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Veröffentlicht am 10.09.2021

Ein einziger Kindergarten

Das gefälschte Siegel (Neraval-Sage, Bd. 1)
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Dieses Buch war mein Buddy-Read des Monats im August. Wir waren beide super gespannt auf das Buch, leider und da waren wir uns einig, entpuppte es sich schnell als Enttäuschung.


Wie aus dem High Fantasy-Baukasten
Dabei ...

Dieses Buch war mein Buddy-Read des Monats im August. Wir waren beide super gespannt auf das Buch, leider und da waren wir uns einig, entpuppte es sich schnell als Enttäuschung.


Wie aus dem High Fantasy-Baukasten
Dabei fing es eigentlich ganz gut an, denn die Autorin, das muss man ihr wirklich lassen, kann sehr gut schreiben. Ihr Schreibstil und Wortwahl waren wirklich sehr gut. Leider kann ich das von ihrem Erzählstil überhaupt nicht sagen. Fangen wir zum Beispiel mit dem Worldbuilding an oder eher dem Fehlen eines solchen. Das Buch spiel in einer mittelalterlichen angehauchte Welt. Das Land heißt, wie auch die Hauptstadt, in der wir starten, Neraval. Es gibt einen König, eine Magierakademie, eine Königstraße, ein paar Gasthöfen und vereinzelte Dörfer.
Was, diese Infos reichen euch nicht? Das klingt erstmal wie jedes x-beliebige High Fantasy Buch? Da muss doch mehr sein? Ne sorry, ist nicht. Das ist tatsächlich wirklich alles, was man auf fast 500 Seiten über die Welt erfährt. Was die Magierakademie so treibt? Kein plan. Gibt es mehr Städte als nur diese eine? Kein Plan. Wie ist die Kultur der Menschen? Ich wiederhole: KEIN PLAN. Das ganze Worldbuilding ist so austauschbar, als hätte die Autorin ihre Welt aus einem High-Fantasy-Baukasten zusammengebastelt und dabei auch noch die Hälfte der Teile vergessen.

Dabei sind vereinzelt tatsächlich gute Ideen und Ansätze zu finden. Einen Fälscher als Protagonisten zu haben ist bei all den Dieben und Assassinen in diesem Genre mal etwas Neues, auch gibt es eine ganz interessante Legende zur Gründung des Landes und doch, wie bei fast allem in diesem Buch, wird es zwar erwähnt, aber nicht näher drauf eingegangen. Im Verlauf der Handlung erwähnen die Charaktere diese Legende in einem fort und nennen immer wieder Figuren daraus, aber zu keinem Zeitpunkt hält es die Autorin für nötig, diese Legende, mal wenigstens kurz als Ganzes zu erzählen. Man wird als Leser/in mit ein paar Schnipsel hiervon und davon abgespeist, den Rest soll man sich offenbar alleine denken. Und so geht es einem in diesem Buch immer wieder. Die Autorin schneidet Dinge an und lässt sie schon im nächsten Moment fallen, wie eine heiße Kartoffel. Das ist furchtbar frustrierend und nervtötend. Da wird z. B. jemand ermordet, kurze Zeit später ist da schon wieder vergessen da es offenbar nur eine Möglichkeit war, um eine Figur in eine bestimmte Position zu bringen. Das ist erzählerisch wirklich plump. Überhaupt wirkt alles sehr unausgereift und nicht gut durchdacht.


Gezanke wie auf dem Schulhof
So, die Welt ist also schon mal enttäuschend, waren denn vielleicht wenigstens die Charaktere überzeugend? Nö, waren sie nicht. Sie waren anstrengend, nervtötend, unsympathisch und albern. Zudem bleiben sie, wie auch die Welt, so blass, wie ein Toastbrot in der Wintersonne. Sie haben alle ein festgefahrenes Handlungsmuster und das spielen sie den ganzen Roman lang einfach ab, ohne Entwicklung oder Änderung.

