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Veröffentlicht am 11.12.2023

Gelungener Auftakt!

Stille Falle
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Sonderdezernat Q in Schweden, geil! – Das war mein erster Gedanke, als ich den Klappentext gelesen habe. Nun kann ich sagen: Eigentlich ist dieser Reihenauftakt um Leo und ihr Keller-Team ganz anders. ...

Sonderdezernat Q in Schweden, geil! – Das war mein erster Gedanke, als ich den Klappentext gelesen habe. Nun kann ich sagen: Eigentlich ist dieser Reihenauftakt um Leo und ihr Keller-Team ganz anders.

Zum einen entspricht Leo nicht dem typischen "abgewrackter Ermittler"-Klischee. Weder hat sie ein Problem mit Alkohol noch mit Drogen. Lediglich mit ihrer Mutter und ihrer Ex-Affäre, denen sie ihre "Beförderung" in den Keller zu verdanken hat. Natürlich macht sie auch hier die notwendigen, heldenhaften Alleingänge, ohne die Erlaubnis zu haben. Aber was wäre ein Krimi ohne einen Ermittler, der laufend Anweisungen missachtet? Mir zaubert das immer wieder ein Schmunzeln ins Gesicht.

Leonore ist sozusagen der aufgehende Stern am Polizeihimmel. Ihr Charakter ist sehr gut ausgearbeitet, ebenso ihr Hintergrund. Aufgewachsen bei ihrem Vater – einem Prepper – hat sie von Anfang an gelernt, dass ein Hindernis kein Grund zum Aufgeben ist. Sie hat einen starken Willen und kann ihre Grenzen dabei deutlich aufzeigen. Durch die vielen Rückblicke kann der Leser nach und nach besser ihre Reaktionen nachvollziehen und ihrer Figur den Raum geben, den sie braucht. Mir waren ihre Handlungen nicht immer schlüssig bzw. hätte ich vielleicht hier und da anders reagiert, aber ich muss auch nicht einer Figur folgen, die ständig Ja und Amen sagt. Von daher passt das für mich so.

Die vielen Perspektivwechsel machen die Story an einigen Stellen spannend und sorgen für den einen oder anderen Cliffhanger. Doch manchmal zieht sich die Geschichte dadurch auch etwas, sodass ebenjene Spannung leider abflaut. Alles in allem ist hier jedoch ein gelungener Krimi gelungen, der eine gute Reihe vermuten lässt.

Tanja Geke als Sprecherin gefällt mir gut. Das war das erste Hörbuch, das ich mit ihr genießen durfte. Ich musste mich zwar erst an ihre Stimmklangfarbe gewöhnen, fand diese dann aber recht angenehm. Geke weiß, wann sie Pausen zu setzen hat. So bringt sie an den richtigen Stellen die nötige Portion Drama mit rein und lässt zudem eine Gänsehaut-Atmosphäre entstehen.

Fazit: Spannender Reihenauftakt, der definitiv Lust auf mehr macht! Spannend und mit vielseitigen Figuren. Wird auf jeden Fall weiterverfolgt!

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Veröffentlicht am 05.12.2023

Die coolste Spionin der Welt

Spy Coast - Die Spionin
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Ein Job bei der CIA wird immer ein Job bei bei CIA bleiben. So ergeht es nämlich Maggie, die sich eigentlich schon längst in den Ruhestand verabschiedet hat. In einem kleinen, zurückgezogenen Dorf lebt ...

Ein Job bei der CIA wird immer ein Job bei bei CIA bleiben. So ergeht es nämlich Maggie, die sich eigentlich schon längst in den Ruhestand verabschiedet hat. In einem kleinen, zurückgezogenen Dorf lebt sie auf einer Farm und hat mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen. Bis eine Frau bei ihr auftaucht und eine Verbindung zu ihrer aktiven Zeit herstellt. Als die Frau kurz darauf tot in ihrer Auffahrt gefunden wird, ist Maggie schnell klar, welcher ihrer alten Aufträge damit zu tun haben kann. Sie will ein für alle Mal mit ihrer Vergangenheit abschließen und begibt sich dabei in akute Lebensgefahr.

Wo Tess Gerittsen draufsteht, ist auch Tess Gerittsen drin. Wieder mal schafft sie es, den Leser direkt zu Beginn abzuholen und mit ihrem flüssigen und düsteren Schreibstil an die Handlung zu fesseln. Dabei wählt sie verschiedene Handlungsorte, die perfekt zu der Story passen und dieser eine ganz besondere Note verleihen.

Maggie ist eine toughe ältere Dame, die mir zunächst ruhig und gelassen erschien. Doch je mehr man von ihrer Vergangenheit erfährt, desto mehr schlüpft die wahre Maggie aus ihrem Kokon und der Leser bekommt eine Protagonistin präsentiert, die komplett anders ist, als bisher angenommen. Von der ruhigen Rentnerin ist schon bald nichts mehr zu erkennen, denn Maggie hat es immer noch drauf. Die knallharte Spionin in ihr ist wieder erwacht und schreckt vor nichts zurück. Auch ihre Nachbarn – ebenfalls ehemalige Spione im Ruhestand – erkennen ihre Fähigkeiten wieder und unterstützen Maggie, wo sie können.

Gerittsen erzählt hauptsächlich in der Gegenwart, springt aber zeitlich immer mal wieder zurück, um die Geschehnisse in der Vergangenheit zu schildern. Dabei lässt sie keine Fragen offen und wirft dem Leser immer wieder kleine Puzzleteile zu, die zum Schluss hin ein reales Bild ergeben. Ich war höchst überrascht über diesen Ausgang und regelrecht begeistert von diesem tollen Reihenauftakt.

Fazit: Ein ausgeklügelter Thriller, der mit dem ersten Teil bereits neugierig auf eine spannende Reihe macht. Es müssen nicht immer junge Charaktere sein, die den Leser in Schach halten. Diese coole Rentnergang hat es echt drauf!

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Veröffentlicht am 05.12.2023

Temporeicher Thriller

Kaltblütige Lügen
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Kit ist mit Leib und Seele Polizistin. Diese Berufswahl hat sie schon sehr früh getroffen - genau genommen an dem Tag in ihrer Jugendzeit, als ihre Pflegeschwester Wren grausam ermordet wurde. Ihr Mörder ...

Kit ist mit Leib und Seele Polizistin. Diese Berufswahl hat sie schon sehr früh getroffen - genau genommen an dem Tag in ihrer Jugendzeit, als ihre Pflegeschwester Wren grausam ermordet wurde. Ihr Mörder ist immer noch nicht gefasst und Kit hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihn zu finden. Mit ihrem aktuellen Fall fühlt sich Kit wieder zu den damaligen Ereignissen zurück katapultiert, denn junge Mädchen werden missbraucht und ermordet. Kit gibt alles, um den Mörder schnell dingfest zu machen, und ahnt dabei nicht, dass sie ihm näher ist, als sie denkt...

Karen Rose hat mich mit diesem Buch direkt zu Beginn in ihren Bann gezogen. Die Geschichte von Kit, die sie uns gleich am Anfang präsentiert, hat mich ergriffen und unglaublich neugierig gemacht.

Kit ist eine faszinierende Persönlichkeit, die mir schnell ans Herz gewachsen ist. Sie hatte kein einfaches Leben, bis sie in einer Pflegefamilie ein warmes und herzliches Zuhause gefunden hat. Die Geschehnisse rund um den Mord an ihrer Pflegeschwester haben Kit geprägt und zu dem starken und mutigen Menschen gemacht, der sie heute ist. Ihre Entwicklung hat mir außerordentlich gut gefallen, und es hat mein Herz mit Freude erfüllt, dass die richtigen Menschen einem wieder auf die Beine helfen können.

Auch die Nebencharaktere empfand ich sehr authentisch gezeichnet. Ob es die Kollegen von Kit sind, ihre Pflegefamilie oder der Psychologe Sam. Man erfährt einfach zu jedem Protagonisten genau das, was man wissen muss - und teilweise darüber hinaus. Das macht alle sehr vertraut und sympathisch.

Die Story strotzt nur so vor Spannung, denn der Mörder liefert sich ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. Mit ihrem fesselnden Schreibstil lässt Rose den Leser aktiv an den Geschehnissen teilhaben und spielt gekonnt mit der Psyche. Ihre bildhafte Beschreibung der Tatorte und Schauplätze wirkt dabei real und hat mich imaginär voll abgeholt.

Im Schlussteil gibt die Autorin noch einmal richtig Gas und lässt die Mörderjagd in einem Showdown enden, den ich so nicht erwartet hatte. Ein grandioser Abschluss für diese nervenaufreibende Handlung.

