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Veröffentlicht am 10.05.2025

Ein Roadtrip der etwas anderen Art

Killer Potential
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In ihrem Debüt-Thriller „Killer Potential“ nimmt uns Hannah Deitch mit auf einen rasanten Roadtrip voller düsterer Geheimnisse, unvorhersehbaren Wendungen und psychischen Verwicklungen. Spannend, manchmal ...

In ihrem Debüt-Thriller „Killer Potential“ nimmt uns Hannah Deitch mit auf einen rasanten Roadtrip voller düsterer Geheimnisse, unvorhersehbaren Wendungen und psychischen Verwicklungen. Spannend, manchmal verwirrend und irgendwie anders.

Um was geht es?
Evie Gordon arbeitet als SAT-Tutorin für reiche Kinder in Los Angeles. Unter anderem ist sie für die Victors tätig, deren Tochter Serena sie unterrichtet. Als sie eines Tages zur Arbeit kommt, scheint das Haus verlassen – bis sie im Garten über die Leichen von Dinah und Peter Victor, Serenas Eltern, stolpert. Völlig aufgewühlt kehrt sie ins Haus zurück. Noch während sie überlegt, was als nächstes zu tun ist, hört sie seltsame Geräusche. Als sie diesen folgt, entdeckt sie unter der Treppe eine schmutzige, gefesselte Frau: Jae. Evie befreit die Gefangene, als plötzlich Serena in der Tür steht. In einer Kurzschlussreaktion schlägt Evie ihre Schülerin nieder und begibt sich mit Jae auf eine kopflose Flucht quer durch die USA – denn die beiden Frauen werden als kaltblütige Mörderinnen gejagt.

Protagonistin ist Evie Gordon, hochintelligent und dank Stipendien auf Elite-Universitäten bestens ausgebildet, bewegt sie sich unter den Reichen, als würde sie selbst dazugehören. Deswegen frustriert es sie umso mehr, dass sie es bis jetzt in ihrem Leben nur zur SAT-Tutorin gebracht hat. Sie sehnt sich nach Reichtum, Glamour, Abenteuer. Einen Hauch davon erhält sie durch das Unterrichten in den Häusern der Reichen und Schönen und gleichzeitig ist da immer dieses unterschwellige „Auch-Haben-Will“. Evie wirkt dadurch innerlich zerrissen und orientierungslos. Besonders durch ihre Flucht mit Jae kommt das immer mehr ans Licht. Jae ist sehr intelligent, leidet aber darunter, dass sie keine „Finanzintelligenz“ besitzt und deswegen in „schwierige“ Situationen gerät. Sie ist als Person nie richtig greifbar, verbirgt viel und doch scheint Evie durch ihre leicht naive Art, Stück für Stück Jaes Geheimnisse aufzudecken. Die beiden bilden ein ungewöhnliches Paar, das sich nach und nach anfreundet, während sie zeitgleich gemeinsam auf einen Abgrund zusteuern.

Das Buch weist einen für einen Thriller ungewöhnlichen Schreibstil auf. Man fühlt sich beim Lesen mehr auf einem völlig durchgeknallten Roadtrip als in einem düsteren Thriller. Gleichzeitig werden aber auch die dunklen Geheimnisse und Lebensgeschichten von Evie und Jae Schritt für Schritt enthüllt. Es ist eine interessante Mischung, die dem Leser mal etwas anderes bietet. Obwohl ich diese Andersartigkeit sehr geschätzt habe, ist für mich ab der Hälfte des Buches die Spannung immer mehr abgeflacht. Die überraschenden Wendungen waren für mich im Leseverlauf immer weniger plausibel und haben bei mir das Gefühl hervorgerufen, dass einfach etwas Besonderes für den Leser her musste. Vor allem gegen Ende des Buches war das Verhalten von Evie für mich nicht mehr schlüssig und hat mich als Leser unbefriedigt zurückgelassen.

Fazit:
Der Thriller ist mal etwas anderes und sorgt deshalb für Lesespaß. Leider hat die Spannung ab der Hälfte kontinuierlich nachgelassen und die Wendungen und Verhaltensweisen wurden für mich immer weniger nachvollziehbar. Das Buch ist also nett zu lesen und gute Unterhaltung, aber kein Must-Read für Thrillerfans.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.04.2025

Wenn dunkle Geheimnisse an die Oberfläche dringen

Die Yacht
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In ihrem dritten Psychothriller „Die Yacht“ entführt uns Sarah Goodwin zusammen mit einer Gruppe alter Studienfreunde aufs Meer. Dunkle Geheimnisse, soziale Unterschiede und daraus resultierende eskalierende ...

In ihrem dritten Psychothriller „Die Yacht“ entführt uns Sarah Goodwin zusammen mit einer Gruppe alter Studienfreunde aufs Meer. Dunkle Geheimnisse, soziale Unterschiede und daraus resultierende eskalierende Konflikte sorgen für beklemmende Spannung.

Um was geht es?
Hannah ist zur exklusiven Silvesterparty ihrer reichen Freundin Libby und deren Ehemann eingeladen – in einem italienischen Hafen auf einer Luxusyacht. Dort möchte die alte Freundesclique aus Studientagen zusammen mit ihren Partnern gemeinsam ins neue Jahr starten. Schnell entwickeln sich durch die sozialen Unterschiede und den exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum erste Konflikte. Hannah ist froh, dass sie die Yacht am nächsten Tag wieder verlassen kann. Doch sie erlebt eine böse Überraschung. Am nächsten Morgen treibt das Schiff im offenen Meer, ohne die Chance Hilfe zu rufen oder zurück in den Hafen zu navigieren. Die Nerven liegen blank und das Drama nimmt seinen Lauf.

Protagonistin des Buches ist Hannah, ehemals Künstlerin, die es aber im Vergleich zu ihren Freunden nicht geschafft hat, reich und berühmt zu werden. Sie arbeitet in einem Callcenter, ist unzufrieden mit ihrem Leben, hat Bindungsängste und fühlt sich klein und unscheinbar. Trotzdem meistert sie ihr Leben und MUSS aufgrund ihrer Lebenssituation pragmatisch sein. Sie ist ein wenig zu gut für diese Welt und sucht die Schuld bei Konflikten immer zuerst bei sich selbst, statt bei anderen. Umso schlimmer, dass sie Silvester mit ihren reichen Freunden verbringt, bei denen sie sich noch minderwertiger fühlt und die sie teils unverhohlen mobben. Die Nebencharaktere, allesamt reich und berühmt, sind charakterlich das genaue Gegenteil von Hannah. Zum Großteil sind sie arrogant und denken, dass sich die Welt nur um sie dreht und sich alles nach ihrem Willen richten muss. Die berechnende Libby und ihr adeliger Mann Olly, die immer etwas ätherisch und abwesend wirkende Maggie mit ihrem arroganten, frauenverachtenden Verlobten Leon. Das bietet viel Konfliktpotenzial untereinander. Da passt der hippe, nette Künstler Harry nur schwer ins Bild.

Sarah Goodwin schafft es, durch ihren unverkennbaren Schreibstil sehr schnell ein beklemmendes Gefühl beim Leser aufzubauen. Die unterschwellige bedrohliche Stimmung zieht sich durch das gesamte Buch, brandet mal auf und ebbt wieder etwas ab – ist aber immer vorhanden. Dazu passt auch die von der Autorin gewählte Location perfekt: das einsam treibende Luxus-Schiff ohne Kontakt zur Außenwelt und mit minimalen Vorräten. Die durch die Notlage entstehenden Konflikte werden durch die sozialen Unterschiede noch verstärkt, die Sarah Goodwin durch die überspitzt dargestellten Charaktere noch stärker herausarbeitet. Da ist zum einen Hannah, die einfach nur zu gut für diese Welt ist und es allen recht machen will. Demgegenüber stehen die Reichen und Schönen, die eine große Portion Egoismus an den Tag legen und ihr Wohl über das der anderen stellen. Das Buch selbst hat mir viele spannende Lesestunden beschert bis hin zu dem überraschenden, aber plausiblen Ende.

Fazit:
Wer gerne Bücher liest, die etwas düster sind und sich mit sozialen Unterschieden und den daraus entstehenden Spannungsfeldern und Konflikten beschäftigen möchte, wird bei „Die Yacht“ voll auf seine Kosten kommen. Es ist ein typischer Sarah Goodwin und vom Stil unverkennbar. Mir persönlich hat dieses Buch besser gefallen als „Das Resort“, an „Stranded – Die Insel“ kommt es für mich nicht heran. Leser, die klassische Ermittlungsarbeit oder haarsträubende Action bevorzugen, sollten lieber die Finger von dem Buch lassen.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 07.04.2025

Mord im Ghan und jeder hat ein Motiv

Die mörderischen Cunninghams. Jeder im Zug ist verdächtig (Die mörderischen Cunninghams 2)
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„Die mörderischen Cunningshams“ gehen in die 2. Runde. Witzig, abgedreht und mit jeder Menge Verdächtigen nimmt uns Stevenson mit auf eine literarische Mordreise mit dem Ghan.

Um was geht es?
Ernest Cunningham ...

„Die mörderischen Cunningshams“ gehen in die 2. Runde. Witzig, abgedreht und mit jeder Menge Verdächtigen nimmt uns Stevenson mit auf eine literarische Mordreise mit dem Ghan.

Um was geht es?
Ernest Cunningham hat eine ernstzunehmende Schreibblockade. Nach seinem Debütroman will ihm trotz des großzügigen Vorschusses kein neuer Krimiplot einfallen. Da kommt ihm die Einladung zu einem Krimifestival im weltberühmten Ghan, DEM Langstreckenzug quer durch Australien, gerade recht. Mit dabei: Der weltberühmte Thrillerautor Henry McTavish, der plötzlich vor aller Augen stirbt. Ermordet. Ernest wittert seine große Chance und beginnt zu ermitteln – und zu schreiben. Wird er den Mord im Ghan als Erster aufklären und zu Papier bringen? Denn jeder im Zug ist verdächtig, auch Ernest und seine Autorenkollegen.

Protagonist ist, wie schon in Band 1 der „Mörderischen Cunningshams“, unser Ernest Cunningham. Er ist tollpatschig und wirkt wie ein leicht zu verunsichernder Mensch. Gleichzeitig ist er clever, die Leute mögen ihn und erzählen ihm Dinge, die sie eigentlich für sich behalten wollten. Mit dem Mord wittert er seine große Chance auf ein neues Buch. Aber auch die anderen Festivalteilnehmer verfolgen ihre Ziele, die sich durch das Festival und / oder den Mord ergeben haben. Die Autoren alias Nebencharaktere alias Mordverdächtige könnten kaum unterschiedlicher sein. Genau deswegen sind ihre Interaktionen mit Ernest so spannend, witzig und abwechslungsreich. Außerdem ist Ernest Freundin Juliette, ebenfalls Schriftstellerin, mit im Ghan und wir dürfen hier das eine oder andere Beziehungsdrama erleben.

Das Buch liest sich leicht und flüssig. Es ist ein Whodunit-Krimi der etwas anderen Art. Auch wenn das Buch von Hinweisen und Verhören lebt, sind diese mit so viel Witz, interessanten Charakteren und spannenden Beziehungen gespickt, dass das Lesen einfach Spaß macht und kurzweilig ist. Denn jeder Festivalteilnehmer scheint etwas zu verbergen zu haben. Dank des Schauplatzes hat das Buch einen Hauch Mord im Orientexpress, allerdings nicht im Schnee, sondern in der wüstenleeren, heißen Weite Australiens. Immer wieder gibt uns Ernest Cunningham als ermittelnder Autor selbst Hinweise, die im Nachhinein beim Leser dieses „Das hätte ich aber wirklich erkennen müssen“-Gefühl hervorrufen. Aber die Hinweise sind am Ende so geschickt miteinander verwoben und aufgelöst, dass man an früherer Stelle im Buch niemals auf diese Idee gekommen wäre. Zumindest mir ging es so. Trotzdem ist alles plausibel.

Fazit:
Bei „Jeder im Zug ist verdächtig“ handelt es sich um einen Whodunit-Krimi, der mit witzigen Dialogen und einer tollpatschig-liebenswürdigen Hauptperson gespickt ist. Das Buch ist kurzweilig und bringt viel Lesespaß. Fans von klassischen Whodunit-Krimis, die Agatha Christie mögen und gerne lachen, werden dieses Buch lieben 😊 Wer lieber ernste Ermittlungsarbeit mit vielen Details und Beweisen à la CSI sucht, sollte lieber die Finger von dem Buch lassen.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Pandemie oder keine Pandemie – das ist hier die Frage

Überleben ist alles
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In seinem Survival-Roman „Überleben ist alles“ entführt uns Ewan Morrison in die Einöde Schottlands, in der eine Gruppe Prepper verzweifelt Schutz vor einer vermeintlich tödlichen Pandemie sucht.

Um was ...

In seinem Survival-Roman „Überleben ist alles“ entführt uns Ewan Morrison in die Einöde Schottlands, in der eine Gruppe Prepper verzweifelt Schutz vor einer vermeintlich tödlichen Pandemie sucht.

Um was geht es?
Die 15-jährige Haley und ihr kleiner Bruder Ben verbringen das Wochenende bei ihrem Dad Ed Crowe. Wie schon so oft, weckt er sie in der früh auf, um sie auf einen seiner speziellen Ausflüge – die Vaventeuer – mitzunehmen. Was sie nicht wissen: diesmal ist es ernst. Nach mehreren Stunden Fahrt finden sich die beiden Kinder auf einmal in einem Prepper-Unterschlupf mitten in der Einöde der schottischen Berge wieder und treffen auf weitere Gleichgesinnte ihres Dads. Ed eröffnet ihnen, dass eine tödliche Pandemie auf dem Vormarsch ist und sie nur in der Abgeschiedenheit überleben können. Doch stimmt das wirklich? Und schafft es Haley, ihre Mutter zu verständigen und zu fliehen?

Protagonistin ist die 15-jährige Haley, ein Scheidungskind, dass die Trennung der Eltern – clever wie sie ist – für sich zu nutzen weiß. Ein ganz normaler Teenager, auch wenn nicht immer alles rund läuft. Sie ist immer hin- und hergerissen zwischen ihren Elternteilen und ist sich manchmal nicht sicher, ob Dad oder Mutter die Wahrheit sagen, so sehr streiten die beiden sich und nehmen grundsätzlich gegensätzliche Positionen ein. Aber auch wenn Haley traumatisiert zu sein scheint und manchmal nicht klarkommt, tut sie, was getan werden muss und ist zielstrebiger als die Erwachsenen. Viele „Nebendarsteller“ bereichern das Buch: Haleys Bruder Ben, ihre Eltern, aber auch die anderen sehr speziellen Prepper Ray, Meg, Danny und Kade. Viele Konflikte innerhalb der Beziehungen sind aufgrund der unterschiedlichen Charaktere vorprogrammiert und machen das Buch noch abwechslungsreicher.

Das Buch selbst liest sich flüssig und ist spannend geschrieben. Ich selbst würde es nicht als Thriller bezeichnen, sondern mehr als Survival-Abenteuerroman mit Horrorelementen. Letzteres ist auch ein Knackpunkt: Mir selbst machen die grafischen Darstellungen in manchen Szenen nichts aus, aber ich könnte mir vorstellen, dass diese den einen oder anderen Leser erschrecken. Auch den Stil des Buches finde ich besonders. Man hat immer das Gefühl Eds oder Haleys persönlichen Survival-Guide in einer Pandemie zu lesen und gleichzeitig beim „Praxistest“ der Tipps dabei zu sein. Das macht das Buch unglaublich kurzweilig. Und da Haley so eine freche Teenagerin ist, musste ich zwischendurch auch immer wieder lachen, was das düstere Thema aufgelockert hat. Ich mochte diese Comedy-Elemente besonders.

Fazit:
Für mich war das Buch kein Thriller, sondern ich würde es eher als Survival-Abenteuerroman bezeichnen. Wer grafische Schilderungen, zum Beispiel von Verletzungen, nicht mag, sollte besser die Finger von dem Buch lassen. Ansonsten bietet „Überleben ist alles“ viele spannende Lesestunden, gute Unterhaltung und nähert sich der Pandemie- und Prepper-Thematik mal von einer etwas anderen Seite.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Mysteriöse Tierwanderungen und die große Frage nach dem WARUM

Die Herde
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Thilo Winter widmet sich in seinem 3. Buch „Die Herde“ unerklärlichen, weltweiten Tierwanderungen, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzen.

Um was geht es?
15 Elefanten verlassen unter Leitung ...

