Profilbild von PMelittaM

PMelittaM

Lesejury Star
offline

PMelittaM ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit PMelittaM über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.07.2019

Für mich liegt der Fokus zu sehr auf den Liebesgeschichten

Nächstes Jahr in Havanna
0

Kuba 1958: Die reichen Familien leben ihr Leben abseits der Kubaner, denen es weniger gut geht, und die sich von Fidel Castros Revolution ein besseres Leben erhoffen. Die Familie Perez ist durch Zucker ...

Kuba 1958: Die reichen Familien leben ihr Leben abseits der Kubaner, denen es weniger gut geht, und die sich von Fidel Castros Revolution ein besseres Leben erhoffen. Die Familie Perez ist durch Zucker reich geworden, die vier Töchter leben ein Leben im goldenen Käfig, nicht arbeiten, reich heiraten ist die Devise. Dennoch gönnen sich die drei älteren hin und wieder kleine Fluchten, und so lernt Elisa den Revolutionär Pablo kennen und lieben. Doch als die Familie 1959 ins Exil nach Florida geht, verlässt auch Elisa Kuba.

60 Jahre später reist Elisas Enkelin Marisol nach Kuba, um dort die Asche ihrer Großmutter zu verstreuen, und endlich das Land kennen zu lernen, dem sie sich verbunden fühlt. Auch Marisol lernt einen Mann kennen, der eigentlich nicht zu ihr passt – die Liebesgeschichten ähneln sich sehr, außer in der persönlichen Situation der Protagonistinnen.

Mich hat an dem Roman besonders gereizt, etwas über Kuba und seine Bewohner zu erfahren, vor allem die Vergangenheitsstoryline schien dafür gut geeignet zu sein. Leider ist der Roman aber vor allem ein Liebesroman, und zwar in beiden Storylines. Ein Problem ist bereits, dass die Familie Perez reich ist, auch in den USA lebt sie bald wieder in entsprechenden Verhältnissen. Kuba kennt sie daher vor allem aus einem bestimmten Blickwinkel. Über das Leben der „kleineren“ Leute in Kuba erfährt man, da beide Protagonistinnen in Ich-Form erzählen nur das, was sie selbst wissen und erleben, und das ist gerade bei Elisa recht wenig. Aber auch Marisol, die während ihrer Zeit in Kuba bei Elisas Jugendfreundin Ana lebt, lernt wenig vom „wahren“ Kuba kennen. Anas Familie wurde zwar enteignet, ihrer Familie geht es aber noch verhältnismäßig gut.

Während Elisas Liebesgeschichte noch in das Geschehen passt, weil sie Unterschiede und vor allem Zwänge aufzeigt, hätte man auf Marisols gut verzichten können. Was hier erzählt wird, hätte keiner Liebesgeschichte bedurft, im Gegenteil, sie überlagert das für mich Wichtigere viel zu sehr. Noch dazu wird es hier sehr langatmig, oft oberflächlich und klischeehaft, vieles wird immer wieder wiederholt.

Leider hat mich der Roman weniger überzeugt als erhofft, ich wollte mehr über Kuba erfahren, die Geschichte aber war im wesentlichen Liebesgeschichte. Dagegen wäre womöglich nichts zu sagen, wenn die Erzählung interessanter gewesen wäre, mir war sie aber, vor allem in der Gegenwartsstory zu langatmig, zu oberflächlich und zu klischeehaft. Trotzdem, was ich über Kuba erfahren habe, hat mich zum googeln verführt, so dass ich am Ende doch schlauer war als am Anfang – jedoch hätte ich lieber mehr aus dem Roman selbst erfahren. Wer Liebesgeschichten mag, wird den Roman sicher gerne lesen. Ich vergebe knappe 3 Sterne.

