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Veröffentlicht am 27.05.2018

Weiblichkeit über drei Generationen hinweg

Die Frauen von Long Island
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indet sich urplötzlich in einem gemeinsamen Haushalt versammelt und zwar völlig unverhofft. Denn Maggie und ihre kleine Tochter Lucy sind nicht verwandt mit Edith, die bereits in dem schönen Haus in den ...

indet sich urplötzlich in einem gemeinsamen Haushalt versammelt und zwar völlig unverhofft. Denn Maggie und ihre kleine Tochter Lucy sind nicht verwandt mit Edith, die bereits in dem schönen Haus in den Hamptons lebt und über die neuen Mitbewohner zunächst gar nicht freut. Dabei sind die zunächst am Zuge, denn Maggie hat das Haus von Ediths Tochter Liza, einer ehemaligen Freundin geerbt, allerdings unter der Bedingung, dass sie sich um deren demente Mutter - nämlich ebenjene Edith - kümmert, die bis zu ihrem Lebensende das Wohnrecht dort genießt. Wohl oder übel müssen sich die drei weiblichen Wesen zusammenraufen, wobei sie gottseidank von Esther, Ediths Jugendfreundin, eskortiert werden.

Ein warmherziger und sensibler, aber nicht zu gefühlvoller Roman, in dem die Protagonistinnen durchaus realistisch und auch einfühlsam dargestellt werden. Themen wie Krankheit, Verlust, Ehrlichkeit und Zusammenhalt werden hier ungeschönt, aber umso realitätsnäher thematisiert. Gerade dadurch empfinde ich die Handlung als ausgesprochen glaubwürdig.

Mir gefällt besonders die Botschaft, dass eine Familie nicht unbedingt blutsverwandt sein muss, es reicht das entsprechende Selbstverständnis und ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Bereitschaft, füreinander einzustehen. Dass sich beides nicht von heute auf morgen entwickeln kann, sondern im Gegenteil als sensibles Pflänzchen daherkommt, das gehegt und gepflegt werden muss und man immer wieder mit Rückschlägen - auch unerwarteten - rechnen muss, macht die Autorin Zoe Fishman immer wieder deutlich.

Vor allem aber wird deutlich, dass man von denen am meisten überrascht werden kann, die man am besten zu kennen glaube, nicht zuletzt - aber nicht nur - von sich selbst. Obwohl es eher ein ruhiger und leiser Roman ist, ereignen sich immer wieder überraschende Entwicklungen, die die Lektüre zu einem besonderen und ungewöhnlichen Erlebnis machen, das ich nicht so schnell vergessen werde.

Die Autorin schreibt ebenso eindringlich wie süffig, was auch in der Übersetzung von Annette Hahn nachzuvollziehen ist. Das Einzige, was mich gestört hat, war die Babysprache, in der die Äußerungen der zweieinhalbjährigen Lucy transportiert wurden.

Alles in allem ein herzlicher und unterhaltsamer Roman, der viel zu schnell ausgelesen ist und den ich all denen empfehle, die - bspw. für eine Bahnfahrt oder einen Urlaub - eine Lektüre benötigen, in der sie versinken können. Und aus der sie sich erst wieder lösen können, nachdem sie am Ende angelangt sind.

Veröffentlicht am 26.05.2018

Auf zu neuen Ufern

Die Inselgärtnerin
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egibt sich Sonja, nachdem sie sich - noch nicht ganz in der Mitte des Lebens angelangt - vor einem Scherbenhaufen wiederfindet: Alles, was für sie von Bedeutung war, ist zerbrochen. An der Seite ihres ...

egibt sich Sonja, nachdem sie sich - noch nicht ganz in der Mitte des Lebens angelangt - vor einem Scherbenhaufen wiederfindet: Alles, was für sie von Bedeutung war, ist zerbrochen. An der Seite ihres Ehemannes steht nun eine andere, jüngere Frau und trotz langen Jahren ihrer Tätigkeit dort und der Loyalität zu der Firma verliert sie ihre Arbeitsstelle.

