Platzhalter für Profilbild

annamichalea

Lesejury Profi
offline

annamichalea ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit annamichalea über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.09.2021

Ein dreistimmiger Familienroman

Wenn ich wiederkomme
0

Der für die Rezension gewählte Titel ist ein Zitat aus dem Kapitel Nachbemerkung, das am Ende des Buches steht. Gehört meiner Meinung nach zum wichtigsten Teil des Buches, als Vorwort hätte ich es noch ...

Der für die Rezension gewählte Titel ist ein Zitat aus dem Kapitel Nachbemerkung, das am Ende des Buches steht. Gehört meiner Meinung nach zum wichtigsten Teil des Buches, als Vorwort hätte ich es noch besser gefunden. Als Vorbereitung auf das Buch.
Schon hier mache ich deutlich, dass das Buch drei Erzählstränge hat. Die beiden Kinder der Rumänin Daniela, die als Pflegekraft nach Italien geht und auch sie selbst, kommen jeweils mit einem eigenen Kapitel zu Wort. Hierbei geht es nicht nur um die Beweggründe der Mutter wegzugehen, auch um die Folgen für die in Rumänien Zurückbleibenden. Der Vater kommt per se schon mal nicht zu Wort, kurz gesagt er "taugt nichts".
Das Thema Pflegekräfte die in Deutschland fern der Heimat ihr Leben führen müssen betraf mich bisher wenig. Eigene Erfahrung noch keine, wenn Bekannte erzählten stand immer im Mittelpunkt der Gespräche was für eine Perle manche seien, wie schwierig andere. Die Perlen bekamen immer Extras wie ausrangierte Kleidung für ihre Kinder und wenn man ihnen ermöglichte mit anderen Pflegekräften einmal im Monat einen Kaffee zu trinken, dann galt man schon als sozialer Arbeitgeber.
Die Kluft zwischen arm und reich ist und bleibt gross und ungerecht. Viele versuchen sie zu überwinden, aber oft kommt das wovor man flieht in anderer Form wie ein Bumerang zurück. Bumerang, so heisst auch passenderweise eine Kapitelüberschrift in diesem Buch.
Der Roman sensibilisiert hoffentlich einige Leser für das Thema ausländische Pflegekräfte, geändert werden müsste aber so viel mehr.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.09.2021

Gelungene Komposition von Geschichte (histor.) und Geschichte (erzählt)

Der schwarze Winter
0

Auf den ersten Blick machte das Cover einen zusammengestückelten Eindruck. Am unteren Rand die Kulisse der durch Bomben zerstörten Stadt Hamburg, das obere Drittel dominiert von ein paar für den Winter ...

Auf den ersten Blick machte das Cover einen zusammengestückelten Eindruck. Am unteren Rand die Kulisse der durch Bomben zerstörten Stadt Hamburg, das obere Drittel dominiert von ein paar für den Winter ungeeigneten Schuhe mit dem Teil einer Wolldecke mit Fransen, perspektivisch und Grössenmässig gar nicht zusammenpassend. Seltsamerweise störte diese Diskrepanz gar nicht mehr; als ich es länger anschaute blieb nur der Eindruck von kalten Füssen, ungenügender Winterkleidung und kein Unterschlupf. Ein toll komponiertes Bild.
Der Roman an sich bietet einen gut recherchierten Überblick über den Überlebenskampf nach dem Weltkrieg, vor allem die Problematik die besonders in den Städten auftrat. Die Versorgung mit Lebensmitteln war schwieriger, Unterkünfte waren kaum noch vorhanden und die Kriminalität blieb hoch. Zum einen war die Hemmschwelle sich einfach was mit Gewalt zu nehmen durch die Kriegsgeschehnisse niedriger, zum anderen die Nachkriegsnot besonders gross.
Es gelingt Clara Lindemann auf eine ansprechende Art und Weise die zumindest meiner Generation durch Literatur und Geschichtsunterricht bekannten Lebensumstände in der Nachkriegszeit mit einer Romangeschichte zu verbinden ohne auch die Problematiken, wie Alt-Nazis haben weiterhin oft die Macht oder Frauen gehören wieder in die zweite Reihe zu verniedlichen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.09.2021

Selbst ist die Frau, auch als Muttl

Muttl auf Reisen
0

Das Buch kam sehr schnell bei mir an. Mit persönlicher Widmung und einer Tüte Gummibärchen. Also Selbstverlag pur.
Ein wenig wie ein zu grosser Auftritt erscheint es einem, wenn man die Ankündigung in ...

Das Buch kam sehr schnell bei mir an. Mit persönlicher Widmung und einer Tüte Gummibärchen. Also Selbstverlag pur.
Ein wenig wie ein zu grosser Auftritt erscheint es einem, wenn man die Ankündigung in der Kurzzusammenfassung liest:

Mama ist unterwegs …
-in der Hippie-Szene in Andalusien,
-als Backpackerin auf Bali,
-auf Ahnenbesuch in Siebenbürgen,
-in der Türkei auf eigenen Wegen
und in Südfrankreich, muss aber zurück, weil einer ihrer Söhne schwer erkrankt

und dann das schmale Bändchen in den Händen hält. Dazu noch ein relativ grosser Schrifttyp. Aber nun ran das Buch
Zuerst fiel mir auf, dass die Autorin auch in den sozialen Medien sehr aktiv ist. Instagram, Facebook, Twitter und You Tube. Also grosser Auftritt?
Was ich schlussendlich vorfinde ist ein amüsantes Leseerlebnis, schon nicht die 0 8 15 Welt der sich abnabelden Mütter, aber Geschichten einer starken Frau, die umsetzt was sie sich vornimmt und diese Spuren findet man auch in den Erzählungen über ihre erwachsenen Kinder wieder. Dazu bezieht sie oft den Leser mit ein, entweder durch kurze Ansprache, Ich bin Rosi... oder die direkte Aufforderung eigene Erfahrungen mit ihr über ihre Kanäle zu teilen.

Die letzen Seiten sind noch Infos über weitere Bücher, verkleinern also noch den Leseteil. Ich gebe aber insgesamt 4 Sterne, Frau Bauer hat etwas angepackt und selbst umgesetzt.


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.09.2021

Edles Cover trifft auf ungewöhnlichen Schreibstil

Wo das Licht herkommt
0

Ein sehr schöner Start, das Buch in die Hand zu nehmen. Ein edles Design auf dem Cover, der Name der Autorin passend zum asiatisch anmutenden Coverbild in Längsschrift dargestellt. Die Leinenbuchdeckel, ...

Ein sehr schöner Start, das Buch in die Hand zu nehmen. Ein edles Design auf dem Cover, der Name der Autorin passend zum asiatisch anmutenden Coverbild in Längsschrift dargestellt. Die Leinenbuchdeckel, wie man sie früher öfter bei Hardcovern fand werden hier optisch nachempfunden. Ebenso edel ist das Papier, aus dem Innenseite der Cover und das erste und letzte leere Blatt des Buches bestehen. Dazu noch echte Reliefstruktur. So edel das Outfit, da hätte mein doch gleich ein echtes Leinencover machen können.
Auf alle Fälle schon mal ein hochwertiges Buch hinsichtlich der Machart.
Der Inhalt indessen hat mich sehr erstaunt. Nicht die Geschichte, die erzählt wird, sondern die Art zu Schreiben, zu Erzählen.
Gleich zu Beginn fühlt man sich in das Geschehen hineingeworfen. Man findet nicht gleich in die Geschichte hinein, der Anfang entwickelt sich erst.

Auch findet man gefühlte Sprünge in der Sprache, über die man stolpert. So heisst es zum Beispiel: " Was ändert es die Wesenheit des Seienden " und wenige Zeilen weiter: " Wir hatten einen im Dorf, der hat den Mäusen bei lebendigem Leib das Fell abgezogen "

Worte wie alldorten, Bezeichnungen wie Mentsch und Sätze die eher gestammelten Kurzinfos gleichen.

Mit dem Lesen entwickelt sich auch langsam ein Gefühl für die Sprache, eher den Sprachrhythmus, der Autorin. Ich muss aber sagen ich empfinde es als sehr anstrengend und bin mir nicht sicher, ob es das ist, was der Leser bei diesem Thema und dem edlen Cover erwartet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.09.2021

Sehr gut gemacht, kommt hier extrem auf die Zielgruppe an

Hey, ich bin der kleine Tod … aber du kannst auch Frida zu mir sagen
0

Die für mich wichtigste Frage zu diesem Buch blieb unbeantwortet. Wer gibt seinem Kind so ein Buch zu lesen? Präventiv als Literatur um sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen? Da gehört schon Mut dazu. ...

Die für mich wichtigste Frage zu diesem Buch blieb unbeantwortet. Wer gibt seinem Kind so ein Buch zu lesen? Präventiv als Literatur um sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen? Da gehört schon Mut dazu. Aus konkretem Anlass, zum Beispiel dem nahenden Tod eines Verwandten? Da gibt es sicher Bücher, die das besser ansprechen, wenn die Person schon älter ist.
Das Buch aus der Distanz gelesen, ich bin gerade nicht mit dem möglichen Tod einer nahen Person konfrontiert und habe keine kleinen Kinder, ist einfach ein tolles Leseerlebnis.
Ein gutes Konzept zum Thema, dass auch Kinder sterben können, und der Tod wird hier als Person dargestellt, mit Ecken und Kanten wie man so sagt.
Es gibt fiktiv sogar den kleinen Tod, eine Azubine, die auch noch lernen muss, was der Tod sein bedeutet und was Leben ist. Hier wird geschmunzelt, es werden Streiche ausgeheckt und es gibt keine Tabus.
Ein Schmankerl, dass der kleine Tod Frida heisst, vielleicht erkennt der eine oder andere den Bezug zu Frida Kahlo.
Ein NoGo ist eigentlich die Bezeichnung der kleine Tod. Ich hatte diesen Begriff immer als problematisch im Hinterkopf, konnte damit aber nichts direkt verbinden. Bis ein Besucher das Buch sah und anmerkte, dass das ja ein Begriff für einen Orgasmus sei. Ok, Kinder kennen den vermutlich nicht, aber dieses Buch wird eher von Erwachsenen für Kinder gekauft.
Zur Zielgruppe: Es braucht schon einen konkreten Anlass um so ein Buch einem Kind zu lesen zu geben, eher es mit ihm zu lesen. Die Qualität für die , ich nenne es mal spezifische Anwendung, kann nur von Fachleuten beurteilt werden.
Aus der emotionalen Distanz heraus finde ich es absolut gelungen und kindgerecht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere