Profilbild von TochterAlice

TochterAlice

Lesejury Star
offline

TochterAlice ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit TochterAlice über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2018

Einen Neuanfang

Septembermeer
0

wollen Svea und Daniel auf einer kleinen Insel - die ehemals im Osten Deutschlands lag, das kristallisiert sich im Handlungsverlauf als wichtiges Detail heraus - wagen und zwar mit der Gründung einer Buchhandlung. ...

wollen Svea und Daniel auf einer kleinen Insel - die ehemals im Osten Deutschlands lag, das kristallisiert sich im Handlungsverlauf als wichtiges Detail heraus - wagen und zwar mit der Gründung einer Buchhandlung. Dies spielt am Anfang eine Rolle, dann aber nicht mehr - ebenso wie Svea und Daniel selbst und auch weitere Akteure, deren Schicksal irgendwann einfach im Sande verläuft, nebensächlich wird, in Beiläufigkeit ertrinkt oder wie auch immer.

Fahrig und unkonzentriert - so ist aus meiner Sicht der Erzählstil, so sind auch die Figuren, finde ich. Ein stimmungs- und kraftvoller Sommerroman mit ordentlich Schmackes und Aussagekraft? Nichts weniger als das, zumal eine Menge von Charakteren - bspw. Sveas Eltern - irgendwann kurz auftauchen, um dann nie mehr eine Rolle zu spielen. Auch die Namen Svea und Daniel versickern irgendwann, um durch Protagonisten wie Jeannette und Madsen und viele, viele weitere ersetzt zu werden und nur noch am Rande aufzutauchen.

Also ist die Insel die eigentliche Hauptdarstellerin - ein interessanter Ansatz, der aber aus meiner Sicht nicht konsequent umgesetzt wird, auch das wird nicht klar durchgezogen. Es fehlt einfach die Stringenz, ein roter Faden, der sich durch die Handlung zieht, EINE Geschichte. Finde ich.

Auch dem Schreibstil kann ich nichts abgewinnen, auch den empfinde ich als ausgesprochen sprunghaft. Die zwei Sterne vergebe ich für die gut recherchierten und recht interessanten historischen Details, das war das Einzige, was mir an dem Werk zugesagt hat!

Veröffentlicht am 27.07.2018

Ein Geheimnis

Die Verwandlung des Schmetterlings
0

umgibt das tragische Leben des jungen Sam, nämlich das, warum seine Mutter ums Leben kam. Seitdem ist Sam ein Pflegekind unter vielen und hat zwar in Billy einen treuen Freund gefunden, doch das Leben ...

umgibt das tragische Leben des jungen Sam, nämlich das, warum seine Mutter ums Leben kam. Seitdem ist Sam ein Pflegekind unter vielen und hat zwar in Billy einen treuen Freund gefunden, doch das Leben ist nicht einfach, gibt es doch Orson, der ihnen das Leben schwer macht. Und auch ein Geheimnis mit sich rumträgt, das es zu ergründen gilt. Eine Kindheit in den 1980ern, die keine einfache ist. die jedoch durch das Auftauchen des faszinierenden Mädchens Miranda in der Nachbarschaft - auch sie nicht frei von Geheimnissen - bereichert wird. Sam, Billy und Miranda werden zum unschlagbaren Trio, doch können sie sich der Vergangenheit stellen?

Ich liebe geheimnisvolle Familienromane, vor allem, wenn sie wie der vorliegende auf verschiedenen Zeitebenen spielen und so griff ich voller Begeisterung zu dieser Neuerscheinung eines mir unbekannten Autoren. Kein Wunder, denn dies ist das erste Buch des 1975 geborenen argentinischen Autors Federico Axat, das ins Deutsche übersetzt wurde, insgesamt sein zweiter Roman, im spanischen Original 2013 erschienen. Und leider bestätigt er alle meine Vorurteile, die ich so gegen lateinamerikanische Autoren hege. Und zugegebenermaßen auch pflege, obwohl ich durchaus auf der Suche nach Büchern bin, die mir den Wind aus den Segeln nehmen, die mich meine Vorbehalte vergessen machen und die es natürlich auch jetzt schon gibt, bspw. teilweise die Werke der Chilenin Isabel Allende.

Aber leider ist die Sprache mir viel zu oft viel zu blumig und umständlich, wie es auch hier definitiv der Fall ist. Die Sätze mit den vielen Adjektiven ermüdeten mich, taten mir teilweise sogar weh. Und sie trugen definitiv nicht dazu bei, mir ein Bild vor Augen zu führen bspw. von den Figuren die beschrieben wurden. Ganz im Gegenteil, ich verlor die Lust.

Das so toll aufgebaute, spannungsreiche und vielschichtige Thema des Buches wurde also verbaut durch die Umständlichkeit der Schilderung. Sprache und Stil wirkten auf mich schwerfällig und ich bin sicher, dass der Autor alles andere bezweckte. Bei mir als Leserin ist dieser Roman - dem ich in Bezug auf Thema und Ansatz durchaus etwas abgewinnen kann - aber leider nicht so angekommen. Schade.

Veröffentlicht am 27.07.2018

Alltagsgeschichten

Die Küche ist zum Tanzen da
0

Kleine, dahingeworfen erscheinende Sequenzen sind es, die Marie-Sabine Roger hier auffährt - Episoden aus dem Alltag. Wobei, es sind eher Empfindungen, oft aus der Perspektive einer Figur, die durchaus ...

Kleine, dahingeworfen erscheinende Sequenzen sind es, die Marie-Sabine Roger hier auffährt - Episoden aus dem Alltag. Wobei, es sind eher Empfindungen, oft aus der Perspektive einer Figur, die durchaus auch mal einen Vogel haben oder aber einer sein kann, dargestellt. Es sind kleine Beiläufigkeiten, die oft in den Köpfen der Protagonisten vorgehen - das Innenleben wird hier dargestellt, eine Art von behutsamer Demaskierung findet statt. So könnte es tatsächlich abspielen hinter der glatten Stirn unseres oft zufälligen Gegenübers...

Eines haben die Geschichten gemeinsam - stets hat der letzte (Ab)Satz eine besondere Bedeutung, oftmals eine aufklärende, enthüllende, die uns erst den wahren Hintergrund verrät, das vorher Dargestellte quasi demaskiert.

Und die Autorin hat einen ganz eigenen Stil, gewissermaßen einen putzigen, mit dem ich aber nicht so richtig warm werde. Abgesehen davon, dass Erzählungen bzw. Kurzgeschichten, wie ich diese kleinen Darstellungen eher bezeichnen würde, nur in Einzelfällen mein Ding sind, bin ich auch nicht mit dem Stil der Autorin so richtig warm geworden, auch wenn es mir gefällt, dass sie ihr Auge, ihr Ohr und vor allem ihre Feder den unterschiedlichsten Wesen auf diesem Planeten widmet.

Mein Ding ist es nur bedingt, doch ich erkenne ganz klar an, dass die Autorin einen eigenen Weg geht und da müssten Sie schon selbst schauen, ob sie damit etwas anfangen können. Ganz klar sind diese Geschichten nämlich Geschmackssache.

Veröffentlicht am 27.07.2018

Vom Schüler zum Penner

Wir beide wussten, es war was passiert
0

Das ist die fragwürdige Karriere des 16jährigen Australiers Billy, der von jetzt auf gleich seinen alkoholabhängigen und gewalttätigen Vater verlässt, um anderswo ein friedlicheres und glücklicheres Leben ...

Das ist die fragwürdige Karriere des 16jährigen Australiers Billy, der von jetzt auf gleich seinen alkoholabhängigen und gewalttätigen Vater verlässt, um anderswo ein friedlicheres und glücklicheres Leben zu beginnen.

Nach einer Zugfahrt, bei der er auf einen verständnisvollen Bahnangestellten trifft, landet er in der Kleinstadt Bendarat, in der er ein neues Heim in einem ausrangierten Zugwaggon findet und mit Old Bill einen adäquaten und vor allem entgegenkommenden Nachbar. Auch eine holde Maid lässt nicht lange auf sich warten - gar bald ist mit Caitlin, einer Tochter aus gutem Hause, die bei McDonalds jobbt, die passende Heldin gefunden.

