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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2021

Der Titel ist Programm

Gamemaker - Spiel des Verlangens
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Ich mochte das schlichte Cover von Anfang an. Es verriet nichts über die Story und war insgesamt ziemlich unaufdringlich. Dennoch hatte es meine Neugier geweckt, der Klappentext tat sein Übriges dazu. ...

Ich mochte das schlichte Cover von Anfang an. Es verriet nichts über die Story und war insgesamt ziemlich unaufdringlich. Dennoch hatte es meine Neugier geweckt, der Klappentext tat sein Übriges dazu. Ich mag es, wenn nichts vorweggenommen wird und dies war hier zum Glück auch nicht der Fall. So fiel es mir auch sehr leicht, in die Geschichte einzutauchen.

Da dieses Buch der Beginn der „Gamemaker“ Reihe ist, gab es auch noch keine Befürchtung meinerseits irgendwas verpasst zu haben. Die Geschichte startete nach dem kurzen Prolog recht lustig mitten in einer Bar, wo eine Gruppe aufgeregter Mädels Natalies Männer Analysen lauschten. Auch ich fand ihre Einschätzungen der Typen ganz witzig und sie war mir damit auch sofort sympathisch. Es war spürbar, dass Natalie eine sehr bodenständige junge Frau ist, die sehr konsequent ihren Zielen im Leben folgt.
Einer dieser Pläne ist, ihre leiblichen Eltern zu finden. Was sie allerdings in Schwierigkeiten bringt, denn wie sich schon bald herausstellt, ist sie die Tochter eines Mafiabosses aus Russland.

Mit ihrem herrlichen und teilweise sehr trocknen Humor erzählte mir Natalie alle kommenden Ereignisse selber. Durch die Ich-Perspektive war ich zwar nur auf die Sichtweise von Natalie beschränkt, aber da sie eine gesunde Menschenkenntnis verfügte, war ich bei fast allen ihren Einschätzungen über andere Personen mit ihr einer Meinung.
Natalies starke Charaktereigenschaften sorgten dafür, dass sie bodenständig bleib, trotz überbordenden Luxus, der sie in Russland erwartete. Auch ihre Leidenschaft für den undurchschaubaren Sewastian nahm ich ihr ab. Spannend war hier der Umstand ihrer Jungfräulichkeit. Es war nicht so, dass Natalie über keinerlei Erfahrungen verfügte, ihre Vorliebe für schmutzige Filmchen und ihre beträchtliche Sammlung an Lustspielzeugen zeigten, dass sie keinesfalls unbedarft und naiv war. Weshalb sie sich für den ersten Mann aufsparen wollte, wurde im Verlauf der Geschichte klar und ich mochte ihre Einstellung dazu.
Generell hielt sie meistens so lange an ihren Prinzipien fest, wie sie nicht von jemanden mit glaubhaften Argumenten vom Gegenteil überzeugt werden konnte. Das mochte ich ganz besonders, denn dadurch war Natalie auch ein wahrer Dickkopf und in vielen Punkten sehr widerspenstig. Was natürlich das Feuer zwischen ihr und dem Mafiavollstrecker Sewastian schürte.
Manchmal jedoch konnte ich ihre Reaktion nicht so ganz nachvollziehen. Für meinen Geschmack gab sie an bestimmten Punkten zu schnell nach, was ich unglaubwürdig empfand. Es passte einfach nicht zu ihrem Charakter.

Alexej Sewastian gehört zu der Sorte schweigsamer Mann, der nichts, aber auch gar nichts von sich preisgibt. Dies machte ihn zu einem sehr undurchschaubaren Charakter, der sehr dunkel und eiskalt wirkte. In sehr emotionalen Momenten zeigte er aber auch schon mal ganz gerne seine sinnliche und heiße Seite. Obwohl ich zu Sewastian keinen besonderen Zugang finden konnte, berührten mich jene Momente, in denen er offensichtlich gefühlsmäßig verletzt wurde.
Seine Gefährlichkeit brachte Würze in die Geschichte und machte alles unvorhersehbar. So durchzog die Geschichte eine ungeheure Spannung, derer ich mich nicht entziehen konnte. Sewastian war aber auch ziemlich durchtrieben und versuchte seine Ziele auch gern mal hinterhältig zu erreichen. Seine wahren Absichten blieben so ziemlich lange verborgen, was für noch mehr packende Unterhaltung sorgte.

Der Plot gefiel mir durchgängig. Besonders liebte ich hier das Spiel mit den Klischees und der Realität. Natalie hatte reichlich stereotype Vorstellungen von der Mafiawelt und wurde eines Besseren belehrt. Das komplexe und harte Milieu wurde zwar auch nur grob angerissen, aber dennoch flossen interessante und auch beängstigende Details mit ein. Manche Szenen waren voller brutaler Gewalt, sodass mir der Atem stockte.
Ein bisschen Kulturluft durfte ich zudem schnuppern und Kresley Cole verwöhnte mich an den passenden Stellen mit tollen Landschaftsbeschreibungen.

Es gab keinerlei Nebenschauplätze und das Buch kam mit recht wenigen Figuren aus. Das empfand ich als sehr angenehm, da der Fokus hauptsächlich auf Sewastian und Natalie lag. Die Beziehung der beiden bewegte sich sehr lange nur im Bereich der Oberflächlichkeiten außerhalb des Bettes, was aber besonders mit dem schwierigen Charakter des Protagonisten zu einem stimmigen Gesamtbild passte.
Der erotische Anteil in diesem Buch war extrem hoch, aber für meinen Geschmack wirklich gut umgesetzt. Die Rahmenhandlungen brachten öfter mal dramatische Handlungswechsel, sodass mir mit dieser Geschichte nie langweilig wurde.

Fazit:
„Gamemaker – Spiel des Verlangens“ ist genau das, was der Titel aussagt und noch einiges mehr. Tolle Unterhaltung gepaart mit pfeffrigen Wortduellen, gespickt mit grausigen Mafiadetails und jeder Menge verflucht heißer, dunkler erotischen Szenen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.09.2021

Berührend und auf den Punkt erzählt

My Broken Mariko
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Als mein Blick auf das Frontcover zum ersten Mal fiel, fühlte ich mich zu gleichen Teilen abgestoßen und doch auch angezogen. Shiino strahlt darauf einen Gefühlsmix aus purer Verzweiflung und harter Entschlossenheit ...

Als mein Blick auf das Frontcover zum ersten Mal fiel, fühlte ich mich zu gleichen Teilen abgestoßen und doch auch angezogen. Shiino strahlt darauf einen Gefühlsmix aus purer Verzweiflung und harter Entschlossenheit aus. Für Spekulationen lässt dieses Cover einfach keinen Raum, es wird deutlich, dass sie die Asche von jemandem im Arm hält und spätestens nach dem Lesen des Klappentextes weiß jeder, dass es sich nur um die sterblichen Überreste von Shiinos bester Freundin Mariko handeln kann. Das Cover ist so wahnsinnig aussagekräftig und einfach perfekt für diesen One Shot.
In gerade einmal vier Kapiteln erzählte Waka Hirako eine Geschichte, die keine glückliche ist. Shiino erfährt, dass ihre beste Freundin Mariko sich das Leben genommen hat und kann es in ihrer Fassungslosigkeit kaum glauben. Doch der Entschluss, den sie fasst, kommt fast genauso schnell wie die Erkenntnis, dass sie Mariko im Leben keine große Hilfe war. Und so begleitete ich Shiino dabei, wie sie die Asche ihrer verstorbenen Freundin holt, um doch noch gegebene Versprechen einzulösen.

„My Broken Mariko“ behandelt nicht einfach nur das Thema Selbstmord, nein, es ist so viel mehr als das. Hier geht es um Menschen, die alles andere als perfekt sind. Die ihre Fehler haben und in Situationen geraten, die nicht einfach zu durchbrechen sind. Um Menschen, die voller Angst und Sehnsucht nach einer familiären Geborgenheit, aber auch angefüllt mit aggressiver Wut und Feindseligkeit sind. Menschen, die Hilfe suchen und Menschen, die versuchen, sie zu geben, dabei stoßen alle an ihre Grenzen und suchen neue Auswege. Einer davon ist der Selbstmord von Mariko, der Schuldgefühle in Shiino aufflammen lässt, aber auch den Wunsch, es jetzt besser zu machen.

Der Manga war nicht immer leicht zu lesen. Die Handlung war genauso emotional wie die Charaktere darin. Oftmals sprang die Handlung zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Shiino erinnert sich oft an Momente mit Mariko, gute wie schlechte. Hauptsächlich aber schlechte, in denen ich Einsicht in Marikos geschundenes Leben erhielt. Einblicke, die zeigten, in welcher fatalen Abhängigkeit Mariko landete, wie häusliche Gewalt sie in die Knie zwang und jeder Kampf einfach nur kräftezehrend war.
Der Zeichenstil war abstoßend schön. Klingt paradox, aber anders kann ich ihn einfach nicht beschreiben. Die Art, wie die Mangaka Shiinos Emotionen und Handlungen darstellte, war so ergreifend und absolut fühlbar. Sie scheute sich nicht, eine Shiino zu zeichnen, der der Rotz aus der Nase und die Tränen aus den Augen flossen wie ein Sturzbach. Die Verzweiflung über den Selbstmord, die Tragödien im Leben ihrer besten Freundin Mariko waren so greifbar, dass Shiinos Schmerz darüber mich berührte. Schonungslos zeichnete Waka Hirako den Absturz von Mariko mit all ihren schrecklichen Facetten. Egal ob blaues Auge oder Selbstverletzung durch Ritzen, Marikos Leid wurde ungeschönt dargestellt. Mittendrin eine leidende Freundin, die einfach nicht mehr wusste, wie sie helfen soll und doch nie aufgeben wollte. Selbst über den Tod hinaus nicht.
Oft musste ich die Illustrationen einige Zeit auf mich wirken lassen, es gab so viel aufzunehmen und zu entdecken. „My Broken Mariko“ hat es zeichnerisch und erzählerisch in sich.

Doch wo auch Schatten ist, da ist auch Licht. Und zum Ende hin, da durchstieß ein dünner Hoffnungsschimmer diese so aufwühlend tragische Geschichte. Der Abschluss von „My Broken Mariko“ war überraschend offen. Hier kann jeder selber hineininterpretieren, wie es ausgeht. Anfänglich mochte ich diese Auflösung der Geschichte nicht, doch nach längerer Überlegung fand ich sie ziemlich klug durchdacht. Denn der Weg, den wir beschreiten, ist nicht vorgegeben. Wir haben die Macht, ihn zu ändern. Dazu müssen wir nicht alleine sein, sondern dürfen und können Hilfe annehmen.
Abgerundet wurde dieser emotionale Manga durch das Nachwort von Egmont Manga und von Freunde fürs Leben. Das fand ich persönlich sehr wichtig, denn es kann nicht oft genug betont werden, dass suizidale Menschen von ihrem Vorhaben abgebracht werden können. Noch immer ist Suizid ein Tabuthema, was es nicht sein sollte. Besonders im Nachwort von Freunde fürs Leben gab es nützliche Tipps, worauf jeder einzelne achten kann und wo Hilfe zu finden ist.

Fazit:
„My Broken Mariko“ ist voller Tragik, Trauer, Verzweiflung, Wut und Angst. Aber gleichzeitig wird auch eine Geschichte von dem Mut, etwas zu verändern und einem zarten Hoffnungsschimmer erzählt. Berührend und auf den Punkt erzählt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.09.2021

Ist Rache gerecht?

Die Nacht – Wirst du morgen noch leben?
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Der Start in die Handlung ging gleich mit einer guten Portion Spannung vonstatten und ich war sofort mitten im Geschehen. Schon hier war spürbar, dass Jan Beck seinem sehr atmosphärischen Schreibstil treu ...

Der Start in die Handlung ging gleich mit einer guten Portion Spannung vonstatten und ich war sofort mitten im Geschehen. Schon hier war spürbar, dass Jan Beck seinem sehr atmosphärischen Schreibstil treu geblieben ist, der viele lebendige und teils auch verstörende Bilder in meinen Kopf zu zaubern wusste. Dabei täuschte er gern auch mal harmlose Szenenbilder an, die dann in einem packenden Plot Twist endeten.

Schon früh kristallisierten sich drei Haupthandlungsstränge heraus, die dennoch von reichlich Nebenschauplätzen begleitet wurden. Anders als im ersten Band hatte ich hier jedoch nicht das Gefühl, mit einer großen Anzahl an Personen konfrontiert zu werden, sondern konnte hier schneller erfassen, wer alles eine Rolle spielte, egal wie groß oder klein sie auch sein mochte.
Unterschiedliche Erzählperspektiven beleuchteten einen komplexen Handlungsaufbau, der mich völlig in seinen Bann schlug. Hinzu kamen kurze Kapitel, die ein rasantes Tempo in die Geschichte brachten und mich mit auf eine Odyssee mit Opfern, Ermittlern und zu Teilen auch von Tätern mitnahm.

Der psychologische Anteil war komplex und sehr ausgeklügelt. Die teilweise sehr perfiden und gleichzeitig grausamen Tötungsarten gingen mir unter die Haut und weckten Mitleid für die Opfer in mir. Die Beschreibungen davon waren mitunter so lebendig, dass ich es mir so gut vorstellen konnte, dass es zusätzliche Beklemmungen in mir hervorrief.

Die Charaktergestaltung war ausgesprochen vielfältig und sehr realitätsnah. Besonders mochte ich hier das Spiel mit Gut und Böse, denn je weiter ich las, desto mehr verschwamm die Grenze dazwischen. Am Ende fiel es mir ausgesprochen schwer an dem Mitleid für die Einen und den Unverstand für die anderen festzuhalten. Hier wurde geschickt mit einer Urfrage der Menschen jongliert: Welche, das müsst ihr selber nachlesen.

„Die Nacht“ empfand ich viel intensiver als ihren Vorgänger „Das Spiel“. Obwohl es sich hierbei um den zweiten Band der Reihe um Inga Björk und Christian Brand handelte, konnte dieses Buch durchaus unabhängig zum ersten Teil gelesen werden. Jedoch, und deshalb empfehle ich vorher Band 1 zu lesen, ist die Beziehung zwischen Brand und Björk nicht so leicht zu verstehen. Die Interaktion zwischen den beiden, ganz besonders zu Beginn, kann daher verwirrend für einsteigende Leser:innen sein. Im Kontext gelesen ergibt durchaus alles seinen Sinn und macht auch deutlich, wie die beiden insgesamt sich weiterentwickelten.

Noch etwas, das mir extrem positiv bei „Die Nacht“ aufgefallen ist, war das Cover. Im Gegensatz zu „Das Spiel“ war es hier absolut stimmig und passte perfekt zur Story. Außerdem empfand ich das Cover als sehr imposant und war besonders von der Haptik des Buches angetan. So kam der Wolfskopf noch intensiver zum Tragen und durch das Blau wirkte es sehr anziehend auf mich.

Die unerwarteten Wendungen machten diesen Thriller zu einem sehr packenden und schnell zu lesenden Buch. Es aus der Hand zu legen fiel mir sehr schwer. Das Finale war spannungsintensiv und ich mochte, dass Jan Beck auch ein kleines bisschen, aber durchaus sehr offen Klischees bediente. Das verlieh dem Ganzen Authentizität und ich fand das Ende durchaus glaubwürdig.