Veröffentlicht am 05.07.2019

War mir etwas zu vorhersehbar

Unbarmherzig (Ein Gina-Angelucci-Krimi 2)
0

In einem Ort nahe München werden die Überreste zweier Toter gefunden, die Knochen lagen dort seit ca. 70 Jahren. Gina Angelucci, gerade aus der Elternzeit zurück am Arbeitsplatz, will den Fall unbedingt ...

In einem Ort nahe München werden die Überreste zweier Toter gefunden, die Knochen lagen dort seit ca. 70 Jahren. Gina Angelucci, gerade aus der Elternzeit zurück am Arbeitsplatz, will den Fall unbedingt bearbeiten, sie hofft, trotz der langen Zeit, die Toten identifizieren zu können, damit deren Angehörige endlich erfahren, was mit ihnen passiert ist, und, im besten Fall kann auch der Täter noch ermittelt werden.

Gina Angelucci bearbeitet hier ihren zweiten Cold-Cases-Fall, während Dühnfort sie in der Elternzeit ablöst und sich um Töchterchen Chiara kümmert. Sie ist einerseits froh, wieder im Dienst zu sein, andererseits vermisst sie die Zeit mit Chiara – welche berufstätige Mutter kennt das nicht. Der aktuelle Fall, um den sie zunächst kämpfen muss, weckt Erinnerungen in ihr, womöglich werden hier die Weichen zu Band 3 gestellt? Er weckt aber auch Erinnerungen an eine schlimme Zeit und führt den Leser ins Jahr 1944 und eine Heeresmunitionsfabrik, in der osteuropäische Zwangsarbeiter arbeiten mussten. Über diese Zeit erfährt man einerseits durch Erinnerungen der noch Lebenden, andererseits durch Tagebuchaufzeichnungen eines der Opfer.

Inge Löhnig hat einen sehr lebendigen Schreibstil, der den Leser schnell packt und ihn nur so durch die Geschichte fliegen lässt. Wer zudem den ersten Gina-Band und auch die Dühnfort-Bände kennt, wird sich schnell heimisch fühlen und sich über das Wiedersehen vor allem mit diesen beiden Protagonisten freuen. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe anderer gelungener Charaktere, die man zum Teil recht gut kennen lernt und die einen auch emotional berühren.

Leider fand ich den Roman schnell sehr vorhersehbar, es gab für mich keine Überraschungen, keine Wendung, die ich nicht schon vorher geahnt hätte. Das ist ein bisschen schade, denn wirkliches Miträtseln war dadurch nicht möglich. Nicht sehr gelungen scheint mir auch ein Storystrang, der zum letzten Fall Ginas zurückreicht, und den ich eher störend fand, zumal er dann auch ziemlich schnell abgehandelt war. Mir hätte es besser gefallen, wenn der Fokus auf dem Cold Case geblieben wäre. Dessen Lösung, auch wenn vorhersehbar, ist logisch und zufriedenstellend. Mir hat auch gefallen, dass der Roman nach der Auflösung nicht gleich zu Ende war, sondern noch einen schönen kleinen „Epilog“ hatte.

Es ist keine Frage, dass ich Inge Löhnigs Romane allen Krimifans empfehlen kann, es ist auch keine Frage, dass ich diesen gerne gelesen habe und die Thematik gelungen ist, ich hätte mir nur ein klein wenig mehr Spannung und Überraschungen gewünscht, dafür hätte der bereits erwähnte Erzählstrang gerne wegfallen können. Für volle Punktzahl reicht es daher leider nicht, ich vergebe „nur“ 4 Sterne.

Veröffentlicht am 30.06.2019

Wunderbar atmosphärisch

Todesblues in Chicago
0

1928: Michael Talbot und Ida Davis arbeiten nun für die Pinkerton Detektei in Chicago. Sie erhalten den Auftrag Gwendolyn Van Haren zu finden, eine junge Frau, die kurz vor ihrer Hochzeit spurlos verschwunden ...

1928: Michael Talbot und Ida Davis arbeiten nun für die Pinkerton Detektei in Chicago. Sie erhalten den Auftrag Gwendolyn Van Haren zu finden, eine junge Frau, die kurz vor ihrer Hochzeit spurlos verschwunden ist. Etwa zur selben Zeit kommt Dante Sanfelippe im Auftrag Al Capones nach Chicago, er soll einen Giftanschlag aufklären. Der Polizeifotograf Jacob Russo wird derweil zu einem Mord gerufen, der ihn nicht loslässt. Drei Fälle, die zunächst offensichtlich nichts miteinander zu tun haben, deren Ermittler sich aber nach und nach über den Weg laufen und sogar zum Teil enger miteinander verbunden sind, als erwartet.

Der Autor hat sich ein interessantes Konzept vorgenommen: Vier Bände, die in vier Jahrzehnten und vier Städten spielen und durch Musik und einige Charaktere miteinander verbunden sind. Leider habe ich den ersten Band des geplanten Vierteilers bisher verpasst, aber da alle Teile auch unabhängig zu lesen sind, ist das nicht so schlimm, und ich werde ihn auf jeden Fall noch lesen.

Ray Celestine hat einen sehr atmosphärischen Erzählstil, der den Leser direkt in die Chicagoer 1920er Jahre versetzt. Dazu tragen schöne bildhafte Sätze, wenn z. B. „ein schwarzer Flaum von Trauernden wie Schimmel entlang der Dächer wuchs“ (Pos. 201), und das Auftreten einer Reihe historischer Personen bei. Mir hat besonders gefallen, dass Louis Armstrong eine größere Rolle innehat und mit ihm auch die Musik einen Part einnimmt. Der Autor erzählt aus verschiedenen Perspektiven, eine davon ist die Louis Armstrongs, der auch den Roman im Prolog eröffnen darf.

Jede Perspektive hat ihren eigenen Reiz und erzählt – zunächst – eine eigene Geschichte, erst im Laufe des Romans gibt es Verbindungen, wobei mich eine davon besonders überrascht hat. Die Charaktere sind Ray Celestine alle gut gelungen, seien es die Protagonisten, seien es die Nebencharaktere. Viel Geschichte spielt mit hinein (näher geht der Autor dazu in seinem Nachwort und im Glossar ein), so dass man nicht nur einen spannenden Roman erhält sondern auch eine interessante historische Lehrstunde.

Am Ende des Romans sind alle Fragen geklärt und alle losen Enden verknüpft, und man kann gespannt sein, welche Charaktere man im nächsten Band wiedertreffen wird.

Mich hat der Roman sehr begeistert, die Atmosphäre, die Charaktere und ihre Verknüpfung mit der Historie, die spannende Geschichte. Ich vergebe daher gerne volle Punktzahl und eine Leseempfehlung. Wer gerne Romane liest, in denen sich reale und fiktive Personen tummeln, wer die 1920er Jahre interessant findet und die Musik jener Zeit mag, sollte zugreifen.

Veröffentlicht am 29.06.2019

Empfehlenswerter Reiseführer

ADAC Reiseführer Schottland
0

Schottland – ein Land mit viel Geschichte und sehenswerten Orten und Landschaft, ein Traumland. Der Reiseführer stellt das Land umfassend vor, gibt viele Tipps zu Unterkunft, Shopping, Essen und Trinken ...

Schottland – ein Land mit viel Geschichte und sehenswerten Orten und Landschaft, ein Traumland. Der Reiseführer stellt das Land umfassend vor, gibt viele Tipps zu Unterkunft, Shopping, Essen und Trinken sowie Ausflugsmöglichkeiten. Geschichtliche Hintergründe findet man hier genauso wie interessante Tipps zu Veranstaltungen, dazu ein kleines Wörterbuch und Spartipps. Alles ist übersichtlich gegliedert und in Preiskategorien einsortiert.

Mir lag der Reiseführer in Ebook-Form vor, hier findet man viele Links zur Online-Karte und zu Homepages der verschiedenen Empfehlungen.

Mir hat der Reiseführer sehr gut gefallen, man wird umfassend informiert, erhält viele Hintergrundinformationen und kann sich schon vorab einen schönen Urlaub planen. Daher vergebe ich volle Punktzahl und empfehle ihn gerne weiter.

Veröffentlicht am 22.06.2019

Eine Protagonistin, der man gerne einmal im wahren Leben begegnen würde

Tod am Strand
0

Phryne Fisher lebt in den 1920er Jahren in Melbourne, sie ist reich, klug, ein bisschen frivol und sehr selbstbewusst, und kann sich ein völlig eigenständiges Leben nach ihrer Façon leisten. Als eine der ...

Phryne Fisher lebt in den 1920er Jahren in Melbourne, sie ist reich, klug, ein bisschen frivol und sehr selbstbewusst, und kann sich ein völlig eigenständiges Leben nach ihrer Façon leisten. Als eine der Blumenprinzessinnen der großen Blumenparade verschwindet, schaltet sich die als Privatdetektivin sehr erfolgreiche Miss Fisher ein.

Phryne Fisher ist mir schon länger durch die Serie „Miss Fishers mysteriöse Mordfälle“ bekannt, die ich gerne sehe, weswegen ich auch sehr gespannt auf diesen Roman war. Er ist Teil einer Reihe, die als Vorlage für die Serie dient, erstmals erschien er 2004 im Original. Er ist nicht der erste Band der Reihe, aber offenbar der erste, der auf Deutsch erscheint. Leider hat man sich beim Buchtitel an der Serie orientiert. Warum das nicht so passend ist, wird beim Lesen des Romans deutlich. Das ist aber nur ein Äußerlichkeit, und nimmt daher keinen Einfluss auf meine Bewertung.

Anders als bei der Serie, steht die Ermittlung weniger im Vordergrund, sondern man erfährt viel „Drumherum“, über das Leben Miss Fishers, über ihre Mitbewohner und über die Blumenmädchen. Ich habe mir nach dem Lesen noch einmal die entsprechende Folge der Serie angeschaut, die, kennt man den Roman, tatsächlich enttäuscht, weil viel verloren geht. Mir persönlich gefällt es gut, dass der Roman so viel mehr als ein Kriminalroman ist, und ich würde mich freuen, wenn der Verlag weitere Bände herausbringen würde.

Phryne Fisher ist ein toller Charakter, sie lässt sich nicht auf ihre Frauenrolle reduzieren, ist mitfühlend, hilft, wo sie kann, redet aber auch Tacheles, wo es nötig ist. Dabei bedient sich sich ihrer eigenen Mittel, die auch hin und wieder etwas frivol sind, manchmal heiligt der Zweck bei ihr die Mittel. Gut gefällt mir, wie sie sich für andere, vor allem Frauen, einsetzt, seien es ihre Adoptivtöchter, ihre Gesellschafterin oder einfach solchen, die Hilfe benötigen.

Wer die Serie kennt, wird hier alle bekannten Charaktere wiederfinden, sogar noch ein paar mehr, die es leider nicht in die Serie geschafft habe – alle sind sie gut gezeichnet. Ein besonderes Highlight ist eine Elefantenkuh, ihr ist sogar der erste Satz gewidmet. Sehr schön kann man hier auch den Humor, der die Serie ausmacht, wiederfinden und auch so schöne alte Worte wie „Backfisch“ gefallen mir gut – immerhin spielt der Roman vor rund 100 Jahren.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, wer die Serie kennt, wird sich gut zurechtfinden, aber auch wer sich nicht kennt, wird sich mit Miss Fisher und den Ihren wohlfühlen, der Flair der 1920er Jahre kommt gut herüber, und die Protagonistin ist eine ganz besondere Frau, der man gerne einmal im wahren Leben begegnen würde. Ich hoffe darauf, dass auch die anderen Romane der Reihe veröffentlicht werden und empfehle diesen Roman gerne weiter.