Die Farbe des Schattens spielt wenige Wochen nach den Ereignissen von Das Schweigen des Wassers und kann völlig unabhängig davon gelesen werden. Es werden keine Details zum vorherigen Fall verraten, sondern ...
Die Farbe des Schattens spielt wenige Wochen nach den Ereignissen von Das Schweigen des Wassers und kann völlig unabhängig davon gelesen werden. Es werden keine Details zum vorherigen Fall verraten, sondern es wird lediglich ein Blick auf wiederkehrende Figuren geworfen, um sie in dieser Handlung zu etablieren.
Die Farbe des Schattens spielt in den frühen Neunzigerjahren, kurz nach der Wende, als Hoffnung und Ernüchterung dicht beieinanderliegen. Susanne Tägder zeichnet ein trostloses und zugleich berührendes Bild einer Gesellschaft im Umbruch. Die Atmosphäre ist geprägt durch das diffuse Gefühl von Unsicherheit, der bröckelnde Ordnung und der aufkeimenden Hoffnungslosigkeit. Das Bild ist so präzise eingefangen, dass ich mich unmittelbar in diese Zeit zurückversetzt fühle.
In der fiktiven Stadt Wechtershagen verschwindet ein Junge mitten aus einem Wohngebiet. Kriminalhauptkommissar Arno Groth nimmt die Ermittlungen auf. Der Fall wirkt erschreckend real, nicht zuletzt, weil er auf wahren Begebenheiten beruht.
Der Schreibstil ist nüchtern, ruhig und klar. Die Dialoge wirken funktional, aber fangen die emotionalen Untertöne geschickt ein. Zugleich lebt die Erzählung von den präzisen Beobachtungen der Charaktere.
Der Fokus liegt klar auf Arno Groths Ermittlungen, doch gelegentlich darf ich durch den personalen Erzähler an der Seite weiterer Figuren sein.
Diese kontrollierten Perspektivwechsel erzeugen ein vielschichtiges Bild von Wechtershagen und den Menschen, die dort leben. Die Nebenfiguren bleiben bewusst im Schatten, ohne an Bedeutung zu verlieren, denn sie tragen die Handlung, ohne sie zu dominieren.
Arno Groth ist innerlich ein erschöpfter Mann, dessen kriminalistisches Gespür untrennbar mit seinen Erinnerungen und Verlusten verknüpft ist. Seine Ecken und Kanten machen ihn nahbar, seine Hartnäckigkeit treibt die Handlung voran. Obwohl ihm Steine in den Weg gelegt werden, bleibt er seinem Bauchgefühl treu. Er lässt mich an seinen Überlegungen und Plänen teilhaben. Das ermöglicht mir einen ungeschönten Blick in die Ermittlungsarbeit der frühen Neunzigerjahre.
Die Farbe des Schattens baut nicht auf spektakuläre Wendungen, Action und die explizite Darstellung von Gewalt, sondern auf eine leise und bedächtige Erzählweise. Beinah beiläufig erwähnte Details treffen mich hart. Das angedeutete Grauen kriecht unter meine Haut und lässt mich nicht mehr los. Die psychologische Genauigkeit, mit der Susanne Tägder Die Farbe des Schattens konstruiert, macht diese Geschichte auf allen Ebenen erschreckend authentisch.
Die Farbe des Schattens ist ein ruhiger Kriminalroman, der den Fragen nach Verantwortung, Schuld und dem trügerischen Gefühl von Sicherheit nachspürt. Die Auflösung präsentiert Susannne Tägder ohne Sensationslust. Beinahe sachlich wird der Täter enttarnt, was die Alltäglichkeit des Schreckens umso deutlicher hervorhebt und bei mir eine stille Beklemmung hinterlässt, die lange nachhallt.
Fazit:
Die Farbe des Schattens ist ein atmosphärisch dichter und psychologisch präziser Kriminalroman, der weniger auf spektakuläre Plot Twists als auf Wirkung setzt.
Noch bevor die Story beginnt, bin ich schon irritiert. Es wird eine Triggerwarnung ausgesprochen, die jedoch keinerlei konkrete Inhalte nennt. Zwar verstehe ich, dass eine detaillierte Liste zu Beginn ...
