Potenzial nicht ausgeschöpft
Locked inNach "Kaltherz" ist "Locked in" der zweite Thriller, den ich von Henri Faber gelesen habe. Ich fand die Grundidee rund um das Locked-in-Syndrom so spannend und erfrischend anders, dass ich das Buch unbedingt ...
Nach "Kaltherz" ist "Locked in" der zweite Thriller, den ich von Henri Faber gelesen habe. Ich fand die Grundidee rund um das Locked-in-Syndrom so spannend und erfrischend anders, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte. Leider konnte es mich aber nicht so richtig überzeugen.
Dabei geht die Story direkt total rasant los. Auf der Jagd nach einem Entführer schießt Kommissar Maertens diesen versehentlich ins Wachkoma – und das, ohne vorher den Aufenthaltsort seines Entführungsopfers zu erfahren. Hier kommt Professor Theo Linde ins Spiel, der eine Methode entwickelt hat, um mit Locked-in-Patienten zu kommunizieren. So ein spannendes Thema! Der flüssige und atmosphärische Schreibstil haben zudem dazu beigetragen, dass ich super in die Story gekommen bin und ein Kapitel nach dem anderen verschlungen habe.
Gut gefallen hat mir auch die wechselnde Erzählperspektive. Die Geschichte wird aus Sicht von Maertens und Linde geschildert, die beide interessante und zugleich wenig sympathische Charaktere sind, wobei mich letzteres aber nicht weiter gestört hat. Außerdem gibt es hin und wieder Kapitel aus der Perspektive eines unbekannten Mannes, der in einem Verlies eingesperrt ist.
Leider lassen das Erzähltempo und die Spannung aber recht schnell nach und die Story zieht sich zuerst sehr, bevor das Tempo wieder rasant angezogen wird. Die Locked-in-Thematik gerät immer mehr in den Hintergrund, ein Plot Twist und Zufall jagt den nächsten – und leider fühlt sich die Geschichte ab da einfach nur noch komplett konstruiert und unrealistisch an. Hier wäre meiner Meinung nach weniger eindeutig mehr gewesen.
Insgesamt hat "Locked in" zwar eine tolle und spannende Grundidee, doch die Umsetzung konnte mich letztlich leider nicht überzeugen. Dennoch hoffe ich, dass das nicht wie angekündigt Fabers letztes Werk war und wir noch mehr von ihm lesen dürfen.