Bei all meiner Begeisterung für das Buch gibt es dennoch ein Aber. Wie bei „Das Spiel“ wurden nicht alle Fragen restlos geklärt. Dieses Mal war es zwar nicht ganz so viele, aber dennoch genug, um mich etwas maulig zurückzulassen. Klar, die ein oder andere Frage weckt die Neugier auf den nächsten Band mit den beiden Topermittlern, aber es gab auch Fragen, die einfach in diesem Buch hätten geklärt werden müssen. Das Ratespielchen, wieso, weshalb, warum, mag ich persönlich gar nicht, daher war für mich das Ganze nicht rund genug. Besonders für das Verständnis am Ende, warum zu Beginn Entscheidungen getroffen wurden, wie sie eben getroffen wurden, wäre es wichtig gewesen, etwas mehr ins Detail zu gehen.
Trotzdem, das Buch war echt superspannend und mit seinen unglaublichen Plot Twists ein absolut knalliger Thriller.

Fazit:
„Die Nacht“ bietet alles, was ein unterhaltsamer und packender Thriller bereithalten sollte. Jede Menge Spannung, überraschende Wendungen und ein psychologisch ausgeklügeltes Spiel mit dem Leser.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.09.2021

Wichtiges Thema verständlich und sachlich für Kinder ab 12 aufbereitet

Sie sind überall
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Das schlichte Cover mit der knalligen Farbe stach für mich sofort aus der Masse heraus und der Titel machte sofort deutlich, welches Thema in dem Buch behandelt wird. „Faschismus“ ein Wort, dass gern durch ...

Das schlichte Cover mit der knalligen Farbe stach für mich sofort aus der Masse heraus und der Titel machte sofort deutlich, welches Thema in dem Buch behandelt wird. „Faschismus“ ein Wort, dass gern durch Geschichtsbücher und manchmal auch durch Nachrichtensendungen geistert. Doch was genau ist „Faschismus“ eigentlich, warum ist das gefährlich und wieso tummelt sich es in den sozialen Medien?

Diesen und anderen Fragen geht Lisa Duhm sachlich auf den Grund. Klare Zielgruppe für „Sie sind überall: Gegen Faschismus in deinem Feed“ sind politisch interessierte junge Menschen. Dies war ab der ersten Seite spürbar. Statt mich sofort mit einem staubtrockenen Sachtext zu begrüßen, wurde mir die fiktive Influencerin Juli vorgestellt. Sie steht synonym für all jene „Content Creator“ die in der realen Social Media Blase rechte Meinungsbilder so geschickt an ihre Follower transportieren, dass es auf den ersten Blick nicht erkennbar ist.

„Sie sind überall: Gegen Faschismus in deinem Feed“ wurde klug aufgebaut. Das Themenfeld „Faschismus“ ist groß und vielfältig. Lisa Duhm bemühte sich, möglichst viele Aspekte aufzunehmen und sie sachlich, aber gleichzeitig auf nachvollziehbare Weise dem Leser näher zu bringen.
Sie spann dabei einen roten Faden durch ihr Sachbuch, in dem sie Juli mit realen Beispielen verknüpfte und so eine verständliche Basis und eine Art chronologisch aufgebauten Themenrahmen erschuf.
So ging Lisa Duhm darauf ein, welche Macht die sozialen Medien besitzen. Sowohl positiv als auch negativ und wie leicht es geschehen kann, dass Menschen in die rechte Szene abrutschen. Sie erklärte dies ohne Verurteilung, sondern anhand von konkreten Ereignissen, unserem musterliebenden Gehirn und eines echten Aussteigers.

Lisa Duhm beleuchtete wichtige Themen, die bei rechter Ideologie eine tragende Rolle spielen. Neben der Vorstellung von rechten Parteien, der Erläuterung von unterschiedlichen Begrifflichkeiten, sowie Symbolen rund um die rechte Szene und der Erklärung der Sitzordnung im Bundestag gab es auch ausgewählte Hasstaten, die schonungslos offenlegten, welche Konsequenzen Rechtsextremismus haben kann. Dabei bediente sie sich eines sehr verständlichen Schreibstils, der stets am Puls der aktuellen Zeit blieb und dadurch junge Menschen genau dort abholte, wo sie gerade im Leben stehen.

