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Venatrix

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Veröffentlicht am 18.02.2018

Toller Auftakt einer neuen Krimiserie

Bretonische Verhältnisse
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Inhalt:

Dieser Krimi ist der Auftakt zu einer spannenden, jedoch weitgehend unblutigen Krimiserie rund um Commissaire Georges Dupin. Schauplatz ist die Bretagne, genauer gesagt das Finistère und die Gegend ...

Inhalt:

Dieser Krimi ist der Auftakt zu einer spannenden, jedoch weitgehend unblutigen Krimiserie rund um Commissaire Georges Dupin. Schauplatz ist die Bretagne, genauer gesagt das Finistère und die Gegend rund um Pont-Aven.

Der einundneunzigjährige Hotelier Pierre-Louis Pennec wird in seinem Hotel ermordet aufgefunden.

Dupin, vor einigen Jahren aus Paris in die Bretagne strafversetzt, nimmt die Ermittlungen auf. Im Zuge der Befragungen verdichtet sich der Kreis der Verdächtigen auf folgende Personen: Francine Lajoux, Fragan Delon, Frédéric Beauvois sowie Pierres Sohn Loïc, dessen Frau Catherine und seinen Halbbruder André Pennec.
Besonders Sohn Loic erscheint verdächtig, da das Vater-Sohn-Verhältnis schon ein wenig getrübt ist. Als Loic selbst tot aufgefunden wird, ist alles wieder offen.

Über das Motiv herrscht anfangs Unklarheit. Erst als Dupin bei einer weiteren Tatortbegehung entdeckt, dass die Klimaanlage für Reproduktionen von Gaugins Bildern überdimensioniert erscheint, beginnt sich der Nebel zu lichten.

Dupin zieht die Kunstexpertin Marie Cassel, die eine Entdeckung macht, für die es sich zu morden lohnt.

Erzählstil/Spannung/Charaktere:

Bannalec hat einen wunderbaren Erzählstil. Er beschreibt Land und Leute ohne Schnörkel, kein Buchstabe ist zu wenig oder zuviel. Wir erfahren eine Menge über die Bretagne, lernen einige Gericht kennen, die Hunger auf mehr machen. Man kann förmlich die Seeluft schnuppern und den Fischern bei der Arbeit zusehen. Der Autor gönnt uns einen Blick auf die künstlerische Vergangenheit der Gegend, die durch Paul Gaugin recht bekannt ist.

Der Spannungsbogen ist schön aufgebaut und es kommt kaum Langeweile beim Lesen auf. Die Methoden der Kunstexpertin, Kopien und/oder Fälschungen zu entlarven sind interessant geschildert.

Hervorstechender Charaktere sind der Kommissar und das Mordopfer. Beide ziemlich dickköpfig sind sie sich in vielen Dingen ziemlich ähnlich.
Über Dupin erfahren wir, dass er ein Problem mit der Obrigkeit hat und dies auch offen sagt, was ihm, den eingefleischten Pariser, die Strafversetzung in die raue Bretagne eingebracht hat. Doch auch hier – was sollte ihm noch passieren? – legt er sich mit den (dörflichen) Autoritäten an und lässt sich nicht vor deren Karren spannen.

Fazit:

Ein gelungener Auftakt einer neuen Krimi-Reihe, die ich gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Eine verschwundene Leiche

Bretonischer Stolz
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Dieser, nunmehr vierte Fall für Georges Dupin beginnt mit einer verschwundenen Leiche. Außer Dupin glaubt niemand so recht der betagten Mme. Bandol. Doch dann wird ein wirklicher Toter gefunden, Kadeg ...

Dieser, nunmehr vierte Fall für Georges Dupin beginnt mit einer verschwundenen Leiche. Außer Dupin glaubt niemand so recht der betagten Mme. Bandol. Doch dann wird ein wirklicher Toter gefunden, Kadeg jagt Sandräubern nach und Dupin hat alle Hände voll zu tun, die richtige Fährte aufzunehmen.


Es gibt eine Menge Spuren, eine Menge Verdächtiger – doch so recht nachweisen kann man niemanden etwas. Doch dann, knapp bevor Dupin aufgibt, die überraschende Wendung.

Diesmal kommt mir der Kommissar ein wenig gesetzter vor. Liegt es daran, dass er die Ratschläge des Hausarztes befolgt und sich ein bisschen um seine Gesundheit sorgt? In sein Privatleben scheint ebenfalls ein wenig Konstanz zu erfahren, nachdem Claire eine Wohnung in Georges Nähe bezieht.


Für mein Gefühl sagt er weniger oft „So ein Scheiß“, doch die Zores mit seinem Präfekten gehen weiter. Diesmal muss Dupin sogar Hundemarke und Waffe abgeben, weil er suspendiert wird.

Sehr liebevoll ist die Marotte der Bretonen, alles und alle für sich zu reklamieren. So, hätte Kolumbus erst lange nach den Bretonen Amerika entdeckt usw..
Ja, sein Team schreckt nicht einmal davor zurück auch aus Dupin, dessen Familie aus dem Jura stammt, einen Bretonen zu machen. Ich denke, das wird uns in den nächsten Fällen noch weiter beschäftigen…


Fazit:

Spannende Ermittlungen, Details zu Land und Leuten und der Einblick in das Geschäft mit den Austern, haben mich bestens unterhalten. Ich halte es hier mit Dupin: ich muss keine haben.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Tanz auf dem Vulkan

Die Akte Vaterland
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Die Serie rund um den unkonventionellen Mordermittler Gereon Rath geht weiter. Wir befinden uns im Jahr 1932. Die politischen Entwicklungen stehen auf Sturm. Noch immer erkennen die wenigsten, die heraufziehende ...

Die Serie rund um den unkonventionellen Mordermittler Gereon Rath geht weiter. Wir befinden uns im Jahr 1932. Die politischen Entwicklungen stehen auf Sturm. Noch immer erkennen die wenigsten, die heraufziehende Gefahr durch die Nazis. Man tanzt den Tanz auf dem Vulkan.

Im „Haus Vaterland“, einem bekannten Vergnügungsetablissement, wird ein Toter gefunden. Schnell ist klar, dass er auf sonderbare Weise ums Leben gekommen ist: durch ein indianisches Pfeilgift betäubt und anschließend im Fahrstuhl ertränkt. Als dann weitere Mordopfer gefunden werden, die ebenso ermordet wurden, ist klar – ein Serienmörder geht um.

Wer mordet auf solche Weise?

Die wenigen verwertbaren Spuren führen die Ermittler nach Ostpreußen, in die Spirituosenfabrik „Mathée“, die für ihren Luisenbrand bekannt ist.

Man schickt Rath nach Ostpreußen, um ihn wieder einmal mit beinahe aussichtslos erscheinenden Fällen zu beschäftigen.

Diesmal hat der Autor für Charlotte „Charly“ Ritter eine größere Rolle vorgesehen. Sie beginnt ihre Arbeit als Kommissaranwärterin im Berliner Alex. Allerdings ist sie der Inspektion G (weibliche Kriminalbeamte) zugeteilt, die sich hauptsächlich mit kriminellen Jugendlichen und Frauen beschäftigen. Doch auf Grund ihres kriminalistischen Spürsinns, wird sie an die Mordkommission ausgeliehen. Dort hat sie sofort mit Vorurteilen und dem Macho-Gehabe so mancher Mitarbeiter zu tun.

Dieser nun vierte Fall für Gereon Rath ist politischer denn je. Er beschäftigt sich unter anderen mit der Situation der Masuren in Ostpreußen, die nach der Entstehung Polens, nur über den polnischen Korridor erreichbar sind. Das kleine Städtchen Treuburg, in dem Rath wegen seiner Ermittlungen festsitzt, ist Symbol für Deutschland zu jener Zeit. Die Menschen dort fühlen sich von der aktuellen Regierung verlassen. Die Stimmung ist explosiv. Niemand traut sich gegen die Mitglieder der SA und NSDAP aufzutreten, obwohl einigen die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Todesfällen bekannt sind.

Das einzige, das mir nicht ganz stimmig und ein wenig bemüht erscheint, ist die Szene in der Gereon in den masurischen Sumpf gelockt und dort allein gelassen wird, letztendlich aber vom Hauptverdächtigen gerettet wird.

Während Rath in Treuburg festsitzt, wird in Berlin geputscht. Die aktuelle Führungsspitze der Berliner Polizei wird gegen Nazi-Affine ausgetauscht. Welche Konsequenzen wird das in Zukunft für Gereon Rath und Charly Ritter haben?

Ganz toll wieder das Cover, auf dem das Vergnügungsetablissement „Haus Vaterland“ abgebildet ist.

Der interne Codename der Ermittlungen „Akte Vaterland“ ist für mich ein Symbol des Niedergangs des bisher bekannten Vaterlandes.

Fazit:

Das Buch ist spannend aufgebaut und hervorragend recherchiert, sodass man es unmöglich aus der Hand legen kann. Ein absolutes Muss für politisch Interessierte und Krimifans.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Beklemmendes Szenario

Goldstein
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Man schreibt das Jahr 1931.
Die Braunhemden werden immer mehr und die Schlägertrupps der SA liefern sich nach wie vor mit den Kommunisten Straßenschlachten. Doch immer öfters geraten jüdische Mitbürger ...

Man schreibt das Jahr 1931.
Die Braunhemden werden immer mehr und die Schlägertrupps der SA liefern sich nach wie vor mit den Kommunisten Straßenschlachten. Doch immer öfters geraten jüdische Mitbürger und Geschäfte in den Fokus der Nazis. Die Wirtschaftskrise steuert auf ihren Höhepunkt zu.


Auch die „hauseigenen“ Rivalitäten der Berliner Ringvereine machen der Polizei zu schaffen.


Gereon Rath wird mit der heiklen, aber undankbaren Aufgabe betraut, Abe Goldstein, einen Gangsterboss aus den USA, zu observieren. Man vermutet, dass er Goldstein als Auftragskiller in Berlin sein Unwesen treiben wird. Doch die Motive des Amerikaners sind anderer Natur, trotzdem ist er in gewaltsame Auseinandersetzungen involviert.


Während Rath sich mit Goldstein beschäftigen muss, passieren im Berliner Polizeipräsidium einige Merkwürdigkeiten. Nicht immer ist alles so, wie es scheint. Es scheint, als gäbe es einen Maulwurf in Reihen der Polizei.


Charlotte „Charly“ Ritter, Gereons „leider-immer-noch-nicht-Verlobte“ ist wieder mit dabei. Sie hat nun ihre Ausbildung beendet und soll als Kommissaranwärterin bei der Berliner Polizei arbeiten. Als sie eine Schwarzfahrerin während einer Vernehmung entwischen lässt, tangieren sich Gereons und ihre Ermittlungen und führen zu einem veritablen Krach…


Meine Meinung:

Volker Kutscher gelingt es auch diesmal die Stimmung in Berlin bestens einzufangen. Was mich allerdings wundert ist, dass von den handelnden Personen niemand die herauf dräuende Gefahr durch die Nazis erkennt. Alles fokussiert sich auf Sozialisten und Kommunisten – in diesen politischen Gesinnungen sieht man die Bedrohung.


Gespenstisch ist für mich auch die langsame, aber stetige Unterwanderung der Polizei mit Nazis, die demnächst zur Katastrophe führen wird.

Fazit:

Ein beklemmendes Szenario, das in verschiedene Kriminalfälle verpackt, sehr realistisch dargestellt wird.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Toller Auftakt einer neuen Krimiserie

Der nasse Fisch
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Mit diesem Buch ist Volker Kutscher ein toller Auftakt zu einer besonderen Krimi-Reihe gelungen.

Berlin, in den späten 1920 Jahren, ist der Schauplatz. Es ist eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs. ...

Mit diesem Buch ist Volker Kutscher ein toller Auftakt zu einer besonderen Krimi-Reihe gelungen.

Berlin, in den späten 1920 Jahren, ist der Schauplatz. Es ist eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs. Das Land und die Leute haben sich noch immer nicht mit dem verlorenen Großen Krieg abgefunden. Die Arbeitslosigkeit ist groß, die Angst vor dem Kommunismus noch größer, die vaterländische Front rüstet auf und die SA-Schlägertrupps beginnen Ausländer und Juden zu tyrannisieren. Das wirkt sich in allen Gesellschaftsschichten aus. Und eben in diese Zeit platziert der Autor seinen Krimi.

1. Mai 1929: die Kommunisten und Sozialisten veranstalten trotz Verbote Mai-Aufmärsche. Es kommt zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei, bei denen es mehrere Tote gibt. Auch Gereon Rath, ehemaliger Mordermittler aus Köln, wegen eines Todesschusses aus seiner Dienstwaffe, nach Berlin zur Sitte versetzt, ist mitten im Chaos. Weil die Berliner Mordkommission chronisch unterbesetzt ist, soll Rath aushelfen. Er ermittelt auf eigene Faust. Doch damit macht er sich weder am Alexanderplatz noch in der Demi-Monde von Berlin Freunde. Mit den Berliner Gepflogenheiten im Nachtleben nicht vertraut, tritt er so manchem auf die Zehen.

Gereon Rath ist nicht ganz unkompliziert. Er muss sich von seinem übermächtigen Vater emanzipieren, der ständig aus dem fernen Köln, seine Fäden zieht.
Dummerweise kokst der Herr Kommissar manchmal und hat auch schon das eine oder andere Mal mit kriminellen Mitteln Ergebnisse erzielt.

Volker Kutscher stellt zeitweise ihm Charlotte „Charly“ Ritter an die Seite. Charly ist eigentlich Stenotypistin im Alexander und protokoliert an den Tatorten. Ihr großes Ziel ist, selbst Kommissarin zu werden. Das Zeug dazu hätte sie.

Der Krimi liest spannend und zeichnet ein authentisches Abbild des Lebens in der Millionenstadt Berlin.
Erschreckend für mich war zu lesen, wie die Beamtenschaft und die Offiziere von Heer und Polizei von rechtsradikalem Gedankengut durchsetzt waren. Muss natürlich so sein, sonst hätte es Hitler 1933 nicht so leicht gehabt.

Bin schon auf die nächsten Fälle gespannt. Sie liegen schon bereit.

Ach ja, den Titel sollte ich noch auflösen: als „nasser Fisch“ bezeichnen die Kriminalisten ungeklärte Fälle - eine schöne Metapher.
Ein supertolles Cover, das sich durch das Schwarzweiß-Foto aus der Masse der Krimis hervorhebt und neugierig auf dem Inhalt macht - gut gelungen .