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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.12.2017

wunderschön und tief traurig zugleich

Als die Träume in den Himmel stiegen
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„Ich habe nicht übrig für Krieg oder Krieger, für jene, die alles zerstören, was gut, was richtig ist. Und dennoch würde ich kämpfen bis zum Tod, um jene zu beschützen, die ich liebe. Vielleicht ist es ...

„Ich habe nicht übrig für Krieg oder Krieger, für jene, die alles zerstören, was gut, was richtig ist. Und dennoch würde ich kämpfen bis zum Tod, um jene zu beschützen, die ich liebe. Vielleicht ist es doch nicht so anders.“ S. 73

Samar hat in jungen Jahren schon mehr erlebt als was ein Mensch in seinem gesamten Leben ertragen kann. Aus ihrem geliebten gelben Haus in Kabul mit dem zartblühenden Mandelbaum muss sie eines Tages fliehen, als der Belagerungszustand in der Stadt untragbar wird. Gemeinsam mit ihrer Familie flieht sie in ein Dorf in den Bergen, in dem ihr Baba geboren ist. Doch auch dort werden sie nicht vom Taliban Regime verschont und für Samar und ihre Familie beginnt ein eiserner Kampf ums eigene Überleben und das ihrer Träume..

„Als die Träume in den Himmel stiegen" (englisches Original: Under the almond tree) ist der Debütroman von Laura McVeigh. Sehr gut recherchiert und wunderbar erzählt erobert Samar mit all ihren Wünschen und Träumen das Herz des Lesers. Die Hauptthematik des Buches befasst sich mit dem Leben in Afghanistan zur Zeit der Taliban und deren Regeln und Lehren. Laura McVeigh geht ungeschönt mit diesem Thema um und erschafft somit einen fiktiven Roman, dem man aber sofort abnimmt, das er auch im realen Leben so stattfinden könnte.

Das Cover mag im ersten Moment nicht ganz zu der Thematik des Buches passen, dies klärt sich aber im weiteren Verlauf der Handlung. Ein dramatischeres Cover hätte wohl die Handlung besser getroffen, aber Samar ist ein Kind und es passt besser zu einem kindlichen Geist, der an die Träume glaubt und dessen Phantasie Berge versetzen kann und der Geist alles Mögliche zu Erschaffen befähigt ist. Das Buch selbst besteht aus 352 Seiten, welche nicht immer komplett bedruckt und in doppelten Zeilenabstand geschrieben sind. Letzterer lässt das Buch zwar dicker werden, aber es nimmt etwas den Druck aus dem Lesen des Buches.

Die Charaktere des Buches werden in den ersten Kapiteln wunderbar beschrieben, so dass man sich sofort ein Bild über die Familienmitglieder machen kann. Aufgrund des Alters von Samar liest sich das Buch oft wie Tagebucheinträge, dadurch gewinnt es aber eine sehr persönliche Note und man ist als Leser sofort tief in der Gefühlswelt von Samar verankert. Die Erzählungen wechseln zwischen ihrer aktuellen Situation und der Vergangenheit. Diese Zeitsprünge wirken aber keineswegs störend, vielmehr hinterlassen sie den Eindruck, als würde man in ihre Gedanken eintauchen. Nach und nach erfährt man als Leser mehr über Samar, ihre Vergangenheit, ihre Familie und ihr eigentliches Ziel der Flucht. Laura McVeigh hat es meiner Meinung nach hervorragend geschafft einen Spannungsbogen aufzubauen mit Wendungen in den Geschehnissen, die unerwartet sind und mich beständig gefesselt haben. Das Ende mag für manche nicht vollkommen sein, für mich passt es aber perfekt in die Erzählweise und auf den Charakter von Samar.

Für mich war „Als die Träume in den Himmel stiegen“ ein wirklich sehr gut geschriebenes, ehrliches und auch trauriges Buch. Doch es macht auch Mut nie aufzugeben, auch wenn lange schon keine Drachen mehr am Himmel zu sehen sind.

Veröffentlicht am 11.12.2017

etwas anders, als erwartet, aber gut

Die Sehnsucht des Vorlesers
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„Anders als man denkt, ist nämlich nichts auf der Welt unveränderlich.“ Guylain

Guylain Vignolles arbeitet in einer Druckerei. Das erzählt er zumindest immer seiner Mutter. In Wahrheit jedoch arbeitet ...

„Anders als man denkt, ist nämlich nichts auf der Welt unveränderlich.“ Guylain

Guylain Vignolles arbeitet in einer Druckerei. Das erzählt er zumindest immer seiner Mutter. In Wahrheit jedoch arbeitet er nicht am Aufbau neuer Bücher, sondern an deren Zerstörung. Fünf Tage die Woche betätigt er die Hebel der bücherfressenden Maschine, so dass die Überreste der Bücher nur noch einen grauen Brei bilden. Doch ein paar Seiten überleben dieses Gemetzel und erhalten von Guylain am Folgetag ihren großen Auftritt auf der Bühne des 6:27 Zuges nach Paris. Als Guylain eines Morgens einen USB Stick findet, öffnet er ihn mit dem Willen ihn seinem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Doch das, was er auf dem Stick findet, verändert sein Leben und seine große Suche beginnt…

„Die Sehnsucht des Vorlesers“ ist das Romandebüt von Jean-Paul Didierlaurent, der hauptberuflich im Kundencenter eines Telekommunikationsunternehmens arbeitet. Schon seine Kurzgeschichten verzauberten seine Leser und der Roman schaffte es sogar bis ins Kino.

Die Geschichte um Guylain und dessen alltäglicher Kampf mit seiner ungeliebten Arbeit lässt einen an die eigenen zur Gewohnheit gewordenen Gänge und den täglichen Einheitsbrei erinnern, um den man meist nicht herumkommt. Die Erzählweise ist einfach gehalten, aber keineswegs platt. Vielmehr ist es eine nachdenkliche Stimme, die sich mit dem Alltagsgeplänkel abmüht und es dennoch schafft den Leser zu faszinieren. Das Buch enthält keine großen Spannungskurven, es zieht leicht dahin, und vieles wiederholt sich. Aber ist so nicht der Alltag? Gerade dadurch erhält der Leser den Einblick in die vielen kleinen Dinge, die vielleicht alltäglich wirken, aber für andere Menschen eine große Bedeutung haben. So auch Guylains allmorgendliche Erzählungen im Zug.

Die Seiten, die Er im Zug vorliest, sind im Buch farblich verändert und weisen hier und da Falten und Flecken auf. Dies verleiht ihnen Authentizität, als wären sie tatsächlich einmal verdaut und gewaschen worden. Auch die Seiten vom USB Stick wurden in der Optik einer Word Datei abgedruckt, was den beim Lesen den Eindruck erweckt, man würde sich selbst in den Händen halten.

Die Stimme, die der Autor Guylain gibt, mag keine große und Imposante sein, aber sie ist magisch und lässt einen die gewöhnlichen Dinge des Alltags schöner erscheinen.

Veröffentlicht am 11.12.2017

wunderschönen Natur und Geschichte

Für einen Sommer und immer
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„Mag dieser wunderbare Mann mir auch nur ein paar Tage gehören – in diesen paar Tagen gehört er mir offensichtlich ganz.“ S. 166

Annika ist eine durch und durch toughe Frau. In der Karriere, im Leben, ...

„Mag dieser wunderbare Mann mir auch nur ein paar Tage gehören – in diesen paar Tagen gehört er mir offensichtlich ganz.“ S. 166

Annika ist eine durch und durch toughe Frau. In der Karriere, im Leben, im Bett. Keine ungeplante Gefühlsregung entkommt ihr. Weder lästige Pressekonferenzen noch sich verzehrende Verehrer können ihren Panzer durchdringen. Doch als sie eines Tages aufgrund eines Schicksalsschlages Hals über Kopf aus ihrem durchgeplanten Alltag in die Dolomiten flüchtet, ahnt sie nicht welche Tragweite dies hat. Statt in den Bergen Ruhe und Abstand zu gewinnen, nagt der Selbstzweifel über ihr bisheriges Leben an ihr. Als sie den Bergführer Samuel kennenlernt, erlebt sie durch ihn nicht nur die Natur um sie herum viel deutlicher, sondern erkennt auch was es heißt sich selbst zu lieben.

Mit „Ein letzter Sommer und für immer“ hat Julie Leuze einen wunderbaren Roman über die Fähigkeit sich selbst und andere so zu lieben, wie sie sind, geschaffen. Als Leser wird man mitgenommen auf eine Reise in die Südtiroler Bergwelt und erlebt seine singenden Fichtenwälder und rauschenden Bergbäche genauso intensiv wie Annika. Der Schreibstil ist angenehm leicht zu lesen und nimmt einen sofort für sich ein. Durch die gut recherchierte und detailgetreue Beschreibung der Landschaft entwickelt sich beim Lesen ein wunderbares Bild von den Dolomiten und seinen Bewohnern, wodurch sofort der Wunsch nach einem Spontanurlaub in Südtirol aufkommt.

Annika´s Veränderung im Laufe des Buches macht sie dem Leser nur um so sympathischer. Auch als Leser begibt man sich insgeheim auf eine kleine Reise in sein Inneres, hinterfragt so manche Ereignisse selber. So idyllisch wie das Cover mit seinen Pusteblumen anmutet, ist die Geschichte nicht immer. Die Themen Krankheit, Tod, Selbstzweifel und auch Liebe und Lust werden von der Autorin immer wieder aufgegriffen und in die Geschichte eingewoben. Vor allem der Aspekt, dass alles vergänglich ist im Leben und verpasste Chancen dies auch bleiben, wird deutlich gemacht. Auch hier hat die Autorin viel Hintergrundinformationen vorab gesammelt, was in einer gut strukturierten und harmonischen Geschichte resultiert. Mit der Zeit baut sich eine Vertrautheit zwischen dem Leser und den beiden Charakteren Annika und Samuel auf, so dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag. Natürlich sind manche Passagen etwas vorhersehbar, doch dies stört nicht im Lesefluss.

Alles in allem ist „Ein Sommer und für immer“ ein wunderbarer Roman für tolle Lesestunden im Sommer, die wie im Flug vergehen.

Veröffentlicht am 11.12.2017

Wieder mal genial geschrieben

Blutige Stille
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„Mary Plank hat zweifelslos ein schlechtes Urteilsvermögen bewiesen. Lediglich ihre Jugend und die amische Erziehung sprechen zu ihren Gunsten, denn sie hat nie gelernt sich in der Welt, in die sie sich ...

„Mary Plank hat zweifelslos ein schlechtes Urteilsvermögen bewiesen. Lediglich ihre Jugend und die amische Erziehung sprechen zu ihren Gunsten, denn sie hat nie gelernt sich in der Welt, in die sie sich begeben hatte, mit Vorsicht zu bewegen.“ S 156

Die Schlächtermorde sind noch kein Jahr her, da wird die amische Gemeinde in Painters Mill, Ohio, erneut von Morden heimgesucht. 7 Menschen, eine ganze Familie, wurden in nur einer Nacht ausgelöscht, die Mädchen gefoltert und verstümmelt. Für Chief of Police Kate Burkholder und ihrem Team gibt es so gut wie keine Anhaltspunkte, wer der Mörder ist. Bis Kate das Tagebuch von Mary, dem 14 Jährigen Opfer, findet. Es offenbart Geheimnisse, die jenseits des Glaubens der Amischen sind.

Wieder einmal hat es Linda Castillo geschafft mit ihrem Thriller über die amische Gemeinde in Painters Mill, Ohio, den Leser in den Bann zu ziehen. Sprachlich, wie auch inhaltlich, sehr gut geschrieben, wird man in die Geschichte hineingezogen und begibt sich auf die Suche nach dem Mörder. Wie auch im ersten Teil überzeugt die Autorin mit einer gut strukturierten Handlung und einem Spannungsbogen, der sich bis zuletzt gespannt hält. Einzig manche mehrfachen Wiederholungen bei Erklärungen und Beschreibungen, allen voran der amischen Gemeinde, sind etwas zäh zu lesen. Ein kleines Manko, wie ich finde, ist auch die Übersetzung. Manche gewählten Wörter der Übersetzerin Helga Augustin wirken etwas deplatziert in der Szenerie. Dies wurde im ersten Teil besser umgesetzt. Es sind allerdings nur wenige Passagen, die sich etwas unrund lesen lassen.

Sehr gut gefallen hat mir auch wieder die fortlaufende Erzählung über die Beziehung zwischen Kate und John Tomasetti. Obwohl die einzelnen Bücher in sich geschlossen sind, so empfiehlt es sich doch aufgrund der Weiterentwicklung der Hauptcharaktere sie entsprechend der Reihenfolge zu lesen.

Ebenfalls sehr gelungen sind wieder die Beschreibungen der amischen Kultur und deren Religion. Wer somit schon immer einmal etwas über die amische Gemeinde lesen wollte und zudem ein Fan von gut geschriebene, mitunter etwas blutigen Thrillern ist, der ist bei „Blutige Stille“ sehr gut aufgehoben.

Veröffentlicht am 11.12.2017

ein happy end auch im wahren Leben?

Glück schmeckt nach Popcorn
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„Es gab Filme, da fühlte man sich wie ein Voyeur, so echt wirkten die Freuden oder Qualen der Schauspieler“. S. 86

Martha gehört zu den wenigen Menschen, die es geschafft haben, Hobby und Beruf zu vereinen. ...

„Es gab Filme, da fühlte man sich wie ein Voyeur, so echt wirkten die Freuden oder Qualen der Schauspieler“. S. 86

Martha gehört zu den wenigen Menschen, die es geschafft haben, Hobby und Beruf zu vereinen. Sie betreibt ein allerwürdiges Lichtspielhaus, von denen es kaum noch welche gibt. Die Leute lieben hingegen ihr Kino und das besondere Flair darin. Doch für Martha ist ihr Lichtspielhaus noch viel mehr. Seit ihrer Trennung von Tom ist es für sie zu einem einzigen Rückzugsort geworden. Als nun auch noch ihre beste Freundin Susanna zu ihrem Freund in eine andere Stadt zieht, fühlt sich Martha ganz alleine. Doch dann antwortet der stets gutgelaunte junge Filmstudent Erik auf ihre Jobanzeige und auf einmal wird Martha´s Leben auf den Kopf gestellt.

„Glück schmeckt nach Popcorn“ ist der zweite Roman von Marie Adams und ebenfalls, wie sein Vorgänger „Das Café der guten Wünsche“ ein leichter Roman über das Chaos, das die Liebe so mit sich bringen kann.

Die Protagonistin Martha ist eine junge Frau, die ihren Traum, ein eigenes Lichtspielhaus zu führen, lebt. Nach ein paar Seiten lesen bin ich sofort warm mit ihr geworden, was sich auch über den Rest des Buches nicht geändert hat. Einzig ihr starken Selbstzweifel und ihre doch immer wiederkehrenden Verleugnungen ihrer eigenen Gefühle waren manchmal etwas sehr zäh zum Lesen.
Erik, der gutgelaunte junge Filmstudent, hat eine ansteckende Fröhlichkeit, zu der man wohl kaum nein sagen kann. Manchmal aber war sie etwas zu viel des guten. Aber wohl im Buch eine gelungene Möglichkeit aus Martha ihr selbstbewusstes Ich heraus zu kitzeln.

Auch die anderen Charaktere, allen voran Susanna, sind ihrer jeweiligen Rolle als beste Freundin, oder im Fall von Stefan, als arroganter Filmkritiker, sehr gut gerecht geworden.

Besonders schön zwischendurch fand ich die Filme, die immer wieder einmal vorgestellt wurden. Einige von denen kannte ich nicht, werde ich mir aber sicher mal ansehen. Sie haben zumindest im Buch immer wieder geholfen die Gefühlwelt von Martha besser zu verstehen. Ebenfalls schön waren auch die ausführlichen Beschreibungen, wie es denn in dem Lichtspielhaus aussieht und welche signierten Fotografien an den Wänden hängen. Mitunter kam mir als Leser sogar der Duft von Popcorn in die Nase ?

Zu Beginn mag man meinen, man kenne die Handlung schon und es ist alles recht vorhersehbar, doch im Laufe des Lesens passieren immer wieder mal kleine und große Dinge, mit denen man doch nicht unbedingt gerechnet hat. Auch das Ende finde ich sehr passend, vielleicht ein wenig zu viel Handlung auf zu wenig Seiten. Zudem war der Weg zu Ende etwas unerwartet, was das Setting betrifft.

Alles in allem ist „Glück schmeckt nach Popcorn“ ein netter Roman für Romantiker und Filmfreunde. Manchmal wartet er aber mit ein wenig zu viel "warten auf den Prinzen" und "die große Liebe gibt es nicht" Flair auf.