Da haben wir zu einem den Fälscher Kevron, er ist ein Feigling und ein Trinker und wird den ganzen Roman auf nichts anderes reduziert. Dann ist da der Krieger Lorcan der ohne ersichtlichen Grund von weltoffen zu verbohrt hin und her switcht und weil es natürlich noch eine Frau in der Gruppe geben muss, ist da noch Enidin. Einen größeren Nutzen scheint sie nicht zu haben, hält sich selbst aber für die Allergrößte. Ehrlich, selten ist mir eine so arrogante Frau untergekommen und das, obwohl sie praktisch kaum was zum Quest beiträgt und gleichzeitig verliebt sie sich in den erstbesten Mann, den sie sieht und läuft dann dem Prinzen wie ein sabberndes, hirnloses Hündchen hinterher, selbst als dieser sie beleidigt, nötigt und herabwürdigt, findet sie ihn noch ganz toll, solange er sich danach entschuldigt. Sorry aber da kommt einem ja die Galle hoch.
Und wo wir schon beim Prinzen Tymur sind. Der soll wohl mysteriös und geheimnisvoll sein, ist aber nur ein bockiges Kleinkind, dass alle um sich herum manipuliert und tyrannisiert und einen Trotzanfall bekommt, wenn es mal nicht nach seiner Nase läuft. Und der angebliche Plottwist mit ihm am Ende verdient diesen Namen auch nicht, denn offensichtlicher hätte man es nicht machen können.

Und wo diese vier Charaktere schon für sich alleine genommen super nervig sind, zusammen werden sie unerträglich. Die Heldenreise gestaltet sich wie der Klassenausflug der 7b. Der stänkert mit dem, dieser macht den doof an und alle himmeln den Cliquenanführer an. Ehrlich, das Buch hat 486 Seiten und ist zu 70% nur Gezanke und Stänkerei zwischen den Figuren und das auf dem Niveau von bockigen Kindern. Wie im Kindergarten.

Die Handlung, die keine ist
Das führt dann auch zu Problem Nummer drei: Wenn 70 % des Buches nur gestritten wird, was bleibt da noch an Handlung? Nicht viel. Ehrlich gesagt kann man das ganze Buch in drei Sätzen zusammenfassen. Ich tue es mal nicht, falls irgendwer der das hier liest, sich das Buch doch noch antun will. Trotzdem sei gesagt, dass die Handlung nicht nur furchtbar geradlinig war, sondern auch ziemlich fad. Eigentlich passiert kaum was, die ganzen Seiten füllen sich eben durch das ewige Gezanke. Eine Heldenreise mag das sein, eine epische, wie die Autorin in ihrem Nachwort behautet, aber ganz sicher nicht. Eher eine Pfütze, als ein epischer Ozean.

Fazit:


Ein Punkt für den wirklich guten Schreibstil, einen für die Ansätze, deren Umsetzung aber leider so löchrig ist, wie ein Schweizer Käse. Ein nicht existentes Worldbuilding, blasse nervtötende Charaktere und eine Handlung, die viel heiße Luft für nichts ist, vermiesen das Lesevergnügen. Eigentlich habe ich es nur durchgelesen, weil es ein Buddy-Read war.

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Veröffentlicht am 10.09.2021

Grundsolide High Fantasy, die Spaß macht.

Die Legende des Zauberers
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Tja, wie man bei meiner Coverbesprechung sieht, das Cover war es dieses Mal nicht, das meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Stadtmessen sprach mich der Inhaltstext an, wobei ich ihn jetzt im Nachhinein wenig ...

Tja, wie man bei meiner Coverbesprechung sieht, das Cover war es dieses Mal nicht, das meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Stadtmessen sprach mich der Inhaltstext an, wobei ich ihn jetzt im Nachhinein wenig gelungen finde, eigentlich sogar richtig grottig.

