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Veröffentlicht am 09.02.2026

Beeindruckende Familiengeschichte

Währchens Wege (3 Bände)
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Eine Rezension über fast 2.000 Seiten und drei Bände zu schreiben, ist eine echte Herausforderung. Doch Helmut Böhm beweist mit diesem Werk eindrucksvoll, dass sich dieser Umfang lohnt. Was er hier vorlegt, ...

Eine Rezension über fast 2.000 Seiten und drei Bände zu schreiben, ist eine echte Herausforderung. Doch Helmut Böhm beweist mit diesem Werk eindrucksvoll, dass sich dieser Umfang lohnt. Was er hier vorlegt, ist weit mehr als eine bloße Familienchronik – es ist ein zutiefst persönliches, berührendes Zeitzeugnis über fast 100 Jahre deutscher Geschichte.

Der Autor erzählt die Geschichte seiner Familie mit großer Sorgfalt und spürbarer Nähe zu den Menschen, über die er schreibt. Und genau das macht diese Bücher so außergewöhnlich. Wir begleiten die Familie durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg, erleben den Alltag in der DDR und später auch in der BRD. Bei sieben Kindern entfaltet sich ein vielschichtiges Bild von Lebenswegen, Hoffnungen, Brüchen und Entscheidungen, die oft weitreichende Folgen haben.

Chronologisch beginnend bei den Eltern, nimmt sich Böhm viel Zeit für die Menschen am Anfang dieser Geschichte. Er schildert ihre Lebensumstände, ihre Sorgen und prägenden Erlebnisse mit einer Ruhe und Tiefe, die sofort Nähe entstehen lässt. Auch die Wege der einzelnen Geschwister werden sehr genau nachgezeichnet – und spätestens hier entwickelt das Buch eine enorme emotionale Kraft.

Fast alle Kinder wachsen in der DDR auf, bauen sich dort ihr Leben auf, passen sich an oder kämpfen innerlich mit den gegebenen Umständen. Umso einschneidender ist der Moment, als eines der Geschwister die DDR illegal verlässt. Die Auswirkungen dieser Entscheidung auf die gesamte Familie werden eindrucksvoll und schonungslos beschrieben: Angst, Schuldgefühle, Zerrissenheit – aber auch Hoffnung. Man spürt beim Lesen, wie sehr diese Situation alle Beteiligten geprägt hat und wie tief die politischen Verhältnisse bis in das private Familienleben hineinwirkten.

Gleichzeitig ist dieses Werk ein sehr authentischer Einblick in den Alltag der DDR. Es zeigt das Leben so, wie es war: mit Anpassung und Widerstand, mit kleinen Freuden und großen Enttäuschungen. Besonders eindrucksvoll fand ich die Schilderungen darüber, wie mit Menschen umgegangen wurde, die nicht ins System passten – oft still, oft verletzend, manchmal existenziell bedrohlich. Auch das berühmte „Wegloben“ bekommt hier ein sehr menschliches Gesicht.

Während der Lektüre fragte ich mich immer wieder, woher der Autor all diese Details kennt. Die Antwort ergibt sich ganz selbstverständlich: durch lebenslanges Tagebuchschreiben, sorgfältig bewahrte Briefe und vor allem durch persönliche Gespräche mit allen Familienmitgliedern. Diese Interviews verleihen der Geschichte eine besondere Tiefe und Echtheit – man hat nie das Gefühl, nur Fakten zu lesen, sondern Stimmen zu hören.
Am Ende bleibt der Eindruck, dass dieses Werk weit über eine Familiengeschichte hinausgeht. Es ist ein ehrlicher, berührender und manchmal schmerzhafter Blick auf das Leben einer großen Familie in der DDR und darüber hinaus. Ein Buch, das zeigt, wie Geschichte das Leben von Menschen formt – und wie Menschen dennoch versuchen, ihren eigenen Weg zu gehen.

Gerade für Leserinnen und Leser, die das Leben in der DDR nicht selbst erlebt haben, ist dieses Buch von unschätzbarem Wert. Hier schreibt jemand, der nicht nur recherchiert hat, sondern selbst Teil dieser Geschichte ist.

Von mir gibt es dafür uneingeschränkt und aus tiefster Überzeugung fünf Lesesterne ⭐⭐⭐⭐⭐.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Endlich ist sie wieder zurück

Bornholmer Spur
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Endlich ist Sarah Pirohl zurück – und mit ihr genau diese intensive, fesselnde Spannung, die man sofort vermisst hat. Obwohl sie inzwischen als Kommissarin auf der dänischen Insel Bornholm arbeitet, holen ...

Endlich ist Sarah Pirohl zurück – und mit ihr genau diese intensive, fesselnde Spannung, die man sofort vermisst hat. Obwohl sie inzwischen als Kommissarin auf der dänischen Insel Bornholm arbeitet, holen sie die ungelösten Fälle aus Norddeutschland wieder ein.

Bei Sanierungsarbeiten im Keller eines Hauses in Kellenhusen wird die Leiche von Nils Holby gefunden. Jahrelang galt er als vermisst – nun taucht er plötzlich wieder auf. Doch damit nicht genug: In genau diesem Haus wurde vor Jahren ein Hamburger Anwalt mitsamt seiner Familie ermordet. Der Täter wurde nie gefasst. Und als wäre das nicht schon rätselhaft genug, trägt Nils Holby einen Schlüssel zu einer Ferienunterkunft auf Bornholm bei sich.

Sarah übernimmt die Ermittlungen – und von diesem Moment an zieht mich die Geschichte vollkommen in ihren Bann. Schnell wird klar, dass Holby Teil eines Rechercheteams war, das der organisierten Kriminalität gefährlich nahegekommen ist. Durch ihre Verbindung zu Frederik erhält Sarah Zugang zu entscheidenden Informationen und folgt einer Spur, die immer tiefer in ein Netz aus alten Geheimnissen und ungeklärten Verbrechen führt.

Was ich an Sarah Pirohl so liebe, ist ihre kompromisslose Art. Sie gibt nicht auf, sie lässt nicht locker, sie gräbt – selbst dann, wenn es weh tut. Mit unglaublicher Intensität und Hartnäckigkeit verknüpft sie alte Fälle, entdeckt Zusammenhänge und setzt die Puzzleteile Stück für Stück zusammen. Als Leser ist man mittendrin, fiebert mit, rätselt mit und kann das Buch kaum aus der Hand legen.

Ich habe alle bisherigen Bände gelesen, und für mich wird diese Reihe mit jedem Buch stärker, dichter und emotionaler. Katharina Peters versteht es meisterhaft, Spannung aufzubauen und ihre Figuren lebendig werden zu lassen. Immer wieder ertappe ich mich beim Lesen dabei, wie ich prüfe, wie viele Seiten noch übrig sind – in der stillen Hoffnung, dass es noch lange nicht vorbei ist.
Dieses Buch ist ein echtes Highlight für alle Fans der Reihe und ein absolutes Muss für Krimiliebhaber.

Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung und hochverdiente fünf von fünf Sternen ⭐⭐⭐⭐⭐.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Es wird international

Am Ende des Sturms
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Es sah aus wie ein tragischer Unfall: In einer Berliner Wohnung wird ein Toter in der Badewanne entdeckt. Hauptkommissar Jan Tommen und sein Team werden pro forma hinzugezogen, denn es gibt erste Zweifel ...

Es sah aus wie ein tragischer Unfall: In einer Berliner Wohnung wird ein Toter in der Badewanne entdeckt. Hauptkommissar Jan Tommen und sein Team werden pro forma hinzugezogen, denn es gibt erste Zweifel an der Art des Unglücks. Der Mann lebte unter falschem Namen in Berlin, seine Identität ist unklar – wer versteckt sich dahinter, und vor wem? Die Spur führt nach Italien, zu einem Unglück vor der Küste Sardiniens, das Jahre zuvor geschah. Plötzlich wird deutlich, dass hinter dem Mordmotiv offenbar ein Zusammenhang mit der Heimat des Opfers besteht.

Der neue Fall wächst schnell über den bloßen Unfall hinaus: Es gibt grenzüberschreitende Ermittlungen, unübliches Vorgehen und komplexe Verwicklungen, die Täter und Opfer miteinander verknüpfen. Jans Team, das sich nicht immer an Dienstvorschriften hält, baggert sich durch ein Netz aus Lügen, Identitäten und dunklen Motiven. Der Fokus verschiebt sich von einer einzelnen Tat auf eine tiefere, internationale Verstrickung.

Spannend sind immer wieder die Mitglieder des Teams um Jan. Da ist Zoe, die Rechtsmedizinerin und feste Stütze des Teams, die irgendwie immer knallhart ist. Max meist im Innendienst, gehört auch dazu. Er ist der Rechercheur, der immer alles herausfindet. Für ihn ist das Internet ein offenes Buch. Und sollte er mal etwas nicht finden, gibt es andere Mittel und Wege.

Aber auch Chandu gehört zu diesem Team. Chandu, der nicht bei der Kripo angestellt ist, spielt dank seiner weitreichenden Kontakte in die Unterwelt eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung der Fälle. Über ominöse Netzwerke hinweg schafft er es, Informationen zu beschaffen, die der offiziellen Ermittlungsarbeit oft vorausgehen oder diese ergänzen. Sein Verbindungsreichtum ins Milieu und sein Gespür für versteckte Zusammenhänge ermöglichen es dem Team, scheinbar unverbundene Puzzleteile zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenzufügen. Trotz seiner umstrittenen Mittel bleibt Chandu ein unverzichtbarer Knotenpunkt im Ermittlungsnetz, der Risiken eingeht, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Dieser zwölfte Jan-Tommen-Thriller überzeugt vor allem durch seine dichte, mehrschichtige Handlung, die unerwartete Wendungen bis zur schlussendlichen Aufklärung bereithält. Die grenzüberschreitende Ermittlung und die ausgeklügelten Verstrickungen machen das Buch zu einem der spannendsten der Reihe. Wer gern Serienhelden verfolgt, wird auch diesen Band nicht missen wollen.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Das Versprechen

Schwestern des brennenden Himmels
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Es ist das Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945. In Potsdam, im Schloss Cecilienhof, entscheiden Churchill, Truman und Stalin über die Einigkeit und das weitere Schicksal Deutschlands. Ann ist Mitglied ...

Es ist das Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945. In Potsdam, im Schloss Cecilienhof, entscheiden Churchill, Truman und Stalin über die Einigkeit und das weitere Schicksal Deutschlands. Ann ist Mitglied der englischen Delegation und kümmert sich gemeinsam mit anderen jungen Frauen um die Betreuung von Churchill und seiner Begleitung. Doch Ann trägt ein Geheimnis mit sich: Sie muss unbedingt nach Potsdam, in die von den Russen besetzte Stadt, um ihre Cousine Charlie zu finden. Das Versprechen, das sie ihr vor vielen Jahren gab und dass sie damals gebrochen hatte, lastet schwer auf ihr.

Unterstützung erhält sie dabei von Jackson Power, einem amerikanischen Soldaten. Mit seiner Hilfe hofft sie, in den russisch besetzten Teil Deutschlands zu gelangen, um Charlie zu finden. Doch schnell wird ihr klar, dass sie sich in einem großen Konflikt befindet: Auf der einen Seite darf Jackson niemals erfahren, wer Ann wirklich ist. Auf der anderen Seite kommen sich die beiden immer näher, und Jackson beginnt, Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft zu entwickeln. Doch in diesen Zeiten – ist eine solche überhaupt möglich?

Diese Geschichte fasziniert durch ihre akribische Recherche und die emotional tiefgehende Erzählweise. Hanna Caspian gelingt es meisterhaft, die historischen Ereignisse rund um die Potsdamer Konferenz lebendig und authentisch darzustellen, während sie gleichzeitig die persönlichen Schicksale ihrer Figuren eindrucksvoll in den Mittelpunkt rückt. Besonders beeindruckend sind die komplexen Gefühle und Konflikte von Ann und Jackson, die das Buch zu einem bewegenden Leseerlebnis machen.

Mir hat dieser auf wahren Ereignissen basierende historische Roman sehr gut gefallen. Vor allem den Zeitpunkt der Veröffentlichung finde ich geschickt gewählt. Hier habe ich persönlich noch selbst viel Neues erfahren dürfen. Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung und verdiente fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 12.07.2025

AMOR - die perfekte Verbindung?

Ausgespielt
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„AMOR“ ist die neue Partnervermittlung, die mittels KI die perfekten Partner für alle suchenden Menschen finden soll. So verspricht es die Werbung. Doch ist das wirklich so? Funktioniert KI hier besser ...

„AMOR“ ist die neue Partnervermittlung, die mittels KI die perfekten Partner für alle suchenden Menschen finden soll. So verspricht es die Werbung. Doch ist das wirklich so? Funktioniert KI hier besser als bei anderen Partnervermittlungen?

Die Mordkommission wird auf „AMOR“ aufmerksam, weil eine Kundin der Partnervermittlung tot aufgefunden wurde. Sie hatte vor ihrem Tod mehrere Dates mit potenziellen Partnern. Ist einer dieser Männer der mögliche Täter?
Kommissarin Liv Dorn soll sich bei „AMOR“ einschleusen, um verdeckte Ermittlungen durchzuführen. Das gestaltet sich jedoch alles andere als einfach. Schnell merkt sie, dass sie für einen der Verdächtigen Gefühle entwickelt.
Doch es gibt noch einen weiteren Fall, der Ende der achtziger Jahre spielt. Damals ging es ebenfalls um Mordermittlungen bei „Cupido“, und die Umstände ähnelten heute bei „AMOR“ sehr. Nur hatte damals die ermittelnde Kommissarin den Fall gelöst. Haben diese beiden Fälle und die Ermittlungen der beiden Protagonistinnen Liv Dorn und Alice Gerber etwas miteinander zu tun?

Die Verknüpfung der beiden Handlungsstränge macht einen großen Teil der Spannung aus. Geschickt wechseln sich die Kapitel zwischen den damaligen und den aktuellen Ermittlungen ab. Dabei teilen Liv Dorn und Alice Gerber ihre Ermittlungen, und obwohl sie anfangs Schwierigkeiten miteinander haben, gelingt es ihnen, gemeinsam voranzukommen.

Der Schluss ist raffiniert gestaltet. Es gab Momente, in denen ich mir ziemlich sicher war, wer der Täter sein könnte – doch natürlich war das nur ein kurzer Gedanke.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne.

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