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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.08.2018

Der Strandkorb tritt seinen Siegenzug an der Ostsee an.

Die Villa am Meer
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Das Bild auf dem Cover dieses Romans ist aus meiner Sicht genau die richtige Zusammenfassung des Romans. ‚Die Villa am Meer‘ von Micaela Jary ist ein historischer Roman, der Anfang des 20. Jahrhunderts ...

Das Bild auf dem Cover dieses Romans ist aus meiner Sicht genau die richtige Zusammenfassung des Romans. ‚Die Villa am Meer‘ von Micaela Jary ist ein historischer Roman, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Warnemünde, Rostock und Hamburg spielt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Katharina als Protagonistin. Eine junge Frau, die einen älteren Mann heiratet, der wohlsituiert ist durch seine Erfindung des Strandkorbes, obwohl sie einen anderen liebt. Katharina bekommt Kinder und das Leben und die Liebe nimmt seinen Lauf. Alles gebettet in die damaligen Gepflogenheiten und Lebensweisen wie Ansichten. Der Inhalt und der Plot mögen eher trivial sein, aber zum einen sehr unterhaltsam geschrieben und zum anderen auch sehr gut beschrieben.
Ein historischer Roman der die Zeit 1902 bis 1921 umfassen. Micaela Jary greift viele Details aus der Zeit auf und bettet die Geschichte in eine sehr gut recherchierte Umwelt hinein, sei es das Aufkommen der neuer Technik, der 1. Weltkrieg usw. Wirklich gut gemacht und ich hatte an der ein und anderen Stelle ein Aha-Erlebnis, wie beispielsweise wo der Begriff „Butterfahrt“ herkam.
Auch die Stellung der Frauen wird sehr deutlich gemacht. Man bekommt einen Einblick in den Alltag einer gut situierten, aber eben auch an vielen Stellen machtlosen Frau und wie sie durch Geschick und Contenance es schafft ihre Ziele zu verwirklichen.
Insgesamt sind alle Figuren äußerst plastisch und klar dargestellt und machen die Geschichte rund. Der Schreibstil ist flüssig und leicht lesbar.
Das einzige was mir persönlich nur mäßig gefallen hat, ist das Beiwohnen des Lesers in manchen Passagen langer um sich selbst kreisender Gedanken. Da hätte man an der ein und anderen Stelle gut eine halbe bis Seite sparen können und man hätte als Leser trotzdem ohne Mühe verstanden wie die Zusammenhänge, Beweggründe und innere emotionale Stimmungen sind.
Aber insgesamt ein Lob für diesen Roman, mir hat er gefallen. Eine Weiterempfehlung kann ich aussprechen für alle die historischen Roman spannend finden. Auch steht bei mir bereits der ältere Roman „Das Haus am Alsterufer“ im Regal! Das spricht für sich, oder?

Veröffentlicht am 17.08.2018

Empfehlung für Männer

Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint
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Der Roman „Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint“ von Bernhard Blöchl ist ein Roman der mich zwiespältig zurück lässt. Einerseits ein lustiger und zugleich tiefgehender ...

Der Roman „Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint“ von Bernhard Blöchl ist ein Roman der mich zwiespältig zurück lässt. Einerseits ein lustiger und zugleich tiefgehender road trip eines Mannes in der midlife crisis. Andererseits ein Roman der lässig sein will, holprig über diverse Themen jagt und dann auch noch die großen Fragen des Lebens beantworten will.
Und ja, bei diesem Roman spielt es eine Rolle ob man Fußball mag oder nicht. Und da bin ich schon mal draußen und verringert automatisch das „Kann-man-mögen“-Potenzial für mich. Soll aber im Umkehrschluss nicht heißen, dass das Buch nur für Männer geeignet ist. Auch wenn eine Tendenz erkennbar ist.
Aber erstmal eine sehr sehr kurze Zusammenfassung vom Roman: Es geht um einen Mann aus Wuppertal, der einst nach München floh vor vielen Jahren und nun nach einem einschneidenden Ereignis Reißaus nimmt im Auto Richtung Norden. Auf dieser Reise passiert viel, es gibt Aha-Erlebnisse und er ist ein anderer Mann, wenn er wieder in Deutschland ist.
Sprachlich hat Bernhard Blöchl einiges zu bieten. Immer wieder tauchen grandiose Stellen auf. Seine sprachliche Stärke in diesem Roman liegt besonders auf die Einarbeitung von schwierigen bis niveaulosen Wörtern in einen literarischen Text ohne (!) das es aufgesetzt oder irgendwie unpassend ist. Schreiben kann er, ganz klar!
Fazit: Den Autor behalte ich im Auge, denn sprachlich hat es mich überzeugt. Ich glaube, Bernhard Blöchl hat sein Thema einfach noch nicht gefunden. Das Buch selbst empfehle ich nur eingeschränkt weiter und das hauptsächlich an: Männern. ;0)

Veröffentlicht am 17.08.2018

Ich kann es weder empfehlen noch möchte ich Leser von diesem Werk fernhalten.

Museum der Erinnerung
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Das ‚Museum der Erinnerung‘ hat mich mit etwas gemischten Gefühlen zurück gelassen hat. Einerseits ist es sprachlich fein und überwältigend ausgestaltet, andererseits ist die Geschichte ohne Spannung in ...

Das ‚Museum der Erinnerung‘ hat mich mit etwas gemischten Gefühlen zurück gelassen hat. Einerseits ist es sprachlich fein und überwältigend ausgestaltet, andererseits ist die Geschichte ohne Spannung in die Länge gezogen.
Anna Stothard hat den Roman ‚Museum der Erinnerung‘, welches im Original den besseren Titel ‚Cathy’s museum‘ (=Cathys Museum) hat, geschrieben. Es ist die Geschichte einer jungen Engländerin, die in Berlin im Naturkundemuseum arbeitet und dort durch ein Paket an ihre Vergangenheit erinnert wird. Damit kommt die Geschichte ins Rollen.
Der Verlag schürt mit dem Bild auf dem Cover, sowie mit dem Klappentext andere Erwartungen an den Roman als der Text hergibt. Es geht weniger um Berlin, und ja, es spielt im Naturkundemuseum und es wird viel beschrieben, aber zentral aus meiner Sicht ist es nicht. Es hätte genauso gut in Paris, Rom oder in sonst einer großen Stadt spielen können. Denn die Protagonistin wird viel in ihre Vergangenheit zurück katapultiert in dieser Geschichte. Eine Aufarbeitung mit einem Befreiungsschlag.
Im Grunde genommen ist der Roman eine Konfrontation Cathys mit ihrer eigenen Erinnerung und ihrer Vergangenheit. Zum Teil aus meiner persönlichen Perspektive etwas langatmig und nicht spannend genug geschrieben.
Aber dennoch fand ich den Roman gut, denn sprachlich ist die Autorin eine Meisterin. Sie schafft es den Leser in eine Gefühlswelt zu ziehen in der man sich selbst fast fühlt wie die Protagonistin und andere Charaktere, die exzellent ausgestaltet sind. Es gibt viele Sätze, die man sich als Zitat merken möchte, es gibt viele sehr kurze, aber prägnante Absätze.
Und ich denke, dass mich dieser Gegensatz aus eher mäßiger Geschichte und wahnsinnig gutem Schreibstil ratlos macht.
Fazit: … Ich kann es weder empfehlen noch möchte ich Leser von diesem Werk fernhalten. Ich werde bei Gelegenheit ein anderes Werk der Autorin lesen und schauen, ob mir das dann besser gefällt.

Veröffentlicht am 17.08.2018

Familiengeschichte die sich lohnt!

Die Stunde unserer Mütter
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Katja Maybach ist eine Autorin, die scheinbar vielen sehr gut bekannt ist und auch bereits viele Romane veröffentlichte. Für mich war ‚Die Stunde unserer Mütter‘ ihr erster Roman und ich bin überzeugt! ...

