Mittelalterliche englische Geschichte, wie sie leibt und lebt
RabenthronRebecca Gablé ist für mich die Entdeckung! Die Queen historischer Romane hat sich bei mir mit ihrem neuesten Roman Rabenthron sofort an die Spitze meiner Lieblingsautorenhitliste katapultiert!
Sie schafft ...
Rebecca Gablé ist für mich die Entdeckung! Die Queen historischer Romane hat sich bei mir mit ihrem neuesten Roman Rabenthron sofort an die Spitze meiner Lieblingsautorenhitliste katapultiert!
Sie schafft es, die komplexe geschichtliche Periode Englands vor ungefähr 1000 Jahren lebendig und überzeugend zu erzählen, so lebendig und kurzweilig, dass man es nach knappen 900 Seiten ehrlich bedauert, das ausgelesene Buch zur Seite zu legen.
Rabenthron erzählt die Zeit von 1013 bis 1041, als im mittelalterlichen England ein nicht endenwollendes Gerangel um den Königsthron im Gange ist. Englische, dänische und normannische Anwärter und Könige wechseln sich ab, Schlachten werden geschlagen, Dörfer geplündert, Ehen geschlossen und Kinder geboren, Menschen unterdrückt und als Sklaven verkauft, Freunde verraten, Intrigen gesponnen, Könige ermordet, kurz - es geht hoch her. Gablé gelingt es, Licht in das Durcheinander zu bringen und Zusammenhänge verständlich zu machen, die den Meisten unbekannt sein dürften. Es gelingt ihr, indem sie den überlieferten geschichtlichen Persönlichkeiten fiktive Figuren zur Seite stellt und ihre atemberaubend spannende Geschichte nachvollziehbar erzählt. Das Wissen der Autorin und ihre sorgfältigen Recherchen garantieren eine geschichtstreue Schilderung der Ereignisse und eine überzeugende Darstellung der historischen Figuren, während ihre fiktiven Charaktere die Lücken in der Überlieferung ausfüllen, die Geschichte lebendig machen und bereichern. So sind die zentralen Figuren die „echte“ Königin Emma aus der Normandie und der fiktive Ælfric of Helmsby, ein ihr treuer und loyaler Thane, der ihr mit seinen Freunden zur Seite steht. Um diese Figuren gruppieren sich geschichtliche und fiktive Familienmitglieder, Freunde, Rivalen und Untertanen, deren Schicksalsverflechtungen von Gablé meisterhaft gestaltet sind. Wunderbar ist auch der Einblick, den der Leser durch ihre anschauliche Schilderung des Lebens bei Hofe und in den Dörfern und der Gesellschaft des mittelalterlichen Englands erhält. Man fühlt sich einfach mittendrin beim Lesen, hört die Geräusche, fühlt die Stoffe der Kleider, sieht die Landschaften und Gebäude, schmeckt den Met und riecht das frischgebackene Brot der Vergangenheit.
Und dann das Buch! Ein wunderschöner Einband mit Lesebändchen und einem hinreißend schönen, thematisch abgestimmten Farbschnitt übt eine fast magische Anziehungskraft aus auf Buchliebhaber. Wenn man das Buch öffnet, findet man eine Landkarte mit den im Roman vorkommenden Orten, die zusammen mit der Personenliste am Anfang des Buches eine große Orientierungshilfe für den Leser darstellt. Die umfangreiche Personenliste ist besonders wertvoll, da die realen von den fiktiven Figuren unterschieden werden und besonders die gleich oder ähnlich heißenden überlieferten historischen Persönlichkeiten richtig zu- und eingeordnet werden können.
Der Roman ist das Prequel der beiden bereits erschienenen Helmsby-Bände Das zweite Königreich und Hiobs Brüder. Das zweite Königreich wartet bereits auf dem Nachttisch auf mich, Hiobs Brüder im Bücherregal …
Fazit: Rabenthron ist ein für mich rundum gelungener historischer Roman, der in keinem Haus von Liebhabern des englischen Mittelalters und hervorragend geschriebener historischer Romane fehlen darf!