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Veröffentlicht am 10.05.2021

Ein Highlight für mich!

Das Lied der Nacht
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"Wortgewaltig und poetisch zugleich ..." steht im Klappentext noch als Zitat von Bernhard Hennen - und ja, da kann ich mich auf jeden Fall anschließen!

Diesen poetisch angehauchten Stil wird nicht jeder ...

"Wortgewaltig und poetisch zugleich ..." steht im Klappentext noch als Zitat von Bernhard Hennen - und ja, da kann ich mich auf jeden Fall anschließen!

Diesen poetisch angehauchten Stil wird nicht jeder mögen, aber mich hat er von Anfang an fasziniert. Alles wirkt so ruhig, so beschaulich und trägt einen durch die Geschichte als lausche man einer Melodie, eingewoben in die Worte des Erzählers, mit dem man des nachts am Feuer sitzt.
Eine Geschichte über den Wanderer Weyd, der die Sprachen aus ganz Erebu beherrscht, die kampferprobte Bardin Caer, deren Talente über reinen Gesang hinausgehen; den alten Jori, der mit den Tieren spricht und die barsche Seefahrerin Bahr, die mit dem Feuer flüstert.

Ihr idyllisches Leben in der Provinz Schur wird allerdings plötzlich von der Furcht heimgesucht, mit einem handfesten Grauen, das des Nachts in der Dunkelheit erwacht und keinen Menschen am Leben lässt. Eine vage Erinnerung aus alter Zeit lässt sie hoffen, doch der Hort der Zuflucht ist trügerisch.
Zur Handlung will ich nicht mehr verraten, denn das würde euch um einige Überraschungen bringen. Der Schreibstil alleine hat mich schon so begeistert und während die Charaktere mir immer mehr ans Herz gewachsen sind, bin ich immer tiefer in das Ereignisse eingetaucht. Ich mochte diesen stimmungsvollen Ausdruck, der mit den Wörter gewoben wird und auch manche Szenen miteinander verbunden hat, auf ganz außergewöhnliche Weise. Ein perfekt gelungener Kniff, parallele Ereignisse gleichlaufen zu lassen und sie zu verbinden, das fand ich schon sehr besonders!

Es gibt allerdings auch einige brutale Momente, auf die ich nicht vorbereitet war. Die Grausamkeit inmitten der sanften Erzählweise wirkt auf besondere Weise dramatisch, ja fast schon verstörend, und hebt umso mehr die Schrecken hervor, die von Angst behaftete Begierden hervorrufen. Unter dem Mantel des Hüters und der Mauer des Schutzes verbirgt sich ein grotesker Charakter, dessen Erlebnisse ihn zu einem grausamen Herrscher geformt haben. Seine bizarren Denkmuster sind auf grausame Art tragisch, gerade wenn er zwischen scheinbarer Milde und gleichgültiger Härte handelt.

Ein wichtiges Thema sind hier auch die Vorurteile Fremden gegenüber, die sich nie ganz unterdrücken lassen und die ein Potenzial an Gewalt zeigt, das einen aufrüttelt. Ich hab in anderen Rezensionen gelesen, dass es zu brutal wäre - und dennoch ist es menschlich, leider, und zeigt hier nur deutlich, wie schnell der Hass, erst einmal losgelassen, nicht mehr zu bremsen ist.

Dennoch zeigt diese Geschichte auch den Mut, sich nicht unterkriegen zu lassen; sich zu erheben und an seinen Idealen festzuhalten, ganz gleich, was es kostet - und das auf eine sehr einfühlsame, zu Herzen gehende Weise!

Mir fehlen ein bisschen die Worte, um meine Gefühle beim Lesen zu beschreiben - ich war total gefangen in der Handlung, dem Mitfieber mit den Protagonisten - und auch die Nebenfiguren, die zur Gruppe finden, sehr stark und bedeutsam.

Das Ende ist der Anfang und die Reise wird weitergehen. Noch ist nichts gewonnen, aber auch nichts verloren und die dunklen Schatten ziehen weiter über das Land. Wenn man sich demnächst wieder ans Feuer setzt und weiterlauscht, wie die Geschichte ihren Lauf nimmt, bin ich gespannt, welche Geheimnisse noch aufgedeckt werden.
Ich freue mich jedenfalls sehr auf die Fortsetzung und hätte am liebsten sofort weitergelesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2021

Überraschung pur!

Was Preema nicht weiß
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Das Ende der Welt - doch Preema hat irgendwie überlebt und findet sich in einem völlig weißen Nichts wieder.
Ein sehr ungewöhnlicher Anfang, der neugierig macht, und ich wusste wirklich gar nicht, auf ...

Das Ende der Welt - doch Preema hat irgendwie überlebt und findet sich in einem völlig weißen Nichts wieder.
Ein sehr ungewöhnlicher Anfang, der neugierig macht, und ich wusste wirklich gar nicht, auf was ich mich hier einlasse oder wohin mich diese Geschichte führen wird.

Die Beschreibungen sind jedenfalls sehr anschaulich und ich konnte gut mit Preema mitfühlen, die sich mit der ganzen Situation komplett überfordert fühlt. Auch als sie auf andere Menschen trifft, die ebenfalls Überlebende sind, bleibt ihr der Sinn des ganzen verborgen. Sie kann sich nicht wie die anderen damit anfreunden, alles einfach hinzunehmen und so versucht sie, aus den wenigen Erinnerungen, die immer wieder aufblitzen, einen Zusammenhang herzustellen.

Es ist wirklich schwierig zu beschreiben ohne zu spoilern und gerade das Nichtwissen, was als nächstes kommt oder was dahintersteckt, macht einen großen Reiz der Geschichte aus!
Die Menschen auf der "Lichtung", denen Preema begegnet, haben viele Theorien, warum sie hier sind, aber sie nimmt nichts einfach hin und versucht, auf eine eigene Lösung zu kommen.
Die Erinnerungen, die Preema kleine Stückchen aus der Vergangenheit zeigen, sind teilweise sehr traurig, ja geradezu dramatisch, aber auch liebenswert und lustig. Der Humor kommt hier immer wieder durch und es gab viele schöne Momente.

Ein paar Details hab ich mir rausgepickt, weil sie mir besonders ans Herz gewachsen sind. Zum Beispiel beschreibt die Autorin eine ganz tolle Methode, um kleinen Kindern die Angst vor "Monstern im Kleiderschrank" zu nehmen. Besonders witzig auch eine Stelle, in der Preema auf das Geschlecht hinweis:


"Es ist ein Mädchenmonster. Siehst du? Es hat Mamahubbel"
Seite 85


"Mamahubbel" hab ich noch nie im Leben gehört, aber es klingt so süß <3
Die Erinnerungen gehen auf Kindheitserfahrungen zurück, aber auch auf das ältere Ich von Preema - womit sie manchmal Freude, oft aber auch Schmerz verbindet.


"... aber letztlich können wir weder vor unserem Schmerz noch vor unseren Fehlern davonlaufen", sagte er traurig.


Fehler machen wir alle und die Konsequenzen sind nicht immer überschaubar, dennoch müssen wir mit ihnen leben und zurechtkommen; und sie sind auch wichtig, um aus den Erfahrungen zu lernen!

Während sich Preemas Erinnerungslücken immer mehr auffüllen, spürt sie sehr deutlich, welche einschneidenden Erlebnisse ihr Leben geprägt haben.

Es ist auch eine Liebesgeschichte mit dabei, die ich sehr erfrischend fand. In einer anderen Rezension hab ich gelesen, dass Gwenn, die hier Preema sehr selbstbewusst anbaggert, zu "übergriffig" rüberkommt und es bei einem Mann ganz anders aufgefasst würde. Ich fand Gwenns hartnäckiges Flirten teilweise auch manchmal ganz schön direkt und penetrant, aber wenn man die Hintergründe weiß, relativiert es sich auch wieder. Ich finde auch etwas schade, dass dieses "Spiel" und Werben in der Verliebtheit oft gleich mit so einem Makel behaftet ist oder gesehen wird, denn gerade dieses Necken und Herausfordern kenne ich als etwas schönes. Etwas, das Schmetterlinge im Bauch tanzen lässt und das den Raum gibt um zu sehen, ob man zusammenfindet oder eben nicht.

Was mich besonders gefreut hat war auch, dass ein Missverständnis sofort behoben wurde, da man darüber geredet hat. Es wurde nicht unnötig aufgebauscht wie man das ja oft bei Liebesgeschichten kennt, sondern direkt aus der Welt geschafft, ein sehr sympathischer Zug!

Ich hab mich jedenfalls durchweg sehr gut unterhalten gefühlt und mochte den lockeren Stil sehr gerne. Manche Szenen waren für mich etwas schwer nachzuvollziehen, aber das war eher so am Rande; dafür gab es andere Momente, die mich richtig mitgehen haben lassen. Es sind definitiv viele originelle Ideen beigemischt, die dem ganzen einen lebendigen Rahmen gegeben haben.

Das Ende war für manche vielleicht zu vorhersehbar, ich bin da meist einfach zu unbedarft um sowas schneller zu entdecken, obwohl ich auch eine Ahnung hatte. Aber ich fand es sehr schön und stimmig!

Nicht ganz so konform gehe ich mit

Eine Frau, die in der Rolle als Hausfrau und Mutter aufging, die sich selbst aufgab, um für andere zu leben.
Seite 239


So aus dem Kontext gerissen ist das etwas schwierig und ich nenne das nicht als Kritik, dennoch sind mir die Gedanken, die mir hier kamen, wichtig: Das ist/war durchaus ein Problem vieler Frauen, weshalb "wir" von dieser typischen Hausfrauen-Rolle wegwollen und sicher gibt es Frauen, die sich selbst verlieren dabei, aber ich denke, da liegt noch viel dahinter als alleine diese "Rolle". Ich sehe es eher so (wie sicher auch die Autorin), dass Frauen sich entscheiden sollen dürfen, was sie machen wollen. Dass man weder auf jene herabschaut, die ehrgeizig sind im Job, aber auch nicht auf jene, die lieber zuhause bleiben und in der "Rolle" als Mutter und/oder Hausfrau aufgehen.
Beides sollte akzeptiert werden. Natürlich wenn es die eigene Entscheidung ist und nicht von anderen gefordert wird.

"Sie gibt vor, glücklich zu sein. Das ist etwas Anderes. Wer kann schon wirklich zufrieden damit sein, alleine zu leben?"
Seite 238


Das kam auch eher so nebenbei, dennoch war mir diese Aussage wichtig, da Preema dagegen spricht. Dieses immerwährende Bild eines Lebens, dass ohne Partner nicht lebenswert ist, findet man überall (und natürlich auch in Büchern) und empfinde ich für viele sehr deprimierend. Man ist es zwar gewohnt (was keine Garantie für Richtigkeit ist), dennoch kann man auch alleine sehr gut zurecht kommen, man kann glücklich sein und die Liebe auch durch andere Menschen erleben: die Familie, Freunde, Arbeitskollegen und andere Mitmenschen, die man ins Herz schließt. Liebe ist so vielfältig und nicht nur auf einen Partner begrenzt, ohne dessen Liebe man sozusagen kein "vollwertiger Mensch" ist. Dass einem etwas fehlt und man vereinsamt - so ist es nicht, wenn man sich nicht von der gesellschaftlichen Vorstellung mitreißen lässt.
Es wird nur immer wieder überall suggeriert und ich denke, dass Menschen durchaus ein schönes Leben auch ohne festen Partner haben können, wir sind alle so verschieden, da hat auch dieses Phänomen seinen Platz ;) Deshalb war es mir wichtig, das hier zu erwähnen.

Übrigens streut die Autorin immer wieder Metaphern zu Filmen, Musik oder nerdige Details ein, was besonders erfrischend war, sowas liebe ich immer sehr!

Insgesamt eine überraschende Geschichte mit vielen tiefen Einblicken in das Schicksal, die Liebe, Freude und Leid - interessant aufgebaut und amüsanten sowie bewegenden Momenten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2021

Wunderschöne Abenteuer Geschichte!

Jenseits der Finsterbach-Brücke
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Ich mag die Bücher der Autorin sehr und ich hab mich total auf ein spannendes Kinderbuch-Abenteuer gefreut - aber es ist so viel mehr! Alleine der Schreibstil lässt die Geschichte von Anfang an miterleben ...

Ich mag die Bücher der Autorin sehr und ich hab mich total auf ein spannendes Kinderbuch-Abenteuer gefreut - aber es ist so viel mehr! Alleine der Schreibstil lässt die Geschichte von Anfang an miterleben und das schicksalhafte Band spüren, das sich zwischen den Freunden Lasse und Joern entwickelt.

Wie die beiden Jungs aufwachsen ist ein Unterschied wie Tag und Nacht: während Lasse auf dem Hof seines Vaters aufwächst, mit eigenem Pferd, der Weite von Feldern und Wäldern und Freiheit, muss Joern in der Schwarzen Stadt mit der tristen Kulisse aus grauen Häusern und dem ewigen Staub der Kohlebergwerke leben.

Trotzdem haben BEIDE ihre Sorgen, denn während sich etwas Böses im Norderwald herumtreibt, dem Lasse auf die Spur kommen will, muss Joern seinem großen Bruder Onnar beistehen, der als Streikführer in den Bergwerken für bessere Arbeitsbedingungen kämpft.

Die Entwicklung der Freundschaft der beiden Jungen ist wunderschön zu beobachten. Sie finden und mögen sich, ohne groß darüber nachzudenken und begeben sich von einem Abenteuer ins nächste. Die Themen dahinter sind ernsthaft und haben sehr reale Hintergründe, was die Autorin aber kindgerecht und mit einer Prise Humor bestens aufarbeitet.
Es gibt ein mysteriöses Ungeheuer zu bekämpfen, einen geheimnisvollen weißen Ritter, die bedrückende Bedrohung in der Schwarzen Stadt und das neu geknüpfte Band einer Freundschaft, das leicht wieder zerreißen könnte.

Ich hatte unheimlich viel Spaß beim Lesen und die Spannung wurde durchgehend hoch gehalten und es gibt auch einige traurige, bewegende Momente.
Man erkennt zwar recht bald einige Zusammenhänge, aber den ganzen Durchblick erhält man dann erst zum Schluss, der die Geschichte perfekt abgerundet hat.

Übrigens fand ich hier in Almut einen großartigen Nebencharakter - ein sehr pfiffiges und mutiges 10jähriges Mädchen, dass den beiden Jungs oft "am Rockzipfel" hängt, die aber mit ihrer forschen Art und ihren cleveren Ratschlägen so manches zum guten wendet.

Eine Geschichte voller wunderbarer Momente - ob Freude, Trauer, Spannung, Wut oder Erleichterung; es ist rundum gelungen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2021

Fesselnd erzählt mit steigernder Spannung

Die Überfahrt
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Der Autor begrenzt hier die Handlung auf die Fähre Baltic Charisma, was einen besonderen Reiz ausmacht. Zum einen lese ich selten Bücher, die auf Schiffen spielen, zum anderen entpuppt es sich als ausweglose ...

Der Autor begrenzt hier die Handlung auf die Fähre Baltic Charisma, was einen besonderen Reiz ausmacht. Zum einen lese ich selten Bücher, die auf Schiffen spielen, zum anderen entpuppt es sich als ausweglose Situation - denn wohin soll man fliehen, wenn man auf einem Schiff festsitzt?

Manche fanden den Start als etwas zu langwierig, weil erstmal die vielen Figuren, die eine wichtige Rolle spielen, detailliert beschrieben werden. Was sie zu dieser Reise animiert hat, mit welchen Problemen sie sich herumschlagen etc., aber schon das fand ich sehr spannend, da die unterschiedlichsten Charaktere dabei sind und die Hintergründe alleine schon genug Anreiz gaben, weiterzulesen.
Irgendwie witzig auch das pöbelnde Volk, dass sich hauptsächlich zum Feiern auf dieser Fähre trifft und für alles bereit ist, was nach Musik und Alkohol folgen wird; dafür ist die Baltic Charisma bekannt und wird auch gerne von den Menschen genutzt, um sich vom Alltag in jedweder Weise abzugrenzen.

Das Grauen schleicht sich dann nach und nach ein bis es einen förmlich überrennt. Durch die anschaulichen Bilder, die der Autor heraufbeschwört, grade auch in den kleinen Details, wirkt das ganze sehr lebendig und ich hatte oft das Gefühl, einen Film zu sehen. Ich könnte mir das auch super auf der Leinwand vorstellen und hab von Anfang bis Ende mitgefiebert.
Richtig gegruselt hat es mich nicht, aber Vampire an sich sind nunmal keine mitfühlenden Wesen in ihrem Blutdurst und das zeigt Mats Strandberg auch in einigen Szenen sehr deutlich. Allerdings gibts auch hier feine Nuancen, die auch andere Facetten gezeigt haben, was ich sehr gelungen fand.

Eine positive Überraschung für mich, die mir einige unterhaltsame und packende Lesestunden beschwert hat :)

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Veröffentlicht am 10.05.2021

Konnte mich nicht mehr so fesseln wie Band 1

Narrenkrone
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Vom ersten Band der Reihe war ich ja total begeistert! Obwohl die Grundlage der Geschichte das Märchen um Dornröschen ist, versteht es Boris Koch, auch andere Märchenelemente einzuweben und lässt damit ...

Vom ersten Band der Reihe war ich ja total begeistert! Obwohl die Grundlage der Geschichte das Märchen um Dornröschen ist, versteht es Boris Koch, auch andere Märchenelemente einzuweben und lässt damit viele Erinnerungen an die Geschichten aus der Kindheit aufleben. Ein bisschen hat mir das hier im zweiten Band gefehlt; hier gab es etwas weniger davon, oder ich hab die Verbindungen nicht erkannt, das ist durchaus möglich.

Der Anfang jedenfalls hat mich direkt wieder in den Bann gezogen, was sich im Laufe des Lesen allerdings etwas gelegt hat. Ich weiß nicht genau, woran es lag. Zum einen hab ich mich leider wenig an die Details aus dem ersten Teil erinnert, zum anderen plätscherte die Handlung zeitweise etwas vor sich hin. Es gab kleine Einflechtungen, um sich die Ereignisse aus dem Vorband in Erinnerung zu rufen, aber die waren sehr selten gestreut, so dass ich nicht mehr so recht reinfinden konnte. Ich würde hier wirklich empfehlen, die beiden Bände zeitnah zu lesen!

Die Figuren waren ja alle lange unterwegs, um die sagenumwobene Stadt Ycena zu erreichen, in der das dornenumwucherte Schloss zu finden ist. Mittlerweile sind alle am Ziel angekommen und versuchen nun mit verschiedenen Mitteln, die Hecke zu durchdringen. Jeder hat andere Gründe, aber alle wollen die Kaisertochter küssen, um mit der Macht der Legende über Lathien herrschen und damit den verhassten König Tiban stürzen zu können.
Die Charaktere sind ein bunt gemischter Haufen, die teilweise zusammenfinden, sich gegenseitig beeinflussen, aber auch im Alleingang handeln und damit die Ereignisse tiefgreifend beeinflussen. Hier gab es einige Überraschungen, die neue, spannende Wendungen bereit halten.

So ganz nah gekommen bin ich den Charakteren leider nicht. Das war schon im ersten Band so, wo es mich nicht so gestört hat - hier aber doch ein Stück weit zum Mitfiebern gefehlt hat. Man kann sie zwar alle gut einschätzen, es bleibt aber an der Oberfläche; was für Märchen ja auch in Ordnung ist. Da aber die Handlung mich dieses Mal nicht so mitreißen konnte, hätte etwas mehr über die Gefühle der Einzelnen vielleicht ganz gut getan.

Ihr seht, so ganz zufrieden war ich mit dem Abschluss nicht, dennoch möchte ich positiv hervorheben, wie gekonnt der Autor die verschiedenen Wege der Figuren verbunden hat, das fand ich wirklich klasse, sowie die Idee dahinter und auch die kleinen Botschaften, die eingestreut sind. Vor allem die Gier nach Macht, die hier auf Stärke gestützt wird in Form von Angst und Gewalt - und das Stärke sehr viel mehr bedeutet. Der Mut, sich für andere einzusetzen, der Wille sein Ziel zu erreichen und die Überzeugung sich für andere einzusetzen!

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