Tja, manchmal findet man das Glück auf der Straße - das ist auf jeden Fall eine wichtige Botschaft des Buches, aus meiner Sicht ein wenig idealisiert. Von den Unbillen des Alltags von Pennern erfährt man eher wenig, denn Billy und Old Bill haben zwar einige Päckchen mit sich rumzuschleppen, aber viele davon sind Altlasten, oder aber Faktoren, die mit Ereignissen aus der Vergangenheit zusammenhängen. Das echte und wahre Leben auf der Straße erscheint hier gar nicht so schlimm und mich plagt ein wenig die Sorge, dass unzufriedene Jugendliche auf die Idee kommen könnten, es Billy nachzutun! Nicht jeder wird so liebenswerte Weggefährten finden wie er, davon bin ich überzeugt - aber ob das auf unglückliche, verzweifelte Jugendliche ebenfalls zutrifft.

Falls sich jemand an meiner Wortwahl in Bezug auf den Penner stößt - ich orientiere mich am Buch; Billy selbst gebraucht den Begriff. Caitlin hingegen spricht von "Obdachlosen" - ein gelungener Schachzug von Autor und Übersetzer, um die Charaktere voneinander abzusetzen.

Also: ganz nett, aber mit einem kleinen Geschmäckle. Ich würde es jedenfalls nicht unbedingt jungen Leuten schenken!

Veröffentlicht am 27.07.2018

Brutale Morde in Philadelphia

Tanz der Toten
0

Den Autor Richard Montanari kannte ich bisher nur vom Weghören: ich hatte ihn klar in die Schublade des ganz Brutalen, Harten, Grausamen gepackt, die eigentlich nicht die Meinige ist. Doch nun bot sich ...

Den Autor Richard Montanari kannte ich bisher nur vom Weghören: ich hatte ihn klar in die Schublade des ganz Brutalen, Harten, Grausamen gepackt, die eigentlich nicht die Meinige ist. Doch nun bot sich mir die Gelegenheit, den bereits 8. Band um das Ermittlerteam Kevin Byrne, den nicht mehr ganz jungen, vom Leben gezeichneten Ermittler der Mordkommission und Jessica Balzano, als Tochter eines Polizisten ehrgeizig auf den Erwerb eigener Meriten bedacht, zu lesen, den ich zwar wie erwartet brutal, doch wider Erwarten ganz unterhaltsam fand, was vor allem an den Figuren der Ermittler lag.

Die Geschichte: ein junges Mädchen wird tot aufgefunden, auf brutalste Weise ermordet, liebevoll drapiert wie eine Puppe. Eine Reihe weiterer Opfer, auf die gleiche Art präsentiert, folgen und zunächst kann sich die Polizei in Philadelphia keinen Reim darauf machen, kein Muster entdecken. Puppen spielen dann im Handlungsverlauf noch eine wichtige Rolle.

Der Leser hat auf seine Art einen anderen Zugang, eine Art übergeordnete Perspektive zu dem Fall, da von Beginn an auch der Täter zu Wort kommt.

Ein originelles Thema, ein spannender Ansatz, wobei die Spannung leider manchmal im Ansatz stecken bleibt, da die Schilderungen zu umständlich und langatmig sind. Teilweise auch absehbar, nachdem sich das Muster - auch dieses wieder aufwändig und in allen Einzelheiten dargelegt - einmal abzeichnet.

Alles ein bisschen viel, alles ein bisschen zu detailliert und auch nicht immer logisch, aber nachdem ich mich bei den ersten Ungereimtheiten noch gewundert habe und versuchte, sie nachzuvollziehen, habe ich es irgendwann bleiben lassen und ließ das Geschehen auf mich wirken - wie man sieht, ist das Resultat eher durchwachsen. Insgesamt ein solider Krimi, den man gut lesen kann, aber definitiv nicht muss.