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Veröffentlicht am 20.08.2024

Hatte etwas anderes erwartet

Bei aller Liebe
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„Bei aller Liebe“ ist ein Buch, das mich sehr zwiespältig zurückgelassen hat. Nach der Kurzbeschreibung bin ich mit anderen Erwartungen an das Buch herangegangen. Hier ist von einer Vielzahl an Therapeuten ...

„Bei aller Liebe“ ist ein Buch, das mich sehr zwiespältig zurückgelassen hat. Nach der Kurzbeschreibung bin ich mit anderen Erwartungen an das Buch herangegangen. Hier ist von einer Vielzahl an Therapeuten auf der Hochzeit die Rede, und ich hatte mit einer psychologisch komplexen Situation, die auf der Hochzeitsfeier in Verwicklungen kulminiert, gerechnet. Dies war nach meinem Empfinden jedoch nicht so. Onkel Malcom ist entgegen der Kurzbeschreibung Theologe und kein Therapeut. Insgesamt befinden sich nur drei Therapeuten unter den Hochzeitsgästen (Molly, Joe und Charles, Benny wird nie erwähnt und ist offenbar nicht dabei), von denen jedoch nur Joe eine zentrale Rolle auf der Feier spielt.

Die Geschichte wird kapitelweise aus den Perspektiven von Onkel Malcom (Theologe), Joe Bradshaw (Psychoanalytiker) und Agnes (Philosophin) erzählt. Konnte mich Onkel Malcoms erstes Kapitel noch fesseln, fiel es mir ab Joe Bradshaws Part zunehmend schwer, Mitgefühl mit den Charakteren zu entwickeln. Beim Lesen ertappte ich mich dabei, dass ich bedauerte, nicht auch ein Kapitel aus der Sicht von Agnes‘ Tochter Elfie vorzufinden, die einen angenehm pragmatischen Gegenpart zu den vergeistigten und dabei allesamt sehr egoistisch wirkenden Figuren dargestellt hätte. Allen voran Joe Bradshaw empfand ich als äußerst unangenehmen, eitlen und selbstsüchtigen Menschen, doch auch Agnes und Malcom blieben mir in ihrem Wesen, ihren Lebensvorstellungen und ihren Entscheidungen fremd. Die Grundthematik an sich fand ich durchaus interessant, doch wurde mir hier der Ödipuskomplex stellenweise doch etwas überstrapaziert. Insgesamt entwickelte ich leider keinen tieferen Bezug zur Geschichte und sie konnte mich nicht berühren. Schade.

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Veröffentlicht am 15.08.2024

Seilschaften in der Politik

Freunderlwirtschaft
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Alma Oberkofler hat gerade ihre neue Stelle als Chefinspektorin bei der Wiener Kriminalpolizei angetreten, als sie es mit einem brisanten Todesfall zu tun bekommt: Der amtierende konservative Wirtschaftsminister ...

Alma Oberkofler hat gerade ihre neue Stelle als Chefinspektorin bei der Wiener Kriminalpolizei angetreten, als sie es mit einem brisanten Todesfall zu tun bekommt: Der amtierende konservative Wirtschaftsminister Max Langwieser, junger aufstrebender Stern am Politikhimmel, ist mit seinem Kopf auf das Eck seines massiven Glastisches geprallt und liegt tot in seiner Wohnung. Von seiner Verlobten Jessica fehlt derweil jede Spur. War es ein unglücklicher Unfall oder steckt doch mehr dahinter? Alma und ihre Kollegen forschen im privaten und beruflichen Umfeld nach, immer unter den strengen Argusaugen der Politprominenz und des Staatsschutzes.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Alma und Jessica erzählt, wobei die Handlung der Gegenwart gelegentlich durch Rückblenden in Almas und Jessicas Vergangenheit unterbrochen wird. Immer wieder fühlte ich mich beim Lesen an die Politskandale der letzten Jahre in Österreich erinnert, auch wenn die Story rein fiktiv ist.

Alma Oberkofler wirkt angenehm normal, realistisch und authentisch, ihr Privatleben wird thematisiert, spielt aber nur eine Nebenrolle. Ein Schwachpunkt war für mich Almas persönliche Motivation, Polizistin zu werden. Sie wurde als Jugendliche durch eine junge Kripobeamtin inspiriert, die in einem Mordfall in Almas persönlichem Umfeld ermittelt hat. Doch gerade diese Beamtin handelte für mich wenig engagiert und vorbildhaft.

Der Krimi wirft ein interessantes Schlaglicht auf Seilschaften und Korruption in der Politik, echte Spannung kam bei mir jedoch nicht auf. Die Ermittlungen entwickeln sich eher gemächlich, und einiges empfand ich beim Lesen als sehr vorhersehbar. Der Schreibstil war angenehm zu lesen, jedoch eher gewöhnlich. Leider fielen mir auch einige Flüchtigkeitsfehler auf (Karin lädt Jessica zu einer Geburtstagsfeier ein, die einige Seiten später plötzlich eine Hochzeit ist, Altersangaben sind nicht konsistent u.a.).

Insgesamt ein unterhaltsamer, aber recht braver Krimi, bei dem mir etwas Raffinesse gefehlt hat.

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Veröffentlicht am 14.08.2024

Fällt gegen Ende leider ab

Ich komme nicht zurück
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Bereits von der ersten Seite an hat mich Rasha Khayats Schreibstil gefangen genommen – schnörkellos, präzise und dennoch einfühlsam und lebensnah. Geschickt verwebt sie Hannas Gegenwart mit Rückblenden ...

Bereits von der ersten Seite an hat mich Rasha Khayats Schreibstil gefangen genommen – schnörkellos, präzise und dennoch einfühlsam und lebensnah. Geschickt verwebt sie Hannas Gegenwart mit Rückblenden in die Kindheit und Jugend. Zur selben Zeit aufgewachsen, wenn auch unter anderen Umständen, konnte ich mich sehr gut in Hanna hineinversetzen, ihre teils widerstrebenden Gefühle nachvollziehen. Eindrucksvoll beschreibt die Ich-Erzählerin ihre Freundschaft zu Zeyna und Cem und deren Veränderung im Laufe der Zeit, zu der auch gesellschaftliche und politische Umstände beitragen. Nach den Attentaten des 11. September 2001 sahen sich Cem, Zeyna und ihre Familien pauschalen Verdächtigungen und Diskriminierungen ausgesetzt, aus denen sie unterschiedliche Konsequenzen gezogen haben. In Zusammenhang mit dem 11. September gab es jedoch eine Stelle im Buch, an der mich Zeynas Haltung sehr verstört hat. Ich kann hier nicht näher darauf eingehen, da ich nicht spoilern möchte, aber wer das Buch gelesen hat, wird vermutlich verstehen, was ich meine. Gegen Ende entglitt mir das Buch leider etwas und insbesondere Zeynas Figur war für mich schwer greifbar. Auch ein geschildertes, für Hannas und Zeynas Freundschaft folgenreiches Ereignis wirkte auf mich doch sehr konstruiert. Insgesamt ein vor allem in der ersten Hälfte packender, fein beobachteter und dicht erzählter Roman, der anschließend leider etwas an Stärke verlor.

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Veröffentlicht am 11.08.2024

Gelungenes Büchlein

Schwein gehabt!
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Jemandem ein X für ein U vormachen, Ross und Reiter nennen, Maulaffen feilhalten – wer hat sich nicht schon öfter gefragt, wo diese Redewendungen eigentlich ihren Ursprung haben? Gerhard Wagner erklärt ...

Jemandem ein X für ein U vormachen, Ross und Reiter nennen, Maulaffen feilhalten – wer hat sich nicht schon öfter gefragt, wo diese Redewendungen eigentlich ihren Ursprung haben? Gerhard Wagner erklärt in „Schwein gehabt“ die Herkunft und Bedeutung von 200 Redewendungen aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Hierbei räumt er auch mit gängigen Missverständnissen auf („einen Zahn zulegen“ hat nichts mit mittelalterlichen Feuerstellen zu tun, wie häufig behauptet wird). Einige Erklärungen waren mir bereits bekannt, andere wiederum fand ich sehr überraschend, etwa die Herkunft des Victory-Zeichens und des Ausspruchs „jemandem einen Korb geben“ nebst damit zusammenhängenden Begriffen wie „durchfallen“ oder „hängen lassen“.

Das Buch eignet sich hervorragend zum Schmökern, aber auch als Nachschlagwerk. Die Einträge sind kurz, aber unterhaltsam geschrieben. An einigen Stellen hätten die Ausführungen gerne noch etwas umfangreicher sein dürfen. Sprachlich ist das Buch eher einfach gehalten, und ich hätte mir hier ein bisschen mehr Pfiff gewünscht.

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Veröffentlicht am 07.08.2024

sehr reflektiert und authentisch

Verrücktes Blut
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Joe Bausch kannte ich bisher vor allem als Rechtsmediziner aus dem Kölner Tatort, als ich in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung auf sein autobiografisches Buch aufmerksam wurde. Bausch wuchs als Bauernsohn ...

Joe Bausch kannte ich bisher vor allem als Rechtsmediziner aus dem Kölner Tatort, als ich in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung auf sein autobiografisches Buch aufmerksam wurde. Bausch wuchs als Bauernsohn im Westerwald auf. Früh musste er auf dem Hof mithelfen, von den Eltern gab es Prügel und verletzende Worte, aber weder liebevolle Nähe und noch Zuwendung. Auch die Lehrer und der Pfarrer herrschten mit harter Hand.

Joe Bausch schreibt sehr offen und authentisch über seine Kindheit und Jugend, über Missbrauch, Depressionen und Rebellion. Trotz allem wirkt er niemals bitter oder anklagend, sondern überaus reflektiert und auch selbstkritisch. Seine Fähigkeit, sein eigenes Leben und Erleben aus der Distanz zu schildern und sich um einen ausgewogenen Blick zu bemühen, ist bemerkenswert und verdient größten Respekt. Zudem ist es sehr ermutigend zu sehen, wie er allen Widrigkeiten zum Trotz und mit dem ein oder anderen Umweg sein Abitur und das Medizinstudium abgeschlossen hat.

Mich hat “Verrücktes Blut“ sehr berührt. Es ist lebendig und eindrücklich erzählt und ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen, sondern habe es an einem Tag ausgelesen.

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