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Veröffentlicht am 18.05.2026

Leise Spannung, starke Dynamiken – ein Thriller, der Zeit braucht

Bachelorette Party
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Der Prolog startet ruhig und nimmt mich mit in den Handlungsstrang von 2012. Dort lerne ich die Freundinnen Matilda, Anna, Evelina und Linnea kennen. Seit elf Jahren treffen sie sich jedes Jahr für ein ...

Der Prolog startet ruhig und nimmt mich mit in den Handlungsstrang von 2012. Dort lerne ich die Freundinnen Matilda, Anna, Evelina und Linnea kennen. Seit elf Jahren treffen sie sich jedes Jahr für ein Freundinnen-Wochenende auf Isle Blind, einer Schären-Insel vor Schweden. Camilla Sten baut alles langsam auf, sodass ich gar nicht mit dem dramatischen Kippen der beschaulichen Szene rechne.

Der darauffolgende zehnjährige Zeitsprung dämpft die aufgekeimte Spannung radikal. Ich beginne wieder bei Null, weil ich mich erneut auf neue Figuren und eine fast identische Ausgangslage fokussieren muss. Der Beginn wirkt auf den ersten Blick ähnlich, weil die Insel erneut der Schauplatz ist. Doch diesmal geht es um einen viertägigen Junggesellinnenabschied in einem luxuriösen Yoga-Retreat, während die vier Freundinnen im Prolog einfach nur die abgelegene Insel besuchen, um dort ein ruhiges Wochenende zu verbringen. Hinzu kommt, dass die kleine Feiergesellschaft die ersten Gäste vor Ort sein werden, denn das „Baltic Vinayasa“ hat noch nicht offiziell eröffnet. Und so ist auf der abgelegenen Isle Blind die Anzahl der Charaktere überschaubar. Die Runde besteht aus der zukünftigen Braut Annelise, ihrer Trauzeugin Mikaela, den Schwestern Lena und Tessa sowie den Frauen Caroline und Natalie. Abgerundet wird die kleine Gruppe von der Hotelbesitzerin Irene und dem Koch Adam.
Damit ist die perfekte Grundlage für ein spannendes wer‑war‑es‑Rätsel geschaffen.

Doch ich komme nur langsam in die Geschichte. In der Gegenwart ist die unzuverlässige Ich-Erzählerin Tessa der Dreh- und Angelpunkt. Sie ist Inhaberin des True-Crime-Podcast „The Witching Hour“ und steht gerade vor den Scherben ihrer Existenz. Wie es dazu gekommen ist, wird immer wieder nur grob angedeutet, was sicherlich die Spannung steigern soll, mich aber zunehmend nervt. Die hingeworfenen Informationsbröckchen helfen mir nicht dabei zu verstehen, weshalb Tessa so versessen darauf ist, das Geheimnis um den Cold Case die „Verschwundenen von Nacka“ zu lüften. Mir fehlt hier die emotionale Tiefe, die ihre Intention greifbar machen würde. Denn das ist der einzige Grund, weshalb sie sich überhaupt aufgerafft hat, um an dem Junggesellinnenabschied teilzunehmen.

Der Gegenwartsstrang wird immer wieder unterbrochen vom Handlungsstrang, der in 2012 spielt. Gelegentlich dienen Zeitungsartikel oder Polizeiberichte als zusätzliche Informationsquelle, doch hauptsächlich begleite ich mithilfe des personalen Erzählers Matilda einige Tage, bevor die vier Freundinnen aus unerklärlichen Gründen verschwinden werden. Anfangs ist mir nicht klar, weshalb ich diese Einblicke brauche, doch erst später entsteht ein Bild, das seine Bedeutung nach und nach entfaltet.
Der Cold Case bleibt dabei eher ein Hintergrundrauschen, das vor allem als Motiv für die Taten in der Gegenwart dient.
Die wechselnden Zeitebenen sind klug gesetzt und ich mag, wie die komplexen Dynamiken innerhalb der beiden Freundinnengruppen herausgearbeitet sind.
Die Spannung steigt lange Zeit nur gemächlich an, um sich auf den sich aufbauenden Showdown vorzubereiten. Dieser ist die logische Konsequenz der Ereignisse, auch wenn eine Entscheidung für mich nicht ganz schlüssig wirkt und einige Entwicklungen früh absehbar sind.