Sehr gut gefiel mir, dass Lisa Duhm nicht nur sachlich aufklärte, sondern auch Möglichkeiten aufzeigte, wie wir in unserem Umfeld dafür sorgen können, dass die rechten Ideologien keinen weiteren Nährboden finden.
Abgerundet wurde „Sie sind überall: Gegen Faschismus in deinem Feed“ am Ende von einem Selbsttest, indem ich noch einmal selber prüfen konnte, ob ich in diesem Thema noch ein Anfänger, ein Kenner oder gar schon ein Profi bin. Neben Multiple Choice Fragen gab es auch ein paar Fallbeispiele, bei denen entschieden werden konnte, wie wir selber reagieren würden. Im Anschluss gab es den Lösungsteil, der ebenfalls ausführlicher erklärt wurde. An einer Stelle fand ich die Begründung nicht schlüssig. Möglicherweise müsste hier noch genauer definiert werden, denn meiner Meinung nach ist es nicht korrekt, dass es gänzlich verboten ist, ein Bild von Adolf Hitler in einer Zeitung abzudrucken. Sonst würden wohl Geschichtszeitungen sich kaum mit diesem Thema beschäftigen können und dort sind solche Bilder durchaus zu finden.

Sehr gut gefiel mir der Anhang. Neben einigen Auszügen aus dem Grundgesetz fanden sich auch weitere Buchtipps zu diesem Thema. Wer sich also noch tiefer damit befassen möchte, findet hier gute Vorschläge. Des Weiteren gab es noch QR-Codes, die zu weiteren Onlinetests führten und indem wir selber überprüfen können, wie unsere Einstellungen zu Stereotypen wie beispielsweise andere Länder, Hautfarbe und Gewicht sind.

Insgesamt war das Buch sehr informativ und ein großes Lob an die Autorin, der es gelang, ein so wichtiges Thema so verständlich und interessant aufzubereiten, dass es alles andere als ein langweiliges Sachbuch gewesen ist. Besonders für junge Menschen dürfte „Sie sind überall: Gegen Faschismus in deinem Feed“ einen großen Mehrwert haben, da es anhand realistischer Beispiele den aktuellen Zeitgeist trifft.

Fazit:
„Sie sind überall: Gegen Faschismus in deinem Feed“ setzt dort an, wo junge Menschen sind. Mit nachvollziehbaren Beispielen klärt Lisa Duhm über die rechte Szene auf, beleuchtet ihre Ideologien, zeigt, welche Konsequenzen dies hat und vermittelt Strategien, wie wir rechte Gedanken besser durchschauen und uns klar gegen sie positionieren können. Absolute Leseempfehlung für alle interessierten Menschen ab 12 Jahren.

  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 09.09.2021

Ein ruhiger Start in die Reihe

TONIKAWA - Fly me to the Moon 1
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Obwohl das Buch haptisch keinerlei Besonderheiten aufzuweisen hat, erwartete mich im Inneren der beiden Buchdeckel jeweils eine kleine farbige Bildstrecke. Die Minithemen waren niedlich und vermittelten ...

Obwohl das Buch haptisch keinerlei Besonderheiten aufzuweisen hat, erwartete mich im Inneren der beiden Buchdeckel jeweils eine kleine farbige Bildstrecke. Die Minithemen waren niedlich und vermittelten einen kleinen Eindruck von den beiden Hauptfiguren.
Das Cover selbst gefiel mir, auch wenn es eher symbolischen Charakter hatte. Warum, das erfahrt ihr im Manga beim Lesen. Der Klappentext passte zum Inhalt und nahm dem Ganzen auch nichts vorweg, sodass „TONIKAWA – Fly me to the Moon 1“ durchaus ein paar kleinere Überraschungseffekte im Petto hatte.

