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Veröffentlicht am 01.11.2018

Krimödie mit einer Auflösung, die mir gar nicht gefällt

3 Zimmer, Küche, Mord
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Nach der Trennung von Pascal hält Loretta nach einer neuen Wohnung Ausschau. Sie wird auch bald fündig, die neue Wohnung scheint perfekt – bis Loretta im Hof einen Toten findet. Dabei wollte sie sich doch ...

Nach der Trennung von Pascal hält Loretta nach einer neuen Wohnung Ausschau. Sie wird auch bald fündig, die neue Wohnung scheint perfekt – bis Loretta im Hof einen Toten findet. Dabei wollte sie sich doch von jeglichen Mordermittlungen fern halten …

Dies ist tatsächlich schon der 10. Band der Reihe und Loretta-Fans freuen sich, dass die Protagonistin offenbar doch wieder in Mordermittlungen verwickelt wird, denn man fürchtete nach dem letzten Roman schon, ihre Geschichte sei nun auserzählt. Wie immer darf der Leser sich über ein gelungenes Cover von Ommo Wille freuen – leider zwar mit schwarzen statt weißen Tauben, aber dennoch macht es wieder viel Spaß, es sich genau anzusehen.

Die Autorin lässt Loretta in Ich-Form erzählen, was dem Roman eine gewisse Würze verleiht, der Leser erlebt Lorettas Überlegungen aus erster Hand und kann sich direkt selbst seinen Reim darauf machen. Natürlich werden die eigenen Überlegungen dadurch nicht unwesentlich beeinflusst, man weiß halt selbst immer nur so viel wie Loretta.

Der Roman lässt sich von Anfang an gut lesen, ich vermisse Pascal keine Sekunde lang, war aber auch nie ein Fan von ihm. Die neue Umgebung tut Loretta gut, mit ihr lernt der Leser ihre Nachbarn kennen, die teilweise ein bisschen skurril, teilweise eher etwas obskur sind, teilweise auch etwas zu übertrieben dargestellt sind, als typisch Ruhrpott kommt ein „Taubenvatta“ ins Spiel. Lorettas Freunde agieren dafür größtenteils eher im Hintergrund, nur Erwin und Frank erhalten etwas größere Rollen, und natürlich ist auch Kommissarin Küpper wieder dabei.

Schnell wird klar, hier könnte es sich um ein sehr ernstes Thema handeln. Gegen Ende bekam ich dann immer mehr das Gefühl, die Richtung der Geschichte könnte mir gar nicht gefallen – und so war es dann auch, die Auflösung finde ich persönlich gar nicht gut. Schwierig zu begründen, warum, wenn man nicht spoilern will, wer den Roman gelesen hat, versteht vielleicht, warum ich so denke. Für alle anderen: Eine solche Auflösung wünsche ich mir nicht in einer Krimödie, dazu ist das Thema insgesamt zu ernst. Sicher ist die Lösung nicht unrealistisch, aber hier passt es einfach nicht und hätte auch die Geschichte grundsätzlich anders aufgebaut werden müssen. Am Ende ist es nur ein billiger Effekt in meinen Augen.

Wie oben schon erwähnt, lässt sich der Roman gut lesen, der Ortswechsel tut gut, und die neuen Charaktere sind zum Teil gelungen. Da die Auflösung mir aber so gar nicht behagt, gibt es von mir dieses Mal nur 3 Sterne. Auf den nächsten Roman freue ich mich trotzdem und eine Leseempfehlung für die Loretta-Luchs-Reihe kann ich auch aussprechen.

Veröffentlicht am 29.10.2018

Charaktere, die emotional berühren, während die Geschichte mich nicht hunderprozentig überzeugt

Die Fotografin - Am Anfang des Weges
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Esslingen, 1905: Mimi Reventlow steht vor einer wichtigen Entscheidung. Soll sie sich weiterhin ihrem Lebenswunsch, Fotografin zu werden, widmen, oder soll sie heiraten und eine Familie gründen? Die Entscheidung ...

Esslingen, 1905: Mimi Reventlow steht vor einer wichtigen Entscheidung. Soll sie sich weiterhin ihrem Lebenswunsch, Fotografin zu werden, widmen, oder soll sie heiraten und eine Familie gründen? Die Entscheidung fällt ihr leicht.

