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Veröffentlicht am 17.01.2019

Seichte Urlaubslektüre

Ein mallorquinischer Sommer
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Das britische Ehepaar Jenn und Gregg machen Urlaub auf Deià, Mallorca. Nach einer Woche soll Greggs 15-jährige Tochter Emma mit ihrem Freund Nathan nachkommen. Als Jenn, eine Frau Mitte 40, auf den muskulösen, ...

Das britische Ehepaar Jenn und Gregg machen Urlaub auf Deià, Mallorca. Nach einer Woche soll Greggs 15-jährige Tochter Emma mit ihrem Freund Nathan nachkommen. Als Jenn, eine Frau Mitte 40, auf den muskulösen, braungebrannten 17-jährigen Freund ihrer Stieftochter trifft, fühlt sie sich sofort wie magisch von ihm angezogen, auch sein Interesse an Jenn ist geweckt. So beginnt eine leidenschaftliche Affäre zwischen Jenn und Nathan, ein gefährliches Spiel mit dem Feuer, da die beiden in ihrer Leidenschaft immer Gefahr laufen, erwischt zu werden. Jenn ist hin und hergeworfen zwischen Schuldgefühlen gegenüber ihrer Stieftochter und ihrem Ehemann, und andererseits von dieser noch nie verspürten Leidenschaft für den jungen Mann. Darüber hinaus spitzt sich der schwelende Konflikt zwischen Emma und Jenn immer mehr zu, der daraus resultiert, dass Emma nicht die leibliche Tochter von Jenn ist, und sich dadurch von ihr zurückgesetzt fühlt.
Vom Inhalt her ein sehr interessantes Thema, auch die landschaftlichen Beschreibungen des Urlaubsorts Deià lassen im Leser Urlaubsgefühle hochkommen. Dazu passend, ein wunderschönes Cover von einem Zitronenhain, in dem Buch als Symbol der Vergänglichkeit verwendet. Dies alles ergibt eine sehr ansprechende Atmosphäre, die durch den flüssigen Schreibstil verstärkt wird. Meine anfängliche Begeisterung für das Buch ebbt aber zunehmend ab, da die Autorin sich in zunehmendem Maße einer recht derben, zuweilen schon vulgären Sprache bedient! Dieser Jargon soll vermutlich die Leidenschaft der beiden unterstreichen, dies kann man meiner Meinung aber auch anders erzielen, als durch derart ordinäre Ausdrucksweise! Pornografische Darstellungen mit Sinnlichkeit und Erotik gleichzusetzen, ist für mich eindeutig am Ziel vorbeigeschossen!
Des Weiteren werden einige Passagen sehr unglaubwürdig, etwa, wenn der junge Liebhaber seine Freundin Emma einfach stehen lässt, um der Mutter nachzulaufen – ohne dass Emma von der Affäre ihrer Mutter mit Nathan mitbekommt. So toll die anfänglichen Beschreibungen sind, so verwirrend und schlecht beschrieben ist der Roman gegen Ende hin. Zum Teil muss man einzelne Passagen erneut lesen, da einzelne Situationen nicht wirklich klar dargestellt sind, etwa wer was sagt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Autorin in ihrer lieblosen Darstellungsweise zu einem möglichst raschen Ende kommen will.
Der Roman mag eine perfekte Urlaubslektüre sein – für Leute, die einen Roman ohne besonderen Tiefgang suchen, die über eine ordinäre Ausdrucksweise hinwegsehen können, und die die eine oder andere unglaubwürdige Darstellung in diesem Buch nicht hinterfragen.

Veröffentlicht am 17.01.2019

Frech, witzig und originell - ein gelungenes Kinderbuch!

Die Frechen Krabben (Band 1)
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Die beiden Zwillinge Milli und Lilli Floh sind grundverschieden: während Milli an alles eher gemütlich und besonnen herangeht, ist Lilli ein „Heiß-Sporn“ wie er im Buche steht. Schon seit frühesten Kindheitstagen ...