„TONIKAWA – Fly me to the Moon 1“ ist der Start in eine Serie, die in Japan bislang 17 Bände hat. Es gibt auch eine Animeserie dazu, diese habe ich aber noch nicht gesehen, daher weiß ich nicht, ob Manga und Anime insgesamt identisch oder wo eventuelle Unterschiede zu finden sind.
Schon beim Aufschlagen des Mangas war ich überrascht. Wie üblich war hier eine Art Inhaltsverzeichnis zu finden, jedoch anders als ich es bislang kannte. Da gab es zu jedem betitelten Kapitel einen kleinen Bildausschnitt zum jeweiligen Abschnittscover, Infos zur Erstveröffentlichung in Japan und eine Frage / Antwort. Das war ganz interessant.
Der Einstieg in den ersten Band von „TONIKAWA – Fly me to the Moon 1“ war spannend, denn ich erfuhr vom Protagonisten Nasa etwas über seine Vergangenheit von Geburt an. Dies sorgte dafür, dass ich ihm gleich näherkam und ihn auf Anhieb sympathisch fand.

„TONIKAWA – Fly me to the Moon 1“ spielt ein bisschen mit der japanischen Mythologie und ganz speziell mit einer bestimmten Legende. Auch wenn diese dem Leser unbekannt ist, erschließt sich deren Inhalt im Kern und es wird klar, worum es darin geht. Natürlich zog ich beim Lesen unwillkürlich Parallelen zum Geschehen rund um Nasa und dem mysteriösen Mädchen. Der Vergleich, dass es hier so ähnlich sein könnte wie in der Legende, drängte sich dank Nasa immer wieder bei mir auf.

Erzählt wurde dieser Manga eher ruhig, aber mit einem gewissen Augenzwinkern und gelegentlichem Humor. Besonders mochte ich, dass der auktoriale Erzähler auch gern mal Nasas Gemütszustand oder Handlungen selber kommentierte. Das waren die Momente, an denen ich oft schmunzeln musste und die dem Ganzen auch noch eine angenehme Leichtigkeit bescherte.

Der Fokus lag hauptsächlich auf Nasa, der noch vor seinem ersten Date mit der süßen Unbekannten das Versprechen zur Heirat gibt. Die Idee, so die Story aufzubauen, gefiel mir. Das ist mal was ganz anderes, da doch die meisten Mangas spätestens mit der Heirat der Figuren enden. Nun wurde das Pferd mal von hinten aufgezäumt und das machte „TONIKAWA – Fly me to the Moon 1“ zu einem unvorhergesehen Leseerlebnis.

So erfuhr ich als recht viel von Nasa, aber recht wenig von Tsukasa, der weiblichen Hauptfigur. Sie blieb ziemlich geheimnisvoll und mysteriös, dennoch war auch sie mir sympathisch.
Nasa hingegen fand ich total knuffig und ich mochte seinen Charakter total. Er hatte etwas sehr Weiches und doch ziemlich Entschlossenes an sich.
Bei beiden Charakteren gab es noch keine nennenswerte Entwicklung zu beobachten, aber das war hier völlig okay für mich. Denn die zwei müssen sich erst einmal gegenseitig kennenlernen und ich als Leser die Hauptfiguren auch.

Generell war dieser Manga recht arm an weiteren Figuren, sodass sich wirklich alles nur um Nasa und Tsukasa drehte. Das störte mich aber kein bisschen, denn auch so konnte mich der Manga gut unterhalten.

Der Zeichenstil war niedlich und an manche Stellen auch sehr detailliert. Hauptsächlich aber verzichtete Kenjiro Hata auf aufwendige Bildstrecken. Der Kern des ersten Bandes kam aber auch so sehr gut zur Geltung und fand eine sehr gute Abrundung im Zusammenspiel mit dem Text.
An sich hielt der Zeichenstil keine großen Überraschungen parat, die Illustrationen unterscheiden sich nicht markant von den anderer Mangaka. Für mich war das aber in Ordnung, weil die Story an sich schon so ungewöhnlich war, dass der niedliche Zeichenstil mich dennoch abholen konnte.

Fazit:
Ein ruhiger Start in die Reihe „TONIKAWA – Fly me to the Moon 1“ von Kenjiro Hata. Für Fans von Mangas, die einen Stück aus dem japanischen Alltag darstellen und eine leichte Liebeskomödie mit Fantasy Anstrich mögen.
Mir hat es gefallen und ich bin auf die weitere Entwicklung zwischen Nasa und Tsukasa gespannt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere