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Veröffentlicht am 06.04.2021

Aufwühlender Appell, die Welt zu retten

Wir sind das Klima!
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Jonathan Safran Foer setzt sich in diesem Buch "Wir sind das Klima" mit dem Thema des Klimawandels auseinander und hält dabei sich und uns auf sanfte, verständnisvolle Art den Spiegel im Umgang mit unserer ...

Jonathan Safran Foer setzt sich in diesem Buch "Wir sind das Klima" mit dem Thema des Klimawandels auseinander und hält dabei sich und uns auf sanfte, verständnisvolle Art den Spiegel im Umgang mit unserer Welt vor. Die zentrale Botschaft ist dabei: entscheidend ist der weitgehende Verzicht auf tierische Produkte. In 5 Abschnitten erklärt der Autor uns wieso.

Im ersten Abschnitt geht es erstmal überwiegend darum, warum es uns allen so schwer fällt, ernsthaft etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen.
Im zweiten Abschnitt liefert der Autor stichpunktartig Zahlen und Fakten zum Thema Klimawandel und dessen Auslöser und Folgen.
Im dritten Abschnitt erklärt er unsere Beziehung zu unserem Planeten und uns selbst.
Der vierte Abschnitt ist ein Dialog des Autors mit seiner Seele.
Und zum Schluss geht es nochmal darum, was zu tun ist und unsere Perspektive.

Ich fand die Lektüre des Buches angesichts des ernsten Themas überwiegend recht kurzweilig, der Autor erzählt sehr einfühlsam und liefert viele historische und/oder persönliche Beispiele die einen Anteil haben lassen und einem das Gefühl geben, ja, es geht auch mich etwas an. Auch wenn nicht immer von vornherein klar ist, was das Erzählte mit dem großen und Ganzen zu tun hat bekommt der Autor hier immer wieder den Bogen zurück hin. Den Teil mit den Zahlen und Fakten fand ich etwas mühseliger, weil ich mir das so schlecht merken konnte. Danach war ich wieder voll dabei! Ohne zu belehrend zu sein oder mit dem Finger zu zeigen verdeutlicht Jonathan Safran Foer die Dramatik des Klimawandels und die drohenden Auswirkungen und weist den Leser auf die Ungerechtigkeit der globalen Verteilung im Sinne Verursacher und Leidtragender hin und wirbt eindringlich dafür dass JEDER JETZT ETWAS ändern möge, wenn wir unsere Welt, die einzigartig ist, retten wollen, damit wir und zukünftige Generationen hier ein angenehmes Leben führen können. Und der wichtigste Beitrag dazu sei der weitgehende Verzicht auf tierische Produkte, da die Massentierhaltung den größten Beitrag zum Treibhauseffekt verantworte durch Methanausstoß einerseits und CO2-Freisetzung durch (Regen-)Waldrodung zur Tierzucht.
Ein wertvolles Buch, das auf jeden Fall zum Nachdenken bringt und das aus meiner Sicht möglichst viele Menschen lesen sollten. Absolute Weiterempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 15.03.2021

Lebendiger Kunstunterricht verpackt in einer fesselnden Lebensgeschichte

Die Malerin
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Der Roman "Die Malerin" von Mary Basson erzählt die Geschichte der Malerin Gabriele Münter, die als junge Frau als Schülerin bei Wassily Kandinski Malerei studiert und sich schließlich in den Meister verliebt ...

Der Roman "Die Malerin" von Mary Basson erzählt die Geschichte der Malerin Gabriele Münter, die als junge Frau als Schülerin bei Wassily Kandinski Malerei studiert und sich schließlich in den Meister verliebt und seine Muse wird. Die Autorin arbeitet in einem Kunstmuseum, das viele von Münters Werken zeigt und hat sich aus Faszination zu den Bildern auf die Spuren der Künstlerin gemacht, woraus dieser historische Roman nach dem wahren Leben der Gabriele Münter entstand.
Als Leser begleitet man die Künstlerin in verschiedenen Abschnitten durch ihr Leben vom Alter von Beginn ihrer Ausbildung bis ins hohe Alter. Sehr detailliert wird ihre zunächst verbotene, dann sehr intensive und im Verlauf sehr schwierige Beziehung zu Wassily Kandinsky beschrieben, wie diese Beziehung im ersten Weltkrieg auf dramatische Weise zerbricht und Ella- wie die Malerin genannt wird- beinahe daran zu Grunde geht. Im zweiten Weltkrieg rettet Ella die Werke von Kandinsky und Gleichgesinnten vor den Nazis, die darin entartetet Kunst sehen., auch wenn sie sich dadurch selbst in große Gefahr begibt... Die Handlung nach dem ersten Weltkrieg wird deutlich weniger detailliert beschreiben, hier finden sich auch oft größere Zeitsprünge, wodurch es meiner Ansicht nach weniger packend ist. Die Figuren sind lebendig ausgearbeitet und überzeugend, auch wenn mich Ella nicht ganz für sich gewinnen konnte. Sehr unsympathisch war mir Kandinsky selbst, aber vielleicht war er zu sehr entrücktes Genie, um auch noch Kapazität für Sympathie zu haben. Die Genialität der beiden und z.T. auch der befreundeten Künstler aus dem blauen Reiter stellt die Autorin glaubhaft und überzeugend da, besonders kommt dies für mich auch heraus in einer Szene, wo Ella ihre Freundin aus der Kunstschule nach Jahren wieder trifft und dies sehr um ihr "normales" Leben mit Mann und Kindern beneidet, aber ihr auch klar ist, dass sie nicht anders kann, als ihrer Leidenschaft fürs Malen zu folgen und sich so auszudrücken und auszuleben. Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen, allerdings wird vor allem zu beginn sehr intensiv mit Farben beschrieben, was sicher gut zur Thematik passt, mich aber stellenweise überfordert hat. Zwischen den einzelnen Abschnitten finden sich immer wieder kurze Einschübe betitelt als "Galerie", in denen Werke von Münter vom Kunstkritiker und späteren Lebensgefährten Münters, Johannes Eichner sehr intensiv und lebhaft beschrieben werden. Für den Lesefluss fand ich das etwas störend, gleichzeitig hat es mich angeregt, mir die Bilder zunächst selbst vorzustellen und sie dann zu googeln, um mir die Originale dazu anzuschauen, was durchaus bereichernd und lehrreich war.
Insgesamt ist der Roman gut zu lesen und war eine interessante Leseerfahrung, die ich allen weiterempfehlen kann, die sich zumindest ein bisschen für Kultur interessieren (ich selbst bin nicht der größte Kunstfan) und sich leichter damit beschäftigen, wenn es in eine unterhaltsame Geschichte verpackt ist.

  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.03.2021

Ein Buch, das alle (werdenden) Eltern lesen sollten

Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen
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Philippa Perry, erfahrene Psychotherapeutin und selbst Mutter, hat hier ein Buch zum Thema Erziehung und allgemein dem Umgang mit Kindern und Jugendlichen geschrieben, in das viel ihrer Berufserfahrung, ...

Philippa Perry, erfahrene Psychotherapeutin und selbst Mutter, hat hier ein Buch zum Thema Erziehung und allgemein dem Umgang mit Kindern und Jugendlichen geschrieben, in das viel ihrer Berufserfahrung, aber auch eigener Erfahrungen als Mutter einfließen. In sechs Abschnitten führt sie den Leser heran an das Thema Erziehung und- viel wichtiger- dem Umgang mit Bedürfnissen und Gefühlen der Kinder. An den Beginn stellt sie das Thema der eigenen Geschichte und der Selbstreflexion und die Umgebung des Kindes, im weiteren geht es um Gefühle allgemein, sowie um die Grundsteine, die in Schwangerschaft und Neugeborenenzeit gelegt werden, um die Voraussetzungen seelischer Gesundheit und schließlich um spezielle Verhaltensweisen bis in die Adoleszenz. Auch ohne eigene Kinder lernt man in diesem Buch sehr viel über sich und seine Beziehungen und über den Umgang mit Kindern. Der Titel rangiert meiner Meinung nach zwischen reißerisch und anmaßend, jedoch hat er- nachdem ich das Buch geschenkt bekommen habe- auch durchaus angesprochen. Und ich finde das Buch hat den Titel verdient! Es wird darin ein sehr achtsamer, wertschätzender zwischenmenschlicher Umgang und Erziehungsstil propagiert ohne belehrend oder anklagend zu sein. Nicht alles scheint mir (allerdings ohne eigene Erziehungserfahrung) realistisch umsetzbar, aber das meiste wünschenswert für alle Kinder dieser Welt. Daher habe ich das Buch an junge Eltern in meinem Umfeld auch schon weiterverschenkt und hoffe, dass viele diese Buch lesen und zumindest darüber nachdenken. Ich denke, es täte unseren Kindern (und uns) gut!

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 08.03.2021

Lebendige Geschichte

Geteilte Träume
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Ulla Mothes' Erstlingswerk Geteilte Träume erzählt die Geschichte der jungen Ingke, die 1992 erfährt, dass sie als Kind zu DDR-Zeiten adoptiert wurde. Sie macht sich auf die Suche nach ihrer Herkunftsfamilie ...

Ulla Mothes' Erstlingswerk Geteilte Träume erzählt die Geschichte der jungen Ingke, die 1992 erfährt, dass sie als Kind zu DDR-Zeiten adoptiert wurde. Sie macht sich auf die Suche nach ihrer Herkunftsfamilie und erfährt dabei viel über sowohl ihre leibliche Familie, die nach einem gescheiterten Fluchtversuch die Tochter verlor, als auch über ihre Adoptivfamilie. Und plötzlich steht die junge Frau zwischen 2 Familien und vor der Frage, wo sie hingehört...

Gemeinsam mit Ingke durchlebt der Leser in diesem Roman anschaulich anhand fiktiver Einzelschicksale viele Höhen und Tiefen der innerdeutschen Geschichte, insbesondere auch der DDR-Geschichte. Vom ersten Moment an ziehen die Erzählungen der einzelnen Familienmitglieder den Leser in seinen Bann, auch wenn die Identifikation mit der Protagonistin teilweise schwer fällt. Episodenhaft und teils mit großen, jedoch nachvollziehbaren Zeitsprüngen werden die Geschehnisse der verschiedenen Personen dargestellt, bis sich schließlich alles zu einem Gesamtbild fügt. Dabei haben mich die Schicksale der erzählenden Familienmitglieder deutlich mehr bewegt als das von Ingke. Die Figuren des Romans sind lebendig und überzeugend und das Konzept der Geschichte gut durchdacht und stimmig. Durch solche Erzählungen wird Geschichte lebendig, schade, dass uns das im Schulunterricht so wenig so vermittelt wurde. Mir persönlich hat der Abschluss der Handlung nicht so gut gefallen, aber das ist ja Geschmacksache. Insgesamt habe ich diesen Familienroman mit Begeisterung gelesen und vergebe eine absolute Leseempfehlung.

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  • Charaktere
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Thema
Veröffentlicht am 07.02.2021

Verbrecherjagd vor der schönen Kulisse der Provence

Madame le Commissaire und die Frau ohne Gedächtnis
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Madame Le Commisaire und die Frau ohne Gedächtnis ist der 7. Band der Krimireihe um Kommissarin Isabell Bonnet und ihren Assistenten Apollinaire. Vor der Kulisse eines beschaulichen Dorfes im Hinterland ...

Madame Le Commisaire und die Frau ohne Gedächtnis ist der 7. Band der Krimireihe um Kommissarin Isabell Bonnet und ihren Assistenten Apollinaire. Vor der Kulisse eines beschaulichen Dorfes im Hinterland der Provence wartet ein neuer Fall auf die beiden? Oder nicht? Als Apollinaire eine Frau anfährt, die sich an nichts erinnern kann und nicht mal mehr weiß, wer sie ist, scheint zunächst alles ganz harmlos. Isabell will der Frau bloß helfen, doch auf einmal ist sie verschwunden und nach und nach stecken unsere Ermittler mitten in einem dramatischen Kriminalfall...

Anders als gewöhnlich wird hier das Pferd von hinten aufgezäumt. Auch wenn man als Leser gleich zu Beginn einem Mord beiwohnt, gibt es in diesem Fall anfangs keine Leiche, kein Verbrechen. Die Frau ohne Gedächtnis scheint zunächst harmlos und eigentlich kein Fall für die Police Nationale, bis sie plötzlich verschwindet. Nun ist klar, da muss etwas passiert sein und unsere Ermittler haben zwar Täter- die allerdings spurlos verschwunden sind- aber kein Verbrechen. Isabell macht sich auf die Suche und tourt dabei quer durch die Provence. Man wird als Leser mitgenommen in wunderschöne Orte, die Lust auf einen Frankreichurlaub machen, und Restaurants, deren französische Menuempfehlungen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen (auch wenn ich wahrscheinlich die Hälfte der Gerichte auf deutsch nicht mögen würde). Obwohl wie üblich in dieser Reihe das etwas wirre Privatleben der Protagonistin viel Raum einnimmt und es manchmal wirkt als würde sie nur so nebenbei ermitteln, hat mich dieser Band mehr als die anderen, die ich bislang gelesen habe, tatsächlich gefesselt von Anfang bis Ende. Die Figuren sind lebendig und sehr eigene Charaktere und das macht auch die Story recht lebhaft, auch wenn ich Isabelle weiterhin persönlich nicht sehr sympathisch finde. Ihre Männergeschichten finde ich ein bisschen übertrieben, ebenso ihr schräges Verhältnis zu ihrem Boss und der Polizei allgemein. Insgesamt liest sich das Buch gut, die Sprache ist schlicht und gut verständlich, aber doch sehr bildlich. Ein bisschen nervig fand ich das demonstrativ eingeflochtene Französisch- das man verstehen mag oder auch nicht (ich verstehe es)- das wirkt für mich eher aufgesetzt als authentisch, aber vielleicht wird es als notwendig für den französischen Touch des Buches gesehen. Ich hätte es nicht gebraucht in diesem Ausmaß. Vielleicht macht sich hier bemerkbar, dass der Name des Autors zwar französisch klingt, aber das ein Pseudonym eines deutschen Autors ist.
Insgesamt ist die Reihe eine schöne Urlaubslektüre, die etwas Spannung aber nicht zu viel bringt und dieser Band ist einer der besseren, damit bekommt er von mir trotz der kleinen Abzüge eine Leseempfehlung.

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