Die verschiedenen Charaktere sind interessant aufgebaut. Tessa wirkt immer leicht paranoid und getrieben von der Vergangenheit. Allerdings ist sie die Einzige, die bei so manchen Entwicklungen schneller misstrauisch wird.
Ihre Schwester Lena fungiert als perfektes Bindeglied zwischen Tessa und den anderen Frauen. Lena bleibt stets rational und versucht Ruhe in die Gemeinschaft zu bringen.
Die anderen Frauen, besonders auch die Braut Anneliese, bleiben eher schattenhafte Nebenfiguren. Sie wirken austauschbar und dienen vor allem dazu, die Geschichte komplexer zu machen und mehr mögliche Täter zu erzeugen.
Die einzige Ausnahme bildet noch Irene. Sie bleibt geheimnisvoll und schon früh ist klar, dass sie eine Art Schlüsselfigur darstellen muss. Denn eine der Verschwundenen aus 2012 ist ihre Schwester.

Das Inselsetting von Bachelorette Party finde ich interessant. Es grenzt den Handlungsspielraum der Charaktere sehr ein, was ich prinzipiell gut finde. Allerdings geht mir hier die Spannungssteigerung ein bisschen verloren. Für meinen Geschmack hätte die Autorin Camilla Sten mehr bedrohliche Stimmung und seltsame Details einbauen können, die erst harmlos wirken, aber beim genaueren Betrachten eine unheimliche Wirkung entfalten. Für mich plätschert die Spannung eher wie ein milder Wellengang dahin. Dennoch ist die Geschichte packend, ich möchte gern wissen, wie alles zusammenhängt.

Nach und nach verwebt sich alles zu einem stimmigen Gesamtbild. Einige Entwicklungen in der Gegenwart überraschen mich dabei weniger, während mich die Hintergründe in der Vergangenheit durchaus unerwartet treffen.
Im weiteren Verlauf der Handlung spitzen sich die Ereignisse immer weiter zu, was zur Steigerung der Spannung beiträgt. Auch die Kapitel werden kürzer und knackiger.
Die Auflösung erfolgt ausführlich und plausibel. Für mich ist Bachelorette Party ein Thriller, der eher auf psychologische Spannung und weniger auf Action setzt.

Fazit:
Bachelorette Party ist ein atmosphärisch dichter Thriller, der seine Stärke vor allem in der psychologischen Spannung und dem Zusammenspiel der Zeitebenen hat. Nicht alles überrascht mich, doch die Geschichte bleibt durchgängig interessant und trägt mich ruhig, aber beständig bis zur Auflösung. Perfekt für alle, die subtilen Nervenkitzel mögen.

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Veröffentlicht am 18.05.2026

Starker Auftakt, schwächerer Kern – ein Thriller mit Licht und Schatten

Das Event
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Der Einstieg in Das Event fällt mir unglaublich leicht. Der Prolog ist atmosphärisch dicht, ein wenig schaurig und weckt sofort meine Neugier. Auch der spätere Zeitsprung nimmt dieser Stimmung nichts, ...

Der Einstieg in Das Event fällt mir unglaublich leicht. Der Prolog ist atmosphärisch dicht, ein wenig schaurig und weckt sofort meine Neugier. Auch der spätere Zeitsprung nimmt dieser Stimmung nichts, denn die ersten Szenen mit Leandra und Maxi funktionieren für mich richtig gut.
Der Schreibstil ist locker, flüssig und bildhaft, sodass ich sofort in der Geschichte ankomme. Die kurzen Kapitel und die wechselnden Perspektiven bringen Tempo hinein und geben mir das Gefühl, nah an allem dran zu sein.

Was mir besonders gefällt, sind die vielen kleinen Zeitsprünge innerhalb der Kapitel. Sie sind klar markiert, etwa „zwei Stunden später“ oder „am nächsten Tag“, und sie sorgen dafür, dass unnötige Längen wegfallen. Gerade in Bezug auf die Ermittlungsarbeit wirkt das für mich erstaunlich realistisch. Die Handlung bleibt dadurch in Bewegung, ohne sich in Details zu verlieren.

Je weiter ich lese, desto stärker merke ich allerdings, wie sich die Geschichte von ihrem spannendsten Element entfernt. Das Event, das mich eigentlich am meisten gereizt hat, rückt immer weiter in den Hintergrund. Das verlassene Inselhotel hätte so viel Potenzial für eine beklemmende, unheimliche Atmosphäre gehabt, aber es bleibt eher Kulisse als Herzstück der Handlung. Die Anklänge an „The Shining“ blitzen nur kurz auf und verschwinden dann wieder.

Stattdessen werden es immer mehr Handlungsfäden. Leandras Kinderwunsch, ihre Klinikbesuche, Maxis familiäre Konflikte, die Machtstrukturen der Adlers, die Opferperspektiven, das Inselgeschehen. Für sich genommen könnte jeder dieser Stränge spannend sein, aber zusammen wirken sie überfrachtet. Ich verliere irgendwann das Gefühl dafür, worauf die Geschichte eigentlich hinausläuft. Die Figuren bleiben für mich leider blass, ich kann weder zu Leandra noch zu Maxi eine echte Verbindung aufbauen. Manche ihrer Entscheidungen wirken widersprüchlich, weil ihre Emotionen und Beweggründe nur angerissen werden. Ihre Entwicklungen hingegen sind logisch, wenn auch ein bisschen befremdlich für mich.

Und trotzdem passiert etwas Merkwürdiges.
Ich lese weiter und sogar gern.
Obwohl mich die inhaltliche Entwicklung nicht überzeugt, hat das Buch einen Sog, den ich nicht ganz greifen kann. Vielleicht liegt es am Tempo oder an der Hoffnung, dass die vielen Fäden am Ende doch noch zusammenfinden. Möglicherweise aber auch daran, dass die Grundidee so stark ist, dass ich ihr bis zuletzt hinterherlaufe. Dieses widersprüchliche Gefühl begleitet mich durch das ganze Buch. Ich bin irritiert, aber ich kann nicht aufhören zu lesen.

Die Spannung ist insgesamt eher ruhig. Es gibt Momente, die mich kurz begeistert jubeln lassen, aber sie bleiben selten. Manche Wendungen überraschen mich, andere wirken eher so, als sollten sie unbedingt für Aufregung sorgen, ohne dass die Geschichte wirklich darauf hinsteuert. Gegen Ende wird alles etwas unübersichtlich, und ich schließe das Buch mit einem Gefühl, das irgendwo zwischen Neugier, Verwirrung und leichter Enttäuschung liegt. Nicht, weil es schlecht wäre, sondern weil es so viel mehr hätte sein können.

Fazit:
Das Event hat großes Potenzial, doch die vielen Handlungsstränge lassen den Fokus unterwegs verloren gehen. Die starke Grundidee bleibt bis zum Schluss eher eine Verheißung als ein tragender Kern. Und trotzdem lese ich das Buch fast in einem Rutsch, denn die Erzählung übt eine anhaltende Faszination aus, der ich mich kaum entziehen kann.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Hochwertiges Book Journal mit viel Platz für Büchersüchtige

Book Journal
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Das Book Journal beeindruckt mich vor allem durch sein ästhetisches Erscheinungsbild. Seine gebundene Form und der kräftige Buchdeckel verleihen ihm Stabilität und machen es zu einem echten Blickfang im ...

Das Book Journal beeindruckt mich vor allem durch sein ästhetisches Erscheinungsbild. Seine gebundene Form und der kräftige Buchdeckel verleihen ihm Stabilität und machen es zu einem echten Blickfang im Bücherregal. Das schwarze Cover wirkt sowohl edel als auch modern. Besonders gefallen mir die filigranen Verzierungen aus floralen und literarischen Motiven, die farblich hervorgehoben sind. Am schönsten finde ich die eingefügte Goldfolie, die in Kombination mit dem dunklen Hintergrund den Titel strahlen lässt und dem gesamten Journal eine besonders hochwertige Ausstrahlung verleiht.

