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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.03.2019

Leider verschenktes Potenzial

Die Runenmeisterin
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Torsten Fink ist ein Autor, der sich vor allem mit seine Schattenprinz Reihe in der deutschen Fantasywelt bereits einen Namen gemacht hat. Ich selbst als vor einigen Jahren den Einzelband „Tochter der ...

Torsten Fink ist ein Autor, der sich vor allem mit seine Schattenprinz Reihe in der deutschen Fantasywelt bereits einen Namen gemacht hat. Ich selbst als vor einigen Jahren den Einzelband „Tochter der schwarzen Stadt“ den ich auch ganz gut fand. Aus diesem Grund wurde ich gleich hellhörig als ich erfuhr, dass der Autor nun einen Fantasyroman für Jugendliche veröffentlicht und auch der Inhaltstext sprach mich sofort an. Leider lässt mich das Buch etwas zwiegespalten zurück.

Meine Meinung:


Eine Menge Potenzial …
Eigentlich beginnt alle ganz wunderbar. Nach einem geheimnisvollen und Neugierde weckendem Prolog, verschlägt es den Leser mitten in ein Dorf im Nirgendwo und man lernt die Zwillinge Ayrin und Baren kennen und bekommt gleich einen Eindruck ihres bisher eher wenig erfreulichen Lebens.
Relativ schnell kommen dann auch die Runen ins Spiel und die faszinierten mich sofort. Sicherlich, Magie die auf gezeichnete Runen basiert ist jetzt auch keine neue Erfindung, aber trotzdem noch unverbraucht genug um beim Leser umgehend die Neugierde zu wecken. Ich war gespannt zu erfahren was es für Runen gibt und wie sie wirken. Auch das Geheimnis rund um die Drachen weckte sofort mein Interesse.

Insgesamt gibt es in Torsten Finks Weltenentwurf viele Ideen und Ansätze die ungemein interessant waren. Von den Runenmeistern, über die Hexen bis zum Geheimnis um die Herkunft der Zwillinge. Die Geschichte hat viel Potenzial und bringt eigentlich alles mit, um zu einem mitreißendem Fantasy Epos zu werden.

… das verschenkt wurde
Eigentlich. Doch jetzt kommt da aber, denn leider haben wir keinen Epos, sondern wie es aussieht einen Einzelband, zumindest ist das Buch als solches ausgewiesen. Als Reihenauftakt hätte das Buch von mir auf jeden Fall vier Sterne bekommen, doch als Einzelband ist es leider zu unausgereift. Hintergrundinformationen über die Welt, die Geografie und Kultur bekommt man immer nur bruchstückhaft hier und da verstreut mitgeteilt (eine Karte wäre hilfreich gewesen) und ähnlich verhält es sich mit den Charakterhintergründen.

Auch die Geschichte selbst wirkt an vielen Stellen nicht ganz ausgereift. Sie wird in einem gemächlichen Tempo erzählt, das ist zwar zu keinem Zeitpunkt langweilig, täuscht jedoch nicht über die Tatsache hinweg, dass im Grunde gar nicht so viel passiert. Das wäre prinzipiell gar nicht schlimm, viele Bücher beweisen, dass es nicht immer die brachiale Heldengeschichte sein muss, doch in der zweiten Hälfte des Buches wird dann doch versucht eine Weltumspannende Bedrohung erst darzustellen und dann im selben Atemzug zu beseitigen.
Dadurch wirkt am Ende alles, naja schlicht eben. Als ob man in den Zoo geht um Tiger anzuschauen und im Gehege sind nur Hauskätzchen. Dass es sich hierbei um ein Jugendbuch handelt ist keine Ausrede, immerhin heißt für Jugendliche schreiben ja nicht, alles extrem zu vereinfachen.

Fazit:


Insgesamt ist das Buch zwar ganz unterhaltsam zu lesen und für Zwischendurch eignet es sich prima, es fehlt ihm aber an Tiefe und Komplexität. Als Reihenauftakt wäre es wirklich gut gelungen, als Einzelband jedoch ist es ganz nett, mehr aber auch nicht.

Veröffentlicht am 06.02.2019

Deutlich besser als der Vorgänger

Der Feuerkönig
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(Achtung: Die folgende Rezension enthält Spoiler für all diejenigen, die den ersten Band noch nicht gelesen haben, das konnte ich leider nicht vermeiden sorry. Spoiler für Inhalte aus Der Feuerkönig enthält ...

(Achtung: Die folgende Rezension enthält Spoiler für all diejenigen, die den ersten Band noch nicht gelesen haben, das konnte ich leider nicht vermeiden sorry. Spoiler für Inhalte aus Der Feuerkönig enthält die Rezenion aber nicht. Das Fazit kann widerum von allen gefahrlos gelesen werden.)

Auch wenn der erste Band dieser Trilogie „nur“ vier von sechs Dreiecken stand, war der Feuerkönig eine Fortsetzung, auf die ich mich gefreut habe. Warum, das verrat ich euch jetzt.

Meine Meinung:


Ein Antagonist wird geboren
Das Buch setzt, von einem kurzen Zeitsprung zu Beginn abgesehen, genau an dem gemeinen Cliffhanger an, mit dem der Vorgänger endete. Endlich weiß Myra wer der Mörder ihres Vaters ist, doch die Antwort will sie eigentlich gar nicht wahrhaben, denn es ist niemand anderes als Acrab, der Mann der sie rettete und den sie verehrt. Dies stürzt Myra wie zu erwarten in einen tiefen inneren Konflikt, der einer der großen Stärken dieses Buches ist. Denn Myra steckt in einer tiefen Krise und das wird auch deutlich. Im Gegensatz zu vielen anderen Fantasybüchern wo es nach einem schweren Schlag heißt „Aufstehen, Helm richten, weitermachen“, braucht Myra Zeit, um sich zu orientieren und sich selbst zu finden. Das nimmt zwar etwas das Tempo aus der Handlung heraus, lässt die Geschichte aber ungemein authentischer wirken.

Ein weiterer großer Pluspunkt ist Acrab. Im Laufe der Handlung erfährt man einiges über seine Vergangenheit und es wird deutlich: Nicht alles an diesem Mann ist nur schwarz oder weiß. Acrab ist ein wunderbarer vielschichtiger Antagonist, bei dem man als Leser sogar die Beweggründe und Ideale, bis zu einem gewissen Punkt, nachvollziehen kann. Man versteht wie er zu dem wurde, was er heute ist und das macht ihn zu einem komplexeren Gegenspieler als viele andere dieses Genres wo die Erklärung für das Verhalten einfach nur: „Er/Sie ist halt böse“ lautet.

Das Buch wirkt ausgereifter
Doch nicht nur die Handlung gewinnt an Tiefe. Auch von der Technik bez. der Stil Seite her ist eine positive Entwicklung zu spüren. Habe ich beim ersten Band noch kritisiert, dass viele Beschreibungen ungenau und die Kampfszenen unrealistisch seien, konnte ich nun erfreut feststellen, dass sich diese Kritikpunkte deutlich verbessert haben. Zwar ist es sprachlich und Erzähltechnisch immer noch kein Meisterwerk, aber diesen Status erreichen ohnehin nur ganz wenige Bücher. Der Feuerkönig jedenfalls lässt sich nun flüssiger und mit besseren Bildern im Kopf lesen, als sein Vorgänger.

Eine kleine Warnung am Ende noch: Das Buch endet, wie sollte es auch sonst sein, mit einem äußerst dramatischen Ereignis und fiesen Cliffhanger. Ich hoffe also de dritte Band kommt möglichst schnell. Im Italienischen ist er ja schon erschienen (Übersetzt euch aber nicht dessen Inhaltstext sonst werdet ihr richtig, richtig gemein gespoilert)

Fazit:


Dieses Buch stellt eine deutliche Verbesserung zum Vorgänger daund überzeugt mit einer authenthischen Heldin, einem vielschichtigen Antagonisten und einem dramatischen Ende.

Veröffentlicht am 04.02.2019

Von fliegenden Schweinen und sprechenden Greifen...

Fauler Zauber
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Diana Wynne Jones ist eine, wie ich finde, in Deutschland viel zu wenig bekannte und unterschätzte Autorin. Bestes Beispiel ist ihre Howl’s Moving Castle Reihe. Etliche kennen den Film, aber kaum jemand ...

Diana Wynne Jones ist eine, wie ich finde, in Deutschland viel zu wenig bekannte und unterschätzte Autorin. Bestes Beispiel ist ihre Howl’s Moving Castle Reihe. Etliche kennen den Film, aber kaum jemand weiß, dass sie die Buchvorlage schuf, oder dass es überhaupt eine Buchvorlage gibt. Als Vielschreibern hat sie mehr als 40 Bücher veröffentlicht und ein großer Teil wurde noch nie ins Deutsche übersetzt. Daher war ich super aufgeregt, als ich Fauler Zauber im Programm von Knaur entdecke und wollte es unbedingt lesen und ich wurde nicht enttäuscht.

Meine Meinung:


Ein Feuerwerk der Ideen
Was haben fliegende Schweine, fleischfressende Schafe und ein Zauberer mit Alkoholproblem gemeinsam? Sie alle kommen in Fauler Zauber vor. Diana Wynne Jones sprüht vor Ideenreichtum und beweist es, indem sie eine herrlich skurrile, kreative Welt erfindet. Im Mittelpunkt steht der gutmütige Hexenmeister Derk und seine Familie aus Menschen- und Greifenkinder. Derks liebste Beschäftigung ist es nämlich allerhand neuer Kreaturen und Gewächse zu züchten und so finden sich in seinem Besitz nicht nur die erwähnten Schweine und Schafe, nein auch intelligente (aber zickige) Gänse, unsichtbare Katzen und geflügelte Pferde.

Und dieser bunte Haufen soll nun die alljährliche Pilgerfahrt organisieren, dass da vieles gehörig schief geht, liegt auf der Hand. Zumal man Derk nicht gesagt hat, dass der Plan gefasst wurde die Pilgerfahrten abzuschaffen und er und seine Kinder daher sich die größte Mühe geben die Pilgerfahrt ordnungsgemäß durchzuführen, um keine Strafe zu bekommen und wie dieser bunte, symphytische Haufen versucht allen Widrigkeiten zu trotzen ist wunderbar unterhaltsam.

Allgemein finde ich die Idee und das Konzept des Buches herrlich. Es erinnerte mich ein bisschen an Onlinerollenspiele aus der Sicht der NPCs. Ich bin sicher die wären auch nicht begeistert, dass tagtäglich Spieler ihre Welt erstürmen. Die Autorin schaffte s die Ausbeutung und Ungerechtigkeit gut darzustellen, sodass man schon sagen kann, dass zwischen den Zeilen auch Kritik am Kapitalismus und der Ausbeutung von Touristenregionen (man denke nur wie sich die Mallorquiner zurecht beschweren) mitschwingt. Diese Kritik, fast schon Satire wird aber locker leicht und unterschwellig übermittelt.

Zu wenig und zu viel zugleich
Ihr seht also schon, ich habe die bizarre Reise durchaus genossen, allerdings komme ich nicht umhin doch kleinere Kritikpunkte zu nennen. Zum einen gestaltet sich die erste Hälfte des Buches an manchen Stellen doch etwas langatmig. Viel Zeit wird mit Planung und Vorbereitung verbracht, was zwar nicht völlig uninteressant war, für das Tempo der Geschichte jedoch etwas verkürzt hätte werden können.

Dann hätte ich gerne noch ein bisschen mehr über die Pilgerfahrten und wie Mr. Chesney überhaupt in die Welt kam, erfahren. Hier ist allerdings zu erwähnen, dass es im Original das 1996 erschienene Buch „The Tough Guide to Fantasyland“ gibt, welches offenbar ein fiktiver Reiseführer für diese Pilgerfahrten ist. Vielleicht finden sich diese Informationen dort und wurden deshalb nicht nochmal erwähnt.

Als letztes bin ich nicht zu hundert Prozent zufrieden mit dem Ende, denn es kam mir etwas zu schnell (ironisch wen man meine Kritik vom Anfang bedenkt) und zu einfach.

Fazit:


Dieses skurrile Fantasyabenteuer sprüht vor Ideenreichtum und herzlichen Charakteren, sodass ich es guten Gewissens an alle, die Lust auf ein Abenteuer der anderen Art haben, empfehlen kann. Denn auch wenn ich kleinere Kritikpunkte hatte, kann ich sagen, es macht einfach Spaß, das Buch zu lesen.

Veröffentlicht am 27.12.2018

Interessanter Auftakt mit Luft nach oben

Waffenschwestern
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Als ich den Inhaltstext von Waffenschwestern las, fühlte ich mich sofort an Nevernight von Jay Kristoff erinnert. Da ich diese Reihe über alles liebe, wurde ich auch sofort neugierig auf dieses Buch, doch ...

Als ich den Inhaltstext von Waffenschwestern las, fühlte ich mich sofort an Nevernight von Jay Kristoff erinnert. Da ich diese Reihe über alles liebe, wurde ich auch sofort neugierig auf dieses Buch, doch hat es mir ebenso gut gefallen? Ich erzähl‘s euch.

Meine Meinung:


Untergangsstimmung mit Schwert und Dolch
Zugegeben, der Einstieg in das Buch fiel mir nicht so leicht wie sonst. Den Prolog empfand ich als sehr verwirrend und obwohl ich mich im fremde Fantasywelten normalerweise schnell einfinden kann, brauchte es doch gut 100 Seiten, bevor ich ein wirkliches Gefühl für die Welt die Mark Lawrence hier erschuf entwickelte. Als es dann aber soweit war eröffnete sich mir eine faszinierende Welt, die im Sterben begriffen ist. Die Sonne scheint nur noch schwach und fast der gesamte Planet ist mit einer kilometerhohen Eisschicht bedeckt. Lediglich ein scheibenartiger (künstlicher?) Mond der das Sonnenlicht wie ein Brennglas reflektiert hält einen winzig dünnen Landstrich rund um den Äquator vom Eis frei. Untergangsszenario und Weltuntergangsstimmung treffen hier auf klassische Fantasy/mittelalter Strukturen. Eine interessante Mischung, die mir sehr gut gefallen hat.

Während man diese sterbende Welt im laufe der Handlung erst Stück für Stück entdeckt und das auch gut so ist, wird man schon im Prolog mit der Religion bez. der Philosophie der Nonnen konfrontiert und versteht erstmal gar nichts. Mark Lawrence hat sich sichtlich Mühe gegeben, eine neue und individuelle Religion zu kreieren, was an sich ja auch toll ist, allerdings verliert er sich bei deren Beschreibung öfters mal im Diffusen. Dennoch gibt es definitiv Pluspunkte für Einfallsreichtum

Willkommen im Trainingsprogramm für angehende Meuchelmörderinnen
Während Welt und Religion, also mit Einfallsreichtum punkten, kann die Handlung an sich zwar nun nicht gerade mit dem Preis für die kreativste Geschichte punkten, aber das ist ja nicht schlimm, solange es gut gemacht ist. Voller Elan begleitete ich also Nona auf ihrer Ausbildung zur Kriegernonne. Der Autor zeigt auch wirklich gute Ansätze und das Buch hat seine spannenden Momente, leider musste ich bald feststellen, dass die ganze Sache sich wie ein Wellenritt gestaltete. Es gibt Momente, die sind spannend und die Seiten fliegen nur so dahin, doch dann kommt das Wellental bez. der dümpelnde Alltag im Kloster und die Spannung war wieder dahin. Auch Lawrence eher trockener Erzählstil trug dazu bei, dass manche Stellen nicht so mitreißend waren wie andere. Besagte Täler waren zwar nicht so zäh, dass ich die Neugierde wie es weiter geht komplett verlor, aber ich brauchte trotzdem etwas länger, als ich es für ein buch mit dieser Seitenanzahl normalerweise benötige.

Das Gute ist, dass die Hochs die Tiefs ganz gut ausgleichen, sodass ich insgesamt sagen kann, dass das Buch doch Lust auf den Folgeband macht. Besonders Nonas Entwicklung hat mir gefallen, da sie in einem realistischen langsamen Tempo vonstattenging. Sie hat das Potenzial noch zu einer tollen Antiheldin zu werden und darauf bin schon schon sehr gespannt.

Fazit:


Waffenschwestern ist ein solider Auftakt mit Luft nach oben. Die Handlung erfindet das Rad nicht neu und der Spannungsbogen fällt hin und wieder ab, dafür überzeugt die interessante Mittelalter-Endzeit Welt und die Protagonistin hat das Potenzial in den Folgebänden noch zu einer richtig guten Antiheldin zu werden.


Hinweis: Im blogeigenem bewertungssystem hat dieses Buch 4/6 Sternen erhalten.

Veröffentlicht am 16.11.2018

Empfehlenswert für jeden klassischen Fantasyfan

Die Klinge des Waldes
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Wer immer die Anpreisung dieses Buches geschrieben hat, weiß genau, wie man mich triggern kann. „starke junge Frau, die bereit ist zu kämpfen“ und schon bin ich dabei und das Buch wanderte auf die Leseliste.
Meine ...

Wer immer die Anpreisung dieses Buches geschrieben hat, weiß genau, wie man mich triggern kann. „starke junge Frau, die bereit ist zu kämpfen“ und schon bin ich dabei und das Buch wanderte auf die Leseliste.

