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Veröffentlicht am 01.07.2026

Eiskalte Jagd mit kleinen Schwächen

Nebelbeute
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Der Prolog ist verdammt stark, weil er mich ohne jede Vorwarnung mitten in eine Jagd auf Leben und Tod wirft. Keine Namen, keine Erklärungen, nur pure Unsicherheit, die sofort Neugier auslöst und ein extrem ...

Der Prolog ist verdammt stark, weil er mich ohne jede Vorwarnung mitten in eine Jagd auf Leben und Tod wirft. Keine Namen, keine Erklärungen, nur pure Unsicherheit, die sofort Neugier auslöst und ein extrem spannungsvolles Leseerlebnis von der ersten Seite an schafft. Da ich Krähentage und Aschesommer bereits kenne, ist mir das Ermittlerteam der „Gruppe 4“ mit jedem Band mehr ans Herz gewachsen. Theoretisch lässt sich Nebelbeute zwar ohne Vorkenntnisse lesen, da wichtige Hintergründe kurz erläutert werden, allerdings wurde besonders Milas Mission schon im ersten Teil angelegt und zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Für die volle Charaktertiefe empfehle ich daher dringend, die Reihe chronologisch zu lesen, zumal dieser Band atmosphärisch noch intimer und verzweifelter wirkt als seine Vorgänger.

Titel und Cover passen perfekt zum Inhalt. Die Atmosphäre in dem abgelegenen Bergdorf ist durchweg düster sowie bedrohlich und wird durch das eisige Winterwetter genial verstärkt. Die Natur ist detailreich beschrieben, wirkt im Zusammenspiel mit den Ereignissen aber wie ein tödlicher Treiber, der das ungute Gefühl beim Lesen maximiert. Das Motiv aus Nebel, Jagd und Beute zieht sich unterschwellig durch die Handlung und verstärkt die Kälte des Settings zusätzlich. Auch die Morde sind brutal und grausam inszeniert. Durch kurze Perspektivwechsel zu den Opfern wird das Grauen in der Zeit ihrer Qual spürbar verlängert. Benjamin Cors beschreibt diese Szenen sehr detailliert, blendet aber an den passenden Stellen sanft ab, sodass die eigene Fantasie den Rest übernimmt. Zartbesaitete Lesende könnten hier ihre Probleme haben, mir machen die Szenen jedoch nichts aus.

Das Erzähltempo ist enorm hoch. Benjamin Cors nutzt kurze, präzise Sätze und klug gesetzte Perspektivwechsel, die zahllose kleine Cliffhanger erzeugen. Ich mag das Buch kaum aus der Hand legen. Besonders faszinierend finde ich, dass der Autor mich emotional direkt ins Geschehen zieht. Manchmal wirken die Beschreibungen fast schon poetisch, nur um im nächsten Moment in das schonungslose Grauen eines Opfers oder einer brutalen Szene zu kippen. Die personale Erzählperspektive von Mila, Jakob, den Gejagten, dem Antagonisten und einigen weiteren Figuren aus dem Dorf und dem Ermittlerteam schafft eine tiefe Nähe zu den Charakteren und psychologische Spannung. Da ich oft mehr weiß als die Ermittler, wird die Jagd unglaublich packend. Auch die Weiterentwicklung der „Gruppe 4“ zu beobachten, macht mir Freude. Gleichzeitig agieren Mila und Jakob in diesem Band häufiger allein, weil beide stark von ihren Emotionen und ihren jeweiligen Zielen getrieben sind. Besonders Milas innerer Konflikt berührt mich, weil sie unbedingt ihre persönliche Fehde beenden will und dabei merkt, wie verletzlich sie wird, sobald sie ohne Rückendeckung handelt.

Der Showdown am Schluss ist filmreif und durch die flotten Perspektivwechsel extrem packend. Benjamin Cors legt viele falsche Fährten. Ich bin mir zwar früh sicher, wer der Täter ist, und liege damit auch richtig, allerdings ist die Story komplexer, sodass diese Enthüllung nur einen Teil der Wahrheit bereithält. Den Rest sehe ich erst kommen, als der Autor es will. Die unterschwellige Bedrohung, die sich durch die Handlung zieht, sorgt dabei für eine konstant angespannte Atmosphäre, weil nie klar ist, aus welcher Richtung die Gefahr als Nächstes kommt.

Trotzdem gibt es Punkte, die mich konsequent ärgern. Eine bestimmte Figur dient leider nur als reiner Katalysator, um die Handlung in die richtige Richtung zu lenken. Sie wird immer wieder kurz aus den Untiefen der Geschichte hervorgeholt, ohne dass je erklärt wird, woher sie kommt, wohin sie verschwindet oder was mit ihr passiert. Zwei oder drei Sätze mehr würden ihr einen echten Platz im Ensemble geben. Zudem ist die Auflösung einer Frage, die sich seit dem ersten Band durchzieht, für mich völlig unlogisch und reißt mich kurz aus der ansonsten stimmigen Handlung. Und weil Benjamin Cors sonst so viel Wert auf sorgfältig gesetzte Nebenstränge legt, fallen diese erzählerisch verschenkten Momente besonders auf.

Fazit:
Nebelbeute ist für mich trotz des hohen Tempos und der vielen fiesen Wendungen der schwächste Band der Reihe. Ein paar erzählerisch verschenkte Momente fallen hier deutlicher auf als zuvor. Trotzdem liefert Benjamin Cors einen Thriller ab, der mich über weite Strecken fesselt und stark unterhält.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.07.2026

Historischer Nervenkitzel auf höchstem Niveau

Wahn
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Wahn ist nach Frevel der zweite Band, in dem das ungleiche Ermittlerduo Manon und Johann versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Da die Fälle jeweils in sich abgeschlossen sind, lässt sich Wahn problemlos ...

Wahn ist nach Frevel der zweite Band, in dem das ungleiche Ermittlerduo Manon und Johann versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Da die Fälle jeweils in sich abgeschlossen sind, lässt sich Wahn problemlos ohne Vorkenntnisse lesen. Um jedoch die Charakterentwicklung intensiver zu erleben, empfehle ich, zuvor auch den ersten, sehr spannenden Band zu lesen.

Wahn wird von einem fiktiven Fachtext aus der „Psychologia Criminalis“ von Doktor Theophil Pontus eröffnet. Dieser ist nicht nur der Verfasser dieser Zeilen, sondern auch Manons Vater. Interessant finde ich, wie psychologische Erkrankungen zunehmend medizinisch betrachtet werden und nicht mehr allein in religiöser Hand verbleiben sollten. Gleichzeitig wird deutlich, welches Kernthema in diesem Thriller behandelt werden wird.

So nüchtern der Einstieg ist, so emotional wird es direkt im Anschluss. Gemeinsam mit dem jungen Johann und dessen Vater erlebe ich eine Bücherverbrennung in Frankfurt im Jahr 1785. Die Szene nimmt mich gefangen und Nora Kain schildert das Vorgehen dieser inszenierten Vernichtung so eindrucksvoll, dass ich absolut nachfühlen kann, wie sich die beiden Bücherfreunde bei diesem Anblick fühlen.
Mit dem Zeitsprung ins Jahr 1801 verschiebt sich die Atmosphäre ein weiteres Mal, obwohl die Handlungen in derselben Stadt bleiben. Sie ist nun erfüllt von lebendigem Treiben, politischer Zerrissenheit und einem tiefen Misstrauen gegenüber Büchern. Daher ist es faszinierend, einen Buchzensor kurzzeitig zu begleiten und den Gedanken über seinen Beruf sowie den Zweck der Bücherkommission zu lauschen, ehe ich auf die beiden Protagonisten treffe.

Der anschauliche Schreibstil von Nora Kain lässt Frankfurt vor meinem inneren Auge lebendig werden. Die personale Erzählperspektive ermöglicht einen packenden Wechsel zwischen den Figuren, sodass sich mit jedem Blickwinkel auch die Denk- und Sprechweise der jeweiligen Charaktere bis hin zu den kleinsten Nebenfiguren anpasst.
Während Johann oft emotional und mit großer Empathie handelt, wird Manon von wissenschaftlicher Präzision und analytischem Denken geleitet. Obwohl Manon deutlich weniger emotional als Johann ist, berührt mich ihre tiefe Sehnsucht, von ihrem Vater als Mensch wahrgenommen zu werden. Zwar ist sie ihm zutiefst dankbar, dass er ihr erlaubt, bei Obduktionen zu assistieren und Ermittlungen durchzuführen, doch erfährt sie von ihm kaum Wertschätzung. Dieser familiäre Konflikt fügt der Geschichte eine zusätzliche Spannungsebene hinzu.
Es ist mir zudem ein großes Vergnügen, interessanten Nebenfiguren aus dem ersten Band wieder zu begegnen. Gleichzeitig werden neue Charaktere eingeführt, die die Vielschichtigkeit des Thrillers verstärken.

Der historische Thriller ist komplex und mit mehreren Handlungsfäden angelegt. Die Struktur der einzelnen Stränge ist dabei sehr klar und das ermöglicht mir, über die ganze Lesezeit den Überblick zu behalten.
Die wissenschaftlichen Einschübe aus „Psychologia Criminalis“ gewähren einen faszinierenden Einblick in das historische Verständnis des „Wahnsinns“. Sie zeigen eindrücklich, wie der Wandel grundlegender Denkweisen in der Medizin langsam Einzug hält. Zu diesem medizinischen Umschwung passt auch die Paranoia der Obrigkeit vor Büchern, die den Geist der Menschen anregen und damit die bestehende Herrschaft gefährden könnten. Die Zensur der Werke vor ihrer Veröffentlichung wird deshalb als immens wichtig angesehen. Umso mehr schockiert es, dass ein scheinbar verbotenes Buch für eine Reihe ungeklärter Mordfälle sorgt.
Auch die politische Lage Frankfurts zu jener Zeit und die religiösen Spannungen zwischen Juden und Christen werden in dieser Geschichte aufgegriffen.
Alle diese kleinen Nebenstränge und Informationen verleihen dem Haupthandlungsstrang Tiefe und Authentizität.

Der Spannungsaufbau ist großartig. Nora Kain versteht es meisterhaft, Hinweise so in die Geschichte einzustreuen, dass eine Atmosphäre der ständig unterschwelligen Bedrohung aufgebaut wird. Die Gewissheit, dass etwas passieren wird, drängt mich zum Weiterlesen, während ich gespannt die Ermittlungen von Johann und Manon verfolge. Bei ihren Recherchen geraten sie in Gewissenskonflikte und stoßen an die Grenzen ihrer eigenen Prinzipien. Besonders beeindruckt mich hier ihre Entwicklung. Manon wächst an sich und ihren Entscheidungen, die nicht immer so klug sind, wie sie es gern glaubt. Diese Erkenntnis sorgt dafür, dass sie erwachsener wird und sich selbst hinterfragt. Zweifellos eine sehr schöne Entwicklung, die auch Johann zum Ende hin durchmacht. Endlich steht er für sich selbst ein und das ist herrlich mit anzusehen.
Das Mitfiebern bei der Ermittlung verleitet zum Mitraten und Spekulieren. Leider liege ich mit meinen Mutmaßungen oft daneben, sodass mich die Wendungen immer überraschend treffen.

Im Verlauf von Wahn wird noch eine weitere Perspektive eingeführt, die mit der Überschrift „Irgendwann“ markiert ist. Der Junge, der hier in der ich‑Form von seinem Schicksal erzählt, hat mich sofort berührt und gleichzeitig auf eine völlig falsche Fährte gesetzt. Erst sehr viel später wird klar, welche Bedeutung dieser Erzählfaden wirklich hat. Besonders hier, aber auch in vielen anderen Details wird deutlich, dass Nora Kain in Wahn nichts dem Zufall überlässt. Alle gestellten Fragen werden bis zum Schluss logisch und nachvollziehbar beantwortet.
Die historische Genauigkeit in Verbindung mit der psychologischen Tiefe und den packenden Wendungen machen Wahn zu einem spannungsvollen Leseerlebnis.

