Lesenswerte Geschichte mit noch offenem Potenzial für mehr
My Idea of No. 14My Idea of No. 14 ist ein Roman, der mit einer starken Grundidee und einem ungewöhnlichen Setting im männlich dominierten Profi-Football aufwartet – und damit definitiv aus der Masse heraussticht. Trotz ...
My Idea of No. 14 ist ein Roman, der mit einer starken Grundidee und einem ungewöhnlichen Setting im männlich dominierten Profi-Football aufwartet – und damit definitiv aus der Masse heraussticht. Trotz dieser spannenden Prämisse und einiger sehr gelungener Elemente konnte mich die Geschichte im Gesamten nicht ganz so mitreißen, wie ich es mir nach dem Klappentext und dem atmosphärischen Einstieg erhofft hatte.
Besonders positiv hervorheben möchte ich die Nebenfiguren: Erin, Chase, Kayce und auch Leahs Vater sind vielschichtig, glaubwürdig und emotional greifbar gezeichnet. Ihre Szenen zählten für mich zu den berührendsten Momenten der Geschichte. Gerade die Vater-Tochter-Beziehung hat mich sehr mitfühlen lassen und ich fand diesen Teil wirklich toll ausgearbeitet. Sie verleihen dem Roman Wärme, Tiefe und ein hohes Maß an Authentizität.
Die Hauptfigur Leah hingegen hat bei mir zwiegespaltene Reaktionen ausgelöst. Zwar wird sie als ehrgeizig und durchsetzungsstark eingeführt, ihre späteren Entscheidungen wirkten jedoch in mehreren Situationen impulsiv und für mich nicht immer stimmig zu ihrem ansonsten so klaren Anspruch an sich selbst. Leah sagt öfter, sie hätte „ihr gesamtes Leben alles getan, um diesen Sport zu durchdringen“, aber als Leserin bekam ich davon leider wenig zu spüren. Auf diese Worte folgen leider entgegengesetzte Taten. Die wenigen Rückblicke betrafen eher die letzten Wochen und bestimmte Rückfälle / Handlungen kamen für mich etwas plötzlich. Vielleicht fehlte mir da einfach noch etwas mehr Hintergrund, um ihre emotionale Reaktion und die Tiefe ihres Werdegangs richtig verstehen zu können, hier sehe ich noch Ausbaupotenzial. Besonders, da ich das Gefühl hatte, nicht genug über Leah zu wissen - nicht wirklich einen Zugang zu ihr als Protagonistin zu haben. Was mich ein wenig traurig stimmt: Das, was man als Lesender mitbekommt, geht leider gegen die Tatsache, dass Leah „wirklich alles“ für ihren Traum tut. Es kommt mir eher so vor, als könne sie nicht dafür kämpfen – das finde ich sehr schade, da sie am Anfang als starker Charakter eingeführt wurde.
Dass Figuren Ecken und Kanten haben dürfen – ja sogar sollen – ist mir sehr wichtig. In Leahs Fall fehlte mir aber häufig die innere Logik zwischen ihren Zielen und Handlungen, was es mir schwer gemacht hat, eine tiefere Verbindung zu ihr aufzubauen.
Auch die Liebesgeschichte zwischen Leah und Sam konnte mich emotional leider nicht ganz erreichen. Ihre Beziehung entwickelt sich sehr schnell – fast über Nacht – und durch teils große Zeitsprünge entstehen erzählerische Lücken, die es mir als Leserin erschwerten, an ihrer Bindung wirklich teilzuhaben. Ich hätte mir mehr Raum für langsames Kennenlernen, leise Zwischentöne und die Möglichkeit gewünscht, mich gemeinsam mit den Protagonisten verlieben zu können. Besonders schade fand ich, dass die zunächst so starke Kommunikation zwischen den beiden im weiteren Verlauf nahezu abreißt – gerade in Konfliktsituationen, in denen man sich Dialog und Klärung erhofft hätte. Einige Missverständnisse bleiben unausgesprochen oder werden zu schnell übergangen, und auch Sam zieht sich zurück, anstatt – wie es zur Tragweite ihrer Beziehung passen würde – aktiv um Leah zu kämpfen. Das hinterließ bei mir den Eindruck, dass hier emotionales Potenzial ungenutzt blieb. Dieser Eindruck wurde durch die Tatsache verstärkt, dass sich diese Kommunikationsprobleme dann im zweiten Teil der Handlung schließlich durch alle Beziehungen in Leahs Leben ziehen, was für mich einfach zu viel war. Besonders im Hinblick auf Leahs Verhalten gegenüber ihrem Vater. Es wird angedeutet, dass er ihr etwas Wichtiges zu einer schwierigen Situation sagen möchte, doch anstatt ihm die Möglichkeit zu geben oder wenigstens nachzufragen, blockt sie ab. Gerade, weil das Verhältnis zwischen Leah und ihrem Vater sonst recht vielschichtig dargestellt wird, ist dieser Moment besonders bedauerlich.
Sehr gelungen fand ich hingegen die Einbindung des Sports: Football ist nicht nur Kulisse, sondern wird detailliert, authentisch und nachvollziehbar beschrieben. Auch ohne Vorkenntnisse konnte ich den Spielen und Mechanismen gut folgen, was ich als großen Pluspunkt empfand.
Fazit:
My Idea of No. 14 bringt frischen Wind in das Romance-Genre und überzeugt mit einem originellen Setting, emotionalen Nebenfiguren und einer authentischen Darstellung von Sport. Trotz dieser Stärken hat mich die emotionale Tiefe – insbesondere in der Liebesgeschichte – nicht voll erreichen können. Einige charakterliche Entscheidungen wirkten für mich nicht ganz schlüssig, und an entscheidenden Stellen fehlte mir eine stärkere Verbindung zu den Figuren. Dennoch ist es ein lesenswerter Roman, vor allem für Leser*innen, die sich für Geschichten im Sportmilieu begeistern können und ein Faible für schneller entstehende Romanzen haben.