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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.04.2019

Einfach zum Nachdenken

Wenn man weiß, wo der Verstand ist, hat der Tag Struktur
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Alexander Unzicker versucht in drei Teilen, die treffend „sehen“, „denken“ und „handeln“ heißen, die Leser dazu zu bringen, dem eigenen Verstand zu trauen und ihn auch zu gebrauchen.

In Zeiten der Überreizung ...

Alexander Unzicker versucht in drei Teilen, die treffend „sehen“, „denken“ und „handeln“ heißen, die Leser dazu zu bringen, dem eigenen Verstand zu trauen und ihn auch zu gebrauchen.

In Zeiten der Überreizung der Sinne rät der Autor, sich bewusst dieser Medienflut zu entziehen: Nachrichtenfasten also. Doch auch gezieltes Auswählen der Medien schützt vor Fake-News nur bedingt. Es scheint, als sie es Sinn und Zweck der Medien geworden, die Menschen zu verwirren. Schon Harry S. Truman wird folgender, durchaus passender Satz zugeschrieben: „Wenn du sie nicht überzeugen kannst, verwirr‘ sie.“.

Mit sehr sachlichen, sehr analytischen Beispielen bringt der Autor seine Gedanken seinen Lesern näher. Sehr aufschlussreich sind auch die vielen Zitate, die beinahe auf jeder Seite als „Randbemerkung“ zu finden sind. Es lohnt, die Zitate genauer unter die Lupe zu nehmen und anschließend wieder mit dem Text in Zusammenhang zu bringen.

Unzicker setzt sich auch kritisch mit der Datensammelwut von Regierungen auseinander. „Wissen ist Macht, nichts wissen macht auch nichts“, das war einmal. Heute heißt es „Wissen wird Macht, Macht schafft Daten“ (S.78)

Fazit:

Ein Buch, das auch in Schulen gelesen werden sollte. Gerne gebe ich hier 5 Sterne

Veröffentlicht am 21.04.2019

Revolutionär - Kaiser - Verbannter

Napoleon
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2019 jährt sich die Geburt von Napoleon Bonaparte (15.08.1769-05.05.1821) zum 250. Mal. Daher ist es nicht verwunderlich, dass aus diesem Anlass mehrere Biografien über ihn erscheinen.
Doch ist es möglich, ...

2019 jährt sich die Geburt von Napoleon Bonaparte (15.08.1769-05.05.1821) zum 250. Mal. Daher ist es nicht verwunderlich, dass aus diesem Anlass mehrere Biografien über ihn erscheinen.
Doch ist es möglich, nach wie vor unbekannte Details aus seinem Leben zu erfahren oder ist nicht ohnehin alles schon erforscht?

In sechs großen Kapiteln wird der Aufstieg und Fall des Revolutionärs auf dem Kaiserthron beschrieben.

Aufschlussreich ist Teil III „Improvisationen“. Hier listet Müchler einige jener Situationen auf, die für Napoleon beinahe ins Auge gingen, weil z.B. die Aufklärung vernachlässigt wurde. 1806 in der Schlacht von Jena und Auerstädt, wird Napoleon beinahe von „friendly fire“ (also den eigenen Truppen unter Feuer genommen wurde S.294). Noch verhängnisvoller, weil er, der große Stratege sich in einer Schlacht mit Hohenlohe verzettelt und dabei übersieht, dass nur wenige Kilometer entfernt Marschall Davout gegen eine preußische Übermacht kämpft. Davout gewinnt eigentlich nur deswegen, weil die Preußen ihre zahlenmäßige Überlegenheit mit Desorganisation verspielen.

Aus den meisten dieser brenzligen Situationen kommt mit Napoleon mit Glück und seiner Improvisationskunst heraus. Viele seiner Getreuen wie Antoine Desaix (1802) und Jean Lannes (1809) fallen.

Allerdings zeigt Müchler auch die grausame Seite Napoleons, die z.B. bei seinem Ägyptenfeldzug deutlich wird, als er Kriegsgefangene und kranke Soldaten der eigenen Armee sich selbst überlässt bzw. umbringen lässt.

Der Autor bemüht sich alle Facetten der schillernden Persönlichkeit zu erfassen. Am Beginn seiner Karriere ist Napoleon ein Revolutionär, zuerst auf Korsika, dann in Frankreich. Er hat das Gespür für die Soldaten und für das Machtvakuum in der Armee. So wie er die Truppen revolutioniert, so geht er auch bei den Eroberungen vor: Zunächst nicht ursächlich als „Landgewinn“, sondern um die herrschenden Dynastien von der Landkarte zu vertreiben und die Gedanken der Republik weiter zutragen. Anfangs sieht er sich und seine Soldaten tatsächlich als Retter der unterdrückten Massen. Doch was daraus wird, ist bekannt: Nahezu 25 Jahre Krieg der ganz Europa, Russland und Nordafrika überzieht und seine Auswirkungen auch in Amerika und Indien hat.

Napoleon ist nicht nur ein Revolutionär, ein überragender General, ein guter Menschenkenner, ein Kaiser von eigenen Gnaden, ein guter Organisator und Verwalter, er ist vielmehr auch ein Getriebener seines eigenen Ehrgeizes. Es ist ihm schon bewusst, dass er niemals den alten Dynastien gleichgestellt werden wird. Da nützt ihm auch die Hochzeit mit Marie Louise, der Tochter des österr. Kaisers Franz II./I. nichts.

Napoleon entscheidet zwar die meisten Schlachten für sich (und die Revolution), den Krieg gewinnt aber die Reaktion.

Günther Müchler ist Journalist und hat daher einen anderen Schreibstil als z.B. Adam Zamoyski.

Gut gefällt mir, dass Müchler die Biografie aus mehreren Blickwinkeln beleuchtet, wenn auch die meisten Quellen aus französischer Feder sind, und daher ein wenig zu Gunsten von Bonaparte aussagen. Hier stellt sich für mich die Frage, ob es zu wenig Material in den russischen oder österreichischen Archiven gibt? Oder, ob sich Napoleons Gegner einfach nicht mit seiner Person außerhalb des Strategen beschäftigen wollten? Oder sind die Quellen, wie z. B. die Memoiren eines Metternich, so gefärbt, so vom Verfasser (eben Metternich) auf die eigene Glorie getrimmt, dass sie wieder nicht aussagekräftig sind?

Fazit:

Eine detaillierte Biografie, die doch das eine oder andere Unbekannte über Napoleon zu Tage fördert. 4 Sterne

Veröffentlicht am 21.04.2019

Regt zum Nachdenken an

Meinungsfreiheit!
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Volker Kitz versucht in diesem Buch der Meinungsfreiheit in Deutschland auf den Grund zu gehen. Einiges lässt sich sinngemäß auch für Österreich abbilden.

Der Autor widmet dieses Buch

3. die 37 Prozent ...

Volker Kitz versucht in diesem Buch der Meinungsfreiheit in Deutschland auf den Grund zu gehen. Einiges lässt sich sinngemäß auch für Österreich abbilden.

Der Autor widmet dieses Buch

3. die 37 Prozent der Menschen, die zuletzt in einer Umfrage der Ansicht waren, sie könnten in Deutschland nicht frei ihre Meinung sagen,
2. die anderen, die im Gegenteil finden, die Meinungsäußerungen seien viel zu laut und viel zu krass geworden, und
1. für alle, die wie ich glauben: Demokratie ist mehr als Rechthaben
Die gestürzte Rangordnung bei der Aufzählung ist gewollt.
Das Buch ist wie eine Gebrauchsanweisung aufgebaut. In zwölf Kapitel stellt er einiges zu Diskussion. Am Ende jedes Abschnitts fasst er in einer Quintessenz das vorher Gesagte zusammen, z.B. nach Kapitel 1:
„Der Demokrat verteidigt Tatsachen gegen Lügen und alternative Fakten, die ganze Wahrheit gegen die halbe. Aber er unterscheidet auch Tatsachen von Meinungen.“

Oder nach Kapitel 9:

„Ein Demokrat kennt die Grenze der Meinungsfreiheit. Und bewacht sie.“

Ein kritischer Blick auf die Medien lohnt sich ebenso, wie die Aufforderung unsere (Meinungs)Freiheit zu verteidigen. Außerdem, ist „Demokratie nicht nur für intelligente Leute gemacht“.
Jede Meinung darf geäußert werden, jede Kritik darf angebracht werden – auch an der Regierung, ohne dass der Kritiker befürchten muss, verhaftet zu werden. Doch diese Freiheit wird derzeit in einigen europäischen Ländern mit Füßen getreten. Sei es, dass Zeitungsberichte (wieder) zensuriert werden oder, dass den Medien die Presseförderung gekürzt wird, oder dass ihnen Informationen vorenthalten werden.

Dem Autor gelingt es perfekt, wichtige Themen auf den Punkt zu bringen. Ohne viel Geschwurbel zeigt er, wie jede Staatsbürgerin, jeder Staatsbürger seinen Teil zum Erhalt der Demokratie beitragen kann.

Fazit:

Ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Gerne gebe ich hier fünf Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 21.04.2019

Leopold Mozart - ein verkanntes Genie?

Leopold Mozart
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Leopold Mozart (1719-1787) kennen die meisten nur als Vater des berühmten Wolfgang Amadeus und dessen Schwester Nannerl. Dabei ist die Person Leopold nicht minder interessant.

In 11 unterschiedlichen ...

Leopold Mozart (1719-1787) kennen die meisten nur als Vater des berühmten Wolfgang Amadeus und dessen Schwester Nannerl. Dabei ist die Person Leopold nicht minder interessant.

In 11 unterschiedlichen Essays versuchen mehrere Autoren sich ihm zu nähern. So wird der 1719 in Augsburg geborene Leopold von verschiedenen Seiten betrachtet. Unter anderem als

• Komponist
• Kirchenmusiker
• Hofmusiker
• Verfasser der „Violin-Schule“
• Erzieher & Pädagoge
• Briefschreiber
• Belesener Komponist – komponierender Leser
• Unternehmer & Manager

Sehr interessant, weil außerhalb des Musikbusiness nicht so geläufig, ist Leopold als Verfasser der „Violin-Schule“ nach der abertausende Schüler Violine spielen lernten. Mit Lizenzgebühren für dieses Standardwerk, das in viele Sprachen übersetzt wurde, hätte Mozart wohl ausgesorgt gehabt, wenn es das Urheberrecht damals schon gegeben hätte. So kann jeder Verleger/Buchdrucker das Buch kopieren („abkupfern“) ohne, dass Leopold Mozart jemals Geld dafür gesehen hat.

Leopold Mozart ist auch ein reger Briefschreiber. Im anschließenden Katalog sind viele Originale abgebildet.

Spannend sind die Ausführungen zu den diversen Konzertreisen und Mozarts Geschick als Manager. Wenn man die Beschwerlichkeit der Reisen mit der (Post)Kutsche bedenkt, das Absteigen in verwanzten und unsauberen Gasthöfen und das alles vorab auf eigene Kosten, so ist dieser logistischen Meisterleistung Tribut zu zollen.

Ein interessanter Abschluss ist noch der Pressespiegel, in dem zeitgenössische Zeitungen zu Wort kommen.

Fazit:

Ein aufschlussreiches Buch über Leopold Mozart, der mehr war, als nur der Vater von Wolfgang Amadeus und Nannerl. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 21.04.2019

Auf den Spuren eines Flusses

Die Traun
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Dieses Buch nimmt uns auf eine ungewöhnliche Reise mit: Wir folgen dem Lauf der Traun durch die Steiermark und Oberösterreich (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Fluss in Bayern).

Ausgehend von ...

Dieses Buch nimmt uns auf eine ungewöhnliche Reise mit: Wir folgen dem Lauf der Traun durch die Steiermark und Oberösterreich (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Fluss in Bayern).

Ausgehend von ihrem Ursprung im Ausseer Land (Steiermark) legt die Traun rund 153km zurück bis sie bei Linz in die Donau mündet. Auf ihrem Weg durchfließt sie bekannte Orte wie Hallstatt, Bad Ischl, Ebensee, Gmunden, Stadl-Paura, Lambach oder Wels.

Diese Orte sind einerseits durch ihre Frühgeschichte (Hallstatt) oder durch die k. und k. Monarchie (Bad Ischl) oder ihre barocken Gebäude (Stdadl-Paura, Lambach) oder ihre unrühmliche Rolle in der NS-Zeit (Ebensee, Toplitzsee) bekannt. Weniger geläufig ist den meisten wohl die Schlacht von Ebelsberg vom Mai 1809, als während der Napoleonischen Kriege französische Truppen sich mit den österreichischen einen erbitterten Kampf um die Brücke über die Traun lieferten, die mehrere Tausend Tote auf beiden Seiten forderte.

Wunderschöne Fotos ergänzen die informativen Texte. So sehen wir Abbildungen von Schlösser (Schloss Orth) und Burgen. Einen kleinen Seitenblick können wir auf den Besitz der Welfen werfen, die nach wie vor in Gmunden einen Wohnsitz haben.

Fazit:

Ein traumhaftes Buch, das Lust macht, die beschriebenen Ort in Natura zu sehen. Ein heißer Tipp sowohl für den Sommer- als auch den Winterurlaub. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.