1911 ist Mimi glücklich und zufrieden, sie liebt ihr Leben, und erst kürzlich ist ihr ein Mann über den Weg gelaufen, mit dem sie sich eine Zukunft vorstellen könnte, als sie ein Hilferuf ereilt. Ihr Onkel Josef, der sich vor Jahren in Laichingen auf der Schwäbischen Alb niedergelassen hat, ist schwer erkrankt und benötigt ihr Hilfe. Kurze Zeit kann sie ihre Verpflichtungen verschieben, aber dann kann sie Laichingen nicht so schnell wieder verlassen.

Endlich hat Petra Durst-Benning wieder einen historischen Roman verfasst, und wieder steht eine starke, selbstbewusste und unabhängige Frau im Mittelpunkt. Erzählt wird allerdings nicht nur aus Mimis Perspektive, es gibt noch weitere Charaktere, deren Leben man verfolgen kann, und die, ähnlich wie Mimi zu Beginn der Geschichte, ihrem „vorbestimmten“ Leben entfliehen oder es zumindest verbessern möchten.

Laichingen ist eine Leineweberstadt, die Besitzer der Webereien sind kleine Herrscher, die Arbeiter von ihnen abhängig, und von deren Kindern wird erwartet, dass sie in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. Einer dieser Webereibesitzer ist Hermann Gehringer, dem es gar nicht gefällt, als Mimi frischen Wind in den Ort zu bringen versucht. Eveline Schubert und ihre Familie müssen jeden Pfennig umdrehen, und gerade haben sie ein Kind verloren. Sohn Alexander hat ein besonderes Talent, und Eveline würde ihm gerne ermöglichen, etwas daraus zu machen, erwartet wird von ihm jedoch, wie sein Vater in Gehringers Weberei zu arbeiten. Auch Anton, der Gastwirtsohn und Alexanders bester Freund, würde gerne mehr aus seinem Leben machen, doch seine Mutter will seine Ideen nicht hören. Als Leser entwickelt man schnell Emotionen für alle diese Menschen.

Die Autorin zieht den Leser schon nach wenigen Seiten in den Bann ihrer Geschichte, man mag den Roman nur ungern aus der Hand legen und wird sehr gut unterhalten. Besonders gefreut habe ich mich, als eine Protagonistin aus einem anderen Roman Petra Durst-Bennings ein kleines Gastspiel gibt, eine gelungene Überraschung.

Neben der Geschichte an sich erhält der Leser auch einen Einblick in die Arbeit eines Fotografen jener Zeit, und die am Ende von der Autorin angefügten Fotos tragen das ihre dazu bei. Auch über die Arbeit der Weber und ihrer Familien erfährt man so einiges. Die historischen Anmerkungen der Autorin sind ebenfalls lesenswert.

Gestört hat mich vor allem eins: Man bekommt den Eindruck, Gehringer sei der einzige Fabrikant des Ortes, und somit der ganze Ort von ihm abhängig. Nur so nebenbei erfährt man, dass es auch noch andere Fabrikbesitzer geben muss, dass also gar nicht alle Einwohner von Gehringer abhängig sein können. Leider funktioniert die Geschichte für mich dadurch nicht mehr hundertprozentig, ich finde diese Reduzierung nicht gelungen, es hat mich ziemlich gestört, dass hier ein falsches Bild vermittelt wurde.

Insgesamt hat mir der Roman aber gefallen und mich gut unterhalten. Leider ist er ein erster Band, der etwas abrupt und relativ offen endet, so dass man ihn etwas unzufrieden zuschlägt. Aber es ist vor allem meine oben genannte Kritik, die mich dem Roman „nur“ 4 Sterne geben lässt. Eine Leseempfehlung für alle, die historische Romane und/oder die Romane der Autorin mögen gibt es aber trotzdem.

Veröffentlicht am 28.10.2018

Spannende Geschichte, interessante Welt und Charaktere

Dark Palace – Zehn Jahre musst du opfern
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Vor Jahrhunderten haben die „Ebenbürtigen“, Menschen mit Fähigkeiten, „Geschick“ genannt, die Monarchie in England auf sehr grausame Weise abgeschafft und sich selbst als Herrschende eingesetzt. Sehr schnell ...

Vor Jahrhunderten haben die „Ebenbürtigen“, Menschen mit Fähigkeiten, „Geschick“ genannt, die Monarchie in England auf sehr grausame Weise abgeschafft und sich selbst als Herrschende eingesetzt. Sehr schnell wurden auch neue Gesetze erlassen, wie z. B. das, dass „Gewöhnliche“, also Menschen ohne Geschick, zehn Jahre ihres Lebens als Sklaven zu arbeiten hätten. Oft muss diese Sklavenzeit in Sklavenstädten abgeleistet werden, reinen industriestädten, mit schlimmen Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Abi Hadley hat es geschafft, dass sie und ihre Familie ihre Sklavenzeit zusammen bei der Familie Jardine ableisten dürfen, einer der Gründerfamilien, die auf einem riesigen Anwesen, Kyneston, lebt. Doch dann darf eines der Familienmitglieder nicht mit nach Kyneston, sondern wird in die Sklavenstadt Millmoor gebracht.

Auch wenn man immer wieder in Rezensionen liest, dies sei eine Dystopie, so ist es in meinen Augen nicht so, denn es handelt sich nicht um einen negative Zukunftsvision, sondern um einen Alternativweltentwurf, Menschen mit Geschick gibt es bereits lange, im 17. Jahrhundert wurde von ihnen die Monarchie abgeschafft. Die Welt entwickelte sich insgesamt anders, da die Ebenbürtigen ihr Geschick in jedem Land ganz unterschiedlich einsetzten. Die industrielle Revolution in England brachte hier die Industriestädte hervor, ähnlich, wie es tatsächlich war, jedoch hat sich die Situation der Arbeiter nie verbessert, Arbeitsschutz, Arbeitszeitregelung u. ä. war auf Grund des Sklavengesetzes „nicht nötig“.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, es kommen sowohl Ebenbürtige als auch Gewöhnliche zu Wort, sowohl auf Kyneston als auch in Millmoor Lebende. Der Leser erfährt damit zwar viel, aber nicht alles, so dass manche überraschende Wendungen auf ihn warten. Manche kann man, wenn man aufmerksam liest und sich seine Gedanken macht, schon ahnen, aber wahrscheinlich nicht alle. Die Charaktere sind pointiert gezeichnet, die mit eigener Perspektive lernt man natürlich besser kennen, ihre Charakterisierung geht deutlich tiefer, die anderen lernt man dagegen nur aus Sicht der Protagonisten kennen, hier bleibt vieles vager und teilweise geheimnisvoller, wie etwa bei Silyen Jardine, der viele für seinen Stand überraschende Dinge tut, dessen Motive aber lange nicht klar sind. Dennoch kann der Leser auch diese Charaktere in der Regel sehr schnell einordnen.

Die Welt, die die Autorin hier erschaffen hat, ist sehr düster, aber auch sehr gut gelungen. Man erfährt bereits in diesem Roman viel über sie, ihre Entstehung, ihre Gesetze, und manches wirkt außerordentlich brutal, z. B., wenn man die Geschichte von Lady Hypatias Hund erfährt, oder wenn man die Gedanken der Ebenbürtigen über die Gewöhnlichen lesen muss. Das trägt aber auch sehr zur Spannung bei und sorgt dafür, dass der Leser (positive und negative) Emotionen für die Charaktere entwickelt.

Die Geschichte ist sehr spannend, gerade auch, weil man manches nicht wirklich einschätzen kann. Gerade in Millmoor passiert viel, und vieles davon ist gefährlich. Am Ende gibt es zwar die eine oder andere Auflösung, aber auch fiese Cliffhanger, denn dies ist erst der Anfang der Geschichte. Ich bin sehr gespannt auf den nächsten Band und hoffe auf baldiges Erscheinen.

Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, er ist sehr spannend, hat mich emotional betroffen gemacht und lies sich kaum aus der Hand legen. Sowohl der Entwurf der Welt, als auch der der einzelnen Charaktere überzeugt. Es handelt sich hier zwar um ein Jugendbuch, lässt sich aber auch gut von Erwachsenen lesen. Das einzige Manko ist das Ende mit Cliffhangern, und dass man auf den nächsten Band noch warten muss. Ich vergebe gerne volle Punktzahl und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 16.10.2018

Ein Faust-Roman - lesenswert!

Der Spielmann (Faustus-Serie 1)
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Wer kennt ihn nicht, Goethes Faust? Oliver Pötzsch hat sich dem historischen Faust angenommen und erzählt seine Geschichte von Kindheit an. 1486 treffen wir Johann Georg zum ersten Mal, er ist noch ein ...

Wer kennt ihn nicht, Goethes Faust? Oliver Pötzsch hat sich dem historischen Faust angenommen und erzählt seine Geschichte von Kindheit an. 1486 treffen wir Johann Georg zum ersten Mal, er ist noch ein kleiner Junge, der sich an Gauklern, die seine Heimatstadt Knittlingen besuchen, erfreut. An diesem Tag trifft er, und der Leser, auch zum ersten Mal auf Tonio del Moravia, der den Jungen für etwas Besonderes hält und ihn zeitweise unter seine Fittiche nimmt. Seine Absichten scheinen allerdings eher ungut zu sein.

Johann, den seine Mutter Faustus, der Glückliche, nennt, hat es nicht leicht, sein Vater hält wenig von ihm, die Mutter ist schwer krank, im Dorf ist er nicht gut gelitten. Der Name Faustus scheint fast Hohn zu sein – und wird es auch weiterhin bleiben. Leicht ist nämlich auch sein weiteres Leben nicht, er selbst macht es sich dabei oft selbst schwer, lügt und betrügt, und tut den Menschen, die er mag, oft nicht gut. Er wird getrieben von Wissensdurst, und erhält auch immer wieder die Chance, sein Wissen zu mehren. Doch es scheint auch etwas Dunkles um ihn zu sein, etwas, das vielleicht mit seiner Geburtsstunde zu tun hat?

Der Autor hat seinen Roman in einen Prolog und fünf Akte aufgeteilt, die jeweils über einen Lebensabschnitt Fausts berichten. Sehr gut hat mir bereits der erste Satz gefallen „Im Herbst, als die Kinder verschwanden, kamen die Gaukler in die Stadt“ - na, wenn das nicht direkt neugierig auf den Roman macht! Oliver Pötzsch erzählt sehr bildhaft und atmosphärisch und zieht den Leser schnell in den Roman hinein. Manche Szene ist recht gruselig, aber das gehört bei Faust halt auch mit dazu. Sehr interessant ist auch der historische Background, es gibt viel Zeitkolorit und der Leser lernt manches dazu.

Die Geschichte ist spannend, Faust und mit ihm der Leser erlebt sehr viel, und dennoch habe ich manchmal das Gefühl, es zieht sich, manche Abschnitte sind deutlich besser, spannender und interessanter als andere. Leichte Probleme hatte ich mit dem großen Zeitsprung, der den 5. Akt einläutete, hatte man Johann zuvor noch praktisch ständig begleitet, sind nun auf einmal 13 Jahre vergangen, und der Protagonist zunächst kaum wieder zu erkennen. Es brauchte seine Zeit, bis ich mich daran gewöhnt hatte, und sicher wäre die Zeit dazwischen auch nicht uninteressant gewesen. Dennoch erscheint es mir im Nachhinein ganz gut, dass der Autor hier gestrafft hat und somit dichter an der Geschichte bleibt, die er eigentlich erzählen will.

Man lernt Johann sehr gut kennen, gerade zu Anfang leidet man oft mit ihm mit, später wird das schwieriger, Johanns Entwicklung geht teilweise in eine eher ungute Richtung, sein Handeln zu verstehen fällt manchmal schwer. Das macht ihn dafür aber interessanter. Selten bleibt er an einem Ort, er ist viel unterwegs, in Begleitung, aber auch allein, sein Leben ist abwechslungsreich, mal ist er Gaukler, mal Student ... Er trifft auf viele unterschiedliche Menschen, auch historische Persönlichkeiten (es lohnt sich, die einzelnen Personen zu googeln). Gut gefällt mir, dass die Charaktere, auf die man hier trifft, einschließlich Faust, fast alle sehr vielschichtig gestaltet sind, reines Schwarz oder Weiß ist selten. Mehr als ein Charakter ist auch für die eine oder andere Überraschung gut – einschließlich Faust selbst.

Als Bonusmaterial gibt es Karten, ein interessantes Nachwort, einen Reiseführer auf Fausts Spuren und „Faust für Klugschwätzer“, bei letzterem kann man vergleichen, wie viele Faust-Zitate man im Roman entdeckt hat. Leider fehlt ein Personenverzeichnis, man bringt zwar die Personen des Romans nicht durcheinander, ich hätte es aber schön gefunden, noch einmal nachschlagen zu können.

„Der Spielmann“ erzählt nicht Fausts ganze Geschichte, es wird noch mindestens einen Nachfolgeroman geben. „Der Lehrmeister“ ist für September 2019 angekündigt. Natürlich werde ich auch diesen Roman lesen, ich muss doch wissen, wie es mit Faust weitergeht.

Einen Roman über Faustus zu schreiben ist eine großartige Idee, ist dieser Mann doch sehr interessant und bietet alleine durch die vielen Legenden reichhaltigen Stoff. Oliver Pötzsch ist ein guter Roman gelungen, der mich über weite Strecken gefesselt hat, der einen interessanten Protagonisten hat und gutes Kopfkino bietet. Trotzdem bin ich nicht durchweg begeistert, stellenweise zieht sich der Roman in meinen Augen zu sehr. Ich vergebe 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Faust-Fans und Freunde guter historischer Romane,

Veröffentlicht am 13.10.2018

Gut recherchierte Romanbiographie, die mir aber zu kurz gegriffen ist

Katharina von Bora & Martin Luther
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Martin Luther kennt wohl jeder, von der Frau an seiner Seite kennen viele aber höchstens den Namen. Wer ist Katharina von Bora? Welchen Einfluss hatte sie auf den Reformator?

Sehr ausführlich schildert ...

Martin Luther kennt wohl jeder, von der Frau an seiner Seite kennen viele aber höchstens den Namen. Wer ist Katharina von Bora? Welchen Einfluss hatte sie auf den Reformator?

Sehr ausführlich schildert die Autorin Katharinas Zeit im Kloster, Katharina, genannt Käthe, verliert früh ihre Mutter und wird mit 10 Jahren ins Kloster Mariathron gegeben. Sie hat Glück auch drei ihrer Tanten sind dort, und so kann sie mit einer gewissen Nachsicht rechnen. Leicht fällt dem Mädchen das Klosterleben trotzdem nicht, vor allem das Silentium macht ihr zu schaffen, sie redet gern und ist überaus wissbegierig.

Als Luthers Schriften ins Kloster gelangen, sprechen sie Käthe an, mit einigen anderen liest sie sie, und hält trotz Strafe an ihnen fest. Sie flieht aus dem Kloster, ihr Leben danach ist zunächst nicht einfach, doch schließlich wird sie Martin Luthers Ehefrau und die Mutter seiner Kinder. Auch dieses Leben ist nicht immer einfach, und Käthe muss Mut, Durchsetzungsfähigkeit und Kraft zeigen.

Der Roman lässt sich gut lesen und ist lebendig geschrieben, man legt ihn nur ungern aus der Hand. Es schadet nicht, schon Hintergrundinformationen zu haben, aber auch ohne kommt man gut klar. Die Sprache erscheint der Zeit angepasst, man fühlt sich insgesamt gut ins 16. Jahrhundert versetzt. Sehr gut haben mir die Gedanken über Bücher gefallen, Bücher seien „Nahrung für die Seele“ steht dort zum Beispiel auf S. 72, und jedes, das man genau gelesen habe, gehöre einem für immer und könne einem nicht mehr genommen werden – Bücherfreunden spricht das aus der Seele.

Leider endet der Roman in meinen Augen frühzeitig, nicht Käthes ganzes Leben wird erzählt, die Autorin wollte sie vor allem als junge starke Frau zeigen. Das ist ihr sicher gelungen, aber mir ist, gerade ihre Zeit mit Luther sehr gedrängt dargestellt, und ich hätte Käthe gerne bis an ihr Lebensende begleitet, mir fehlt einfach etwas.

Sehr umfangreich ist das Zusatzmaterial, Glossar, Zeittafel, Verzeichnis wichtiger Personen jener Zeit und eine Leseliste sind sehr nützlich, das Nachwort der Autorin ist interessant, beantwortet aber nicht alle meine Fragen.

Der Roman ist ein guter Einstieg in die Beschäftigung mit Katharina von Bora, ich hätte mir aber gewünscht, dass ihre Zeit mit dem Reformator etwas ausführlicher erzählt wird, und ich sie länger begleiten kann. Von mir gibt es daher „nur“ knappe 4 Sterne. Der Roman lässt sich gut lesen, der Leser fühlt sich ins 16. Jahrhundert versetzt und ich kann ihn für Freunde gut recherchierter Romane ebenso empfehlen wie für Leser, die gerne etwas über die Lutherin erfahren möchten.