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Veröffentlicht am 24.08.2025

Familie

Man müsste versuchen, glücklich zu sein
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„Man kann auch tausend Therapien machen, dann weiß man alles, und kann den Albtraum trotzdem nicht beenden, höchstens erklären. Aber was bringt es einem.“

Flora und Millie sind zwei recht ungleiche Schwestern. ...

„Man kann auch tausend Therapien machen, dann weiß man alles, und kann den Albtraum trotzdem nicht beenden, höchstens erklären. Aber was bringt es einem.“

Flora und Millie sind zwei recht ungleiche Schwestern. In ihrer Kindheit wurden sie oft getrennt. Vielleicht kommt es davon. Als sie sich in ihrem Elternhaus zufällig wieder treffen kommen alte alte Geschichten hoch und alte Wunden beginnen wieder zu schmerzen. Die Erinnerungen der Beiden sind oft unterschiedlich. Doch hätten sich beide mehr Liebe und Aufmerksamkeit durch die Eltern gewünscht. Kurzerhand begeben sie sich auf eine Reise in die Bretagne und in ihre eigene Kindheit.

Ich bin sehr zwiegespalten bei diesem Roman. Das Thema ist komplett mein Ding. Die Sprache hier ist oft recht bildhaft. Das Boot in der Bretagne, die Fahrt dahin, die Playmobil Pferde. Das alles war ganz wunderbar. Die Protagonisten blieben für mich leider doch recht farblos und oft plätscherte die Geschichte so vor sich hin. Es gab viele Dialoge, viele Erinnerungen und ein paar Familiendramen. Die Kindheit verbrachten die Schwestern eher unkonventionell, die Eltern waren schon sehr mit sich beschäftigt. Erzählt wird nur aus der Perspektive von Flora. Da hätte ich mir auch noch gewünscht die Geschichten und Gedanken aus der Sicht von Millie zu lesen.

Insgesamt schon ein lesenswerter Roman mit ein paar Schwächen für mich.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Historischer Roman

Mein Name ist Emilia del Valle
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Emilia lebt behütet mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater in San Francisco im 19. Jahrhundert. Ihre Mutter ist eine irische Nonne und ihr leiblicher Vater Chilene. Der Vater hatte nur eine kurze Liebelei ...

Emilia lebt behütet mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater in San Francisco im 19. Jahrhundert. Ihre Mutter ist eine irische Nonne und ihr leiblicher Vater Chilene. Der Vater hatte nur eine kurze Liebelei mit ihrer Mutter und machte sich bald schon aus dem Staub. Schon früh begeistert sich Emilia für das Schreiben. In ihrer Jugend schreibt sie unter einem männlichen Pseudonym Groschenromane und begeistert so die Leserschaft. Später erkämpft sie sich einen Job als Reporterin und reist 1891 nach Chile, einem Land, in dem ein Bürgerkrieg herrscht.

Das war mein erster Roman von Isabel Allende und ich war sehr gespannt. Erzählt wird hier ganz wunderbar atmosphärisch und emotional. Die Verschmelzung zwischen historischen Ereignissen und der persönlichen Geschichte von Emilia ist ganz wunderbar gelungen. Emilia ist eine beeindruckende, willensstarke und unkonventionelle Frau. Sie ist mutig, ehrgeizig und eigensinnig. Die Szenen im Bürgerkrieg sind sehr bildlich dargestellt. Das war für mich richtig toll geschrieben. Besonders angetan hatten es mir die vielen historischen Aspekte. Die Liebesgeschichte war ja eher so nebenbei. Die hätte ich auch nicht unbedingt gebraucht. Da war für mich Emilias eigene Geschichte interessanter. Zum Ende hin wirkte die Geschichte für mich leicht konstruiert. Tat aber insgesamt dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Empfehle ich euch sehr gern weiter.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Toll

Blinde Geister
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„Egal, wo man liegt, über einem ist der Himmel. Das war damals so, und so ist es noch immer. Er muss ja nicht blau sein.“

Olivia wächst in einer Familie auf, bei der ständige Angst vor einem neuen Krieg ...

„Egal, wo man liegt, über einem ist der Himmel. Das war damals so, und so ist es noch immer. Er muss ja nicht blau sein.“

Olivia wächst in einer Familie auf, bei der ständige Angst vor einem neuen Krieg die Eltern beherrscht, etwa durch panisches Vorräteprüfen oder Kellerverstecke suchen. Diese lähmende Angst wird ein ständiger Begleiter von Olivia. Sie verliebt sich, bekommt eine Tochter. Erst da erkennt sie Parallelen zu den Eltern und zur Großmutter und beginnt ihre Angst aufzuarbeiten. Die Geschichte beginnt in den 50er Jahren und reicht bis zum Beginn des Krieges in der Ukraine 2022, als alte Ängste wieder real zu werden scheinen.

Ganz klar und bildhaft wird uns diese Geschichte erzählt. Das Grauen, das die Familie erlebt hat, ist stets greifbar und immer unterschwellig da. Die Familie hält zusammen aber oft steht das Unaussprechliche zwischen ihnen, gefangen im Schweigen und stiller Sehnsucht. Jeder leidet für sich. Der Krieg ist vorbei aber die Ängste sind geblieben. Es geht um Kriegstraumata, die direkt an die nächsten Generationen weitergegeben werden, Nähe und Entfremdung innerhalb der Familie. Olivia ist eine authentische Protagonistin, deren innere Konflikte sie zu zerbrechen drohen. Der Roman kommt ohne Kitsch und Klischees aus und hat doch eine unglaubliche emotionale Kraft und Tiefe.

Ein beeindruckendes Debüt über das Schweigen der Nachkriegsgeneration. Gesellschaftlich so wichtig und dazu noch so berührend geschrieben. Möchte ich euch wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Traurig schön

Irgendwann kommt immer ein Meer
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Vor sechseinhalb Jahren ist der Vater des Erzählers verstorben und er ist immer noch präsent. Viele Erinnerungen sind geblieben. Gemeinsame Urlaube an der Ostsee, Flecken auf der Brille, Teewurtsbrötchen. ...

Vor sechseinhalb Jahren ist der Vater des Erzählers verstorben und er ist immer noch präsent. Viele Erinnerungen sind geblieben. Gemeinsame Urlaube an der Ostsee, Flecken auf der Brille, Teewurtsbrötchen. Warme Gefühle für den Vater, der ihm sehr nahe stand. Eine Lücke, die sich nicht schließen lässt.

In vielen kurzen Szenen wird uns sehr poetisch und ganz zart die Liebe zu seinem Vater aufgezeigt. Der Erzähler schwelgt in Erinnerungen. Lässt uns ganz nah ran. Gefühlvoll und doch ganz klar gedenkt er so seinem Vater. Lässt ihn so wieder lebendig werden. Vergessen will er nicht, hält viele alltägliche Dinge fest. Eine Sammlung an Erinnerungen um zu verarbeiten und sich klar zu werden wer er jetzt ohne ihn ist.

Ein literarisch anspruchsvolles Buch, voller warmherziger Erinnerungen, traurig und schön.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Leben in der Elfenbeinküste

Diese glühenden Sonnen
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Iro lebt in einem kleinen Dorf in der Elfenbeinküste. Er verlässt das Dorf und seine Familie um in Abidjan Literatur zu studieren. Dort lernt er Thierry kennen. Zusammen verkaufen sie T-Shirts auf der ...

Iro lebt in einem kleinen Dorf in der Elfenbeinküste. Er verlässt das Dorf und seine Familie um in Abidjan Literatur zu studieren. Dort lernt er Thierry kennen. Zusammen verkaufen sie T-Shirts auf der Straße um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Thierry ist ein selbstbewusster, mutiger junger Mann, der nach einem besseren Leben strebt. Iro dagegen ist eher zurückhaltend und nachdenklich. Beide träumen sie zusammen von einem besseren Leben. Als Iros Vater stirbt, holt ihn seine Vergangenheit ein. Er sah den Vater immer als Versager, hat Angst selber so zu werden. Jetzt beginnt er alles zu hinterfragen.

Ein ruhiger, sensibler Roman, der uns tiefe Einblicke in die Sorgen und das Leben der Jugendlichen in der Elfenbeinküste ermöglicht. Sie leben in Armut, hoffen auf ein besseres Leben. Sprachlich ist das Buch sehr klar und bildhaft. Ich hab die Hitze gespürt, die Hoffnung und die Träume der Jugendlichen. Ein etwas anderer Coming-of-age Roman, in einem Land, das im Umbruch ist, noch auf der Suche nach dem, was es einmal werden soll. So geht’s nicht nur dem Land, sondern auch den Menschen. Hier gibt’s keine aufregende Handlung, sondern leise Töne, viel Gefühl und Einblicke in ein Land, von dem ich bisher kaum etwas wusste. Manchmal war mir der Roman etwas zu durcheinander, durch den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Grundton bleibt trotz aller Schwierigkeiten optimistisch.

Insgesamt ein sensibler, poetischer Blick auf junge Menschen, soziale Ungleichheit und familiäre Konflikte. Allen Lesern, die dieses Thema interessiert, empfehle ich das Buch gern weiter.

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