Die beiden Zwillinge Milli und Lilli Floh sind grundverschieden: während Milli an alles eher gemütlich und besonnen herangeht, ist Lilli ein „Heiß-Sporn“ wie er im Buche steht. Schon seit frühesten Kindheitstagen treffen sie sich mit ihren besten Freundinnen und Klassenkameradinnen Emma und Lotte regelmäßig zum Spielen und für wichtige Besprechungen bei einem Apfelbaum auf einem unbewohnten Grundstück. Doch eines Tages ändert sich alles: Plötzlich ist da dieses doofe Brüderpaar Ben und Paul, das ihnen das Leben schwer macht, noch dazu sind die beiden ebenfalls Zwillinge, gehen in dieselbe Klasse wie die Mädchen und zu allem Überfluss haben ihre Eltern das Grundstück mit dem geliebten Apfelbaum gekauft! Nun ist guter Rat teuer: wo sollen die Mädchen sich denn ab jetzt immer treffen? Wie sollen sie sich gegen die Jungen zur Wehr setzen, die ihnen offensichtlich ihr Territorium streitig machen wollen? Da hilft nur eins: sie müssen eine Bande gründen: die frechen Krabben… Mit von der Partie sind Emil, das freche Zwergschweinchen von Lilli und Milli, und Emmas geliebter Hund Wuschelzwerg.

Ein sehr nettes und kindgerecht geschriebenes Buch, das sich der Sorgen und Ängste heranwachsender Kinder annimmt: Wie geht man damit um, wenn einem plötzlich irgendwelche Neuen das eigene Territorium streitig machen und dann auch noch in den eigenen Freundeskreis eindringen, und einem den Rang abzulaufen beginnen? Die ganze Familie Floh ist ein wenig schräg und schrill, nicht zuletzt deswegen, weil sie das Zwergschwein Emil als Haustier halten. Auch Emil hat seinen Platz in der Familie Floh: er ist frech und immer zu Streichen aufgelegt, passt also perfekt zu den quirligen Zwillingen. Für beste Unterhaltung und Spannung ist also gesorgt. Die Kapitel sind kindgerecht kurz gehalten, eignen sich deshalb sehr gut zum Vorlesen als „Gute-Nacht-Geschichte“ für die Kleineren und auch die Größeren werden durch die kurzen Kapitel nicht überfordert. Zusätzlich ist dieses Buch liebevoll mit Schwarz-Weiß-Bildern illustriert, auch das poppig-bunt gestaltete Cover lädt zum Lesen ein!

Veröffentlicht am 17.01.2019

Vier amüsante Katergeschichten

Mog, der vergessliche Kater – Die schönsten Geschichten
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„Mog, der vergessliche Kater“ ist eine Sammlung von vier Kurzgeschichten über den schusseligen Kater Mog, der bei der Familie Thomas lebt. Einerseits massiv vergesslich, andererseits hat er – wie jede ...

„Mog, der vergessliche Kater“ ist eine Sammlung von vier Kurzgeschichten über den schusseligen Kater Mog, der bei der Familie Thomas lebt. Einerseits massiv vergesslich, andererseits hat er – wie jede Katze – seinen eigenen Willen, den er sehr gerne durchsetzt, dass darüber die restlichen Familienmitglieder manchmal alles andere als glücklich sind, liegt auf der Hand. So wird er des Öfteren als „verflixter Kater“ beschimpft, was er, der nichts Böses im Sinne gehabt hat, nicht immer nachvollziehen kann. Aber da gibt es zum Glück Debbi, die Tochter der Familie Thomas, in der Mog immer eine treue Verbündete hat, wenn er von den übrigen Familienmitgliedern wieder einmal allzu sehr ausgeschimpft wird.

Vier sehr nette Kurzgeschichten, die einem auch als Erwachsenen ein Schmunzeln entlocken können. Als Altersbegrenzung ist „ab drei Jahren“ angegeben, aufgrund der Kürze der Geschichten ist es einem so kleinen Kind durchaus möglich, den Geschichten zu folgen.

Die doch sehr rauhe Stimme von Katharina Thalbach war für mich als Erwachsene, die normalerweise angenehm anzuhörende Lesestimmen wie jene einer Ulrike Tscharne bevorzugt, doch sehr gewöhnungsbedürftig. Meine Tochter (6 Jahre) wiederum, fand die Stimme einfach toll, vermutlich liegt es daran, dass die Stimme Thalbachs sehr an die Stimme einer älteren Oma erinnert, was bei einem Kind doch sehr heimelige Gefühle hervorruft. Bei längerem Zuhören mochte auch ich diese Stimme bei diesem Hörbuch nicht missen, zumal sie Stimme Thalbachs beim Lesen teilweise fast „schnurrend“ klang, was im Hörer noch zusätzlich das Bild eines zufrieden vor sich hinschnurrenden Katers entstehen ließ.

Veröffentlicht am 17.01.2019

Raffiniertes mit dem gewissen Etwas!

Fingerfood & Feines. Raffiniert gekocht für Freunde & Gäste
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Mit ihrem Kochbuch hat es sich Martina Lessing, selbst Köchin und Cateringspezialistin, zum Ziel gesetzt, Essens-Einladungen zu einem möglichst stressfreien Event werden zu lassen, und dabei mit geringstmöglichem ...

Mit ihrem Kochbuch hat es sich Martina Lessing, selbst Köchin und Cateringspezialistin, zum Ziel gesetzt, Essens-Einladungen zu einem möglichst stressfreien Event werden zu lassen, und dabei mit geringstmöglichem Aufwand das Maximum an Effekten herauszuholen. Das Ergebnis sind leicht zuzubereitende Rezepte für Fingerfood aller Art, das Spektrum reicht von warmen, pikanten Häppchen, über Bowl-Food, bis hin zu süßen Köstlichkeiten, die man entweder als kleine Kuchenstückchen serviert, oder als Cremes im Glas reicht. Zu nahezu allen Rezepten ist jeweils im Anschluss ein Tipp hinzugefügt - etwa ob das Gericht zum Einfrieren taugt, wie lange es sich im Kühlschrank hält, oder wie man es garnieren kann, um es am besten zur Geltung zu bringen. Diese Hinweise sind nicht unwesentlich, helfen sie einem doch dabei, sich die Vorbereitungen besser einteilen zu können, da sich vieles bereits im Vorfeld (sprich einige Tage davor) zubereiten lässt, und man sich dadurch unnötigen Stress im letzten Abdruck erspart. Auch wenn einige der vorliegenden Rezepte meinen Geschmack nicht so ganz treffen, macht es trotzdem Freude, in diesem Buch zu blättern, um sich Anregungen zu holen oder sich einfach nur an den optisch schön aufbereiteten Abbildungen der Gerichte zu erfreuen. Diese fallen zumeist großflächig aus, was ein genaues Vorab-Inspizieren des zu erwartenden kulinarischen Ergebnisses zulässt. In diesem Zusammenhang möchte auch auf das sehr edel gestaltete Cover-Bild hinweisen, das mich in besonderem Maße angesprochen hat - es lädt richtiggehend zum Schmökern ein und macht Lust, sich an dem einen oder anderen Gericht zu versuchen. Ein liebevoll gestaltetes Kochbuch, das es durchaus schafft, auch einem/er ungeübten Koch/Köchin den Schrecken vor Einladungen zahlreicher Gäste zu nehmen. Zudem wird bei der Wahl der Zutaten das Hauptaugenmerk auf frische und saisonale Produkte gelegt, sodass man nicht gezwungen ist, vor dem Zubereiten der Speisen erst eine längere Odyssee in diversen, exotischen Spezial-Läden in Kauf nehmen zu müssen, um die benötigten Zutaten parat zu haben – was einen nicht unwesentlichen Zeitfaktor ausmacht, denn die hier jeweils verwendeten Zutaten sind relativ leicht in jedem herkömmlichen Supermarkt erhältlich!

Veröffentlicht am 17.01.2019

Manchmal sind Worte nicht genug

Worte in meiner Hand
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Nach dem Tod ihres Vaters ist die junge Helena Jans van der Strom im Jahre 1632 aus finanziellen Gründen gezwungen, beim Buchhändler Mr. Sergeant als Magd in Amsterdam zu arbeiten. Dort kommt sie in Kontakt ...

Nach dem Tod ihres Vaters ist die junge Helena Jans van der Strom im Jahre 1632 aus finanziellen Gründen gezwungen, beim Buchhändler Mr. Sergeant als Magd in Amsterdam zu arbeiten. Dort kommt sie in Kontakt mit dem Philosophen René Descartes, der sich für etliche Monate zusammen mit seinem Diener Limousin bei Mr. Sergeant einquartiert. Helena, die von ihrem Dienstherren dazu angehalten ist, Descartes mit „Monsieur“ anzusprechen- fühlt sich schon bald sehr zu diesem hingezogen und beginnt, sich für dessen Arbeiten zu interessieren. Descartes wiederum ist von Helenas Wesen und ihrem Wissensdurst fasziniert, hat sie sich doch das Lesen und Schreiben selbst beigebracht, was in der damaligen Zeit für eine Frau außergewöhnlich ist. Er erkennt in ihr quasi einen ungeschliffenen Rohdiamanten und beginnt daher, Helena auf verschiedensten Wissensgebieten zu fördern. Schon bald entdecken die beiden ihre tiefe Zuneigung zueinander, wohl wissend, dass es keine Zukunft gibt zwischen der 17jährigen Magd und dem doppelt so alten Descartes, denn das Standesdenken der damaligen Gesellschaft Zeit verbietet derartige Beziehungen.

Als Helena von Descartes schwanger wird, muss sie Amsterdam verlassen, und wird gezwungen, ihre Tochter Francine in Deventer zur Welt zu bringen, um den guten Ruf des aufstrebenden Philosophen nicht zu gefährden. Obwohl Descartes sie finanziell unterstützt, fühlt sich Helena von ihm auf persönlicher Ebene im Stich gelassen, da er sich rarmacht und den Kontakt zu ihr auf einige wenige unpersönliche Briefe reduziert.

Aufgrund der Tatsache, dass Helena nun ein uneheliches Kind hat, wendet sich auch ihre eigene Mutter in Leiden von ihr ab, um der Stigmatisierung durch die Gesellschaft zu entgehen. Die komplett auf sich gestellte Helena stellt sich jedoch mutig dieser Herausforderung.
Ein sehr berührendes Werk, das in beklemmender Weise einen Einblick gibt, mit welchen Problemen man zu der damaligen Zeit als Frau, noch dazu mit einem unehelichen Kind, zu kämpfen hatte: Die Möglichkeiten, sich Bildung anzueignen, waren sehr beschränkt; Versuche sich weiterzubilden, wurden bestenfalls belächelt und als Zeitverschwendung abgetan.

Die Zeit ist offenbar einfach noch nicht reif für einen so starken Charakter wie Helena, die sich mutig in eine Männerdomäne vorwagt, etwa als sie für Francine ein Alphabet für Kinder fertigt und mit liebevollen Illustrationen und Versen versehen bei einem Buchhändler als Kinderbuch zum Verkauf anbietet und letztlich gezwungen ist, es unter seinem Wert zu verkaufen, alleine aufgrund der Tatsache, sie eine Frau ist.

Auch wenn Descartes Helena auf seine Weise liebt, leidet sie darunter, dass er nicht zu ihr steht bzw. nicht zu ihr stehen kann, ohne dabei seine gesellschaftliche Reputation aufs Spiel zu setzen. Nach außen hin wird sie nie als ebenbürtige Partnerin präsentiert, sondern immer nur als untergebene Magd, die Descartes mit „Monsieur“ anzusprechen hat. Guinevere Glasfurd versteht es in exzellenter Weise, die Emotionen des Lesers zu führen, indem sie die Geschichte aus der Sicht der Helena erzählt, mit der man sich sofort zu solidarisieren beginnt. In wunderschönen Bildern werden die einzelnen Stationen gezeichnet, man hat das Gefühl, sich wahrhaftig im Holland des 17.Jahrhunderts zu befinden. Der Eindruck wird noch verstärkt, indem Passagen einfach in Holländisch aber auch in Französisch verfasst sind, was dem Ganzen noch zusätzliche Authentizität verleiht. Hier besticht vor allem die sprachliche Umsetzung des Textes durch Julia Nachtmann, welche für die Hörbuchfassung gewonnen werden konnte.
Der Erzählstil Glasfurds bietet eine Besonderheit: Sie lässt in den einzelnen Kapiteln Nebenfiguren auftreten, über deren weiteres Schicksal sich die Autorin ausschweigt, sie helfen jedoch dabei, den Charakter der Helena in besonderer Weise herauszuarbeiten und geben der Figur dadurch besondere Tiefe.

Glasfurd lässt ihr fundiertes Wissen über das Leben Descartes geschickt einfließen, sodass dieses Hörbuch zu einem sehr interessanten und intensiven Hörerlebnis wird, das passagenweise sehr emotional ist ohne dabei jedoch kitschig zu werden!