Da passt es ganz gut, dass sie von Sandy, der kürzlich verstorbenen älteren Schwester ihrer Mutter, die sie kaum kannte, ein Haus in Florida geerbt hat - dort begibt sie sich in der bisher dunkelsten Stunde ihres Lebens hin. Was zunächst nur als Ausbruch aus dem Alltag in Norddeutschland gedacht war, wird bald zu einer längerfristigen Lösung, zumindest was Sonja, nun Sunny, angeht. Denn neben wunderbaren neuen Freunden entdeckt die Gartenarchitektin eine Möglichkeit, ihren beruflichen Traum, die Gestaltung umweltfreundlicher und naturnaher Gärten, zu realisieren.

Auch ihr Privatleben erhält durch völlig neue Aktivitäten, bspw. als Background-Sängerin in einer Motown Band, neue Impulse - und das nicht zu knapp. Zudem ist sie völlig gefangen von ihrer neuen Umgebung in Florida - und zieht den Leser gleich mit.


Denn die Beschreibung der Landschaft und der Lebensbedingungen, des Alltags und des gesellschaftlichen Miteinanders in Florida, ist eindeutig eine der Stärken des Romans - zumindest aus meiner Sicht. Auch wenn natürlich nicht mehr als ein kleiner Auszug geboten wird, hat mich Autorin Sylvia Lott so sehr mitgerissen, dass ich mich schon beim Planen meines nächsten Urlaubs - selbstverständlich in Florida - wiederfinde. Pflanzen, ewig lange Sandstrände und nicht zuletzt die Schilderung der regionalen Fauna - ich sage hier nur "Delphine" - und das alles immer mit einem warmherzigen Blick auf das Thema Umweltschutz haben mich nicht kalt gelassen.

Leider gab es jedoch in der Geschichte selbst immer wieder Entwicklungen, die für mich in der dargestellten Form nicht nachvollziehbar waren - Sunnys Weg ins neue Leben erschien stellenweise zu vereinfacht, sie selbst zu naiv - das alles passte nicht so ganz. Einerseits hat sie sich - aus Norddeutschland kommend - ohne das kleinste Problem in Bezug auf sprachliche oder soziale Neuorientierung in einer völlig fremden Umgebung - quasi nahtlos in das neue Umfeld eingefügt. Andererseits läuft sie mit großer Naivität - die überhaupt nicht zu den anderen Entwicklungen passen will - immer wieder in ganz offensichtliche Fallen.

Also ein sehr facettenreiches und vielschichtiges Leseerlebnis, das ich alles in allem genossen habe. Vor allem, weil es mir Florida geschenkt hat. Eine Region, die für mich bisher unter ferner liefen rangierte, nun aber definitiv in den Fokus meines Interesses gerückt ist. Noch mehr jedoch wegen der Bedeutung von Umwelt und Natur, die wie ein roter Faden die Handlung durchdringt: eine Fürsprache zur Achtsamkeit, von der sich andere Autoren eine ganz dicke Scheibe abschneiden können. Trotz meiner Kritik an anderer Stelle werde ich das Buch dadurch lange in Erinnerung halten, verbunden mit dem Wunsch, dass es ins Englische übersetzt und einem gewissen Herrn in Washington D.C. (ja, richtig: orangefarbene Haut und gelbe Haare) als Pflichtlektüre vorgelegt wird.

Veröffentlicht am 24.05.2018

Getriebene

Häuser aus Sand
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Und Vertriebene - das sind sie alle, die Mitglieder der Familie um die Palästinenserin Salma, die ihre geliebte Heimat früh verlassen muss, um zunächst in Nablus, später in Amman/Jordanien ein neues Leben ...

Und Vertriebene - das sind sie alle, die Mitglieder der Familie um die Palästinenserin Salma, die ihre geliebte Heimat früh verlassen muss, um zunächst in Nablus, später in Amman/Jordanien ein neues Leben zu beginnen.

Dieses Buch ist aus meiner Sicht als Familienroman, nicht als Roman über Palästinenser und Palästina als solches wahrzunehmen. Orte in und vor allem außerhalb von Palästina, auch Ereignisse - von großen historischen Umbrüchen, ja Tragödien wie dem Sechs-Tage-Krieg und dem Ersten Golfkrieg bis hin zu kleineren alltäglichen Begebenheiten fungieren hier als Kulisse um die Familiengeschichte von Alia - Salmas Tochter - und ihrem Mann Atef. Auch wenn hier die gesamte Familie und ihre Geschicke über vier Generationen hinweg beleuchtet werden, ist es doch am ehesten dieses Paar - die zweite Generation nach Salma - das alle Entwicklungen und Veränderungen miterlebt.

Atef und Alia verschlägt es nach Kuwait, wo Atef eine Karriere als Hochschulprofessor macht, Alia jedoch nie Fuß fasst. Diese Unruhe prägt ihr Verhalten gegenüber Mann und Kindern über Jahrzehnte hinweg.

Ein von Vertreibung, Flucht und Emigration geprägtes Familienschicksal wird hier gezeichnet, dem sich keines der Familienmitglieder entziehen kann, auch wenn sie auf unterschiedliche Weise davon geprägt werden.


Die Autorin Hala Alyan ist selbst palästinensischer Herkunft und präsentiert dem Leser Lebenswege einer Familie, die so typisch bzw. untypisch, so subjektiv bzw. objektiv sind wie jedes individuelle Schicksal, jedes einzelne Leben. Vieles haben zahlreiche Palästinenser und auch Angehörige anderer Ethnien im Nahen Osten so oder ähnlich erlebt, anderes wiederum ist nicht verallgemeinerbar. An keiner Stelle erhebt Hala Alyan den Anspruch, eine repräsentative Geschichte des palästinensischen Volkes erzählen zu wollen, es geht immer um diese Familie, die von Salma, von Alia und Atef, von ihren Kindern und Kindeskindern. Ich habe mich als Nachfahrin von Menschen, die ebenfalls (fast) lebenslang Flucht und Exil erlebt und gelebt haben, dieser Familie an vielen Stellen sehr verbunden gefühlt, obwohl ich aus einem anderen Kulturkreis stamme.

Veröffentlicht am 23.05.2018

Wir lassen uns das Singen nicht verbieten

Nur Gisela sang schöner
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Das scheint zumindest die Devise des Hirschweiler Kirchenchors zu sein, denn der läuft bei seinem jährlichen Sommerfest wieder einmal zu Hochtouren auf, auch wenn er auf einige seiner Stützen der Vorjahre ...

Das scheint zumindest die Devise des Hirschweiler Kirchenchors zu sein, denn der läuft bei seinem jährlichen Sommerfest wieder einmal zu Hochtouren auf, auch wenn er auf einige seiner Stützen der Vorjahre wie Beate, Nachbarin des Polizeibeamten Jupp Backes und seiner besseren Hälfte Inge, verzichten muss, haben die beiden sie doch tot in der Badewanne aufgefunden. Kann es wirklich - wie das spitzfindige Ehepaar Backes sogleich in Erwägung zieht - Mord sein?

Beide legen gleich los mit ihren Ermittlungen. Richtig, Inge ist Hausfrau, aber sie wird doch in einer so wichtigen Angelegenheit den Gatten nicht in Stich lassen! Auch wenn die Todesursache noch nicht feststeht und die Eheleute sich gegenwärtig einer Paartherapie unterziehen - bei so etwas lässt man den Partner schließlich nicht in Stich! Und Oma Käthe hat auch noch ihren Teil hinzuzusteuern!

Ein heiterer Saarlandkrimi, der es in sich hat! Wer lustige Regionalkrimis liebt, der könnte hier etwas für sich gefunden haben. Auch wenn es Familie Backes (noch) nicht ganz mit dem Schwaben Kluftinger und schon gar nicht mit dem Eberhofer Franz aus Niederbayern aufnehmen kann, hatte ich jede Menge Spaß beim Lesen! Nachdem ich mich an den etwas behäbigen Stil gewöhnt hatte, bin ich ganz schnell warm geworden mit Familie Backes und freue mich schon auf die nächsten Nachrichten - ob im Krimiformat oder nicht - aus ihrem Hause!

Veröffentlicht am 21.05.2018

Warum meldet er sich nicht?

Ohne ein einziges Wort
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Sarah, in den USA lebende Britin, ist ratlos. Da ist sie bei einem Heimaturlaub auf DEN Traummann schlechthin gestoßen, hat mit ihm eine Woche erlebt, die sich anfühlte wie der schönsten Liebesromanze ...

Sarah, in den USA lebende Britin, ist ratlos. Da ist sie bei einem Heimaturlaub auf DEN Traummann schlechthin gestoßen, hat mit ihm eine Woche erlebt, die sich anfühlte wie der schönsten Liebesromanze entnommen - und dann? Einfach weg! Ohne ein Wort! Dabei hat Eddie - so heisst dieses Wunder von Mann - ihr doch versprochen, sich auf dem Weg zum Flughafen bei ihr zu melden. Auf dem Weg in den bereits gebuchten Surfurlaub, nachdem das gemeinsame Liebesglück fortgesetzt werden sollte.

Sarah sendet ihm Nachricht um Nachricht, denn sie ist sich seiner so sicher, dass es eigentlich nur ein Unfall sein kann, der ihn ihr entrissen hat. Oder gibt es da noch etwas anderes?

Autorin Rosie Walsh hat einen ganz besonderen Erzählstil: sie tastet sich von vorne - also aus der Gegenwart, in der Sarah Ende dreißig ist - in ihre Vergangenheit, die Kindheit und Jugend vor. Erst allmählich lernen wir Sarahs Eltern - wirklich wunderbare und verständnisvolle Menschen, die immer noch miteinander verheiratet sind nach all den Jahren - kennen. Und Sarahs Freunde Tommy und Jo. Sogar ihren amerikanischen Noch-Ehemann Reuben, von dem sie sich gerade vor kurzem nach langen Jahren in bestem Einvernehmen getrennt hat. Oder doch nicht?

Oder liegt es an den Menschen, die in der Gegenwart gar nicht mehr auftauchen? Auch davon gibt es so einige. Und hängt irgend etwas davon mit Eddies Schweigen zusammen? Was, um Himmels Willen, hat er getan?

Ein Roman, in den ich eintauchen konnte wie in ein warmes, duftendes Schaumbad. Ein echter Schmöker, den ich nicht aus der Hand legen konnte, der aber kein bisschen oberflächlich war. Im Gegenteil Sarahs Geschichte hat jede Menge Tiefgang, viele hintergründige Entwicklungen und Wendungen. Auch die kleinste Nebenfigur - und in diesem doch recht dicken Roman gibt es so einige - hat eine (wenn auch oft nur für einen Moment) tragende Rolle im Handlungsverlauf, ohne sie könnte die Entwicklung nicht so voranschreiten, wie sie es tut.

Dazu hat Rosie Walsh jede Menge Schalk im Nacken, schreibt mit einer Mischung aus sarkastischem British Humour und einem gewissen, sehr individuellen Augenzwinkern. Trotz der Ernsthaftigkeit und Traurigkeit des Themas ist auch immer wieder eine gehörige Portion von Leichtigkeit und Lebenslust zu spüren. Warmherzig und liebevoll bleibt mir das Buch nach dem Umblättern der letzten Seite in Erinnerung. Trotz aller traurigen Momente, die es beinhaltet, wird es nämlich von einer Kraft getragen, von der schon die Bibel sagt, dass sie die größte von allen ist: von der Liebe. Und auch wenn die Atheistin Sarah sich nicht die Bohne für diese Quelle interessiert, würde sie mir sicher zustimmen!

Ein wunderbarer Roman, für jeden, der ein bisschen Wärme in sein Leben lassen will - aber mit Pfiff!