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Venatrix

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Veröffentlicht am 23.02.2018

Ein russischer Klassiker - Nikolai Gogol

Petersburger Erzählungen
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Unter diesem Titel sind fünf Novellen des etwas älteren und reiferen Nikolai Gogol erschienen. Ursprünglich sind nur Der Newski-Prospekt“, Das „Porträt“ und „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ in die Sammlung ...

Unter diesem Titel sind fünf Novellen des etwas älteren und reiferen Nikolai Gogol erschienen. Ursprünglich sind nur Der Newski-Prospekt“, Das „Porträt“ und „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ in die Sammlung „Arabesken“ aufgenommen.
Später kamen die Erzählungen „Die Nase“ und „Der Mantel“ dazu.

Allen ist gemeinsam, dass sie surrealistisch anmuten. Die wohl bekannteste Erzählung ist wohl „Der Mantel“. Spannend finde ich auch die Erzählung „Das Porträt“. In „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ glaubt ein Beamter der nächste spanische König u sein, als er vom Ableben des Monarchen in der Zeitung liest.

„Der Newksi-Prospekt“ steht für die falsche Hoffnungen und überzogene Erwartungen.

Über „die Nase“ habe ich ein wenig schmunzeln müssen. Man stelle sich vor, jemand erklärt seine Nase als abgängig. Als dann die Behörden eine allein reisende Nase verhaften, ist es eine andere.

In diesen Erzählungen befasst sich Gogol mit dem Leben von Beamten, Offizieren und Handwerkern. Er stellt alltägliche Situationen als absurd dar.

Fazit:

Nikolai Gogol (1809-1852) ein Klassiker der russischen Literatur, des 19. Jahrhunderts.

Veröffentlicht am 23.02.2018

Opulente Designer-Roben im Kino

Fashion & Film
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Dieses großformatige Buch lockt mit seinem eleganten Schwarz-weißen Cover Mode- und Filminteressierte an.

50, der bekanntesten Modeschöpfer, die Filmkostüme entworfen und hergestellt haben, werden hier ...

Dieses großformatige Buch lockt mit seinem eleganten Schwarz-weißen Cover Mode- und Filminteressierte an.

50, der bekanntesten Modeschöpfer, die Filmkostüme entworfen und hergestellt haben, werden hier vorgestellt. Von Agnés B. bis Yves St. Laurent.

Haben exquisite Roben in der Stummfilmzeit das dramatische Element der Schauspielerinnen und Schauspieler unterstrichen, so ändert sich die Bedeutung später im Farbfilm. Eine falsche Farbe eines Kleides und die Szene ändert ihre Aussage. Daher werden Filmkostüme auch – sehr zum Missfallen der Designer - oft umgefärbt. Das rote Kleid von Tilda Swinton war ursprünglich grau (S. 173).

Wunderschöne Fotos von Roben und Entwurfsskizzen dazu ergänzen den Text, der mit einigen Anekdoten aus dem Couture-Salon oder dem Filmstudio gespickt ist.

Es ist kaum zu glauben, dass der ewig zerknautscht wirkende Woody Allen Anzüge von Ralph Lauren trägt.

Paco Rabanne wird immer untrennbar mit “Barbarella” sein, deren Metallscheibchenkleid er entworfen hat.
Der Traum aller Schuhfetischisten Manolo Blahnik hat für zwei völlig unterschiedliche Filme Schuhe kreiert: Für “Marie Antoinette” (2006) und die TV-Serie “Sex and the City”.

Und für manchen einen Filmstar wie z. B. Sophia Loren waren die extra für sie entworfenen und angefertigten Roben und Accessoires Bestandteil des Vertrages. Sie durfte die komplette Filmgardarobe, die von keinem geringeren als Christian Dior stammte, mit nach Hause nehmen.

Fazit:

Wer gerne Filmstars in ihren tollen Filmkostümen sieht, ist hier genau richtig.

Veröffentlicht am 23.02.2018

Ludwig "Wiggerl" Wimmer ermittelt wieder

Tod im Hopfengarten
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Alexander Bálly erfreut seine Leser und Fans mit dem nunmehr vierten Fall für den pensionierten Metzgermeister Ludwig Wimmer. Wimmer kennt Gott und die Welt und erfährt deshalb immer mehr Details und Hintergrundinformationen ...

Alexander Bálly erfreut seine Leser und Fans mit dem nunmehr vierten Fall für den pensionierten Metzgermeister Ludwig Wimmer. Wimmer kennt Gott und die Welt und erfährt deshalb immer mehr Details und Hintergrundinformationen als die Polizei.

Der Eddi-Opa wird zu einem Segelflug eingeladen. Dann muss der Pilot eine außerplanmäßige Außenlandung hinlegen. Während man auf die Abholung wartet, entdeckt der Eddi-Opa eine halbverweste Leiche im Hopfengarten.

Wer könnte der Tote sein? Der vermisste Peter Gerstecker, der angeblich in einem russischen Kloster lebt?

Anders als in den voran gegangen Fällen wird er diesmal zu zwei Kriminalfällen dazu „gebeten“. Der eine Fall sind Diebstähle von Heiligenfiguren, bei dem der ermittelnde Kommissar Karl Konrad nicht so recht weiterkommt. Im anderen Fall wird er von Dr. Zaschke, dem Anwalt eines des Mordes an seinem Bruder Verdächtigen engagiert, um seinen Mandanten zu entlasten.

Gemeinsam mit Enkelin Anna begibt sich Ludwig auf die Suche nach den Heiligenfiguren und entlastendem Material. Der leutselige Metzger entdeckt einige Zusammenhänge und so entpuppen sich die beiden Fälle als ein gemeinsamer, wenn auch als ein ziemlich verzwickter.

Meine Meinung:

Dies ist mein erster Krimi mit den beiden Hobbydetektiven und, das kann ich schon verraten, wird nicht mein letzter sein.

Herrlich ist das Lokalkolorit, die bairische Mundart und der schwäbische bzw. Fränkische Dialekt, der die Dialoge so herzerfrischend und natürlich wirken lassen.

Neben der ganzen Gemütlichkeit werden auch ernstere Themen, wie die bigotte und halsstarrige Frömmigkeit mancher Dorfbewohner, Vorurteile Fremden und Homosexuellen gegenüber angesprochen. Auch eine neue Herausforderung für Beamte tritt auf: Die Reichsbürger, jene etwas schräge Truppe, die weder die den Frieden von Trianon und St. Germain noch die Bundesrepublik Deutschland oder Österreich anerkennen.

Was ein mögliches Hobby für unseren pensionierten Metzgermeister angeht, so wäre doch die Gründung einer echten Detektei, eine gute Lösung. Da könnten gleich mehrere Fliegen mit ein Klappe erschlagen werden: Ludwig wäre beschäftigt, er könnte sich die interessanten Fälle herauspicken, da er nicht davon leben musss, Staatsanwältin Dr. Müller wäre beruhigt, dass die so beschafften Beweismittel auch rechtskräftig eingesetzt werden könnten, Anwalt Dr. Zaschke müsste nicht alles selber machen, Karl Konrad könnte ein bisserl Recherchearbeit loswerden und, Anna könnte einen netten Jura-Studenten kennenlernen, der hier in der Detektei sein Studium verdient. Also, eine echte winwin-Situation.

Fazit:

Wer gerne unblutige Krimis mit viel Lokalkolorit aus Bayern lesen möchte, ist hier richtig. Selten habe ich mich so amüsiert. Gerne gebe ich fünf Sterne.

Veröffentlicht am 23.02.2018

Viel Philosophie, weniger Klima

Die Welt aus den Angeln
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In diesem Buch untersucht Philipp Blom die Auswirkungen der kleinen Eiszeit zwischen 1570 und 1700 auf die Vegetation bzw. auf Mensch und Vieh. Blom erzählt von zugefrorenen Flüssen, Missernten, Staatskrisen ...

In diesem Buch untersucht Philipp Blom die Auswirkungen der kleinen Eiszeit zwischen 1570 und 1700 auf die Vegetation bzw. auf Mensch und Vieh. Blom erzählt von zugefrorenen Flüssen, Missernten, Staatskrisen und Hexenverbrennungen und springt zeitlich und geografisch häufig hin- und her. Hauptaugenmerk liegt auf den Niederlanden, da dort die Maler das bunte treiben auf zugefrorenen Grachten dargestellt haben. Auch von London gibt es Gemälde von Eisläufern auf der Themse. Die Abbildungen hierzu lockern das Buch recht gut auf. Die anderen Abbildungen von diversen Philosophen, Herrschern und Geistlichen sind leider beim Drucken nicht so toll gelungen.

Die Verquickungen Religion und Alltag brechen langsam durch die Naturwissenschaftler auf. Nicht jedes Naturereignis ist die Strafe Gottes, auch wenn das nach wie vor von hauptsächlich katholischen Geistlichen behauptet wird. Je mehr Bildung die Menschen erfahren, desto weniger geraten sie an Quacksalber, Heilsverkünder oder sonstige Scharlatane. Interessant herausgearbeitet ist, dass es das Bürgertum ist, dass langsam aber sicher durch den Handel und das Gewerbe zu Vermögen kommt und sich von der Masse der verarmten, ungebildeten Bauern und Tagelöhnern abhebt. Doch auch der Adel ist häufig bar jeder Bildung.

Philipp Blom ist als detaillierter Sachbuchautor bekannt. Seine Recherchen sind penibel und haben Hand und Fuß. Doch diesmal ist er in der Mitte des vorliegenden Buches für meinen Geschmack zu sehr in das Philosophische abgedriftet. Nicht, dass die Ideen, Theorien und Ansichten nicht interessant sind, nur zum Thema passen sie nicht ganz.
Der philosophischen Betrachtungen wird recht viel Platz eingeräumt. So werden mehr oder weniger bekannte Philosophen wie z. B. Voltaire, Descartes, Gassende, Giordano Bruno, oder Mersenne übermäßig zitiert, die Erfindung des Buchdrucks, ein Isaac Newton, Johannes Kepler, Galileo Galilei und ähnliche Zeitgenossen, finden nur kurze oder gar keine Erwähnung. Dabei haben die technischen Erfindungen einen hohen Anteil an der Weiterentwicklung von Stadt und Land.
Die Einführung in den Merkantilismus ist zwar recht nett, hat aber auch nur bedingt mit der kleinen Eiszeit zu tun. Der Stehsatz, „mehr exportieren denn importieren um einen Handelsbilanzüberschuss zu erzeugen“ ist unabhängig von einer Klimaverschiebung.

Die Episode rund um die Vernichtung der Spanischen Armada nicht nur durch die Englische Flotte hat mir gut gefallen. Solche Bespiele hätte ich mehr gelesen.

Der Bezug zur Gegenwart ist für mich nicht so ganz gelungen. Die Bemerkungen "Alles wird anders. Die Migrationsbewegungen, Verteilungskämpfe, Kriege und Konfrontationen der kommenden Jahrzehnte werden unsere Gesellschaften erschüttern und transformieren" (S.261) klingen ein wenig nach Zeitgeist und Plattitüden.

Fazit:

Entspricht leider nicht ganz meinen Erwartungen, daher nur 3 Sterne.


Veröffentlicht am 23.02.2018

Eine Hommage an alle jene Frauen, die alles wagten

Der Finsternis entgegen
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Das Autoren-Duo Arne Molfenter und Rüdiger Strempel beschäftigt sich mit einem in Mitteleuropa kaum bekannten und tragischen Kapitel des Zweiten Weltkrieg: Erstmals werden Frauen als Agentinnen und Kämpferinnen ...

Das Autoren-Duo Arne Molfenter und Rüdiger Strempel beschäftigt sich mit einem in Mitteleuropa kaum bekannten und tragischen Kapitel des Zweiten Weltkrieg: Erstmals werden Frauen als Agentinnen und Kämpferinnen von den Briten ausgebildet und u.a. in das besetzte Frankreich gebracht, um gegen das Hitler-Regime im Verborgenen zu kämpfen und mitzuhelfen, den D-Day vorzubereiten.
Bislang ist es Frauen ja nur erlaubt im Sanitätswesen oder anstatt der eingerückten Männer Arbeiten des zivilen Lebens zu übernehmen. In der kämpfenden Truppe waren sie unerwünscht.

Ein Name, der untrennbar mit diesen furchtlosen Frauen verbunden ist, ist Vera Atkins. Vera Mary Rosenberg ist als Tochter eines deutsch-jüdischen Fabrikanten und einer südafrikanisch-britischen Mutter in Galaţi (deutsch: Galatz)im heutigen Rumänien geboren. Ihre Leidenschaft: Lesen von Spionage-Romanen. Anders als viele jüdische Familien erkennen sie die Zeichen der Zeit gerade noch rechtzeitig. Die Brüder emigrieren bereits 1933 nach England. 1939 gelingt es Vera mit dem Rest der Familie über Wien nach Großbritannien zu gelangen. Anfangs staatenlos findet sie recht bald ihren Platz im Kreise der sich konkurrierenden Geheimdienste.
Nachdem ein männliches Agentennetz nach dem anderen von den Nazis aufgespürt und ausgehoben wird, beginnt Atkins Frauen für diese gefährliche Arbeit im Feindesland zu rekrutieren. Von ihren knapp 40 Agentinnen werden 13 nicht mehr zurückkehren. Die meisten davon werden von den Nazis verhaftet, gefoltert und grausam ermordet.
Das Schicksal „ihrer“ Agentinnen lässt Vera Atkins nicht los und so recherchiert sie nach Kriegsende, um den Verbleib der Verschollenen herauszufinden. Sie reist, gegen den Widerstand ihrer eigenen Vorgesetzten, nach Deutschland und stellt Nachforschungen in den diversen KZ an. Sie spricht mit Überlebenden sowie mit einigen der nun inhaftierten Kriegsverbrecher. Es gelingt ihr, den Leidensweg der 13 Frauen zu rekonstruieren. Sie nimmt auch als Zeugin in den diversen Kriegsverbrecherprozessen teil.

Fast 70 Jahre lang waren die Dossiers von Vera Atkins und ihren Frauen unter Verschluss. Das Autoren-Duo hat aus den Akten, die nun in dem National Archivs zugänglich sind, Vera Atkins Biografie und die ihrer Frauen rekonstruiert.

Meine Meinung:

Dem Autoren-Duo ist eine beklemmende und fesselnde Wiedergabe der Lebensgeschichten dieser beeindruckenden Frauen gelungen.
Fernab von jeglichem James-Bond-Klischee, wird der Alltag der Agentinnen dargestellt. Ian Fleming, der Schöpfer von 007 hat hier einige Anleihen für seine Agentenfilme genommen. So ist „Q“, der Erfinder historisch belegt und sein/e „M“ trägt auch Züge von Vera Atkins.

Dieses vor allem in Mitteleuropa wenig bekannte, dunkle Kapitel wird vom Autoren-Duo penibel und ohne Effekthascherei aufgearbeitet. Sachlich fundiert werden die tragischen Schicksale gut lesbar dargeboten. Der historisch politische Hintergrund wird anschaulich dargestellt.

Nicht ausgespart wird auch, dass man in Großbritannien bereist 1939 von KZ und der Ermordung der Juden gewusst hat, aber diese Meldungen nicht ernst genommen hat. Vielleicht wären Millionen Menschen am Leben geblieben, wenn man den Informationen der Agenten mehr Glauben geschenkt hätte.

Fazit:

Das Buch ist eine Hommage an alle jene Frauen, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens versucht haben, ihren Beitrag gegen Hitler-Deutschland zu leisten. Eine absolute Leseempfehlung und 5 Sterne.