Profilbild von Miss_Page-Turner

Miss_Page-Turner

Lesejury Star
offline

Miss_Page-Turner ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Miss_Page-Turner über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.09.2020

Nature is a beast

Devolution
0

Max Brooks war mir bereits durch seinen tollen Roman Operation Zombie (dessen Verfilmung rein gar nichts mit dem Buch zu tun hat) bekannt. Als ich Anfang des Jahres sah, dass ein neues Buch von ihm erscheinen ...

Max Brooks war mir bereits durch seinen tollen Roman Operation Zombie (dessen Verfilmung rein gar nichts mit dem Buch zu tun hat) bekannt. Als ich Anfang des Jahres sah, dass ein neues Buch von ihm erscheinen würde, wanderte das sofort auf die Wuli und endlich war es soweit und ich durfte es lesen.

Nach Zombies kommt nun Bigfoot
Der Fußabdruck auf dem original- und die riesige Affenhand auf dem deutschen Cover, lassen es schon erahnen, nach den Zombies widmet sich Max Brooks nun einer anderen klassischen Horror Gestalt: Bigfoot oder Sasquatsch, wie ihn die Legenden der Native Americans nennen. Indem ich dies jetzt so sage, spoiler ich euch auch nicht wirklich, denn dass es um Bigfoot geht, steht schon auf der ersten Seite, im allerersten Satz. Ich muss zugeben, am Anfang war ich ja etwas skeptisch, denn ich persönlich fand die Bigfoot und Yeti Legenden schon immer eher lächerlich. Ein riesen Affenmensch, der durch die Wälder rennt, erschien mir immer etwas albern, wie auch schon allein der Name.
Doch an dieser Stelle kommt wieder Max Brooks Talent zum Vorschein, selbst die absurdesten Kreaturen überraschend real darzustellen. Das Buch ist hauptsächlich als aufgefundenes Tagebuch der Protagonistin Kate aufgebaut, doch dazwischen baut der Autor noch weitere Interviews, wie auch (reale) Zitate von Jane Goodall oder Präsident Theodore Roosevelt ein. Und auch wenn die Interviews fiktiv sind, enthalten sie ebenfalls eine Menge Verweise auf reale Begebenheiten. Dazu liefert Brooks eine überraschend schlüssige Herkunft Bigfoots und auch eine Erklärung, warum er noch nicht bewiesen werden kann. Diese Realitätsnähe ist wieder die ganz große Stärke des Buches und lässt tatsächlich eine Geschichte über Riesenaffen nicht albern, sondern spannend und nervenaufreibend wirken.

Planlos im Wald
Bis wir aber auf den legendärsten Waldbewohner treffen, muss man als Leser aber etwas Geduld mitbringen, denn der Autor nimmt sich ausgiebig Zeit, seine Aussteigergemeinschaft vorzustellen. Ich muss zugeben, am Anfang hatte ich etwas Schwierigkeiten mit Kate, die sich zunächst von so gut wie alles und jeden verunsichern lässt. Sie macht aber im Roman eine tolle Entwicklung durch, genauso, wie ihr Mann.
Die Zeit bis die Aktion losgeht, nutzt der Autor zudem auch um beinahe schon eine Satire auf die Art von Leuten zu schreiben, für die Umweltschutz und gesundes leben, ein hipper Trend, als denn eine wirkliche Einstellung ist. Abgesehen von der rüstigen Mostar sind die restlichen Bewohner dieser Gemeinschaft völlig planlos in die Wildnis gezogen. Man muss sich das vor Augen führen: Greenloop liegt kilometerweit, von der nächsten Ortschaft entfern, mitten in der Wildnis, aber denkst du irgendeiner dort hat ein Funkgerät oder Notstromgenerator? Nicht mal banales Werkzeug wie Hammer oder eine Leiter besitzt da jemand und auch vom Wissen her, sind sie völlig aufgeschmissen. Niemand weiß was man im Wald essen kann und was nicht, ja nicht mal wie einfaches Gemüse angebaut wird, wissen sie, wird ja alles von Drohnen geliefert. Die Bewohner Greenloops wollten nicht Teil der Natur werden, sie wollten die Natur sich ihren Wünschen und ihren Bequemlichkeiten anpassen. Dabei waren sie so naiv, dass ich tatsächlich bei den meisten Bewohnern auf der Seite der Affen war, wer sich so dämlich anstellt, hat es (natürlich nur in einem Roman!) nicht anders verdient.