Ein interessantes Magiesystem
Das Beste an diesem Buch, das verrate ich euch gleich zu Beginn, ist ganz klar das Magiesystem. Magie hat ihren Preis, das ist an sich nichts Neues, aber die Art, wie Magie hier beschrieben wird, nämlich als eine Art Gift, fand ich super interessant. Die Magie basiert auf Runen. Der Zauberer muss seinen Zauber als Runen aufschreiben und dann aufsagen und je nachdem welchen Zauber er gewirkt hat, spürt er körperliche Auswirkungen. Von Übelkeit, über starke Schmerzen, bis hin zu Krampfanfällen, je stärker der Zauber, je stärker wirkt “das Gift der Magie”. Die meisten Zauberer wälzen jedoch die unliebsamen Nebenwirkungen auf Sklaven ab, nicht jedoch unser Protagonist. Er hält die Nachwirkungen selber aus und nur weil er dadurch häufiger beeinträchtigt ist, ihn als untalentiert und mäßig begabt darzustellen, wie im Klapptext ist schlichtweg falsch und beleidigend, oder war es gar Greys Humpeln, dass den Klapptextschreiber dazu veranlasste ihn, als minderbemittelt darzustellen?

Grey wirkt genauso mächtige Zauber, wie alle anderen Zauberer, sogar stärkere als die meisten und hat eigene Zauber erfunden, von denen andere nur träumen können, er ist alles andere als untalentiert, wer diesen Klapptext geschrieben hat, hat weder auch nur drei Kapitel des Buches gelesen, noch sich wenigstens den originalen Inhaltstexttext angeschaut, eine richtig schwache Leistung Blanvalet! Wenn ich schon keine Lust habe das Buch zu lesen und einen wahrheitsgetreuen Inhaltstext zu schreiben, dann übersetzt noch wenigstens einfach das Original, als solchen Müll zu fabrizieren.

Grundsolide High Fantasy, die Spaß macht
Nun gut, ehe ich mich noch weiter aufrege, kommen wir zurück zum Buch. Über das Talent von Grey habe ich ja schon gesprochen, aber er war auch sonst ein sehr sympathischer und authentischer Protagonist. Er ist nicht frei von Fehlern, manchmal ist er stur oder aufbrausend, aber das machte ihn für mich nur menschlicher. Mit Brix kam ich weniger gut aus, was aber mehr eine Frage der Sympathie, als der Ausarbeitung der Figur lag. Die Nebenfiguren dagegen fand ich wieder gut gelungen.

Was die Handlung angeht, so ist das Buch meiner Meinung nach grundsolide High Fantasy. Das Genre wird hier nicht neu erfunden, sondern stattdessen bedient man sich genretypischer Elemente, aber trotzdem macht das Buch einfach Spaß beim Lesen. Es ist kein super detailliertes episches Großwerk. Im Worldbuilding und auch bei den Figuren erfährt man als Leser*in so viel, wie man für die Geschichte wissen muss, aber es geht nicht zu sehr in die Tiefe, aber meine Frage an euch. Brauch ich denn unbedingt immer den 800 Seiten epischen Klopper in der High Fantasy? Oder kann es nicht auch mal eine solche detailärmere, aber runde und unterhaltsame Geschichte sein? Meine Antwort wäre na klar. Und detailärmer heißt ja nicht völlig ideenlos. Die Autorin flechtet in ihre Geschichte u.a. Runenmagie, Nekromantie und einen wahnsinnigen (nicht)Gott mit ein und kombiniert das mit Elementen der Heldenreise und auch eine gute Prise Humor. Alles in allem habe ich mich beim Lesen wunderbar unterhalten gefühlt und das ist ja wohl die Hauptsache.

Fazit:


Die Legende des Zauberers erfindet das (high Fantasy) Rad sicher nicht neu, macht aber auch nicht viel verkehrt. Ein sympathischer Protagonist, ein interessantes Magiesystem und eine unterhaltsame Handlung bescheren einige vergnügliche Lesestunden, weswegen ich nichts zu meckern habe und das Buch gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 10.09.2021

Für alle Fans der Story von Horizon Zero Dawn

Der Muttercode
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Dieses Buch hat vor allem wegen seines Covers meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ich lese nicht ganz so oft Sci-Fi, weswegen ich das Buch zwar gerne lesen wollte, aber nicht allzu große Erwartungen ...