Thilo Winter widmet sich in seinem 3. Buch „Die Herde“ unerklärlichen, weltweiten Tierwanderungen, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzen.

Um was geht es?
15 Elefanten verlassen unter Leitung ihrer Matriarchin ihr Revier und begeben sich auf Wanderung quer durch China. Dabei zerstören sie während des Mondfests ein ganzes Dorf und setzen ihren zerstörerischen Weg unaufhörlich fort. Gleichzeitig soll in China ein großer Staudamm nahe Kunming von der chinesischen Ingenieurin Dayan Sui gebaut werden. Bei der großen Präsentation des Prestige-Projektes schleicht sich Biologe und Umweltaktivist Peter Danielsson ein, um gegen die mit dem Staudammbau verbundene Zerstörung der Natur und des Lebensraums der Zwerggänse zu protestieren. Aufgrund der Medienaufmerksamkeit müssen Sui und Peter eine gemeinsame Lösung für den Staudamm finden und stecken auf einmal in einer viel größeren Sache – dem Schutz der wandernden Elefantenherde vor dem Abschuss.

Hauptpersonen des Buches sind Dayan Sui und Peter Danielsson. Sui ist eine zielstrebige Frau, die sich in der chinesischen Männerwelt ihren Platz hart erkämpft hat und sich mit dem Bau des Staudammes am Ziel ihrer Träume sieht. Peter ist ein Biologe, der für den Schutz der Umwelt auch gerne mal das eine oder andere Gesetz bricht und sich bewusst ist, dass er sich damit strafbar macht und sich einige Karrierewege verbaut. Durch ihre Zielstrebigkeit sind sich Sui und Peter sehr ähnlich, ebenso was die schwierige Beziehung zu ihren Eltern angeht. Und doch stehen sie auf unterschiedlichen Seiten – oder vielleicht doch nicht? Da sind wir auch schon bei den Nebencharakteren – Peters Vater Abel, ein zielstrebiger Archäologe, der in Mexiko forscht, sowie Bao, Suis etwas anders tickende Mutter. Zudem gibt es in den anderen Handlungssträngen noch weitere Nebencharaktere, die dem Buch eine besondere Vielseitigkeit und Würze verleihen.

Thilo Winter schafft es wieder in gewohnt guter Manier, wissenschaftliche Fakten und reale Ereignisse mit fiktionalen Elementen zu vermischen und zu einer plausiblen, spannenden Story zusammenzuführen. Dieses Mal sind wir mit ihm in sehr unterschiedlichen Orten auf der ganzen Welt unterwegs, auch wenn die Haupthandlung in China und der wichtigste Nebenschauplatz in Mexiko angesiedelt ist. Durch viele kurze Kapitel, die zwischen den unterschiedlichen Handlungssträngen hin- und herspringen, kommt eine unglaubliche Dynamik in die Geschichte, allerdings ohne zu verwirren oder den Leser zu überfordern. Ich ziehe meinen Hut, wie der Autor das schafft. Durch den so entstehenden Sog kann man das Buch kaum noch auf die Seite legen. Die „Indiana Jones“-Elemente würzen für mich persönlich das Buch noch mehr, auch wenn das vielleicht nicht jedermanns Sache ist.

Sehr gut hat mir auch dieses Mal das Nachwort von Thilo Winter gefallen. Hier ordnet der Autor noch einmal ein, welche realen Ereignisse und wissenschaftlichen Erkenntnisse er als Basis für sein Buch genommen hat, sodass der Leser gut abschätzen kann, was fiktionale Elemente sind und was nicht. Das Nachwort nimmt uns auch ein bisschen mit in die Gedankenwelt des Autors, der reale Ereignisse weiterspinnt und durchaus zeigt, dass eine solche Entwicklung, wie in der Geschichte beschrieben, nicht gänzlich abwegig ist.

Fazit:
Mir gefällt die Mischung aus wissenschaftlichen Fakten, realen Ereignissen, fiktionalen Elementen und einer Prise Action à la Indiana Jones sehr gut. Aufgrund der vielen spannenden Handlungsstränge, die sich in kurzen Kapiteln abwechseln, fliegt man förmlich durch das Buch. Ich persönlich hatte viel Spaß beim Lesen und kann das Buch nur weiterempfehlen.

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