Profilbild von Urmeli

Urmeli

Lesejury Star
offline

Urmeli ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Urmeli über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.04.2022

Kampf gegen männliche Vorherrschaft

Eine Frage der Chemie
0

Elizabeth Zotts Vater war ein Wanderprediger, der nun im Gefängnis sitzt, die Mutter hat von der Familie zurückgezogen. Sie führte ein unstetes Leben, ein Schulbesuch war nur selten möglich und ihr ganzen ...

Elizabeth Zotts Vater war ein Wanderprediger, der nun im Gefängnis sitzt, die Mutter hat von der Familie zurückgezogen. Sie führte ein unstetes Leben, ein Schulbesuch war nur selten möglich und ihr ganzen Wissen bezog sie aus den Büchereien. Sie lernte sehr viel, sie studierte Chemie und doch lernte sie auch die herrschende Männerwelt kennen. Im Jahr 1961 wurden Frauen nicht als Wissenschaftlerinnen akzeptiert. Im Hastings wurde sie ausgenutzt, ihre Intelligenz nicht anerkannt und dennoch kamen die deutlich besser bezahlten Chemiker nicht ohne ihre Expertise aus. Bis sie auf den renommierten Chemiker Calvin Evans traf. Die Chemie zwischen ihnen stimmte sofort, sie wurden ein Liebespaar, dass sich gegenseitig respektierte und die Arbeit des anderen wertschätzte. Elizabeth lebte mit Calvin zusammen, skandalös für die damalige Zeit, eine Ehe oder Kinder kam für sie nicht in Frage. Nur ein Hund lebte bei ihnen, Halbsieben, nach der Zeit, als er zu ihnen gelaufen kam. Ein hochintelligenter Hund, der jedoch indirekt den Tod Calvins mitverschuldete. Gerade jetzt bemerkte Elizabeth das sie schwanger war. Somit änderte sich ihr Leben von einem Tag auf den anderen, sie durfte nicht weiter arbeiten und wurde geächtet. Sie ist eine Kämpferin und fand ihren Weg für sich, ihre neugeborene Tochter und ihren Hund.
Aus der Sicht jedes Protagonisten erleben wir die Welt um Elizabeth herum. Selbst der kluge Hund hat einiges bei zu steuern. Packend wird der Kampf einer Frau gegen die Vorherrschaft der Männer, gegen das Kleinreden der weiblichen Intelligenz, beschrieben. Leicht, locker und hoch interessant geschrieben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2022

23 Jahre Suche

Violas Versteck (Tom-Babylon-Serie 4)
0

Der ehemalige LKA Ermittler Tom Babylon wacht in einem Londoner Krankenhaus auf und kann sich nicht daran erinnern, was er in London wollte. Man hat ihn verletzt in einem Müllcontainer gefunden, ohne Kleidung ...

Der ehemalige LKA Ermittler Tom Babylon wacht in einem Londoner Krankenhaus auf und kann sich nicht daran erinnern, was er in London wollte. Man hat ihn verletzt in einem Müllcontainer gefunden, ohne Kleidung und Papiere. Tom bittet die behandelnde Ärztin Dr. Harris um Hilfe und erfährt, dass er selbst beim LKA gekündigt hat, seine Frau ihn verlassen hat und sein Vater bei einem Unfall in der U-Bahn in Berlin verstarb. Tom versucht sein Leben wieder zurück zu gewinnen und flieht aus dem Krankenhaus. Neben seiner Kleidung findet er auch ein Foto, auf dem seine seit 23 Jahren verschwundene Schwester Viola als erwachsene Frau mit einem Mädchen zu sehen ist. Er weiß wieder, dass er dicht auf der Spur ist, sie endlich zu finden. Seine ehemaligen Kollegen haben die Suche als Spleen abgetan, nur Dr. Sita Johann glaubt ihm. Sie will helfen und fährt zur Vernehmung des Mannes, der einst Tom förderte und seit größter Widersacher wurde, in die forensische Klinik Tauenstein. Das Gespräch mit Walter Bruckmann endet mit der Festsetzung Sitas in der Klinik. Sie muss einen Weg finden, aus der geschlossene Psychiatrie zu flüchten.
Abwechselnd und in verschiedenen Zeitebenen wird über Sitas und Toms Suche nach dem Verbleib Violas geschrieben. Sehr spannend und mit immer neuen Verwicklungen folgt man den Beiden. Es ist bestimmt von Vorteil, die Vorgängerromane zu kennen, doch auch ohne diese gelesen zu haben kann man dem Geschehen problemlos folgen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2022

das Sylt der Einheimischen

Diese eine Liebe wird nie zu Ende gehn
0

Im zweiten Band über ihr Leben auf der Nordseeinsel Sylt beschreibt Susanne Matthiessen über ihre Jugend in den 80er Jahren. Wie man als Teenager lebt, die Probleme mit den Eltern, die Musik, die die ältere ...

Im zweiten Band über ihr Leben auf der Nordseeinsel Sylt beschreibt Susanne Matthiessen über ihre Jugend in den 80er Jahren. Wie man als Teenager lebt, die Probleme mit den Eltern, die Musik, die die ältere Generation nicht versteht, sind Geschichten, die überall spielen könnten. Und doch ist das Leben auf Sylt einzigartig. Die wenigsten Eltern haben Zeit, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern. Sie sind in irgendeiner Art im Tourismus beschäftigt oder, wie Susannes Eltern, Inhaber eines exklusiven Pelzgeschäftes. Die Insel soll zum neuen Mallorca ausgebaut werden, es wird gebaut, gekauft, gewerkelt, was das Zeug hält. So manch ein Einheimischer wird durch Landverkauf extrem reich. Die Nachwuchsgeneration soll es mal besser haben, fast alle werden zum Studium aufs Festland geschickt. Viele kommen nicht mehr zurück und andere möchten gerne weg, können es aber nicht. Den Umgang mit dem Daueransturm der Touristen muss man lernen, genauso wie das Zurückstecken der eigenen Bedürfnisse. Sturmfluten haben schon immer für Verheerung gesorgt, in den 80ern war es besonders schlimm.
Viele kleine Anekdoten über die Liebe und das Leben, über Sylter Geschichte und Geschichten werden im Rückblick erzählt. Der Roman beginnt und endet in der Jetztzeit, mit den Problemen, die Corona und der Lockdown gebracht hat und bringt, über Energieversorgung und Klimaveränderung und über das Älterwerden. Der Beginn ist etwas holprig, es dauert, bis man die Personen zuordnen kann und die Handlung flüssig zu lesen ist. Humorvoll und nicht nur für Syltkenner interessant.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2022

deutsch-französische Freundschaft

Kaiserstuhl
0

Im Jahr 1962 sind die Schrecken des 2. Weltkrieges so langsam verwunden. Für ein gutes Miteinander beschließen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle die Gründung einer deutsch-französischen Freundschaft. ...

Im Jahr 1962 sind die Schrecken des 2. Weltkrieges so langsam verwunden. Für ein gutes Miteinander beschließen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle die Gründung einer deutsch-französischen Freundschaft. Besonders die Jugend soll damit angesprochen werden. Zur Unterzeichnung des Vertrages soll ein ganz besonderer Champagner gereicht werden, ein Vossinger von 1937 der damals von der Gestapo für Hitlers Weinlager aus der Champagne abtransportiert wurde. Eine dieser Flaschen soll Paul Duringer, gebürtiger Elsässer, besorgen. Viele Jahre zuvor wollte er die Freiburg Weinhändlerin Henny heiraten, doch dazu kam es nicht. In Hennys Besitz befindet sich die Flasche, doch bevor er sie an sich nehmen kann, ist sie verschwunden. Es gibt einige Menschen, die ein Interesse daran haben. Neben Kasper, Hennys Ziehsohn, sind Dobler und Rohl, beide im Weingeschäft tätig und beide mit einer Nazivergangenheit versehen, stark hinter genau dieser Flasche her. Warum interessieren sich plötzlich so viele an einer Champagnerflasche, die höchstwahrscheinlich noch nicht mal trinkbar ist? Für Henny ist es eine Aufarbeitung mit ihrer eigenen Vergangenheit, ihrem Verrat während des Krieges und ihrem Verrat an Paul.
Die geschichtlichen Hintergründe sind gut recherchiert und stimmig in die fiktive Geschichte um Henny und Paul verwoben. Gerade, weil nicht alles am Ende gelöst wurde, hat man auch nach dem letzten Satz die Geschichte weiterhin im Kopf und kann sie für sich selbst weiter erzählen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2022

Wunsch nach Glück und Liebe

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
0

Michael Hartung möchte ein ruhiges, bescheidenes Leben führen, mit seinem Freund Bernd Bier trinken und alte Filme gucken. Nach vielen beruflichen Fehlschlägen ist er nun, im Jahr 2019, Inhaber einer Videothek. ...

Michael Hartung möchte ein ruhiges, bescheidenes Leben führen, mit seinem Freund Bernd Bier trinken und alte Filme gucken. Nach vielen beruflichen Fehlschlägen ist er nun, im Jahr 2019, Inhaber einer Videothek. Wie nicht anders zu erwarten, steht er vor der Insolvenz. Gerade zu diesem Zeitpunkt hat der erfolglose Journalist Alexander Landmann die Hintergründe einer Flucht vor über 30 Jahren aus Ostberlin ausfindig gemacht. In einem Zug vom Bahnhof Friedrichstraße gelangten über 100 Menschen aus dem Osten die Flucht in den Westen Berlins. Und Michael Hartung war der Eisenbahner, der die Weiche gestellt hat. Michael selbst weiß, dass war nur seiner Stümperhaftigkeit zu verdanken, es war keine geplante Aktion und fast alle aus versehen Geflüchtete kehrten wieder in die DDR zurück. Für die Presse war es nun ein gefundenes Fressen. Und für Michael gab es Geld und Ruhm, seine Tochter meldete sich wieder bei ihm. Und er traf auf Paula, die als Kind im Zug saß und in die er sich verliebte. Dafür konnte man schon ein wenig lügen. Irgendwann wird die Geschichte schon vergessen werden. Doch dem war nicht so, immer mehr anfragen kamen, ein Buch, ein Film und dann sogar eine Rede vor dem Bundestag sollten folgen. Wie konnte er nur aus dieser falschen Geschichte wieder herauskommen?
Sehr lebensnah und mit einem sehr guten Schreibstil versehen erleben wir die Geschichte eines ganz normalen Mannes, der zum Helden stilisiert wird. Seine Ängste und Untersicherheit, sein Wunsch nach Glück und Bestätigung, seine Tochter endlich richtig kennenzulernen und die Liebe seines Lebens zu behalten. Die Unterschiede in der Sichtweise der Menschen aus Ost und West, das Zuhören können, sind ein großes Thema in diesem fiktiven Roman. Trotz, oder gerade wegen, aller Gegensätzlichkeiten gut zusammen zu leben werden hier zur Sprache gebracht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere