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Veröffentlicht am 09.09.2021

Afrikanisches Familienepos

Der Ort, an dem die Reise endet
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Ein afrikanisches Buddenbrooks? Oder gemahnt es doch eher an "Korrekturen", den (fast) zeitgenössischen großen Roman von Jonathan Franzen? Nichts von beidem, finde ich: es ist eine weitere eindringliche ...

Ein afrikanisches Buddenbrooks? Oder gemahnt es doch eher an "Korrekturen", den (fast) zeitgenössischen großen Roman von Jonathan Franzen? Nichts von beidem, finde ich: es ist eine weitere eindringliche Familiengeschichte, eine sehr spezielle. Eine aus einer absolut fremden, fernen Welt, eine, die mich zunächst neugierig werden ließ. Doch aufgrund des fahrigen, nicht stringenten Erzählstils war für mich der Zauber rasch verflogen, als mühselig empfand ich es, mir diese Geschichte von einem fernen Kontinent, einem mir gänzlich unbekannten Land, zu erarbeiten, mich auf die Charaktere und ihre Schicksale einzulassen.

Die Geschichte, in deren Mittelpunkt zwei Generationen und zwei Familien, nein: eigentlich eine Familie in der Hauptrolle, eine in der Nebenrolle und eine Freundschaft, die aber auch beide Familien über beide Generationen berührt, stehen, ist sehr fahrig und - man möge es mir verzeihen - aus meiner Sicht wirr erzählt, immer wieder wird die Zeit und das Setting gewechselt. Und es kommen - eigentlich überaus interessant und spannend - eine Menge kenianische Persönlichkeiten (und auch solche aus den Nachbarstaaten) vor. Eigentlich mag ich so etwas, im vorliegenden Kontext empfand ich es einfach nur als verwirrend. Es ist eine tragische Geschichte, in die ich mich aber nicht so einfinden konnte, dass sie mich tiefer berührt, in mir das Interesse an weiteren Nachforschungen zu Kenia geweckt hat.

Der Stil ist anspruchsvoll, eindringlich, dabei nicht unanstrengend, nicht zuletzt aufgrund der vielen fremdartigen Namen von Personen und Ortschaften, die eine Rolle spielen oder auch nur erwähnt werden, denn auch das passiert ständig. Wobei diejenigen, die sich darauf einlassen, durchaus Unterstützung erfahren, nämlich in Form eines ausführlichen Glossars am Ende des Buches.

Die Autorin Yvonne Adhiambo Owuor ist sicher eine gewaltige Stimme ihres Landes, aber leider eine, die mich nicht so ganz erreichen konnte!

Veröffentlicht am 09.09.2021

Martha und ihre eigenwillige Familie

Die Hafenschwester (3)
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Martha arbeitet nicht mehr am Hafen, sondern schon lange in der Klinik und hat dort ihren Weg gemacht - nach dem Ersten Weltkrieg, in dem nicht nur ihr Mann schwerste Verletzungen erlitt, muss sich die ...

Martha arbeitet nicht mehr am Hafen, sondern schon lange in der Klinik und hat dort ihren Weg gemacht - nach dem Ersten Weltkrieg, in dem nicht nur ihr Mann schwerste Verletzungen erlitt, muss sich die Familie neu orientierten. Die Söhne Rudi und Fredi und Nesthäkchen Ella haben schon früh genaue Vorstellungen von ihrer Zukunft. Doch nicht immer läuft alles wie am Schnürchen, vor allem Rudi, der schon früh zum Charmeur und Lebemann wird, bringt seine Familie desöfteren in Schwierigkeiten.

Doch im Kreise der Lieben, zu denen immer noch Bruder Heinrich und nun auch schon lange Ehemann Paul, der als Ingenieur immer noch am Hafen tätig ist, gehören, lässt sich alles ertragen.

Zumindest bis - was keiner der strammen Sozis gedacht hätte - Hitler und sein liederliches Pack an die Macht kommt und gleich damit beginnt, den Menschen das Leben schwer zu machen - und zwar nicht nur in Deutschland.

Ich liebe Romane, in denen die Sozialgeschichte eine wichtige Rolle spielt, vor allem solche, in denen das Schicksal der Frauen einen großen Anteil an der Handlung hat, wie es hier der Fall ist.

Autorin Melanie Mezenthin schaffte es einmal mehr mit ihrem spannenden Stil und ihren klugen Recherchen mühelos, mich bis zum Ende am Ball zu halten! Und das, obwohl der dritte - und leider letzte - Band der Reihe über siebenhundert Seiten aufweist.

Mezenthin kennt sich aus - sowohl in ihrer Heimatstadt Hamburg als auch in der Sozialgeschichte Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und sie versteht es, diese unglaublich fesselnd zu verpacken - mir hat die Lektüre sehr viel Freude bereitet und zudem erlebte ich sie als ausgesprochen bereichernd. Nur an einigen Stellen wurden aus meiner Sicht relevante Handlungsstränge leider nicht weiterverfolgt, aber das hätte den Rahmen sicher gesprengt.

Ein ausgesprochen fesselnder und dabei ungewöhnlicher historischer Roman, der etwas für anspruchsvolle Histo-Fans mit ein bisschen Zeit ist. Von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 06.09.2021

Ein Ort ohne Seele

Der Sucher
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Oder mit einer sehr kleingehaltenen Seele, einer in dem die Menschen - auch wenn sie einander lange kennen - mit Mißtrauen begegnen. Wärme ist Mangelware, danach muss man lange suchen in diesem ...

Oder mit einer sehr kleingehaltenen Seele, einer in dem die Menschen - auch wenn sie einander lange kennen - mit Mißtrauen begegnen. Wärme ist Mangelware, danach muss man lange suchen in diesem kleinen irischen Dorf irgendwo zwischen Dublin und Sligo, in das sich der Amerikaner Cal, ehemals Ermittler in Chicago, seit einigen Monaten zurückgezogen hat.

So richtig warmherzig begegnet ihm hier eigentlich niemand. Wer öfter kommt, der will etwas von ihm - und nicht gerade wenig. Er wird immer wieder von einem Kind namens Trey besucht - oder auch heimgesucht, beides könnte passen. Als sie einander näher kommen, macht Trey ihm sein Anliegen klar: Cal soll herausfinden, was mit seinem großen Bruder passiert ist, der seit einigen Monaten abgängig ist.

Es ist nicht unbedingt so, dass Cal diesbezüglich mit dem Entgegenkommen seiner Mitmenschen rechnen kann, im Gegenteil: eigentlich interessiert Brendan alle außer Trey einen feuchten Dreck - sogar seine eigene Mutter. Scheinbar jedenfalls.

Und es scheint, als hätte jeder im Dorf etwas zu verbergen...

Langsam entwickelt sich die Handlung voran, quasi in Minischritten - und genauso ist es auch mit der Spannung. Tana French beweist einmal mehr, dass sie eine Meisterin des Atmosphärischen ist, das hier jedoch auf Kosten von Spannung eingesetzt wird.

Ich lese die irische Autorin ausgesprochen gern und hatte mich sehr auf das neueste Werk gefreut. Aber es hat mich doch ziemlich enttäuscht, muss ich sagen, ich empfand den hauptsächlichen Handlungsstrang als ziemlich dünn.

Schade drum, aber so richtig aus vollem Herzen kann ich diesen Roman nicht empfehlen. Fans von Tana French werden enttäuscht sein und neue wird sie damit eher weniger gewinnen - so zumindest meine Meinung.

Veröffentlicht am 05.09.2021

Spritzig und wirr

Florance Bell und die Melodie der Maschinen
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Florance Bell ist tätig als Assistentin des leitenden Mechanikers bzw. Ingenieurs am Maschinenpark eines technikverrückten Adligen, der Opfer eines Hinterhalts wird.

Florance selbst wird gekidnappt, ...

Florance Bell ist tätig als Assistentin des leitenden Mechanikers bzw. Ingenieurs am Maschinenpark eines technikverrückten Adligen, der Opfer eines Hinterhalts wird.

Florance selbst wird gekidnappt, versucht aber - tüchtig wie sie ist - aus dem Schlamassel rauszukommen.

In dieser Hinsicht ist das Spektakel recht absehbar, auch wenn bis zum glücklichen Ende noch zahlreiche Irrungen und Wirrungen erfolgen.

Mich als Historikerin hat dieser in der Tradition des Steampunk verfasste Roman aber schlicht wahnsinnig gemacht. Er startet im Jahr 1820. Napoleon hat England erobert und König George in Frankreich eingekerkert. Es gibt jetzt eine Doppelmonarchie, in denen die Franzosen sowohl auf franzöischem als auch auf englischem Territorium die Oberschicht bilden.

Trotzdem sind Florance und ihr Vormund, obwohl Franzosen, ganz klar dem englsichen Adelsmann und dessen Familie untergeordnet. Außerdem gibt es Luftschiffe und alles mögliche Sonstige mit Motoren diverser Art. Ich würde dieses Buch schon deswegen keinem Kind oder Jugendlichen schenken, weil ich ihn - was die europäische Geschichte angeht - nicht verwirren möchte.

Das Buch ist durchaus spannend und unterhaltsam, aber irgendwann war es mir zu viel mit den historischen Verrenkungen und ich konnte es nicht mehr uneingeschränkt genießen!

Veröffentlicht am 03.09.2021

Eine Frau mit zwei Leben

Sophies Café
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Gabrielle wird von ihrem Mann mißbraucht, gefoltert und gequält und zwar bereits seit zehn Jahren. Nach einer sehr extremen und schmerzlichen Erfahrung gelingt ihr die Flucht.

In einer Kleinstadt im ...



Gabrielle wird von ihrem Mann mißbraucht, gefoltert und gequält und zwar bereits seit zehn Jahren. Nach einer sehr extremen und schmerzlichen Erfahrung gelingt ihr die Flucht.

In einer Kleinstadt im Süden sitzt Leah in einem Café, dessen Eigentümerin Sophie ihr das Gefühl gibt, angekommen zu sein.

Gabrielle und Leah - ein und dieselbe Person. Leah beginnt mit ihrem zweiten Namen ein neues Leben unter der Obhut Sophies, sie taut auf, findet sich selber - und mit Sophie eine Art neue Familie.

Aber was hat es mit dem wirklich attraktiven, aber doch sehr sperrigen Crowley auf sich? Er mißtraut er - wird es so weit kommen, dass er sie vertreibt aus dem vermeintlich sicheren, geborgenen Nest bei Sophie? Kann sie ihm trauen?

Ein sehr emotionaler Roman, der die verschiedenen Seiten des Lebens so extrem darstellt, wie ich es von Geschichten aus einem christlichen Verlag bisher nicht kannte. Gabrielles/Leahs Weg war mir teilweise zu heftig, doch hat mich das runde Ende - im wahrsten Sinne des Wortes auf Gottes grüner Wiese - dann berührt. Auch wenn der Weg dorthin etwas steinig war. So, wie es viele Lebenswege sind.

Ein lohnenswerter Roman für Leser, die es gerne auch mal dramatisch mögen!