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Veröffentlicht am 18.01.2018

Der siebte Fall für Dezernat Q

Selfies
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In einem Stadtpark von Kopenhagen wird die Leiche der älteren Dame aufgefunden, hinterrücks erschlagen. Der Fall erinnert an eine Sache, die vor vielen Jahren einer jungen Lehrerin passierte. Gleichzeitig ...

In einem Stadtpark von Kopenhagen wird die Leiche der älteren Dame aufgefunden, hinterrücks erschlagen. Der Fall erinnert an eine Sache, die vor vielen Jahren einer jungen Lehrerin passierte. Gleichzeitig werden junge Frauen von einem Unbekannten überfahren, doch was ist das Motiv? Und auch Rose, Carls Mitarbeiterin, hat im Moment so einiges zu verarbeiten und es scheint, als würde es ihr immer schlechter gehen. Carl, Assad und Gordon beginnen zu ermitteln und es scheint, als würden auch hier die Fäden irgendwo in die Vergangenheit führen.
Meine Meinung:
Wie bereits in seinen anderen Fällen gelingt Jussi Adler-Olsen der Einstieg in seinen Fall sehr gekonnt und neugierig machend und als Leser befindet man sich schnell mitten in der Geschichte. Der Schreibstil ist ohne Frage sehr fesselnd und mitreißend, wobei ich dieses Mal sagen muss, dass es in diesem Thriller die ein oder andere kleinere Länge gab. Trotzdem hat Adler-Olsen einfach das richtige Gespür für ungewöhnliche Fälle und das ist auch hier durchaus wieder gegeben und die Längen können auch einfach daran liegen, dass man an einen Adler-Olsen mit einem hohen Maß an Erwartungen rangeht. Ohne Frage hat er den Dreh raus, seinem Sprachstil das richtige Maß an leicht und flüssig zu geben und das ist einfach eine seiner ganz großen Stärken.
Die Spannung ist hier zum großen Teil recht hoch gehalten, was er immer wieder durch seine schnellen und auch häufigen Perspektivenwechsel und kurz gehaltenen Kapitel schafft. Was der Autor auf jeden Fall meisterlich beherrscht, sind die vielen losen Fäden, die er dann doch auf seine Weise miteinander verknüpft und aufeinander zuführt und diese zum Ende dann auch noch logisch miteinander verbindet.
Bisher hat Adler-Olsen immer mal wieder ein wenig den Finger erhoben und auf gesellschaftliche Missstände gezeigt, dies ist ihm auch hier recht gut gelungen in der Geschichte rund um die drei jungen Frauen Michelle, Denise und Jazmine. Diese drei glänzen in Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit, die Welt dreht sich nur um diese drei und arbeiten? Das können gerne die anderen, sie nehmen sich, ohne Rücksicht auf andere, was sie glauben, dass ihnen zustünde. Das eigentlich genaue Gegenpendant dazu bildet die Sozialarbeiterin Anne-Line Svendson, die immer gearbeitet hat, die nie etwas geschenkt bekam etc. Zwar gab es hier, gerade in den privaten Bereichen der Frauen, die ein oder andere Länge, die mir etwas den Lesefluss nahmen, doch trotzdem kam genau das alles sehr logisch und auch glaubhaft her, denn so fühlen sich doch viele heute, auf der einen Seite gibt es die Denises und auf der anderen Seite die Annelis. Auch die Entwicklung, die Anneli hier nimmt, fand ich sehr gelungen und glaubwürdig.
Richtig gut gefallen hat mir hier der Einblick in Roses Geschichte. Natürlich merkte man der jungen Frau in den vorherigen Bänden an, dass sie etwas verbirgt, das ihr psychisch durchaus zu schaffen macht. Nun bekommen wir darauf die Antworten und lassen Rose für mich einfach noch ein wenig greifbarer und menschlicher werden.
Assad bleibt nach wie vor der Geheimnisvolle, aber auch sehr clevere Ermittler, den ich mittlerweile sehr sympathisch finde. Wobei es auch bei ihm durchaus interessante Weiterentwicklungen gibt. Doch diese Entwicklungen habe ich auch bei Carl gefunden, zwar ist er immer noch ein sarkastischer Mensch, trotzdem hat er sich von seinem ersten Dezernat Q Fall bis hierhin verändert.
Zum Ende bleiben dann natürlich wieder einige persönliche Fragen offen, die den Leser auf eine spannende Fortsetzung hoffen lässt.
Mein Fazit:
Nachdem ich die letzten beiden Fällen des Dezernat Q's nicht ganz so gelungen fand, gibt es hier wieder eine deutliche Steigerung und für Fans des Autors ist es wieder eine gute Fortsetzung der Reihe. Die Charaktere des Dezernat Q sind mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen und ich finde es sehr spannend, dass man nun auch mehr über die Vergangenheit erfährt. Ein Muss für alle Adler-Olsen Fans.