Wenn man das ganze aber mit gewissem Humor liest, ist diese erste ruhige Phase nicht ganz so langweilig, wobei trotzdem gesagt sei, dass die zweite Hälfte besser ist. Über die möchte ich euch aber nichts verraten, das müsst ihr schon selber herausfinden ;)

Fazit:


In Devolution zeigt Max Brooks wieder sein Talent, Wesen aus Legenden erschreckend real erscheinen zu lassen. Das Buch beginnt ruhig, nimmt sich die Zeit, ein fast schon satirisches Bild einer Möchtegern-Aussteigergemeinschaft zu zeichnen, die völlig hilflos in eine Katastrophe geworfen wird. Sobald Bigfoot dann auftritt, geht der Überlebenskampf so richtig los, es wird blutig, spannend und sehr unterhaltsam. Ich hatte meinen Spaß mit Devolution.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2020

Ideal als Einstieg für Jugendliche in die Holocaust-Thematik

Das Buch der 1269 Wünsche
0

Dieses Buch gelangte durch Zufall und einem Wanderpaket in meine Hände. Es ist nicht mein erstes Buch, dass sich mit dem Thema Holocaust beschäftigt, daher war ich gespannt, wie es dieses sensible Thema ...

Dieses Buch gelangte durch Zufall und einem Wanderpaket in meine Hände. Es ist nicht mein erstes Buch, dass sich mit dem Thema Holocaust beschäftigt, daher war ich gespannt, wie es dieses sensible Thema verarbeiten würde.

Das Thema Holocaust kindgerecht aufgearbeitet
Wer in Deutschland aufwächst, wird irgendwann zwangsläufig mit Deutschlands Nazi Vergangenheit und dem Holocaust konfrontiert werden und das ist auch richtig und gut so, denn nur wer sich erinnert und versteht, übernimmt bereitwillig die Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass sowas nie wieder passiert und stellt sich aktiv gegen Rassismus und Antisemitismus. Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust ist also sehr wichtig, trotzdem mag man Kinder und jüngere Teenager nicht gleich brutal schocken. Für diesen Fall ist Das Buch der 1269 Wünsche ein guter Einstieg.

Aus Spoilergründen mag ich gar nicht so viel auf die Handlung eingehen. Es ist eine solide Geschichte, die die Spannung durch Rätsel und Geheimnisse aufrecht hält. Erwachsene haben diese sehr schnell raus, ich denke aber 10-14-jährige, denen ich dieses Buch empfehlen würde, haben da mehr Spaß am Geheimnis lüften. Was dem Buch sehr gut gelingt, ist die Gratwanderung zwischen der wahrheitsgetreuen Darstellung des Holocaust und die jungen Leser nicht zu sehr zu schockieren. Das Buch verharmlost nichts, die Themen Tod und Verfolgung werden offen angesprochen, allerdings in einer subtilen Art. Das Buch regt zum Nachdenken an und ich kann mir vorstellen, dass Kinder bez. Jugendliche nach dem Leser noch einige Fragen haben, ich würde daher Eltern, Geschwister, Großeltern etc. empfehlen, das Buch mit dem Kind gemeinsam zu lesen.

Den einen Punkt Abzug gibt es für die Rahmenhandlung, denn diese bleibt leider auch für ein Kinderbuch recht flach. Die Charaktere sind nur oberflächlich charakterisiert, da hätten ein paar mehr Seiten, um in die Tiefe gehen zu können, dem Buch gutgetan.

