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Veröffentlicht am 15.05.2022

Jazz-Variante der bekannten Kindergeschichte

Peterchens Mondfahrt
2

Klappenetxt: »Sumsemann hieß der dicke Maikäfer, der im Frühling auf einer Kastanie im Garten von Peterchens und Annelieses Eltern hauste, nicht weit von der großen Wiese mit den vielen Sternblumen ...« ...

Klappenetxt: »Sumsemann hieß der dicke Maikäfer, der im Frühling auf einer Kastanie im Garten von Peterchens und Annelieses Eltern hauste, nicht weit von der großen Wiese mit den vielen Sternblumen ...« – So beginnt die phantastische Geschichte des berühmten kleinen Maikäfers, der sich mit Hilfe zweier Kinder auf eine abenteuerliche Reise begibt, um sein verlorenes sechstes Beinchen wiederzuholen.
Diesen Klassiker der deutschen Kinderliteratur haben Vibraphonist Volker Heuken mit seiner Band und Schauspieler Stefan Kaminsky behutsam adaptiert, verjüngt und das geschriebene Wort in ganz neuer Interpretation zum jazzigen Hörerlebnis gemacht. »Fly me to the moon« summt die Nachtfee, und Musik und gelebte Sprache vermischen sich zu etwas Neuem, Ungehörtem: Einem zeitlos musikalisch-literarischen Cross-Over, das zum Phantasieren und Mitreisen einlädt.

Die „Jazz für Kids“-Variante von Gerdt von Bassewitz‘ „Peterchens Mondfahrt“ ist eine recht interessante und moderne Variante seiner Ursprungsfassung, kindergerecht aufbereitet und wunderbar mit einfacher Jazz-Musik untermalt. Die Fassung scheint im Vergleich zum Original ein wenig gekürzt, aber alle Elemente rund um den dicken, Geige-spielenden Maikäfer Sumsemann und die braven Kinder Peterchen und Anneliese, das Sandmännchen, die Milchstraße, den großen Bären, die Nachtfee, den Mondmann und alle anderen wichtigen Charaktere sind wunderbar inszeniert.

Mir persönlich hat die hier vorgestellte Variante sehr gut gefallen. Für meine Kinder im besten Teenageralter kommt diese Fassung leider ein wenig zu spät, aber für Kinder bis 8-9 Jahre findet man hier eine ideale Gelegenheit, Kinder dieses Alters mit einer spannenden Geschichte an Jazz-Musik ein wenig heran zu führen und damit vertraut zu machen … und auch für uns Eltern ist es durchaus, beispielsweise bei etwas längeren Autofahrten, mithörbar, wie unser Maikäfer Sumsemann sein seit Generation fehlendes 6. Beinchen wieder zurückbekommt. Darüber hinaus ist das Hörbuch großartig vom deutscher Schauspieler Stefan Kaminsky gesprochen und auch das Buchcover ist grandios gestaltet. Zusätzlich zur überzeugenden musikalischen Untermalung wird auch die Geräuschkulisse recht gut eingesetzt.

Und zuletzt, unbedingt nochmal nachzählen, ob nun auch alle Beinchen wieder dran sind, bevor unser lieber Herr Sunsemann nach seiner Rückkehr von der Mondfahrt - dieses Mal hoffentlich ohne Schnaps zu trinken - weit, weit fort fliegt.

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Veröffentlicht am 05.05.2022

Das beste allgemeinverständliche Buch über unser Immunsystem

Immun
3

Normalerweise wurde ich bislang von allerlei populärwissenschaftlicher Literatur vorwiegend enttäuscht – bei Büchern von Laien oder Fachfremden fehlt oftmals das fundierte Basiswissen, um dem Leser etwas ...

Normalerweise wurde ich bislang von allerlei populärwissenschaftlicher Literatur vorwiegend enttäuscht – bei Büchern von Laien oder Fachfremden fehlt oftmals das fundierte Basiswissen, um dem Leser etwas Sinnvolles vermitteln zu können, bei Büchern aus der Feder von Experten wird oftmals zu viel spezifische Detailkenntnis beim Leser vorausgesetzt, als dass man es mit Freude noch Lesen und Genießen kann. Philipp Dettmers Buch „Immun“ hebt sich hierbei deutlich ab und ist eine ganz große Ausnahme. Als Macher des youtube-Kanals „Kurzgesagt – In a Nutshell“ bringt der Autor natürlich auch die nötige Kenntnis mit, wie man wichtige und interessante Informationen in Text und Bild klar vermittelt.

Obwohl ich das Buchcover auf den ersten Blick ein wenig zu kitschig empfand, muss ich sagen, dass die Illustrationen im Buch genau das Wesentliche und Charakteristische erklären und die Sprache ähnelt eher der, die man aus dem Alltag gewohnt ist, als einer eher abgehobenen Vortragssprache. Großartig wird einem im Detail alles wichtige über unser Immunsystem vermittelt, welche Zelltypen, Antikörper, Eiweiße, etc. es gibt, wo sie gebildet und im Gefahrenfalle vermehrt werden, wie sie sich im Laufe unseres Lebens verändern und vieles mehr. Von manchen Organen und Abläufen im Körper hat man auch als medizinisch Interessierter noch nie etwas gehört. Alles wird auch exemplarisch an einer Vielzahl von Beispielen untermauert und bildhaft gemacht, der Leser begibt sich hier sozusagen gemeinsam mit den jeweils relevanten Zelltypen auf eine Reise zur Abwehr von Bakterien oder Viren (auch hier werden die entsprechenden Unterschiede vermittelt). Es werden die Zusammenhänge erklärt, welche Prozesse im Körper ablaufen, wenn wir z.B. in einen rostigen Nagel treten, warum eine Entzündung und Schwellung hilfreich sein kann, was bei einem Infekt im Immunsystem passiert und was andererseits im Falle von Autoimmunerkrankungen oder gar Krebs im Körper falsch interpretiert wird, schief und komplett aus dem Ruder läuft.

„Immun“ von Philipp Dettmers ist ein interessantes und mitreisendes Sachbuch, welches mich von Anfang bis zum Ende komplett überzeugt hat und den Spannungslevel eines Thrillers besitzt. Obwohl auf den ersten Blick aufs Cover eher der Eindruck eines Kinderbuches entstehen könnte, ist das Buch so grandios, dass auch Erwachsene oder Wissenschaftler, die nicht aus dem Fachbereich der Zellbiologie kommen, möglicherweise aber auch Experten noch einiges Neues darin lernen können. Gerade in Zeiten von Pandemien und Covid-19 ein „must have“-Buch, das meines Erachtens jeder gelesen haben sollte. Ich fand das Werk so überragend, dass ich sowohl das Buch gelesen, als auch die Hörbuchvariante gehört habe. Während ich am Buch wirklich überhaupt nichts auszusetzen habe, möchte ich bei der Hörbuchversion anmerken, dass es für meinen Geschmack von der sympathischen Stimme Christoph Jablonkas richtig toll aber einen kleinen Ticken zu schnell gelesen wurde. Darüber hinaus sind beim Hörbuch die detailreichen Illustrationen nicht so umfangreich wie beim Buch. Dennoch kann ich beide Varianten jedem, der auch nur ein wenig Interesse an den Abläufen unseres Immunsystems besitzt, nur allerwärmstens empfehlen – es ist wirklich ein besonderes Buch der absoluten Extraklasse.

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Veröffentlicht am 04.05.2022

Hochspannung und Verwirrung, die der Leser mit dem Protagonisten Markus "shared"

Sharing – Willst du wirklich alles teilen?
5

In dem Thriller „Sharing – Willst du wirklich alles teilen?“ von Arno Strobel betreiben Markus Kern und seine Frau Bettina ein Unternehmen für Car- und Wohnungssharing und was man sonst alles nicht unbedingt ...

In dem Thriller „Sharing – Willst du wirklich alles teilen?“ von Arno Strobel betreiben Markus Kern und seine Frau Bettina ein Unternehmen für Car- und Wohnungssharing und was man sonst alles nicht unbedingt besitzen, sondern auch bequem mit anderen teilen kann. Und natürlich verdienen die beiden auch ganz gut daran. Markus‘ Welt wird allerdings auf den Kopf gestellt, als Bettina, die eines Abends noch mit einer Freundin ins Fitness-Studio wollte, nicht nach hause kommt. Er überlegt in vielerlei Richtung, ob sie möglicherweise ein Verhältnis haben könnte oder was sonst denn der Grund dafür sein könnte, bis er schließlich einen Internet-Link zugesendet bekommt und er sich mittels Tor auf Onions ins Darknet begibt.

Was er dort erblickt, lässt ihn erschaudern und das Blut in den Adern gefrieren: Auf dem Bildschirm sieht er den gefesselten und entblößten Körper seiner Frau und die Ankündigung, dass Bettina im Sinne des Sharing-Konzepts ihrer Firma in Bälde mit mehreren Männern „geteilt“ - sprich missbraucht - werden wird. Die Zahl der eingeloggten User, mit denen der Entführer gutes Geld verdienen wird, steigt ins Unermessliche. Markus allerdings fliegt aus der Leitung heraus. Am nächsten Morgen wird er dann zu einer seiner Wohnungen gelotst, wo er Bettina tot auffindet. Schnell gerät er bei der Polizei als Hauptverdächtiger unter Verdacht. Dennoch versucht er die Aufklärung des Falls selbst in die Hand zu nehmen. Es folgt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Markus und der Leser ebenso bald nicht mehr weiß, wer in diesem Spiel gut und wer böse ist, wer Markus hilft und unterstützt oder ihm schadet und ins Verderben reiten möchte. Schließlich zweifelt Markus auch an sich und zieht in Betracht - ebenso wie seine Tochter und der Leser auch -, dass er selbst tatsächlich der Mörder seiner Frau sein könnte. Als aber seine Tochter auch noch entführt wird, weiß er, dass er nun nochmals alle Kräfte und Energien mobilisieren muss, um seine Tochter zu befreien.

Mit „Sharing – Willst du wirklich alles teilen?“ hat Arno Strobel einen sehr mitreißenden und hochspannenden Thriller geschrieben, bei dem der Leser das Buch schlichtweg nicht mehr aus der Hand legen kann. Fast jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, was den Spannungslevel noch einmal zusätzlich steigert. Der Protagonist Markus, gleichsam dem Leser, wird einerseits auf richtige und anderseits auf falsche Fährten geführt und zusammen mit der Spannung steigt auch die Verwirrung beim Leser. Erst ganz am Ende wird dann alles mit einer überraschenden und unerwarteten Auflösung schlüssig zusammengeführt. Mir persönlich hat „Sharing – Willst du wirklich alles teilen?“ sehr gut gefallen, einziger Kritikpunkt ist für mich, dass für mein Ermessen ein paar Stellen, wie beispielsweise gleich der Beginn des Buches, ein wenig zu brutal, zu reißerisch und zu voyeuristisch geraten sind – Spannungslevel und Plot sind bereits hoch genug, als dass es die überaus brutalen und voyeuristischen Elemente meines Erachtens nicht unbedingt gebraucht hätte; andererseits spiegelt diese Komponente wohl sehr deutlich und authentisch wider, wie unsere Gesellschaft durchaus tickt. Buchcover und -titel sind ganz hervorragend auf die Handlung abgestimmt und richtig beeidruckend. Unterm Strich ist Arno Strobel mit „Sharing – Willst du wirklich alles teilen?“ ein enorm spannender Thriller gelungen, dessen Spannungslevel zu keinem Zeitpunkt auch nur im Geringsten abfällt. Die Hörbuchvariante wird ganz hervorragend von Sascha Rotermund, der deutschen Stimme von beispielsweise Benedict Cumberbatch und Jon Hamm, gelesen und lässt den Adrenalinlevel beim Hörer zu keinem Zeitpunkt abklingen.

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Veröffentlicht am 04.05.2022

Ein herausragendes Buch zum Thema Umweltschutz und Klimawandel

Klimawandel - ein Appell
4

Fred Vargas ist französische Professorin für Umweltschutz … nein, das ist sie nicht: Sie ist genau genommen Autorin für Kriminalromane. Umso verwunderlicher, dass sie sich in „Klimawandel - Ein Appell ...

Fred Vargas ist französische Professorin für Umweltschutz … nein, das ist sie nicht: Sie ist genau genommen Autorin für Kriminalromane. Umso verwunderlicher, dass sie sich in „Klimawandel - Ein Appell - Wir müssen jetzt handeln, um unser Klima zu retten“ mit dieser Thematik auseinandersetzt. Kann sie das überhaupt als Nichtexpertin? - Oh ja, sie kann und macht das mehr als hervorragend und als ehemalige Mitarbeiterin des renommierten Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung in Paris kennt sie sich natürlich mit dieser Materie auch aus.

Ohne das Buch in separate Kapitel einzuteilen fügt sie gut recherchiertes Material dennoch sehr schlüssig zusammen. Dies führt also nicht etwa zu einer losen Auflistung der umweltpolitischen Ursachen, Gefahren und Konsequenzen, sondern alles wird in einen Gesamtkontext sehr strukturiert eingebunden. Wie im Untertitel bereits hervorgehoben, ist es nicht nur eine Kritik an der gegenwärtigen Situation, sondern vielmehr ein Appell all an jene, die auch etwas verändern wollen. Hier wird nicht nur beschrieben, wie wir unser Alltagsverhalten ändern müssen, sondern was auch technologisch möglich ist, wenn wir unseren einzigartigen Planeten noch retten wollen.

Ein insgesamt wirklich großartiges Buch, sehr unterhaltsam verfasst und als Hörbuch auch mitreißend gelesen, welches alle wichtigen Punkte anspricht. Einzig störender Punkt bleibt für mich der elektronische Zensor, der anfangs ganz witzig rüber kommt, auf Dauer aber ein wenig nervt. Er tritt immer dann auf, wenn die Autorin ihre eigene Meinung ins Spiel bringen möchte. Da das Werk als Ganzes allerdings so hervorragend ist, kann ich über diesen einen Schwachpunkt großzügig hinwegsehen.

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Veröffentlicht am 03.05.2022

Fachlich interessant, der (Unter-)Titel verfehlt aber eindeutig das Thema

Der Stoffwechsel-Kompass
4

Hauptsächlich war mir Prof. Ingo Froböse, ein ausgewiesener und anerkannter Experte auf seinem Gebiet, durch seine zahlreichen Videos über Krafttraining und Rückenschule bekannt. Und angesichts der Tatsache, ...

Hauptsächlich war mir Prof. Ingo Froböse, ein ausgewiesener und anerkannter Experte auf seinem Gebiet, durch seine zahlreichen Videos über Krafttraining und Rückenschule bekannt. Und angesichts der Tatsache, dass wir nun mal alle nicht jünger werden und meistens an Gewicht eher zulegen, schien mir „Der Stoffwechsel-Kompass“ ein hervorragendes Buch zu sein, um mich auf meine 50-ger Jahre vorzubereiten.

Viel wird in dem Buch über Stoffwechsel, Ernährung und Verdauung sehr detailliert dargestellt, manchmal auch ein wenig zu fachspezifisch für den Laien, und die wesentlichsten Begriffe nochmals in einem hervorgehobenen Kasten zusammengefasst. Man lernt in der Tat sehr viel darüber, wie der Körper „arbeitet“, was gut und schlecht für ihn ist. Dennoch fehlt mir das eigentlich Neue, was das Buch liefern sollte – weniger fachspezifisch erklärt, kann man das Meiste auch bereits in Zeitschriften wie der Apothekenumschau oder ähnlichem entnehmen. Der größte Schwachpunkt des Buches scheint mir aber, dass der Untertitel "Was uns in der zweiten Lebenshälfte fit, schlank und wach hält" schlichtweg irreführend ist: Die meisten Informationen sind allgemeiner Natur und beziehen sich auf den menschlichen Körper ganz generell, nur ganz wenige Details gegen Ende des Buches sind auf den Menschen in seiner zweiten Lebenshälfte ausgerichtet. Hier wird eindeutig nicht gehalten, was versprochen wird. Was bleibt, ist ein interessantes Buch eines Fachmannes, welches sehr viel über den menschlichen Stoffwechsel, Ernährung und die menschliche Verdauung vermittelt - sehr lesenswert, aber sicherlich kein "must have".

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