Fazit:
Wahn ist ein unglaublich vielschichtiger und klug angelegter historischer Thriller, der mich durch seine starke Atmosphäre und seine markanten Charaktere auf ganzer Linie zu überzeugen weiß und am Ende den dringenden Wunsch nach einer Fortsetzung weckt.

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Veröffentlicht am 22.06.2026

Ein Psychothriller mit langsamen Spannungsaufbau und beklemmender Atmosphäre

Home Before Dark
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Home Before Dark macht es mir nicht leicht, in die Geschichte reinzukommen. Der Prolog weckt sofort viele Fragen in mir und seine Kürze überrascht mich.
Im ersten Kapitel lerne ich Marsibil kennen. Es ...

Home Before Dark macht es mir nicht leicht, in die Geschichte reinzukommen. Der Prolog weckt sofort viele Fragen in mir und seine Kürze überrascht mich.
Im ersten Kapitel lerne ich Marsibil kennen. Es ist Mitte November 1977, und die Ich-Erzählerin ist am Ende ihrer Kräfte. Schon von Anfang an wirkt sie überspannt und neben der Spur. Sie leidet unter Schlaflosigkeit und ist so erschöpft, dass ich kaum eine Verbindung zu ihr aufbauen kann.
Gleichzeitig bekomme ich viele Details und Personen auf einmal, sodass ich hin- und hergerissen bin zwischen „es passiert unglaublich viel“ und „gleichzeitig passiert nichts“. Der Anfang fühlt sich für mich schwer und erdrückend an, und ich mache mir Sorgen, dass ich mit Home Before Dark vielleicht nicht warm werde.

Mein Lichtblick ist der Handlungsstrang mit Kristín, genannt Stina, Marsibils älterer Schwester. Er beginnt im Herbst 1966 und erdet mich. Vielleicht finde ich ihn auch deshalb so interessant, weil ich bereits weiß, dass Stina 1967 spurlos verschwindet und nicht wieder auftaucht. Dieses Rätsel möchte ich unbedingt ergründen.

Home Before Dark legt seinen Fokus stark auf die Wahrnehmungen der Ich‑Erzählerinnen und verbindet ihre Innenwelt mit ihrer subjektiv gefärbten Realität. Das sorgt für einen dichten Erzählstil mit klar erkennbarem Stimmprofil. Marsibil ist dabei die unzuverlässigste Erzählerin. Sie ist fraglos die komplexeste, aber auch die psychologisch fragilste Figur. Ihre Schuldgefühle rund um Stinas Verschwinden, kombiniert mit Schlafentzug und aufkeimender Paranoia erzeugen eine unheilvolle Grundstimmung. Immer wieder habe ich das Gefühl, dass sich Gefahr anbahnt.

Stinas Handlungsstrang ist dagegen heller und lebensfroher. Das liegt auch an ihr selbst, denn sie wirkt charismatisch. Kein Wunder, dass Marsibil am liebsten so sein möchte wie ihre Schwester.

Die Spannung steigt langsam an. Viele kleine Geheimnisse ziehen sich durch Home Before Dark. Sie wecken meine Neugier und ziehen mich immer weiter hinein. Ganz unmerklich beginnt sich die Geschichte in mir festzusetzen, leise und beständig, bis ich merke, dass sie mich nicht mehr loslässt. Was ist damals wirklich passiert? Hat Marsibils mysteriöser Brieffreund Bergur etwas mit Stinas Verschwinden zu tun? Wer könnte der Täter sein? Und sind nicht irgendwie alle im Dorf ein wenig fragwürdig?
Ich versinke immer tiefer in diesen Strudel aus angedeuteten Halluzinationen, verschwiegenen Wahrheiten und einer Dorfgemeinschaft, die sich nach außen offen und freundlich gibt, bei der aber jeder verdächtig erscheint. Jede Seite führt mich weiter in die psychischen Abgründe und zeigt am Ende eine Tragik, die mich erschüttert.

Die beiden Handlungsstränge entwickeln sich parallel und wechseln sich oft kapitelweise ab. Anfangs wirken sie wie zwei unabhängige Geschichten, doch sobald sich die Fäden verweben, packt mich die Begeisterung. Mein anfängliches Gefühl verfliegt und ich bin gefangen in meinen Spekulationen. Die Spannung zieht an, Wendungen überschlagen sich und meine Theorien lösen sich auf. Das Ende macht mich sprachlos. Ich habe nicht erwartet, was sich hier entwickelt, und bin beeindruckt, wie all die kleinen Details zu einem so fesselnden Psychothriller zusammenkommen. Dabei bleibt Home Before Dark stets ruhig erzählt. Trotzdem ist die Eindringlichkeit stets spürbar und lässt die Spannung bis zum Schluss nicht absinken.

Fazit:
Home Before Dark kann mich trotz des schweren Einstiegs immer tiefer in seine psychologische Spannung ziehen. Die Geschichte entfaltet ihre Wirkung leise, aber nachhaltig und wird für mich zu einem intensiven Psychothriller, der sich absolut lohnt.

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Veröffentlicht am 22.06.2026

Charmante Tiergeschichte mit Humor und Herz

Helden der Weide - Möge das Horn mit dir sein
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Gemeinsam mit Shaggy betrete ich zum ersten Mal den Biohof und lerne die verschiedenen Charaktere kennen, die dort leben. Im vorderen Buchdeckel sind alle tierischen Bewohner einmal abgebildet, sodass ...

Gemeinsam mit Shaggy betrete ich zum ersten Mal den Biohof und lerne die verschiedenen Charaktere kennen, die dort leben. Im vorderen Buchdeckel sind alle tierischen Bewohner einmal abgebildet, sodass ich sie auch direkt in den Zeichnungen wiedererkenne.
Das Tempo bleibt dabei angenehm, sodass Kinder der Handlung gut folgen können. Parallel dazu wird auch Shaggys neues Zuhause vorgestellt, was mir eine gute Orientierung gibt. Im hinteren Buchdeckel findet sich ein Überblick über den „Rosmarinhof“, was eine schöne Hilfe ist, um die Bewegungen der Tiere nachvollziehen zu können.

Besonders gelungen finde ich, wie schnell Shaggy in die Gemeinschaft aufgenommen wird. Shaggy habe ich sofort ins Herz geschlossen. Er ist clever, offen und so herrlich knuffig in seiner Art, neue Freundschaften zu schließen, dass ich seine Sicht auf die Dinge von Anfang an gern begleite. Seine Gedanken bringen mich dabei immer wieder zum Schmunzeln.

Der Schreibstil ist einfach gehalten und durch die kurzen Sätze sehr zugänglich für die Zielgruppe. Lautmalereien wie „MUUH“ oder „MÄHH“ machen das Geschehen lebendig, und die vielen Dialoge sorgen dafür, dass die Geschichte leichtgängig ist und ich schnell in die Handlung hineingleite.

Die Erzählung bleibt durchgängig humorvoll und anschaulich. Der Humor richtet sich klar an Kinder und funktioniert sehr gut, weil er oft aus Shaggys direkter, leicht verschmitzter Sicht entsteht. Gleichzeitig gibt es eine kleine Abenteuerkomponente, denn die Kräuterdiebe bringen einen sanften Spannungsbogen hinein. Besonders eine spätere Szene, in der Shaggy mit viel Feingefühl und Mut handeln muss, zeigt, wie gut Spannung und Wärme hier zusammenfinden, ohne dass es je bedrohlich wird und wirkt.

Alle Charaktere wachsen mir rasch ans Herz. Obwohl sie eher einfach und klar gezeichnet sind, erfüllen sie gerade dadurch ihre Rollen in der Geschichte auf eindrucksvolle Weise und sind sofort lebendig und greifbar. Mein kleines Highlight ist übrigens Maus „Vierzig“.

Auch die visuelle Gestaltung gefällt mir richtig gut. Auf fast jeder Seite entdecke ich kleinere oder größere Illustrationen, die den Text nicht nur begleiten, sondern oft zusätzliche Informationen liefern. Der cartoonhafte Zeichenstil von Betina Gotzen-Beek passt perfekt zur warmen, humorvollen Grundstimmung. Besonders die Mimik und Gestik der Tiere ist sehr ausdrucksstark. Neben halb- und ganzseitigen Bildern gibt es auch Doppelseiten im Comicstil. Die Panels sind übersichtlich angeordnet, sodass ich der Reihenfolge intuitiv folgen kann. Insgesamt ergänzen sich Text und Illustrationen sehr stimmig und machen das Buch zu einem runden Leseerlebnis.

Eine kleine Anmerkung am Rande: Formulierungen wie „Du bist wirklich der dümmste Ziegenbock, den ich kenne, Donald“ könnten je nach Leserschaft unterschiedlich wahrgenommen werden. Für mich stört es den humorvollen Ton der Szene nicht, aber je nach Alter der Kinder kann es sinnvoll sein, solche Stellen kurz mit dem Kind einzuordnen.

Fazit:
Eine warmherzige, humorvolle Tiergeschichte mit viel Charme und einer guten Portion Abenteuer. Die liebevoll gestalteten Illustrationen und die lebendigen Dialoge machen das Buch zugänglich und unterhaltsam. Ein schönes Gesamtpaket, das vor allem durch seine Figuren und den starken Gemeinschaftsgedanken überzeugt und sich für Kinder ab etwa sieben Jahren eignet.

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Veröffentlicht am 22.06.2026

Die Schamanin von Bad Dürrenberg – Ein Blick in eine faszinierende Vergangenheit

Die Schamanin
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Die Schamanin ist ein Begleitband zu einer Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), die vom 27. März bis 1. November 2026 besichtigt werden kann. Wer so wie ich nicht mal eben ...

Die Schamanin ist ein Begleitband zu einer Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), die vom 27. März bis 1. November 2026 besichtigt werden kann. Wer so wie ich nicht mal eben dorthin reisen kann, bekommt mit diesem Buch einen intensiven Blick in die Zeit der Mittelsteinzeit, dem sogenannten Mesolithikum.

Das Inhaltsverzeichnis verrät direkt, wie umfangreich der spektakuläre Fund der Schamanin von Bad Dürrenberg in den Kontext der damaligen Zeit gesetzt wird. Es werden unter anderem das Leben, die Kunst, Gewalt und Konflikte sowie die Schamanin im speziellen genau beleuchtet. Gleichzeitig geht der Bildband der Frage nach, was Schamanismus in dieser Zeit bedeutet haben könnte.

Die Schamanin selbst zieht mich sofort in ihren Bann. Die Vorstellung, wie viel Wissen damals bereits existiert, wie Verletzungen versorgt und Krankheiten gelindert werden, beeindruckt mich. Auch welche Bedeutung die Spiritualität zu dieser Zeit hat, finde ich interessant. Natürlich bleibt vieles nur so weit deutbar, wie es die Funde zulassen, aber gerade diese Mischung aus Wissen und Rätselhaftigkeit macht das Ganze für mich sehr faszinierend.

Die drei Kinder im Grab der Schamanin lassen mich nicht los. Ich frage mich, warum ausgerechnet sie an ihrer Seite liegen, obwohl sie nicht eng verwandt sind. Die verschiedenen Theorien zur Reihenfolge der Bestattungen beschäftigen mich. Es bleibt ein großes Rätsel, aber eines, das mich eher neugierig macht als ratlos. Auch zeigt die Bestattung und die jahrhundertelange Pflege des Grabes, wie bedeutsam die Schamanin für die Menschen gewesen ist.