Fazit:


Das Buch der 1269 Wünsche ist ein gutes Buch, um in die Thematik Holocaust einzusteigen. Es verharmlost nichts, bleibt aber trotzdem zu jeder Zeit kindgerecht und überfordert nicht. Für Erwachsene und jene, die sich schon viel mit dem Holocaust beschäftigt haben ist das Buch eher weniger was, da es dann sehr vorhersehbar ist und keine wirkliche Spannung aufkommt, aber die Zielgruppe, sind ja Jugendliche und als Einstieg, ist es, wie gesagt, sehr zu empfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2020

Sehr amüsante Krimikomödie für Jugendliche

Lasst uns schweigen wie ein Grab
0

Auf dieses Buch bin ich aufmerksam geworden, da ich bereits "Ich bin die, die niemand sieht" von Julie Berry gelesen hatte und das sehr mochte. Also habe ich mir die weiteren Bücher der Autorin angeschaut ...

Auf dieses Buch bin ich aufmerksam geworden, da ich bereits "Ich bin die, die niemand sieht" von Julie Berry gelesen hatte und das sehr mochte. Also habe ich mir die weiteren Bücher der Autorin angeschaut und bin bei dieser Jugend-Krimi-Komödie

Eine skandalöse Schwesternschaft
England 1890, an einem Sonntag in einem kleinen verschlafenem Städtchen namens Eli, sitzen sieben Schülerinnen im St. Etheldra Mädcheninternat am Esstisch. Während sie nur Brot und Bohnen bekommen, lassen sich die Internatsleiterin und ihr Bruder ein deftiges Kalbsfleisch schmecken, zumindest so lange, bis Beide plötzlich tot vom Stuhl fallen. Und dies geschieht, ohne viel Vorgeplänkel schon auf der allerersten Seite des ersten Kapitels. Der Leser wird also gleich hineingeworfen in die Geschichte und das aberwitzige Abenteuer der sieben Mädchen beginnt.
Eine Besonderheit in diesem Buch sind die Spitznamen der Mädchen, da hätten wir:

Roberta "Liebenswert" Pratley
Mary Jane "Ungeniert" Marshall
Martha "Einfältig" Boyle
Alice "Robust" Brooks
Kitty "Schlau" Heaton
Louise "Pockennarbig" Dudley
Elinor "Düster" Siever


(Lasst uns schweigen, wie ein Grab von Julie Berry, Thienemann Verlag, S.5.)

Im gesamten Buch werden die Mädchen auch fast immer mir ihrem Spitznamen zusammen genannt:

"Tot, würde ich sagen", stellte Elinor Düster fest. Kitty Schlau sprang auf und eilte leichtfüßig zu Mrs Plackett. Sie nahm Matha Einfältig die Brille von der Nase, putze sie an ihrem Ärmel ab und hielt sie dann vor die schlaffen Lippen der Schulleiterin [...] Kitty Schlau nickte zufrieden, weil kein Atem die Gläser beschlug, und setzte Martha Einfältig die Brille wieder auf die Nase. "Tot wie ein Bückling", verkündete sie."
(Lasst uns schweigen, wie ein Grab von Julie Berry, Thienemann Verlag, S.10.)

Dies mag zuerst gewöhnungsbedürftig erscheinen, passt aber letztendlich sehr gut zu dieser eigenwilligen Geschichte und gerade am Anfang hilft es auch ungemein die sieben Mädchen auseinander zu halten. Ebenso hilft es, dass vor dem eigentlichen Beginn der Geschichte die Mädchen kurz vorgestellt werden. Interessanterweise, indem ihre Familien vorgestellt werden. Ein lustiger Ansatz, der trotzdem treffend die prägenden Charakterzüge der einzelnen Mädchen darstellt.

