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Veröffentlicht am 08.09.2020

Clare Empson hat mich zutiefst beeindruckt

Zweimal im Leben
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Lest den Klappentext nicht. Es bereitet euch nicht auf das vor, was das Buch mit euch macht.
Die erste Seite tut es sehr wohl.
Denn man wird von Trauer und Tragik umfangen, die dir den Hals zuschnürt.
Es ...

Lest den Klappentext nicht. Es bereitet euch nicht auf das vor, was das Buch mit euch macht.
Die erste Seite tut es sehr wohl.
Denn man wird von Trauer und Tragik umfangen, die dir den Hals zuschnürt.
Es geht nicht darum, was ich sehe, sondern wie ich es sehe.
Eingesperrt in der eigenen Seele, wird man von einer Melancholie erfasst, die keiner Worte bedarf.
Ein Moment, der zutiefst erschüttert, aber doch das Wesentliche sehr einfühlsam und voller Tragik aufzeigt.
Du blutest, du betest um Kraft.
Aber was, wenn keine Kraft mehr da ist?
Was, wenn alles verloren ist, was dich als Mensch ausmacht?
Was, wenn du einfach müde bist zu kämpfen?
Was, wenn dein Kopf dir alles gibt, was du brauchst?

Diese Geschichte, ich weiß nicht, wie ich nur annähernd in Worte fassen soll, was sie mit mir gemacht hat?
Wie sehr sie mich zerstört und emotional ausgelaugt und zerbrochen hat.
Wie sehr mich diese Frau, erschüttert und zutiefst bewegt hat?
Clare Empson hat nicht nur eine unfassbar einfühlsame Art zu schreiben. Sie hat mich damit mitten ins Herz getroffen.
Sie hat mir gezeigt ,was es heißt zu leben und gleichzeitig den Schmerz mit offen Armen zu empfangen.

Was ich hier erlebt habe, ist nicht einfach nur eine Liebesgeschichte.
Es ist eine Verbundenheit, die so unfassbar weit reicht.
Die nach Leben giert und gleichzeitig so lebendig und herzzerreißend zugleich ist.
Es fühlt sich an wie Liebe und Trauer zugleich.
Eine Geschichte, die keiner Worte bedarf.
Es reicht, sie zu fühlen und mit all seinen Sinnen wahrzunehmen.
Eine Seite hat es gebraucht und ich war überzeugt und total verfallen. Ich habe diese Geschichte geliebt, noch ehe sie begonnen hat.

Clare Empson erzählt uns die Geschichte von Catherine und Lucian.
Eine Geschichte, die 15 Jahre umfasst. Wir werden dabei immer wieder in Vergangenheit und Gegenwart katapultiert.
Catherine erzählt uns ihre Geschichte. Aber eigentlich spricht sie zu Lucian, was mir einfach so wahnsinnig gut gefallen hat.
Es schafft Nähe, Wehmut und eine unendliche Traurigkeit, die zum greifen nah ist. Und zeitgleich erfahren wir Lucians Perspektive. Erfahren wie alles begann und sich ein tiefer Graben auftat, der unüberwindbar erscheint.
Wie eine große Liebe über einen langen Zeitraum anhält und nie vergeht.

Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass der Verlauf sehr vorhersehbar ist.
Denn das was ich vermutete, traf tatsächlich ein.
Aber es ist auch nicht wichtig, was man selbst ahnt.
Viel wichtiger ist, was in dieser Zeit mit Catherine und Lucian passiert.
Wie sie jedes mal ein Stückchen mehr zerbrechen. Wie ihr Umfeld ihr Leben bestimmt und wie alles miteinander verwoben ist und eine tragische Kettenreaktion auslöst.
Sie tun Dinge, die nicht gesund sind.
Führen ein ausschweifendes Leben und feiern bis es nicht mehr geht und doch ist es keine Entschuldigung für das, was passiert.
Catherine war immer wieder in meinem Kopf.
Sie hat mich zutiefst berührt mit ihrer Art.
Ich habe Lucians geliebt. Für seine Liebe zur Kunst, die liebevollen Details, die nur er sehen konnte.
Wie er Catherine sah.
Sie waren eine Einheit, die perfekt war.
Aber manchmal führt Perfektion zum Untergang. Manchmal wird Perfektion nicht geduldet.
Es schürt, Neid, Missgunst und Eifersucht.
Es geht hier um Verbindungen ,die das Leben bereichern ,aber auch zerstören können.

Die Hintergründe haben mich mit Liebe erfüllt, aber auch zutiefst erschüttert.
Die Autorin erörtert hier sehr interessante und wichtige Themen. Sie sollten zum nachdenken anregen.
Sie zeigt, was Loyalität bedeutet, wie tief Freundschaft gehen darf und das niemand das Recht hat, dir dein Leben zu rauben.
Sie beschäftigt sich mit Verlust, Trauer und Angst.
Schmerz, in seiner reinsten Form und wie er dich immer mehr aufsaugt.
Innere Zerrissenheit, die dich jedes mal ein bisschen mehr zerstört.

Sie hat eine Geschichte erschaffen, die so viel zum klingen bringt. Die zeigt, wie wichtig es ist zu leben und keinen Augenblick zu vergeuden.
Denn manchmal vergeuden wir wertvolle Zeit, ohne es zu bemerken.
Wie wichtig es ist, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.
Mit viel Feingefühl, lässt sie uns hinter die Fassade schauen und es offenbart sich so viel.
Am Ende musste ich die Tränen zurückhalten.
Es war zu viel, zu verheerend, zu intensiv.
Es hat mich ohne Ende fertig gemacht. Aber trotzdem ist es kein Ende.
Vielleicht ist es ein neuer Anfang.
Manchmal tut es weh, aber manchmal wird man dadurch umso stärker.
Ich wünsche mir so sehr ,mehr dieser Storys.
Denn nicht nur Glück gehört zu Leben dazu, auch Trauer ,Angst und Schmerz.

Fazit:
Catherine und Lucian.
Eine Liebe so groß und perfekt, dass es fast schon weh tut.
Eine herzzerreißende Lovestory, die wunderschön und tragisch zugleich ist.
Ich habe sie so sehr gefühlt und geliebt.
Sie hat mich ununterbrochen beschäftigt und nicht mehr losgelassen.
Eine Liebe, die so herrlich frei ist, aber im Bruchteil einer Sekunde in Tragik mündet.
Clare Empson hat mich zutiefst beeindruckt.
Ich war den Tränen nah, erschüttert und einfach außer mir.
Denn neben Liebe und Loyalität geht es auch um ernste Themen ,die zum nachdenken anregen sollten.
Ein absolutes Jahreshighlight.

Veröffentlicht am 08.09.2020

Unglaublich emotional, interessant und faszinierend zugleich

Emily Eternal
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Auf dieses Buch bin ich durch das Cover aufmerksam geworden und da ich von abgefahrenen Sci-Fi- Abenteuern nie genug bekommen kann, musste ich es unbedingt lesen.

Der Autor hat einen sehr angenehmen und ...

Auf dieses Buch bin ich durch das Cover aufmerksam geworden und da ich von abgefahrenen Sci-Fi- Abenteuern nie genug bekommen kann, musste ich es unbedingt lesen.

Der Autor hat einen sehr angenehmen und fesselnden Schreibstil, so das ich konstant am Ball bleiben musste. Auch wenn das nicht immer leicht war. Da man mit vielen wissenschaftlichen und mathematischen Details konfrontiert wird. Was oftmals sehr schwierig zu verarbeiten und zu verstehen war.
Der Kern dieser Story ist eine künstliche Intelligenz Namens Emily. Vom ersten Moment an, hat man dieses Gefühl in keinster Weise.
Emily lebt, fühlt und kämpft ebenso wie die Menschheit, wodurch man schnell ausklammert, dass es sich hierbei um ein Computerprogramm handelt.
Ich mochte Emily von erster Sekunde an, unglaublich gern und hab sie sofort ins Herz geschlossen.
Ich fühlte und litt mit ihr.
Emily hat Prinzipien und Gefühle und das macht sie letztendlich auch so greifbar.
Aber es ist auch beängstigend wozu sie in der Lage ist. Was eine gewisse Beklemmung hervorrief.
Doch der Autor geht in der Weiterentwicklung noch einen Schritt weiter. Denn die Menschheit ist bedroht und es liegt allein an Emily, dieses Problem zu beheben.

Die Idee fand ich einfach so genial, wie hoffnungsvoll.
Die Umsetzung war nicht ganz so rasant, wie ich mir erhofft hatte. Denn es braucht einige Zeit, damit es richtig Fahrt aufnimmt.
Aber dann hatte mich die Story absolut.
Doch dabei muss ich betonen, dass besonders die kleinsten Details, mögen sie auch noch so unwichtig sein, absolut entscheidend für den weiteren Verlauf sind.
Denn diese Story ist äußerst komplex.
Um die Entwicklung zu verstehen ,muss man erstmal das Projekt Emily verstehen und tief in ihre Seele eintauchen. Und das gelingt anhand ihrer Perspektive einfach herausragend gut.

Ein weiterer Basisteil sind die zwischenmenschlichen Aspekte, denn dadurch gewinnt das ganze an Form und Struktur.
Man erlebt wie intrigant, wie manipulativ und perfide die Menschheit ist. Wie sehr ihr Handeln, von Macht und absoluter Kontrolle abhängt.
Was manchmal ziemlich schockierend zu beobachten war.
Mitunter geht es ziemlich actionreich zu, gekoppelt mit sehr vielen Emotionen, die einfach regelrecht ans Herz gehen.
Ebenso wird eine zarte Liebesgeschichte eingeflochten, was man so gar nicht erwarten würde.

Die Menschen sind einfach so berechenbar. Aber dann gibt es Menschen, die dir regelrecht das Herz brechen, so wie Mayra oder Jason.
Dabei zeigt der Autor recht deutlich, dass es Dinge gibt, die auch eine KI nicht beheben kann.
Und diesen kleinen Aspekt fand ich so schön wie schmerzvoll zugleich. Denn es zeigt, dass es keine Perfektion gibt.
Das es sie nie geben wird.
Emily kann so unglaublich viel. Aber auch sie stößt an ihre Grenzen.
Die Entwicklung der Story war absolut wendungsreich und bahnbrechend zugleich.
Es geschehen Dinge, die man so nicht erwarten würde und die alles in ein völlig neues Licht eintauchen lassen.
Wie sehr hab ich mit Emily gehofft und gebangt. Ich kann es nicht in Worte fassen.

Diese Story ist einfach so unglaublich gut. Wenn auch nicht perfekt, da mich die technischen Details absolut überrollt und überfordert haben. Aufgrund dessen minderte es auch die Spannung.
Dafür sind die Charaktere einfach großartig ausgearbeitet und lebendig in ihrem Tun.
Ich konnte mich wundervoll in sie hineinversetzen, ihr Handeln und Denken nachvollziehen.

Wer auf Sci-Fi steht, ist hier definitiv an der richtigen Adresse. Sollte aber etwas Geduld aufbringen. Denn diese Story braucht etwas, um sich zu entfalten und zu entwickeln.
Letztendlich eine Story, die mir enorm schöne Lesestunden geschenkt hat.
Die Hoffnung gibt, aber gleichzeitig auch die eigene Hilflosigkeit offenbart.
Die erschüttert und traurig zugleich macht.
Denn es geht hier um das Ende der Menschheit und gleichzeitig um die Rettung derer.
Einige Punkte hätten zwar noch mehr Tiefe gebraucht, aber im Gesamtprodukt stört dies nicht.
Ich bin absolut begeistert.

Fazit:
Emily ist eine künstliche Intelligenz und es liegt an ihr, die Menschheit zu retten.
Die Idee ist einfach so genial.
Die Umsetzung hat mich einfach schier vom Hocker gerissen.
Auch wenn die vielen technischen Details mich überfordert haben und die Spannung etwas minderten.
Dafür ist es unglaublich emotional, interessant und faszinierend zugleich.
Ein absolut unvorhersehbarer Verlauf, der mit einigen Wendungen punktet und mich im Endeffekt richtig begeistert hat.

Veröffentlicht am 08.09.2020

Ein Psychotrip, der keine Gnade kennt

Psychotic
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Der Titel verrät eigentlich schon, worum es in diesem Buch geht und ich war einfach unglaublich gespannt darauf.
Auf die Charaktere und wie weit der Autor tatsächlich gehen würde.

Mit Dora schafft er ...

Der Titel verrät eigentlich schon, worum es in diesem Buch geht und ich war einfach unglaublich gespannt darauf.
Auf die Charaktere und wie weit der Autor tatsächlich gehen würde.

Mit Dora schafft er eine für mich unsympathische Hauptprotagonistin und dennoch war es absolut interessant, ihr Verhalten zu beobachten.
Der Klappentext verrät, dass Sie unglaubliches Leid erfahren musste. Ja, fast musste ich darüber lachen.
Denn Leid ist für Dora anders, als für andere Menschen.
Sicher kommen wir mit Ablehnung zurecht, aber nicht Dora. Dabei muss ich sagen ,dass ihre Persönlichkeit ein zweischneidiges Schwert ist. Sie ist nicht einfach, sie ist kompliziert.
Sie weiß, was sie will.
Nimmt sich alles, ohne Rücksicht auf Verluste.
Kaltblütig, schamlos, ohne Gewissen.
Lange habe ich mich gefragt, was sie überhaupt will. Was sie wirklich aus tiefstem Herzen liebt.
Denn so einfach ist das nicht zu durchschauen, weil sich Dora nicht in die Karten schauen lässt.
Sie ist manisch, aggressiv und voller Wut.
Eine Frau, der man besser aus dem Weg geht.
Eine Frau, die sich ihre eigene Realität schafft.
Man begreift wie skrupellos und perfide sie ist. Wie verrückt.
Man hat Anteil an ihren Männergeschichten, wodurch es auch einige explizite Szenen gibt, wodurch sich schon sehr gut herauskristallisiert, wie diese Frau tickt.

Im Laufe des Geschehen erfährt man mehr über die Hintergründe Doras.
Wie sie behandelt wurde, wie sie selbst austeilte. Dabei wird sehr klar ersichtlich, wie durchtrieben ihr Verstand ist.
Man erlebt wie die Dunkelheit in ihr wütet und sie ihr Ziel langsam umkreist.
Um anschließend gnadenlos zuzuschlagen.
Parallel dazu ,sieht man wie das Umfeld darauf reagiert.
Wie wütend und hilflos man wird.
Sie ist wie ein heftiger Sturm, der nicht aufzuhalten ist.
Am Anfang der Story, ist es noch recht unterhaltsam, aber auch etwas monoton. Man wartet darauf, dass die Geschichte so richtig in Fahrt kommt.
Was tatsächlich auch noch passiert.
Am Ende überschlagen sich fast die Ereignisse und ich saß tatsächlich ziemlich sprachlos da.
Vor Unglaublich und Verständnislosigkeit.
Ehrlich, man kann es nicht nachvollziehen.
Es ist so… es macht einfach so wütend.
Durch diesen Schlusspunkt verschieben sich nochmal komplett die Blickwinkel.
Denn das, worin es mündet, ist einfach zu viel.
Zu tragend, zu böse.Mein Gott, dieser letzte Satz. Damit kann man nicht zurechtkommen.

Jack Ketchum tobt sich hier nicht mit körperlicher Brutalität aus.
Es beginnt beim Verstand und das ist im Endeffekt viel schlimmer und tragischer.
Er zeigt, dass es nicht viel braucht, um manipuliert zu werden oder sein Leben komplett umzukrempeln. Oder es gar komplett aus dem Ruder laufen zu lassen.
Aber es braucht verdammt viel, um es in Ordnung zu bringen.
Und auf der anderen Seite haben wir hier eine komplexe Persönlichkeit, die alles will und das nur aus einem Grund.
Er taucht tief in die Psyche ein und das wirklich großartig.
Am Ende bleibt die Frage, was Dora dazu gemacht hat.

Etwas schwierig fand ich die Art der Perspektive. Denn wir erfahren alles aus der Sicht, der dritten Person. Dadurch ist es schwer, die Charaktere wirklich greifen zu können. Die Emotionen können sich nur schwer entfalten, was ich hier etwas schwierig fand. Nichtsdestotrotz empfindet man trotzdem etwas. Denn bei dieser Art von Psychotrip kann man gar nicht anders.
Es brennt sich einfach ins Gehirn. Man ist entsetzt, voller Unglauben und kann es keinen Moment aus den Händen legen.

Letztendlich ein richtig guter Kurzroman über eine junge Frau, die systematisch Leben zerstört und dabei kein Gewissen kennt.

Fazit:
Dora, Dora und nochmal Dora.
Ein Psychotrip ,der so einige Abgründe offenbart und am Ende sprachlos und erschüttert dasitzen lässt.
Jack Ketchum taucht tief in die Psyche ein und offenbart dabei unaussprechliches.
Ein Psychotrip, der keine Gnade kennt.

Veröffentlicht am 08.09.2020

Eine Thematik die erschütternd und genial zugleich ist

Gestohlene Erinnerung
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Egal was der Autor anfängt, es wird genial.
Aufgrund des Klappentextes hatte ich eine klare Vorstellung von der Story.
Das Endprodukt war jedoch etwas völlig anderes,als ich erwartet hätte.
Ich bin absolut ...

Egal was der Autor anfängt, es wird genial.
Aufgrund des Klappentextes hatte ich eine klare Vorstellung von der Story.
Das Endprodukt war jedoch etwas völlig anderes,als ich erwartet hätte.
Ich bin absolut sprachlos, wie klar und definiert er schreibt, aber dennoch unglaublich große Emotionen und eine erstaunliche Vielfalt hineinlegt.
Ich kann nicht oft genug betonen, wie sehr ich seine Werke vergöttere.
Auch “Gestohlene Erinnerung ” bildet da keine Ausnahme.
Womit wir schon beim Kern dieser Story sind.
Erinnerungen sind etwas sehr komplexes und auch wichtiges.
Erinnerungen verändern uns und gleichzeitig erden sie uns auf eine Art und Weise, die kaum vorstellbar ist.
Momente des Lebens, die schmerzhaft, aber auch schön waren, sind ein Teil von uns und somit in Erinnerungen verankert.
Doch was ist ein Mensch ohne reale Erinnerung.
Wie fühlt sich das an?
Ist man dann überhaupt noch man selbst?
Ist man eine Hülle oder verfällt man dem Wahnsinn?
Es gibt viele Arten von Spekulationen darüber, umso interessanter, dass Blake Crouch in seinem neuesten Werk mit dem Gedächtnis gespielt hat und das auf sehr spektakuläre, aber auch verstörende Art und Weise.

Anfangs dauerte es tatsächlich einige Zeit, bis ich in die Story hinein kam. Denn es waren zuviele Informationen, zu viele Ereignisse. Damit war ich schnell überfordert.
Doch langsam kristallisierte sich heraus, um was es wirklich geht.
Anfangs wird noch mit Samthandschuhen gearbeitet, doch irgendwann entscheidet sich der Autor ,das schreckliche Ausmaß dieser Entwicklung an die Oberfläche zu lassen.
Und wie er das macht.
Ich war fasziniert, ungläubig und verstört gleichermaßen. Es ist schwer in Worte zu fassen, denn womit man hier durchflutet wird, ist der helle Wahnsinn.
Aufregend und zerstörerisch zugleich.
Und alles beginnt mit zwei Menschen, die anfangs noch nebulös sind. Aber im Laufe der Zeit wachsen sie extrem ans Herz.
Es geht irgendwann nicht mehr nur um Helenas Technologie.
Es geht vor allem um Barry und Helena.
Zwei Menschen die eigentlich komplett unterschiedlich sind und sich im Normalfall wohl nie begegnen wären.
Aber hier wird alles möglich gemacht.
Man lernt die beiden nicht nur kennen, man seziert sie regelrecht. Man fühlt jede Emotion.
Trauer, Schmerz, Verlust, Angst.
Freude, Liebe und Glück.
Sie erleben etwas, was man nie erleben sollte und im Zuge dessen geht dadurch auch eine ziemliche Entwicklung einher.
Und diese ist mehr als gut spürbar.
Man erfährt nicht nur mehr über sie.
Man lebt und stirbt mit Ihnen.
Man ist verzweifelt, hat Angst, wird manisch oder verfällt zusehends.
Es ist so viel, womit man konfrontiert wird.
Dabei tun sich verstörende Abgründe auf, die absolut erschütternd sind. Das allerschlimmste daran, es ist verdammt realistisch und das ist wohl das beängstigende überhaupt.

Die Grundthematik ist wahnsinnig gut umgesetzt. Wobei man auch die oder andere Einsicht in die Wissenschaft bekommt, was ich persönlich sehr interessant, aber auch ziemlich beklemmend fand.
Denn diese Menschen haben unglaublich große Macht, aber sind auch sehr angreifbar.
Das kann extrem verheerend sein.
Worauf ich hinaus will. Nicht immer ist Forschung eine gute Seite.
Denn es gibt immer zwei Seiten.
Was Blake Crouch hier verdammt gut aufzeigt.

Er zeigt was passiert, wenn man die natürliche Ordnung durcheinanderbringt. Das dies mit Konsequenzen verbunden sind, die nie wieder ihren Ursprung erreichen.
“Gestohlene Erinnerung” ist nicht nur extrem interessant und hochspannend.
Man gerät dabei in einen Strudel ,der verdammt beängstigend und erschütternd ist.
Dabei bekommt man hier nicht nur Barrys und Helenas Perspektiven.
Man wandelt auf unterschiedlichen Zeitebenen, was für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war.
Aber im Zuge dessen, das jedes Datum wichtig ist.
Man inhaliert und kann oftmals selbst schwer entscheiden, was real ist und was nicht.
Wenn man das alles durchmacht, wer ist man dann noch?
Was bleibt dann von einem überhaupt noch übrig. Man verliert sich Stück für Stück und letztendlich auch den Glauben und die Hoffnung.

Diese Story hat so unglaublich viel in mir ausgelöst.
Wut, Trauer und Schmerz.
Erinnerungen sind so wichtig. Wir leben von ihnen, sie sind das, was uns als Mensch ausmacht.
Definitiv ein weiteres Highlight dieses herausragenden Autors.

Fazit:
Mit “Gestohlene Erinnerung” gelingt Blake Crouch ein weiterer Pageturner, der an die Grenzen und darüber hinaus bringt.
Eine Thematik die erschütternd und genial zugleich ist.
Blake Crouch zeigt auf sehr eindrucksvolle Art und Weise, was passiert wenn man die Ordnung durcheinanderbringt.
Mit verheerenden Folgen.
Ein absolutes Highlight.
Er punktet nicht nur mit einer genialen Idee,sondern auch mit Charakteren, die einfach alles geben.

Veröffentlicht am 03.09.2020

Abgründe sind tief, doch noch tiefer ist die Verschwiegenheit

Der Tote von Twixlum. Ostfrieslandkrimi
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"Der Tote von Twixlum” ist der 6. Band rund um Kommissar Steen und es wird mörderisch und das in vielerlei Hinsicht.
Denn oft ist es nicht so ,wie es auf den ersten Blick scheint.
Und ganz vielleicht geht ...

"Der Tote von Twixlum” ist der 6. Band rund um Kommissar Steen und es wird mörderisch und das in vielerlei Hinsicht.
Denn oft ist es nicht so ,wie es auf den ersten Blick scheint.
Und ganz vielleicht geht es um mehr als einen Mord.

Der Schreibstil von Alfred Bekker ist sehr einnehmend, fließend und leicht verständlich.
Im Fokus des Ganzen steht natürlich der etwas brummige Steen. Nicht unbedingt ein sympathischer Mann. Aber jemand, den man definitiv respektiert. Trotz allem mag ich seine etwas kauzige und unnahbare Art. Er lässt sich nicht in die Karten schauen und das macht ihn letztendlich auch so authentisch und einfach greifbar.
Die anderen Ermittler sind dagegen absolut sympathisch, allen voran Ihno, der mich hier immer wieder zum schmunzeln brachte.
Ihno spielt in diesem Band, eine nicht unerhebliche Rolle, was mir einfach wahnsinnig gut gefallen hat.
Er ist mit allen Wassern gewaschen, was man oftmals erst auf den zweiten Blick erkennt.
Auch die eigentlichen Hauptfiguren, die in diesem Band im Vordergrund stehen, waren sehr gut ausgearbeitet und einfach in Szene gesetzt. Sie punkten mit Ausdruck, Ecken und Kanten. Manche sind tiefgründiger, als andere. Was aber angesichts dieses Falls absolut verständlich ist.
Ich konnte mich gut in sie hineinfühlen, auch wenn manche etwas vorhersehbar gehandelt haben. Doch der Mordfall ist deshalb noch lange nicht so einfach zu durchschauen.

Je tiefer man gräbt, umso mehr kommt immer wieder die Vergangenheit ans Licht.
Wo einst die Spuren begannen, so enden sie meist auch dort.
Im Fall des Kapitäns und seines Erben gibt es eine Menge Dunkelheit und Geheimnisse, die an die Oberfläche müssen.
Beide können sich nur schwer äußern, deshalb brauchen sie ein Sprachrohr.
Damit der Gerechtigkeit Genüge getan wird.
Ich fand vor allem den Kapitän unglaublich interessant. Man konnte sich lebhaft vorstellen, wie angesehen er war und was er alles erlebt hat. Zu gern hätte ich noch mehr Geschichten über ihn gehört.
Die Geschichte selbst kam erst langsam in Fahrt und hat sich sehr detailliert mit den Ermittlungen beschäftigt, was ich ausgesprochen gut fand.
Es geht hier tatsächlich um die Ermittlungsarbeit und nicht etwa um das Privatleben Steens.
Was einerseits total interessant ist, weil sich immer wieder neue Spuren ergeben und nichts dem Zufall überlassen wird.
Dabei gerät man in Abgründe, die tiefer sind, als zunächst angenommen.
Komplex, voller Facetten und Eindrücke.
Die Ermittler müssen ordentlich graben, um überhaupt etwas aufzudecken.
Denn die Verschwiegenheit ist groß und keiner will sich falsch äußern.
Dabei erblickt man erst nach und nach was hinter allem steckt. Was meinerseits für große Überraschungen gesorgt hat. Denn damit hatte ich nun gar nicht gerechnet.
Der Autor webt dabei sehr interessante Themen ein.
Zeigt aber auch wie unberechenbar und kalkuliert Menschen handeln, wenn sie an ihren eigenen Vorteil denken.
Das kann mitunter ziemlich erschüttern, dennoch ist es menschlich.
Nichtsdestotrotz kommt hier eine große Tragik auf, der man hilflos ausgeliefert ist.

Was ich andererseits noch immer sehr schade finde, ist das man so wenig über den Menschen Steen erfährt. Ich finde es wichtig, dass auch er den nötigen Raum bekommt, um sich zu entfalten und entwickeln zu können.
Hier erfährt man unterschiedliche Perspektiven, weshalb man sich gut in die unterschiedlichsten Personen hineinversetzen kann.
Die Hintergründe wurden nach und nach offengelegt, so das auch keine Wissenslücken offen bleiben.

Letztendlich fand ich diesen Band zwar nicht übermäßig emotional, aber unglaublich interessant und spannend.
Ein Fall, der mit dem psychologischen Aspekt dahinter punktet und zeigt, wozu Menschen fähig sind.
Ich bin schon sehr gespannt, was uns als nächstes erwartet.

Fazit:
Der Kapitän und sein Erbe.
Der 6. Band rund um Kommissar Steen besticht mit einem sehr eigenwilligen Kommissar und einem Fall, der nicht nur sehr komplex ist, sondern auch sehr interessant und spannend in seinem Verlauf ist.
Abgründe sind tief, doch noch tiefer ist die Verschwiegenheit.
Eine Reihe, die sich vor allem mit sehr detaillierter Ermittlungsarbeit befasst und dadurch niemals langweilig wird.
Zwar nicht überragend emotional, dafür aber sehr wendungsreich und voller Ausdruck.