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Veröffentlicht am 30.10.2024

Regina und ihre Töchter

Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen
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Im Mittelpunkt von "Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen", dem neuen Roman von Anna Brüggemann, stehen die 51-jährige Regina und ihre beiden Töchter Antonia und Wanda. Wir schreiben das Jahr 1998, ...

Im Mittelpunkt von "Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen", dem neuen Roman von Anna Brüggemann, stehen die 51-jährige Regina und ihre beiden Töchter Antonia und Wanda. Wir schreiben das Jahr 1998, Regina ist Psychologin, ihr Mann Edgar arbeitet in einer Baubehörde. Antonia ist 19, sie hat gerade ihr Abitur gemacht und plant, Pharmazie zu studieren. Ihre anderthalb Jahre jüngere Schwester Wanda ist nicht nur sportlich sehr aktiv, sondern auch eine begabte und zielstrebige Schülerin. Antonia ist nicht so ehrgeizig wie ihre Schwester, sie hat kein rechtes Glück in der Liebe und beneidet ihre Schwester, die einen festen Freund hat. Die Mutter hat keine innige Beziehung zu ihren Töchtern, und auch das Verhältnis der beiden zueinander ist eher schwierig.

Regina ist kurz nach Kriegsende geboren und hat gegen den Wunsch der Eltern ihr Elternhaus früh verlassen, um Psychologie zu studieren. Noch heute nimmt sie es den Eltern übel, dass sie nicht genügend gefördert wurde. Das will sie bei ihren Töchtern anders machen. Während Wanda stets bereit ist, die Ratschläge ihrer Mutter umzusetzen, zieht Antonia sich immer mehr zurück und geht ihren eigenen Weg. Ohne Wissen der Eltern ändert sie ihre Zukunftspläne und schlägt eine ganz andere Laufbahn ein, als Regina es sich vorgestellt hat. 

Die Handlung spielt über einen Zeitraum von 21 Jahren, wir erleben die Höhen und Tiefen der Familienmitglieder, ihre Sehnsüchte, Sorgen und Tragödien. Der Erzählstil und die schöne Sprache der Autorin gefallen mir sehr gut, das Buch liest sich flüssig. Anna Brüggemann beschreibt die Charaktere authentisch und bildhaft, die Entwicklung der Protagonistinnen über die Jahre ist überzeugend dargestellt. Die Unzufriedenheit der Mutter und ihre Lieblosigkeit gegenüber Edgar und ihren Töchtern kommen sehr gut zum Ausdruck, ebenso die Sehnsucht der beiden nach Anerkennung. Bei Wanda ist diese Sehnsucht so ausgeprägt, dass sie eine Essstörung entwickelt. Regina ist extrem ichbezogen, wenig empathisch, neigt zur Selbstüberschätzung, ist aufbrausend und autoritär. Ihrem Mann Edgar fühlt sie sich überlegen und findet ihn langweilig. Antonia empfindet sie als unsichtbar und kritisiert sie übertrieben streng, Wanda wird von ihr bevorzugt und akzeptiert, weil sie sich nach Reginas Wünschen entwickelt.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen, es hat mich gefesselt und berührt. Ich hatte wenig Sympathie für Regina, die die Bedürfnisse ihrer Töchter nicht erkennt, sich dennoch für eine gute Mutter hält. Meine Lieblingsfigur war Antonia, die den Mut hat, entgegen Reginas Vorstellungen ihren eigenen Weg zu gehen.

Absolute Leseempfehlung für dieses mitreißende Buch über schwierige Mutter-Töchter-Beziehungen!

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Veröffentlicht am 27.10.2024

Aufwühlender Familienroman über ein wichtiges Thema

Die Nacht der Bärin
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Der Roman von Kira Mohn spielt auf zwei Erzählebenen. Im Hier und Jetzt flüchtet die 26-jährige Ich-Erzählerin Jule zu ihren Eltern. Es gab einen Streit mit ihrem Freund Jasper, in dessen Verlauf dieser ...

Der Roman von Kira Mohn spielt auf zwei Erzählebenen. Im Hier und Jetzt flüchtet die 26-jährige Ich-Erzählerin Jule zu ihren Eltern. Es gab einen Streit mit ihrem Freund Jasper, in dessen Verlauf dieser gewalttätig geworden ist. Jule erhofft sich, bei den Eltern zur Ruhe zu kommen und Klarheit über ihre Situation zu gewinnen. Gleich zu Beginn ihres Aufenthaltes erfährt die Familie, dass die Großmutter verstorben ist. Die Mutter hatte keinen Kontakt zu ihr, und Jule hat sie nie kennengelernt. Jules Mutter will das Haus der Großmutter entrümpeln lassen, bevor es verkauft wird, doch Jule möchte sich vorher gern das Haus und den Nachlass ansehen. Ihre Mutter beschließt, sie zu begleiten.

Auf einer zweiten Erzählebene, die in der Vergangenheit liegt, lernen wir die 8-jährige Maja und ihre 12-jährige Schwester Anna kennen. Die beiden leben mit ihren Eltern in einem Haus, dessen großes Waldgrundstück an einen See grenzt. Der Vater ist gewalttätig, regelmäßig werden die Mutter und Anna terrorisiert und schwer misshandelt. Die Mädchen, die in ständiger Angst leben, flüchten vor den häuslichen Missständen oft in den Wald, in eine Fantasiewelt mit Waldfeen und Bären.

Die Autorin erzählt die Geschichte, in der es um das zentrale Thema Häusliche Gewalt geht, sehr realistisch und mitreißend. Sie deutet das Grauen nur an und verzichtet dabei auf schockierende und reißerische Detailbeschreibungen. Die Charaktere beschreibt sie sehr authentisch und lässt uns tief in Jules, Annas und Majas Gedanken- und Gefühlswelt blicken. Wir sind Zeugen eines Familienlebens, das für die Mutter und ihre Töchter die Hölle ist, und wir müssen erkennen, dass der Mutter Kraft und Entschlossenheit fehlen, diesen schrecklichen Zustand zu beenden. In der Gegenwart erleben wir den inneren Kampf, den Jule führt. Soll sie nach drei glücklichen Jahren Jasper wirklich verlassen? Es gab doch nur den einen Vorfall, der sicher eine einmalige Entgleisung war.

Nach und nach blättert sich die Vergangenheit auf, ein gut gehütetes Familiengeheimnis wird offenbart, Gegenwart und Vergangenheit werden miteinander verwoben, alle Puzzlesteine fügen sich zu einem Ganzen. Auch die Bedeutung des Buchtitels wird klar. Das Ende ist hoffnungsvoll und lässt Raum für eigene Gedanken

Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mir so unter die Haut gegangen ist wie "Die Nacht der Bärin". Die Geschichte hat mich zutiefst berührt, schockiert und aufgewühlt. Sie hat mich auch wütend gemacht auf all die kriminellen Täter, die ihre Opfer hinter verschlossenen Türen erniedrigen und misshandeln. Erwähnenswert ist das Nachwort der Autorin, in dem sie den schleichenden Verlauf häuslicher Gewalt beschreibt.

Absolute Leseempfehlung für dieses tiefgründige Buch über ein wichtiges Thema, das nachdenklich macht und über das leider viel zu oft geschwiegen wird!

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Veröffentlicht am 27.10.2024

Packendes Fanbuch über eine Ikone des Frauenfußballs

Lena Oberdorf
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Jedem, der den deutschen Frauenfußball verfolgt, wird der Name Lena Oberdorf ein Begriff sein. Die ehrgeizige 22-Jährige, die für den FC Bayern München und die deutsche Nationalmannschaft spielt, gilt ...

Jedem, der den deutschen Frauenfußball verfolgt, wird der Name Lena Oberdorf ein Begriff sein. Die ehrgeizige 22-Jährige, die für den FC Bayern München und die deutsche Nationalmannschaft spielt, gilt als eine der besten Fußballerinnen in Deutschland und Europa. Anna Dreher, Sportredakteurin für die Süddeutsche Zeitung, hat ein Buch geschrieben, das uns nicht nur die Ausnahmesportlerin, sondern auch den Menschen Lena Oberdorf nahebringt. Das hochwertige und sehr liebevoll gestaltete gebundene Buch ist im Verlag Die Werkstatt, der zum Delius Klasing Verlag gehört, erschienen. Es umfasst 64 Seiten und ist in 20 Kapitel gegliedert, zahlreiche Farbfotos ergänzen die Texte.

Die Autorin beschreibt den Werdegang von Lena Oberdorf, die bereits als kleines Mädchen mit Leidenschaft Fußball spielt. Früh ist klar, dass sie in einen Fußballverein gehört. Ab ihrem vierten Lebensjahr ist sie bei den Minikickern aktiv, mit elf Jahren wechselt sie in die D-Jugend des TSG Sprockhövel. Dort ist sie das einzige Mädchen unter vielen Jungen. Ihr außergewöhnliches Talent bleibt dem Deutschen Fußballbund nicht lange verborgen, und so spielt sie ab ihrem 12. Lebensjahr erfolgreich in den Jugendnationalmannschaften.

Den ersten Profivertrag unterschreibt die sympathische Sportlerin bereits mit 17 Jahren und spielt fortan beim SGS Essen. 2019 debütiert sie in der Nationalmannschaft. Ein kometenhafter Aufstieg beginnt ....

Das Buch ist in schöner Sprache geschrieben, und ich fand es sehr spannend, nicht nur alles über die Stationen der Karriere von Lena Oberdorf, die Siege und Niederlagen sowie ihre fußballerischen Qualitäten zu erfahren, sondern auch die private Lena Oberdorf kennenzulernen, deren Hobby die Musik ist. Ihre Familie ist ihr Rückzugsort, dort fühlt sie sich geliebt und verstanden, dort kann sie auftanken. Es gibt in ihrer Fußballkarriere nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen, mit denen die junge Frau umgehen muss, wie z.B. die schwere Knieverletzung im Sommer 2024, die sie die Teilnahme am olympischen Fußballturnier kostet und nach der sie sich mühsam zurückkämpfen muss.

Einen schönen Abschluss des Buches bildet das Interview, das die Autorin mit der Ausnahmesportlerin, die immer alles richtig machen will, geführt hat, und in dem diese über die Herausforderungen des Profifußballs spricht. Sie verrät außerdem, wie sie mit Erwartungen, Kritik und Rückschlägen umgeht.

Absolute Leseempfehlung nicht nur für Fans von Lena Oberdorf, sondern für alle, die sich für Fußball interessieren!

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Veröffentlicht am 23.10.2024

Geschichte über eine couragierte Frau

Die Gräfin
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Nachdem ich unlängst mit großer Begeisterung "Südfall" gelesen habe, den Roman von Florian Knöppler über einen englischen Piloten, der Ende August 1944 mit seinem Fallschirm vor der Hallig Südfall landet ...

Nachdem ich unlängst mit großer Begeisterung "Südfall" gelesen habe, den Roman von Florian Knöppler über einen englischen Piloten, der Ende August 1944 mit seinem Fallschirm vor der Hallig Südfall landet und dort Menschen begegnet, die ihm hilfreich zur Seite stehen, war ich sehr neugierig auf "Die Gräfin". Im Mittelpunkt des Debüts von Irma Nelles steht nicht der Pilot, sondern die Gräfin von Reventlow-Criminil, die ihn in ihr Haus aufnimmt. Ich war sehr neugierig auf die nun aus anderer Perspektive erzählte Geschichte und hatte hohe Erwartungen - doch glücklich bin ich mit dem Buch leider nicht geworden.

Diana Henriette Adelaide Charlotte Gräfin von Reventlow-Criminil lebt seit 30 Jahren an der nordfriesischen Küste. Die Sommer verbringt sie regelmäßig auf der kleinen Hallig Südfall. Sie ist bereits über 80 Jahre alt und führt seit langem ein Leben in Abgeschiedenheit und fern des glanzvollen Hochadels. Die Hallig-Gräfin, wie sie von den Bewohnern der Nachbarinseln genannt wird, beschäftigt auf ihrem Anwesen seit 8 Jahren Haustochter Meta und Knut Maschmann, der seit über 20 Jahren für sie als Kutscher und Faktotum tätig ist. Als sie im Spätsommer 1944 auf einer Sandbank ein kleines Flugzeug entdeckt, das dem Anschein nach abgestürzt ist, rettet sie den Piloten aus dem Cockpit und versteckt ihn. Es handelt sich um einen Engländer, der in ihrem Haus seine Verletzungen auskurieren wird. Niemand außer ihr und den wenigen eingeweihten Personen darf wissen, dass die Gräfin den Feind versteckt. 

Die Geschichte, die einen Zeitraum von nur 6 Tagen umfasst, ist in klarer Sprache - teils in plattdeutsch - erzählt, sie basiert auf wahren Begebenheiten. Die Autorin wuchs in der Nähe der Hallig Südfall auf, sie kannte viele Personen selbst und wusste um die Mythen, die sich um die Gräfin ranken. Das karge Leben auf der Hallig in Kriegszeiten und die Naturgewalten hat Irma Nelles sehr atmosphärisch und faszinierend beschrieben. Man spürt ihre Liebe zu der ihr vertrauten Region.

Die zentrale Figur des Romans ist die charakterstarke und mutige Gräfin, die von der Autorin sehr authentisch dargestellt wird. Die Gräfin war für die damalige Zeit eine äußerst beherzte Frau, die sich schon früh gegen die Ehe entschied und ein selbstbestimmtes Leben führte. Ich hatte Hochachtung vor der eigenwilligen Adeligen, die früh von den nationalsozialistischen Plänen wusste und immer wieder ihr Leben riskierte, um Verfolgten zur Flucht zu verhelfen. Die interessanten Nebenfiguren, der Pilot John, Meta und Knut sowie das Ärzteehepaar Braak sind gut gezeichnet. Ich fand die Geschichte, die mir im Großen und Ganzen gefallen hat, nicht gerade spannend. Die ausführlichen Schilderungen aus der Vergangenheit der Gräfin empfand ich häufig als etwas zäh und eher langweilig. Im Gegensatz hierzu hätte ich mir gewünscht, mehr aus Johns Leben zu erfahren. Der Roman endet leider ziemlich abrupt, viele Fragen bleiben offen.

Meine Erwartungen an das Buch sind leider nicht erfüllt worden. Am besten haben mir die schönen und faszinierenden Natur- und Landschaftsbeschreibungen gefallen, die Handlung hingegen hat mich - auch wegen der recht sachlichen Erzählweise und des Fehlens jeglicher Emotionen - nicht überzeugen können.

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Veröffentlicht am 21.10.2024

Schönes Pokémon-Buch für Groß und Klein

Pokémon Handbuch: Pokémon: Timelines
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Wer kennt sie nicht, die Pokémon-Sammelkarten, die 1996 in Japan entwickelt wurden und rasch ihren Siegeszug auf der ganzen Welt antraten? 1997 erschien die Zeichentrickserie, von der in bisher 25 Staffeln ...

Wer kennt sie nicht, die Pokémon-Sammelkarten, die 1996 in Japan entwickelt wurden und rasch ihren Siegeszug auf der ganzen Welt antraten? 1997 erschien die Zeichentrickserie, von der in bisher 25 Staffeln mehr als 1200 Folgen im Fernsehen ausgestrahlt wurden. 

"Pokémon Timelines" von Katharine Andreou und Glenn Dakin zeigt auf 208 Seiten in 8 Kapiteln die abenteuerlichen Reisen des Pokemon-Helden Ash Ketchum von Kanto bis Galar und seinen Aufstieg vom Trainer zum Weltmeister auf. Hierbei wird Ash von seinem treuen Partner Pikachu begleitet. In der spannenden Pokémon-Welt gibt es viel zu entdecken, statt Seitenzahlen gibt es Zeitleisten, die gespickt sind mit unzähligen Informationen, Details und vielen Bildern. Kleine und große Fans können tief eintauchen in das Pokémon-Universum, lernen dabei all seine Bewohner kennen und erlangen umfangreiches Hintergrundwissen. Auf den letzten Seiten enthält das Handbuch ein praktisches Stichwortregister sowie ein Glossar.

Das gebundene Buch, das in schönen Farben reich illustriert ist, richtet sich an Kinder zwischen 6 und 11 Jahren, es ist äußerst hochwertig und liebevoll gestaltet und eignet sich hervorragend als Geschenk. Ich bin davon überzeugt, dass es nicht nur kleine, sondern auch alle großen Pokémon-Fans begeistern wird! 

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