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Veröffentlicht am 03.10.2022

Ein Wohlfühlroman mit Charme ohne Kitsch

Das kleine Buchcafé an der Isar
1

In dem neuen Roman von Emilia Thomas erschienen im beHEARTBEAT Verlag als ebook geht es um Marlene Baumgärtner, frisch gekürte Doktorandin der Literaturwissenschaften, die bei ihrer Suche nach einem Job ...

In dem neuen Roman von Emilia Thomas erschienen im beHEARTBEAT Verlag als ebook geht es um Marlene Baumgärtner, frisch gekürte Doktorandin der Literaturwissenschaften, die bei ihrer Suche nach einem Job als Aushilfe im unscheinbaren Buchcafé um die Ecke landet. Der kleine Laden liegt nahe der Isar, ist aber ziemlich in die Jahre gekommen und wird der eher mürrischen Lotte Eigner geführt. Doch genau dieser Ort gibt Marlene als Bücherwurm die Chance, sich auszuleben und ihre Ideen in dem Buchcafé auszuleben. So lernt sie bei der von ihr ins Leben gerufenen Schreibwerkstatt die junge im Rollstuhl sitzende Amelie kennen, mit der sie schnell Freundschaft schließt. Als eines Tages der gutaussehende Johannes im Buchcafé auftaucht und sich als Amelies Bruder herausstellt, ahnt Marlene noch nicht, wie sehr dieser Mann ihr Leben durcheinander wirbeln wird.

(SPOILER!)
Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und klar, sodass das Einfinden in die Geschichte um Marlene trotz direktem Einstieg in die Geschichte nicht schwer viel. Der Roman wird sehr seicht und lässt sich bei aktuell sehr herbstlichem Wetter super mit einer Tasse Tee in der Hand durchlesen.

Die Charaktere wirken alle sehr authentisch, jedoch fiel mir an manchen Stellen das durchdringen etwas schwer. Der Fokus lag meines Empfindens nach auf der Geschichte, sodass es mir persönlich schwer fiel Marlene und Co. so richtig zu greifen. So konnte ich Johannes‘ im Streit geäußerte Kritik an Marlene zu diesem Zeitpunkt der Geschichte nicht vollends nachvollziehen, da sich diese Eigenschaften für mich nicht deutlich rausgestellt haben. Trotz allem ist festzuhalten, dass die Autorin es aber auch geschafft hat, dass ich alle Figuren auf ihre und beabsichtigte Weise mochte oder wie im Falle von Kathrin eben auch nicht mochte.

Das Thema des Buches wurde im ersten Teil gut umgesetzt, verlor sich aber ein bisschen im zweiten Teil als mehr die Liebesgeschichte um Marlene und Johannes in den Fokus geriet. War das Buchcafé und die Liebe zu den Büchern anfangs noch sehr präsent, wechselte der Ort für Marlene eher zum Treffpunkt mit anderen Figuren oder ihr als Fluchtort vor ihrer Gefühls- und Gedankenwelt. Leider kam für mein Empfinden auch Lotte Eigner in der Geschichte etwas zu kurz, sowie auch der angekündigte Münchner Charme. Beide Aspekte verloren sich etwas im Verlauf der Geschichte.

Das ersehnte Happy End kam mir dann letztendlich etwas zu kurz und prompt. Vor allem das letzte Kapitel hat mich etwas enttäuscht. Der Schreibstil wechselte plötzlich in viele kleine Fragesätze mit wirren Gedankengängen und einem unverhofften Zeitsprung mittendrin. Es schien, als sollte die Geschichte endlich zum erhofften Happy End kommen, ohne am Ende ein richtig kitschiges Ende zu bereiten. Es war kein „Awww- endlich haben sie sich!“-Moment, sondern vielmehr ein „hmm – okay“ bei mir. Da hätte meiner Meinung nach ein Kapitel mehr und damit auch noch ein paar Momente mehr zwischen Johannes und Marlene gutgetan.

Alles in allem ist in der Geschichte zwar viel vorhersehbar, doch trotz allem in jedem Fall absolut lesenswert. Es ist kein klassischer Liebesroman, der mit völlig überzogenem Kitsch und Gefühlsduselei um die Ecke kommt. Besonders gut gefällt mir dabei das mehr als passende Cover sowie auch das jedes Kapitel mit einem Logo aus einer dampfenden Kaffeetasse mit einem eingesteckten Lesezeichen beginnt und somit das Buchcafé grafisch vereint. Mir hat das Lesen Freude bereitet und mich aus dem Alltag in die charmante Welt des Buchcafés an der Isar entführt.

