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Veröffentlicht am 24.01.2022

Ein rasanter Kriminalroman vor den Toren Hamburgs

Eiszeit für Beck
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Bei „Hundstage für Beck“ hatte ich die Geschichte mit leicht gemischten Gefühlen beendet und war nicht zu einhundert Prozent überzeugt gewesen. Ja, der Krimi hatte mich gut unterhalten können, aber schrammte ...

Bei „Hundstage für Beck“ hatte ich die Geschichte mit leicht gemischten Gefühlen beendet und war nicht zu einhundert Prozent überzeugt gewesen. Ja, der Krimi hatte mich gut unterhalten können, aber schrammte hier und da auch an dem ein oder anderen Klischee vorbei und nahm sich manchmal selbst nicht zu ernst. Trotzdem war ich super gespannt auf die Fortsetzung, denn schon im ersten Teil kündigte sich am Ende die Rückkehr des Serienmörders an, der Schuld an Nick Becks Absturz war.

Passend zur Reihe „Nick Beck ermittelt“ war auch dieses Cover gestaltet und es gefiel mir sehr gut. Besonders mochte ich, dass der Titel wieder perfekt zur Story passte und nicht nur das Wetter widerspiegelte.
Wer den ersten Fall von Nick Beck und Cleo Torner noch nicht kennt, sollte das Buch vorab lesen. Theoretisch kann der Geschichte auch ohne Vorkenntnisse gefolgt werden, da die Fälle in sich abgeschlossen sind und relevante Details zur Wiederholung mit in die laufenden Ereignisse eingebunden wurden, aber sie verrieten auch markante Einzelheiten, die den Charme des Vorgängers ausgemacht hatten.
Ich mochte die Erwähnungen der vorherigen Ereignisse ganz gern, da sie zum einen meine Erinnerungen auffrischten, zum anderen auch perfekt zum Kontext passten. Außerdem erfuhr ich in groben Zügen, wie es mit Nick Beck und Cleo Torner nach Lösung des ersten gemeinsamen Falles jeweils weiterging.

Mich erwartete ein sehr einnehmender Schreibstil, der durch eine angenehme Erzählweise und Wortwahl zu glänzen wusste. Das erleichterte mir das Lesen ungemein, sodass ich förmlich durch die Seiten flog, was allerdings auch an den klug durchdachten Spannungsbögen gelegen hatte.
Ich war regelrecht gefangen in der Geschichte und nutzte jede freie Zeit, um in „Eiszeit für Beck“ lesen zu können. Zudem zeichnete sich die Story durch ihre wechselnden Perspektiven aus, welche durchgängig vom personalen Erzähler begleitet wurden. Dies sorgte dafür, dass ich einen größeren Überblick über die verschiedensten Ereignisse erhielt, gleichzeitig jedoch keine Entwicklungen vorab verraten wurde, sodass ich viel am Spekulieren war.

Den spannungsvollen Aufbau mochte ich sehr und war ganz angetan, dass ich sogar dem Elbripper bei dessen Alltag begleiten durfte. Das seine Identität früh für mich offengelegt wurde, fand ich extrem gut. Das hob das Katz-und-Maus-Spiel mit Nick Beck auf ein neues Level. Ich durfte noch mehr Figuren über die Schulter schauen, was unterschiedliche Erwartungen in mir weckte und damit auch die Dynamik der Geschichte lebendig gestaltete. Der Fokus lag nicht auf der reinen Ermittlungsarbeit, wodurch sich ein breites Spektrum an Möglichkeiten eröffnete. Die Jagd nach dem Elbripper bekam einen persönlichen Touch, aber auf unterschiedlichen Ebenen, was diesen Kriminalroman unheimlich fesselnd machte.

Besonders gut gefiel mir die Entwicklung der Hauptcharaktere. Nick Beck war nicht mehr der traumatisierte, mit alkoholbehafteten Problemen versehrter Dorfpolizist, sondern wie Phönix aus der Asche erwachte. Ich mochte den neuen Nick, seine Art, sich den Dingen zu stellen und vor allem, dass er menschlich blieb. Noch immer hafteten Makel an ihm und er war alles andere als ein Held.
Bei Cleo Torner fehlte mir ein bisschen der Biss und ich vermisste ihre dynamische, voller Tatendrang beseelte Art. Allerdings würde so was hochschwanger auch nicht wirklich passen, weshalb ich hoffe, dass Cleo im dritten Teil wieder mehr zur alten Form findet. Dennoch steckte nach wie vor ein Bluthund in ihr und es war spannend zu beobachten, dass sie noch immer von offenen Fragen aus dem ersten Fall besessen war. Das brachte zusätzlichen Nervenkitzel in die Geschichte und ließ mich oftmals panisch bei dem Gedanken werden, was geschehen würde, wenn sie Nick Beck am Ende doch noch auf die Schliche kommen sollte.

„Eiszeit für Beck“ hielt einige Überraschungen für mich bereit und ich mochte auch den Showdown am Ende. Gut, auch hier war er ein wenig drüber, aber das machte das Ganze doch recht reizvoll. Auf jeden Fall war ich gebannt bis zum Schluss und mochte es, dass Tom Voss in seine Geschichte allerlei Bezüge und Erwähnungen bekannter Serienmörder eingeflochten hatte. Aber auch eine beschriebene Musiksession und diverse Liedsequenzen verliehen dem Kriminalroman Charakter und Leben.

Fazit:
Tom Voss ist mit „Eiszeit für Beck“ eine Steigerung zum ersten Band geglückt. Der rasante Krimi konnte mich bestens von Anfang bis zum Ende unterhalten und hielt einige Überraschungen bereit.

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Veröffentlicht am 24.01.2022

Wenn die Vergangenheit zurückkehrt

Der böse Mann: Thriller
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Passend zur Laura-Kern-Reihe wurde auch das Cover vom „Der böse Mann“ gestaltet. Gleichzeitig spiegelte es einen relevanten Teil der Geschichte wider. Aber auch der Titel war eindeutig Programm, denn der ...

Passend zur Laura-Kern-Reihe wurde auch das Cover vom „Der böse Mann“ gestaltet. Gleichzeitig spiegelte es einen relevanten Teil der Geschichte wider. Aber auch der Titel war eindeutig Programm, denn der Täter wurde häufig genauso bezeichnet.

Wie gewohnt ließ sich auch „Der böse Mann“ unabhängig von den vorherigen Bänden lesen. Da die Fälle in sich immer abgeschlossen sind, gab es hier keinerlei Bezüge zu diesen. Lediglich kleine Splitterfragmente aus der Vergangenheit von Laura Kern wurden wiederholt, um den Leser:innen ein besseres Verständnis für ihre Handlungen zu geben. Ebenso wurden die Beziehungen zum Kollegen Max Hartung und zu ihrem Lebenspartner Taylor Field grob umrissen, um die Entwicklungen verständlich zu machen.

Zu Beginn begleitete ich im Prolog ein Opfer in der Ich-Perspektive, während der Rest der Geschehnisse vom auktorialen Erzähler geschildert wurde. Ich hätte es viel schöner gefunden, wenn Catherine Shepherd zumindest bei diesem speziellen Opfer bei der Ichform geblieben wäre, da das Grauen viel intensiver an mich hätte transportiert werden können. So jedoch empfand ich die Erlebnisse dieser Geschädigten als nicht ganz so fesselnd.

Es kamen relativ viele verschiedene Figuren mit unterschiedlichsten Charaktereigenschaften vor, welche ich stellenweise begleiten durfte. Das verlieh der Geschichte Substanz und Tiefe. Zudem gewährte es mir einen grandiosen Überblick, sodass ich ein umfänglicheres Bild erkennen konnte, als es den einzelnen Charakteren möglich gewesen ist.
Erstaunlicherweise wurde es auch nie unübersichtlich und dank Catherine Shepherds ausgefeilten Charakterdarstellungen hatte ich nie Probleme, sofort zu erkennen, wen ich aktuell begleiten durfte.
Die Charaktere um Laura, Taylor und Max entwickelten sich kaum weiter, doch das war für mich insgesamt in Ordnung. Dafür gab es eine besonders starke Figurenentwicklung bei einem der Opfer, was ich richtig klasse empfand.

Der Schreibstil war angenehm leicht und durch den gut durchstrukturieren Spannungsaufbau flüssig sowie locker lesbar. Die Geschichte nahm zu dem schnell an Fahrt auf und bot reichlich Platz für spannende Wendungen.
Sehr gut gefiel mir, dass die Figurenrede auf die unterschiedlichen Charaktere angepasst wurde, sodass die bildlich beschriebenen Szenenbilder an Lebendigkeit gewannen.
Ein bisschen nervte es mich, dass Catherine Shepherd bestimmte Bausteine immer wieder in diese Reihe einflechtet. So geht mir der Zwist zwischen Taylor und Max gehörig auf den Keks, weil es wirklich Kindergartengehabe ist. Aber auch, dass Laura Kern gern oft beinah in den Bildschirm rein kriecht, hat schon einen Methusalem Bart. Hier dürften gern ein paar neue Metaphern einziehen.

„Der böse Mann“ war ein Thriller der sich auch bestens für ängstlichere Leser:innen eignete. Weder ging Catherine Shepherd bei eindeutigen grausamen Szenen zu tief ins Detail noch wurden die brutalen Tötungsarten besonders häufig erwähnt. Bei besonders schaurigen Stellen blendete die Autorin sanft ab, sodass hier lediglich die eigene Fantasie die Lücken füllen kann, sofern dies gewünscht sein sollte.

An sich gefiel mir der Handlungsaufbau, der chronologisch ausgelegt war und im Kontext sinnvoll eingebundene Rückblicke beinhaltete. Das förderte das Rätsel raten um die Frage, wer der Mörder und was sein Ziel sein könnte.
„Der böse Mann“ war arm an Nebenschauplätzen, was mich persönlich aber nicht störte. So lag der Fokus eher auf den Ermittlungen und der Ereignisse rund um den undurchschaubaren Täter.

Ich hatte relativ schnell eine Vermutung, was das eigentliche Vorhaben des bösen Mannes sein könnte. Dafür konnte ich ihn bis zum Schluss nicht entlarven und war von der Auflösung überrascht.
Jedoch fehlten mir am Ende ein paar Antworten auf einige Fragen, zum Beispiel was bestimmte Handlungen des bösen Mannes betraf. Sie waren zwar nicht elementar relevant, aber ich hätte sie dennoch gern verstanden und nachvollziehen wollen.

Der finale Showdown war packend, hatte aber auch ein bisschen was von Einer gegen alle. Ich fand das nicht allzu schlimm, allerdings auch nicht hundertprozentig nachvollziehbar.
Der Epilog wurde für meinen Geschmack zu rasch abgehandelt, hier hätte ich ein paar mehr Sätze zum würdigen Abschluss besser gefunden. Trotz einiger Kritikpunkte konnte mich „Der böse Mann“ bestens unterhalten und ich hatte viel Spaß beim Lesen.

Fazit:
„Der böse Mann“ ist eher ein ruhiger Vertreter der Thriller Genres, doch an den nötigen Stellen hoch spannend und interessant aufgebaut. Die Jagd nach dem Täter war aufregend und bot genug Platz für eigene Erklärungsversuche.

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Veröffentlicht am 15.01.2022

Eine extrem teuflisch sündige und gefährliche Geschichte

8 DAYS
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Als bei mir das Buch als Hardcover eintraf, war ich erst einmal sprachlos. „8 DAYS: Emiliana“ glänzte mit einer wunderschönen wertigen Optik. Neben der stabilen Bindung war mein Highlight das integrierte ...

Als bei mir das Buch als Hardcover eintraf, war ich erst einmal sprachlos. „8 DAYS: Emiliana“ glänzte mit einer wunderschönen wertigen Optik. Neben der stabilen Bindung war mein Highlight das integrierte Lesebändchen, was ich unheimlich praktisch finde. Äußerlich war ich schon mal ganz angetan von dem Buch und hoffte, dass mich auch der Inhalt würde überzeugen können.

„8 DAYS: Emiliana“ ist der Start in eine Dilogie. Das Cover passte definitiv zu der adrenalinaufgeladenen Geschichte und spiegelte schon recht deutlich einen gewissen Kern wider. Aber auch der Titel war klug gewählt, denn die Ereignisse trugen sich innerhalb von 8 Tagen zu und wurden zum Großteil durch Emiliana bestimmt.

Die auktoriale Erzählperspektive sorgte für reichlich Dynamik, da die Perspektivwechsel zwischen Emiliana und Jeremy nicht sehr häufig klar abgegrenzt waren. Besonders in hitzigen Momenten erfolgten die Wechsel rasch hintereinander. Dabei gelang es Tanja Wagner stets dafür zu sorgen, dass ich nie den Faden verlor und gespannt dem weiteren Verlauf folgen konnte.

Die Anzahl der Charaktere war überschaubar, das meiste spielte sich zwischen Emiliana und Jeremy ab. Sie waren die Hauptfiguren in diesem Buch, aber nicht zwingend die klassischen Protagonisten. Besonders Emiliana entpuppte sich von einer süßen, sympathisch wirkenden Floristin rasant zu einer Persönlichkeit, die ich gut und gerne psychopathisch nennen kann. Schon im Kapitel „Day 1“ stellte sie eine Entschlossenheit zur Schau, die mir eine Gänsehaut bescherte.

Jeremy konnte ich anfänglich nicht so ganz greifen. Ich nahm ihn nicht als knallharten „Gerichtsvollzieher“ war. Sein Job war es nun mal von Schuldnern das einzutreiben, was die Gläubiger verlangten. Dass er dabei relativ oberflächlich über die verschuldeten Menschen dachte, störte mich nicht so sehr. Klar, er hatte da wenig Skrupel, jemanden das sprichwörtliche letzte Hemd wegzunehmen, aber das hätte er bei seinem Job als Repo-Man auch nicht haben dürfen, wenn er nachts ruhig schlafen wollte. Dennoch hatte ich schon den Eindruck, dass Jeremy mit beiden Beinen fest im Leben stand und sich unter den normalen Umständen niemals in einer so fatalen Lage verheddert hätte.

Doch normal war an der Story von „8 DAYS: Emiliana“ gar nichts. Der Grad der Erzählungen war stets ein verdammt schmaler. Besonders die Szenen, in der Gewalt und extrem hohe sexuelle Lust vorkamen, waren nichts für Hasenfüße. Hier braucht der Lesende einen knallharten Magen. Alle Szenen wurden äußerst bildlich beschrieben und mit vielen Details geschmückt.

Sehr spannend war für mich, dass obwohl Jeremy in einer sehr ungünstigen Position war, er trotzdem nicht zum reinen Opfer degradiert wurde. Seine emotionale Abhängigkeit in Verbindung mit seinem unbändigen Willen, sich nicht unterbekommen zu lassen, fand ich beeindruckend. So hielt sich auch mein Mitleid für ihn in Grenzen, weil ich so fasziniert von den Entwicklungen war. Seine Darstellung und auch Handlungen fand ich stets plausibel, auch wenn ich mir ein ticken mehr Einblicke in sein Seelenleben gewünscht hätte.

Emiliana hingegen war eine Figur, der ich im weiteren Verlauf der Ereignisse immer mehr Anti Sympathien entgegenbrachte. Ihre widersinnigen Argumentationsketten fand ich schon ziemlich gestört, aber hier lag eindeutig der geniale Coup der Autorin. Emiliana war heiß, auf ihre Art süß und gleichzeitig eine eiskalte Psychopathin, die auf ihr ganz großes Ziel hinarbeitete: Rache nehmen an dem Mann, der ihrer geliebten Großmutter das Haus unterm Hintern wegpfänden möchte. Das sie selbst einen ziemlich großen Anteil an der Situation trägt, weiß Emiliana, blendet es aber in ihrer Welt gern aus. Gleichzeitig hatte sie aber auch wahnsinnig warmherzige Momente, die sie nahbar und menschlich wirken ließen.

Insgesamt entwickelten sich die Ereignisse unglaublich rasant, die mit einer Spannung einhergingen, die mich atemlos dem Geschehen folgen ließen. Dabei kamen die Wendungen immer völlig unerwartet und heftig. „8 DAYS: Emiliana“ war ein Erotik-Thriller jenseits von allem, was ich bislang gelesen hatte. Das Ende gnadenlos gut und es weckte in mir die Hoffnung auf einen noch viel härteren, gewaltigeren zweiten Teil.

Fazit:
Für diese Story braucht ihr starke Nerven. Rasant und gefährlich glich die Entwicklung dieser Geschichte einem Ritt auf einem brodelnden Vulkan. Kurzum, hier steckt viel Thriller, aber auch verflucht viel Psycho drin.

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Veröffentlicht am 13.01.2022

Für pfiffige kleine Schlaufüchse oder Rätselspaß für die ganze Familie

Escape-Rätsel - Flucht aus dem Nachtzug
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Während wir die gesamte Escape-Buch-Reihe recht eng hintereinander gerätselt hatten, war bei den Protagonisten in dem Buch mehr Zeit vergangen. Die einleitende Geschichte erklärte uns, was nach den letzten ...

Während wir die gesamte Escape-Buch-Reihe recht eng hintereinander gerätselt hatten, war bei den Protagonisten in dem Buch mehr Zeit vergangen. Die einleitende Geschichte erklärte uns, was nach den letzten drei Abenteuern geschah und wie lange wir auf neue Nachricht unseres Gegenspielers Z Junior warten mussten.
An sich lässt sich „Flucht aus dem Nachtzug“ ohne Vorkenntnisse zu den restlichen Büchern lösen, aber da die Rahmenhandlungen miteinander verwoben sind, empfehlen wir schon die Reihenfolge einzuhalten. Sonst könntet ihr euch hier und da etwas wundern. Wen das aber nicht stört, sollte sich nicht aufhalten lassen und direkt loslegen.

Vielleicht lag es daran, dass wir mittlerweile ein eingeschworenes Detektiv-Team geworden sind, aber der erste verschlossene Raum sorgte nicht einmal für eine schwitzige Stirn. Wir kamen recht flott durch, einige Rätseltypen kannten wir schon, sodass es uns nicht schwerfiel, sie zu knacken. Das Prinzip hatte sich nämlich nicht geändert.

Während wir das Gefühl hatten, dass im dritten Band reichlich mathematische Rätsel uns forderten, waren es hier die Grammatik- und Rechtschreibungsknobeleien. Es gab so einige Alphabet Rätsel, die uns aber genauso viel Spaß wie die Bildersuchaufgaben machten.

Ein großer Spaß seit Beginn der Rätselreihe war für uns auf jeder Seite die kleine freche Ratte Shadow zu suchen. Im ersten Raum fanden wir sie ganz lange nicht und hatten schon Sorge, dass sie dort zeichnerisch vergessen wurde. Aber Shadow war einfach nur pfiffiger als wir und hatte ein cooles Versteck gewählt.

Die Themenräume im Nachtzug gefielen uns dieses Mal extrem gut. So waren wir in einem Schlaf-, in einem Speise- und in einem Zirkuswagen gefangen. Letztes machte richtig Spaß, weil es eine Menge toller Dinge zu entdecken gab.
Die Rätseltypen hatten eine angenehme Bandbreite zwischen leicht und kniffelig, wobei uns dieses Mal zum Glück keine schwierigen oder unbekannten Bezeichnungen begegneten, die Kinder nicht kennen könnten. Einzig bei Sprichwörter Knobelei kam der Lesejunior massiv ins Stocken. Dafür kannte er einfach zu wenig Redewendungen, aber das war für uns Erwachsene ein Kinderspiel und andere kleine Schlaufüchse lösen das bestimmt ebenfalls mit links.

Die begleitenden Erzähltexte sowie die einzelnen Knobelaufgaben hatten Merle Goll und Sabine Mielke wieder hervorragend zeichnerisch umgesetzt. Die Detailverliebtheit war so intensiv, dass die Einzelheiten nicht nur im jeweiligen Rätsel zu sehen, sondern auch im entsprechenden geschlossenen Raum wiederzufinden waren. Das beeindruckte uns sehr. Generell verstanden es beide Illustratorinnen, uns in die Geschichte zu ziehen und wir waren genauso geschockt wie die Zwillinge, als der Zug plötzlich mit uns durch die schwarze Nacht mit unbekanntem Ziel fuhr.

Uns persönlich hatte „Flucht aus dem Nachzug“ am besten aus der Reihe gefallen. Zum ersten Mal hatten wir das Gefühl, dass auch 8-jährige Detektive in der Lage sein könnten, die Rätsel zu lösen. Wir empfehlen trotzdem, dieses Knobelbuch im Team zu machen. Uns hatte es nämlich richtig viel Freude bereitet und während ich bei manchen Rätseln ewig nicht auf die Lösung gekommen wäre, war der Lesejunior so fix fertig, dass ich nur staunen konnte. Dafür konnte ich mich dann anderer Stelle revanchieren.

Fazit:
„Flucht aus dem Nachtzug“ ist ein gelungener Rätselspaß für die ganze Familie. Aber auch pfiffige kleine Schlaufüchse können hier prima ihren Kenntnisstand rund ums Rechnen und Schreiben auf die Probe stellen.

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Veröffentlicht am 10.01.2022

Mehr Thrill als Romance

Going Under
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Das Cover war nicht meins. Es war irgendwie nichtssagend und im Buchhandel wäre ich wohl achtlos an „Going Under“ vorbeigelaufen. Für meinen Geschmack war es zu neutral und im Endeffekt spiegelte es nicht ...

Das Cover war nicht meins. Es war irgendwie nichtssagend und im Buchhandel wäre ich wohl achtlos an „Going Under“ vorbeigelaufen. Für meinen Geschmack war es zu neutral und im Endeffekt spiegelte es nicht wirklich etwas vom Inhalt wider. Dafür gefiel mir das Innenlayout, wo an den Kapitelanfängen unterschiedlich große Bläschen zusehen waren. Im Verlauf der Geschichte wurde auch deren Bezug klar und ich fand sie stimmig zum Inhalt.

Der Einstieg in die Geschichte war von einer traurigen Atmosphäre geprägt, die mich sofort abholte. Protagonistin und Icherzählerin Brooke musste an der Beerdigung ihrer besten Freundin Beth teilnehmen. Die Situation ging mir nahe und besonders Brooks Gewissensbisse kamen hier sehr gut, sowie ungefiltert zum Ausdruck.
„Going Under“ entwickelte sich gemächlich und hatte anfänglich den Touch einer gewöhnlichen High-School-Erzählung. Die Spannung blieb dabei nur unterschwellig spürbar, da mir hier ein langsamer, aber durchaus schlüssiger Handlungsaufbau präsentiert wurde. In dessen Mittelpunkt stand eine 18-jährige Hauptfigur, zerfressen von Seelenqualen, in deren Kopf sich einen gefährlichen Plan entwickelte. Nicht ganz uneigennützig, wie mir später schien, denn Brooke hatte besonders zu Lebzeiten ihrer Freundin Beth gegenüber teilweise ein doch sehr bitteres Verhalten an den Tag gelegt.
Stück für Stück wurde klar, warum Brooke förmlich in einem Meer aus Schuldgefühlen ertrank. Obwohl Brooke intelligent wirkte, kam sie mir gleichzeitig so schrecklich naiv rüber. Ihre Stärke nahm ich ihr nicht komplett ab und ich muss gestehen, dass sie mir besonders am Anfang nicht besonders sympathisch gewesen ist. Ich fand sie bestenfalls nett. Erst später, als auch sie eine schmerzhafte Weiterentwicklung durch machte, konnte ich eine Beziehung zu ihr aufbauen und begann sie zu mögen.

Das Thema an sich war wirklich keine leichte Kost, weil es traurigerweise extrem realistisch gewesen ist. Junge Männer, die es lustig finden, Mädels nach Punkten auszuwählen und sie zu verführen oder gefügig zu machen, wenn sie nicht wollen, lösen bei mir Brechreiz aus.
Das wurde nicht besser, als die blöden Idioten mit ihrer „Schlampenliste“ prahlten und mit einem Mal völlig klar war, was Brooke vorhatte.
S. Walden beschrieb mit Feingefühl die Auswirkungen einer solch perfiden Liste und zeigte ungeschönt auf, wie sehr Opfer darunter später zu leiden haben. Es ging mir verdammt nahe und berührte mich auf eine stille Weise. Hier gab es keine haarsträubenden Spannungsbögen oder Nägel kauende Momente. Stattdessen sorgte gerade diese Schnörkellosigkeit der Erzählung für das kalte Grauen, welches mich heimsuchte. Besonders eine Szene war wirklich harte Kost und die Art, wie es erzählt wurde, liegt mir noch immer schwer im Magen.

Der Schreibstil war flüssig und bildreich. Besonders am Anfang hatte er eine Leichtigkeit, die passend zum Alter der Figuren war. Erst später wandelte er sich in eine erschütternde Ernsthaftigkeit, die zum Nachdenken anregte.
Hinein in diesen leisen und düsteren Thriller kroch eine bittersüße Liebe, die passend zum Genre des Dark Romance gewesen ist. Für Brooke stand plötzlich viel mehr auf dem Spiel, als ursprünglich gedacht. Den Zwiespalt um eine Entscheidung, die sie unweigerlich treffen musste, fand ich gut ausgearbeitet und auch die Umsetzung der Konsequenz ihres eigenen Handelns.

Fazit:
Obwohl Dark Romance-Thriller draufsteht, war hier mehr Thrill als Romance enthalten. Die Geschichte berührt auf eine ganz leise und doch tiefe Weise, ließ mich teilweise fassungslos und wütend zurück. S. Walden hat ein dunkles Thema gewählt und mit Feingefühl erzählt.

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