Dieses Buch hat vor allem wegen seines Covers meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ich lese nicht ganz so oft Sci-Fi, weswegen ich das Buch zwar gerne lesen wollte, aber nicht allzu große Erwartungen hatte. Dafür wurde ich umso positiver überrascht.

Für alle Fans der Story von Horizon Zero Dawn
Als Erstes muss gesagt werden: Der Klapptext von Heyne ist Schrott. Und zwar so richtig. Er beschreibt im Grunde die letzten 50 Seiten des Romans was a) spoilert und b) falsche Erwartungen weckt. So denkt man der Roman spiele vor allem nach der Katastrophe und drehe sich hauptsächlich um Kai und seine Robotermutter.
Dem ist jedoch nicht so. Das Buch ist in zwei Teile unterteilt und grob gesagt kann man sagen, dass Teil 1 erzählt, wie es zur Katastrophe und dem Plan der Robotermütter kam wobei hier auf zwei Zeitebenen erzählt wird und erst ab Teil zwei ist man in einer einzigen Gegenwart angelangt und der Fokus wird stärker auf die Kinder und Robotermütter gelegt. Nun haben sich aber viele auf diesen Fokus eingestellt und sind enttäuscht, dass es den Großteil er ersten Hälfte um etwas anderes geht.Dass der Klapptext so irreführend ist, ist mit ein Grund, warum ich schon einige negative Rezensionen zu dem Buch gelesen habe, was ich schade finde, denn von einem Buch enttäuscht zu sein, einfach, weil falsche Erwartungen geschürt worden ist frustrierend und vor allem vermeidbar.

Zum Glück, lese ich Klapptexte sowieso nur flüchtig, weswegen ich da keine großen Erwartungshaltungen hatte. Und da ich auch jemand bin, der in Büchern immer wissen will, wieso, weshalb warum eine Katastrophe geschieht/geschah, fand ich den ersten Teil von Der Muttercode sehr spannend. Am besten hat mir die Stimmung gefallen, wie sich alles immer mehr zuspitzt und es trotzdem Menschen gibt, die nach Lösungen suchen, notfalls auch nach welchen, die nicht die Rettung, sondern einen Neubeginn versehen. In der ganzen Stimmung hat mit dieser Teil sehr an die Story von dem Spiel Horizon Zero Dawn erinnert. Es war das gleiche Gänsehautgefühl, die gleiche Dramatik, als die Lage immer aussichtsloser wurde.

Die Seiten flogen für mich nur so dahin, es las sich eigentlich schon wie ein Thriller und selbst wenn man den groben Ausgang ja schon kannte, empfand ich den Wettlauf mit der Zeit als sehr spannend und nervenaufreibend. Noch dazu hatte es auch etwas sehr Beklemmendes, denn auch wenn der “Übeltäter” hier eine Biowaffe war, der freigesetzte Erreger löste eine grippeähnliche Lungenkrankheit aus. In Angesicht von Corona verursacht das schon Gänsehaut. (Die Autorin schrieb den Roman allerdings bereits vor der Pandemie)

Mensch und Maschine
Nach diesem nervenaufreibenden Teil eins, wird es in Teil zwei etwas ruhiger. Statt Endzeitspektakel konzentriert sich die Handlung nun auf die Beziehung zwischen Mensch und Maschine, genauer gesagt den Kindern und ihren Robotermüttern. Es stellt sich die Frage was Menschlichkeit ist, was einen Menschen ausmacht und inwieweit Roboter Persönlichkeit haben, aber auch ob eine zu selbstständig denkende KI nicht gefährlich ist. Diesen fragen wird zwar nicht allzu tief im Detail nachgegangen, aber ihr Ton klingt immer wieder durch, während zwei grundverschiedene Generation von Menschen versuchen zu ergründen, was mit den Robotormüttern ist und vor allem was geschehen soll.

Ich muss zwar gestehen, dass mich Teil eins noch ein bisschen mehr packen konnte, trotzdem hat mir auch diese zweite Hälfte sehr gut gefallen. Was mir besonders gut gefallen hat und auch schon beim ersten Abschnitt deutlich wurde, ist, wie die Autorin aus ihren Protagonisten keine Helden oder Supergenies macht. Alle Figuren machen Fehler, es gibt Rückschläge bei der Entwicklung der Mütter, wie auch danach. Dadurch wirkte vieles auf mich authentischer und nachvollziehbarer, wobei viele Dinge natürlich weiterhin vorerst im Bereich der Science-Fiction, denn der realen Möglichkeiten bleibt, aber e ist ja auch nun mal ein Sci-Fi Roman.

Fazit:


Der Muttercode war für mich die (positive) Überraschung des Julis. Der Roman ist gut durchdacht und spannend und dicht erzählt. Die erste Hälfte des Buches ist ein nervenaufreibendes Endzeitdrama, die zweite eine berührende Geschichte, die nach dem Menschlichen in der Maschinen fragt. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung (jedoch auch die Aufforderung zum Ignorieren des Verlag-Klappentext).

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Veröffentlicht am 22.08.2021

Gesellschaftsroman mit Horrorelemente

Southern Gothic - Das Grauen wohnt nebenan
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Dieses Buch stand schon auf meiner Wunschliste, als ich es Anfang des Jahres in den Neuerscheinungen 2021 entdeckt hatte. Daher habe ich mich auf das Lesen sehr gefreut und wurde nicht enttäuscht.

Von ...

Dieses Buch stand schon auf meiner Wunschliste, als ich es Anfang des Jahres in den Neuerscheinungen 2021 entdeckt hatte. Daher habe ich mich auf das Lesen sehr gefreut und wurde nicht enttäuscht.

Von wegen Südstaatencharme
Gleich eins vorweg: Dieses Buch ist kein Horrorroman im eigentlichen Sinne, es sei denn man betrachtet haarsträubende sexistische Ansichten mancher Charaktere als Horror. Das Buch spielt zwischen den 1980er und 1990er Jahren in South Carolina, genauer gesagt in Mt. Pleasant, einem gut situierten Vorort von Charleston. Es ist so ein typischer Ort, wie man ihn von Serien wie Desprite Housewifes kennt: Jeder kennt jeden und doch liegen Geheimnisse überall verborgen. Protagonistin Patricia ist eine für diesen Ort und diese Zeit typische Hausfrau. Die ersten Seiten verbringen wir damit ihr Leben kennenzulernen und schon hier wird zwischen Mann, Kindern und elitärem Buchclub deutlich, dass Patricias eigentlich mehr will, dass ihr dieses Leben zu bieder und zu einengend ist. Eine Thematik, die in diesem Roman noch sehr oft wieder aufkommen wird.

Denn ja, wir haben einen Vampir und ja, er nimmt auch viel Raum in der Handlung ein, ist so richtig fies und keiner der glitzernden Art. Und doch ist Southern Gothic so viel mehr, als einfache Grusellektüre. Es ist eher ein Gesellschaftsroman mit Horrorelementen und dem entsprechen wird dem Sozialem und zwischenmenschlichem viel Raum geboten. Es ist keine leichte Kost und man muss auch richtige Hasscharaktere und Szenen, bei denen man vor Wut schreien möchte, aushalten können. Grund dafür ist neben dem Vampir an sich vor allem der unglaubliche Sexismus der Männer, aber auch das erlernte Selbstbildnis der Frauen in diesen Roman. Schonungslos zeigt Hendrix uns hier eine Gesellschaft, die in Puncto Selbstbestimmung der Frau noch meilenweit zurückgeworfen ist und das ist leider nicht weit hergeholt, denn gerade in den Südstaaten ging es in den 80er und 90er noch zu, wie woanders in den tiefsten 50er Jahren. Von wegen Südstaatencharme.

Etwas zu schildern, heißt nicht es zu unterstützen
Nun steht das Buch aufgrund der Tatsache, dass Hendrix hier eine offen misogyne Gesellschaft porträtiert von mancher Seite aus heftig in Kritik. Ja dem Autor selbst wird vorgeworfen frauenfeindlich zu sein. Diese Kritik finde ich absolut nicht gerechtfertigt, denn nur weil etwas geschildert wird, heißt es nicht, dass es auch unterstützt wird. Mit der gleichen Argumentation könnte man sonst zum Beispiel auch jedes Buch, dass im 2. Weltkrieg spielt pauschal als rassistisch bezeichnen, weil darin Nazis vorkommen.
Die Zustände in diesem Roman werden zu keinem Zeitpunkt verherrlicht, im Gegenteil, immer wieder kommt zur Sprache, wie ungerecht sich die Frauen behandelt fühlen und wie unzufrieden sie damit sind. Nun sind sie aber ein Produkt ihrer Zeit, ihrer Erziehung und des ihnen vermittelten Weltbildes und das heißt nun mal auch, dass sie sich auf ihre Art und Weise zur Wehr setzten und nicht so wie es heutige Feministen tun würden und vor allem könnten. Aus unserer heutigen modernen Sicht ist es leicht zu sagen: “Na, warum verlässt sie ihn nicht? Warum protestiert sie nicht mehr? Warum tut sie nicht mehr”, und und und. Tatsächlich schafft es der Autor in meinen Augen einen guten Kompromiss zu finden wie sich die Frauen zur Wehr setzten und das trotzdem im Hinblick auf ihre Situation, der Zeit und den Umständen realistisch bleibt.

Wut, Hass, Gänsehaut, hier bekommt man alles
Ich möchte nochmal wiederholen: Dieses Buch ist keine angenehme oder leichte Lektüre. Die Gefühlsachterbahn fährt von Wut, über Hass zu Ekel und wieder zurück. Dass dem so ist, liegt auch an Hendrix einnehmendem und sehr atmosphärischen Schreibstil. Er schafft es meisterlich Leser*innen eine Gänsehaut zu bescheren und gerade die unangenehmen Szenen noch abstoßender wirken zu lassen. Wer sich darauf einlässt, wer sich von der bangen Atmosphäre und dem Gefühl einer permanenten Bedrohung gefangen nehmen lässt, dem wird auch nicht langweilig, selbst dort, wo die Handlung ruhiger verläuft.

Fazit:


Das Buch ist kein wirklicher Horrorroman, sondern vielmehr ein Gesellschaftsroman mit Horrorelementen, wobei der dargestellte (nicht verherrlichte!) Sexismus genauso viele Gruselmomente verursacht, wie der eigentliche Vampir. Dicht und atmosphärisch erzählt entfaltet sich hier ein spannendes Drama, sofern man sich darauf einlässt und nicht von den Erwartungen eines klassischen Horrorromans leiten lässt.

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Veröffentlicht am 22.08.2021

Macht Spaß. hätte aber besser funktioniert, wenn es nicht Mulan hätte sein sollen.

Disney – Twisted Tales: Dunkle Schatten
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Von allen Disney Prinzessinnen war Mulan schon immer meine liebste. Ich besaß als Kind zwar nicht den Film, aber das dazugehörige Hörspiel habe ich rauf und runter gehört. Daher war für mich klar, dass ...

Von allen Disney Prinzessinnen war Mulan schon immer meine liebste. Ich besaß als Kind zwar nicht den Film, aber das dazugehörige Hörspiel habe ich rauf und runter gehört. Daher war für mich klar, dass mein erstes Twisted Tales Buch das von Mulan sein sollte. Zumal ich mit Autorin Elizabeth Lim mit “Ein Kleid aus Seide und Sternen” bereits gute Erfahrung gemacht habe.

Auf in die Unterwelt.
Autorin Elizabeth Lim geht auf alle Fälle davon aus, dass man vor dem Lesen den Disney Film bereits gesehen hat und die Figuren gut kennt, denn sie hält sich nicht mit irgendwelchen Einleitungen oder Hintergründen auf, sondern startet direkt mit der Szene im Gebirge, als Mulan, Shang und die Soldaten auf die Hunnen treffen. Schon auf den ersten Seiten kommt es also zu dem Plottwist, durch den das Buch eine andere Wendung nimmt, als der Film, denn nicht Mulan wird von Shan-Yu verletzt, sondern General Shang.

Wir müssen als Leserin also nicht lange warten, bis der neue Handlungsverlauf seinen Gang nimmt. Ziemlich zügig landet Mulan in der Unterwelt, doch von da an wird es nicht mehr ganz so einfach. Bevor ich das Buch las, habe ich mich Überblickhaft in die chinesische Jenseitsvorstellung eingelesen und zum größten Teil fand ich diese in diesem Buch auch gut umgesetzt. Es tauchen zahlreiche Elemente aus der Jenseitymythologie und sind für mich im Rahmen der künstlerischer Freiheit auch schlüssig in die Handlung eingewoben. Lediglich bei einer Sache macht die Autorin in meinen Augen einen Fehler. So beschreibt sie einen Himmel, in den gute Seelen kommen, sollten sie nicht wiedergeboren werden. Eine solche Vorstellung existiert jedoch weder im Buddhismus, noch im chinesischen Volksglauben. Hier wird also ein westliches Glaubensprinzip einfach einer anderen Kultur aufgedrückt. Der Sinn erschließt sich mir dabei nicht. Sicher der Himmel spielt in dem Buch keine große Rolle, aber gerade deswegen ist es doch völlig überflüssig christliche Glaubensvorstellungen einflechten zu müssen.

Alte Bekannte und neue Figuren.*
Ansonsten will ich zur Handlung gar nicht viel mehr sagen. Sie ist im Großen und Ganzen rund und unterhaltsam und wartet, wie gesagt mit einigen schönen Einflechtungen aus der chinesischen Mythologie auf. Stattdessen möchte ich über die Charaktere sprechen. Die verzwickte Sache bei einer Adaption einer Geschichte von einem, ins andere Medium ist nun mal, dass die Fans bereits eine recht genaue Vorstellungen haben, wie die Figuren zu sein haben, wie sie sich verhalten, wie sie reden und denken. Das schlüssig umzusetzen, sodass trotz Abweichungen in der Handlung Buch und Film eine Einheit bilden ist nicht einfach und gelingt in meinen Augen auch Elizabeth Lim nur bedingt.
Vielfach wurde ja schon kritisiert, das Mushu in den Roman kaum vorkommt. Das ist tatsächlich ein Aspekt, der mich nicht gestört hat, denn Eddie Murphy oder auch Ottos Interpretation von Mushu in Buchform zu zwängen, wäre sowieso in die Hose gegangen und mit ShiShi führt die Autorin für mich einen guten und lustigen Ersatz ein.

Nein was mich mehr gestört hat, war Mulan selbst. Im Film ist sie entschlossen, mutig, zielstrebig. Sie hat zwar hin und wieder ihre Zweifel, doch lässt sie sich davon nicht unterkriegen. Im Buch fand ich Mulan leider deutlich schwächer, sie wirkt oft unentschlossen und auch blass. Weniger handelnd und mehr von den äußeren Einflüssen bestimmt, als durch das eigene Tun.
Shang hingegen ist ganz gut getroffen und auch die Beziehung zwischen den Beiden bekommt hier mehr Raum. Sie bleibt zwar was die Tiefgründigkeit angeht auf Jugendbuch Niveau, wird aber dadurch, dass ihr im Gegensatz zum Film mehr Zeit für die Entwicklung eingeräumt wird, wenigstens etwas nahbarer und authentischer, das hat mir gut gefallen.

Fazit:


Das Buch ist unterhaltsam, keine Frage, aber ich denke es hätte besser funktioniert, wenn es nicht Mulan hätte sein sollen, denn im Verhalten und in der Art unterscheiden sich Buch-Mulan und Film-Mulan doch deutlich, wodurch Film und Buch nicht so recht zusammenpassen wollen. Betrachtet man es aber losgelöst vom Original erwarten einen ein paar spaßige Lesestunden.

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