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Veröffentlicht am 13.03.2021

Eine historische Familiengeschichte die mich leider nicht überzeugt

Geteilte Träume
2

Berlin, 1992: Ingke Beerenhain ist gerade 18 Jahr alt und steht kurz vor ihren Abiturprüfungen als sie durch einen Zufall erfährt, dass ihre Eltern sie zu DDR-Zeiten als Baby adoptiert haben. Sie macht ...

Berlin, 1992: Ingke Beerenhain ist gerade 18 Jahr alt und steht kurz vor ihren Abiturprüfungen als sie durch einen Zufall erfährt, dass ihre Eltern sie zu DDR-Zeiten als Baby adoptiert haben. Sie macht sich auf die Suche nach ihrer Herkunftsfamilie. Damit beginnt für Ingke eine Reise durch die Geschichte ihrer Familie, durch die DDR-Zeit, Geheimnisse und Schicksale – die ihr am Ende zwei Familien beschert. Doch wie soll sich Ingke bloß zwischen ihrer leiblichen Mutter, der man nach einem gescheiterten Fluchtversuch das Baby wegnahm und ihren Zieheltern, die sie liebevoll und gut behütet großzogen, entscheiden? Wird sie mit beiden Familien ihren Weg finden? Muss sie sich tatsächlich entscheiden?

Ich hatte mich sehr auf die Leserunde mit diesem Buch gefreut, da ich selbst kurz vor der Wende in der DDR geboren wurde und danach mit meiner Familie in den Westen gezogen bin. Im Laufe der Jahre habe ich immer wieder versucht nachzuvollziehen, wie das Leben meiner Familie mit Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, Überwachung und Pflichten/Zwängen des Regimes war. Ich erhoffte mir aufgrund der Buchbeschreibung auch etwas von diesen Aspekten wieder zu finden. Dabei wurden meine Erwartungen zwar nicht enttäuscht, jedoch anders erfüllt als ich es erwartet hatte.

Ingke als Hauptfigur steht in diesem Roman von Ulla Mothes gar nicht im Fokus. Vielmehr geht man als Leser mit ihr gemeinsam auf die Reise durch die Geschichten und Erlebnisse sowohl der leiblichen als auch der Adoptivfamilie. Jeder der Familienmitglieder von Ingke hat eine dabei eine negative Geschichte beizutragen, die manchmal scheinbar gar nichts mit der eigentlichen Geschichte um das Finden von Ingkes „Ich“ und ihrer wahren Familiengeschichte zu tun hat. Dies machte es mir sehr schwer mich in die Geschichte zu finden und ließ mich mit einigen Fragen im Regen stehen.

Meiner Meinung nach enthielten die Geschichten zudem durchweg negative Inhalte, die für Außenstehende schwer greifbar und ein teilweise verzerrtes Bild der DDR zu geben vermögen. Doch vielleicht ist es genau das, was das Buch ausmacht – es verleitet zum Nachdenken und beschäftigte mich als Leser immens. Es scheint vielmehr Ausnahmen von der Regel und Einzelschicksale zu beschreiben als ein allgemeines Bild der DDR zu vermitteln Diese Ausnahmen werden jedoch von der Autorin als absolute Wahrheit präsentiert und vermitteln somit ein völlig falsches Bild der damaligen Zeit. Besonders die Kinderbetreuung und die Bescheidenheit sowie der Zusammenhalt der Bevölkerung war stets sehr gut.

So richtig Emotionen wecken konnte das Buch im Allgemeinen bei mir nicht, denn die Schilderungen blieben recht sachlich. Als Leser ist man oftmals Beobachter und schaut nicht in die Köpfe der Erzählenden. Dies schafft Distanz. Daher kann ich mit keiner der Figuren sympathisieren und mich anfreunden. Dies liegt vielleicht auch am reißenden Schreibstil, mit dem die Autoren die Geschichten erzählen lässt.

Vielleicht hatte ich aufgrund des Titels und der Beschreibung einfach zu viele und falsche Erwartungen. Ich hatte darauf gehofft in Ingkes Kopf zu schauen. Was denkt sie wirklich über die Adoption? Was denkt sie über ihre leibliche Familie? Welche Gedanken schießen ihr durch den Kopf, wenn sie die teilweise tragischen Geschichten der Familie hört?

Gern hätte ich gelesen wie beide Familien um sie kämpfen statt sie schlicht emotional zu erpressen. Im Endeffekt wird ihr final die Entscheidung abgenommen. Das Happy End kam mir viel zu plötzlich und völlig unschlüssig daher.

Alles in allem hat mir „Geteilte Träume“ Lust auf weitere Bücher gemacht, die sich um das Leben in der DDR drehen. Wer sich für sachliche Familiendramen mit historischem Hintergrund interessiert, liegt bei diesem Buch nicht falsch. Lesern, die dabei Wert auf Emotionen legen, rate ich jedoch ab.

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