Fazit: Ein temporeicher Thriller, der mich von Anfang bis Ende in Atem gehalten hat. Geschickt platzierte Wendungen und eine Ermittlerin, vor der ich den Hut ziehe, runden das Ganze ab. Wer Lust auf Nervenkitzel hat, ist mit diesem Reihenauftakt bestens bedient.

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Veröffentlicht am 05.12.2023

Düster, fesselnd, ein Highlight!

Jack the Ripper`s Sammlung der Herzen
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In letzter Zeit sehe ich immer wieder neue Bücher, die von Jack the Ripper handeln. Dabei ist es schon über hundert Jahre her, dass der Serienmörder – dessen Identität bis heute nicht geklärt ist – sein ...

In letzter Zeit sehe ich immer wieder neue Bücher, die von Jack the Ripper handeln. Dabei ist es schon über hundert Jahre her, dass der Serienmörder – dessen Identität bis heute nicht geklärt ist – sein Unwesen in London getrieben hat. Fünf Morde gelten als gesichert – diese Frauen starben angeblich durch seine Hand. Als sein letztes Opfer gilt Mary Jane Kelly. Sie wurde grausam verstümmelt, ihr Herz wurde entfernt und entwendet oder verbrannt. Und hier beginnt die Story, die Maya Shepherd um Jack the Ripper und Mary Jane Kelly webt.

Beim Drachenmondverlag ist es einfach ein Muss, auf die genialen Einbände hinzuweisen, und hier hat Alexander Kopainski sich mal wieder selbst übertroffen. Klar, Morde bringen meist Blutvergießen mit sich, und nicht umsonst gibt es unter uns Crime-Liebhabern die Redewendung „die Taten sind so grausam, das Blut tropft schon aus dem Buch“. Das wurde hier fast wörtlich genommen und der Buchschnitt erstrahlt in rubinrot mit goldenen Elementen – unter anderem ein menschliches Herz. Auch das Cover kann sich durchaus sehen lassen; durch die goldene Schrift wirkt die Gestalt im Bild geisterhaft und im Hintergrund erahnen wir das viktorianische London. Ich kann mich gar nicht satt sehen (merkt ihr, oder?).

Das East End als Setting fesselt mich ungemein. Es umfasst die Bezirke östlich des mittelalterlichen Stadtkerns und nördlich der Themse. Heute gilt es als Trendbezirk, doch damals hatte es den Ruf eines riesigen Slums, der von einer unmoralischen und kriminellen Bevölkerung bewohnt wurde. Genau das macht für mich den Reiz aus. Auf der einen Seite haben wir ein verruchtes, dreckiges Viertel - auf der anderen einen Serienmörder, der das Leid der Armen und Kranken ausnutzt. Schurken, Trunkenheit, Last und Sünde. Vor allem Prostituierte. Das perfekte Milieu für Verbrechen.

Mary Jane Kelly erzählt die Story aus ihrer Perspektive. Das hat mich direkt neugierig gemacht, denn sie ist tot und rastlos – ein heimtückischer Plan ihres Mörders, der alles daran setzt, diesen zu verwirklichen.
Dunkle Magie, Morde und Fantasy – hier ist von allem etwas dabei. Nicht nur Mary Jane, sondern auch die anderen Opfer von Jack the Ripper sind greifbar gezeichnet und lassen einen ihre Emotionen spüren. Aufgrund der Dialoge werden die einzelnen Schicksale greifbar, die Lebensweisen authentisch. Oder auch die Denkweisen und Motivationen, warum jemand so und nicht anders reagiert, warum er genau diesen Weg wählt und keinen anderen. Unweigerlich fragt man sich, wie man selbst in den unterschiedlichen Situationen gehandelt hätte. Was hätte ICH getan, hätte man mich erst ermordet und dann - sozusagen - wieder zum "Leben" erweckt? Hätte man mir ein Dach über dem Kopf geboten. Nahrung. Wäre ich dankbar? Wütend? Alles in einem? Man bekommt hier also genug Stoff zum Nachdenken geboten.

Durch die düstere Atmosphäre, die zur damaligen Zeit ja ohnehin vorherrschte, kam noch die Beklemmung, die die Autorin durch den Genre-Mix gekonnt hat einfließen lassen. Ich bin durch vernebelte Gassen gelaufen, habe schmutzige Luft eingeatmet und den Saum meines Kleides durch Pfützen gezogen. Die Autorin schreibt sogartig, bildhaft und weiß, wann sie Dramatik und Spannung einfließen lassen muss, um uns Leser an die Seiten zu binden.

Im letzten Drittel nimmt das Buch noch einmal richtig Fahrt auf. Die Wendungen kommen unvorhergesehen und machen dem bisher aufgebauten Spannungsbogen alle Ehre.

Fazit: Leseempfehlung! Hier wird True Crime mit dunkler Magie gemischt und heraus kommt eine Geschichte, die beeindruckend, fesselnd und düster ist. Ich habe jede Zeile genossen!

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Veröffentlicht am 23.11.2023

Was für ein cooler Auftakt!

Stalking Jack the Ripper
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Eine Story, die im viktorianischen England spielt und Jack the Ripper thematisiert, musste ich unbedingt lesen. Einige Rezensenten meinten, dass das Ganze wie ein Crossover zwischen Jane Austen und Rechtsmedizin ...

Eine Story, die im viktorianischen England spielt und Jack the Ripper thematisiert, musste ich unbedingt lesen. Einige Rezensenten meinten, dass das Ganze wie ein Crossover zwischen Jane Austen und Rechtsmedizin anmutet, was für mich erst einmal kurios klang, mich aber dennoch neugierig gemacht hat.

Tatsächlich ist es Maniscalco sehr gut gelungen, die Atmosphäre im London gegen Ende des 19. Jahrhunderts einzufangen. Lebhafte Beschreibungen der Stadt sowie der Gesellschaft zeichnen ein Bild, bei dem ich froh war, es nicht am eigenen Leib erfahren zu haben. Nicht nur die hygienischen Umstände, auch das soziale Umfeld der Protagonistin Audrey Wadsworth bescherten mir so manches Mal eine Gänsehaut.

Audrey hingegen erinnerte mich oft an Hazel aus „Anatomy“ von Dana Schwartz – was die anderen Damen der feinen Teegesellschaft über sie dachten, war ihr egal. Sie ging ihrer Leidenschaft nach, was nur wegen ihrer Privilegien möglich war, und studierte Gerichtsmedizin. Eigentlich waren die „höheren“ medizinischen Berufe den Männern vorbehalten, doch das störte Audrey nicht weiter. Die taffe, wissbegierige und humorvolle Lady hat einfach ihr Ding durchgezogen und mir damit ziemlich imponiert. Sie ist ihrer Zeit weit voraus und der damals noch nicht sehr weit verbreiteten Ansicht, dass Männer nicht aufgrund ihres Geschlechts Respekt gezollt werden muss, sondern sie sich Respekt durch ihre Taten verdienen müssen. Irgendwann wurden mir die Wiederholungen allerdings zu eintönig – obwohl ich Audrey ansonsten sehr gerne mochte.

Dieses Buch ist Maniscalcos Debüt und ich muss sagen, dass ihr hier eine spannende Story über den wohl schrecklichsten Mörder aller Zeiten gelungen ist. Die Personen sind exzellent in das Setting eingebaut worden und glänzen durch ihre Dynamik in verschiedenen Situationen. Gerade die Beziehung zwischen Audrey und (dem teilweise echt arroganten, aber liebevollen) Thomas ist authentisch und realitätsnah. Das Geplänkel zwischen den beiden passierte mehr so nebenbei, sodass die Spannung nicht darunter litt, sondern ständig im Vordergrund war.

Allerdings würde ich die Story trotz der Morde nicht als Horror oder Thriller eingruppieren – ein Spannungsroman würde eher passen. Weder habe ich mich gegruselt noch gab es Folter oder ähnliches. Sicher ist das Sezieren von Leichen und die (gelungene bildliche) Darstellung davon nicht immer harmlos, doch hier hielt es sich im Rahmen.

Das Werk regt außerdem zum Miträtseln an, lässt aber eine tatsächliche Festnahme von Jack the Ripper - oder eine Aufdeckung seiner Identität - offen. Was logisch ist, denn bis heute ist unbekannt, wer sich hinter dem Namen verbirgt. Die Auflösung per se hat für mich auch so gepasst und ließ mich zufrieden zurück.

Fazit: Die meisten werden die Autorin aus dem Fantasy-Bereich kennen („Kingdom of the Wicked“), hier hat sie jedoch eindrucksvoll gezeigt, dass Spannung ebenso zu ihren Stärken gehört wie das Erschaffen von (historischen) Welten. Ich freue mich schon riesig auf den nächsten Band „Hunting Prince Dracula“. Weiterempfehlung!

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