Nach ein paar freundlichen Worten der Designerin Julia Myotte kann ich direkt mit der doppelseitigen Liste „Mein Stapel ungelesener Bücher“ loslegen. Platz ist für 32 Titel, währenddessen lacht mein echter SuB im Hintergrund ziemlich laut. Dennoch gefällt mir die Liste sehr, denn sie bietet einen kleinen Ansporn, den neuesten SuB im Zaum zu halten. Und ein bisschen schummeln ist erlaubt, schließlich ist die nächste Doppelseite für meine „Wunschliste“ reserviert. Sie umfasst 30 Bücher, und auf den folgenden drei Seiten kann ich pro Monat bis zu acht Neuerscheinungen festhalten. Das ist wirklich beachtlich.

Besonders gefällt mir der „Lesetracker“. Hier darf ich jeden Monat die Anzahl der Bücher farbig ausmalen, die ich gelesen habe. Für bis zu 16 Bücher bietet er Platz, was für mich völlig ausreichend ist. Faszinierend finde ich, dass ich sogar täglich meine gelesenen Seiten eintragen kann. Das hatte ich bisher noch nie ausprobiert, weshalb ich die kleine Legende sehr schätze, die mir genau erklärt, wie ich den Tracker ausfüllen soll. Außerdem habe ich jeden Monat die Möglichkeit, mein Lieblingsbuch zu küren und ein Buch auszumalen, sobald ich es beendet habe.

Witzig finde ich die „5 Bücher“ Listen, wobei ich mich hier wirklich schwertun werde, mich auf 5 Bücher zu beschränken, die ich zum Beispiel aus einem brennenden Haus retten oder auf eine einsame Insel mitnehmen würde.

Das Book Journal eröffnet mir zudem die Möglichkeit, an verschiedenen Lesechallenges teilzunehmen. Normalerweise nehme ich an solchen Aktionen nicht aktiv teil, doch hier kann ich am Jahresende sehen, was ich ganz nebenbei geschafft habe. Das ist auf jeden Fall eine schöne Überraschung. So finde ich später zum Beispiel heraus, ob ich ein „Bingo“ habe oder ob die Einbände der gelesenen Bücher zusammen einen Regenbogen ergeben.

Ich finde es richtig spannend, dass ich im Laufe oder am Ende meines Lesejahres festhalten kann, welches Buch mich emotional am meisten berührt hat. Unter der Rubrik „Sturm der Gefühle“ kann ich notieren, welche Bücher mich in schlechten Momenten begleiteten, welche mich beruhigt oder welche mich saisonal besonders begeistert haben. Außerdem habe ich die Möglichkeit, Bücher verschiedenen Tropes zuzuordnen. Manche sind vorgegeben, etwa „Enemies to Lovers“, andere kann ich selbst auswählen. Diese Idee finde ich ziemlich unterhaltsam. Mal sehen, ob ich überhaupt Bücher aus der Liebeskategorie lesen werde.

Mein Highlight ist ganz klar die Liste „Friedhof der Enttäuschungen“. Dort halte ich all die Bücher fest, die mich nicht überzeugen konnten. Acht Einträge wirken dabei noch recht optimistisch, wenn ich bedenke, dass das Book Journal Platz für 100 gelesene Werke vorsieht.

Nachdem ich auch noch meine Lieblingszitate festhalten kann, gelange ich zum Herzstück des Book Journal. Unter dem Deckblatt „Meine gelesenen Bücher“ habe ich Platz, bis zu 100 Werke einzeln festzuhalten. Pro Seite kann ich ein Buch mit meiner persönlichen Sternevergabe, Titel, Autorin oder Autor, Genre, Emotionen, Spice Level und der Ausgabeart eintragen.

Außerdem kann ich meine eigene Meinung in Kurzform notieren, Lieblingszitate festhalten und vermerken, wann ich mit dem Lesen begonnen und wann ich es abgeschlossen habe. Die letzte Zeile „Passende Musik zu diesem Buch“ bleibt vermutlich leer, denn beim Lesen höre ich keine Musik. Es reicht schon, wenn mich jemand von der Seite anquatscht, während ich tief in einer Buchwelt versunken bin.

