliert aber gegen andere historische Romane. Mit knapp 350 Seiten erscheint das Buch auch dünner als so manch anderer Historienschinken, aber das erscheint tatsächlich als Nachteil, da die Geschichte um Agnes und Killian noch um einiges ausgebaut werden könnte. So wird etwas Potential verschenkt, was zu einer geradlinigen Erzählweise und einem schnellen Ende führt.

Die Bärenführerin ist kein schlechtes Buch, aber eines der weniger guten im Genre der historischen Romane. Fast bin ich geneigt den Roman in Fantasynähe einzuordnen, denn die Beziehungen, die Agnes zu den Tieren hat, ist schon etwas besonderes (und hätte durchaus ausgebaut werden können) und eher ungewöhnlich.

Aber ...
Die Bärenführerin ist kein Highlight, das Flair, das historische Romane ausmacht fehlt, die Ausdrucksweise ist zu modern, die Tierbeziehungen zu fantastisch. Es ist ein Buch, das man lesen kann, aber ein MUSS ist es bei weitem nicht.
Schade eigentlich, denn (unter dem Gesichtspunkt der FANTASY) es hätte eine interessante Geschichte werden können, so wie es der Klappentext verspricht. So wird Die Bärenführerin wohl in der Mittelmäßigkeit versinken.

Veröffentlicht am 06.03.2018

Das letzte Einhorn war gestern...

In Kalabrien
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Es gibt Fantasyepen, die strotzen vor Schlachten, Intrigen und fremden Welten. Orks, Trolle, Zwerge und Elfen bevölkern diese Welten und Magie ist allgegenwertig. Und dann gibt es Kalabrien…
Kalabrien ...

Es gibt Fantasyepen, die strotzen vor Schlachten, Intrigen und fremden Welten. Orks, Trolle, Zwerge und Elfen bevölkern diese Welten und Magie ist allgegenwertig. Und dann gibt es Kalabrien…
Kalabrien (italienisch Calabria; kalabresisch Calàbbria) ist die südlichste Region des italienischen Festlandes, sozusagen die Stiefelspitze. Berge, Wein und italienisches Temperament. Keine Zwerge, Elfen oder Trolle und die einzige Magie geht von der Landschaft selbst aus.
Und Kalabrien ist Schauplatz der neuesten Erzählung von Peter S. Beagle, der Mann, der 1968 „Das letzte Einhorn“ schrieb und das nicht zuletzt durch die Verfilmung zum Weltbestseller und Klassiker wurde.
Es ist ein poetisches Buch, eine Liebesgeschichte an das Einhorn, sanft erzählt und von einer faszinierenden Feinheit. Erzählt wird aus der Sicht (Claudio) Bianchis, der fast nur seine Tiere um sich hat bis das Einhorn sein Leben verändert. Das Leben des Bauern wird interessant und spannend, auch die Liebe findet den Weg zu ihm.
Die einzige Magie in Beagles Kalabrien ist die Existenz und das Wesen der Einhörner und diese zieht den Leser in den Bann.
„In Kalabrien“ ist ein romantisches Buch, verzichtet aber auf eine kitschige Darstellung der Einhörner. Durch Bianchis Sicht der Dinge wird das Einhorn vielleicht etwas verklärt (immerhin schreibt der Bauer auch Gedichte und das Einhorn bietet sehr viel Inspiration), aber niemals darf man erwarten, dass sich die stolzen Tiere über den Regenbogen hinwegheben oder dem Reiz einer Jungfrau erliegen.
Trotzdem lege ich das Buch jedem ans Herz, der Einhörner mag und einen Ausgleich zu epischen Fantasyschlachten sucht.
Das gelungene Cover passt perfekt zum Inhalt des Buches: Durch die Farben und die Motive wird die Romantik der Erzählung eingefangen, ohne zu sehr ins kitschige zu geraten.
Ich war kein Freund vom letzten Einhorn, aber La Signora hat mich in ihren Bann gezogen.