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Veröffentlicht am 07.11.2024

Eine deutsche Generationentrilogie

Unsichtbare Zügel
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Der Autorin ist eine „Geschichte“ gelungen, die sowohl Familiengeschichte wie auch deutsche Geschichte von den 50er bis zu den 2000er Jahren verbindet.
Ich habe den Roman in der neuen Fassung mit drei ...

Der Autorin ist eine „Geschichte“ gelungen, die sowohl Familiengeschichte wie auch deutsche Geschichte von den 50er bis zu den 2000er Jahren verbindet.
Ich habe den Roman in der neuen Fassung mit drei Kapiteln gelesen und bin froh, dass die Autorin nach der früheren Auflage von 1987 das dritte Kapitel über ihre Nachwendebiografie ergänzt hat.
Für mich ist dieser wohl auch stark autobiografische Roman erst wirklich eine abgeschlossene Generationen-Saga geworden.
In vielen Episoden fand ich meine eigene Historie wieder und hatte so die Möglichkeit, über diese intensiv nachzudenken. Durch diesen Roman ist mir bewusst geworden, dass wir nicht in „einer Zeit“, sondern in „vielen persönlichen Zeiten“ aufgewachsen sind und geprägt durch den familiären Nahraum wie auch durch die übergreifenden politischen Prozesse wurden.
Gerade der Großvater, der ganz offensichtlich durch die Moral der späten wilhelminischen Werte in seinen Anschauungen die Enkelin Hannelore beeinflusste und das dörfliche Umfeld der Eltern schlugen sich in ihrem heranwachsenden Denken nieder.
Die Umbrüche in der DDR in den 60er Jahren trugen ganz eindeutig zu Schwierigkeiten und Konflikten bei, die Hannelore schon während ihrer Schulzeit in Freundschaften und Liebesbeziehungen, aber auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung erlebte. Während ihres Studiums in der Großstadt Leipzig verstärkten sich diese noch.
Der Sprung des Romans in die Nachwendezeit macht dann an der Auseinandersetzung mit dem Macher-Bruder deutlich, wie konfliktreich die Generation der Hannelore in der persönlichen Sozialisation von der Nachkriegszeit, über das Aufwachsen in der DDR bis zur Neuorientierung nach der deutschen Wiedervereinigung aufgewachsen und den Lebensalltag beeinflussten.
Ohne erhobenen Zeigefinger leistet die Autoren damit abseits der gängigen Ost-West-Vorurteile einen sehr lesenswerten und interessanten Beitrag für das Reflektieren eigener Persönlichkeitsgeschichte.

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