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Veröffentlicht am 30.12.2017

Beklemmende Düsternis

Seelen im Eis
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Yrsa Sigurdardottír von ihrer eher nachdenklichen Seite: Odínn, ein Angestellter der Staatlichen Kontrollbehörde, bekommt einen Fall aus vergangenen Zeiten auf den Tisch: es geht um Todesfälle in einer ...

Yrsa Sigurdardottír von ihrer eher nachdenklichen Seite: Odínn, ein Angestellter der Staatlichen Kontrollbehörde, bekommt einen Fall aus vergangenen Zeiten auf den Tisch: es geht um Todesfälle in einer Erziehungsanstalt in den 70er Jahren. Ein Fall, den er von seiner verstorbenen Kollegin beerbt hat, die sich hier ungewöhnlich engagiert hatte. Hängt ihr Tod damit zusammen? Was hat es mit den "alten" Fällen auf sich? Odínn ermittelt engagiert, versucht aber gleichzeitig, sein vor wenigen Monaten kompliziert gewordenes Privatleben in den Griff zu bekommen: Seit seine Exfrau beim Sturz vom Balkon ums Leben gekommen ist, hat es für ihn einen extremen Rollenwechsel gegeben: vorher ein Wochenendvater, ist er jetzt als Alleinerziehender rund um die Uhr verantwortlich für seine Tochter Rún. Mit einer - sowohl für ihn als auch für Rún - unliebsamen Schwiegermutter muss er sich auch noch rumschlagen.

Der Leser erhält durch Rückblenden parallel Einblick in die Ereignisse der 70er Jahre. Spannend und gruslig ist das alles nicht, vielmehr ausgesprochen beklemmend. Ich hatte durchgehend die Heimkinder bzw. eigentlich ja schon Jugendlichen der 60er und 70er Jahre in Deutschland vor Augen, deren Leid von der damaligen linken Bewegung aufgedeckt und teilweise auch instrumentalisiert wurde.

In Island ist alles viel bedächtiger, abseits von der Tagespolitik gehen die gesellschaftlichen Entwicklungen ihren Gang. Tristesse zieht sich durch das Buch, so richtig fröhlich geht es zu keiner Zeit zu. Obwohl der Schreibstil der Autorin gewohnt gut ist, ist es ihr diesmal aus meiner Sicht leider nur teilweise gelungen, Atmosphäre zu schaffen, den Leser mitzunehmen. Ich jedenfalls bin immer wieder auf der Strecke geblieben. Definitiv nicht mein Lieblingsbuch dieser eigentlich von mir favorisierten isländischen Autorin!

Veröffentlicht am 30.12.2017

Unruhig machte mich hier nur das ach so ferne Ende des Krimis

Unruhe
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Axel Steen von der Kripo Kopenhagen wird hier als Ermittler eingeführt - ein Mann mit Vergangenheit, aber nicht unbedingt mit Zukunft, ist er doch geschieden von einer Frau, die er noch immer begehrt und ...

Axel Steen von der Kripo Kopenhagen wird hier als Ermittler eingeführt - ein Mann mit Vergangenheit, aber nicht unbedingt mit Zukunft, ist er doch geschieden von einer Frau, die er noch immer begehrt und kann das kleine Töchterchen viel zu selten sehen. Als stark eingespannter berufstätiger alleinerziehender Vater begeht er so ungefähr jeden möglichen Fehler - lässt Emma, so der Name des Kindes, viel zu oft allein und nimmt sie gar ins Leichenschauhaus mit, wo nicht nur das neueste Opfer, ein Drogenhändler aus dem Balkan, liegt.

Klingt charmant, entpuppt sich aber leider als eine Story mit unglaublichen Längen, wenig Substanz und noch weniger Spannung. Kurzum - Axel sowie sein ganzes Umfeld entpuppen sich als Langeweiler, die trotz eines teilweise geschickt aufgebauten Plot niemals Interesse aufkommen ließen.

Woran das lag - nun, vor allem wohl am überaus behäbigen Erzählstil des Autors, an einigen unlogischen Fügungen und an den nicht so recht ausgereiften Figuren. Ich jedenfalls war heilfroh, als es mit Axel Steen zu Ende ging (gottseidank nur im übertragenen Sinne) und bin ganz sicher nicht erpicht auf eine mögliche Fortsetzung!

