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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2026

Eine Welt ohne Antworten

Ich, die ich Männer nicht kannte
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"Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman" ist zu Recht zu einem modernen Klassiker geworden. Die Autorin schafft es auf beeindruckende Weise, die bedrückende Atmosphäre der Ungewissheit ...

"Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman" ist zu Recht zu einem modernen Klassiker geworden. Die Autorin schafft es auf beeindruckende Weise, die bedrückende Atmosphäre der Ungewissheit auf die Leserinnen und Leser zu übertragen. Alles wirkt zugleich beengend und grenzenlos: Die Figuren sind in einer Situation gefangen, deren Sinn sie nicht verstehen, während sich um sie herum eine scheinbar endlose Welt auftut, die ebenso rätselhaft bleibt.
Besonders die namenlose Protagonistin hebt sich deutlich von den anderen gefangenen Frauen ab. Obwohl alle zunächst auf ihre elementarsten Bedürfnisse reduziert sind, besitzt sie eine ganz eigene Art zu denken und die Welt zu betrachten. Ihre Perspektive ist frei von gesellschaftlichen Konventionen, Etikette und erlernten sozialen Gepflogenheiten. Gerade dadurch stellt der Roman immer wieder Fragen, die auch die Lesenden nicht loslassen: Welche Bedeutung haben diese Regeln eigentlich? Und was bleibt vom Menschsein übrig, wenn sie verschwinden?
Der nüchterne, fast beobachtende Ton der Erzählerin verstärkt die Wirkung der Geschichte. Man folgt ihren Gedanken und Entdeckungen mit wachsender Spannung und hofft bis zuletzt auf Antworten, auf eine Erklärung oder wenigstens auf eine neue Erkenntnis über die rätselhafte Situation der Frauen. Gleichzeitig deutet die Protagonistin früh an, dass es keinen Ausweg und keine Auflösung geben wird.
Gerade diese Offenheit macht die große Stärke des Romans aus. "Ich, die ich Männer nicht kannte" lässt einen mit quälenden Fragen zurück – und genau deshalb bleibt das Buch noch lange nach der letzten Seite im Gedächtnis.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Ein Matriarchat auf Lügen gebaut

Imperia - you let the fire in
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Imperia von Cleo B. Moon ist der gelungene Auftakt einer Fantasy-Reihe. Besonders überzeugt hat mich die starke, unabhängige und zugleich lernfähige Protagonistin Jara. Der Roman verbindet gekonnt zwei ...

Imperia von Cleo B. Moon ist der gelungene Auftakt einer Fantasy-Reihe. Besonders überzeugt hat mich die starke, unabhängige und zugleich lernfähige Protagonistin Jara. Der Roman verbindet gekonnt zwei meiner Lieblingsgenres, Fantasy und Dystopie. Hier verbindet sich die Atmosphäre der Shatter Me-Reihe mit den dystopischen Elementen, wie sie in Divergent zu finden sind. Sehr spannend fand ich das matriarchale Gesellschaftssystem, in dem Männer als schwächeres Geschlecht gelten, da sie angeblich alle durch einen Virus ausgelöscht wurden. Umso fesselnder wird die Geschichte, als Jara mit dieser Lüge konfrontiert wird und plötzlich mit den vermeintlichen Feinden interagieren muss. Politische Intrigen, Storyfortschritt, Aktion und Romantik halten sich dabei angenehm die Waage. Außerdem möchte ich mich bei der Autorin für das liebevoll gestaltete Buchpaket mit tollen Goodies bedanken. Ich finde es unglaublich mutig, den Roman im Selfpublishing zu veröffentlichen – und es hat sich absolut gelohnt. Eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Starkes Debüt!

The Poet Empress
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Der Dark Fantasy Roman „The Poet Empress“ von Shen Tao ist ein wirkluch beeindruckendes Werk, bei dem ich kaum glauben konnre, dass es sich um ein Debütroman handelt. Die Sprache ist ausgefeilt, der Stil ...

Der Dark Fantasy Roman „The Poet Empress“ von Shen Tao ist ein wirkluch beeindruckendes Werk, bei dem ich kaum glauben konnre, dass es sich um ein Debütroman handelt. Die Sprache ist ausgefeilt, der Stil reif und die Welt mit bemerkenswerter Sorgfalt ausgearbeitet. Das einzigartige Setting ist brutal und voller Intrigen, wobei besonders das komplexe politische System und die daraus entstehenden Spannungen faszinieren. Obwohl die Handlung und die Welt anspruchsvoll sind, lässt sich dem Geschehen gut folgen. Mit Gewalt und Brutalität hatte ich zwar gerechnet, ihr tatsächliches Ausmaß habe ich jedoch unterschätzt. Moralisch verwerfliche Charaktere werden nicht beschönigt oder romantisiert, wie es in vielen Dark Fantasy Romanen sonst üblich ist. Vor allem Prinz Terrren wird nicht verherrlicht. Seine Taten bleiben grausam, seine Motive sind auf Grund seiner Vergangenheit jedoch nachvollziehbar. Gerade diese kompromisslose Ehrlichkeit macht den Roman so stark. Für mich ist „The Poet Empress“ weit mehr als nur lesenswert, es ist eine klare Empfehlung.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Provokant, ehrlich, verstörend

Half His Age
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"Half His Age" von Jennette McCurdy ist ein provokantes und zugleich erschreckend realistisches Buch, das aus der Perspektive einer Teenagerin erzählt wird. Besonders beeindruckend ist der Schreibstil: ...

"Half His Age" von Jennette McCurdy ist ein provokantes und zugleich erschreckend realistisches Buch, das aus der Perspektive einer Teenagerin erzählt wird. Besonders beeindruckend ist der Schreibstil: so direkt, ehrlich und treffend zum Thema, dass man fast vergisst, dass keine echte Jugendliche schreibt. Die Geschichte rund um die junge Protagonistin Waldo zeigt eindringlich ihre inneren Konflikte, Probleme und Gefühle, die sie hinter einer Fassade aus Gleichgültigkeit verbirgt. Diese bleiben für den Leser dennoch klar erkennbar und vor allem nachvollziehbar. Waldo ist klug, aufmerksam und reflektiert. Es ist erstaunlich, wie viel sie in ihrem jungen Alter beobachtet, für sich einordnet und ihre Konsequenzen daraus zieht. Trotz seiner Stärke macht das Buch traurig und hinterlässt einen unangenehmen Nachgeschmack. Man kann sich der Wirkung der Geschichte nicht entziehen und wird unweigerlich dazu gebracht, über das Gelesene nachzudenken, ganz besonders als Frau.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Gelungene Neuerzählung

Medea
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Mit Medea gelingt Rosie Hewlett eine überzeugende und moderne Neuerzählung der bekannten griechischen Sage. Der Roman reiht sich problemlos in die aktuelle Welle gelungener Mythennacherzählungen wie Circe ...

Mit Medea gelingt Rosie Hewlett eine überzeugende und moderne Neuerzählung der bekannten griechischen Sage. Der Roman reiht sich problemlos in die aktuelle Welle gelungener Mythennacherzählungen wie Circe oder Psyche & Eros ein. Besonders hervorzuheben ist der Perspektivwechsel von objektiv zu subjektiv. Die Geschichte wird aus Medeas Sicht erzählt und zeichnet ein differenziertes Bild einer Figur, die in klassischen Darstellungen oft als rachsüchtig oder irrational abgestempelt wird. Hewlett macht Medeas Beweggründe und Emotionen nachvollziehbar und hinterfragt damit traditionelle Frauenbilder der Mythologie. Der Schreibstil ist atmosphärisch und, sodass die Handlung trotz bekannter Vorlage spannend bleibt. Insgesamt ist Medea eine gelungene, tiefgründige und lesenswerte Neuinterpretation.