Ganz am Ende des Buches wartet noch ein besonderes Schmankerl: eine Piktothek. Die nutze ich auf jeden Fall, denn ich finde es großartig, wie einfach ich damit kleine Piktogramme zeichnen und dem Book Journal so meinen ganz persönlichen Stil verleihen kann.

Insgesamt schätze ich sehr, dass das Innere des Book Journal in Schwarz und Weiß gestaltet ist. Dadurch wirkt es zurückhaltend, und ich habe die Möglichkeit, Farben ganz nach meinem Geschmack hinzuzufügen. Die zarten Illustrationen und Piktogramme bringen eine lebendige Note ins Journal, ohne vom eigentlichen Thema abzulenken.

Das Book Journal gefällt mir richtig gut, weil es sich am Ende wie ein kleines Lesetagebuch anfühlt. Mein Lesejahr ist darin wunderbar zusammengefasst, und ich weiß schon jetzt, dass ich immer wieder gern darin blättern werde.

Fazit:
Ein liebevoll gestaltetes Book Journal, das Platz für 100 gelesene Bücher bietet und zugleich genügend Raum lässt, um Lesestatistiken festzuhalten, neue Challenges zu entdecken und das eigene Lesejahr auf eine ganz persönliche Weise zu begleiten.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Ein ungewöhnlicher Thriller

Böser, böser Wolf
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Der Einstieg ist schon besonders. Im Prolog werde ich persönlich angesprochen und die Idee gefällt mir. Sie ist der Auftakt zu einem sehr ungewöhnlichen Thriller.
Bereits mit dem ersten Kapitel ist die ...

Der Einstieg ist schon besonders. Im Prolog werde ich persönlich angesprochen und die Idee gefällt mir. Sie ist der Auftakt zu einem sehr ungewöhnlichen Thriller.
Bereits mit dem ersten Kapitel ist die Atmosphäre düster. Ich lerne die Autorin Katie kennen und recht zügig wird klar, was der Entführer von ihr möchte. Nun schleicht sich auch eine bedrohlich-märchenhafte Stimmung mit ein, die gleichzeitig deutlich im Thriller verankert wird.
Die Morde, die sich Katie im Auftrag des Entführers ausdenken soll, müssen sich an klassischen Märchenmotiven orientieren. Das, was Katie dann schreibt, wird in kleinen eingeschobenen Märchenpassagen erzählt. Sie wirken wie eigenständige Geschichten, die sich mit der realen Handlung verweben, weil der Täter sie wahr werden lässt. Dies erzeugt eine besondere Spannung.

Böser, böser Wolf wird auf mehreren Ebenen erzählt.
Lyla, die Ermittlerin, trägt die reale Handlung. Sie ist ambitioniert, aufmerksam und spürt früh, dass die Tatorte selbst eine Bedeutung haben. Ihre Perspektive ist für mich die stärkste, weil ich ihr nicht nur bei der Ermittlungsarbeit zur Seite stehe, sondern weil ich auch viel über ihre Gedanken, Emotionen und ihre Vergangenheit erfahre. Zudem hat sie einen großen Verlust in jungen Jahren erlitten und die aktuellen Morde scheinen die Handschrift des Täters zu tragen, der für das Verschwinden ihrer besten Freundin Allison verantwortlich ist.
Katie hingegen bleibt mir fremd. Ihre Motive wirken sprunghaft und ich erkenne die Hinweise, die sie angeblich in ihre Texte für Detective Inspector Lyla einbaut, nicht.
Die Nebenfiguren bleiben blass. Sie wirken wie Statisten, die sich leicht auswechseln lassen. Im Grunde dienen sie lediglich zur weiteren Entwicklung der Handlung, bleiben mir aber bis auf die mysteriöse Pilzfrau nicht lange im Gedächtnis.

Böser, böser Wolf ist temporeich, atmosphärisch dicht und klug konstruiert. Doch dann beginnt der zweite Teil und plötzlich verändert sich die Erzählung. Die Realität wirkt nicht mehr so stabil wie zuvor. Wahrnehmungen verschieben sich, Zusammenhänge wirken anders als gedacht und ich habe das Gefühl, in ein gedankliches Experiment hineingezogen zu werden. Für einen Moment bin ich irritiert, weil Böser, böser Wolf eine Richtung einschlägt, die ich nicht erwartet habe und ich ehrlicherweise superskurril finde. Gleichzeitig fasziniert mich dieser Bruch, weil er mutig ist und die Grenzen des Genres bewusst aufbricht und anfängt mit anderen Genre zu kombinieren.

Die Spannung bleibt erhalten, verändert jedoch ihren Charakter. Es geht nicht mehr nur darum, wer der Täter ist, sondern vielmehr darum, wie die Ebenen miteinander verbunden sind und was davon tatsächlich Bestand hat. Manche Passagen wirken bewusst surreal, andere laden mich zum Spekulieren ein. Ich ertappe mich dabei, eigene Theorien zu entwickeln und versuche, die zahlreichen Fäden zusammenzuführen. Nicht alles überzeugt mich, manches erscheint mir zu weit hergeholt, doch die Grundidee bleibt interessant.

Am Ende habe ich das Gefühl, ein ungewöhnliches Buch gelesen zu haben, das sich nicht an klassische Thrillerregeln hält. Es spielt mit Märchenmotiven, mit Wahrnehmung, mit Realität und Fiktion. Nicht alles gefällt mir, besonders das Ende nicht, aber die Atmosphäre und der Mut zur Andersartigkeit bleiben definitiv in meinem Gedächtnis haften.

Fazit:
Böser, böser Wolf ist ein ungewöhnlicher Thriller, der mit düsteren Märchenmotiven sowie mit der eigenen Wahrnehmung spielt und mich trotz kleiner Irritationen gut unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Ein vielschichtiger Kriminalroman, der das neapolitanische Leben zur Osterzeit authentisch einfängt

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Es ist Osterzeit in Neapel und die wichtige Karwoche ist angebrochen. Sofort werde ich in die österliche neapolitanische Stimmung hineingezogen und die erneute Begegnung mit Commissario Gaetano ist erst ...

Es ist Osterzeit in Neapel und die wichtige Karwoche ist angebrochen. Sofort werde ich in die österliche neapolitanische Stimmung hineingezogen und die erneute Begegnung mit Commissario Gaetano ist erst einmal entspannt. Denn Gaetano hat Urlaub und den möchte er in dem Bauernhaus, das seine Eltern ihm und seinem Bruder hinterlassen haben, verbringen. Dort wohnt seine hochschwangere Nichte Carla mit ihrem Mann Michele. Zum Osterwochenende möchte sie heile Familie spielen, denn auch Gaetanos Bruder Aniello, der nach einem Unfall pflegebedürftig ist, lebt mittlerweile ebenfalls auf der Tenuta.

Alles könnte so schön sein, wenn Beppa Bellucci, Gaetanos junge Kollegin, nicht anrufen würde, um mitzuteilen, dass sie einen Toten aus dem Hafenbecken gefischt hat. Und den Fall kann und will Gaetano Beppa nicht alleine überlassen, denn die Fischerstochter ist stets überambitioniert und noch grün hinter den Ohren.

Und so werde ich in einen Kriminalfall hineingezogen, der auf den ersten Blick eindeutig wirkt. Alles passt zu einem Selbstmord. Noch ein paar Informationen sammeln, den Fall abschließen und dann endlich Ostern feiern.
Doch recht schnell wird klar, irgendwas passt nicht zusammen. Spätestens als die kleine Franca, die Tochter des Toten, aus dem Nähkästchen plaudert, keimen in Gaetano Zweifel auf. Ihre Worte deuten an, dass mehr dahintersteckt als ein Suizid, und plötzlich wirkt der Fall nicht mehr so eindeutig. Doch wie zuverlässig ist diese junge Zeugin wirklich und was hat das alles mit der Firma zu tun, in welcher der Tote gearbeitet hat und welches das führende Unternehmen beim Verkauf von ganz besonders tollen Algenprodukten ist?

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl besticht durch die besondere Mischung aus persönlicher Ermittlungsarbeit und neapolitanisch-gesellschaftlichem Hintergrund. Besonders die Osterzeit spielt hier eine große Rolle und ich finde es spannend zu sehen, wie wichtig den Neapolitanern unter anderem die Prozessionen und die traditionellen Speisen sind. Gleichzeitig zeigt Fabio Nola sehr feinfühlig, wie familiäre Erwartungen, wirtschaftlicher Druck und gesellschaftliche Probleme ineinandergreifen. Gerade weil der Tote in manchen Punkten ein Leben geführt hat, das Gaetano nur allzu gut kennt, kann er sich in dessen Lage hineinfühlen, ohne dabei den Fokus zu verlieren.

Abgerundet wird Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl durch den interessanten Schreibstil. Dieser ist eine gelungene Mischung aus situationsbezogenem Humor, lebendig beschriebenen Wahrnehmungen und dem Talent, eine immer zur Szene passende Atmosphäre zu erschaffen. Besonders die Dialoge, die gerne mal vor Sarkasmus triefen, und die Situationskomik gefallen mir gut. Was ich ebenfalls mag, ist, dass hier viele neapolitanische Ausdrücke mit in die Geschichte einfließen. Aus dem Kontext kann ich sie gut in ihrer Bedeutung ableiten, aber es gibt am Ende des Buches auch ein Glossar.

Dank des personalen Erzählers bin ich ausschließlich an Gaetanos Seite, was mir aber dennoch Perspektivwechsel ermöglicht. Ich habe Gaetano schon seit Band 1 ins Herz geschlossen. Denn er ist kein klassischer Held, sondern ein Charakter, der öfter mit sich und dem bestehenden polizeilichem System ringt. Sein Vorgesetzter möchte den Fall lieber im Sinne der Firma und des Staatsanwaltes abschließen, um den Ruf zu wahren. Doch Gaetano spürt, dass hier etwas nicht stimmt, und weigert sich, eine bequeme Wahrheit zu akzeptieren.

Beppa hingegen ist übereifrig, starrsinnig und möchte am liebsten mit dem Kopf durch die Wand. Jetzt hat sie ihren ersten eigenen Fall und ich mag, dass Gaetano ihr zur Seite steht und ihr zuhört, wenn es sonst niemand macht. Gleichzeitig bremst er sie, bevor sie sich in einen noch größeren Schlamassel manövriert. Die beiden wachsen hier zu einem richtig guten Team zusammen. Aber auch die Nebenfiguren haben eine besondere Charaktertiefe und es fühlt sich durchgängig so an, als würde ich echten Menschen begleiten.

Obwohl Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl zu Beginn ruhig anfängt, entwickelt sich dieser Krimi schnell zu einem vielschichtigen und nicht leicht zu durchschauenden Fall. Ich begleite Gaetano privat, sehe die Herausforderungen seiner Nichte, die ihren pflegebedürftigen Vater zu sich holt, und erlebe, wie ihr Mann versucht, der Familie ein sicheres Auskommen zu ermöglichen. Gleichzeitig erschweren Sabotageversuche seines Vorgesetzten die Ermittlungen, sodass Gaetano heimlich weiterforschen muss, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Und all das eingebettet in die besondere Osterzeit Neapels, die den Menschen dort unglaublich wichtig ist. Immer wenn ich denke, jetzt weiß ich, wie es sich weiterentwickeln wird, kommt die nächste überraschende Wendung. Nichts ist wirklich so, wie es auf den ersten Blick scheint, und das macht Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl zu einem tollen Leseerlebnis.

Eine sehr große Empfehlung ist das Hörbuch. Peter Lontzek gelingt es mit seiner Stimmvielfalt und den mit Inbrunst gesprochenen neapolitanischen Ausdrücken, mich in die beschriebene Welt hinauszukatapultieren. Besonders die Dialoge kommen hier richtig gut zur Geltung.

Im Übrigen lässt sich Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl ohne Vorkenntnisse zum ersten Band lesen. Die Fälle sind in sich abgeschlossen und damit selbstständig lesbar.

Fazit:
Ein Krimi, der mich mit seinem vielschichtigen und emotionalen Fall komplett gepackt hat. Die lebendige Osterstimmung Neapels schafft eine starke Atmosphäre, während der Fall selbst bis zum Schluss immer neue Wendungen bereithält.

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