Von Giftmördern, neugierigen alten Damen und aufdringliche Nachbarn
Nun finden sich, wie gesagt, die sieben Mädchen schon auf der ersten Seite mit zwei Toten wieder. Was dann folgt, ist ein skurriles, ja fast schon aberwitziges Abenteuer. Mit viel Witz und schwarzem Humor lässt Julie Berry ihre jungen Damen von eienr absurden Situation in die nächste stolpern. Da hätten wir allzu neugierige alte Klatschtanten, aufdringliche Nachbarn, einen liebeskranken Admiral und ach ja, der Mörder läuft ja auch noch rum und das Internat will geführt werden. Mehr schlecht als recht stolpern die Mädchen voran, was auf der einen Seite sehr witzig war, in der Mitte hatte man jedoch das Gefühl, dass die Geschichte etwas auf der Stelle tritt. Auch hätte ich mir ein bisschen mehr Rätselraten gewünscht. Wer der Mörder ist, hatte ich sofort bei dessen ersten Auftritt raus. Sicher, das Buch richtet sich vornehmlich an Jugendlich, dennoch fand ich "Das große Rätsel" sehr einfach und nur in den Details kam wirklich Spannung auf.

Das Buch wird daher hauptsächlich von seinem Humor und den schrägen Situationen getragen. Bei einigen Situationen musste ich laut auflachen wie z.B. beim Erscheinen eines gewissen Neffen. Es ist oft einfach zu komisch, wie die Mädchen versuchen, ihr Lügengespinst aufrechtzuerhalten und dabei erstaunlich viel Kreativität zeigen und da man sie als Leser auch recht schnell mit ihren Eigenarten ins Herz schließt, feuert man sie doch insgeheim an, auch wenn man eigentlich weiß, dass das nicht ewig gut gehen kann, doch wie es genau endet, verrate ich euch natürlich nicht ;)

Fazit:


Lasst und schweigen, wie ein Grab ist eine amüsante Krimikomödie, mit viel Witz und schwarzem Humor. Es macht vor allem durch die fast schon aberwitzigen Situationen Spaß, in die die Mädchen hineinstolpern, in der Mitte dreht es sich aber etwas im Kreis und die Rätsel, für die die Mädchen Seiten brauchen um sie zu lösen, hat der Leser schnell raus. Trotzdem macht das Lesen viel Spaß und ich kann das Buch besten Gewissens empfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2020

Spannend und eindringlich

After the Fire
0

Vor einigen Jahren habe ich schon mal ein Buch über eine religiöse Sekte gelesen und mochte es damals sehr. Daher wurde ich bei After the Fire mit einem ähnlichen Thema gleich neugierig.

Davor und Danach
Das ...

Vor einigen Jahren habe ich schon mal ein Buch über eine religiöse Sekte gelesen und mochte es damals sehr. Daher wurde ich bei After the Fire mit einem ähnlichen Thema gleich neugierig.

Davor und Danach
Das Buch beginnt direkt mit den tragischen Ereignissen und dem Feuer das Protagonistin Moonbeam fast das Leben kostet. Sie erwacht erst im Krankenhaus, später in einer Spezialklinik und sieht sich nun Psychologen und FBI Agenten gegenüber, die wissen wollen, wie es war, das Leben in der Legion Gottes.
Das Buch ist aufgeteilt in Kapitel Davor, in welchen Moonbeam rückblickend von ihrem leben in der Sekte erzählt und Danach, die die Gegenwart repräsentieren. Der Autor schafft eine hervorragende Balance zwischen Beiden. Was mir besonders gut gefallen hat war, dass beide Kapitelarten ihre Reize für den Leser hatten. In den Gegenwartskapiteln geht es mehr um Moonbeam selber und wie sie das erlebte verarbeitet. In diesen Kapiteln bekommt man einen sehr eindrücklichen Blick von einem Mädchen, dessen Leben wortwörtlich in Flammen aufgegangen ist und dass sich nun in einer Welt zurechtfinden muss, von der man ihr bisher immer sagte, sie sei böse und sündig. Moonbeams Ängste und Zweifel, ihr Versuch Lügen von Wahrheit zu trennen und der innere Kampf zwischen den alten Doktrinen und ihre neuen Erfahrungen werden sehr gut und anschaulich geschildert und es hat mir sehr gefallen von Moonbeams Entwicklung und dem Verarbeitungsprozess zu lesen.