Noch bevor die Story beginnt, bin ich schon irritiert. Es wird eine Triggerwarnung ausgesprochen, die jedoch keinerlei konkrete Inhalte nennt. Zwar verstehe ich, dass eine detaillierte Liste zu Beginn spoilert, doch das vollständige Fehlen einer abrufbaren Triggerliste im Hörbuch, wie sie laut Leseprobe am Ende des Buches existieren soll, empfinde ich als problematisch. Gerade für Hörende, die auf solche Hinweise angewiesen sind, wäre eine alternative Lösung wünschenswert.
Die Geschichte beginnt sofort sehr düster und bedrohlich. Ich lerne den Mörder kennen, der eine junge Frau dabei beobachtet, wie sie sein jüngstes Opfer in der sich immer weiter ausbreitenden Blutlache findet. Die Schilderung ist intensiv, verstörend und mit einer beklemmenden Mischung aus Macht, Gewalt und Begierde.
Der nun folgende Perspektivwechsel bringt mir zunächst eine kleine Atempause. Ich lerne Maddy kennen, die Nachbarin des Mordopfers, die unabsichtlich über die Leiche stolpert. Ihre Reaktion darauf ist geprägt von morbider Neugierde, Angst und Ekel. Doch als der Mörder hinter ihr auftaucht, bekommt die Szenerie noch mehr Bedrohlichkeit und es mischt sich eine sexuelle Komponente darunter, die mich befremdet.
Die Worte und Handlungen des Mörders sind eiskalt, kalkuliert und unausweichlich. Doch aus Maddys Perspektive wirkt er verboten charismatisch und der Kontrast zwischen Verbrechen und Verführung bereitet mir Unbehagen. Besonders als ein Messer mit ins Spiel kommt, steige ich emotional aus der Geschichte aus. Maddys Reaktion ist für mich an diesem Punkt nicht nachvollziehbar.
Observed: Jedes Stück ist unser wird von den Ich-Perspektiven des Mörders, des Cops und Maddys erzählt.
Der Mörder ist für mich eine sehr verstörende Figur. Sein Umgang mit Maddy ist geprägt von psychischer Manipulation, sadistischen Fantasien und Stalking. Besonders seine Vorliebe für die Verwendung seines Messers empfinde ich als abschreckend.
Kevo Adler verstärkt in seiner Darstellung diesen Eindruck, in dem er den Mörder als sehr gestört inszeniert. Gleichzeitig erweckt die Sprecherin Franziska Buchwald in Maddy Perspektive für mich ein ganz anderes Bild, sodass ich ambivalente Gefühle für den Mörder hege.
Der Cop ist in dieser Dreieckskonstellation die interessanteste Figur. Er hat im Verhältnis zu den anderen beiden Hauptcharakteren weniger Raum, bleibt dadurch jedoch rätselhaft und faszinierend. Er vermittelt Dominanz und Undurchschaubarkeit, gleichzeitig wirkt er auf mich verlässlich und gibt Maddy emotionale Sicherheit.
Maddy hingegen ist die komplexeste Figur. Gefangen zwischen Angst und Neugier begibt sie sich in einen emotionalen Ausnahmezustand. Ihre Entwicklung ist jedoch nicht immer für mich nachvollziehbar, besonders in den Szenen, in denen Gewalt und Lust miteinander verschwimmen.
Maddy ist kein Mäuschen und das beeindruckt mich wiederum. Sie ist aus einer schwer toxischen Beziehung geflohen und bringt den Mut auf, sich auf einen unbekannten sowie zutiefst gefährlichen Mann einzulassen.
Die Perspektivwechsel verleihen der Geschichte überraschende Wendungen und einen tiefen Einblick in die Wahrnehmungen der Charaktere während des gleichen Geschehens. Manche Perspektiv- und Szenenwechsel sind für mich jedoch nicht nachvollziehbar, was mein Hörfluss stört.
Die Grenzüberschreitungen in Observed: Jedes Stück ist unser sind genretypisch für Dark Romance und werden im Verlauf besonders stark durch Maddys Gedankengänge reflektiert. Durch die Einführung eines weiteren Antagonisten wird deutlich, wann Handlungen gegen Maddys Willen geschehen und wo sich die Grenzen zwischen erotisch-dominanten Szenen und tatsächlicher Gewalt verschieben. Hier werden auch toxische Beziehungsmuster eingeflochten, um den Unterschied hervorzuheben.
Kristin Glimmer bedient sich einer sehr starken Bildsprache und setzt Metaphern wirkungsvoll ein. Leider verfällt sie stellenweise in klischeehafte Formulierungen und wiederholt bestimmte Ausdrücke auffällig häufig. Dies wirkt auf mich ermüdend. Extrem fällt mir das in einer Szene auf, in der Maddy gefühlt ununterbrochen errötet, bis ich mich ernsthaft frage, ob sie medizinische Hilfe benötigt.
Die erotischen Zusammentreffen sind ausführlich und nehmen mehrere Kapitel ein. Zwar sind sie stellenweise anregend beschrieben, doch die Länge dieser Passagen geht zulasten der eigentlichen Handlung. Das ist besonders schade, da der Plot grundsätzlich Potenzial bietet.
Voyeurismus, verbotene Begierde, Macht und Besitz sind in Observed: Jedes Stück ist unser zentrale Themen, die sich durch die gesamte Geschichte ziehen. Das Spiel zwischen Kontrolle und Verführung wird immer wieder durch lebensbedrohliche Situationen aufgeladen, was die Spannung erhöht. Dennoch verliere ich zwischendurch das Interesse, da die Handlung zu oft hinter den erotischen Elementen verschwindet.
Das Hörbuch Observed: Jedes Stück ist unser wird von Franziska Buchwald und Kevo Adler gesprochen. Franziska Buchwald kann mich mit ihrer Darstellung von Maddy überzeugen und kann mir die emotionalen Nuancen der Figur glaubhaft vermittelt.
Im Gegensatz dazu empfinde ich Kevo Adlers Interpretation der männlichen Hauptfiguren schwierig. Besonders in erotischen Szenen wirkt seine Darstellung des Mörders auf mich eher abstoßend als sinnlich. Die Diskrepanz zwischen den beiden Sprecherenden fällt mir immer dann auf, wenn die Tonalität der Dialoge nicht harmoniert. Zum Beispiel wenn Fransziska Buchwald eine Szene sinnlich-emotional auflädt, während Kevo Adler sie mit einer völlig anderen Energie spricht.
Seine Darstellung des Cops hingegen empfinde ich als gelungen und verleiht ihm dadurch eine angenehme Tiefe.
Kevo Adler bemüht sich, die Charaktere differenziert darzustellen. Die düstere, gestörte Seite des Mörders hebt er deutlich hervor, was mich lange darüber nachdenken lässt, ob ich hier zwei Seiten einer Medaille betrachte oder ob mehr dahintersteckt.
Insgesamt muss ich sagen, dass Observed: Jedes Stück ist unser für meinen Geschmack zu sehr von den ausführlichen erotisch-dominierenden-gewalttätigen Szenen lebt. Mir fehlt ein klarer, sinnvoller Handlungsstrang, der auch ohne die erotische Komponente trägt. Dadurch bleibt die Geschichte oberflächlich und kann für meinen Geschmack keine echte Tiefe entwickeln.
Erst zum Schluss zieht die Spannung deutlich an. Obwohl ich glaube, das Ende vorhersagen zu können, gelingt es Kristin Glimmer, Zweifel in mir zu säen.
Das Finale bestätigt jedoch meine Erwartungen und hinterlässt bei mir lediglich ein müdes Lächeln. Leider keine Dark Romance, die mir lange im Gedächtnis bleiben wird.
Fazit:
Ich sag es immer wieder gern: Dark Romance ist nicht gleich Dark Romance. Wer 2/3 düstere und extreme (Messer-)Erotik und nur 1/3 Handlung mag, wird hier fündig und glücklich. Für mich es eindeutig zu viel Spice und zu wenig Substanz. Schade.
Das Vorwort von Katja Wegener stimmt mich unmittelbar auf die regionalen Orte im Fichtelgebirge ein. Besonders schätze ich daran, dass die Autorin alle vorgestellten Plätze selbst besucht und handverlesen ...
Das Vorwort von Katja Wegener stimmt mich unmittelbar auf die regionalen Orte im Fichtelgebirge ein. Besonders schätze ich daran, dass die Autorin alle vorgestellten Plätze selbst besucht und handverlesen ausgewählt hat. Dadurch fließen persönliche Eindrücke und kleine Empfindungen in die Beschreibungen ein, was den einzelnen Glücksorten eine authentische Note verleiht. Die atmosphärischen Formulierungen laden mich nicht nur zum Besuch ein, sondern auch diese Plätze mit allen Sinnen zu erleben.
Das übersichtliche Inhaltsverzeichnis präsentiert die 80 Glücksorte mit prägnanten Titeln und der jeweiligen Ortsangabe. Wer seine Touren genauer vorbereiten möchte, findet im hinteren Buchdeckel eine liebevoll illustrierte Glückskarte, auf der alle Orte mit ihren Nummern verzeichnet sind. So lassen sich sowohl Tagesausflüge als auch längere Urlaube mühelos planen.
Jeder Glücksort wird auf einer Doppelseite vorgestellt. Links erwartet mich ein kurzer und stimmungsvoller Text, rechts ein großformatiges Foto. Diese klare Struktur gefällt mir ausgesprochen gut, denn die Bildqualität ist hervorragend und vermittelt mir sofort einen ersten Eindruck davon, wie schön es vor Ort ist. Die kleinen Texte sind informativ und atmosphärisch zugleich, ohne zu überladen. Am Ende jedes Abschnitts finden sich praktische Besucherinfos wie Adresse und Anreisemöglichkeiten, ergänzt durch gelegentliche TIPP-Hinweise, die einen echten Mehrwert bieten.
Beim Stöbern durch Glücksorte im Fichtelgebirge beginne ich schon meinen eigenen imaginären Urlaub zu planen.
Nummer 22 „Känguru und Karibik-Feeling“ weckt sofort meine Neugier. Hinter dem exotisch klingenden Titel verbirgt sich der Tierpark am Röhrensee in Bayreuth, ein Ausflugsziel, das sich perfekt für Familien eignet. Wer sich vor diesem Abenteuer stärken möchte, findet mit Nummer 61 gleich einen passenden Frühstückstipp. Die Beschreibung der Düfte im Café Florian lässt mir förmlich das Wasser im Mund zusammenlaufen. Und für den Abend bietet Glücksort 46 einen genussvollen Abschluss in der Maisel’s Bier-Erlebniswelt.
Als Buchbegeisterte habe ich als Kind viele Mickey Maus Comics gelesen. Und auch dafür hat Katja Wegener direkt einen Tipp. Hinter dem Glücksort Nummer 73 verbirgt sich das Erika-Fuchs-Haus – Museum für Comic und Sprachkunst. Dort kann ich mich auf einen Rundgang durch Entenhausen begeben und es gibt eine Menge mehr zu entdecken.
Da mich aber auch alte Gemäuer und historische Orte faszinieren, würde ich direkt noch Glücksort Nummer 62 besuchen. Die Burgruine Epprechtsein bietet nicht nur eine interessante Atmosphäre und eine schöne Fernsicht, sondern ebenso herrliche Wandermöglichkeiten.
Die Mischung aus Naturerlebnissen, historischen Orten, charmanten Lokalitäten und kulturellen Empfehlungen gefällt mir sehr gut. Obwohl mich nicht jeder Platz gleichermaßen anspricht, entdecke ich beim Lesen viele neue Ziele, die ich einmal live erleben möchte.
Das Buch eignet sich für alle, die das Fichtelgebirge mit anderen Augen und all ihren Sinnen erkunden möchten. Durch die Vielzahl an Anregungen eröffnet es wunderbare Möglichkeiten, die Region zu genießen, die Seele baumeln zu lassen, kleine Abenteuer zu erleben und kulinarische Highlights zu entdecken.
Fazit:
Glücksorte im Fichtelgebirge ist eine wundervolle Möglichkeit sowohl beim Lesen schon kleine Glücksmomente zu haben als auch vor Ort das Fichtelgebirge mit allen Sinnen erleben zu können.
Ein unerwarteter Gast startet herausfordernd. Es werden nicht nur drei Handlungsstränge getrennt durch Kapitel etabliert, sondern auch recht viele unterschiedliche Charaktere eingeführt. Hier den Überblick ...
Ein unerwarteter Gast startet herausfordernd. Es werden nicht nur drei Handlungsstränge getrennt durch Kapitel etabliert, sondern auch recht viele unterschiedliche Charaktere eingeführt. Hier den Überblick zu behalten fällt mir schwer, zumal es noch zusätzlich verschiedene Blickwinkel gibt.
Sehr auffällig ist zudem von Anfang an die Thematik einer schwierigen Eltern-Kind-Beziehung, welche sich durch alle Handlungsebenen zieht.
Das Muster bei den sich abwechselnden Handlungssträngen durchschaue ich zum Glück zügig, sodass ich immer besser in Ein unerwarteter Gast hineinfinde.
Es beginnt mit den Ereignissen vom 12. August 2000. Die Erzählung in diesem Handlungsstrang erfolgt nicht chronologisch und springt in den Ereignissen hin und her. Durch diese Art der Vorausschau und die Beleuchtung durch unterschiedliche Perspektiven entsteht viel Spannung.
Danach folgt der Gegenwartsstrang, wo nur Wylie Lark die Hauptfigur ist.
Abgerundet werden die drei Handlungsebenen durch eine Begleitung einer unbekannten Frau und ihrer Tochter. Dies wird auch optisch durch eine kursive Schrift hervorgehoben. Ich kann nicht einordnen, zu welcher Zeit dieser Strang spielt, sodass er mysteriös wirkt und am meisten zum Spekulieren einlädt.
Alle drei Zeitebenen mit ihren unterschiedlichsten Perspektiven machen Ein unerwarteter Gast sehr komplex und thematisch vielfältig.
Die Rückblende ins Jahr 2000 hat True Crime Charakter und beleuchtet die bis in die Gegenwart anhaltende, nicht vollständig aufgeklärte Tragödie der Doyle Familie. Die brutalen Morde stehen in einem erschreckenden Kontrast zur Jahreszeit. Es ist sommerlich und die drückende Hitze unterstreicht die von einer liebevollen Situation umkippende Atmosphäre in etwas Lebensbedrohliches.
Dieser Handlungsstrang liefert mir eine interessante Mischung aus Fakten und Verdachtsmomenten.
Die Gegenwart mit Wylie, einer Autorin für True Crime Bücher, hat eine kalte und sehr distanzierte Atmosphäre. Dies spiegelt sich auch in dem Schneesturm wider, der um das Haus fegt, indem Wylie ihr neustes Projekt auf einer einsamen Farm zu Ende bringen möchte. Hier entspannt sich Stück für Stück eine Bedrohung, die immer mehr zunimmt.
Wylie ist der einzige Hauptcharakter, den ich nicht leiden kann. Dabei kann ich nicht benennen, was genau mich an ihr stört. Ihre Handlungsebene finde ich insgesamt nicht so interessant wie die anderen beiden.
Die nicht eindeutig zuzuordnende Zeitebene nimmt mich emotional am meisten mit. Hier begleite ich ein kleines Mädchen und ihre Mutter, die Opfer häuslicher Gewalt sind. Diese beklemmende Atmosphäre kriecht nach und nach unter meine Haut und lässt mich nicht mehr los.
Durch diese multiperspektivische Erzählweise mit personalem Blick tauchen immer neue Fragen auf, welche sich ähnlich wie ein Puzzle nur langsam zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammensetzen.
Heather Gudenkauf spielt gekonnt mit Gegensätzen. Das Erzähltempo ist hoch und detailliert. Wie alles miteinander verbunden ist, ist eine Frage, die viel Raum für Spekulationen ermöglicht. Ich bin da fleißig dabei und liege dabei häufig richtig, sodass so manche Wendung nicht überraschend für mich kommt.
Doch der Plot Twist erwischt mich eiskalt. Besonders gefällt mir das ausgeklügelte Ende, auch wenn nicht alle meine Fragen zufriedenstellend aufgeklärt werden.
Eine kleine Kritik am Rande: Ich finde den Titel ungünstig gewählt. Im Original lautet er „The Overnight Guest“, also „Der Übernachtungsgast“. Dieser Titel ist wesentlich treffender als Ein unerwarteter Gast. Denn wer der ominöse Übernachtungsgast ist, wird im Kontext deutlich. Auch wenn das nun nach Haarspalterei klingt, ist diese Bezeichnung einfach viel präziser als der deutsche Titel.
Fazit:
Ein unerwarteter Gast ist nichts für zwischendurch, sondern ein vielschichtiger Thriller, der verschiedene Perspektiven, Zeitebenen und emotionale Ausnahmezustände zu einer psychologischen Spannung zusammenbaut. Die düstere Atmosphäre und True-Crime-Elemente sorgen für ein intensives Leseerlebnis.
Der Einstieg ist eine Wohltat. Das Kapitel ist leicht und verständlich. Gleichzeitig zeigt es auf berührende Weise, wie Shavonnes Gefühle zu Llewellyn sind. Es kommt sogar ein wenig Dramatik in die Szenerie, ...
Der Einstieg ist eine Wohltat. Das Kapitel ist leicht und verständlich. Gleichzeitig zeigt es auf berührende Weise, wie Shavonnes Gefühle zu Llewellyn sind. Es kommt sogar ein wenig Dramatik in die Szenerie, sodass die Emotionen hochkochen und ich gebannt an den Panels hänge.
Doch schon im nächsten Kapitel beginnt wieder das Verwirrspiel. Manche geschilderten Augenblicke scheinen inhaltlich nicht ganz zusammenzupassen und fügen sich zeitlich nicht so nahtlos ineinander, wie ich es mir wünschen würde.
Doch dieses Mal werde ich für meine Geduld belohnt, denn einiges löst sich im Verlauf auf und wird klarer. So mancher Verdacht von mir erhärtet sich nun, andere Vermutungen bestätigen sich nicht und überraschen mich mit der jeweiligen Wendung. Dies alles weckt meine Neugier auf den finalen Band.
Die dichte Atmosphäre und die psychologischen Elemente sorgen für eine Menge Spannung. Besonders mag ich die komplizierte, aber doch so liebevolle Beziehung zwischen Shavonne und Llewellyn. In Band 5 wird wieder ordentlich mit Emotionen gearbeitet und der sich drängenden Thematik von richtig und falsch.
Das Artwork besticht durch die gelungenen Darstellungen der einzelnen Szenen und den dazu passenden Farben. Die detaillierten Panels und verschiedenen Ausdrucksformen der Charaktere flößen der Geschichte Lebendigkeit ein. Die düstere Gesamtkomposition unterstreicht die unheimliche und mysteriöse Stimmung gekonnt.
Murderous Lewellyn’s Candlelit Dinner 5 ist ein herausfordernder Manwha, der sich in Band 5 jedoch wieder fängt und gezielt auf das Finale zusteuert. Die Spannung steigt deutlich an, und mir wird klar, dass sich im sechsten Teil alle offenen Fragen klären müssen. Wie sich alles auflösen wird, bleibt dabei völlig ungewiss. Murderous Lewellyn’s Candlelit Dinner 5 endet mit einem fiesen Cliffhanger, der mich am liebsten sofort zu Band 6 greifen lässt.
Fazit:
In Murderous Lewellyn’s Candlelit Dinner 5 werden die Ereignisse zügig und dramatisch vorangetrieben. Durch die ausdrucksstarke Charakterdarstellung und die packende Atmosphäre kann ich kaum den finalen Band erwarten.