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Veröffentlicht am 31.05.2021

Dunkelheit - trotz Lichtscheine - für 44 Jahre ...

Ich ging in die Dunkelheit
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Inhaltserzählung:
Die Beziehung zu meiner Mutter war die komplizierteste meines Lebens und wird es immer sein. Während ich das schreibe, werden mir zwei unvereinbare Tatsachen klar, die mich schmerzen. ...

Inhaltserzählung:
Die Beziehung zu meiner Mutter war die komplizierteste meines Lebens und wird es immer sein. Während ich das schreibe, werden mir zwei unvereinbare Tatsachen klar, die mich schmerzen. Niemand würde sich mehr über dieses Buch freuen als meine Mutter. Und wahrscheinlich hätte ich nicht den Freiraum verspürt, es zu schreiben, wenn sie noch leben würde.

(Seite 66)


Ich will nur auf eine Besonderheit hinweisen: In einer Stadt mit hartgesottenen Bewohnern und reichlich Gewalttaten gab es einen Verbecher, der hervorstach.
Vielleicht hilft auch folgendes Detail, sich ein Bild von Sacramento in den Siebzigern und auch vom EAR zu machen: Wenn ich neugierigen Bewohnern der Gegend sage, ich würde über einen Serienvergewaltiger aus Sacramento schreiben, wurde ich noch nie gefragt, über welchen.

(Seite 118)


Autorin:
Michelle McNamara (1970–2016) wurde als Jugendliche mit einem Gewaltverbrechen konfrontiert, als in ihrer Nachbarschaft ein befreundetes Mädchen ermordet wurde. Diese Erfahrung prägte ihr Leben. Als Erwachsene führte sie die Webseite True Crime Diary und setzte sich zum Ziel, den »Golden State Killer«, einen der schlimmsten Serienmörder in der Geschichte der USA, zu entlarven. Michelle McNamara starb kurz vor Fertigstellung ihres Manuskripts, das nach Erscheinen zu einem Bestseller wurde und allein in den USA über 400.000 Leserinnen und Leser fand.

Übersetzerin:
Eva Kemper, geboren 1972 in Bochum, studierte in Düsseldorf Literaturübersetzen. Neben Junot Díaz‘ ›Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao‹ übersetzte sie aus dem Englischen u. a. Werke von Peter Carey, Louis de Bernières, Tom Rob Smith, Martin Millar und Penny Hancock.


Bewertung:

Anmerkung: Die folgenden Inhalte enthalten keine Spoiler, das können sie gar nicht, da es ein berühmter Fall ist, der oft von vielen Crime-Serien aufgegriffen wird, ebenso wie überall auf sozialen Netzwerken und Webseiten. Wer also keine Einzelheiten bestimmter Fälle lesen möchte, hört jetzt lieber auf zu lesen. Natürlich kommen einige Kleinigkeiten im Buch vor, die nur aus Michelles Sicht zu lesen sind, da sie ja auch ermittelte. Aber sie teilte ihre Ermittlungen mit den zuständigen Ermittlern und arbeitet bis zu ihrem Tod mit ihnen zusammen, wie auch diese Erkenntnisse medial verstreut wurden. Was ich also hier schreibe sind keine Geheimnisse.

👀 "Die Leute vergessen bei Rocky immer die erste Szene, in der er rausgeht und trainiert. Seine Beine tun höllisch weh. Er hat seine besten Jahre hinter sich. Es ist eiskalt. Er torkelt. Er kommt kaum die Treppe rauf. Rocky steht einfach jeden Morgen auf und macht weiter. Jeden Tag. Bei den Leuten, die sich mit ungelösten Fällen beschäftigen, ist es dasselbe. (...)Rocky hat Apollo Creed nicht geschlagen, weißt du noch?", sagte Patton. "Aber er hat ihn und die ganze Welt verblüfft, weil er einfach nicht aufgeben wollte."

(Seite 349/350)

Das Cover braucht keine Worte - es passt mehr als perfekt zum Riesen-Fall. Der Buchtitel bezieht sich auf etwas, was der Golden-State-Killer einem Opfer gesagt haben soll: «You’ll be silent forever, and I’ll be gone in the dark.» («Du wirst für immer schweigen, und ich werde im Dunkeln verschwunden sein.»). Dieses Detail kannte ich aus den Crime-Serien zu diesen Fall nicht. Ich ging davon aus, dass sich der Titel auf die Autorin und ihre Ermittlung bezieht. Es passt aber auch beides, eine gruselige Verbindung.

Der Klappentext lässt einen vermuten, dass die Autorin durch die Such des Täters umkam, er sie vielleicht auch getötet hat - dem ist aber gar nicht so. Sie stark an einer unglücklichen Überdosierung von Medikamenten überraschend. Auch vermittelt der Klappentext, dass die Auflösung des Riesen-Falles detailliert beschrieben wird. Auch dem ist nicht so. Der Täter wird kurz genannt, ganz zum Schluß. Er bildet sozusagen den Schluß. Und es wird nicht erläutert, wie er so lange entwischt ist, wie das im Klappentext steht. Ich habe einige Infos dazu beigeschrieben. Aber für den Leser ist das frustrierend. Wenn man den Klappentext auf eine andere Weise liest, stimmt es schon; die Autorin hat sein Entwischen detailliert geschildert, anhand der einzelnen Fälle und Schlampereien von Ermittlern und Bürgern. Denn jeder Täter kann nur solange fliehen, wie er wissentlich und unwissentlich geschützt wird.

Den poetischen Text von Weldon Kees ("Krimi-Club") finde ich wirr und habe ich auch nicht verstanden. Poesie mag ich sehr, aber dieses hier ist nicht zu verstehen für mich. Klar, es zeigt die Dimension der Überfälle auf literarische Weise, aber das kann auch im Bezug zu anderen Fällen genommen werden. Es steht auch keine Anmerkung des Autors bei; hat er das speziell für diesen Riesen-Fall niedergeschrieben? Ein Rätsel.

Es gibt ein Inhaltsverzeichnis, was ich generell ja sehr mag. Hier ist es allerdings unnötig, da das Buch und seine Kapitel sehr chaotisch zugeteilt sind. Da verschafft auch das Inhaltsverzeichnis keinen Überblick, leider. Ich hatte ja während des Lesens die Vermutung, dass die Kapitel so unchronologisch gesetzt sind, weil Michelle kurz vor Fertigstellung des Buches gestorben ist. Aber beim zweiten Nachdenken erscheint es sinnfrei, denn die zwei Freunde, die das Buch beendet haben, haben ja nicht willkürlich gearbeitet, sondern das so übernommen, wie Michelle es hinterlassen hat. Außerdem starb sie ja kurz vorher, der übermäßige Teil war also schon fertig und somit auch von ihr zusammengesetzt worden. Am Ende kommen die zwei freunde von ihr zu Wort und erklären, dass das Buch bei Autorin Michelles Tod zur Hälfte fertig war. All das widerlegt also meinen ersten Gedanken.

Es gibt eine Einleitung von Gillian Flynn. Hier meine Kritik, dass nicht dabeisteht, wer das ist. Ich kenne sie, sie ist Thriller-Autorin, aber sie ist keine große Berühmtheit wie die Harry-Potter-Autorin, die jeder kennt. Solche fehlenden Deklarationen nerven mich. Dann folgt ein Prolog der Autorin. Am Ende gibt es sozusagen ein Nachwort der beiden Freunde von Autorin Michelle und eines von ihrem Mann. Dann folgt ein Brief von ihr an den alten Täter, für sich, da bis dato keine Überführung stattfand. Als letztes folgt das Foto des Täters und drei Sätze zu ihm. Das ist ziemlich mau, daher habe ich als Anhang dieses Essays - äh, dieser Rezension ein paar Infos hinzugefügt. 😏

📋 Zur besseren Übersicht (die Fälle, von denen wir wissen):


Visalia Ransacker (Visalia-Plünderer)

April 1974 bis Dezember 1975 - Über 100 Einbrüche, Raub und 1 Mord


East Area Rapist (EAR)

Juni 1976 bis Juli 1979 - Über 50 Vergewaltigungen an Frauen und Raub


Original Night Stalker (ONS)

Oktober 1979 bis Mai 1986 - 2 Übergriffe auf ein Paar, konnten gefesselt fliehen (zwei Beinahe-Morde)

- 6 Paar-Morde, Vergewaltigungen von den Frauen (das bleibt unerwähnt im Angesicht von Mord) und Raub, davon 2 Morde nicht 100 % dem ONS zuordbar


❕ Von Autorin Michelle "Golden State Killer" genannt



Was mich zu Beginn irritiert hat, war, dass die Autorin Michelle nur fünf Vergewaltigungsopfer aufgeführt hat, obwohl es fünfzig gemeldete ! gemeldete Fälle gibt. Beim Lesen jedoch erkannte ich, dass sie nur die Namen gelistet, die auch in dem Buch Erwähnung finden. Jedenfalls kann ich das so zuordnen, bei all den Namen - gerade bei der Ermittler-Liste - habe ich den Überblick verloren. Aber es ergibt Sinn. Denn es irritiert zudem, dass vor der Auflistung der Opfer und Ermittler, eine Ortskarte mit den verschiedenen Verbrechen (auch die Anzahl dieser) abgedruckt ist. Ein Mord wird in Verbindung mit den ganzen Einbrüchen noch untersucht bzw. wurde bis zur Fertigstellung des Buches untersucht. Ich konnte aktuell kein Ergebnis dazu im Internet finden.

Ich kenne den Fall aus verschiedenen Crime-Serien, dieser Fall ist oft verfilmt worden für die Serien. Das macht es für mich sogar noch etwas persönlicher, dass hier eine Autorin in einen Fall ermittelt hat, den ich recht gut kenne und von dem man sehr viel hört, sieht und liest. Jedenfalls ist den Crime-Liebhabern dieser Fall bestens bekannt, trotzdem war ich gespannt, was die Autorin selbst ermittelt hat.

Das Buch ist nicht chronologisch erzählt, was mich hin und wieder irritiert hat. Das Buch kann man nicht einfach so runterlesen, aber es ist fesselnd. Mal schreibt die Autorin in der Vergangenheitsform, dann wieder in der Gegenwartsform. Sie verknüpft es auch, es ist jetzt nicht aus dem Zusammenhang durcheinander gewürfelt ... Aber für eine Analytikerin, wie sie es wahr (und wie ich es bin), ist das sehr ungewöhnlich und wirr.

Wir erfahren unter anderem auch, wie Michelle aufwuchs und was sie zu dem Ermittlungs-Hobby brachte, die Entwicklung der DNA-Analyse und wie es mit anderen Hobby-Ermittlern auf verschiedenen Webseiten aussieht. Insgesamt erzählt sie wie in einem Tagebuch, nur auf sachlicher Ebene. Sie drückt zwar auch ihre Gefühle aus, aber nie überschwänglich und richtig greifend für den Leser.


👀 Rat suchte ich bei pensionierten Ermittlern, die an dem Fall gearbeitet hatten und von denen ich viele mittlerweile als Freunde betrachtete. Sie hatten irgendwann die Hoffnung verloren, aber das hielt sie nicht davon ab, mich zu ermutigen. Die Jagd nach dem Golden State Killer, die beinahe vier Jahrzehnte andauerte, kam mir weniger wie ein Staffellauf vor, eher wie eine sonderbare Seilschaft, die versucht, einen Berg zu besteigen. Die betagten Jungs mussten aufgeben, bestanden aber darauf, dass ich weiterging. Bei einem beklagte ich mich, es käme mir vor, als würde ich nach Strohhalmen greifen. "Soll ich dir was raten? Schnapp dir den Strohhalm", sagte er. "Klammere dich an allem fest, was du in die Hände bekommst."

(Seite 24/25)


Was mich immer wieder wütend macht, ist die Gedankenlosigkeit der Ermittler, die scheinbar nur auf ihren Gehaltscheck aus sind und Menschen, die bestimmte Dinge beobachten, aber nichts melden! Auch in vielen dieser Fälle hier hören Nachbarn mehrere Schüße nachts ! und bittende Sätze von Personen, aber keiner ruft die Polizei!! Niemand! Das kommt alles erst raus, als die Ermittler sie nach den Taten befragen. Es begibt sich ja niemand in Gefahr, wenn er in seiner Wohnung/seinem haus die Polizei verständigt. Er muss sich ja nicht ins Geschehen werfen! Das regt mich immer so auf! Das passiert so oft, nicht nur hier. Ich kenne zig Fälle, bei denen die Opfer hätten noch gerettet werden können, wenn jemand die Polizei oder den Krankenwagen gerufen hätte. So verbluten viele minutenlang, manchmal sogar mehr als eine Stunde ! ... Der berühmteste Fall ist der von Kitty in New York in den 80ern, wo mehrere Nachbarn sie beobachten und den Übergriff sahen, aber niemand die Polizei verständigte. Mehrere Nachbarn haben sie verbluten sehen und niemand half ihr. Erst nach mehr als einer Stunde kam eine Nachbarin sofort zu ihr, aber da war es schon zu spät. Hier war noch die Besonderheit, dass der Täter das ausnutzte, und nach dem ersten Angriff nochmal zurückkam udn sein Werk vollendete. Weil ja niemand etwas unternahm. Grauenvoll! Wie hilflos muss Kitty sich gefühlt haben, zu wissen, sie wurde gesehen, in Augen zu blicken, die einfach wieder ihre Türen schlossen und warteten, bis sie erstummte ...

In den Fällen im Buch war das mehr das normale Verhalten der Nachbarn; also die Opfer wussten nicht, dass andere etwas von dem Geschehen mitbekamen. Es wurden auch bei Nicht-Überfällen einiges merkwürdiges beobachtet, aber nicht gemeldet. Auch wirklich so handfeste Sichtungen, wie ein Nachbar, der den schleichenden Täter erwischt und freundlich hustet, um zu signalisieren, dass er ihn bemerkt hat. Eine Woche später wurde Opfer Nummer elf überfallen. Sie war im sechsten Monat schwanger. (Nur eines der vielen Beispiele, wo man nur den Kopf schütteln kann - der Täter wurde von vielen auf frischer Tat entdeckt, flüchtete und begann wenig später "Ersatz"-Taten.) Nicht umsonst sagt die Polizei, man solle auch noch so unscheinbare Dinge melden, die einem nicht wichtig erscheinen. Viele Fälle werden durch solche Mini-Puzzleteile gelöst.


👀 Was die Menschen sehen: Schweinwerfer auf dem freien Feld hinter ihrem Haus, wo kein Auto sein sollte. Aufgebrochene Türen. Einen Mann, der aus einem Entwässerungsgraben steigt und in den Nachbargarten schleicht. Geheimnisvolle Fußabdrücke im Garten. Einen Mann, der an die Tür klopft und wissen will, wie viele Personen in dem Haus wohnen, obwohl in diesem Jahr keine Volkszählung stattfindet. (Anmerkung von mir: Michelle schreibt fast eine Seite solcher Auffälligkeiten)
Was die Menschen hören: Wie sich jemand an der gläsernen Schiebetür zu schaffen macht. Kratzen an der Hausseite. Einen Hilferuf. Ein Handgemenge. Schüsse. Den lang gezogenen Schrei einer Frau. (Anmerkung von mir: Auch hier habe ich ihre Auflistung abgekürzt)
Niemand ruft die Polizei.
Diese Beobachtungen sammeln die Polizisten bei den Befragungen der Nachbarn nach vollbrachter Tat.

(Seite 233/234)


Da kommen Verbohrtheit und Egomanie sowie Machtspiele der Departments und Ermittler immer ins Spiel. Dieser große Fall mit vielen Einzelfällen bildet da keine Ausnahme. Und wie in vielen Kriminalfällen wurden auch hier eklatante Fehler begangen; Beweise wurden einfach vernichtet, ohne je einen Blick darauf geworfern zu haben, zum Beispiel. Dann kommen noch Aussagen hinzu, die sehr kurzgedacht sind, wie; der EAR stahl keine Rabatt-Marken wie der ONS, also konnte er nicht derselbe Täter sein. Da wurde die Entwicklungen des Täters gar nicht in Betracht gezogen, und dass der ONS noch vor dem EAR gewütet hatte. Wir reden (lesen) hier ja von jemadnen, der Jahrzehnte auf Achse ist. Dass sich der Täter da auch weiterentwickelt sagt einem jeder mit Verstand! Aber diese fehlerhafte Denkweise hat andere Ermittler behindert. Ebenso wie destruktive Aussagen wie "Verschwende nicht deine Zeit!" - "Er ist tot!" - "Er verrotet sicher im Gefängnis!" - "Warum kümmert dich das so?", die faule und uninteressierte Ermittler ihren aktiven und suchenden Kollegen vor die Köpfe knallen. Das zog sich bis zur Verhaftung des Übeltäters. Auch im Jahr 2000 kamen den alten Hasen nicht in den Sinn, der Täter hätte ja auch krank sein können oder bereits zu alt für seine akrobatischen Fluchten. Darüber wurde gar nicht nachgedacht, jedenfalls hat das kein Ermittler preisgegeben oder gar an anderen kritisiert. Dieses eklatante Fehlverhalten einiger Ermittler hat alles und jeden behindert, und somit auch die Ergreifung des Täters.


👀 Als ich die Tat in der Queen Ann Lane am 1. Oktober 1979 erwähnte, verhärtete sich Rays Miene.
"Ich glaube, in dieser Nacht hätten sie ihn schnappen können", sagt Ray.
Es war die Nacht, in der er begriff, dass er töten musste. Die Nacht, in der seine Opfer überlebten und ihr Nachbar, ein FBI-Agent, den Verdächtigen bei der Flucht auf einem gestohlenen Rennrad verfolgte. Ich bin die Strecke der Verfolgungsjagd anbgelaufen bis zu der Stelle, wo der Agent ihn verloren hatte. Der Agend stand in Funktkontakt mit den anrückenden Polizisten.
Ich habe nie begriffen, warum er nicht gefasst wurde.
"Ich wusste, was passieren würde", sagt Ray. Er schüttelt den Kopf. "Ich wusste genau, was die Polizisten machen würden."
Sie ließen ihn entwischen.

(Seite 334)


Wer das von den Crime-Serien nicht weiß: Dieser FBI-Ermittler hatte freies Schußfeld und hat das nicht genutzt. Er sah die Situation als unrechtmäßig für den Waffengebrauch. Natürlich war das heftig umstritten, da so eine Serien-Vergewaltiger und -Mörder entkommen konnte und weitere Menschen vergewaltigte und ermordete. Ich achte den FBI-Agenten für seine Entscheidung, kritisere aber auch, dass er ihn hätte ja nicht gleich töten müssen. Das ist auch etwas, was einem oft begegnet; dass die Täter statt ins Bein oder Arm, um sie handlungsunfähig zu machen, direkt tödlich erschossen werden. Da fragt man sich doch, ob die das gar nicht erst lernen, Gefangene zu nehmen. Der FBI-Agent hätte ihn nicht töten brauchen. Ich denke, daher kommt zum Teil auch die Kritik. Der andere Teil sind die typisch amerikanischen Werte zum Waffengebrauch. Viele zögern nicht und töten lieber als dass ein Mörder weiter frei herumläuft.

Diese Missstände bringt Michelle auch im Buch ein und ich war erleichtert, dass sie auch diese Aspekte betrachtete. Denn die gehören leider oft dazu. Was verkrampft sich alles in mir, wenn ich darüber nachdenke, wie die Fälle gelöst werden könnten (generell), wenn Ermittler und Zeugen rechtschaffener wären und zusammenarbeiten würden?! Und dieser Riesen-Fall hat so viele Puzzleteile, die nicht alle ordnungsgemäß zusammengeführt wurden, sodass der Täter immer wieder entkommen konnte! Das gleicht einem zynischen Götterspiel! Da waren nicht nur die Planung und Geduld des Täters ausschlaggebend, sondern auch massig viel Glück! Wie oft er gesichtet wurde, wie viele Phantombilder es von ihm gab, wie viele merkwürdigen Geschehnisse entdeckt wurden - vor vielen Verbrechen, die er danach begangen hatte ... Er ist mit allem davongekommen, selbst Beweise, die er zurückgelassen hatte, wurden einfach ohne Blicke darauf entsorgt. Nein, allein mit dem Können des Täters hat das nichts zu tun. Wie in vielen anderen Fällen kommen hier einfach viele Fahrlässigkeiten zusammen.

Michelle schreibt zu all dem, dass es bezeichnend für die siebziger war. Allerdings stimmt das nicht. Ja, das war so, aber ist heute immer noch so. Die Menschen haben die gleichen Gründe wie damals. Und es ist immer noch unverständlich und behindernd. Sie schreibt auch treffend dazu:

👀 Ich erwähnte Shelby gegenüber die allgemeine Verunsicherung in der Zeit nach Vietnam, doch Shelby schüttelte den Kopf. Die Passivität der Nachbarn war für ihn nur ein Problem von vielen. Nicht nur die Bürger hatten versagt, sondern auch Shelbys Vorgesetzte, die so sehr mit ihren Machtspielchen beschäftigt waren.

(Seite 235)


Sie bringt es genau auf den Punkt. Wer verschiedene Crime-Serien schaut, weiß um das Verhalten der Departments und ihre Vorgehensweisen. Sobald ein Fall mediale Aufmerksamkeit genießt oder sehr groß wird (was hier der Fall war), gehen die Ränkespiele richtig los. Das Ego wird aufgeplustert und es geht vorwiegend nur noch darum, wer die Ehre hat, ganz vorne dabei zu sein und den Fall abzuschließen, um die Karriere voranzutreiben. Opfer und Tat selber spielen da im Hintergrund Walzer.

Natürlich gibt es bei den Bürgern Unsicherheiten, was sie melden sollen und was nicht. Aber hier waren Gegebenheiten, die auf jeden Fall hätten gemeldet werden müssen. Auch ist es so, dass viele Ermittler Meldungen auch nicht ernst nehmen. Im besten Fall sagen sie dir, sie können da nichts machen, sie brauchen was handfestes. Im schlimmsten Fall lachen sie über dich, verhöhnen dich. Und nein, das ist nicht nur in Amerika so. Besonders in Deutschland herrscht die bekannte Philosophie unter der Bevölkerung, dass die Polizei erst etwas unternimmt, wenn etwas konkretes passiert ist. Ein Beispiel werde ich mal nennen: Eine ehemalige Umschulungs-Kollegin von mir erzählte mal, dass sie mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn im Auto auf der Autobahn von einem anderen Autofahrer massiv bedrängt wurden. Der rammte sie sogar. Als sie währenddessen bei der Polizei anriefen, meinte die nur, dass sie in diesem Fall nichts tun können, weil sie dafür kein Personal haben. Erst, wenn dadurch ein Unfall passiert, fahren sie raus. Ja, da schüttelt es sich doch bei jedem, oder? Wir schimpfen ja gerne über andere Länder und ihre Systeme, und plustert uns auf, wir würden es besser machen.

Das ist also ein Riesenproblem, das sich auch in diesem Riesen-Fall ereignet hat. Wie viel früher hätte der Täter gefasst, wie viele Leben gerettet werden können ... ? Man mag gar nicht darüber nachdenken, weil sonst die blanke Wut einen befällt. Mir ergeht es jedes Mal so, wenn ich sowas mitbekomme. Michelle stellt die gleichen Fragen, bleibt aber sachlich und emotional unberührt (für uns Leser). Aber das ist okay so, ich habe Wut für uns beide in mir. Und da brauchen wir auch gar nicht in die USA gucken, auch bei uns in Europa passieren ständig eklatante Fehler. Wir alle kennen Fälle, wo Sexualstraftäter ein super Gutachten erhalten und entlassen werden. Und daraufhin sofort den nächsten übergriff begehen. Und man muss auch kein Psychologe sein, um zu wissen, dass Sexualstraftäter die einzigen Kriminellen sind, die man nicht resozialisieren kann. Triebe kann man nicht stoppen. es gibt Programme, die diesen Menschen helfen, mit ihren Trieben umzugehen, aber das sind keine Schlösser, sondern Pflaster. Diese Menschen können jederzeit rückfällig werden. Und gerade solche straffälligen Täter dann in die Gesellschaft hinaus zu schicken, ist grob fahrlässig! Und das gibt es gerade bei uns in Deutschland viel zu viel. Weil wir einfach eine sehr milde Gesetzeslage haben. Auch andere Verbechensbereiche wie Raub und Tötung gibt es zu Haufen, bei denen lebensrettende Fehler gemacht werden.

Ganz präsent ist mir ein Fall, bei dem es um einen Asylanten geht. Dieser ist mir nicht hängen geblieben, weil er kein Deutscher ist, sondern weil der Fall international ist. Dieser Täter nämlich bewarb sich in verschiedenen europäischen Ländern als Asylbewerber mit falschen Dokumenten. Keinem fiel es auf. In Frankreich tötete er sein erstes Opfer (von dem wir wissen - wir wissen ja nicht, wie viele er bereits vorher ermordete oder eben nicht). Daraufhin sollte er ausgewiesen werden. Die Behörden versäumten dies aber und so zog er nach Deutschland und tötete eine weitere Person. Und blieb eine Zeit lang unerkannt. Beide Tötungen sahen die Behörden nicht im Zusammenhang, weil sie sich nicht miteinander austauschten, auch in kriminaltechnischem Bereich (wie in Amerika ebenfalls). Bei weiterer Kontrolle seiner Unterlagen stellten die Beamten dann fest, dass ein Haftbefehl und eine Abschiebung auf den Mann ausgestellt worden waren, in Frankreich. Muss ich dazu noch mehr schreiben? Statt nach Amerika zu schauen, mal lieber vor der eigenen Haustür kehren.


Auch so Fehler, die nicht direkt mit den Fällen aufkamen, sondern vorher schon begangen wurden, die dann mit in die Fälle reinspielten:

👀 Jahrelang scheint niemanden aufgefallen zu sein, dass die Notrufnummer 911 im gemeindefreien San Ramon nicht funktionierte, obwohl die Telefongesellschaft den Anwohnern diesen Service in Rechnung stellte. Eine Frau, die am Ende einer ruhigen Sackgasse wohnte, stieß auf diesen Missstand. Das schrille Fiepen aus dem Hörer, das eine nicht zustande gekommene Verbindung anzeigte, versetzte ihr nach zwei Stunden sexueller Gewalt durch einen Fremden einen zusätzlichen Schock.

(Seite 272)


Das lasse ich unkommentiert.


👀 Nach etwa einem Jahr war die Untätigkeit der Nachbarn nicht mehr mit Ahnungslosigkeit oder Trägheit zu entschuldigen. Es war reine Wagenburgmentalität. Wenn sie etwas sahen, schlossen sie die Türen ab, schalteten das Licht aus, zogen sich ins Schlafzimmer zurück und hofften, er würde sie nicht holen. "Ich hatte Angst", gab eine Frau zu. Aber warum hatte sie nicht die Polizei angerufen? Meine Gedanken kreisten immer wieder um die Frage, wie es hätte laufen können.

(Seite 243)


Dazu brauche ich nichts mehr kommentieren. Sagt alles.


Viele Theorien kamen auf, wieso der Täter plötzlich aufhörte und woanders weitermachte, wieso er jahrelang bis zur Verhaftung gar nicht mehr in Erscheinung trat ... Ich finde das gar nicht so unergründlich. Auch Michelle hat diese Theorien beschrieben und wie die Antworten darauf aussehen. Und ihre Meinung dazu trifft auch auf meiner, denn sie ist mehr als logisch zu begreifen. Ich frage mich da, wie die Ermittler und andere das nicht sehen konnten. Es war nichts rätselhaftes, es war klar wie Brühe. Ich kann nicht ausdrücken, wie oft ich den Kopf geschüttelt habe und wütend geworden bin. So oft.


An einer Stelle musste ich schmunzeln, die ist so schön geschrieben:

👀 Um zu veranschaulichen, wie schwierig die Bewertung potenzieller Verdächtiger ist, zeigte er später, dass rein nach den Aufenthaltsorten und der Personenbeschreibung des EAR-ONS selbst Tom Hanks infrage käme. (Der, das möchte ich betonen, schon wegen des Drehplans der Serie Bosom Buddies ausgeschlossen werden kann.) 🤭

Sehr interessant fand ich die Stelle, bei der zwei Firmen Autosomale DNA von Menschen untersucht, deren Ergebisse dann anzeigen, welche Krankheiten in den Genen liegen bzw. die Auslöser, die möglicherweise diese Erkranken hervorbringen. Ich finde die Stelle sofern interessant, als das ich diese Art der Untersuchung bereits kenne. Ich habe einen Artikel dazu in einer meiner Wissensmagazinen, zu genau der zeit, als das Verfahren noch neu war. Man kann seine Speichelprobe für etwas mehr als hundert Euro in die Labore schicken. Die Ergebnisse werden per E-Mail mitgeteilt. Im Artikel hat ein Reporter das gemacht und davon berichtet. Natürlich alles aus den USA, die sind ja Vorreiter in diesen Bereichen. Ich war überrascht, dass das hier zu lesen ist. Aber auch sehr passend für das Kapitel.

Etwas zwiegespalten bin ich ja schon immer über die Hobby-Ermittler aus den Webseiten gewesen. Die kannte ich natürlich durch die ganzen Crime-Serien auch zu genüge. Aber diese Bürger-Initiativen sind zum großen Teil bei den Departments ungern gesehen. Andererseits sind sie auf solche Initiativen angewiesen. Es ist schon ein Armutszeugnis, neben den positiven Gründen. Denn es zeigt auch die Unfähigkeit der Ermittler und das Versagen des Staates, diese finanziell und personell ausreichend auszustatten. Stattdessen ermitteln die Bürger, um die Verbrechen aufzuklären. Selbstjustiz ist verpönt, aber gerade in Amerika, wo alle Waffen halten dürfen, ein Alltagsmodell. Sehr ambivalent! Und ob man es nun positiv oder negativ betrachten möchte - Faktisch bleibt es so, dass nicht die Bürger einer Stadt für die Verbrechensaufklärung zuständig sind, auch nicht als Assistenten. Sondern die Polizei, die dafür bezahlt wird.


Es ist mir ein Fehler bewusst im Gedächtnis geblieben, ganz zu Anfang, da wird ein Mord falsch in der Erzählung zugeordnet und eine Vergewaltigung hat mich irritiert, also die der Name des Opfers und ihre Lebensumstände. Der Verlauf war derselbe, wie auch der Sohn im gleichen Alter war, als der Übergriff geschah. Allerdings wird ganz vorne im Buch bei der Karte ein ganz anderer Name angegeben. Ich weiß nicht, ob Michelle sich einfach verschrieben hat oder das zwei verschiedene Frauen sind, mit demselben Lebensumstand und Verlauf. Auch bei den Ermittlern ist ein Fehler aufgetreten bzw. ist mir aufgefallen, dass auf Seite 122 ein Foto von einem William McGowan abgebildet ist und auch so deklariert. Aber der zuständige Ermittler damals hieß Bill McGowan. Das wird auch noch auf derselben Seite erwähnt. Scheint mir ein Schreibfehler zu sein, oder es sind wieder zwei verschiedene Personen, von denen aber nur einer erwähnt wird, während der andere nur auf dem Foto zu sehen ist. Sinnfrei ist das alle male. Im letzten Kapitel steht, dass die Suche mit DNA-Spuren in der Überschrift "Sacramento 2013" zu lesen ist. Aber diese Überschrift gibt es nicht.


Im Laufe der Ermittlungen gab es viele Phantombilder von dem Täter. Mal sahen sie ihm ähnlich, mal weniger. Erschreckend finde ich (da gibt es vieles in diesem Riesen-Fall) besonders, wie eines der vielen Phantombilder dem Täter 1:1 zeigen! Zwei der Phantombilder sind im Buch abgebildet, das eine hat viele Ähnlichkeiten mit dem Täter. Das andere ist genau er! Ich habe wirklich noch nie (nicht, dass ich mich daran erinnere) ein Phantombilde gesehen, das genauso aussieht, wie der Täter. Und der Fotoabgleich, der auch im Buch ist, ist alt. Auf dem Foto ist er 72 Jahre alt, bei seiner Verhaftung. Das Phantombild entstand im Februar 1977!!! Wirklich alles - von Stirn über denselben Blick, Nase, Mund, Gesichtskontur - stimmt mit dem 41 Jahre alten Mann auf dem Foto überein! Und das, obwohl er auf dem Foto seinen Kopf etwas hochhält! Richtig gruselig! Du erkennst ihn, obwohl er 31 Jahre älter ist als auf dem Phantombild! Habe Gänsehaut. Immer noch. Wenn ich bedenke, wie viele Phantombilder wage sind und trotzdem die Täter dadurch geschnappt werden ... wieder etwas unerklärliches und voller Glück geprägt. (Siehe Anhang Bild GRUSELIG!)

Auf dem Foto 1973 von ihm lässt sich das Phantombild auch deutlich wiedererkennen. (Siehe Anhang Bild DEUTLICH! Als junger Mann) Aber auch das zweite Phantombild von August 1979 im Buch gleicht dem Foto unheimlich. (Siehe Anhang Bild UNHEIMLICH!)

Dann gibt es noch ein gutes Phantombild mit einem jüngerem Ich des Täters, dass auch wahnsinnig gut harmoniert! (Siehe Anhang Bild WAHNSINN!)

Auf einer weiteren Collage ist er von 1973 (Foto) mit einem wieder sehr ähnlichem Phantombild abgebildet! Beide Personen sind da jung. Leider kann ich die Collage nicht zeigen, mehr als fünf Bilder sind nicht erlaubt. 🙄

Dasselbe Phantombild mit dem alten Mann auf dem Polizeifoto - ebenfalls klar identifizierbar, trotz des Riesen-Altersunterschied! (Siehe Anhang Bild DEUTLICH! Als alter Mann)


https://www.lovelybooks.de/autor/Michelle-McNamara/Ich-ging-in-die-Dunkelheit-2479710823-w/rezension/2984528475/


(Und ja, die Collagen habe ich erstellt. Die zwei Phantombilder und das Polizeifoto sind vom Buch, alle anderen aus dem Internet. Ist ja - wie bereits erwähnt - ein berühmter Fall.)


👀 "Ein Verbrecher ist in seiner Vergangenheit ungeschützter als in seiner Zukunft."

(Britischer Kriminalpsychologe David Canter im Buch "Criminal Shadows")


Fazit:
Ich habe das Buch innerhalb zwei Tagen durchgelesen. Es hat einen Sog. Das Buch selbst ist im eigentlichen Sinne ein Puzzle zum Bild; es lässt sich noch so vieles dazu schrieben - zum Täter, zu den Opfern, zu den Hinterbliebenen, zu den Ermittlern, zum Verlauf ... So vieles bleibt ungeschrieben, aber Michelles Geschichte, ihre Ermittlungen, enden hier.


👀 "Ich bin überzeugt davon, dass niemanden außer ihr gelungen wäre, als Außenseiterin in diesem Fall zu erreichen, was sie erreicht hat, und mit der Zeit eine von uns zu werden. Ich glaube, eine solche Kooperation von privater und öffentlicher Seite ist bei einem Ermittlungsverfahren einmalig. Michelle war dafür perfekt."

(Paul Holes, Forensiker und Ermittler, der mit Michelle bis zu ihrem Tod zusammengearbeitet hat)


Dieser Riesen-Fall ist nicht nur einzigartig, weil er so viele Fälle an verschiedenen Orten und verschiedene Taten enthält, sondern auch unglaublich detailliert die Entwicklung des Täters aufzeigt. Zu Beginn nur Einbrüche und Raub (bis auf eine Ausnahme, die ungeplant war), wie ein Herantasten an seine zukünftigen Taten. Dann wird er mutiger und vergewaltigt alleinstehende (oder gerade allein im Haus stehende) Frauen, kombiniert das mit Raub. dann steigert er sich zu Pärchen-Überfällen mit Vergewaltigung, Raub und Mord. Und das zwei Jahrzehnte, von denen wir wissen! Das ist wie eine Pyramide, die sich langsam aufbaut und deren Entwicklung jeder sehen kann. Gleichzeitig sind einzelne Fälle auch komplex, weil sich Städte nicht miteinander austauschen und keine Verbindung gesehen wird, wo welche ist.

Man darf auch nie vergessen, dass all diese Fälle nur die sind, die wir kennen, die an die Öffentlichkeit gelangt sind. Uns allen ist klar (sollte es, es ist kein Geheimnis), dass gerade bei Sexualverbrechen viele Dunkelfälle existieren. Denn sexuelle Gewalt jeglicher Art ist in unserer Gesellschaft ein Riesen-Tabu-Thema und sehr intim und schambehaftet. Das liegt am patriarchen System weltweit, das von Männern aufgebaut wurde. Nicht selten werden Sexualopfer von Polizei und Gericht eine Mitschuld gegeben. Es ist also davon auszugehen, dass es hier viel mehr Opfer gibt, als wir wissen. Schon drei Morde konnten dem Täter nicht einwandfrei angelastet werden, weil Beweise fehlen oder unzureichend sind.

Mich hat das Buch laufend getriggert. Ich habe im März eine Kurzserie gesehen: "Unbelievable" (auf Netflix). Dort geht es um eine Vergewaltigungs-Serie in verschiedenen Bezirken, die sich natürlich nicht austauschen. Die Fälle sind in vielen Details genau wie die Fälle hier im Buch. Mich hat es immer wieder an die Serie erinnert. Vielleicht haben die Produzenten diese Fälle auch als Vorlage genommen und weitergespinnt ... ich weiß es nicht. Es gleicht sich nur sehr erschreckend. Übrigens eine super tolle Serie mit starken Schauspielern. Es lohnt sich diese anzusehen.

Ich war traurig, als ich das Buch untersuchte und nichts zu ihrem Tod fand und kein Foto von ihr, um mir ein Bild von ihr machen zu können. Aber auf den letzten Seiten ist ein Foto von ihr abgebildet, was ich für den Leser sehr schön finde. Ich möchte ja die Frau sehen, die dieses Buch geschrieben hat, wie ein Tagebuch, zu dem man Verbindung aufnimmt.

Das Buch insgesamt hat mir sehr gefallen, der große Schwachpunkt ist hier der chaotische Erzählstil. Ein unnötiges Inhaltsverzeichnis kommt noch hinzu, da man sich an ihm gar nicht orientieren kann. Die Daten sind - bis auf die Übersicht zu Beginn - in den Kapiteln chaotisch niedergeschrieben. Da die Kapitel nicht geordnet nach den Daten geschrieben sind, war es für mich schwer, alles beisammenzuhalten. Dafür sind das einfach zu viele Orte, zu viele Opfer, zu viele Ermittler. Ich konnte sie alle nicht immer richtig zuordnen. Man wird von einem Fall zum Nächsten geschleudert, der nicht immer direkt danach geschah. Von 1981 geht es zu 1980, dann zu 2009 ... dazwischen sind immer wieder Kapitel, die ohne Daten in der Überschrift auftauchen. Da sind die Daten der Geschehnisse, die dort erzählt werden, auch noch gemischt. Ein wirklich bunter Haufen, der mich irritiert und mich immer wieder aus dem Lesefluss genommen hat. Aber nur kurz - denn dann ging es fesselnd weiter und ich konnte gar nicht aufhören zu lesen. Es ist hier wirklich so einiges ambivalent, auch das Lesegefühl. Einerseits chaotisch und irritierend, andererseits fesselnd und eindringlich. Daher auch meine Gesamtbewertung von 4 Sternen.


👀 "Die Zukunft hält jede Menge Bösewichte für dich bereit", sagte er.
"Ich will nicht >jede Menge Bösewichte<", sagte ich. "Ich will nur den einen."

(Seite 350)

Niemand hatte geahnt, dass ihr beides verwehrt bleiben würde ... Sie starb am 21. April 2016. Fast genau zwei Jahre, bevor der EAR, ONS und vermeintlicher Plünderer festgenommen wurde.



So, nachdem ich für die Zusammensetzung dieser Bewertung knapp sieben Stunden (ohne Pausen) geschuftet habe, mag ich nicht mehr denken. 🥴









P.S.: Nähere Infos zum Täter werde in dem Buch leider nicht notiert, was für die Leser natürlich unbefriedigend ist. Vor allem für Diejenigen, die keine Crime-Serien gucken und den Fall auch nicht kennen. Daher hier meine Ergänzung:

Modernste DNA- und Ahnenforschungs-Datenbanken führten die Polizei erst zu entfernten Verwandten des Täters, dann schließlich bis zu seiner Haustüre in Sacramento. Josef James DeAngelo, damals 72 Jahre alt, ist ein Ex-Polizist, 1979 wegen Ladendiebstahls aus dem Dienst entlassen. Er wird nach 44 Jahren (von der ersten tat an, von der wir wissen) ! endlich verhaftet. Um der Todesstrafe zu entgehen, worauf die Staatsanwaltschaft als Deal verzichtet hat, gestand der dann 74-Jährige am 29.Juni 2020 13 Morde und über 160 Verbrechen wie Entführung, Einbruch, Raub und Vergewaltigung, teils bereits verjährt. Seine Opfer waren zwischen 13 und 41 Jahre alt (ohne die Kinder im Haus gerechnet, nur reine Übergriffe). Am 21. August 2020 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Staatsanwalt Thien Ho zitierte DeAngelo: „Ich habe alle diese Sachen getan. Ich habe alle ihre Leben zerstört. Deshalb muss ich jetzt den Preis bezahlen.“ Die zuständige Distrikt-Staatsanwältin (District Attorney) erklärte es für möglich, dass es weitere unidentifizierte Verbrechensopfer DeAngelos gäbe und man wohl nie die wirkliche Dimension seiner Taten erfahren werde. (Von mir: Was ich ja auch für sehr wahrscheinlich halte)

Die kalifornischen Behörden ließen verlauten, McNamaras Erkenntnisse hätten nicht zur Ergreifung des Täters geführt. Der US-Pay-TV-Sender HBO sicherte sich die Rechte an McNamaras Buch für eine Doku-Serie.



Anmerkung von mir: Für mich ist es mehr Frustration als Sieg, dass er ganz normal sei Leben glücklich weiterleben durfte und erst im hohen Alter und hoher Gebrechlichkeit verhaftet wurde. Letzten Endes hat er gewonnen und sein Leben gelebt.





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Veröffentlicht am 30.05.2021

The Line - Mehr als 🤮 und 💩 ergeben können ...

The Line We Don't Cross
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Klappentext:
Norah

Die Nachricht, dass mein Vater gestorben ist, war eine Erleichterung für meine gequälte Seele. Endlich hat der Mistkerl bekommen, was er verdient. Dann las ich die Fußzeile: Testamentsverkündung ...

Klappentext:
Norah

Die Nachricht, dass mein Vater gestorben ist, war eine Erleichterung für meine gequälte Seele. Endlich hat der Mistkerl bekommen, was er verdient. Dann las ich die Fußzeile: Testamentsverkündung in drei Tagen. Anwesenheit zwingend notwendig.

Ich wollte das Geld des alten Mannes nicht und ich hatte mir geschworen, nie wieder einen Fuß über die Schwelle seines Hauses zu setzen. Auf der anderen Seite wusste ich von dem Aktenschrank mit seinen ganzen Papieren, Akten und Unterlagen. Ein letzter Besuch, um endlich Antworten auf die Fragen zu bekommen, die das Monster mir nie beantwortet hatte. Und ein letztes Mal meinen Bruder sehen. Ich vermisste ihn so sehr.


Reed

Bitte komm nicht her. Sei klüger als ich. Fall nicht auf den verdammten letzten Trick des alten Mannes herein und bleib weg. Du hast dir nie viel aus Geld gemacht. Ich bete zu Gott, dass es noch immer so ist …


Autorin:
Mia Kingsley

Sprecher:
Kai Schulz ist seit 2013 Synchron- und Hörbuchsprecher und konnte ebenso in der Werbung seine Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Ben Hofmann

Fanny Bechert



Bewertung:
Das Cover hat tolle blinkende Farben, das war's auch schon.

Die Erzählung besteht aus der Ich-Perspektive von Norah, Reed und Atlas (keine Ahnung, wie der geschrieben wird). Dieser Wechsel hätte mir sehr gefallen, wenn denn der Inhalt annehmbar wäre. Denn der Erzählwechsel gefällt mir immer sehr bei Geschichten.

🤮 Norah ist sehr extrovertiert, etwas gruselig - einerseits. Andererseits ist sie devot und lässt sich alles mögliche befehlen. Ob vulgäre und erniedrigende oder herablassende Sätze - sie sagt da nur "okay" und macht, was die Kerle wollen. Erbärmlich! 🤮

🤮 Reed ist ein Gangster und befiehlt Norah alles mögliche; sie werde mit ihm nach Hause kommen, ihren Namen ändern lassen ... oder so kleine Dinge wie "Du kommst ins Haus!". 🤮

🤮 Atlas mit seinem widerlichen Angebot: Sex gegen Schuldenerlass. Und filmt auch noch alle Räume im Haus. Schon beim Angebot war ich innerlich raus, wollte aber noch nicht ganz aufgeben und hörte weiter. Zu dessen Umsetzung bin ich nicht mehr gekommen, hat mir gereicht.🤮

Mit allen drei Figuren bin ich nicht warm, geschweige denn heiß geworden. Atlas hat schon was berührendes an sich, so ein wenig noch der nette und unschuldige Junge. Aber auch er reiht sich unter den Widerlichkeiten ein.

🤮 Die Sprache ist sehr vulgär; ficken, Schwanz, Arsch, Pussy ... Sätze wie "Bist du bereit, gefickt zu werden?" - "Gieriges Luder!" - "Du kommst auf meinen Schwanz oder gar nicht!" sind die Regel. 🤮

🤮 Und das ganze Gedöse - ob Charaktere oder Verlauf - ist derart künstlich aufgebaut ... nichts wirkt echt oder natürlich. Künstliches Drama inklusive. Als wäre der Autorin überhaupt gar nichts eingefallen, was sie hätte schreiben können. Gar nichts! Hauptsache irgendwas bescheuertes und für Frauen auch noch entwürdigendes auf den Markt schmeißen. In mir zieht sich alles zusammen, dass Leser auch noch Beifall dazu klatschen - Frauen! Wir sind es so gewohnt, so respektlos behandelt zu werden, dass wir es nicht anders kennen und das hinnehmen. 🤮

Vom Klappentext her habe ich etwas ganz anderes erwartet, eine völlig andere Geschichte. Der Klappentext sagt gar nichts zur Geschichte aus. Ich habe nicht mal mitbekommen, dass er überhaupt in der Geschichte vorkommt - diese angebliche Nachricht ... Zum Teil sind manche Szenen gar nicht vorhanden, sondern werden übersprungen. Die Idee von zwei Halbgeschwistern, die ineinander verliebt sind ist ja nicht neu und auch solide. Vom Gedanken her ...

Die beiden Sprecher finde ich besser als die Sprecherin. Die männlichen Stimmen sind sehr samtig und angenehm zu hören.


Fazit:
Jetzt fragt ihr euch, wieso ich das Hörbuch denn gehört habe ... Ja klar, ist auch Sex mit im Spiel. Aber der Klappentext führt einen echt in die Irre. Ich hatte mit einem speziellem Erbe gerechnet, und dass die beiden einander finden währenddessen. Aber bekommen habe ich einen herrschsüchtigen Mafiosen, eine dämliche Pute und einen ekligen Widerling mit seinem perversen Angebot. Und das all inklusive als künstliches Konstrukt mit erniedrigenden Ausdrucksweise. 🤮

Was für ein 💩! Aber die Leute lieben halt 💩! (was die Rezensionen jedes Mal belegen)



COVER ⭐

GRUNDIDEE/THEMA 0,🌠

ATMOSPHÄRE/SETTING 0,🌠

ERZÄHLSTIL 0,🌠

HANDLUNG 0,🌠

CHARAKTERE 0,🌠

GENRE ⭐⭐⭐⭐⭐

SPRECHER ⭐⭐⭐⭐⭐ und ⭐⭐⭐⭐




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Veröffentlicht am 29.05.2021

All das Ungesagte zwischen uns ... habe ich in Gang gesetzt und belassen (Morgan)

All das Ungesagte zwischen uns
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Klappentext:
Ein tragischer Unfall macht das Familienleben von Morgan von einer Sekunde auf die andere zunichte: Ihr Mann Chris stirbt – ebenso wie ihre Schwester Jenny. Zur unendlichen Trauer um den Verlust ...

Klappentext:
Ein tragischer Unfall macht das Familienleben von Morgan von einer Sekunde auf die andere zunichte: Ihr Mann Chris stirbt – ebenso wie ihre Schwester Jenny. Zur unendlichen Trauer um den Verlust von Mann und Schwester kommt für Morgan eine albtraumhafte Erkenntnis: Ohne es zu wissen, lebte sie seit Jahren in einem Lügengebäude. Morgans einziges Bestreben ist es nun, zumindest für ihre 16-jährige Tochter Clara die Erinnerung an glückliche Zeiten aufrechtzuerhalten. Doch je mehr sie sich um das Wahren der Fassade bemüht, desto mehr entgleitet ihr die Beziehung zu ihrer eigenen Tochter.


Autorin:
Die außergewöhnliche Geschichte der Autorin Colleen Hoover: Eigentlich schrieb sie ihren Debütroman "Weil ich Layken liebe" als Weihnachtsgeschenk für ihre Mutter. Aufgrund der guten Resonanz in ihrem Umfeld veröffentlichte sie es dann aber selbst als E-Book - und verkaufte zwei Monate später bereits 200 Bücher am Tag. Zudem wurde sie des Öfteren mit dem Good Reads Choice Award für ihre Werke ausgezeichnet. Colleen Hoover lebt mit ihrer Familie in Texas.

Übersetzerin:
Katarina Ganslandt lebt mit Sascha (Mann) und Elmo (Hund) in Berlin und sammelt am liebsten jede Menge nützliches und unnützes Wissen an, wenn sie nicht gerade Bücher aus dem Englischen übersetzt. Mittlerweile sind über hundert Titel zusammengekommen.

Sprecherinnen:
Sabina Godec war bereits lange Zeit leidenschaftliche Schauspielerin und Interpretin klassischer Theaterrollen, bevor ihr Weg sie von der Bühne an das Mikrofon führte. Ihre variantenreiche Stimme setzt sie mittlerweile in allen Feldern des Sprechens ein – sei es als Station Voice für 3sat, bei den Aufnahmen von Hörbüchern und Hörspielen oder bei der Synchronisation von Filmen und Computerspielen.

Nina-Zofia Amerschläger, 1984 in Frankfurt geboren, absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Stage & Musical School in Frankfurt. Seit ihrem 10. Lebensjahr arbeitet sie als Sprecherin und Sängerin. Ihre Stimme kennt man aus diversen Anime Serien, Spielfilmen, Werbespots und Hörspielen. Für Hörbuch Hamburg spricht sie die Hartley aus der Paper-Reihe von Erin Watt.


Bewertung:
Das Cover ist nichtssagend, aber sehr stilvoll romantisch. Der Titel dazu macht es zu einem Blickfang. Es zeigt, dass das Cover nicht zugekleistert werden muss, um aufzufallen. Der Titel passt hervorragend zur Geschichte.

Wieder ein Klappentext, der überhaupt gar nichts aussagt ... Wozu ist der bitte gut?! Da hat doch eine Leserin tatsächlich geschrieben, der Klappentext verrate zu viel. 🤣 Was denn? Dass Chris und Jenny verunglücken, ja. Wow! Was für ein Spoiler!! Und dann die Sätze dahinter: Sie will für ihre Tochter nun da sein und merkt allmählich, dass nicht alles so war wie es schien ... - Unverschämt, so viel zu verraten!! 😂🤦‍♀️ Sorry, aber da gibt es keine "Meinungen" - das ist einfach Fakt! Lest euch den Klappentext doch selbst durch ... ⬆️ Bei solch bescheuert unrichtigen Aussagen kann ich nur genervt den Kopf schütteln. 🙄

Der Aufbau der Geschichte ist mit der Vergangenheit und der Gegenwart gemischt. Wir bekommen Einblicke in die frühere Zeit, als alle noch zur Schule gingen und Morgan noch nicht mit Chris verheiratet war. Es gibt hier mehrere Aspekte, die den Verlauf beeinflussen; einmal der Autounfall mit all seinen Nachwirkungen, das Davor und ein Teil, indem Jonah die Hauptrolle spielt. Einige Leser haben den Teil verraten, leider. Und dann ist da noch die Mutter-Tochter-Beziehung, die raum findet, sich zu entwickeln.

Morgan und Christ sind verheiratet und waren schon in der Schulzeit ein Paar. Sie haben eine jugendliche Tochter, Clara. Morgan's Tante Jenny ist mit Chris' besten Freund liiert. Ein Doppel-Paar sozusagen. Chris und Jenny verunglücken bei einem Autounfall. Schon hier bin ich total hibbelig geworden, aufgrund des Verhaltens von Clara. Sie ist naiv und hinterfragt die bestimmte Situation nicht (genau möchte ich es aus Spoiler-Gründen nicht beschreiben, seht in die Lese-Chronik, wenn ihr mehr erfahren wollt). Jedenfalls ist das realitätsfern und ich musste an mich halten, um sie nicht zu schütteln. Auch Morgan ist da nicht viel besser, aber sie hinterfragt später die Sache schon ... daher ging es bei ihr. Von ihrem Verhalten her, ist gut herausgearbeitet, dass Clara ein Teenager ist.

Morgan ist ständig unfair zu Jonah, und hat sein Verhalten nie hinterfragt (auch hier für genaueres in die Lese-Chronik schauen). Sie wollte ich durchweg schütteln, das hat mich echt genervt. Hier merkt man deutlich, dass sie schon damals in ihrer ganz eigenen Blase lebt. Ihre Lebensweise macht den Verlauf erst dramatisch und setzt überhaupt alles in Gang. Nicht, dass sie an allem Schuld ist - wir können ja vieles nun mal nicht voraussehen -, aber sie hätte ein ganz anderes Leben führen können - sie wollte nur nicht. Und das aus total bequemen Gründen.

Der arme Jonah tat mir durchweg total leid! Ihn mochte ich auch am liebsten, er hat sich nie aufgedrängt mit seinen Gedanken, Gefühlen, Worten und Taten. Auch er hat schwer zu kämpfen, aber er konnte mich immer emotional erreichen.

Die Mutter-Tochter-Beziehung hat die Autorin auch emotional berührend und realistisch wiedergegeben. Ich fand den Konflikt zwar nervig, aber auch sehr schön umgesetzt. Beide Parteien haben ihr eigenes Weltbild und es ist der Autorin gelungen, diese miteinander vereinbaren zu können.

Der Altersunterschied von Clara und Morgan wurde von den Sprecherinnen deutlich gesprochen, sodass das auch sehr stimmig ist. Beim Buch weiß ich nicht, ob das so deutlich der Fall ist. Beim Hörbuch fällt das zusätzlich durch die Sprechweise auf. Auch die charakterliche Entwicklung bildet sich klar ab, was mir auch sehr gut gefallen hat. Letztendlich werden alle Teile zusammengefügt und es entsteht ein harmonisches Bild und ein Leben nach dem Loslassen.

Leider kann man ja nicht wissen, wer was spricht. Das steht hier bei Bookbeat nie dabei. Die eine Sprecherin hat mir besser gefallen, als die andere. Diese war aber okay mit 3,5 Sternen.


Fazit:
Das ist eines der Werke, bei dem man keine richtige Rezension ohne zu spoilern schreiben kann. Alles bleibt so wage und schwammig, wenn man nichts verraten möchte. Und das will ich auch nicht. Wer meine Begründungen besser nachvollziehen möchte, muss eben Spoiler in Kauf nehmen - sucht es euch selbst aus:

https://www.lovelybooks.de/bibliothek/WriteReadPassion/lesestatus/2983708842/

Wer mehr vom Geschehen an sich erfahren möchte, braucht einfach die anderen Rezensionen zu lesen. Da wird ohne Rücksicht und Vermerk gespoilert.



Eine Protagonistin und eine Tochter, die ich nicht so ganz annehmen konnte, dafür aber umso mehr Jonah. Er ist zunächst nur eine Nebencharakter und wird immer mehr zu einem Hauptcharakter wie Morgan, je weiter der Verlauf zu hören/lesen ist. Die Idee an sich ist nicht neu und spektakulär, aber lebendig erzählt.

Neben wenigen Makeln finde ich die Umsetzung der Geschichte sehr stark und vergebe deshalb 4,5 Sterne. Und empfehle es gerne weiter. 😇




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Veröffentlicht am 29.05.2021

Was perfekt war ... ist emotional und realistisch!

Was perfekt war 1: Was perfekt war
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Klappentext:
Quinn und Graham lernen sich unter mehr als unglücklichen Umständen kennen und verlieben sich unsterblich ineinander. Kaum ein Jahr später sind sie glücklich miteinander verheiratet… Happily ...

Klappentext:
Quinn und Graham lernen sich unter mehr als unglücklichen Umständen kennen und verlieben sich unsterblich ineinander. Kaum ein Jahr später sind sie glücklich miteinander verheiratet… Happily ever after?

Acht Jahre danach: Jemanden zu lieben, heißt nicht unbedingt, mit ihm glücklich zu sein. Das erkennt und erleidet Quinn Tag für Tag, denn obwohl sie und Graham sich weiterhin innigst lieben, gibt es ein Problem, das ihre Beziehung zu zerfressen droht …


Autorin:
Die außergewöhnliche Geschichte der Autorin Colleen Hoover: Eigentlich schrieb sie ihren Debütroman "Weil ich Layken liebe" als Weihnachtsgeschenk für ihre Mutter. Aufgrund der guten Resonanz in ihrem Umfeld veröffentlichte sie es dann aber selbst als E-Book - und verkaufte zwei Monate später bereits 200 Bücher am Tag. Zudem wurde sie des Öfteren mit dem Good Reads Choice Award für ihre Werke ausgezeichnet. Colleen Hoover lebt mit ihrer Familie in Texas.

Übersetzerin:
Katarina Ganslandt lebt mit Sascha (Mann) und Elmo (Hund) in Berlin und sammelt am liebsten jede Menge nützliches und unnützes Wissen an, wenn sie nicht gerade Bücher aus dem Englischen übersetzt. Mittlerweile sind über hundert Titel zusammengekommen.

Sprecherin:
Die gebürtige Koblenzerin Carolin Sophie Göbel ist Schauspielerin sowie Synchron- und Hörbuchsprecherin. Ihre Schauspielengagements führten sie nach Stuttgart, Leipzig und Frankfurt, wo sie u. a. als »Luise« in Kabale und Liebe und als »Hermia« im Sommernachtstraum zu sehen war. Als Sprecherin leiht sie ihre Stimme regelmäßig der Augsburger Puppenkiste, 3sat und dem ZDF. 2016 wurde sie für ihre Arbeit von Audible mit dem Hörbuch-Nachwuchssprecher-Preis ausgezeichnet.


Bewertung:
Das Cover ist typisch Bold-Verlag im Bezug auf die Autorin. Es ist derselbe Stil wie bei "Verity", "Too Late" und "All das Ungesagte zwischen uns". Das hier finde ich aber von allen am Unschönsten. es ist weder Nichts, noch Etwas ... Der Titel dagegen passt super zur Geschichte und weckt die Aufmerksamkeit ...

Die Erzählung ist in der Ich-Form von Quinn und Graham. Die Geschichte wechselt sich mit dem Früher und Heute ab. Das finde ich sehr gelungen und fesselnd. Man erfährt nicht in einem Rutsch, wie die Beiden zusammenfinden und wie es mit ihnen weitergeht. Das wird Stück für Stück entblößt, während die Gegenwart erzählt wird.

Dieses Nicht-Miteinander-Reden ... wie viele Partnerschaften hat das schon kaputtgemacht?! Mir kommt dann unwillkürlich der Gedanke "Selber Schuld". Natürlich gibt es vor allem psychische Gegebenheiten, die es so schwer machen können, miteinander zu reden. Aber ganz schwere Fälle sind auch eher selten, finde ich. Meistens scheuen wir nur den Konflikt oder schämen uns oder uns ist das einfach zu mühsam. Selber Schuld halt. Ist für mich schwer nachzuvollziehen bei Partnern, mit denen man reden kann und die einem zeigen, dass sie geduldig sind und versuchen, einen zu verstehen ... wenn dann die andere Partei dann trotzdem blockiert, es gar nicht mal versucht, habe ich gar kein Verständnis dafür und es nervt einfach nur! Diesen Fall haben wir hier in der Geschichte:

Quinn ist mehr als acht Jahre mit Graham zusammen, möchte noch mehr als er ein Kind haben. Es klappt nicht. Und auslassen tut sie es an ihm. Klar hat man so Tage, da ist es gar nicht gut - bei den einen mehr, bei den anderen weniger - und wir neigen dazu, den nächstbesten unsere Launen aufzudrücken. Aber was Quinn hier im Heute tut, ist sehr egoistisch und unfair. Die Autorin und die Sprecherin bringen ihre Verzweiflung und Hoffnung sehr berührend wieder. Graham dagegen ist sehr nachsichtig mit ihr und weist viel Geduld auf. Von ihm erfährt man weniger als von ihr, Quinn steht nahezu immer im Mittelpunkt, da kommt Graham selbst bei der Autorin zu kurz.

Selbst gegenüber ihrer Schwester ist Quinn zum Teil unausstehlich. Vor allem wundert sie sich dann auch noch, wie ihre Schwester auf ihr Verhalten reagiert und versteht es nicht. Selbstreflexion ist ihr auch völlig fremd - das ist ebenfalls sehr realistisch geschildert. Die meisten Menschen - nach meiner Erfahrung - können das überhaupt nicht! Das bereitet mir persönlich immer sehr viel Probleme. Und sie sind auch meistens nicht gewillt, daran etwas zu ändern, Quinn ebenso wenig.

Es gibt so minimale Momente, wo sich ein Gespräch zwischen den Beiden anbahnt - aber die sind nicht nur kaum vorhanden, sondern auch sehr kurz ausfallend. Das ist kein negativer kritikpunkt zur Autorin und der Geschichte. Es ist sehr realistisch erzählt, so sieht es ja auch bei vielen Partnern aus. Das ist ja auch der Grund, wieso die Beziehungen zerbrechen. Das sind nicht Untreue, zu wenig Zeit etc. Das sind nur die Kollateralschäden, die aus der fehlenden Kommunikation herrühren. Das ist das eigentliche Problem. Daraus entstehen dann Untreue, zu wenig Zeit etc.

Die Autorin hat hier einen wirklich schweren Fall von einer Protagonistin in verzweifelter Mühe, schwanger zu werden, dargelegt. So unausstehlich ist nicht jede Frau in ihrer Lage. Quinn ist wirklich eine 10 auf der Skala. Ob das Absicht der Autorin ist, weiß ich nicht zu beurteilen. Es macht die Geschichte aber noch schwerer, als es bei diesem Thema sowieso schon ist. Ich finde es einfach übertrieben, das Verhalten von Quinn. Bei Graham spürt man auch die Verzweiflung und seine Mühe, aber er richtet nicht sein ganzes Leben danach aus. Und er ist nicht unfair oder gar gemein. Er drückt seine Gefühle und Gedanken aus, ohne über die Stränge zu schlagen.

Bei Quinn dreht sich alles nur ums Schwanger werden - da habe ich mich immer wieder gefragt, wieso sie nicht einfach auch mal die Zweisamkeit genießen kann oder andere Wege zum Muttersein ausprobiert? Da gibt es ja nicht nur künstliche Befruchtungsarten ... Leih-Mutterschaften, also als Patin für Weisenkinder oder als Unterstützung für viel arbeitende Eltern ... Oder eine Arbeit als Kindergärtnerin oder im Waisenhaus ... Oder eben Adoptionen ... Aber sie will immer nur das Eine, das Einzige, was scheinbar nicht funktioniert. Das fand ich auch nervig, dieser Scheuklappen-Blick. Das geht ja bis zum Ende so, da findet keine Entwicklung bei ihr statt.

Es gibt hier eigentlich gar keine Nebencharaktere. Selbst Quinn's Schwester kann man nicht als solchen beschreiben ... Quinn und Graham spielen hier wirklich als Solokünstler (Quinn sogar überwiegend), sowas ist selten der Fall. Hat der Geschichte keinen Abbruch getan, es wäre allerdings viel von Quinn's "Extremismus" kompensiert worden.

Die Sprecherin passt wirklich sehr gut, und sie konnte mich auch bei den Emotionen immer abholen.


Fazit:
Ein typisches Hoover-Buch mit neuer Geschichte. Man erkennt auf jeden Fall, dass Colleen die Autorin ist. Dieses Spielen mit den Gefühlen schafft sie hier sehr gut, und trotz der über Maßen nervigen Protagonistin konnte ich nicht aufhören, das Hörbuch zu hören. Das sagt schon alles über die Umsetzung aus. Die Geschichte hat ohne Zweifel einen gewissen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Nicht unerwähnt möchte ich das Haupthema "ungewollte Nicht-Schwangerschaft", neben "Kommunikation in der Partnerschaft" lassen. Beide aktuelle und zeitlose Themen hat die Autorin sehr gut transportiert, wahrheitsgetreu realistisch - auch wie das Umfeld der Beiden auf das Thema reagiert.

Die größte Schwachstelle ist einfach Quinn. Mir ist sie viel zu viel in den Mittelpunkt gestellt worden, hier wäre mehr Graham ein guter Ausgleich gewesen. Seine Gedanken und Gefühle bleiben sehr hinter Quinn's Sicht zurück. Sehr schade!



Trotzdem kann ich das Werk von Herzen weiterempfehlen.




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Veröffentlicht am 27.05.2021

Into the Naja ... 😐

Into the Fire
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Klappentext:
Anne Ashburn ist Firefighterin mit Leib und Seele. Kein Feuer ist ihr zu gefährlich, kein Risiko zu hoch. Doch bei einem Einsatz unterschätzt sie die Gefahr und kommt fast ums Leben. Nur eine ...

Klappentext:
Anne Ashburn ist Firefighterin mit Leib und Seele. Kein Feuer ist ihr zu gefährlich, kein Risiko zu hoch. Doch bei einem Einsatz unterschätzt sie die Gefahr und kommt fast ums Leben. Nur eine extreme Rettungsaktion von Danny Maguire, dem Bad Boy des Fire Departments, bewahrt sie vor dem sicheren Tod. Verletzt an Körper und Seele hat Anne danach nur noch ein Ziel: den Brandstifter zu finden, der für das Feuer verantwortlich ist, das ihr Leben so drastisch veränderte. Immer wieder trifft sie während ihrer Ermittlungen auf ihre alte Einheit - und Danny! Dabei lodern auch längst vergessene Gefühle wieder auf ...

Autorin:
J. R. Ward ist das Pseudonym der US Autorin Jessica Rowley Pell Bird. Sie ist unter beiden Namen schriftstellerisch tätig. Jessica Bird, geboren 1969 in Massachusetts, ist die Tochter des Bankvorstands W. Gillette Bird jun. und der Architekturzeichnerin Maxine F. Bird. Sie studiert zunächst am Smith College in Northampton, Massachusetts und dann an der Albany Law School, wo sie ihren Abschluss als Rechtsanwältin macht. Sie arbeitet im Gesundheitswesen und leitet unter anderem die Personalabteilung des Krankenhauses „Beth Israel Deaconness Medical Center“ in Boston. Am 6. Oktober 2001 heiratet sie Neville Blakemore, der bis 2003 Inhaber der Unternehmensberatung Bluegrass Consulting in Cambridge ist. Im August 2003 zieht Ward mit ihrem Mann von Neu England in seine Geburtstadt Louisville, Kentucky. Er wird dort Partner der Investmentfirma Nova Group Investments. Das Schreiben ist seit der Kindheit ihre Passion. Bereits als Teenager schreibt Ward ihren ersten Liebesroman. Ihr Talent ist offenkundig, so dass ihre Mutter und ihr Mann sie immer wieder dazu drängen ein Manuskript an einen Agenten weiterzugeben. Die Bücher sind eine Mischung aus Liebes- und Vampirroman. Neben dem Schreiben liebt sie auch Kaffee und ihren Hund, einen Golden Retriever.

Übersetzerin:
Marion Herbert

Sprecherin:
Katja Körber, geboren 1985 als Katja Göhler in Kühlungsborn und aufgewachsen in der Nähe von Rostock, studierte Schauspiel an der Zürcher Hochschule der Künste von 2006-2011. Sie schloss im Februar 2011 ihr Studium mit dem Master of Arts, Vertiefung Schauspiel, ab. Engagements führten sie an das Junge Schauspielhaus Zürich, das Theater Roxy in Basel, Dschungel Wien, sowie freie Projekte in Berlin und Leipzig. Zuletzt war sie Ensemblemitglied am Theater der Jungen Welt in Leipzig (2013-2016) und arbeitete im Anschluss beim Theaterfestival THEATERNATUR in Benneckenstein im Oberharz, sowie als Gast am Volkstheater Rostock und am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Dreherfahrungen sammelte sie bei mehreren Musikvideos, u.a. für „Das Paradies“, zuletzt bei SOKO Leipzig in der Episode „Verzockt“ als Elina Jungklaus. Katja Körber lebt seit 2013 in Leipzig und arbeitet freischaffend als Schauspielerin, Sprecherin und Produktionsleiterin.


Bewertung:
Ich hatte ja zuvor das Intro, die Kurzgeschichte, gehört. Da war auch wie hier: Man kriegt, was man sieht. 08/15-Klappentext, -Cover und -Geschichte. Es ist auch nur Durchschnitt, aber es hat mich auch neugierig auf diesen Band gemacht. Das Cover hier finde ich gelungen, auf jeden Fall kein Mann drauf. Das ist schon mal super. Aber eben auch der typische Stil dieser Romane. Der Klappentext ist genauso - alle sind so gehalten bei diesen Geschichten. Der Titel passt zwar zum Teil, führt aber auch deshalb in die Irre. Denn der Hauptteil der Geschichte ist auf Anne als Brandermittlerin gelegt, nicht Ann als Feuerwehrfrau. Aber natürlich hat sie als Brandermittlerin auch mit Feuer zu tun, nur halt danach.

Ich wusste, was mich erwartet, aber ich hatte gehofft, dass der Band so fesselnd wird wie das Intro. Das Intro war feurig und temporeich. Alles, was diese Geschichte nicht hat.


Stärke existiert nur, wenn man sie benutzt.
(Track 197, 81 %)


Die Erzählung ist in Sie- und Er-Form aus der Perspektive von Anne, Danny und Tom, ihrem Bruder. Der Verlauf zeigt die Entwicklung; alle sind noch bei der Feuerwehr und da passiert der Unfall im Einsatz. Dann macht es einen großen Zeitsprung und Anne orientiert sich nun als Brandermittlerin neu, hat zufällig einen Hund aufgenommen und hat einen Brandfall, in dem sie bis zum Schluß ermittelt. Ein Leser des Buches meinte, der Krimifall spiele im Hintergrund. Naja, die Liebesgeschichte aber auch. Beides plätschert vor sich hin. Mal ist das eine stärker vertreten, mal das andere. Es gibt insgesamt vier Bereiche, die in die Geschichte getragen werden: Der Beginn mit dem Unfall, die Brandermittlung von Anne, die Beziehung zu ihrer Mutter, die Beziehung zu Danny. Daneben sind kleine Bereiche, die sich daran anknüpfen oder sich überschneiden.

Leider hat keiner meiner Leser-Kollegen die ganzen Charaktere mal kurz angeschnitten, obwohl sie ja das Buch hatten. Als Hörerin des Hörbuches kann ich ja nicht einfach mal durchblättern. Ich versuche aber dennoch, über die Protagonisten hinaus zu berichten. Die werden nämlich mehr als genug beschrieben:

Danny, Feuerwehrmann, Protagonist, Annes Kollege. Er ist sympathisch für uns Leser und Hörer, aber mich konnte er dennoch emotional nicht erreichen.

Anne, Feuerwehrfrau, später Brandermittlerin, Protagonistin, Dannys Kollegin. Sie ist zwar sympathisch für uns Leser und Hörer, aber sie urteilt über Personen verschieden. Bei Danny hinterfragt sie nichts und glaubt alles, was andere ihr auftischen, ohne ihm nur eine Chance zu geben, sich zu verteidigen. Sie konnte mich ebenfalls emotional nicht richtig berühren.

Tom, Annes Bruder, selbstgefällig und herablassend, vor allem Anne gegenüber. Beispiel: Er wollte immer, dass sie Zuhause bleibt und Kinder gebärt. So typisch hierarchisch Axxxxloch. Er ist auch der Leiter der Feuerwehr-Dienststelle.

Annes neuer Boss - weiß seinen Namen nicht mehr - ein toller Chef, der Anne hilft, wo er kann. Aber er bleibt ziemlich blass beschrieben und im Hintergrund. Es kommen nur wenige Male kurze Einfälle mit ihm.

Annes Mutter zieht zu Anne und hat ihr eigenes Päckchen zu tragen.

Mose - keine Ahnung, wie er geschrieben wird, ich finde ja nichts zum Abgleich - ist Feuerwehrmann und Kollege von Danny, ehemaliger Kollege von Anne. Er ist Dannys bester Freund und sehr sympathisch, aber auch sehr naiv und will immer alles beweisen.

Jake ist ein SWAT-Mitglied und auch mit Danny befreundet.

Mehr von den anderen Charakteren weiß ich gerade nicht.


Normalerweise verdrehe ich nur genervt die Augen, wenn ich höre, dass alle so heiß sind, schlank, aber muskulös, Frauen haben dann noch Kurven (was ja rein physisch unmöglich ist; entweder sie sind schlank oder haben Kurven) - aber da hier alle durch ihre Berufe hartes Training im Alltag integriert haben, ist auch klar, dass sie alle so muskelbepackt sind. Das müssen sie auch sein. Daher setze ich nur dieses "alle sind so heiß" auf die rote Liste!


Das Ende kommt sehr überraschend, aber auch logisch nachvollziehbar. Die Ermittlung von Anne löst zwar den Hauptausführer auf, aber bestimmte Handlungen im Bezug auf die Person und die Hintermänner bleiben rätselhaft offen. Ich bezweifle, dass das in Band 1 weitergeführt wird, denn hier wird der Fall abgeschlossen beschrieben. Auch das Danach hat viel Raum, es verbleiben nach der Lösung noch 40 Minuten Hörzeit der Geschichte. Auch bietet das Showdown eine extrem unlogische Stelle und führt uns Leser und Hörer sozusagen zwei Versionen vor, sehr irritierend. Die Auflösung des Falles ist auch einem Zufall geschuldet, der gekünstelt daherkommt. Das hätte die Autorin natürlicher auflösen können.

Die Liebesbeziehung von Anne und Danny ist halt nichts besonderes. Klischeehaft und spannungslos. Mal hier Sexszenen, mal da Sexszenen, manchmal keine Szene, nur kurz angeschnitten ... Es fehlt hier das extrem feurige, das Feuer aus dem Intro.

Die Interaktion mit Feuerwehr-Dienststelle und Brandermittlungs-Stelle blieb recht getrennt erzählt. der ganze politische Bereich wird sicher noch in Band 2 weitergeführt, hier bleibt nämlich auch vieles offen und nur angeschnitten. Viel an Gefühl bleibt daher flach und konnte mich nicht erreichen.

Keines der Bereiche war spannungsgeladen und/oder mitreißend. Alle waren sehr gedeckelt beschrieben und liefen einfach nebeneinander her. Das fehlende Tempo macht sich überall bemerkbar. Es gibt ein paar Szenen, die sich spannungsreich aufbauen, aber das hält dann nicht an und baut schnell wieder ab. Als Kurve kann man das Ganze so beschreiben: normal-leichte Höhe-normal-normal-leichte Höhe-normal. Viele Leser haben geschrieben, dass das Potenzial nicht ausgeschöpft wurde, und da gehe ich definitiv mit. Die Autorin hätte hier sehr viel rausholen können. Wenigstens das Tempo vom Intro hätte sie einbauen können. So bleibt es ein spannungsarmer Roman. Ich weiß nicht mal, wo ich den einordnen soll: Er ist weder ein Krimi, noch ein Liebesroman, noch ein Erotikroman, noch ein Drama. Er hat von allem ein bisschen was, aber das bisschen ist auch kaum greifbar.

Die Sprecherin ist am besten von allem; sie passt wunderbar zur Geschichte und spricht die Charaktere lebendig. Vor allem kann sie alle sehr gut differenziert sprechen, sodass man alle unterscheiden kann. Ihre Stimme hat mich durch das ganze Hörbuch getragen. Als Buch hätte ich die Geschichte mit Sicherheit abgebrochen. Ich habe lange gebraucht, um das Hörbuch abzuschließen, aber die Sprecherin war ausschlaggebend, dass ich nicht abgebrochen habe. Anders als als Buch (hier bleibt einem ja nur; spannend oder nicht spannend) gibt es hier die Möglichkeit, Figuren und Geschichte mehr Lebendigkeit einzuhauchen, was der Sprecherin definitiv gelingt. Für mich hat sie daher volle 5 Sterne verdient. Das ist eines der tolle Dinge an Hörbüchern; selbst bei lahmen Geschichten kann man es schaffen, durchzuhalten - wegen der Sprecher. Hier ist das Glück, dass es eine solche tolle Sprecherin ist, sonst hätte ich auch das Hörbuch abbrechen müssen.


Manchmal bedeutete Stärke nicht Widerstand, sondern das Niederlegen der Waffen gegen einen selbst geschaffenen Feind.
(Track 207, 85 %)


Fazit:
Eine spannungsarme Geschichte, der das Tempo fehlt und die leider nicht heiß - wie Klappentext und Titel versprechen - ist. Man bekommt hier eine gerührte Mischung aus Liebe, Erotik, Krimi und Drama. Die Nebencharaktere sind blass geblieben, was Band 2 ja aufholen kann. Besonders der Krimifall hätte hier richtig tolles Tempo haben können ... so plätschert er wie die Liebesgeschichte vor sich hin.

Ich vermute, dass die Autorin es einfach nicht schafft, so viele Themen in nur einer Geschichte spannungsreich zu schreiben. Manche können es einfach nicht, während anderen Autoren das mühelos gelingt. Die Autorin ist es auch nicht gewohnt, so vielreich zu schreiben, normalerweise konzentriert sie sich auf ein, zwei Bereiche. Das merkt man hier deutlich, sie hat sich übernommen. Die Idee finde ich sehr gut, das hat mich ja das Intro und dieses Hörbuch hören lassen, aber sie kann es nicht gut umsetzen. Sie sollte lieber bei ihrem alten Muster bleiben.

Ich werde Band 2 sicher nicht hören! Das hat mir gereicht. Falls das zu wenig rüberkommt; es ist nicht schlecht, ich habe da schon viel schlechtere Geschichten gehört. Es ist einfach bloß Durchschnitt, daher die 3 Sterne. Nicht mehr, nicht weniger.



😈 Lesen auf eigene Gefahr:

https://www.lovelybooks.de/bibliothek/WriteReadPassion/lesestatus/2979950283/


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  • Charaktere