Veröffentlicht am 30.12.2017

Ein praller, stimmungvoller und vor allem authentischer Einblick in das Leben in der Lutherzeit

Die geheime Braut
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Wer erfahren will, wie es in Wittenberg zu Luthers Zeiten zugegangen sein könnte und sich dabei noch bestens unterhalten lassen will - der kommt an der neuesten Schöpfung der Historikerin Brigitte Riebe ...

Wer erfahren will, wie es in Wittenberg zu Luthers Zeiten zugegangen sein könnte und sich dabei noch bestens unterhalten lassen will - der kommt an der neuesten Schöpfung der Historikerin Brigitte Riebe nicht vorbei: "Die geheime Braut" ist ein anspruchsvoller, amüsanter und überaus spannender Roman, der zudem bestens recherchierte Hintergrundinformationen liefert.

Worum geht es: die ehemalige Braut Christi Susanna ist obdachlos - das Kloster, in dem sie und ihre Freundin Binea lebten, wurde aufgelöst - seitdem pilgern sie quasi heimatlos, am Rande einer gesellschaftlichen Existenz, durch die Lande. In Wittenberg kommt es zu einer überaus abenteuerlichen Begegnung mit Jan Faber, seines Zeichens Geselle bei Lucas Cranach, die die beiden Mädchen komplett ins Unglück stürzen könnte - statt dessen bietet Jan ihnen den rettenden Anker, indem er ihnen eine Stellung als Mägde beschafft - ausgerechnet beim großen, gestrengen Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora. In diesem überaus geschichtsträchtigen Umfeld nun kommt es zu mehreren Morden an jungen Frauen - und der cranachsche sowie der luthersche Haushalt mitsamt Mägden stecken bald mittendrin.

Gefährlich geht es zu, aber auch lehrreich. Schauplätze sind nicht nur die Häuser Cranachs und Luthers, nein, die Autorin versteht es geschickt, auch die Universität, die fürstliche Residenz mitsamt ihren Herrschern , aber auch eher am Rande der sozialen Existenz stehende Orte wie das örtliche Freudenhaus einzubinden.

Ein bunter Reigen also - vielleicht gar zu bunt? Mitnichten, denn Brigitte Riebe kann schreiben und ist eine erfahrene Historikerin. Der Leser begegnet vielen Charakteren, doch sind diese so plastisch beschrieben, dass man sie unschwer auseinanderhalten kann. Auch Längen kommen in diesem Roman nicht vor, im Gegenteil - es ist fast unmöglich, ihn aus der Hand zu legen. Mich persönlich haben einzig die zahlreichen Sexszenen, die oft stark im Vordergrund standen, gestört. Doch das ist meine persönliche Meinung - ich mag es eben gern etwas subtiler.

Ansonsten empfehle ich es jedem, der sich entführen lassen will in Luthers Zeit und dabei wirklich gut und mit hohem Anspruch unterhalten werden will. Ein Roman, in dem man so richtig schwelgen kann - etwas für lange Wochenenden, an denen man (fast) unbegrenzt Zeit hat!

Veröffentlicht am 30.12.2017

I'm on the road to nowhere

Kings of Nowhere
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ist ein altes Lied von den "Talking Heads", das ich sehr mag und an das ich bei dem Titel dieses Buchs gleich denken musste. Aber hier führt nicht der Weg ins Nichts, nein, es sind die Wanderer, die manchmal ...

ist ein altes Lied von den "Talking Heads", das ich sehr mag und an das ich bei dem Titel dieses Buchs gleich denken musste. Aber hier führt nicht der Weg ins Nichts, nein, es sind die Wanderer, die manchmal nicht wissen, wo sie sich befinden - innerlich, versteht sich. Dass sie auf dem Appalachean Trail unterwegs sind, der in eine klare Richtung führt, ist schon klar.
Der Leser lernt vor allem drei dieser Wandervögel näher kennen - den Ex-Drogensüchtigen - wirklich ex? - Taz, für den der Weg eine neue Perspektive ist, Simone, eine junge Wissenschaftlerin mit einem überaus fatalen Zwang und Richard, den Möchtegern-Indianer und Trinker, der einem quasi vorgegebenen Lebensplan entrinnen möchte.

Und dann begegnet man noch zahlreichen Menschen, die am Wegesrand leben, die mit den Wanderern in verschiedenster Art und Weise in Interaktion suchen: sei es, dass sie - beispielsweise als Gastwirte - von ihnen leben, sei es, dass sie ihre Nähe suchen oder ihnen entfliehen wollen.

Zu kurz kommt die Landschaft rund um diesen Weg, viel zu kurz. Für Leser, die wie ich bei einem solchen Roman auch das Naturerlebnis suchen, wird er eine große Enttäuschung sein.

Insgesamt aus meiner Sicht ein sehr negatives Buch, der den Trail als zerstörendes Element zeigt, der die Hiker kaputtmacht, statt sie aufzubauen. So richtig Kraft aus der tiefen Begegnung mit der Natur geschöpft - das hat meines Erachtens keine einzige Figur in diesem Roman. Insgesamt hat mich dieser Roman ziemlich runtergezogen - es gab darin nichts Stärkendes, Aufbauendes für mich. Also nur was für Leser, die gerade mit sich und der Welt im Reinen sind!

Warum ich trotz dieses vernichtenden Urteils keine ähnlich vernichtende Gesamtbewertung gebe? Nun, der Autor kann schreiben und dafür, dass der Titel in der deutschen Übersetzung absolut unpassend wiedergegeben wird - es gibt schließlich auch Queens auf dem Trail, kann er ja nichts. Im Original heißt das Buch nämlich "Black Heart on the Appalachean Trail". Die Figuren sind gut gezeichnet, fast sieht man Taz, Simone und Richard vor sich, kann sich ihre Reaktionen und auch ihr Umfeld vorstellen. Deswegen denke ich, dass dieses Buch Leser mit anderen Erwartungen, die zudem noch härter im Nehmen sind, durchaus bereichern kann.

Veröffentlicht am 30.12.2017

Ordnung ins Büro - und ins Leben

Radieschen von unten
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bringt Elfie Ruhland auch in diesem 2. Band, in dem es wieder um die sympathische "Aufräumerin" und ihre ganz spezielle Art, die Geschicke ihres Umfeldes zu lenken, geht.

Sie ist wieder da - und mit ...

bringt Elfie Ruhland auch in diesem 2. Band, in dem es wieder um die sympathische "Aufräumerin" und ihre ganz spezielle Art, die Geschicke ihres Umfeldes zu lenken, geht.

Sie ist wieder da - und mit ihr die unliebsamen Arbeitgeber und die skurrilen Kollegen... und natürlich Kommissarin Alex, für die Elfi eine Stütze in schweren Zeiten ist. Wie für eigentlich alle, die Elfi am Herzen liegen - und das sind viele, denn Elfis Herz ist groß.

Aber auch sie hat ihren Kummer: beispielsweise läuft es mit Ludwig nicht mehr wie gehabt. Wohlgemerkt: Ludwig - ihr Verlobter - befindet sich im Jenseits: und zwar liegt auf dem Friedhof tief, tief unter der Erde - seit geraumer Zeit - und kommuniziert mit Elfi mittels flackernder Grabkerze: bisher. Denn diese für Elfie so bedeutsame Kommunikation befindet sich auf dem abnehmenden Ast und dabei hätte sie Ludwigs Rat doch bitter nötig: Als freiberufliche "Büroaufräumerin" ist sie derzeit im Bestattungsinstitut "Pietas" tätig und da läuft einiges schief, was (fast) ausschließlich an der mehr als gewöhnungsbedürftigten Chefin liegt. Aber wie lange noch? Der Leser kann sicher sein, dass zumindest in diesem Buch die Gerechigkeit siegt: die (richtig) fiesen Typen - beiderlei Geschlechts natürlich - erfahren auf jeden Fall ihre verdiente Strafe!

Die Beschreibung der Art und Weise, wie Elfi die Dinge regelt und auch Alex beisteht, die wieder das ein oder andere Päckchen zu tragen hat - das ist ein Lesegenuss sondergleichen, der sich aber auch in allen anderen Facetten des Romans fortsetzt. Man kann also sicher sein, bei der Lektüre dieses Buchs auf jede Menge skurriler, belustigender und in jedem Fall herzerwärmender Typen zu stoßen.

"Radieschen von unten" ist bereits der zweite Fall des unter dem Pseudonym "Frida Mey" schreibenden Autorinnenduos - und er steht in punkto Humor, Originalität und Köstlichkeit dem ersten in nichts nach. Wer also ein wenig Leichtigkeit in seinen harten Alltag bringen will - beispielsweise, weil er unter einem tyrannischen Chef leidet, der ist hier lesetechnisch an der richtigen Adresse! Aber Obacht: nicht alles - auch wenn es noch so charmant transportiert wird - ist unbedingt nachahmenswert! Aber man kann sich auch beim Lesen schon sehr gut abreagieren!