Veröffentlicht am 18.01.2018

Spannend

The Couple Next Door
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"Wir sind doch nur nebenan, da kann doch nichts passieren," so ähnlich sind Marcos Worte, als er seine Frau Anne dazu überredet, bei den Nachbarn feiern zu gehen und ihre sechs Monate alte Tochter Cora ...

"Wir sind doch nur nebenan, da kann doch nichts passieren," so ähnlich sind Marcos Worte, als er seine Frau Anne dazu überredet, bei den Nachbarn feiern zu gehen und ihre sechs Monate alte Tochter Cora allein in ihrem Bettchen zu lassen. Alle halbe Stunden wechselt sich das junge Ehepaar ab, um nach dem Baby zu sehen, doch als sie von der Feier heimkehren, steht die Haustür offen. Der schlimmste Alptraum aller Eltern wird wahr, denn Coras Bettchen ist leer und jede Spur fehlt. Detective Rasbach beginnt zu ermitteln - was ist mit Cora geschehen? Wer hat das Baby entführt?
Meine Meinung:
Der Einstieg der Geschichte fällt recht leicht, man begleitet das Ehepaar Conti auf die Feier und lernt hier gleich die Protagonistin Anne kennen. Der Schreibstil der Autorin ist sehr nüchtern und klingt beinahe schon sachlich, während sie die Geschehnisse schildert. Zwischendurch hatte ich beinahe den Eindruck einen Bericht zu lesen und dieser Stil war hier wirklich perfekt für die Geschichte, denn dies zieht zum Einen sehr ins Geschehen, zum anderen hatte dies die Wirkung bei mir, einfach jeden einzelnen Schritt mit zu bedenken und darüber zu grübeln, was passiert sein könnte. Ich wurde hier eher zum Zuschauer, als zum Mitfühlenden und dadurch stieg auch die Neugier.
Das Tempo ist hier sehr hoch gehalten, kurze Kapitel und rasche Perspektivenwechsel treiben den Leser förmlich immer weiter voran und da dann auch noch beinahe jedes Kapitel mit einem Cliffhanger endet, ist man regelrecht gezwungen immer weiterzulesen. Es gibt zahlreiche Wendungen, bei denen der Leser immer wieder neu beginnt, über die Begebenheiten und über die Charaktere zu grübeln. Ist man der Meinung, der Lösung ein Stück näher gekommen zu sein, dreht es sich auch schon wieder und man muss seinen Verdacht revidieren. Dabei bekommt man immer mehr Einblicke in die Ereignisse, die einen im Endeffekt wirklich erschrecken und betroffen zurücklassen.
Die Geschichte wird durch einen auktorialen Erzähler widergegeben. Dadurch, dass man immer wieder eine andere Perspektive miterlebt, weiß man mehr, als die gerade handelnde Person und manches Mal war ich regelrecht überrascht, wenn wieder etwas Neues herauskam.
Die Charaktere sind hier sehr vielseitig oder noch besser sehr vielschichtig. Wenn man am Anfang noch den ein oder anderen unterschätzt, wird man immer wieder eines besseren belehrt. So gut wie jeder hat hier seine Geheimnisse und eine Vergangenheit, bei der man ins Grübeln kommt. Durch diese ganzen Zweifel hat man auch hier keinen richtigen Sympathieträger in der Geschichte, viel eher wahrt man lieber Abstand zu den Personen und verfolgt, wie sie sich selbst immer mehr verstricken. All diese Geheimnisse werden nur langsam aufgedeckt und man fühlt sich ein wenig wie der Detective der Geschichte, der zwar immer wieder zweifelt, aber auch seine Verdächtigungen anstellt. Der Detective hat mir übrigens sehr gut gefallen, denn er wirkt hier absolut geradlinig und authentisch und scheint der Einzige zu sein, der nichts zu verbergen hat.
Mein einziger Wermutstropfen war dann leider das letzte Kapitel, bei dem ich nur einen Gedanken hatte: "Echt jetzt? Wieso das denn?" Aber warum das so war, müsst ihr schon selber lesen.
Mein Fazit:
Ein Debüt, das sich mit viel Spannung und überraschenden Wendungen präsentiert. Der Schreibstil ist fast schon nüchtern und läßt den Leser als Beobachter des Geschehens teilhaben. Man kann sehr viel spekulieren, muss dieses aber doch mehr als einmal wieder überdenken. Von mir gibt es hier eine klare Leseempfehlung! Das Buch bekommt 4,5 Sterne!

Veröffentlicht am 18.01.2018

Spannender Jugendroman

BookLess 1. Wörter durchfluten die Zeit
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Lucy ist siebzehn Jahre alt und hat gerade begonnen, neben ihrem Studium als Praktikantin in der großen Londoner Nationalbibliothek zu arbeiten. Die Liebe zu den Büchern wurde ihr regelrecht in die Wiege ...

Lucy ist siebzehn Jahre alt und hat gerade begonnen, neben ihrem Studium als Praktikantin in der großen Londoner Nationalbibliothek zu arbeiten. Die Liebe zu den Büchern wurde ihr regelrecht in die Wiege gelegt und man trifft sie nur selten ohne ein Buch an. Als sie von ihrem Chef ins Archiv geschickt wird, passiert ihr etwas unglaubliches, denn nicht nur das merkwürdige Mal an ihrem Arm beginnt zu leuchten, sondern auch die Bücher mit ihr zu reden. Sie wollen etwas ganz bestimmtes von ihr, sie soll eines der Werke öffnen. Als sie das tut, kann sie es kaum glauben, denn ausgerechnet die Worte in dem Werk Emma von Jane Austen sind komplett verschwunden. Wie kann so etwa nur passieren? Lucy beginnt zu forschen. Doch da gibt es auch noch Nathan, der seit kurzem in der Bibliothek auftaucht und mit seiner dunklen Art Lucy magisch anzuziehen scheint. Wer ist er? Warum ist er in der Bibliothek?
Meine Meinung:

Mit Bookless, Wörter durchfluten die Zeit, erhalten wir den ersten Teil einer Trilogie aus der Feder der Autorin Marah Woolf. Der Einstieg in diese wunderschöne Geschichte fiel mir sehr leicht, schnell wurde ich durch den sehr flüssigen und mitreißenden Schreibstil gefangen. Auch sonst fand ich es sprachlich sehr gut, jugendlich und modern und dementsprechend auch absolut für die Zielgruppe geeignet. Aber auch mir brachte es sehr gute Unterhaltung und eine spannende Geschichte mit einem schönen Hintergrund.

Dadurch, dass es hier natürlich auch um Bücher geht, zieht das Buch noch einmal mehr an und Marah Woolf versteht es ausgezeichnet, mit ihrer Geschichte Spannung zu erzeugen. Man rätselt mit und versucht hinter das Geheimnis zu kommen, dessen Lösung mir persönlich zwar recht leicht fiel, aber man sollte hier nicht vergessen, für welches Alter das ganze geschrieben wurde. Ich fand die ganze Hintergrundstory hier trotzdem absolut gelungen und fesselnd und hätte am liebsten gleich mit dem nächsten Teil weitergemacht, denn so viel sei verraten, die Geschichte endet mit einem Cliffhanger.

Die Geschichte wird aus der Perspektive unterschiedlicher Charaktere durch einen auktorialen Erzähler wiedergegeben. Wir erfahren vieles zum einen durch die Protagonistin Lucy, zum anderen durch Nathan, aber der Leser erhält auch kleinere Einblicke in die Gedankenwelt der wichtigeren Nebencharaktere, wie z. B. Nathans Großvater, so dass man immer ein wenig mehr weiß, als die Protagonistin Lucy. Das lässt natürlich noch einmal mehr mit Lucy mitfiebern und man fühlt sich gleich mit ihr verbunden. Mag sein, dass sich das ein oder andere Ereignis vorausahnen lässt, trotzdem ist es einfach so magisch erzählt, dass man nicht genug bekommt.

Lucy ist eine sehr sympathische Protagonistin, mit der ich mich sehr schnell verbunden fühlte. Alleine diese Eigenschaft, dass sie ihren Ausstieg an der Haltestelle wegen eines guten Buches vergisst, machte sie mir gleich vertraut. Ich mag auch sonst ihre liebenswürdige Art und ihre Gabe passt natürlich perfekt zu ihr. Sie ist eine begeisterte Leserin der großen Klassiker und man merkt hier deutlich, dass die Autorin in diesem Sektor sicher ist. Der männliche Gegenpart zu Lucy ist dagegen ein wenig klischeehaft, dunkel, mysteriös, aber ein absoluter Hingucker. Trotzdem mag man ihn dann doch recht schnell und kommt ins Grübeln, wie es da zwischen den beiden Protagonisten weitergehen wird. Die Nebencharaktere passen hier sehr gut hinein, sei es Lucys bester Freund oder ihre weiteren WG-Mitbewohner, sie bekommen die nötige Lebendigkeit, um authentisch zu wirken und passen gut zu Lucy. Auch die "dunklen" Gestalten machen hier einen sehr interessanten ersten Eindruck und ich bin schon gespannt, was Nathans Großvater so alles auf dem Kerbholz hat.
Mein Fazit:
Ein gelungener Auftakt in eine Trilogie, auf deren Fortsetzung ich bereits jetzt gespannt bin. Ich mochte sowohl die Grundidee der gestohlenen Worte als auch die Magie, die in Lucy steckt. Auch sonst ist diese Protagonistin sehr sympathisch und gelungen. Teilweise ist es zwar vorhersehbar, doch trotzdem gibt es hier lockere und unterhaltsame Lesestunden. Von mir gibt es hier eine klare Leseempfehlung an alle, die Jugendbücher mit einem Touch Fantasy mögen.

Veröffentlicht am 18.01.2018

Düster und hoffnungsvoll zugleich

Winterseele. Kissed by Fear
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Elizabeth Caldwell ist eine sehr ungewöhnliche junge Frau, denn sie ist nicht in der Lage, irgendetwas zu fühlen, stattdessen ist es als würde sie nur Leere empfinden. Doch nicht nur das ist aussergewöhnlich, ...

Elizabeth Caldwell ist eine sehr ungewöhnliche junge Frau, denn sie ist nicht in der Lage, irgendetwas zu fühlen, stattdessen ist es als würde sie nur Leere empfinden. Doch nicht nur das ist aussergewöhnlich, sie besitzt auch noch eine Gabe, sie sieht Emotionen in Form von menschlichen Gestalten. Durch ihre Art sind die meisten Menschen gegenüber Elizabeth eher ablehnend oder zurückhaltend, selbst die eigene Familie hält zu ihr Abstand. Doch da gibt es noch einen Jungen in ihrer Klasse, dem sie nicht egal schDüster und hoffnungsvoll zugleich [Rezension] Winterseele Kissed by Fear von Kelsey Suttoneint und neben ihm gibt es auch noch eine Emotion, nämlich Fear, der eigentlich bekannt dafür ist, Angst und Schrecken zu verbreiten und auch dieser scheint besonderes Interesse an Elizabeth zu haben.
Meine Meinung:
Dieses Buch ist nicht nur äußerlich wundervoll, denn es konnte mich auch inhaltlich absolut überzeugen und fesseln. Gerade der Schreibstil kam mir hier zu Beginn noch sehr emotionslos, kalt und leer vor, ganz so, als würde Kelsey Sutton mit ihrer Sprache Elizabeths Gefühlswelt oder eher die nicht vorhandene Gefühlswelt, wiederspiegeln. Das ist hier sehr beeindruckend gelungen, denn dadurch bekommt das Buch eine ganz eigene Atmosphäre, die irgendwo zwischen Düsternis und Kälte und doch Hoffnung auf Gefühle liegt. Sprachlich konnte mich dieses Buch also überzeugen, fesseln und durchaus auch beeindrucken und ich würde auch sagen, dass dieses Buch dadurch auch nicht nur für jüngere Leser geeignet ist.
Dabei ist das Buch auch sehr spannend, denn ich habe eine ganze Zeit lang gerätselt, was mit Elizabeth nicht stimmt. Ja, es gab einige Vermutungen und eine ungefähre Ahnung hatte ich auch, doch trotzdem war ich mir nie sicher, denn die Autorin versteht es sehr gut, all das geheimisvoll zu halten. Allein dadurch, dass auch Elizabeth keinerlei Ahnung hat, warum sie nichts empfinden kann und warum sie Gefühle in menschlicher Gestalt sieht, wollte ich einfach hinter ihr Geheimnis steigen und dieser Wunsch zog mich immer mehr durch die Seiten. Selten habe ich erlebt, dass es so unglaublich lange dauert, bis man auch nur in die Nähe der Lösung gelangt.
Alles in allem ist es ein absoluter Genremix, auf der einen Seite gibt es die Fantasyelemente, bei denen die Emotionen Gestalt annehmen, dann gibt es das typische Szenario an den Highschools, in denen die Queen der Schule auf die Aussenseiterin hackt, dann gibt es noch die Komponente der häuslichen Gewalt und noch vieles mehr. Alles wirkte auf mich ein, ließ mich kaum zur Ruhe kommen und machte mich immer wieder aufs Neue nachdenklich.
Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Form aus Elizabeths Perspektive. Normalerweise bringt genau diese Erzählform den Charakter dem Leser näher, doch hier hatte ich lange Zeit nicht das Gefühl, allein dadurch, dass die Protagonistin einfach keine Gefühle hat. War sie mir dadurch sympathisch? Nein, nicht unbedingt, stattdessen dachte ich immer wieder: du musst doch jetzt etwas spüren, Mädel! Doch auf der anderen Seite hatte ich hier die perfekte Gelegenheit, mich in Elizabeth zu versetzen, zu spüren, wie es ist, wenn man nichts spürt. Ich konnte nachempfinden, wie Elizabeth sich Verhalten muss, um wenigstens halbwegs "normal" zu sein, denn sie ist eine perfekte Beobachterin, die den Menschen in ihrer Umgebung einfach das zeigt, was diese erwarten. Das gelingt ihr nicht immer, aber machte sie auf eine bestimmte Art wieder menschlicher. Eine Frage kreiste dabei immer wieder durch meinen Kopf: wie ist es, wenn man nichts empfindet? Diese Protagonistin ist auf jeden Fall ganz aussergewöhnlich.
Neben Elizabeth gibt es noch diverse weitere Charaktere, von denen vor allem Fear und Joshua wichtige Rollen zuteil werden. Fear, der schon seit langem von Elizabeth fasziniert ist und sie immer wieder versucht, aus dem leeren Raum zu befreien, soll die Emotion Angst sein. Richtig beängstigend ist er nicht, ich denke, dass man gerade ihm noch mehr Tiefe hätte geben können, doch trotzdem war es interessant, ihm zuzusehen und manches Mal musste ich erst überlegen, ob er einfach nur auf Illusionen baut. Joshua ist neben Fear der menschliche Part, den Elizabeth nicht kalt lässt und der, egal wie oft Elizabeth ihn von sich stösst, an ihr festhält. Letzten Endes spielt er eine wichtige Rolle in der gesamten Entwicklung. Aber auch alle weiteren Charaktere geben hier eine bestimmte Rolle wieder, die alle geschickt auf Elizabeths Entwicklung einwirken.
Mein Fazit:
Ein absolut aussergewöhnliches Buch, das zu fesseln weiß und eine besondere Geschichte erzählt. Mir fällt nichts ein, mit dem ich diese Geschichte vergleichen könnte und genau das ist hier auch das besondere. Ein Buch mit einer Atmosphäre, die Leere in jeder Hinsicht wiederspiegelt und doch schwingt hier immer wieder die Hoffnung mit, die Hoffnung auf Leben, auf Emotionen. Wer sich auf neue Geschichten einlassen kann, der sollte dieses Buch unbedingt lesen. Klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 18.01.2018

Spannend erzählt mit kleinen Schwächen

Good as Gone
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In einer Nacht vor acht Jahren wird die damals dreizehnjährige Julie aus dem Haus ihrer Eltern entführt. Die einzige Zeugin ist die damals zehnjährige Schwester Jane, die sich in ihrer Panik in ihrem Wandschrank ...

In einer Nacht vor acht Jahren wird die damals dreizehnjährige Julie aus dem Haus ihrer Eltern entführt. Die einzige Zeugin ist die damals zehnjährige Schwester Jane, die sich in ihrer Panik in ihrem Wandschrank versteckt hat. Niemand hat mehr daran geglaubt, dass Julie zurückkehren könnte, doch eines Tages klingelt es an der Haustür. Davor steht eine junge Frau, die Julie zu sein scheint. Sie kehrt heim und das, was sie erlebt hat, scheint nur grausam zu sein. Doch Julies Mutter überkommen Zweifel und diese werden immer weiter geschürt. Ist das wirklich Julie? Stimmt die Geschichte, die sie ihnen und der Polizei erzählt?
Meine Meinung:
Der Einstieg in diese Geschichte fiel mir recht leicht, denn es beginnt mit der Entführung des Mädchens, welche mich mit einer Gänsehaut zurückließ. Allein der Gedanken daran, dass man das Kind aus dem Haus entführt hat, während die Eltern schliefen, ist erschreckend. Amy Gentry erzählt ihre Geschichte recht spannend und man befindet sich ziemlich schnell mitten im Geschehen. Der Schreibstil ist schnörkellos, verständlich und flüssig.

Die Geschichte ist ebenfalls sehr spannend erzählt und auch mit einer Besonderheit, denn die Autorin wechselt hier nicht nur die Perspektive. Abwechselnd lässt sie das Geschehen durch die Mutter und durch Julie erzählen. Während wir der Mutter in der Gegenwart bei ihren Handlungen zusehen, wird Julies Geschichte in Rückblicken wiedergegeben. Allerdings in umgekehrter Reihenfolge, denn zunächst gibt es die Ereignisse aus der direkten Vergangenheit und diese führt in den wechselnden Kapiteln immer weiter zurück. Dabei sorgt genau diese Erzählform für viele Wendungen und Unvorhersehbares, verlangt aber durchaus von dem Leser aufmerksam zu bleiben. Geschickt werden dadurch auch beim Leser die Zweifel an Julies Geschichte gestreut und ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich mehr Verständnis für die Mutter aufbringen konnte, als für das Mädchen.

Die unterschiedlichen Perspektiven werden auch in unterschiedlichen Erzählformen wiedergegeben. So verfolgen wir die Gegenwart in der Ich-Form durch die Mutter und die Vergangenheit durch einen Erzähler in der dritten Person. Das alles hat mir sehr gut gefallen und war auch sehr spannend zu lesen. Es bringt auf jeden Fall eine Abwechslung und Abhebung zu ähnlichen Romanen. Viele schrieben, dass es kein Thriller ist und es steht ja auch nirgendwo, dass es ein Thriller sein soll, ich würde es auch eher als Spannungsroman auslegen.

Die Charaktere der Geschichte blieben für mich ein wenig zu farblos. Gerade als Mutter hätte ich mich eigentlich viel mehr in Julies Mutter versetzen müssen/können. Doch irgendwie hatte ich zwar durchaus Verständnis für das Verhalten der Frau, aber ich konnte nicht nachspüren, wie es ihr ergangen ist und wie sie sich nach dem Wiederauftauchen der Tochter fühlt. Das alles hätte einfach mehr Gefühl wiedergeben müssen, um wirklich bis ins Letzte auf mich glaubhaft zu wirken. Auch Julie ist nicht immer glaubwürdig, gerade nach ihrem Auftauchen habe ich mich immer wieder gewundert über ihr Verhalten. Zwar schürt dieses Verhalten das Misstrauen der Mutter und auch mein eigenes, brachten mir aber Julie als Charakter nur bedingt näher. Die weiteen Charaktere der Geschichte blieben hier eher Nebensache, so ist Julies Vater ein recht gutmütiger Mann, die Schwester die etwas verstörte junge Frau, die auf ihre Art versucht zu provozieren, doch ein richtiger Sympathieträger ist hier niemand.
Mein Fazit:
Eine von Grund auf sehr spannende Geschichte mit einer ungewöhnlichen Erzählform, die mich ein wenig zwiegespalten zurückläßt. Das Buch habe ich durchaus schnell verschlungen, da der Schreibstil sehr klar und fließend ist und viele Wendungen die Spannung hoch halten. Mein größeres Manko sind die Charaktere, für die ich leider nur wenig Sympathie aufbringen konnte und deren Verhalten nicht immer ganz schlüssig auf mich wirkte. Für ein Debüt aber sehr interessant und lässt mich durchaus mit Erwartungen an weitere Bücher der Autorin zurück. Wer hier keinen Psychothriller sondern einen Roman erwartet, bekommt durchaus spannende Lesestunden.