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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.10.2018

BUrgenland kulinarisch

Sautanz
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Dieses Kochbuch entführt uns in das Burgenland, wo der „Sautanz“ eine lange Tradition hat. Die bäuerliche Feldarbeit ist erledigt und die kalten Temperaturen garantieren eine längere Haltbarkeit der Lebensmittel.
Spitzenkoch ...

Dieses Kochbuch entführt uns in das Burgenland, wo der „Sautanz“ eine lange Tradition hat. Die bäuerliche Feldarbeit ist erledigt und die kalten Temperaturen garantieren eine längere Haltbarkeit der Lebensmittel.
Spitzenkoch und Autor Max Stiegl nimmt uns auf einen Sautanz in den Winzerort Purbach der Gegenwart mit, wo eine begrenzte Haltbarkeit des Fleisches ob der Kühltruhen keine Rolle mehr spielt. Hier dominiert die Freude, nachhaltige Lebensmittel zu verarbeiten.
Meist unter Mithilfe der Nachbarschaft wird das Schwein geschlachtet, da es ziemlich aufwändig ist, alle Teile der Sau zu verwerten. Und, kein Teil wird verschwendet!
Dass heikle Waschen der Därme wird den kundigen Händen der Frau Rüssel überlassen, die diese Kunst wie keine Zweite beherrscht.
Wer kennt noch geschmorte Schweinsbackerl? Viele der aufgezeichneten Rezepte sind heutzutage schon als rare Delikatesse zu bezeichnen. Selbst wenn das Fleisch den heutigen Ernährungsgewohnheit, in denen alles fettlos sein soll nicht entspricht, schmeckt ein Schweinsbraten, aus einem langsam gemästeten und freilaufenden Mangalitza-Schwein, einfach himmlisch. Fett ist und bleibt ein Geschmacksträger.
Die vielfältigen Zubereitungsarten der einzelnen Schweineteile werden durch wunderschöne Fotos großartig in Szene gesetzt. Hier läuft einem sprichwörtlich das Wasser im Mund zusammen.

Fazit:

Ein Kochbuch für Traditionsbewusste, dem ich gerne 5 Hauben gebe. Auch als Geschenk eine gute Wahl.

Veröffentlicht am 27.10.2018

AUf Spurensuche einer vertriebenen Welt

Jüdisches Burgenland
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Das Autoren-Duo Christof Habres und Elisabeth Reis hat sich auf Spurensuche in das jüdische Burgenland bzw. in das was das Nazi-Regime von einer prosperierenden Gesellschaft übriggelassen hat, begeben. ...

Das Autoren-Duo Christof Habres und Elisabeth Reis hat sich auf Spurensuche in das jüdische Burgenland bzw. in das was das Nazi-Regime von einer prosperierenden Gesellschaft übriggelassen hat, begeben.

Es ist nicht verwunderlich, dass kaum etwas davon zu sehen ist. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind die wenigsten Vertriebenen in ihre Dörfer und Städte zurückgekehrt, denn diejenigen, die ihre Enteignung betrieben haben, sind nach wie vor in politischen Funktionen.

Jüdische Einrichtungen wie Synagogen sind zerstört und scheinbar hat niemand großes Interesse die wenigen vorhandenen Baudenkmäler zu restaurieren.
Jüdische Friedhöfe, soweit sie nicht zerstört worden sind, sind häufig weder in Stadtplänen oder Tourismusführern erwähnt. Es ist oft nur der Initiative Einzelner zu verdanken, dass diese Friedhöfe nicht ganz dem Vergessen anheimfallen.

Eine Ausnahme ist der Kreuzstadl von Rechnitz, der durch die Initiative RE.F.U.G.I.U.S zu einem Mahnmal an das Massaker an 180 Juden und gleichzeitig ein Symbol der überregionalen Gedenkkultur geworden ist. (Näheres sieh auch www.refugius.at)

Fazit:

Ein etwas anderer Reiseführer durch das Burgenland. Gerne gebe ich dafür 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.10.2018

Hat mich nicht vollends überzeugt

Die Natur und ihr Recht
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„Menschliches Leben ist nur in Solidarität mit der Natur möglich.“(S. 121)

Diesen Satz werden wohl die meisten von uns unterschreiben. Doch warum handeln wir Menschen nicht danach? Ist uns die eigene ...

„Menschliches Leben ist nur in Solidarität mit der Natur möglich.“(S. 121)

Diesen Satz werden wohl die meisten von uns unterschreiben. Doch warum handeln wir Menschen nicht danach? Ist uns die eigene Bequemlichkeit lieber als der Schutz der Natur? Oder ist der einzelne geneigt, Umweltschutz „den Anderen“ zu überlassen?

Der überwiegende Teil des Buches handelt von und in den USA, die in Sachen Umweltschutz (vor allem unter der aktuellen Regierung) wenig am Hut haben. Doch auch Indien, mit dem dreckigsten aller Flüsse, dem Ganges, wird erwähnt. Einige Länder haben Umweltschutz in der Verfassung verankert, andere nicht.

Der Mittelteil des Buches lässt den nicht juristisch interessierten Leser gelangweilt die Seiten überblättern. Protokolle über langwierige Gerichtsverfahren zu lesen ist leider nicht jedermanns Sache. Dies ist allerdings der Profession des Autors geschuldet, der Umweltexperte und Professor der Rechtswissenschaften an der University of British Columbia ist. Er berät Regierungen wie z.B. von Kanada und Schweden in Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen. David Boyd lebt auf Pender Island in British Columbia.

Fazit:

Ein interessantes Buch, doch wegen des juristisch-lastigen Mittelteils kann ich nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 24.10.2018

Auf zum letzten Halali

Die letzte Pirsch
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Die letzte Pirsch-3/Alexandra Bleyer/5 Sterne


Auch mit ihrem dritten Jägerkrimi erfreut Alexandra Bleyer ihre Fans mit einer skurrilen Episode aus dem, an kauzigen Figuren reichen, Mölltal.

Aufsichtsjäger ...

Die letzte Pirsch-3/Alexandra Bleyer/5 Sterne


Auch mit ihrem dritten Jägerkrimi erfreut Alexandra Bleyer ihre Fans mit einer skurrilen Episode aus dem, an kauzigen Figuren reichen, Mölltal.

Aufsichtsjäger Sepp Flattacher hat gleich mehrere Sorgen. Zum einem gockelt der Paragraphenreiter Dr. Haribert Maierbrugger um „seine“ Irmi herum und zum anderen versucht jemand das Wild verbotener Weise mit Apfeltrestern anzulocken, um gemütlich zu einem kapitalen Bock zu kommen.

Den Selbstmord von Gerfried Ragger kommentiert der grade Michl mit der Bemerkung: „So ein Depp. Das ist doch völlig fia de Fisch. Wer bringt sich denn in dem Alter noch um? Das rentiert sich doch gar nimma!“.

Anders natürlich Polizist Martin Schober, der sich an einen Anruf Gerfried Raggers vor ein paar Tagen erinnert, bei dem Gerfried von Einbrechern und Drohungen gefaselt hat. Ob seines Alters von 84 Jahren hat die Polizei das allerdings als „spinnertes Gefasel“ eines dementen Greises abgetan.

Martin beginnt also seine Nase in die Angelegenheiten der Raggers zu stecken und entdeckt ein paar unschöne Familiengeheimnisse.

Meine Meinung:

Wie immer sind Alexandra Bleyers Jägerkrimis voll von Situationskomik und skurrilen Extravaganzen.

Diesmal allerdings klingen auch ein paar ernste Töne mit: Was tun mit der immer größer werdenden Schar an dementen Personen, die das vorgestern vom heute nicht mehr unterscheiden können? Oder der langen Tradition der Bauern, dass ausschließlich Söhne die Wirtschaft erben können? Unverheiratete Frauen gehen üblicherweise leer aus und sind gerade noch geduldet am Hof. Dass ein Bauernhof nicht unter den, oft zahlreichen Kindern aufgeteilt werden, hat natürlich wirtschaftliche Gründe. Viele kleine Bauernhöfe wären nicht lebensfähig, ein großer schon.

Doch allzu lange brauchen wir nicht im Trübsal blasen versinken. Dafür sorgen schon der Postenkommandant Treichel, der nach wie vor mit Fremdwörtern auf Kriegsfuß steht, aber seine Leute zu einem „anlein-Kurs“ zum Umgang mit demenzkranken Kunden vergattert.

Herrlich auch den Flattacher beim Einkaufen zu begleiten, wo er sich über einen Kunden aufregt, der jeweils 3 Deka Wurst von mehreren Sorten kauft. Sepp ordert dann jeweils 5 Deka – ein Großeinkauf, oder?

Auch ein passionierter Aufsichtsjäger hat so seine Probleme mit dem Zielen und, anstatt die Ursache bei sich zu suchen, bring er seine Ferlacher Büchse beinahe ungesehen zum WaffenDoc.

Genial auch die Fortsetzung der nachbarschaftlichen Beziehungen zu Heinrich Belten, der das Packerl vom Sepp vor der Haustüre für eine Bombe hält.

Die leidige Sache mit dem Ankirren des Wildes lösen Irmi und Sepp gemeinsam. Das war die letzte Pirsch im Mölltal für den Paragraphenheini.

Alexandra Bleyers Schreibstil ist einfach grandios! Ständig entstehen bunte Bilder im Kopf, wie beim Erwähnen der Rotzbremse, die jetzt vielleicht nicht ganz so appetitlich ist wie das von Chief Treichel avisierte Backhendlessen.

Als halbe Kärntnerin bin ich mit dem Dialekt wohl vertraut, doch auch ich habe ein neues Wort gelernt: „Tschurehane“ = langsam arbeitender Mann. Alle anderen Leser finden ein ausführliches Wörterbuch im Anhang.

Gerne habe ich vom „KunstRaum“ und der „GrillKunst“ in Obervellach gelesen. Solche regionalen Besonderheiten mag ich besonders gerne.

Fazit:

Die skurrile Schar aus dem Mölltal ist mir ans Herz gewachsen (naja fast alle). Ich freue mich auf ein Wiederlesen. Die 5 Sterne sind dem Flattacher fix.




Veröffentlicht am 24.10.2018

Ein Kunst-Krimi rund um Egon Schieles Werke

Alles ist lebend tot
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Alles ist lebend tot/Natalie Mesensky/5 Sterne

Dieser etwas sperrige Titel ist ein Zitat von Egon Schiele, der nicht nur 1918 (also vor 100 Jahren) an der Spanischen Grippe starb, sondern ein damals umstrittener ...

Alles ist lebend tot/Natalie Mesensky/5 Sterne

Dieser etwas sperrige Titel ist ein Zitat von Egon Schiele, der nicht nur 1918 (also vor 100 Jahren) an der Spanischen Grippe starb, sondern ein damals umstrittener Sohn der Kleinstadt Tull war, in der dieser Krimi spielt.

Barbara Aubert hat ihre Softwarefirma verkauft und erfüllt sich mit dem Verkaufserlös einen langgehegten Wunsch: Sie investiert das Geld in eine Villa und Gärtnerei in Tulln. Doch die kleinstädtische Idylle bekommt bald ihre Risse als bei ihren Nachbarn eingebrochen wird und der Kunstexperte Prof. Hickel einem Raubmord zum Opfer fällt. Gestohlen wird ein Bild von Egon Schiele.

Die verschworenen Tullner tratschen über Barbara und ihre restaurierte Villa, die vor 1938 in Besitz der Familie Stadler war. Ein Restitutionsfall?
Auch ihre Geschäftspartnerin Leonie verfügt sofort über Informationen aus der Stadt. Nebenbei ist sie über Barbaras Anwesenheit in Tulln und im Geschäft nicht sehr glücklich.
Als dann weitere Morde geschehen, die einen möglichen Zusammenhang mit dem örtlichen Museum zu haben scheinen, wird Barbara hellhörig. Was hat die ermordete Mitarbeiterin des Finanzamtes mit Leonie zu schaffen?

Was hat es mit Prof. Urban auf sich, der in seinem Salon eigentlich nur Männer und die Finanzbeamtin bewirtet? Plötzlich wird auch Barbara in diesen erlauchten Kreis aufgenommen.

Meine Meinung:

Natalie Mesensky hat um den Tullner Maler Egon Schiel einen atmosphärisch dichten Krimi gewoben. Nichts wird dem Zufall überlassen, nichts ist so wie es scheint. Mehrmals werden die Leser in die Irre geführt.

Wir begegnen einigen Figuren aus den beiden anderen Krimis („Im Namen der Venus“ bzw. „Der Teufel im Glas“). Da sind zuerst einmal Freundin und Archäologin Ines (mit dem Vater im Innenministerium) und Oberst Paul Kandler zu nennen. Paul wird mit den Ermittlungen betraut, nachdem die erste Tote die Frau des örtlichen Polizeichefs ist und der naturgemäß ebenfalls verdächtig ist.

Sehr elegant ist die Lebensgeschichte von Egon Schiele in den Krimi eingeflossen, der im Bahnhofsgebäude von Tulln zur Welt gekommen ist.

Das farbenfrohe Cover zeigt einen Ausschnitt aus Schieles Gemälde „Fuchsienzweige“ oder „Sonnenbaum“.

Fazit:

Mir hat dieser Krimi sehr gut gefallen, zeigt er doch deutlich Gier und menschliche Abgründe auf. Gerne gebe ich 5 Sterne.