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Veröffentlicht am 19.01.2023

Viel Gejammer, wenig Handlung

Happy New Year – Zwei Familien, ein Albtraum
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Silvester 2018. Wie in jedem Jahr feiern die alten Schulfreundinnen Nina und Malena mit ihren Familien und weiteren Freunden bei Lollo, der dritten im Bunde, eine große Silvesterparty, obwohl schon lange ...

Silvester 2018. Wie in jedem Jahr feiern die alten Schulfreundinnen Nina und Malena mit ihren Familien und weiteren Freunden bei Lollo, der dritten im Bunde, eine große Silvesterparty, obwohl schon lange klar ist, dass die Drei sich auseinandergelebt und eigentlich nichts mehr zu sagen haben. Nina und Lollo haben sich darüber hinaus überreden lassen, dass ihre 17jährigen Töchter Smilla und Jennifer ebenfalls eine Party in Ninas Zuhause ausrichten dürfen, obwohl gerade die vorsichtige Nina große Bedenken hatte. Und das Schlimmste passiert: Jennifer verschwindet nach einem Streit spurlos. Die Suche nach ihr bringt jede Menge dunkler Geheimnisse aller ans Licht ....

Die Schreibweise der vielfach ausgezeichneten Autorin ist flüssig und angenehm zu lesen; die Ereignisse werden abwechselnd erzählt in der Ich-Perspektive von Nina, Lollo und Fredrik, Ninas Mann, wodurch auch immer ein differenzierter Blick auf einzelnen Aspekten liegt.

Während in der Beschreibung der Ereignisse anfangs eine große Spannung aufgebaut wurde, flachte diese für mich jedoch bald wieder ab und erst die letzten ca. 50 Seiten konnten mich noch einmal richtig in ihren Bann ziehen und brachten eine unerwartete Wendung, die zu einer doch leider etwas lieblosen Auflösung führte. Denn während bei einem Thriller die Figuren in eine ausweglose Lage geraten oder bei einem Krimi die Ermittlungen im Vordergrund stehen, findet sich hier doch mehr oder weniger ein Roman, in dem die MItglieder der beteiligten Familien von Ängsten und Unsicherheiten heimgesucht werden und sich immer größerer Ärger zur vorherrschenden Trauer einschleicht. Insbesondere Fredrik fühlt sich schuldig und sieht sein Leben als beendet an, wenn die Wahrheit herauskommen sollte - und ich konnte lange Zeit nicht umhin mir zu wünschen, dass ich endlich erfahre, was wirklich passiert ist, damit dieses unerträgliche Gejammer schließlich aufhört und die eigentliche Handlung wieder Fahrt aufnimmt.

Dazu kommt, dass mir keine der Figuren wirklich sympathisch war oder mir im Laufe der Zeit ans Herz wuchs; im Freundeskreis wird heftig übereinander hergezogen, doch wenig MITeinander geredet, jeder einzelne Elternteil zeigt völlig unterschiedliche Erziehungsmethoden, die von den anderen kritisiert werden und die Kinder sind in schwierigen Entwicklungsphasen. Warum Fredrik sich tatsächlich dermaßen gehen lässt und ein schwerst depressives Verhalten zeigt, will sich mir überhaupt nicht erschließen und lässt ein großes Fragezeichen in meinem Kopf zurück.

Schade; "Happy new year" hat in meinem Augen das Potential für einen ganz großen Wurf; die Umsetzung konnte mich jedoch leider - mit Ausnahme von Anfang und Ende des Romans - nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 18.01.2023

Spannender Thriller mit unsauberem historischen Bezug

Der Fluch des Fremden
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17. Jahrhundert. In Furtenblick feiern die Bewohner ihr großes Dorffest, als ein geheimnisvoller Fremder das Podium besteigt, einen schlimmen Fluch ausstößt und neben einem brennenden Kruzifix in die Tiefe ...

17. Jahrhundert. In Furtenblick feiern die Bewohner ihr großes Dorffest, als ein geheimnisvoller Fremder das Podium besteigt, einen schlimmen Fluch ausstößt und neben einem brennenden Kruzifix in die Tiefe springt. Nachdem seine Leiche gefunden wird und die ersten Todesfälle im Dorf zu beklagen sind, glauben die Bewohner, dass sich Gott von ihnen abgewendet hat, und die Angst wird immer mächtiger. Allein die Witwe Katharina mag nicht an das Übernatürliche glauben und beginnt, gemeinsam mit ihrem Freund und Nachbarn Jakob, die Morde als solche zu sehen und zu untersuchen. Und schon bald wird ihr klar, wer hier auf Rache sinnt und warum - und wie ein weiterer Mord verhindert werden kann....

"Der Fluch des Fremden" ist der erste historische Thriller des Krimi-Bestseller-Autors Alexander Hartung, von dem ich bisher einige der in deutschen Großstädten spielenden Krimis gelesen habe. Immer stehen starke, interessante Figuren im Mittelpunkt seiner Geschichten, und so sind es diesmal die kluge Witwe Katharina Volck nebst dem sympathischen Jakob Kohlhepp, die sich beide schnell in mein Herz schlichen.Die weiteren Figuren sind allerdings recht eindimensional beschrieben und ihre Handlungen vorhersehbar: der einfältige, ich-bezogene Bürgermeister, der stets drohende Pfarrer und die abergläubigen Dorfbewohner stehen dem cleveren Paar und ihren Freunden Ida, Albrecht, Volmar und Haug gegenüber.

Wenn sich dem Leser auch schon früh erschließt, wer der geheimnisvolle Fremde und warum er auf Rache aus ist, erschließt, so bleibt die Geschichte doch stets spannend. Schritt für Schritt führen Katharinas Ermittlungen zu einer Lösung, bevor es in einem großen Showdown zur Aufklärung kommt. Der leichte und flüssige Schreibstil machen das Buch zu einem echten Lesevergnügen.

Viele der erzählten Details riefen mir spannende Fakten ins Gedächtnis. So fand ich die frühe Medizin besonders interessant, denn Katharina ist teilweise auch als Heilerin tätig, wenn sie einen Bruch schient oder den Wundbrand behandelt. (Wundinfektionen wurden schon im Mittelalter mit Schimmelpilzen, die auf Schafskot und Honig gezüchtet wurden, erfolgreich behandelt. Die Wirkung beruhte tatsächlich darauf, dass diese Schimmelpilze Penicillin produziert haben.) Auch die Frankfurter Judengasse und die Ablehnung der Juden bereits in früheren Zeiten wurden thematisiert, wovon ich gerne noch mehr gelesen hätte.

Allerdings tat ich mich einigermaßen schwer mit dem geschichtlichen Hintergrund des Buches, der meiner Meinung nach ein wenig unsauber recherciert ist: Eine Witwe wie Katharina, die sich alleine versorgt und Geld hat (woher?), über Heilkünste verfügt und sogar noch mit Juden verkehrt und für die Zeit bizarre Methoden von ihnen übernimmt und darüberhinaus als einzige nicht in die Kirche geht, hätte doch sicher im Zentrum des Aberglaubens und der Ablehnung durch die Kirche und ihre Anhänger gestanden, so dass sich der Hass gegen sie hätte richten müssen. Überhaupt waren ihre Freiheiten schon sehr ungewöhnlich. Insgesamt hätte der starke Aberglaube besser ins Mittelalter als hier in die Zeit der Aufklärung gepasst. Auch die (Tages-)Reisen nach Heidelberg und Frankfurt und wie schnell sie "mal eben" Hilfe bekommen konnte. wollte ich nicht weiter hinterfragen. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass eine Mutter so offen über ein uneheliches Kind zu sprechen wagte....

Alles in allem eine unterhaltsame und spannende Geschichte, an deren Umsetzung noch ein wenig gefeilt werden dürfte.

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Veröffentlicht am 11.01.2023

Fiktive Erinnerungen

Falschgeld
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Der deutsche Schauspieler Mathias Matschke hat unzweifelhaft ein großes darstellerisches Talent; bekannt ist er vielen durch zahlreiche Fernseh- und Kinofilme und als Hörbuchsprecher. Matthias Matschke ...

Der deutsche Schauspieler Mathias Matschke hat unzweifelhaft ein großes darstellerisches Talent; bekannt ist er vielen durch zahlreiche Fernseh- und Kinofilme und als Hörbuchsprecher. Matthias Matschke wurde 1968 als Sohn eines Diplom-Ingenieurs und einer Religionslehrerin in Marburg geboren und wuchs in Ober-Ramstadt bei Darmstadt auf 

Mit "Falschgeld" ist nun sein Romandebüt gelungen, das autobiografisch anmutet und durch die häufige Wiederholung des Satzes "Ich bin Mathias Matschke!" diesen Eindruck verstärkt. Darin beschreibt er eine KIndheit und Jugend in den 70er und 80er Jahren. - wie sie hätte sein können; allerdings kann der aufmerksame Leser schnell feststellen, dass dieser Roman rein fiktiv ist. So erzählt Matschke von einem Pfarrer als Vater, einer Mutter, die beim Fernmeldedienst in Dieburg arbeitet und allerhand Erlebnisse passen zeitlich nicht ganz zueinander, worüber ich allerdings gerne hinwegsah.

Liebevoll und berührend beschreibt Matschke die kleinen (z. B. der Sturz vom Apfelbaum oder "das Ohr") bis ganz großen (der "Vorfall" mit seinem Vater) Ereignisse, die sein - fiktives - Leben beeinflussten. Dabei gab es den einen oder anderen Schmunzler und natürlich auch etliche Gegebenheiten, die mich (Jahrgang 67) an meine eigene Jugend erinnerten und einiges wieder aufleben ließen, wie zum Beispiel die an den damals allgegenwärtigen Commodore 64, das Objekt der Begierde vieler.

Allerdings habe ich ein wenig die HIghlights in diesem (Hör-)Buch vermisst. DIe Erzählung plätschert so vor sich hin, ohne dass es mich wirklich mitgerissen hätte und es blieb immer eine gewisse Distanz zum Ich-Erzähler des Buches. Die Stimme des Autors und Erzählers ist zweifelsohne angenehm und gut verständlich, wirkt zuweilen aber ein wenig monoton.

Alles in allem konnte das Buch leider nicht meine (zugegebenermaßen hohen) Erwartungen erfüllen.

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Veröffentlicht am 10.01.2023

Entlarvend

Komm zu nix – Nix erledigt und trotzdem fertig
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Tommy Jaud müsste eigentlich ein neues Buch schreiben - der Abgabetermin rückt näher und näher. Doch die kleinen Widrigkeiten des Alltags zwingen ihn immer wieder, das eine zu vernachlässigen, um anderes ...

Tommy Jaud müsste eigentlich ein neues Buch schreiben - der Abgabetermin rückt näher und näher. Doch die kleinen Widrigkeiten des Alltags zwingen ihn immer wieder, das eine zu vernachlässigen, um anderes zu tun....

Wir kennen es alle: Wenn man auf ein Paket wartet, das angeblich nur noch sieben Stopps entfernt ist und eigentlich ja gleich da sein müsste; wenn das Inbetriebnehmen des Saugroboters (oder wahlweise jedes anderen elektronischen Geräts) viel zu lange dauert, wie sehr eine Steuererklärung ausufern kann, wie kreativ man werden kann, um das abendliche Glas Wein zu rechtfertigen und und und.

Der Bestsellerautor Tommy Jaud erzählt in vielen kleinen Kurzgeschichten aus dem Leben, Geschichten, wie (fast) jeder Leser sie auf die ein oder andere Art sicher schon erlebt hat. Dabei übertreibt er natürlich schamlos und legt so den Finger in die Wunde. Oftmals musste ich beim Hören des Buches laut auflachen bei der hemmungslosen Verspottung der menschlichen Unzulänglichkeiten und konnte die immer wiederkehrenden Fragen "Geht das nur mir so? mit einem klaren Nein! beantworten.

Da es sich nicht um einen zusammenhängenden Roman handelt, lassen sich die einzelnen Episoden immer mal zwischendurch anhören, wenn der graue Alltag ein wenig Erheiterung braucht.

"Komm zu nix" wird vom Autor selbst gelesen und seine angenehme Stimme und die pointierten Betonungen an den richtigen Stellen garantieren ein tolles Hörvergnügen. Empfehlenswert!

Memo an mich: Meinen Physiotherapeutin als "Knetmännchen" benennen!

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Veröffentlicht am 09.01.2023

Spannender Fall vor idyllischer Kulisse

Die letzte Party
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Die Berühmtheit Rhys Lloyd hat - zusammen mit seinem Geschäftspartner - viel Geld investiert, um nahe seines Heimatdorfes Cwm Coed am Ufer des Llyn Drych oder: Mirror Lake einen Ferienpark zu errichten. ...

Die Berühmtheit Rhys Lloyd hat - zusammen mit seinem Geschäftspartner - viel Geld investiert, um nahe seines Heimatdorfes Cwm Coed am Ufer des Llyn Drych oder: Mirror Lake einen Ferienpark zu errichten. Da dieser von den Einwohnern mit größter Zurückhaltung gesehen wird, beschließt er, eine rauschende Silvesterparty für Feriengäste UND Dorfbewohner zu geben. Als am nächsten Morgen das große Neujahrsschwimmen der Dörfler stattfindet, treibt seine Leiche im See. Und weil der Llyn Drych direkt auf der Grenze zwischen Walds und England liegt, müssen die walisische Kommissarin Ffion Morgan und der englische DC Leo Brady gemeinsam ermitteln, was nicht zuletzt aufgrund ihrer privaten Verwicklungen eine große Herausforderung darstellt. Schnell wird deutlich, dass Rhys Lloyd alles andere als der beliebte Star gewesen ist und es immer mehr Verdächtige gibt ....

Mit "Die letzte Party" legt die preisgekrönte walisische Autorin Clare Mackintosh ihren ersten Band um das kongeniale Ermittlerduo Ffion und Leo vor, und aus den mit vielen walisischen Begriffen gespickten Schilderungen der teilweise recht originellen Bewohner und der wunderschönen Landschaft spricht eine große Liebe der Autorin zu ihrer Heimat. Und so nimmt das Setting eine wichtige Rolle in diesem BUch ein.

Als ehemalige Kriminalistin der britischen Kriminalpolizei weiß Clare Mackintosh, von was sie schreibt und so nahm ich ihr die Verwicklungen und Zweifel der Protagonisten stets ab.

Der Krimi ist von Anfang bis Ende spannend; aber aus dem Wunsch, in diesem Whodunit endlich den Täter ausfindig zu machen, wollte ich auch immer mehr über die weiteren Figuren und ihre Motive erfahren. So fand ich es überaus befriedigend, dass am Ende - nach einem großen Showdown - sämtliche losen Fäden verknüpft waren und keine Fragen offen blieben - außer der, ob die Waliserin und der Engländer auch später noch einmal zusammenarbeiten werden.

Während mich oftmals ausschweifend erzählte Episoden aus dem Privatleben der Ermittler vom Fall ablenken und die Handlung unnötig in die Länge ziehen, haben in diesem Roman die entsprechenden Passagen wunderbar mit den Ermittlungen harmoniert und waren durchaus aussagekräftig - lange Zeit war sogar die Tatsache im Rahmen des Möglichen, dass Ffion selbst in den Mordfall verwickelt sein könnte.

Während die Ermittlungen chronologisch ihren Gang gehen, führt die Autorin uns in vielen Rückblicken durch zahlreiche Sprünge in Zeit und Ort zu den unterschiedlichsten Figuren und Handlungen. Durch die Angabe von Zeit und Perspektive des auktionalen Erzählers behielt ich jedoch immer den Überblick.

Auch, wenn es sich bei der "Letzten Party" keineswegs um einen Cosy Crime handelt, ist die Erzählweise von einer guten Portion typisch britischem Humor gekennzeichnet. Insbesondere die Einführung der beiden Haupt-Figuren Ffion und Leo und ihr erstes ZUsammentreffen bei der Gerichtsmedizin war absolut großartig - eine Sternstunde des Krimis für mich; ich habe mich köstlich amüsiert.

Sowohl Ffion, eine komplizierte Persönlichkeit, der ihr eigener Platz in der Dorfgemeinschaft noch nicht sicher ist und die - wie deutlich wird - in dieser Ermittlung durchaus als befangen gelten kann, als auch Leo, der starke Mann, der sich sowohl von seiner Exfrau als auch von seinem Vorgsetzten so oft kleinmachen lässt, sind liebenswerte Figuren, die nicht zuletzt in ihrer Mehrdimensionalität großes Vergnügen bereiten; sie haben sich in der Liste der vielen bekannten Ermittler gleich einen PLatz ganz weit oben gesichert. Und auch die vielen weiteren Figuren in und um Cwm Coed sind spannend angelegte Figuren, die ich gerne kennengelernt habe.

Clare Mackintosh hat mir mit diesem Auftakt zu ihrer ersten Krimiserie viel Lese-Vergnügen bereitet und ich hoffe auf eine baldige Fortsetzung und weitere gemeinsame Ermittlungen von Ffion Morgan und Leo Brady!

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