Intensiv
Finstere SchattenNancy und ihr Freund Felix brauchen nach schweren Zeiten einen Neustart und ziehen um. Nancy, eine ehemalige Restaurantbesitzerin sowie Köchin, hat ein Burnout hinter sich, das in psychotische Episoden ...
Nancy und ihr Freund Felix brauchen nach schweren Zeiten einen Neustart und ziehen um. Nancy, eine ehemalige Restaurantbesitzerin sowie Köchin, hat ein Burnout hinter sich, das in psychotische Episoden mündete, weshalb sie es nun ruhiger angehen lassen muss. Felix hat ihr einen Home-Office-Job besorgt, doch die neue Wohnung entpuppt sich als feuchte Zumutung, außerdem sind die Nachbarn sehr laut. Als eine Nachbarin tot aufgefunden wird und die Polizei den Fall schnell als Selbstmord abtut, glaubt Nancy nicht an diese Erklärung. Sie beginnt nachzuforschen und macht sich damit unbeliebt: Felix macht ihr Vorwürfe, weil sie sich nicht schont und seine Fürsorge ablehnt, die Nachbarn reagieren feindselig auf ihre Fragen und die Hausbesitzerin verbreitet Lügen, die Nancy zum Verhängnis werden.
Meiner Meinung nach braucht dieser Thriller etwas Anlauf, aber dann entwickelt sich die Handlung vom erschütternden Psychodrama zum nervenaufreibenden Psychothriller.
Aus Nancys Perspektive erlebt man hautnah, wie sie sich in der neuen Wohnung fühlt, wie sie mit ihrer Krankheit ringt und wie ihre eigenwilligen Ermittlungen in eine entsetzliche Abwärtsspirale führen.
Parallel dazu folgt man einer Ermittlerin der Met (Metropolitan Police Service), die sich in einem dysfunktionalen Polizeiapparat behaupten muss. Ihr Feingefühl, ihr Scharfsinn und ihre Beharrlichkeit lassen die Kollegen alt aussehen, was sie zur Außenseiterin macht. Als sie den voreilig abgeschlossenen Fall von Nancys Nachbarin wieder aufrollt, weil sich der zuständige Ermittler eine Auszeit genommen hat, gilt ihr Engagement als unkollegial!
„Finstere Schatten“ ist ein ungemein tiefschürfender, fesselnder Thriller, der langsam, aber sicher immer vielschichtiger, düster sowie spannender wird. Die gelungene Gesellschaftskritik – die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen, die Belohnung von Mitläufern bzw. die Bestrafung eigenständigen Denkens, die problematischen Strukturen in Psychiatrien und die Gefährlichkeit gekränkter Männeregos, weil ihr Anspruchsdenken nicht bedient wird – stellt eine faszinierend verstörende Nebenhandlung dar!