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Veröffentlicht am 17.01.2025

Zäh und gleichförmig

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Eigentlich liebe ich Geschichten, in denen sich nach und nach Vergangenes offenbart und so manche heile Fassade eingerissen wird. Leider mache ich aber oft die Erfahrung, daß nur wenige der vielen Autoren, ...

Eigentlich liebe ich Geschichten, in denen sich nach und nach Vergangenes offenbart und so manche heile Fassade eingerissen wird. Leider mache ich aber oft die Erfahrung, daß nur wenige der vielen Autoren, die sich diesem Thema widmen, dieses gekonnt umsetzen können. Dieses Buch reiht sich in diese Erfahrung ein, denn währen der Klappentext vielversprechend klang, hat die Umsetzung mich enorm enttäuscht.
Es beginnt ansprechend – Island als Schauplatz gefiel mir und der Handlungsort ist ausgezeichnet gewählt: ein ungewöhnliches Hotel in einem Lavagebiet. Das Hotel wird anschaulich geschildert und verbreitet eine gelungen unangenehme Atmosphäre. Auch der erste Blick auf die Charaktere macht neugierig. Wir erfahren die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven; ein gutes Werkzeug, um Eindrücke zu komplettieren und manchmal auch umzuwerfen. Ein großes, sich immer mehr bemerkbar machendes Manko war allerdings, daß diese verschiedenen Personen alle dieselbe Erzählstimme haben. Ob Teenager Lea, ihre Mutter Petra, die Hotelangestellte Irma oder der ältere Schreiner – alle haben sie denselben Duktus, unabhängig von Alter, Hintergrund, Erfahrungen. Das ging mir zunehmend auf die Nerven und war alles andere als gekonnt.
Ebenso enervierend waren überflüssige Erklärungen des Offensichtlichen und häufige Wiederholungen. Insbesondere die Tatsache, daß die Familie Snæberg steinreich ist, wird quasi in Dauerschleife erklärt. Bei manchen Einleitungen dachte ich schon: „Ah, jetzt kommt der nächste Hinweis auf den immensen Reichtum. Ist ja auch schon mindestens fünf Seiten her, daß es erwähnt wurde.“
Trotz dieser stilistischen Schwächen ließen sich die ersten etwa hundert Seiten gut an. Man lernte die zahlreichen Familienmitglieder kennen und erhielt mehrere Andeutungen, die neugierig machten. Ein Stammbaum am Anfang des Buches war hier sehr hilfreich, denn es sind eine Menge Charaktere vor Ort – und die meisten von ihnen bleiben blass und eindimensional, wie sich zunehmend herausstellte. Der Blick hinter die zuerst so perfekt scheinenden Fassaden offenbarte zunehmend Dunkles und das ist anfangs überwiegend gut gemacht und spannend. Nur die Ermittlungskapitel, die nach der Tat spielen, sind von Anfang an blass und ziemlich inhaltslos.
Irgendwann aber begann sich die Geschichte im Kreis zu drehen. Nach dem ersten Drittel hatte ich angefangen zu hoffen, daß es nun endlich mal etwas abwechslungsreicher wird, denn die Handlung zog sich entsetzlich. Ich hatte vermehrt das Gefühl, daß die Autorin versucht hat, die Spannung künstlich in die Länge zu ziehen. Lange introspektive Passagen, Erinnerungen, belanglose Ereignisse und zähe Unterhaltungen bestimmen die Buchseiten. Hinzu kommt, daß nicht nur die Erzählstimmen gleich sind, auch die Erlebnisse ähneln sich ziemlich. Natürlich gibt es Variationen, aber letztlich ähneln die „Charaktere trinken zu viel, führen allerlei Unterhaltung ähnlicher Art, haben Erinnerungen voller Andeutungen, werden bedrängt oder erinnern sich, bedrängt zu werden“-Passagen so sehr, daß ich sie manchmal verwechselte. Dazu kam, daß diese Häufung an dunklen Geheimnissen ausgesprochen übertrieben wirkte.
Etwa ab Seite 200 war ich nur noch gelangweilt und enerviert. War ich anfänglich noch ungemein gespannt auf die weiteren Entwicklungen und Auflösungen gewesen, hatte ich das Interesse an der Geschichte zu diesem Zeitpunkt komplett verloren. Den Rest habe ich mehr oder weniger überflogen, weil ich mich nicht mehr durch diesen zähen Brei durchkämpfen wollte. Das Ende, das in Großteilen ebenfalls sehr konstruiert war, lohnte sich dann leider auch nicht mehr. Schade, die Ansätze waren hervorragend, aber die Umsetzung sehr schwach.

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Veröffentlicht am 01.01.2025

Interessanter Blick auf Klaus Mann und seine Zeit

Berlin war meine Stadt
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„Berlin war meine Stadt“ beeindruckt schon auf den ersten Blick durch den herrlichen Einband. Wieder einmal hat der BeBra Verlag hier liebevoll und originell gestaltet! Ein absoluter Hingucker, toll gemacht. ...

„Berlin war meine Stadt“ beeindruckt schon auf den ersten Blick durch den herrlichen Einband. Wieder einmal hat der BeBra Verlag hier liebevoll und originell gestaltet! Ein absoluter Hingucker, toll gemacht. Die Schlichtheit der Buchdeckel – die an ein Buch aus den 1920ern erinnern – wird durch den satinartigen Buchrücken und die interessante „tiefergelegte“ Schrift und Gestalt auf den Buchdeckeln hervorragend komplimentiert. Dieser Einband ruft bereits das Gefühl Berlins in den wilden 20ern hervor – klasse gemacht, ein großes Kompliment an den Verlag!
Inhaltlich finden sich Auszüge aus Klaus Manns Texten, jeweils mit einer kleinen Einleitung, welche nützliche Hintergrundinformationen liefert. Auch das Vorwort überzeugt, es ist knapp gehalten, enthält aber alle relevanten Informationen und ist als Einführung zur Person, Zeit und zum Werk Klaus Manns hilfreich und gelungen. Als Bewunderin von Klaus Manns elegant-prägnantem Schreibstil habe ich die ausgewählten Passagen natürlich sehr genossen. Gerade bei seinen Beschreibungen des eigenen Lebens und der Atmosphäre, die damals in Berlin herrschte, brilliert er und zeigt in jedem Satz, daß er den Vergleich mit seinem Vater in keiner Weise scheuen muß.
Die autobiographischen Texte verraten viel über diese Vater-Hypothek, die ein Leben lang schwer über ihm hing. Sie sind gut ausgewählt, bieten Einblicke, die auch für jene interessant sind, die Mann schon kennen, und für jene informativ, die ihn noch nicht gut kennen. Die erste Hälfte des Buches hat mich schlichtweg begeistert, eine tolle Mischung aus persönlichen Informationen und Berliner Atmosphäre. Einige seiner Artikel als Kunstkritiker aufzunehmen ist eine hervorragende Idee – diese Texte kannte ich auch als mit seiner Arbeit Vertraute noch nicht, und sie sind die Lektüre absolut wert. Ein wenig enttäuscht war ich allerdings darüber, daß in der zweiten Hälfte kaum noch die Rede von Berlin ist. Eine recht lange Reisebeschreibung widmet sich detailliert Frankreich und anderen Ländern, was mir angesichts des Fokus des Buches viel zu viel Raum einnahm. Auch die politischen Essays und eher philosophischen Betrachtungen waren mir zu trocken und hatten mit Berlin höchstens am Rande zu tun. Der Einblick in das Emigrantenleben war teilweise interessant, brachte aber auch vieles, das jedem, der sich schon mit der Familie Mann beschäftigt hat, mehr als vertraut ist. Hier spielt natürlich die Erwartungshaltung und der individuelle Wissensstand über die Familie eine Rolle – an sich ist es eine gute Idee, das Buch mit diesen biographischen Informationen über die Familie in der Emigration abzuschließen.
Für ein Buch, das sich Klaus Manns Blick auf Berlin widmen möchte, war mir wesentlich zu wenig Berlin enthalten und die zweite Hälfte hat mir weniger gefallen als die wundervolle erste Hälfte. Insgesamt aber ist es eine ausgezeichnete Idee, Klaus Mann durch eine Auswahl seiner eigenen Texte und die prägnanten Einführungen vorzustellen, und man bekommt einen umfassenden Eindruck von seiner Persönlichkeit und seinem Leben bis zur Emigration.

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Veröffentlicht am 11.12.2024

"So lasst mir doch mein junges Leben!"

Frauen gegen Hitler
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Dieses Buch erweckt schon auf den ersten Blick einen ausgezeichneten Eindruck, denn es ist wunderschön gebunden. Das Buchrückenmaterial, das satinartig glänzt, ist ein echter Hingucker und seine kräftige ...

Dieses Buch erweckt schon auf den ersten Blick einen ausgezeichneten Eindruck, denn es ist wunderschön gebunden. Das Buchrückenmaterial, das satinartig glänzt, ist ein echter Hingucker und seine kräftige Farbe setzt sich im Titel und der Namensliste auf der Rückseite fort. Sehr gelungen – die Einbandgestaltung ist schnörkellos, klar und doch auffallend.
Innen ist das Buch wesentlich schlichter. Abbildungen fehlen leider komplett – ein kleines Foto jeder der Frauen hätte ich sehr ansprechend gefunden, damit man zum Namen auch ein Gesicht hat.
Auf den ersten knapp vierzig Seiten findet sich eine Einführung, welche die verschiedenen Widerstandsgruppen, aber auch die unterschiedlichen Arten, auf denen Menschen während der Nazi-Diktatur Widerstand geleistet haben, darstellt. Das ist übersichtlich und informativ, wenn auch – wie später einige der Kapitel über die jeweiligen Frauen – gelegentlich etwas aufzählend, auch wird manches aus den einzelnen Kapiteln hier schon erwähnt, auch in den Kapiteln doppelt sich mehreres. Somit eignet sich das Buch aber eben auch dafür, nur einzelne Kapitel zu lesen. Jede der Frauenbiographien steht hier für sich und was sich beim kontinuierlichen Lesen als Wiederholung darstellt, hilft beim Lesen ausgewählter Kapitel natürlich, wesentliche Zusammenhänge zu erklären.
Mir hat sowohl im Vorwort wie auch bei der Berücksichtigung der einzelnen Frauen gefallen, daß Wert darauf gelegt wurde, jene zu würdigen, die schon fast vergessen wurden oder deren Namen uns gar nicht bekannt sind, weil sie ihre Aktivitäten auch nach dem Krieg nie erwähnten. So findet sich unter den 52 (nicht wie im Klappentext erwähnt 50) kapitelweise vorgestellten Frauen eine enorme Bandbreite, sowohl was Herkunft und Bekanntheitsgrad wie auch Tätigkeiten im Widerstand angeht. Sehr schön, daß hier auch einige der wenig Bekannten oder gar Vergessenen gewürdigt werden, und daß auch gezeigt wird, auf welch vielfältige Weise Widerstand ausgeübt wurde. Allerdings erschien mir u.a. Marlene Dietrich hier etwas fehl am Platz, insbesondere wenn man den Klappentext bedenkt („… die sich unter Lebensgefahr in Untergrundorganisationen engagierten, Verfolgte versteckten oder ihnen zur Flucht verhalfen, Flugblätter verteilten oder Treffpunkte organisierten.“).
Die einzelnen Kapitel sind sehr kurz, meistens nur zwei oder drei (kleinformatige) Seiten lang. Diese Seiten enthalten viele Informationen, aber oft war mir das zu knapp. Die drei Schwestern Hammerstein werden in einem Kapitel behandelt und bekommen insgesamt nur vier Seiten, dabei merkt man beim Lesen, wie viel hier noch zu erzählen gewesen wäre. Dem Buch hätten zwanzig, dreißig Seiten mehr gut getan, denn während sehr gut berichtet wird, was die jeweilige Person getan hat (und wie grausam viele von ihnen dafür verfolgt und gequält wurden), fehlt meistens Weitergehendes. Wir lernen die Handlungen kennen, aber nur selten die Menschen dahinter. Das liegt in manchen Fällen daran, daß nicht viele Informationen zur Verfügung stehen, oft aber auch an dem sehr knappen Format. Auch gab es immer wieder Informationen, die Fragen aufwerfen oder zusätzlicher Informationen bedürfen, welche in zwei, drei erklärenden Sätzen hätten eingefügt werden können. So mußte ich online danach suchen. Das fand ich etwas enttäuschend. Sehr schön fand ich dagegen die vielen Zitate der Frauen oder ihres Umfelds, welche mehr Leben und eine persönliche Note in die Texte brachten.
Insgesamt ist das Buch als Nachschlagewerk und zur ersten Information gut gelungen. Obwohl ich mich mit der Thematik schon vorher eingehend beschäftigt habe, habe ich hier noch viele neue Informationen erfahren und fand mir Bekanntes gut geschildert. Auch die abscheuliche Grausamkeit, mit der das verbrecherische Naziregime Menschen verfolgte, kommt hier schmerzhaft deutlich hervor. Oft genug war ich beim Lesen beklommen. Gut fand ich auch, daß z.B. bei Hilde Benjamin oder Elfriede Paul erwähnt wird, daß diese sich zwar mutig gegen die Nazi-Diktatur auflehnten, sich nach dem Krieg aber einer anderen Diktatur andienten.
Gerade in heutigen Zeiten, in denen rechte Parteien und Strömungen verharmlost werden, ist ein solches Buch wichtig, das daran erinnert, wohin es führen kann, wenn man die Warnzeichen übersieht, und das jene würdigt, die solch unglaublichen Mut aufbrachten, sich gegen eine mörderische, menschenverachtende Diktatur zu stellen. „Frauen gegen Hitler“ ist eine zwar oft etwas zu knapp gehaltene, aber doch bemerkenswerte Zusammenstellung von ebenso bemerkenswerten Frauen.

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Veröffentlicht am 08.12.2024

Flüssiger Schreibstil, aber die guten Ansätze gehen in Logiklöchern und Überzeichnung unter

Nachtwald
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"Nachtwald" ist vom Einband her ein echter Hingucker - kräftige Farben, ein passendes, stimmungsvolles Motiv. Die zahlreichen Regentropfen auf dem Einband sind nicht nur bildlich dargestellt, sondern auch ...

"Nachtwald" ist vom Einband her ein echter Hingucker - kräftige Farben, ein passendes, stimmungsvolles Motiv. Die zahlreichen Regentropfen auf dem Einband sind nicht nur bildlich dargestellt, sondern auch leicht erhoben, man spürt also jeden einzelnen Regentropfen auf dem Einband. Tolle Kombination von visuellem und haptischen Erleben. Das Einbandmotiv ist gelungen genretypisch und dennoch innovativ - eine erholsame Abwechslung von den ganzen einfallslosen "Frau-rennt-weg"-Einbänden, auf welche in diesem Genre sonst viel zu oft zurückgegriffen wird. Rundum gelungen!

Auch der Klappentext macht neugierig und verspricht eine spannende Geschichte. Der Einstieg ins Buch ist erfreulich - wenn ich auch auf das abgenutzte Stilmittel des Prologs verzichten könnte, der sich liest wie unzählige andere Prologe solcher Bücher. Die Autorin schreibt einen leichten, angenehm lesbaren Stil und kann das alte Herrenhaus inmitten des Walds herrlich beschreiben. Die Beschreibungen sind durchweg farbig und rufen die Szenerie lebhaft vor Augen. Das hat mir ausgezeichnet gefallen. Auch die Charaktere machen zunächst neugierig. Wir erfahren die Geschehnisse durch die Augen Lizzies, die gerade einen sechsmonatigen Alkoholentzug beendet hat und die Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem Bruder vorsichtig wieder aufbauen muß. Aus dieser Konstellation ergeben sich die besten Szenen des Buches; Walsh hat die innere Verfassung Lizzies, das Misstrauen, das ihr Mutter und Bruder aufgrund früherer Ereignisse entgegenbringen, und das vorsichtige neue Herantasten untereinander ganz ausgezeichnet dargestellt - glaubhaft, einfühlsam und gekonnt.

Leider erstreckt sich diese sorgfältige Charakterzeichnung nicht auf alle Charaktere. Wie im Klappentext erwähnt gibt es einen unerwarteten Gast, der am nächsten Tag verschwunden ist. Ab diesem Moment wird das Verhalten fast aller Charaktere unglaubwürdig, geradezu absurd. Ab da dachte ich beim Lesen ständig: "Kein Mensch würde sich so verhalten", und das ist eine schlechte Prämisse für ein Buch. Es wird leider im Laufe des Buches eher schlimmer als besser, teilweise fühlte ich mich wie in einer skurrilen schwarzen Komödie. Die Geschehnisse werden immer absurder und unglaubwürdiger, bis hin zum absolut überzeichneten Ende. Auch die mangelnde Logik zeigt sich früh und nimmt stetig zu, so daß dieses Handlungsgeflecht wie ein fehlerhaft gewebter Stoff zu viele Löcher aufweist. Wenn die Plausibilität aufgegeben wird, um die Geschichte voranzubringen, ist das faules Schreiben und ich als Leser fühle mich nicht ernst genommen.
Enervierend waren auch die zunehmenden überraschenden Wendungen. Das ist etwas, das leider in weniger guten Thrillern als Element angewandt wird, um die Spannung künstlich hochzuhalten - oft mit kontraproduktiver Wirkung. Hand in Hand einher geht damit die ebenfalls überbenutzte Technik kurzer Kapitel mit unzähligen Cliffhängern und falschen Alarmmomenten ("Oh, es raschelt!" - "Oh, eine Stimme erklingt" - "Oh, es ist jemand im Raum!"). Das ist wie ein fades Stück Fleisch, das man mit lauter künstlichen Geschmackverstärkern zugeballert hat, um Geschmack vorzugaukeln und zu überspielen, dass man billiges Fleisch verwendet hat. Spannung kann man wesentlich raffinierter erzeugen - so führten die ganzen künstlichen Schockmomente bei mir zu einer Übersättigung und senkten für mich die allgemeine Spannung.

Während ich das erste Drittel des Buches noch herrlich farbig und spannend fand, mich auf die weiteren Entwicklungen freute, mußte ich im zweiten Drittel häufig die Augen verdrehen und ärgerte mich über die ganzen Logiklöcher. Im letzten Drittel hat mir das Übertreiben mit ständig neuen Wendungen, überzeichneten Ereignissen und dem hanebüchenen Schluss das Buch leider verleidet. Bedauerlicherweise greift die Autorin hier auch auf ein Stilmittel zurück, das auf meiner Anti-Liste sehr weit oben steht: den "Täter leiert mit Waffe in der Hand in aller Ruhe sämtliche Pläne und Taten herunter"-Monolog. Absolut unrealistisch und schon seit Jahrzehnten unerträglich überbenutzt.

Während die Autorin also oft die ausgetretenen Pfade der - leider - kommerziell erfolgreichen Versatzstücke geht, ist sie andererseits durchaus originell und kann durch vieles Lesefreude wecken. Kleine Momente, die später von großer Bedeutung sind, werden gelungen früh und plausibel eingeflochten. Auch weiß sie, falsche Fährten zu legen und kann mehrfach überraschen. Nur aus Lizzies Perspektive zu erzählen ist zudem ein guter Kniff, der es erlaubt, auch glaubhafte Spannung und Unsicherheit zu erzeugen. Eine Prise historisches Lokalkolorit und ein gutes Gefühl für die menschliche Psyche sind erfreuliche Zugaben. Sie läßt sich auch durchaus viel einfallen, hat manche gut gemachte Auflösung und Wendung eingefügt. Der Schreibstil ist durchweg flüssig. Ich dachte beim Lesen oft, daß das Buch ganz hervorragend gewesen wäre, wenn es sich an das "weniger ist mehr"-Prinzip gehalten und sich auf diese Stärken konzentriert hätte, anstatt mit aller Macht viel zu viel aufzufahren. So ist es aber für mich leider ein Buch, das ungemein vielversprechend beginnt, dann aber zu viel will und genau daran scheitert.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Fängt toll an, wird dann immer zäher

Diese goldenen Jahre
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Vom Anfang des Buches war ich begeistert. Der Schreibstil ist angenehm lesbar und ansprechend, die Beschreibungen Weimars hatten sehr viel Schönes; ich sah die Stadt und den Ilmpark direkt vor mir. Auch ...

Vom Anfang des Buches war ich begeistert. Der Schreibstil ist angenehm lesbar und ansprechend, die Beschreibungen Weimars hatten sehr viel Schönes; ich sah die Stadt und den Ilmpark direkt vor mir. Auch die Bauhaus-Informationen waren interessant und künden von ausführlicher Recherche. Es wird viel über die Arbeit des Bauhaus, die Situation der dortigen Studenten und auch dem Misstrauen, mit dem die Stadtbewohner auf das Bauhaus sahen, berichtet. Das fand ich alles ausgezeichnet umgesetzt. Es werden auch historische Personen wie Itten, Franz Ehrlich oder Kandinsky eingebunden, sowie Gropius, der allerdings seltsamerweise nur als namenloser "Direktor" und indirekt vorkommt. Diese historischen Personen bleiben etwas blass, was ich aber nicht schlimm fand, denn der Fokus sollten ja auch den sechs Freunden liegen, um die sich die Geschichte dreht.

Leider sind von denen auch einige sehr blass. Andere werden gut geschildert, gerade bei dem aus preußischem Adel kommenden Walter finden sich viele herrlich treffende Bemerkungen. Insgesamt fand ich die Charakterentwicklung und die der Beziehungen untereinander aber nur teilweise gelungen. Geschildert wird aus Sicht von Paul als Ich-Erzähler. Das hat Vorteile, weil wir nur seine Sicht erfahren und sich manches erst später aufklärt. Auch handelt es sich um einen Rückblick Pauls, so daß wir einige spätere Schicksale schon am Anfang erfahren, so wissen wir also bereits, daß Pauls Liebe Charlotte in Buchenwald ums Leben kam und Walter sich dem Nazi-Regime auf irgendeine Weise angedient hat. Das macht natürlich neugierig und ist gut umgesetzt.

Das erste Drittel ist spannend, dann geschieht ein einschneidendes Ereignis, das aber leider so wiederholend geschildert wird, daß es irgendwann wie eine zähe Dauerschleife wirkte. Auch allgemein fiel für mich der Spannungsbogen danach rapide ab. Es werden viele Alltäglichkeiten geschildert, viel wird wiederholt, zahlreiche Dialoge bringen die Handlung kaum vorwärts. Die Erzählweise ist seltsam distanziert, viele in der zweiten Hälfte des Buches neu auftretende Charaktere blieben sehr blass, manche Entwicklungen waren etwas weit hergeholt. Ich langweilte mich beim Lesen zusehends, es war häufig zu farblos und langatmig. Letztlich interessierten mich die Entwicklungen immer weniger. Das Buch hat mich durch seine leblose Langatmigkeit dann leider verloren. Schade, das Sujet hatte Potential, der Umgang mit Sprache war erfreulich, aber hier hätte reichlich gestrafft werden und wesentlich mehr Leben hineingebracht werden müssen.

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