Das Grab selbst kann ich mir durch die Beschreibungen und mithilfe der detaillierten Bilder zu den Funden sehr gut vorstellen. Die Konstruktion mit den verwendeten Materialien, die Beigaben und die sorgfältige Anordnung zeigt deutlich, wie durchdacht und voller Bedeutung die letzte Ruhestätte gestaltet wurde. Die Rituale, die dahinterstehen, und die Art, wie sie heute rekonstruiert werden, finde ich unglaublich spannend. Besonders berührt mich die Idee des Animismus, der für den Glauben steht, dass alles in der Natur beseelt ist. Auch dieser Ansatz wird intensiv beleuchtet und in den Kontext zu den Funden eingebettet.

Die Kunst des Mesolithikums überrascht mich ebenfalls. Die Menschen arbeiten nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch. Der Schmuck mit seinen Mustern, die teils detailgetreuen Figuren und die verzierten Werkzeuge geben mir einen Eindruck, zu welchen handwerklichen Fähigkeiten sie im Stande waren. Auch hier wirkt alles durchdacht und voller Symbolik. An den Bildern dieser Fundstücke kann ich mich kaum sattsehen.

Alle Fotografien und Abbildungen sind durchweg eindrucksvoll und so erklärt, dass ich sie nicht nur anschaue, sondern wirklich verstehe, was ich sehe. Jede Aufnahme trägt etwas zum Gesamtbild bei und macht die Inhalte noch greifbarer.

Besonders unerwartet finde ich die Bedeutung der Schildkröten. Sie dienen nicht nur als Nahrung und als Werkzeug, sondern sie sind auch ein Ritualobjekt. Diese vielfältige Nutzung und die Gründe werden intensiv beleuchtet. Völlig fasziniert bin ich jedoch vom Amulett einer vollständigen Schildkröte aus dem Altai. Sie sieht so lebendig aus und ich frage mich, wer sie wohl mal bei sich getragen hat.

Das Leben im Mesolithikum erscheint mir durch dieses Buch viel komplexer, als ich es aus Schulbüchern kenne. Die Menschen reisen weite Strecken, sie sind handwerklich begabt, sie kennen Heilmethoden, sie organisieren sich in Gemeinschaften, die mehr sind als bloße Zweckverbände. Auch die Kapitel über Mobilität und Konflikte erweitern mein Bild. Ich finde es gut, dass hier mit dem Mythos aufgeräumt wird, die Steinzeit sei besonders gewalttätig gewesen. Gewalt existiert, aber nicht mehr als in anderen Zeiten. Es wird deutlich, dass Kontakte bewusst gepflegt werden und die Menschen sehr sozial gewesen sein müssen.

Der Schreibstil des Bildbandes ist abwechslungsreich, weil viele Autorinnen und Autoren beteiligt sind. Er bleibt verständlich, auch wenn gelegentlich Fachbegriffe auftauchen. Die Kapitel sind klar strukturiert, jeweils mit einem eigenen Fokus, und sie verbinden wissenschaftliche Präzision mit erzählerischen Momenten. Die Themen sind so aufbereitet, dass sie neugierig machen, ohne zu überfordern. Die Bilder, Karten und Rekonstruktionen unterstützen das Lesen und lassen mich immer wieder innehalten. Der Text ist inhaltlich anspruchsvoll, aber zugänglich und verständlich.

Ich lese dieses Werk nicht nebenbei, dazu ist es mit seinen vielen dichten Informationen zu umfangreich. Dank der kurzen Kapitel kann ich Die Schamanin in kleinen Etappen lesen und alles auf mich intensiv wirken lassen.
Für mich ist dieses Buch ein echtes Highlight. Es informiert mich, ohne dabei trocken zu sein. Zudem berührt mich das Leben und Sterben der Menschen im Mesolithikum. Und ich finde es großartig, dass hier erklärt wird, wie genau Archäologie arbeitet, ohne sich in Spekulationen zu verlieren.

Fazit:
Die Schamanin verbindet archäologische Erkenntnisse mit anschaulich erklärten Funden und viel Atmosphäre, sodass das Leben und Sterben in der Mittelsteinzeit lebendig und verständlich wird. Dieser Bildband ermöglicht einen faszinierenden Blick in die Vergangenheit, den ich euch nur wärmstens ans Herz legen kann.

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