Profilbild von Mo_und_die_Macht_der_Buchstaben

Mo_und_die_Macht_der_Buchstaben

Lesejury Star
offline

Mo_und_die_Macht_der_Buchstaben ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Mo_und_die_Macht_der_Buchstaben über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.03.2026

Ein spannungsvoller historischer Jugendkrimi

Mika Mysteries - Die Spur der Meisterdiebin
0

Schon beim Aufklappen des Buches begrüßt mich die wunderschöne Karte von Stockholm um 1885. Sie ist in einem warmen, rötlichen Ton gehalten, passend zum Cover und zeigt die sieben Schauplätze der Geschichte. ...

Schon beim Aufklappen des Buches begrüßt mich die wunderschöne Karte von Stockholm um 1885. Sie ist in einem warmen, rötlichen Ton gehalten, passend zum Cover und zeigt die sieben Schauplätze der Geschichte. Die Platzierung im Buchdeckel ist ideal: Ich kann mich sofort orientieren und bekomme ein Gefühl dafür, wie weit die einzelnen Orte voneinander entfernt liegen.

Bereits das erste Kapitel lässt meinen Puls schneller schlagen. Die wagemutige Mika balanciert über einen Dachfirst und mir bleibt beim Lesen die Luft weg. Was macht sie da oben und warum hat sie keine Angst? Die Atmosphäre ist sofort dicht, die unterschwellige Gefahr spürbar und ich freue mich über das Wiedersehen mit Mika und Rufus.

Mika Mysteries – Die Spur der Meisterdiebin beginnt im Waisenhaus, welches Mikas Zuhause ist. Johan Rundberg zeichnet erneut ein realistisches Bild des historischen Stockholm und verbindet die sozialen Unterschiede mit einem spannenden kriminalistischen Plot. Authentische historische Ereignisse fließen in die Handlung ein, sodass ich mir alles hervorragend vorstellen kann.

Der personale Erzähler bleibt ganz nah bei Mika. Ich erlebe die Geschichte ausschließlich durch ihre Wahrnehmungen. Ihre Gefühle und ihre innerliche Zerrissenheit zwischen Gewissenhaftigkeit zum Wohle, die ihr am Herzenliegen und starren gesellschaftlichen Regeln erzeugen eine emotionale Nähe. Mika ist keine klassische Heldin, sondern eine starke Persönlichkeit, die Verantwortung für die jüngeren Kinder übernimmt. Ihre Beobachtungsgabe ist bemerkenswert und ihr Wunsch nach Wahrheit sowie ihr Bedürfnis, die Menschen zu schützen, die sie als Familie betrachtet, machen sie absolut liebenswert. Ihre Entscheidungen sind stets plausibel in die Handlung eingebettet und ich liebe ihre Entwicklung in diesem Band ganz besonders.

Amelia, die Heimleitung, ist eine strenge, aber notwendige Autoritätsfigur. Die Armut im Waisenhaus ist groß und wie schwer es ist, die Kinder durchzubringen, wird besonders an der kleinen Nora deutlich. Sie ist noch ein Baby und leidet bereits so stark an Hunger, dass es lebensbedrohlich wird. Sachlich, aber ungeschönt wird hier klar: Kinder, die nicht stark genug sind, können im Waisenhaus sterben. Eine Romantisierung findet nicht statt, es wird aber auch nicht grausam dargestellt. Eher bedient hier Johan Rundberg eine sachliche Nüchternheit, die ehrlich zeigt, wie die damaligen Lebensverhältnisse unter den armen Menschen waren.
Dieses Mal rücken die Kinder Ossian und Kristina stärker in den Fokus. Sie repräsentieren das Schicksal vieler Waisenkinder und zeigen eindrücklich, wie nah Hoffnungslosigkeit und Hoffnung beieinanderliegen.

Riesig freue ich mich darüber, dass auch Kommissar Valdemar Hoff wieder dabei ist. Er wirkt noch desillusionierter als zuvor, aber ich mag, wie er immer mehr zu einer Art Vaterfigur für Mika wird. Ihr gegenseitiger Respekt und seine vorsichtige Fürsorge rühren mich. Trotz seiner Skepsis vertraut er Mika. Das verleiht der Geschichte eine wunderbare Dynamik.

Besonders spannend wird es, als Henrietta in die Handlung tritt. Sie ist gekonnt ambivalent und mysteriös inszeniert. Ich kann selbst entscheiden, ob ich sie sympathisch finde oder ob ich wie Mika lieber vorsichtig bleibe. Diese Ungewissheit macht sie zu einer der faszinierendsten Figuren des Bandes.

Der Schreibstil ist klar, bildhaft und lebendig. Die Dialoge treiben die Handlung packend voran, und ich liebe es, dass die klassische Gut–Böse-Struktur vermieden wird. Stattdessen arbeitet Rundberg mit Grauzonen, was die Geschichte vielschichtiger macht.

Der Spannungsaufbau ist ein Traum. Mika Mysteries – Die Spur der Meisterdiebin verbindet zwei Handlungsebenen auf eine packende Weise. Das realistische Leben im Waisenhaus und die zunehmend komplexe Kriminalhandlung. Feine Handlungsfäden, die teilweise schon im ersten Teil begonnen wurden, ziehen sich weiter und werden auch über Band 2 hinausreichen. Die Hauptfäden machen die Geschichte rasant, unterhaltsam und mysteriös. Nicht immer werden Mikas Pläne sofort erklärt und ich verfolge gespannt, wie sich alles entwickelt. Ständig taucht etwas neues Geheimnisvolles auf, das ich genauso ergründen möchte wie Mika. Ich merke kaum, wie ich Seite um Seite lese.

Im Gegensatz zum ersten Band, der durch den eisigen Winter eine düstere Grundstimmung trägt, fühlt sich dieser Teil insgesamt hoffnungsvoller an. Der Frühling hält Einzug und mit ihm schleicht sich mehr Wärme und Zuversicht in die Geschichte, ohne die Härte der Realität auszublenden.

Der Showdown packt mich richtig. Wie schon zu Beginn halte ich vor Spannung den Atem an. Die Auflösung, die ich nicht durchschaue, ist genial und lässt mich vor Freude in die Hände klatschen. Und obwohl viele Fragen beantwortet werden, bleiben genug Fäden offen, um meine Vorfreude auf den nächsten Band zu schüren.

Fazit:
Mika Mysteries – Die Spur der Meisterdiebin steht dem ersten Band in nichts nach. Es ist ein spannungsvoller historischer Jugendkrimi mit emotionaler Tiefe, einer dichten Atmosphäre, einem hohen Spannungslevel und mehreren überzeugenden Settings.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2026

Diese schöne Sammlung an Redensarten steht „Rede und Antwort“

Duden – Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?
0

Die über 700 Sprichwörter und Redewendungen in Wer hat den Teufel an die Wand gemalt? sind übersichtlich von A bis Z aufgelistet. Das ist praktisch, um gezielt nach der Redensart zu suchen, die einen gerade ...

Die über 700 Sprichwörter und Redewendungen in Wer hat den Teufel an die Wand gemalt? sind übersichtlich von A bis Z aufgelistet. Das ist praktisch, um gezielt nach der Redensart zu suchen, die einen gerade interessiert. Bei mir ist es „Perlen vor die Säue werfen“. Diese finde ich unter „P“ und bin erstaunt, dass es diese Redensart auch in anderen europäischen Sprachen gibt.
Manchmal gibt es Querverweise, wenn eine Redensart auch unter einem anderen Buchstaben zu finden ist und dort bereits erklärt wird. So werden Wiederholungen vermieden, was mir sehr gefällt.

Superdurchdacht ist der Aufbau der einzelnen Redewendungen. Erst wird sie genannt, dann ihre heutige Bedeutung erklärt und anschließend ihre Herkunft, sofern ermittelbar, aufgedeckt. Dieses Muster sorgt für eine klare Struktur.
Der Schreibstil ist dabei sehr zugänglich. Rolf-Bernhard Essig schreibt sachkundig, aber trotzdem leicht und nie belehrend. Er verbindet genaue sprachwissenschaftliche Erklärungen mit einem angenehm humorvollen Ton. So werde ich nicht nur informiert, sondern gleichzeitig auch unterhalten.
Schön finde ich außerdem die Illustrationen zu den einzelnen Buchstaben, die jeweils ein passendes Sprichwort aufgreifen.

Einen besonderen Mehrwert haben die zehn kleinen Exkurse als thematischer Hintergrundblock. Hier wird auf die sprachlichen Einflüsse ganzer Sprachkulturen geblickt. Dabei wird gezeigt, dass Redensarten nicht nur aus bestimmten Berufen, historischen Situationen oder dem biblischen Kontext entstehen können, sondern auch durch kulturelles Zusammenleben und Sprachkontakt.

Insgesamt gefällt mir Wer hat den Teufel an die Wand gemalt? sehr gut. Es macht Spaß, sich durch die Redensarten zu lesen. Von sehr alten Wendungen, die schon seit Jahrhunderten im Umlauf sind, bis hin zu modernen Ausdrücken. Immer wieder bleibe ich an Sprichwörtern hängen, die ich schon tausendmal gehört, aber noch nie hinterfragt habe.
Natürlich begegnen mir auch Redewendungen, die ich noch nicht kenne. So habe ich zum Beispiel noch nie „den heiligen Ulrich angerufen“ oder „jemandem einen Persilschein ausgestellt“.
Besonders spannend fand ich zudem, wie sich die Bedeutung mancher vertrauter Redewendungen verändert hat. „X für ein U verkaufen“ oder „Tomaten auf den Augen haben“ kenne ich zwar gut, doch ihre ursprüngliche Bedeutung war mir neu.

Fazit:
Ob Wer hat den Teufel an die Wand gemalt? nun „das Nonplusultra“ ist, kann ich nicht beurteilen, aber diese schöne Sammlung an Redensarten steht „Rede und Antwort“, wenn es darum geht, Herkunft und Bedeutung unserer Redewendungen aufzuschlüsseln. Ein Buch, das sich sowohl zum Durchlesen als auch zum Nachschlagen immer wieder lohnt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 24.02.2026

Eine intensive Romantasy mit würdigem Abschluss

Twist of Hearts
0

Spoiler-Hinweis:
Diese Rezension enthält zentrale Hinweise zu „Play of Hearts“.
Wenn du die Dilogie noch nicht begonnen hast und die Entwicklungen selbst entdecken möchtest, lies am besten zuerst den ersten ...

Spoiler-Hinweis:
Diese Rezension enthält zentrale Hinweise zu „Play of Hearts“.
Wenn du die Dilogie noch nicht begonnen hast und die Entwicklungen selbst entdecken möchtest, lies am besten zuerst den ersten Band, bevor du dich meiner Rezension widmest.
Twist of Hearts ist der zweite Band der Romantasy-Dilogie The Hearts Duet und fügt sich optisch perfekt an Play of Hearts an. Auch der Farbschnitt ist wieder wunderschön und harmoniert hervorragend mit dem Cover. Das Innenlayout greift die äußere Gestaltung stimmig auf und besonders gelungen finde ich die Darstellung eines Buchausschnitts, der später in der Handlung eine Rolle spielt.
Bevor ich zu Genevieve „Evie“ Magâme und ihren Freunden zurückkehren kann, erwartet mich eine doppelseitige Kartenillustration der Sirenen Insel, die im weiteren Verlauf ein zentraler Schauplatz werden wird.

Wie schon Play of Hearts ist auch Twist of Hearts in drei Akte gegliedert. Der erste Akt setzt unmittelbar an das vielschichtige Geschehen des Vorgängers an. Die Freunde sind getrennt, schweben in Gefahr und Arthur taucht plötzlich wieder auf, nachdem Evie ihn so lange verzweifelt gesucht hatte. An dieser Stelle hätte ich mir eine kurze Rückblende gewünscht, denn das Finale des ersten Bandes war sehr dicht und vielschichtig. Ich habe mir geholfen, indem ich die letzten Seiten noch einmal gelesen habe.
Trotzdem gelingt der Einstieg gut, denn das Tempo ist hoch und mehrere Dinge passieren beinahe gleichzeitig. Das erzeugt sofort Spannung und macht deutlich, wie stark dieser Band mit den Elementen Illusion und Wahrheit spielt. Nach und nach fallen die Puzzleteile an ihren Platz und rückblickend ergibt vieles Sinn, ohne konstruiert zu wirken. Besonders spannend finde ich, dass ich meinen Blick auf frühere Ereignisse immer wieder neu ausrichten muss, um zu erkennen, welche Wahrheiten tatsächlich dahinterliegen.

Evie bleibt verletzlich, aber sie ist nicht mehr das naive Mädchen aus Band 1. Ihre inneren Konflikte begleiten sie weiterhin, doch sie wächst sichtbar an den Herausforderungen. Sie stellt sich ihrer Angst, trifft mutigere Entscheidungen und erkennt, dass Fehler dazugehören dürfen.
Arthur bekommt in diesem Band mehr Kontur, doch sympathisch wird er mir nicht. Sein Verhalten wirkt oft manipulativ, weil er in Evie immer wieder Schuldgefühle auslöst. Das lässt ihn egozentrisch erscheinen, auch wenn manche seiner Emotionen und Handlungen für mich nachvollziehbar sind.
Rémi hingegen bleibt die komplexeste und faszinierendste Figur. Seine inneren Konflikte spiegeln Evies eigene, was ihre Dynamik immer wieder verschiebt. Seine Widersprüchlichkeit bringt Spannung in die Handlung und seine emotionale Reife überrascht mich mehrfach.
Auch die Nebenfiguren aus Play of Hearts, Enif, Atlas sowie die Zwillinge Blue und Lavender, spielen wieder wichtige Rollen. Gemeinsam versuchen sie mit Evie ihr Versprechen gegenüber Rémi einzulösen.

Zudem wird ein weiterer Antagonist etabliert, dessen Identität mich überrascht. Obwohl er von Anfang an Teil der Geschichte ist, habe ich ihm kaum Beachtung geschenkt und ihn vor allem so wahrgenommen, wie andere Figuren ihn sehen. Genau das macht die Enthüllung so wirkungsvoll. Ich habe mich selbst der Illusion hingegeben, die die Autorin um ihn gesponnen hat. Seine Motivation bleibt lange undurchschaubar, was zusätzliche Konflikte schafft und die Spannung weiter anheizt.

Twist of Hearts setzt stark auf emotionale Dichte. Enthüllungen und große Gefühle liegen oft eng beieinander und Evies wiederholte Gefühlsbeschreibungen bringen gelegentlich eine Nuance Pathos mit sich, die ich etwas überladen empfinde. Da die Geschichte jedoch konsequent aus ihrer Ich-Perspektive erzählt wird, ist diese Intensität schlüssig konstruiert.

Im zweiten Akt darf ich gemeinsam mit den Figuren die Sirenen Insel erkunden. Der Fantasy-Anteil entfaltet sich hier besonders stark durch die allgegenwärtige Magie, die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart sowie die Enthüllungen über die Familiengeschichte der Charaktere. Diese Kombination fasziniert mich sehr.

Der dritte Akt führt schließlich in einen Showdown, der sich über viele Kapitel hinweg sorgfältig aufbaut. Juli Dorne nimmt sich Zeit, die emotionalen Konflikte und moralischen Grauzonen zu sezieren und fügt am Ende alles zu einem schlüssigen Gesamtbild. Besonders beeindruckt mich, wie sich das Spiel aus Illusion und Wahrheit hier vollendet. Was zuvor wie ein stimmiges Bild wirkt, zeigt sich plötzlich in einem neuen Licht.

Fazit:
Twist of Hearts ist eine intensive Romantasy, die stark auf Emotionen setzt und mich mit atmosphärischen Settings überzeugt. Es ist kein leichtes Buch, aber eines, das mich gefordert und berührt hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2026

Ein leiser erzählter Kriminalroman mit Tiefgang

Die Farbe des Schattens
0

Die Farbe des Schattens spielt wenige Wochen nach den Ereignissen von Das Schweigen des Wassers und kann völlig unabhängig davon gelesen werden. Es werden keine Details zum vorherigen Fall verraten, sondern ...

Die Farbe des Schattens spielt wenige Wochen nach den Ereignissen von Das Schweigen des Wassers und kann völlig unabhängig davon gelesen werden. Es werden keine Details zum vorherigen Fall verraten, sondern es wird lediglich ein Blick auf wiederkehrende Figuren geworfen, um sie in dieser Handlung zu etablieren.

Die Farbe des Schattens spielt in den frühen Neunzigerjahren, kurz nach der Wende, als Hoffnung und Ernüchterung dicht beieinanderliegen. Susanne Tägder zeichnet ein trostloses und zugleich berührendes Bild einer Gesellschaft im Umbruch. Die Atmosphäre ist geprägt durch das diffuse Gefühl von Unsicherheit, der bröckelnde Ordnung und der aufkeimenden Hoffnungslosigkeit. Das Bild ist so präzise eingefangen, dass ich mich unmittelbar in diese Zeit zurückversetzt fühle.
In der fiktiven Stadt Wechtershagen verschwindet ein Junge mitten aus einem Wohngebiet. Kriminalhauptkommissar Arno Groth nimmt die Ermittlungen auf. Der Fall wirkt erschreckend real, nicht zuletzt, weil er auf wahren Begebenheiten beruht.

Der Schreibstil ist nüchtern, ruhig und klar. Die Dialoge wirken funktional, aber fangen die emotionalen Untertöne geschickt ein. Zugleich lebt die Erzählung von den präzisen Beobachtungen der Charaktere.
Der Fokus liegt klar auf Arno Groths Ermittlungen, doch gelegentlich darf ich durch den personalen Erzähler an der Seite weiterer Figuren sein.
Diese kontrollierten Perspektivwechsel erzeugen ein vielschichtiges Bild von Wechtershagen und den Menschen, die dort leben. Die Nebenfiguren bleiben bewusst im Schatten, ohne an Bedeutung zu verlieren, denn sie tragen die Handlung, ohne sie zu dominieren.
Arno Groth ist innerlich ein erschöpfter Mann, dessen kriminalistisches Gespür untrennbar mit seinen Erinnerungen und Verlusten verknüpft ist. Seine Ecken und Kanten machen ihn nahbar, seine Hartnäckigkeit treibt die Handlung voran. Obwohl ihm Steine in den Weg gelegt werden, bleibt er seinem Bauchgefühl treu. Er lässt mich an seinen Überlegungen und Plänen teilhaben. Das ermöglicht mir einen ungeschönten Blick in die Ermittlungsarbeit der frühen Neunzigerjahre.

Die Farbe des Schattens baut nicht auf spektakuläre Wendungen, Action und die explizite Darstellung von Gewalt, sondern auf eine leise und bedächtige Erzählweise. Beinah beiläufig erwähnte Details treffen mich hart. Das angedeutete Grauen kriecht unter meine Haut und lässt mich nicht mehr los. Die psychologische Genauigkeit, mit der Susanne Tägder Die Farbe des Schattens konstruiert, macht diese Geschichte auf allen Ebenen erschreckend authentisch.

Die Farbe des Schattens ist ein ruhiger Kriminalroman, der den Fragen nach Verantwortung, Schuld und dem trügerischen Gefühl von Sicherheit nachspürt. Die Auflösung präsentiert Susannne Tägder ohne Sensationslust. Beinahe sachlich wird der Täter enttarnt, was die Alltäglichkeit des Schreckens umso deutlicher hervorhebt und bei mir eine stille Beklemmung hinterlässt, die lange nachhallt.

Fazit:
Die Farbe des Schattens ist ein atmosphärisch dichter und psychologisch präziser Kriminalroman, der weniger auf spektakuläre Plot Twists als auf Wirkung setzt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2026

Augenmerk liegt hauptsächlich auf erotisch aufgeladenen Abgründen

Observed
0

Noch bevor die Story beginnt, bin ich schon irritiert. Es wird eine Triggerwarnung ausgesprochen, die jedoch keinerlei konkrete Inhalte nennt. Zwar verstehe ich, dass eine detaillierte Liste zu Beginn ...

Noch bevor die Story beginnt, bin ich schon irritiert. Es wird eine Triggerwarnung ausgesprochen, die jedoch keinerlei konkrete Inhalte nennt. Zwar verstehe ich, dass eine detaillierte Liste zu Beginn spoilert, doch das vollständige Fehlen einer abrufbaren Triggerliste im Hörbuch, wie sie laut Leseprobe am Ende des Buches existieren soll, empfinde ich als problematisch. Gerade für Hörende, die auf solche Hinweise angewiesen sind, wäre eine alternative Lösung wünschenswert.

Die Geschichte beginnt sofort sehr düster und bedrohlich. Ich lerne den Mörder kennen, der eine junge Frau dabei beobachtet, wie sie sein jüngstes Opfer in der sich immer weiter ausbreitenden Blutlache findet. Die Schilderung ist intensiv, verstörend und mit einer beklemmenden Mischung aus Macht, Gewalt und Begierde.

Der nun folgende Perspektivwechsel bringt mir zunächst eine kleine Atempause. Ich lerne Maddy kennen, die Nachbarin des Mordopfers, die unabsichtlich über die Leiche stolpert. Ihre Reaktion darauf ist geprägt von morbider Neugierde, Angst und Ekel. Doch als der Mörder hinter ihr auftaucht, bekommt die Szenerie noch mehr Bedrohlichkeit und es mischt sich eine sexuelle Komponente darunter, die mich befremdet.
Die Worte und Handlungen des Mörders sind eiskalt, kalkuliert und unausweichlich. Doch aus Maddys Perspektive wirkt er verboten charismatisch und der Kontrast zwischen Verbrechen und Verführung bereitet mir Unbehagen. Besonders als ein Messer mit ins Spiel kommt, steige ich emotional aus der Geschichte aus. Maddys Reaktion ist für mich an diesem Punkt nicht nachvollziehbar.

Observed: Jedes Stück ist unser wird von den Ich-Perspektiven des Mörders, des Cops und Maddys erzählt.
Der Mörder ist für mich eine sehr verstörende Figur. Sein Umgang mit Maddy ist geprägt von psychischer Manipulation, sadistischen Fantasien und Stalking. Besonders seine Vorliebe für die Verwendung seines Messers empfinde ich als abschreckend.
Kevo Adler verstärkt in seiner Darstellung diesen Eindruck, in dem er den Mörder als sehr gestört inszeniert. Gleichzeitig erweckt die Sprecherin Franziska Buchwald in Maddy Perspektive für mich ein ganz anderes Bild, sodass ich ambivalente Gefühle für den Mörder hege.
Der Cop ist in dieser Dreieckskonstellation die interessanteste Figur. Er hat im Verhältnis zu den anderen beiden Hauptcharakteren weniger Raum, bleibt dadurch jedoch rätselhaft und faszinierend. Er vermittelt Dominanz und Undurchschaubarkeit, gleichzeitig wirkt er auf mich verlässlich und gibt Maddy emotionale Sicherheit.
Maddy hingegen ist die komplexeste Figur. Gefangen zwischen Angst und Neugier begibt sie sich in einen emotionalen Ausnahmezustand. Ihre Entwicklung ist jedoch nicht immer für mich nachvollziehbar, besonders in den Szenen, in denen Gewalt und Lust miteinander verschwimmen.
Maddy ist kein Mäuschen und das beeindruckt mich wiederum. Sie ist aus einer schwer toxischen Beziehung geflohen und bringt den Mut auf, sich auf einen unbekannten sowie zutiefst gefährlichen Mann einzulassen.
Die Perspektivwechsel verleihen der Geschichte überraschende Wendungen und einen tiefen Einblick in die Wahrnehmungen der Charaktere während des gleichen Geschehens. Manche Perspektiv- und Szenenwechsel sind für mich jedoch nicht nachvollziehbar, was mein Hörfluss stört.

Die Grenzüberschreitungen in Observed: Jedes Stück ist unser sind genretypisch für Dark Romance und werden im Verlauf besonders stark durch Maddys Gedankengänge reflektiert. Durch die Einführung eines weiteren Antagonisten wird deutlich, wann Handlungen gegen Maddys Willen geschehen und wo sich die Grenzen zwischen erotisch-dominanten Szenen und tatsächlicher Gewalt verschieben. Hier werden auch toxische Beziehungsmuster eingeflochten, um den Unterschied hervorzuheben.

Kristin Glimmer bedient sich einer sehr starken Bildsprache und setzt Metaphern wirkungsvoll ein. Leider verfällt sie stellenweise in klischeehafte Formulierungen und wiederholt bestimmte Ausdrücke auffällig häufig. Dies wirkt auf mich ermüdend. Extrem fällt mir das in einer Szene auf, in der Maddy gefühlt ununterbrochen errötet, bis ich mich ernsthaft frage, ob sie medizinische Hilfe benötigt.
Die erotischen Zusammentreffen sind ausführlich und nehmen mehrere Kapitel ein. Zwar sind sie stellenweise anregend beschrieben, doch die Länge dieser Passagen geht zulasten der eigentlichen Handlung. Das ist besonders schade, da der Plot grundsätzlich Potenzial bietet.

Voyeurismus, verbotene Begierde, Macht und Besitz sind in Observed: Jedes Stück ist unser zentrale Themen, die sich durch die gesamte Geschichte ziehen. Das Spiel zwischen Kontrolle und Verführung wird immer wieder durch lebensbedrohliche Situationen aufgeladen, was die Spannung erhöht. Dennoch verliere ich zwischendurch das Interesse, da die Handlung zu oft hinter den erotischen Elementen verschwindet.

Das Hörbuch Observed: Jedes Stück ist unser wird von Franziska Buchwald und Kevo Adler gesprochen. Franziska Buchwald kann mich mit ihrer Darstellung von Maddy überzeugen und kann mir die emotionalen Nuancen der Figur glaubhaft vermittelt.
Im Gegensatz dazu empfinde ich Kevo Adlers Interpretation der männlichen Hauptfiguren schwierig. Besonders in erotischen Szenen wirkt seine Darstellung des Mörders auf mich eher abstoßend als sinnlich. Die Diskrepanz zwischen den beiden Sprecherenden fällt mir immer dann auf, wenn die Tonalität der Dialoge nicht harmoniert. Zum Beispiel wenn Fransziska Buchwald eine Szene sinnlich-emotional auflädt, während Kevo Adler sie mit einer völlig anderen Energie spricht.
Seine Darstellung des Cops hingegen empfinde ich als gelungen und verleiht ihm dadurch eine angenehme Tiefe.
Kevo Adler bemüht sich, die Charaktere differenziert darzustellen. Die düstere, gestörte Seite des Mörders hebt er deutlich hervor, was mich lange darüber nachdenken lässt, ob ich hier zwei Seiten einer Medaille betrachte oder ob mehr dahintersteckt.

Insgesamt muss ich sagen, dass Observed: Jedes Stück ist unser für meinen Geschmack zu sehr von den ausführlichen erotisch-dominierenden-gewalttätigen Szenen lebt. Mir fehlt ein klarer, sinnvoller Handlungsstrang, der auch ohne die erotische Komponente trägt. Dadurch bleibt die Geschichte oberflächlich und kann für meinen Geschmack keine echte Tiefe entwickeln.
Erst zum Schluss zieht die Spannung deutlich an. Obwohl ich glaube, das Ende vorhersagen zu können, gelingt es Kristin Glimmer, Zweifel in mir zu säen.
Das Finale bestätigt jedoch meine Erwartungen und hinterlässt bei mir lediglich ein müdes Lächeln. Leider keine Dark Romance, die mir lange im Gedächtnis bleiben wird.

Fazit:
Ich sag es immer wieder gern: Dark Romance ist nicht gleich Dark Romance. Wer 2/3 düstere und extreme (Messer-)Erotik und nur 1/3 Handlung mag, wird hier fündig und glücklich. Für mich es eindeutig zu viel Spice und zu wenig Substanz. Schade.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere