Profilbild von PMelittaM

PMelittaM

Lesejury Star
offline

PMelittaM ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit PMelittaM über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.10.2025

Berührend

Onigiri
0

Als ihre Großmutter in Japan stirbt, macht sich Aki mit ihrer demenzkranken Mutter auf den Weg in deren Geburtsland.

Der Roman erzählt keine fortlaufende Handlung sondern ist zusammengesetzt aus vielen ...

Als ihre Großmutter in Japan stirbt, macht sich Aki mit ihrer demenzkranken Mutter auf den Weg in deren Geburtsland.

Der Roman erzählt keine fortlaufende Handlung sondern ist zusammengesetzt aus vielen Erinnerungsstücken. Diese werden nicht chronologisch erzählt, und betrachten sowohl die Großmutter Yasuko, die Mutter Keiko, als auch die Tochter Aki selbst, die in Ich-Form erzählt, sowie auch ihren Vater Karl und die Familie väterlicherseits. Nach und nach setzt sich so das Bild einer Familie zusammen.

Aki und ihr Bruder waren in den Ferien oft bei den reichen Eltern ihres Vaters zu Besuch, die ihre Mutter nie ganz akzeptieren konnten, sie haben aber auch ihre japanischen Verwandten näher kennengelernt. Ihre Eltern hatten sich früh getrennt, so war ihr Leben immer ein Wechsel nicht nur zwischen den Kulturen, sondern auch verschiedenen Lebensituationen. Durch den japanischen Teil der Familie erfährt man viel über dieses Land, seine Kultur, vor allem auch die Esskultur, und seine Menschen. Am Ende des Buches gibt es ein Glossar, das sehr nützlich ist, denn der Roman enthält viele japanische Wörter.

Die gemeinsame Reise führt auch dazu, dass Aki ihre Mutter mit anderen Augen sehen kann, denn sie findet im Zimmer ihrer verstorbenen Großmutter Briefe und Fotos, und kann so erkennen, wie mutig und selbstbewusst ihre Mutter gewesen sein muss, ihre Heimat zu verlassen und sich auf ein ganz anderes Leben einzulassen, das sicher nicht immer ihren Wünschen entsprochen hat.

Die Erzählweise macht das Lesen nicht immer einfach, jedoch ist der Roman relativ kurz, so dass man die einzelnen Erinnerungen gut in Verbindung setzen kann, und sich am Ende ein Bild ergibt. Mich hat der Roman berührt.

Veröffentlicht am 14.10.2025

Interessantes Gedankenexperiment

All Better Now
0

Die Covid-Pandemie ist vorüber, und schon ist ein neuer pandemischer Virus, Crown Royale genannt, unterwegs, zumindest in diesem Roman. Seine Sterblichkeitsrate beträgt 4 %, aber alle, die ihn überleben, ...

Die Covid-Pandemie ist vorüber, und schon ist ein neuer pandemischer Virus, Crown Royale genannt, unterwegs, zumindest in diesem Roman. Seine Sterblichkeitsrate beträgt 4 %, aber alle, die ihn überleben, verändern sich, sie werden glücklich und zufrieden, hilfsbereit, zugewandt, einfach gute Menschen. Doch, das hat auch Nachteile, denn, wenn solche Genesende zum Beispiel jemanden sehen, der in Lebensgefahr schwebt, wollen sie ihn retten, ohne Rücksicht auf sich selbst, was einigen von ihnen das Leben kostet.

Auf der anderen Seite gibt es, wie soll es auch anders sein, auch Menschen, die das Virus verteufeln, es werden, auch über die Genesenen Fakenews verbreitet, so dass es sogar zu Angriffen auf sie kommt.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, nicht nur aus denen der Hauptcharaktere, zudem startet jeder der acht Abschnitte des Romans mit einer kurzen Erzählung, jeweils aus verschiedenen Orten auf der Welt, die alle einen Bezug zum Hauptthema haben.

Die Protagonist:innen sind sehr verschieden. Rón Escobedo ist der jüngste Sohn des weltweit drittreichsten Mannes, und hat immer wieder mit Depressionen zu kämpfen. Er flüchtet aus seinem Goldenen Käfig und legt es darauf an, angesteckt zu werden. Als Genesener will er dann dafür sorgen, möglichst vielen Menschen dieses Glück auch zu bescheren.

Mariel Mudroch lebt mir ihrer Mutter in deren Auto, bis ihre Mutter erkrankt. Auch Mariel möchte dieses Glück kennenlernen. Und schließlich gibt es noch Morgan Willmon-Wu, hochintelligent, die durch bestimmte Umstände zu viel Geld und Macht kommt, und diese dafür nutzen möchte, die Welt von dem Virus zu befreien.

Was würde ich in so einer Situation tun beziehungsweise wollen, habe ich mich beim Lesen öfter gefragt. Ich finde, die Prämisse dieses Romans ist ein sehr interessantes Gedankenexperiment. Natürlich stand ich als Leserin schnell auf einer Seite, schon, weil dort die sympathischeren Menschen unterwegs sind, aber vielleicht ist das ja zu kurz gedacht? Der Roman ist spannend, und die verschiedenen Teile, auch die kurzen Erzählungen zu Beginn der Abschnitte greifen nach und nach ineinander.

Ich war davon ausgegangen, dass es sich hier um einen Einzelroman handelt, und war über das sehr offene Ende doch überrascht, obwohl es durchaus zum Roman gepasst hätte, so offen zu enden. Doch, und das hatte ich beim Lesen schon wieder vergessen, wird man bereits zu Beginn des Buches darüber informiert, dass es eine Fortsetzung geben wird, angekündigt für Herbst 2027). Nun denn, dann ist das offene Ende doch ein Cliffhanger.

Mein erster Roman von Neal Shusterman hat es in sich, einen interessanten Plot und viel zum Nachdenken. Ich bin sehr gespannt auf die anderen Werke des Autors, von dem ich tatsächlich bisher noch nichts gelesen habe, vor allem natürlich auch auf die Fortsetzung von diesem.

Veröffentlicht am 13.10.2025

Sehr komplex

Die Spur der Vertrauten
0

Stell dir vor, du lebst in einer Welt, in der jeder Mensch einen sogenannten Instinkt hat, dem er vollkommen unterworfen ist. Dieser Instinkt hat eine bestimmte Reichweite, innerhalb der du deinen Instinkt ...

Stell dir vor, du lebst in einer Welt, in der jeder Mensch einen sogenannten Instinkt hat, dem er vollkommen unterworfen ist. Dieser Instinkt hat eine bestimmte Reichweite, innerhalb der du deinen Instinkt ausführen musst. Nehmen wir an, dein Instinkt ist Reparieren, und deine Reichweite 5 m, dann musst du alles, was in diesem Umkreis um dich herum kaputt geht, reparieren, ob du willst, oder nicht, du kannst deinem Instinkt nicht entkommen. Du kannst ihn aber auch nicht ewig umgehen, denn wenn du ihn längere Zeit nicht ausführst, bekommt dir das gesundheitlich nicht. Alles, was getan wird, dient dabei dem Wir, Individualiät ist verpönt.

In dieser Welt leben die Charaktere dieses Romans. Einige von ihnen lernt man näher kennen, vor allem die drei Protagonist:innen. Claire ist eine sogenannte Vertraute, der dazugehörige Instinkt ist zuhören. Da meistens jemand um einen herum redet, ist es den Vertrauten gestattet, Kopfhörer zu tragen, um sich zu schützen. Claire trägt aber auch ein Geheimnis in sich, das sehr gefährlich werden könnte.

Goliath ist ein Schützer, ein sehr gefährlicher Instinkt, denn der Schutz der anderen ist wichtiger als der eigene, und so hat Goliath bereits Extremitäten verloren. Als eines Tages mehrere Schüler verschiedener Schulen spurlos verschwinden, sieht er seine Chance, einen oder mehrere zu finden und dadurch deren Leben zu retten, was ihm einen Platz im Turm der Erhabenen sichern würde, das er schon lange anstrebt. Dabei trifft er auf Claire, und die beiden tun sich für die Suche zusammen.

Über den dritten Protagonisten möchte ich wenig sagen. Sein erster Auftritt hat mich die Luft anhalten lassen.

Neben den Perspektiven dieser Drei gibt es noch weitere, die allerdings oft nur ein oder zwei Kapitel ausmachen. Nicht nur die der drei Protagonist:innen werden in Ich-Form erzählt, aber nicht alle.

Die Geschichte ist sehr komplex, zunächst hat man viele Fragen, manche werden nach und nach beantwortet, manche bleiben auch am Ende offen. Für mich ergab sich die Spannung in der ersten Hälfte des Romans vor allem aus diesen Fragen, und ich habe fleißig spekuliert. In der zweiten Hälfte hat mich der Roman etwas verloren, ich mochte die Entwicklung nicht so recht. Es gab weitere, neue Fragen, und manches erschien mir mittlerweile nicht mehr so ganz logisch. Auch mit dem Ende habe ich etwas gehadert, nicht nur, weil nicht alle Fragen beantwortet wurden, sondern auch, wie die Geschichte sich entwickelte. Andererseits bietet es, wie auch der Rest des Romans einiges zum Nachdenken, was ich im Grunde gut finde. So war ich am Ende eher zwiegespalten.

Ob der Roman, wie angegeben, ab 14 gelesen werden sollte, bin ich wegen der Komplexität und des Themas nicht sicher. Geübten Leser:innen in dem Alter kann man es vielleicht schon zutrauen, ansonsten würde ich zu einem späteren Alter raten. Auch für Erwachsene ist der Roman eine gewisse Herausforderung.

Der Roman ist sehr komplex und daher nicht immer einfach zu lesen, nach und nach werden die Hintergründe klarer, doch alle Fragen sind am Ende nicht gelöst. Ich finde das nicht schlimm, denn ich habe sowieso von Anfang bis Ende viel über das Geschehen nachdenken müssen. Dennoch war ich am Ende zwiegespalten, die Entwicklung des Romans in der zweiten Hälfte mochte ich nicht ganz so gerne, während ich in der ersten Hälfte sehr begeistert war. Ich empfehle den Roman auf Grund der Komplexität und des Themas eher für erwachsene Leser:innen, sowie sich auf ihn einzulassen.

Veröffentlicht am 07.10.2025

Humor und Aliens

Earthventure in Las Vegas
0

Josh langweilt sich, sein Job bei Walmart ist stupide und wenig angenehm, und auch sonst ist sein Leben sehr gewöhnlich. Das ändert sich, als er auf der Comic Con Odiklu begegnet, und der ihm einen Job ...

Josh langweilt sich, sein Job bei Walmart ist stupide und wenig angenehm, und auch sonst ist sein Leben sehr gewöhnlich. Das ändert sich, als er auf der Comic Con Odiklu begegnet, und der ihm einen Job anbietet. Odiklu ist nicht irgendwer, er kommt vom Planeten Angrodan, und er hat eine richtig gute Business-Idee, er will die Erde für Angrodaner touristisch erschließen, zumindest so lange diese noch nicht unter Naturschutz gestellt wurde. Denn so können die Angrodaner sie noch betreten und hautnah erleben, was es hier zu erleben gibt. Die Bezahlung, die er Josh anbietet, ist so exorbitant hoch, dass Josh nicht nein sagen kann.

Schon bald hat Odiklu eine erste Kundin, Ulionk ist gerade in Rente gegangen, ihre drei Männer kümmern sich vor allem umeinander, und in den bisherigen Urlauben konnte sie die anderen Welten nur aus dem Orbit beobachten. Auch sie langweilt sich, und sehnt sich nach Aufregung.

Aufregung bekommt sie, aber vor allem Josh, zur Genüge. Josh ist sehr bemüht, Ulionks Wünsche zu erfüllen, die sie vor allem irdischen Streamingprogrammen entnommen hat, die Odiklu ihr zur Verfügung gestellt hatte. Da ist der Besuch eines Kindergeburtstages mit Pinata noch das harmloseste.

Fremde Kulturen, egal ob auf dem eigenen Planeten oder einem fremden, sind immer spannend, halten aber auch viele Fettnäpfe bereit. Doch das ist nicht das einzige Problem, das es zu umschiffen gilt, denn Angrodaner sehen zwar Menschen ähnlich, aber es gibt auch offensichtliche Unterschiede, so dass Ulionks Geheimnis immer in Gefahr ist, aufzufliegen. Josh sieht sie mehr als einmal in Area 51 verschwinden.

Das alles wird auch noch sehr bildhaft erzählt, so dass mein Kopfkino aus dem Arbeiten gar nicht mehr herauskam. Ich weiß gar nicht, wie oft ich schmunzeln oder gar laut lachen musste, nahezu jede Szene bietet auch Situationskomik. Und bei all dem Humor ist es der Autorin auch noch gelungen, skurrile Charaktere zu kreieren, die man einfach mögen muss, naja, zumindest die meisten. Las Vegas ist zudem ein perfektes Setting, denn ungewöhnliche Leute gibt es da öfter.

Der Roman hat mich gut unterhalten, ich hatte viel Spaß beim Lesen. Wer gerne einmal einen humorvollen Ausflug mit einem Alien in Las Vegas erleben möchte, und wer wollte das nicht, sollte unbedingt zugreifen. Ich freue mich auf weitere Bände der Earthventure-Reihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 06.10.2025

Berührte mich auf verschiedenen Ebenen

Das Geschenk des Meeres
0

Ende des 19. Jahrhunderts verlässt Dorothy Aitken Edinburgh und zieht in das kleine Fischerdorf Skerry., dort hat sie eine Stelle als Lehrerin bekommen. Sie verliebt sich, heiratet, bekommt einen Sohn ...

Ende des 19. Jahrhunderts verlässt Dorothy Aitken Edinburgh und zieht in das kleine Fischerdorf Skerry., dort hat sie eine Stelle als Lehrerin bekommen. Sie verliebt sich, heiratet, bekommt einen Sohn Moses, den sie sechsjährig ans Meer verliert, ein Verlust, den sie nie verarbeiten kann. Jahre später, im Jahr 1900 wird ein Junge vom Meer angespült, der Moses sehr ähnlich ist, etwa gleiches Alter, gleiche Haarfarbe, und er trägt nur einen Schuh an den Füßen, während einer von Moses Schuhen nach seinem Verschwinden am Strand gefunden wurde. Zunächst nimmt der Pfarrer den Jungen bei sich auf, doch dann bittet er ausgerechnet Dorothy, für ihn zu sorgen, bis man weiß, woher er gekommen ist.

Als Dorothy nach Skerry kommt, hat sie keine leichte Zeit hinter sich. Sie wuchs bei einer dominierenden und manipulierenden Mutter auf, die ihre Psyche nachhaltig beeinflusst hat. So fällt es Dorothy schwer, Kontakt zur Dorfbevölkerung aufzunehmen, ständig sucht sie auch nach Fehlern bei sich. Aus Angst, dass man über sie redet, verhält sie sich manchmal so, dass erst recht über sie geredet wird. Ihr Leben auf Skerry hat viele Tiefs und wenige Hochs, oft aber auch deshalb, weil sie Dinge nicht anspricht, sondern sich auf Annahmen und Mutmaßungen verlässt und Manipulationen von außen zulässt.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven. Im Mittelpunkt stehen neben Dorothy weitere Personen, deren Leben auf gewisse, nicht immer positive, Weise mit ihrem verbunden ist. Nicht jedes Denken und Handeln ist ohne weiteres nachvollziehbar, oft ist es aber dennoch auf gewisse Weise verständlich. Schmunzeln musste ich manchmal über den Pfarrer, dessen Vermutungen manchmal das Gegenteil von dem waren, was tatsächlich war.

Erzählt wird auch in zwei Zeitebenen: Damals und Jetzt, letzteres beginnend mit dem Auffinden des Jungen, Jahre nachdem Moses im Meer verschwand.

Mich hat der Roman sehr berührt, vor allem Dorothys Emotionen. Aber nicht nur sie, auch andere Charaktere haben ein Päckchen zu tragen. Es gibt charakterliche Entwicklungen, es gibt überraschende Entwicklungen, es gibt Ungesagtgebliebenes, es gibt Reue, Mitgefühl, Liebe, Hass, Misstrauen und so viel mehr. Auch ich hatte beim Lesen viele Emotionen, und musste auch mehrmals weinen. Auch wenn ich manchmal den Kopf schütteln musste, im Grunde verstehe ich, wie es zu den jeweiligen Verhaltensweisen gekommen ist, die Charakterzeichnungen sind durchgehend gelungen.

Mit dem Ende bin ich, so wie es ist, zufrieden, man hätte sich auch mehrere andere Enden vorstellen können, aber dieses passt für mich perfekt zum Roman.

Der Roman hat mich emotional mitgenommen, auf verschiedenen Ebenen, ich habe mitgefühlt, aber mich auch manchmal geärgert über das Verhalten der einen oder anderen Person, am Ende ergibt sich ein rundes Bild.