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Veröffentlicht am 29.04.2019

Das härteste Spiel seines Lebens

Love Play
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>>Worum geht‘s?>Meine Meinung>Fazit

>>Worum geht‘s?<<

„Sie war diejenige, in die er sich in der Highschool verliebte. Sie war immer die Eine für ihn. Zu dumm, dass er sie gehen ließ!
Die Eishockey-Karriere von Ethan ist auf dem Nullpunkt angekommen, als er in seine Heimatstadt zurückkehren muss – und plötzlich vor seiner alten Liebe Lilah steht. Acht Jahre ist es her, dass er mit ihr Schluss machte (am Telefon!) und sie bis heute doch nicht vergessen konnte. Alte Gefühle flammen auf, und Ethan setzt alles daran, seinen Fehler von damals wiedergutzumachen. Doch Lilah hat gar keine Lust, ihn so leicht davonkommen zu lassen. Sie will nicht nur der Glücksbringer für sein Eishockey sein. Sie will ihr Leben nicht wieder in Scherben sehen. Ethan muss jetzt in das härteste Spiel seines Lebens einsteigen – und es geht um nicht weniger als Lilahs Herz …“

>>Meine Meinung<<
Mit „Love Play“ bringt Helena Hunting ein neues, fesselndes Buch heraus. Zuvor hatte sie bereits u.a. mit den Buchreihen „Hot as Ice“ und „Inked Armor“ die Liebesroman-Fans begeistert. Für mich war „Love Play“ das erste Buch von Helena Hunting. Dieses Buch wird definitiv der Einstieg für mich sein als „Helena-Hunting-Liebhaber“.

In „Love Play“ lernt man Lilah und Ethan kennen und lieben. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Lilah und Ethan geschrieben, sodass man beide näher kennenlernen darf und auch ihre tiefsten Gedanken und Gefühle begleiten darf. Das hat mir besonders gut gefallen, da man das Handeln von Lilah und Ethan so auch nachvollziehen konnte.

Das Buch beginnt aus Sicht von Lilah. Sie erzählt von einem Tag aus ihrem Leben, an dem sich die Unglücke nur so zu übertreffen scheinen. Mit jedem weiteren Unglück hatte ich mehr Mitleid mit Lilah. Viele dieser Missgeschicke hätten auch mir passieren können, sodass mir Lilah besonders am Anfang sehr sympathisch war. Als sie dann nicht nur erfährt, dass ihr Ziehvater einen Schlaganfall erlitten hat, sondern auch noch mit ihrer verletzenden Jugendliebe konfrontiert wird, ist man endgültig gefesselt und möchte sie vor weiteren Unglücken gern beschützen.

Aber auch Ethan nimmt einen mit. Zu Anfang war ich ihm gegenüber sehr misstrauisch eingestellt. (Wer verlässt seine große Liebe schon am Telefon?) Es löste Unverständnis in mir aus. Außerdem empfand ich es als unfair Lilah gegenüber, sie jetzt auf diese Weise zu bedrängen und Freundschaft einzufordern. (Dieses Recht hatte er sich meiner Ansicht nach verspielt.) Doch Lilah willigte widerwillig in eine Art Freundschaft ein. Mit jedem Kapitel mehr aus Ethans Sicht verstand ich ihn auch ein wenig mehr. Ich konnte nun nachvollziehen, was ihn dazu bewogen hat, so zu handeln und Lilah auf diese Art zu verletzen. Man verstand nun auch, wie er sich die letzten 8 Jahre gefühlt hat und warum er nun wieder um Lilah kämpft. Dennoch fühlte ich mich zu Lilah mehr verbunden als zu Ethan, sodass ich sie weiter fortgeschritten im Buch häufig schütteln wollte, als sie sich selbst so sehr zurück stellte. An dieser Stelle machte mich Ethan auch wütend, dass er nicht merkte, wie sehr er Lilahs Leben nach seinem ausrichtete und sie unbewusst förmlich dazu zwang ihre Träume zurück zu stellen.

Der Roman liest sich zügig und flüssig. Dies verdankt der Roman nicht nur den vielen liebevollen Details von Helena Hunting, sondern auch ihrem einfühlsamen und witzigen Passagen. Besonders der Beginn des Buches ist fesselnd und verspricht eine spannende Liebesgeschichte. Im zweiten Drittel empfand ich das Buch als etwas zäh: ~Achtung Spoiler!~
Lilah stellt sich für Ethan zurück, was sich auf ihre Zukunftspläne leider nicht sonderlich positiv auswirkt. Als Lilah dies bewusst wird, fordert sie eine Beziehungspause ein. An dieser Stelle konnte ich vieles in ihrem Handeln nicht mehr so gut nachvollziehen. Die Geschichte nahm hier auch an Tempo auf, sodass in wenigen Seiten Monate thematisiert wurden. Zeitgleich wurde ein Nebenstrang eröffnet mit der Beziehung zwischen Lilah und ihrem Vater bzw. ihrer Halbschwester. An sich hat mir die Thematik des Nebenstrangs gefallen. Doch ich hätte mir gewünscht, dass dieser ausführlicher thematisiert wird. So empfand ich es als nichts halbes und nichts Ganzes. Die Begegnung im Krankenhaus und die kurzen Ausblicke auf die Zukunft fand ich nicht ausreichend genug und wurden meiner Ansicht nach dem restlichen Buch nicht gerecht. Doch alles in allem endete das Buch wirklich realistisch und romantisch! Das hat insbesondere dazu geführt, mich für das Buch insgesamt zu begeistern. Mit Ethans Frage, ob Lilah bei ihm einziehen möchte, endet das Buch meiner Ansicht nicht nur romantisch (beide haben sich endlich wieder), sondern auch realistisch (Der Zusammenzug stellt den nächste Schritt der Beziehung dar.). Häufig enden solche Liebesromane ja direkt mit einem Heiratsantrag. Das finde ich dann meist unrealistisch und unpassend, umso mehr überzeugte mich das von Helena Hunting gewählte Ende.
~Spoiler Ende~

Die einzigen Dinge, welche mich am Schreibstil gestört haben, waren einige englische Begriffe im deutschen Text (z.B. „Boyfriend“), wofür man durchaus einfach den deutschen Begriff hätte verwenden können, und einige Grammatik- und Rechtschreibfehler, die aber bis zur endgültigen Veröffentlichung ausgebessert werden können.

Das Buch hält immer wieder Überraschungen für den Leser bereit. Nach der Hälfte des Buches denkt man zunächst, die Geschichte sei zu Ende, alle haben sich wieder und sind glücklich. Doch Helena Hunting versteht es, den Leser aus seiner Wohlfühlzone mitzureißen und mit unerwarteten Wendungen zu überraschen.

>>Fazit<<
Love Play überzeugt insbesondere mit der ersten Hälfte des Buches und einem gelungenen Ende. Das zweite Drittel entpuppt sich als etwas zäh. Dennoch ist es alles in allem eine runde Geschichte, bei der einem bewusst wird, wie edel und sanft, aber auch wie stark und wütend die Liebe sein kann. Ich wurde mitgerissen und werde definitiv auch die anderen Bücher von Helena Hunting lesen.