Schuld und Sühne - Ein Ruhrpottmärchen
Der Markisenmann"Der Markisenmann“ ist für mich ein modernes Märchen. Ich liebe ja Märchen – habe auch selbst schon einige geschrieben. Ergo: Ich liebe dieses Buch!
Die Prinzessin heißt Kim. Sie ist 15 Jahre alt, total ...
"Der Markisenmann“ ist für mich ein modernes Märchen. Ich liebe ja Märchen – habe auch selbst schon einige geschrieben. Ergo: Ich liebe dieses Buch!
Die Prinzessin heißt Kim. Sie ist 15 Jahre alt, total verwöhnt und zu Beginn ein Paradebeispiel für einen wohlstandsverwahrlosten Teenager.
Als einziges Mitglied ihrer Familie heißt sie Papen mit Nachnamen. Das verdankt sie ihrem Vater, von dem sie aber nur ein – im wahrsten Sinne des Wortes – verschwommenes Bild hat.
In diesem Märchen gibt es zur Abwechslung mal einen bösen Stiefvater: Er ist konsumorientiert und überaus reich. Im Gegensatz zu Kim wird ihr kleiner Bruder emotional überversorgt.
Und dann passiert es: Der rebellischen, schwierigen Prinzessin brennen die Sicherungen durch – und sie wird ins Straflager „Tochterknast“ geschickt.
UNERHÖRT! ist das Lieblingswort von Ronald Papen, der auf einem Schrottplatz lebt und ein von Grund auf anständiger, entwaffnend ernsthafter und würdevoller Markisenvertreter ist. Und nachträglich hätte sich die Prinzessin wohl dasselbe gedacht. Ach nein, das war so: „Er kam auf mich zu, und ich war wirklich auf Anhieb vollkommen enttäuscht.“
In Wirklichkeit hat sie natürlich auf Anhieb erkannt, wer sie selbst war – ohne es zu wollen.
Ziemlich überfordert von der Situation, ist Kim zu müde zum Fliehen – und dann muss sie sich um eine Pfütze auf dem Schrottplatz kümmern. Sie gießt sie gewissenhaft, weil sie es nicht ertragen könnte, dass die Pfütze verschwand ...
Am Schrottplatz leben noch andere liebenswerte Menschen – und Prinz Alik. Jedes Märchen braucht immerhin einen Prinzen, oder? Halb Russe, halb Tunesier, trennt er mit großer Ernsthaftigkeit Altmetall von anderen Stoffen.
An diesem Buch ist alles stimmig: Vom 70er-Jahre-Cover, das sich anfühlt, als wäre es aus einem von Ronald Papens Markisenstoffen gemacht, bis zum Titel. Und es gibt wieder eine Playlist, die den Leser auf eine Zeitreise mitnimmt.
Ein Jugendbuch ist der „Markisenmann“ von Jan Weiler eher nicht. Ich würde es ein Ruhrpott-Märchen über Schuld und Sühne für Erwachsene nennen – obwohl man keineswegs aus dem Ruhrpott kommen muss, um es zu lieben.