Katja Maybach ist eine Autorin, die scheinbar vielen sehr gut bekannt ist und auch bereits viele Romane veröffentlichte. Für mich war ‚Die Stunde unserer Mütter‘ ihr erster Roman und ich bin überzeugt! Mein SUB ist bereits gewachsen…
Die Geschichte ist gut strukturiert, super geschrieben, spannend und die Charaktere mit einer plastischen Tiefe gezeichnet, die man sich wünscht.
Wir lernen in diesem Roman nach und nach die vier Protagonistinnen kennen: Marie und ihre Tochter Anna sowie Vivien mit ihrer Tochter Antonia. Den Rahmen der Handlung setzt der 2. Weltkrieg und wir befinden uns zu Beginn bereits im Jahr 1940. Der Roman ist einerseits eine Familiengeschichte und andererseits die Erfahrungen einzelner Personen im 2. Weltkrieg. Es ist ein Roman über Courage und Feigheit zugleich, es ist ein Roman über die Auswirkungen des Kriegs auf das Familienleben, Träume und Lebenspläne und es ist ein Roman über die Veränderungen des Zeitgeistes, die Veränderungen der inneren Haltungen, besonders bei den Frauen der Zeit.
In diesem Roman sind ganz deutlich die Frauen im Fokus und wie sich ihre Einstellung und ihre Haltung durch die Abwesenheit der Männer durch gewonnenes Selbstvertrauen in das eigene Handeln verändert.
Geschrieben ist es von Katja Maybach wunderbar flüssig. Man folgt der Handlung ohne Probleme. Der Roman macht einige zeitliche Sprünge, die dem Roman eine gewisse Dynamik verleiht.
FAZIT: Wer gerne Familiengeschichten liest in Kombination mit historischen Stoffen ist hier bestens aufgehoben. Zugreifen, eintauchen und entdecken – es lohnt sich!

Veröffentlicht am 17.08.2018

Solide!

Ehemänner
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“New York ist wie ein Dämon mit vielen Köpfen: Wenn man einen abschlägt, wächst sofort ein neuer nach.” Ein Zitat von Seite 81 und eine so treffende Bemerkung über New York im Jahr 2017! Jami Attenberg ...

“New York ist wie ein Dämon mit vielen Köpfen: Wenn man einen abschlägt, wächst sofort ein neuer nach.” Ein Zitat von Seite 81 und eine so treffende Bemerkung über New York im Jahr 2017! Jami Attenberg porträtiert New York auf eine ganz besondere Art und Weise und von einer Aktualität die unübertrefflich ist.
Ihr neuster Roman ‚Ehemänner‘ ist klassisch in 3 Teile gegliedert mit einem vorangesetzten Prolog.
Um was geht es in diesem Roman? Um eine Frau, die wieder ins Leben zurück finden will und am Ende eines Lebensabschnitts steht. Diese Frau, Jarvis, eine New Yorkerin par excellence, ist mit einem Künstler verheiratet, der leider seit 6 Jahren im Koma liegt in einem Pflegeheim. Sie hält an der Liebe zu ihm fest und an dem Leben mit ihm und wollte bisher die Hoffnung nicht aufgeben. Das Endergebnis war leider eine Depression und ein Rückzug aus dem Leben. Und an diesem Punkt setzt dieser Roman ein. Im Waschsalon trifft sie auf 3 Männer, auf 3 verheiratete Männer, die sie sich aktiv als Freunde aussucht (“Vielleicht sind das nicht die Freunde, die ich mir zulegen sollte, aber es sind die Freunde, die ich haben will.”)
Es mag in meiner profanen Beschreibung wie ein Frauenroman der übelsten Sorte klingen, aber der Roman ist frisch, bissig und mit keiner Seite langweilig. Was man lieben sollte, wenn man zu diesem Buch greift sind schrullige Protagonisten, New York und gute Literatur.
Jami Attenberg schafft es es mit wenigen Worten große Bilder in meinem Kopf zu zaubern und ohne alles auszuschreiben Emotionen und Verständnis für absurde Verhalten zu produzieren.
Und übrigens find ich die Übersetzung sehr gelungen mit aktuellem Sprachgebrauch (zB Seite 51 ...versprengte Verwandte...) was zu flüssigem Lesen führt.

Ein gutes solides literarisches Werk, auch wenn mir das Erstlingswerk der Autorin besser gefallen hat.

Für mich ist es auf jeden Fall ein Buch der Freundschaft und des Abschiednehmens.