Meine Meinung:


Eine Stadt, 35 Bezirke, 35 Welten für sich
Wie schon so oft in meinen Rezensionen, möchte ich mit dem Worldbuilding beginnen. Unsere Protagonistin Flora ist die Prinzessin des Waldkönigreiches Strata. Die Adligen leben in hölzernen Türmen in den Wipfeln der Bäume und das einfache Volk, Grundlinge genannt, am Boden. Ein Volk in Harmonie mit seiner Umgebung. Auch die Tierwelt mit riesenhaften Katzen, Fleischaffen und Hirschen mit drei Geweihen ist vielfältig und interessant.

Doch noch faszinierender als das Waldkönigreich ist die riesige Stadt Schmutz, in der auch der Großteil der Handlung spielt. Diese mittelalterliche Metropole ist in 35 Bezirken aufgeteilt, die nach den primären Erzeugnissen (Steinbezirk, Weinbezirk, Glasbezirk) benannt sind und von einem jeweiligen Herzog bez. Herzogin regiert werden. Jeder Bezirk ist dabei wie ein kleines Königreich für sich mit eigenen Gesetzten, Bräuchen, Festen und Hinrichtungsmethoden (hier zeigt sich Royce Buckingham überaus kreativ, was auf makaber Art und Weise erstaunlich faszinierend ist). Im Zuge der Handlung lernt man einige Bezirke wie den Zimmerer- oder den Karnevalbezirk ziemlich gut kennen, aber auch über die anderen Bezirke werden immer wieder Informationen eingestreut, was ich persönlich unglaublich spannend fand. Diese Stadt wirkt wie ein Miniuniversum für sich und hinter jeder Ecke erwarten einen neue Dinge. Am liebsten hätte ich jeden Bezirk einzeln erkundet xD
Alles in allem wirkt das Worldbuilding ausgereift und interessant. Die Welt ist vom Autor mit einem gelungenen Blick fürs Detail auf eine lebendige Art und Weise erschaffen worden und bot eine hervorragende Kulisse.

Eine gefallene Prinzessin
Neben der Welt konnte auch die Protagonistin mich überzeugen. Man begleitet Flora von ihren Anfängen als verwöhnte. Naive, weinerliche Prinzessin bis hin zu ihrem Aufstieg als selbstbewusste Kämpferin. Das schöne ist, dass ihre Charakterentwicklung in einem realistischen Tempo von statten geht und nicht in dem Moment aufhört, als sie gelernt hat sich zu verteidigen. Auch als Meuchelmörderin entwickelt sie sich immer noch weiter, versucht sich selbst und ihren Platz zu finden. Man sieht wirklich eine schrittweise Reifung ihres Charakters und das hat mir sehr gut gefallen.
Da der Fokus stark auf Flora und ihrer Selbstfindung liegt, treten die Nebencharaktere nicht allzu stark hervor. Das heißt jedoch nicht, dass sie im Hintergrund untergehen. Besonders Herzog Glas kommt eine bedeutende Rolle als eine zweite Perspektive zu und bietet dem Leser wunderbare Einblicke in den Adel von Schmutz. Mit seiner besonnen und auch etwas taktierenden Art mochte ich ihn auf Anhieb. Auch andere Nebencharaktere glänzen durch eine interessante Charaktergestaltung wie z.B. der exzentrische Herzog Karneval.

Es muss nicht immer ein Schamützel nach dem nächsten kommen
In Bezug auf die Handlung wird schnell klar: Dieses Buch braucht keine endlosen Scharmützel und Action Schlag auf Schlag um spannend zu sein. Das Tempo des Buches ist gemächlich, ohne in die Zähigkeit abzurutschen, was es erlaubt die tiefgreifenden Veränderungen in Floras Leben besser zu beleuchten. Das heißt nicht, dass es nicht auch nervenaufreibende Kampfszenen gibt, keine Angst, aber sie sind sparsam und wohlplatziert. Sie machen Sinn und sind nicht blos eine schnöde Aneinanderreihung von Kampf Übungen um Action reinzubringen.

Fazit:


Die Klinge des Waldes kann ich wärmstens jedem Fantasy Fan empfehlen. Der Plot erfindet das Rad nicht neu, glänzt jedoch mit der überzeugenden Charakterentwicklung einer mit der Zeit symphytischen Heldin, detailverliebtem Worldbuilding und einer Handlung die auch ohne sinnlosen Actionszenen spannend bleibt.