Die Danach Kapitel hingegen verdeutlichen wie die Legion Gottes bez. Sekten allgemein funktionieren. Eindringlich schildert der Autor, wie Menschen in den Sog einer solchen Sekte geraten können, was sie dort hält und mit welchen Mitteln Macht durchgesetzt wird. Neben den faszinierenden Einblick in diese Welt, sind diese Kapitel auch vor allem deswegen sehr spannend, weil wir wissen, dass Moonbeam etwa verschweigt. Wir hangeln uns also von Rückblende zu Rückblende und decken, einem Puzzle gleich, das große ganze Bild auf. Auch hier beweist Will Hill ein Gespür für das richtige Tempo. So bekommen wir genügend Antworten, um nicht frustriert zu sein, gleichzeitig wird uns auch weiter genügend verschwiegen, sodass wir als Leser bis zum Ende hin neugierig bleiben. Da fliegen die Seiten, trotz des sonst ruhigeren Ton des Romans nur so dahin.

Wie man sich vielleicht denken kann, spielen psychologische, aber auch physische Gewalt in diesem Buch eine größere Rolle und es gibt auch mehrere Szenen, die diese darstellen, dennoch bin ich der Meinung, dass das Buch den Rahmen eines Jugendbuches nicht verlässt und daher auch ohne weiteres von Jugendlichen gelesen werden kann.

Noch ein Wort am Rande: beim Lesen des Buches fühlte ich mich schon in den ersten Kapiteln stark an den Vorfall in Waco mit den Branch Davidians in den 90er erinnert. Was letztendlich auch kein Wunder war, denn im Nachwort schreibt der Autor, dass diese Tragödie ihn zu dem Buch inspiriert hat.

Fazit:


After the Fire ist ein sehr gelungenes, eindringliches Buch, dass auf der einen Seite schildert mit welchen Mechanismen Sekten funktionieren und auf der anderen Seite wie das Leben in einer solchen überwunden werden kann. Eine ausgeglichene Erzählweise und Spannung erzeugen Geheimnisse fördern den Lesespaß. Ich kann daher das Buch sowohl für Erwachsene, als auch Jugendliche, sehr empfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2020

Ein interessanter Auftakt

Mortal Engines - Krieg der Städte
0

Als der erste Mortal Engines Band 2018 erschien, ist er irgendwie total an mir vorbeigegangen. Erst als schon Band drei oder so draußen war, rückte die Reihe in mein Blickfeld, ab da wollte ich sie aber ...

Als der erste Mortal Engines Band 2018 erschien, ist er irgendwie total an mir vorbeigegangen. Erst als schon Band drei oder so draußen war, rückte die Reihe in mein Blickfeld, ab da wollte ich sie aber unbedingt lesen und jetzt endlich kam ich dazu, mit dem ersten Band zu starten.

Ein atemberaubendes Setting
"Es war nur natürlich, dass Großstädte kleine Städte fraßen, dass Kleinstädte Dörfer verschlangen und sich Dörfer an statischen Siedlungen gütlich taten. Das war der Städtedarwinismus, und so lief es in der Welt seit Hunderten von Jahren, seit der große Ingenieur Nikolas Quirke London zur ersten Traktionsstadt umgebaut hatte."
(Philip Reeves: Mortal Engines - Krieg der Städte, Fischer Verlag, S.17.)

Das erste, was man als Leser bereits auf den ersten Seiten demonstriert bekommt und mich schwer begeistert hat, ist der faszinierende Weltentwurf. Wir befinden uns weit in der Zukunft (Min. im 36. Jh.). In einem sechsminütigen Krieg voller Hightech Waffen hat die Menschheit den Planeten verwüstet. Nun, Jahrhunderte später, sind die verbliebenen Städte mobil geworden um so viele Ressourcen, wie möglich zu ergattern. Auf imposanten Fuhrwerken rollen sie durch die Einöde und es gilt das Gesetz des Stärkeren, denn trifft eine Stadt auf eine kleinere Ortschaft, wird diese kurzerhand eingefangen, durch ein Tor ins Innere befördert und dort zerlegt. Die Großen, fressen die Kleinen, das ist der Städtedarwinismus.

Diese mobilen Ortschaften, von der auf Ketten alles zermalmenden, festungsgleichen Metropole, bis hin zum rollenden Dorf auf vier Räder, beschreibt der Autor auf sehr anschauliche und eindrucksvolle Art. Es hat ein bisschen was von Steampunk und in meinem Kopf waren die Schauplätze alle sehr imposant, das hat richtig Spaß gemacht.
Doch auch inhaltlich finde ich das Setting genial. Ressourcenmangel spielt in Reeves Welt eine zentrale Rolle und wer eins und eins zusammen zählen kann, der wird schnell bemerken, dass ein System, in dem immer nur gefressen wird, aber nie etwas nachproduziert wird, auf Dauer nicht funktionieren kann. Die Londoner haben dies indes noch nicht begriffen und so ist der Konflikt von eingefleischten Anhängern des Systems und jenen, die die Problematik erkannt haben, ein wichtiges Thema in diesem Buch, was, wie ich denke, auch in den Folgebänden noch mehr Bedeutung erhalten wird. Ich mochte diesen gesellschaftskritischen Ansatz sehr und bin auch begeistert von der Kreativität des Autors, was seien Welt angeht.

Mehr Tiefe bei den Charakteren wäre schön gewesen.
Bei alle Lob für die wirklich geniale Welt, gab es aber auch zwei Punkte, die man verbesser könnte. Das eine sind die Charaktere. Während mir Thomas sehr sympathisch war (Als Museologin, muss ich alle Charaktere mit Museumsbezug lieben xD) und ich auch ein ganz gutes Gefühl für seine Person udn seinen Charakter bekommen habe, blieb Hester für mich doch recht blass. Abgesehen von ihrer Rache scheint sie als Figur keine Substanz zu haben, ihre Persönlichkeit bleibt nichtssagend. Man kann nur hoffen, dass man da als Leser in den Folgebänden einen besseren Einblick in ihren Charakter bekommt.

Mein zweiter Kritikpunkt bedingt sich zum Teil aus dem ersten und betrifft die Handlung. Nach einem unterhaltsamen, spannenden Start, hat sie in der Mitte einen Hänger. Eigentlich wäre dies die Stelle gewesen, an denen Charakterbeziehungen vertieft, Persönlichkeiten beleuchtet und Motive aufgedeckt worden wäre. Da dies nur mangelhaft erfolgte, erschließt sich für den Leser nicht bei jeder Szene der Sinn für die Handlung, was ein Gefühl des "Dahindümpelns" verursacht. Als die Handlung dann wieder Fahrt aufnimmt, ist sie an manchen Stellen etwas vorhersehbar, mit doch recht offensichtlichen Plottwists und Entscheidungen der Protagonisten. Immerhin, das Finale war wirklich spannend und der Schluss eine runde Sache, sodass man nicht mit einem fiesen Cliffhanger geärgert wird.

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich zwar deutliche Kritikpunkte habe, mir das Lesen aber trotzdem auch viel Spaß gemacht habe. Bei diesem Buch überwiegt der Unterhaltungsfaktor gegenüber der Tiefe, was ja aber vielleicht in den kommenden Bänden noch ausgebessert wird. Einige vergnügliche Lesestunden hatte ich mit Mortal Engines auf jeden Fall und manchmal ist gute, einfache Unterhaltung ja auch genau das, was man grade braucht.

Fazit:


Das Buch glänzt mit einem wirklich atemberaubenden, kreativen Weltentwurf und einer interessanten Geschichte. Eins, zwei kleinere Mängel im Spannungsbogen und Charaktertiefe sind zu verschmerzen, Mortal Engines macht trotzdem Spaß und ich werde mit Sicherheit auch den Folgeband lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere