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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.07.2021

Denkaufhänger über alltäglichen Rassismus

Such a Fun Age
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Emira ist als Babysitterin bei den Chamberlains angestellt, um sich um die Tochter Briar zu kümmern. Nach einem rassistischen Kommentar Peter Chamberlains im Fernsehen werden nachts Steine auf das Haus ...

Emira ist als Babysitterin bei den Chamberlains angestellt, um sich um die Tochter Briar zu kümmern. Nach einem rassistischen Kommentar Peter Chamberlains im Fernsehen werden nachts Steine auf das Haus der Chamberlains geworfen, sodass Emira gerufen wird, um auf Briar aufzupassen. Im Supermarkt wird sie des Kidnappings bezichtigt.

Im weiteren Verlauf wechselt die Perspektive zwischen der von Emira und Alix Chamberlain, deren Geschichten sich ziemlich verknoten.


Da ich das Buch auf Englisch gelesen habe, kann ich nicht besonders viel über den Schreibstil sagen, weil ich nicht weiß, was die Übersetzung daraus gemacht hat. Aber zumindest auf Englisch ist die Sprache auch für nicht-Muttersprachler verständlich, und was mir besonders auffiel war, dass die Charaktere unterschiedlich sprachen. Da jede:r seine eigenen Eigenheiten hatte, war es extrem authentisch und leicht, zuzuordnen, wer gerade sprach.

An den Charakteren gefiel mir, dass die Autorin es schafft, einen bei den meisten Charakteren zwischen Sympathie und Abneigung schwanken zu lassen, weil sie nach und nach kleine Stückchen an Informationen enthüllt, die ein großes Puzzle zusammensetzen.

Handlungsmäßig ist das Buch eher ruhiger, es passieren viele Dinge, aber irgendwie schafft die Autorin einen so langsamen Erzählstil, dass es die vergehende Zeit und den Alltag, in dem die Geschichte spielt, außerordentlich gut wiedergibt.

Dieses Buch erzählt eindrucksvoll von alltäglichen Rassismuserfahrungen in den USA, dabe zeigt es nicht mit dem Finger, sondern regt zum Nachdenken über das eigene Verhalten an, was extrem gut funktioniert und wahrscheinlich auch nachhaltiger ist.

Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Buch zu lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2021

bringt die katholische Kirche näher

Halleluja
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Die Journalistin Valerie Schönian aus Berlin verbringt ein Jahr mit einem katholischen Priester aus dem Bistum Münster, Franziskus von Boeselager. Die beiden Personen wurden absichtlich als Gegensätze ...

Die Journalistin Valerie Schönian aus Berlin verbringt ein Jahr mit einem katholischen Priester aus dem Bistum Münster, Franziskus von Boeselager. Die beiden Personen wurden absichtlich als Gegensätze ausgewählt, denn Valerie geht nicht in die Kirche und ist Feministin und auch noch evangelisch, klischeehaft also das genaue Gegenteil eines katholischen Priesters.

In der ich-Perspektive erzählt sie von ihrem Jahr in diesem Projekt, zuerst auf einem Blog, dieser wurde nun auch in Buchform überführt. Das Buch ist dabei in sieben Abschnitte unterteilt, sie heißen "Orientierungslos", "Widerstand", "Annähern", "Entfernung", "Verstehen", "Glauben" und "Wir", beinhalten jeweils drei bis neun Kapitel und fassen den Verlauf des Jahres ziemlich gut zusammen.

Was mir bei dieser Buchausgabe besonders gut gefällt, sind die Fotos, die innen auf den Taschenbucheinband gedruckt sind und noch mehr Eindrücke vermitteln, von den Personen und Ereignissen, ein Nachwort von Franziskus von Boeselager und ein Glossar, das besonders für eher kirchenferne Menschen eine Erleichterung sein kann, weil es einige wichtige Begriffe erklärt. Wobei letzteres eigentlich nicht notwendig ist, da die Autorin selbst nicht aus dem kirchlichen Kontext kommt und damit ebenfalls nachfragen muss, Dinge nicht versteht.
Diese Lernerfahrung, die sie dabei durchlebt, macht sie sehr sympathisch. Es ist leicht, sich aufgrund ihrer Gedanken mit ihr zu identifizieren beziehungsweise sie nachzuempfinden und zu verstehen.

Auch ihr Schreibstil lässt sich sehr leicht lesen, wahrscheinlich ein Überbleibsel der ursprünglichen Veröffentlichung als Blog.
Wenn keine geschlechtsneutrale Form vorhanden ist, wird konsequent die feminine Form verwendet, was im ersten Moment besonders im katholischen Kontext ungewohnt ist, aber man gewöhnt sich ziemlich schnell daran.

Das Buch an sich lässt sich nicht zwangsläufig als Schmuckstück bezeichnen, je nach persönlichen Präferenzen natürlich, aber zumindest ein Blickfang ist es durch das kräftige gelb, das aber nicht aufdringlich oder hässlich wirkt.

Ich persönlich fand durch den Prolog extrem leicht in das Buch hinein, er beschriebt die Minuten, bevor der Abschlussgottesdienst am Ende des gemeinsamen Jahres von Valerie und Franziskus beginnt. In genau dem ton ist auch das weitere Buch geschrieben, sodass es sich in einem Rutsch durchlesen lässt.

Insgesamt finde ich das Buch als Ergebnis des Projektes "Valerie und der Priester", sehr gelungen. Es beschäftigt sich mit der katholischen Kirche, mit den Menschen, die in ihr sind und sorgt für ein besseres Verstehen, sodass man nicht zwangsläufig gläubig sein muss, um Gefallen an diesem Buch zu finden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.06.2021

Wortmagie klingt wie Musik

Der Buchspazierer
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Carl Kollhoff ist Buchhändler durch und durch, er liefert Bücher, die Kunden bestellen, zu Fuß aus, wobei er auf dem Weg zu seinen Stammkunden immer den gleichen Weg nimmt und so einen komplett geregelten ...

Carl Kollhoff ist Buchhändler durch und durch, er liefert Bücher, die Kunden bestellen, zu Fuß aus, wobei er auf dem Weg zu seinen Stammkunden immer den gleichen Weg nimmt und so einen komplett geregelten Tagesablauf hat.
Eines Tages steht die neunjährige Schascha vor ihm und möchte ihn begleiten. Carl ist nicht begeistert, aber weil sie keine Ruhe gibt, nimmt er sie mit.
So kommt es, dass sie ihn häufiger begleitet. Auf dem Weg redet sie in einer Tour, stellt Fragen, die gar nicht mal so doof sind, und bringt ein bisschen Sonne in Carls Leben.
Doch mit dem Tod von Carls ehemaligen Arbeitgeber scheint alles auseinanderzufallen.


Meinung
Was habe ich besonders gemocht? Alles. Die Handlung spielt an einem so schönen Platz und dreht sich vollkommen um Bücher.
Die Beschreibungen sind so bildhaft, das man die Handlung direkt vor sich passieren sieht.


der wunderschönen Sprache
Und die Sprache ist sooooo unglaublich wunderschön. Es gibt so Worte wie "Honigbienenmatador", trotz Nichtexistenz mein neues Lieblingswort und "Flötentrötenhandwerkskunst", sollte zwar ein Witz sein, klingt aber auch schön.
Und dann so Ausdrücke wie "mit dem Herz weinen".
Ende, in diesem Abschnitt gab es eine Begeisterungseskalation über die Sprache des Buches.

Dieses Buch ist so schön, dass ich zwischendurch aufhören musste zu lesen, um es ans Herz zu drücken. Es ist herzerwärmend.

Die Handlung ist absolut passend. Sie ist glaubwürdig und nett zum lesen. Gegen Ende wird sie erst ein wenig düsterer und dunkler, sodass gerade im Kontrast die hellen Stellen noch mehr strahlen.

Die Figuren sind toll. Carl ist ein klassischer Buchhändler, die Klischee-Kopffigur eines alten Buchhändlers, genauso, wie man ihn sich vorstellen würde. Schascha scheint sein genaues Gegenteil zu sein, ist sie aber dann doch nicht, sodass die zwei miteinander harmonieren.
Die Nebenfiguren ergänzen, sie passen hervorragend in die Gesamthandlung hinein, und jede davon trägt ihren kleinen, wichtigen Teil zur Gesamthandlung und zum Ende des Buches bei.

Das einzige Manko ist das Ende. Zum einen, dass es überhaupt eins gab, zum anderen, weil das Buch im Abschluss ein bisschen gehetzt wirkte, die letzten Seiten wirkten so heruntergerasselt, als hätte sich der Autor für den ersten Teil deutlich mehr Zeit gelassen.


Fazit
"Der Buchspazierer" ist das ideale Buch für Buchliebhaber, die eine kleine Wohlfühllektüre für zwischendurch suchen, die sich an einem Stück verschlingen lässt.
Thematisiert wird auch die aktuelle Situation der Buchhändler, wodurch das Buch noch mehr an Aktualität gewinnt.

  • Cover
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Veröffentlicht am 13.06.2021

krönender Abschluss

Dead Poison
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Meinung
Das letzte Buch der Poison-Trilogie war ähnlich wie die anderen zwei absolut fesselnd. Die Bücher von Celina Weithaas gehören definitiv zu der Sorte, die man in einem Rutsch durchlesen kann (und ...

Meinung
Das letzte Buch der Poison-Trilogie war ähnlich wie die anderen zwei absolut fesselnd. Die Bücher von Celina Weithaas gehören definitiv zu der Sorte, die man in einem Rutsch durchlesen kann (und muss, weil die Bücher so spannend sind, dass man sie nicht weglegen kann). Auch wenn man als Poison-erfahrener Leserin schon permanent mit dem schlimmsten rechnet, schafft die Autorin es trotzdem immer wieder zu überraschen. Die Figuren laden ein zum Mitfiebern und der Plot ist auf jeden Fall außergewöhnlich.


Fazit
Der Epilog versöhnt, dass dieses das letzte Buch der Poison-Reihe ist, eigentlich möchte ich noch mehr Bücher dieser Reihe mit diesen Charakteren lesen.
Wobei es wahrscheinlich gut so ist, bei einem Happy-End stehen zu bleiben, bei weiteren Fortsetzungen hätte die Autorin noch reichlich Gelegenheit, ihre armen Figuren, hilflos ihrer Gnade ausgeliefert, durch allerlei Grausamkeiten zu schleifen.

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Veröffentlicht am 13.06.2021

gelungene Fortsetzung

Cold Poison
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Die Reihe ist wahrscheinlich mit verantwortlich, dass ich mittlerweile Agentengeschichten verfallen bin. Die Protagonistin Cathrin, eine wunderbare Mischung aus übermenschlicher Perfektion und absolut ...

Die Reihe ist wahrscheinlich mit verantwortlich, dass ich mittlerweile Agentengeschichten verfallen bin. Die Protagonistin Cathrin, eine wunderbare Mischung aus übermenschlicher Perfektion und absolut menschlichen Ecken, Kanten, Fehlern und Schwächen, hat ihren trockenen Humor behalten, und ihre beißenden Kommentare lassen mich lachen, und zwei Seiten weiter überfällt mich wieder das nackte Grauen, alles in allem also die gelungene Fortsetzung von „Dark Poison“.

Wer das erste Buch mochte, dem wird auch dieses gefallen. Celina Weithaas besitzt die Fähigkeit, ihre Leser in den Wahnsinn zu treiben, indem sie Dinge passieren lässt, die man wirklich nicht möchte, weil man emotional viel zu sehr mit den Figuren verbunden ist, und trotzdem nehme ich es ihr nicht (zu sehr) übel, weil alles genau so auf dieser Weise stimmig ist. Der Leser wird durch ein Wechselbad von Gefühlen geschleift, trotzdem hat die Autorin ein Gefühl dafür, wie weit sie den Bogen spannen darf, auch wenn sie es manchmal ziemlich ausreizt. Und obwohl ich davon ausgehen kann, das nichts Gutes lange währt, trifft es mich trotzdem jedes Mal wie ein Schlag. Und sie hat es schon wieder geschafft, dass ich mich trotz des fast schon grausamen Endes (für einen kurzen Moment dachte ich, „jetzt wird alles gut“. Wie konnte ich nur...) auf die Fortsetzung stürzen werde, einige essenzielle Fragen sind schließlich noch offen.

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