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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.05.2026

Unterhaltsam

Hope Joanna
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Typisch Horst Evers, möchte man bei der Geschichte sagen. Es ist schräg, ziemlich drüber, gespickt mit Slapstick und Zufallskomik. Man kann meinen Humor an dieser Stelle als infantil bezeichnen, aber ich ...

Typisch Horst Evers, möchte man bei der Geschichte sagen. Es ist schräg, ziemlich drüber, gespickt mit Slapstick und Zufallskomik. Man kann meinen Humor an dieser Stelle als infantil bezeichnen, aber ich hatte beim Lesen echt Spaß.
Hope Joanna Marlow, Kriminalkommissarin bei der Berliner Polizei muss den mysteriösen Mord an einem etwas verschrobenen Archäologen und Antiquitätenhändler aufklären, der vor allem unter dem Namen Indiana Jens bekannt ist Der Ermittlungen führen sie in Nazi-Kreise, die sich im Darknet als Käufer mystischer, vermeintlich historischer Artefakte betätigen und Allmachtsfantasien entwickeln. Und als ob das noch nicht reichen würde, wird Hope Joanna eher zufällig und sehr unfreiwillig zum neuen Social Media Gesicht der Berliner Polizei.
Also viel Trubel in Berlin. Und Horst Evers fährt auch einiges in seiner Geschichte auf, inklusive einiger spektakulärer Kampfszenen. Mit einem Augenzwinkern nimmt Evers auch die eine oder andere Stimmtischparole und das Image der Berliner ironisch aufs Korn. Mir gefiel die Schlagfertigkeit seiner Figuren, auch die mitunter skurrilen Dialoge untereinander.
Ja, die Figuren bleiben oberflächlich. Aber damit kann ich in diesem Fall absolut leben, denn der Fokus liegt auf Unterhaltung, da erwarte ich keine tiefenpsychologische Analyse der Figuren. Ich kann auch damit leben, dass der Krimi-Aspekt so ein wenig aus dem Fokus gerät. Dafür habe ich mich aber insgesamt sehr prächtig mit Hope Joanna amüsiert.

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Veröffentlicht am 13.05.2026

Konnte mich nicht überzeugen

Das Mosaik der Frauen
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Mich konnte das Buch leider nicht so richtig überzeugen. Gefallen haben mir die Beschreibungen von Damaskus, über die Menschen, die Entwicklung Syriens und die persönlichen Herausforderungen der Menschen. ...

Mich konnte das Buch leider nicht so richtig überzeugen. Gefallen haben mir die Beschreibungen von Damaskus, über die Menschen, die Entwicklung Syriens und die persönlichen Herausforderungen der Menschen. Man bekommt einen recht authentischen Einblick in ein Land und seine doch sehr drastische Entwicklung, auf der Suche nach einer nationalen Identität. Diese Abschnitte waren interessant zu lesen, wenn sie auch oft nicht viel mehr eigentlichen Handlung zu tun haben.
Der Erzähler schweift immer wieder von seiner eigentlichen Erzählung ab, mal mehr und mal weniger weit. Manche der Anekdoten habe ich schlicht nicht verstanden bzw. habe ich nicht verstanden, wie sie zur restlichen Handlung passen. Flüchtige Bekanntschaften nehmen teilweise mehr Platz ein als die Geschichte der jeweiligen Frau, über die eigentlich grade erzählt wurde. Ich muss gestehen, dass mich das zunehmend genervt hat. Wann immer mal wieder der Satz fiel ähnlich wie „Da fällt mir ein...“ oder „Das erinnert mich an...“ habe ich wirklich mit den Augen gerollt. Für mich hat es den Lesefluss kaputt gemacht.
Der Stil ist leicht und einfach zugänglich. Was ich grundsätzlich als einen Pluspunkt empfinde. Es kippt aber auch und schrammt dann hart an der Schwülstigkeit vorbei. Vor allem dann, wenn Lebensweisheiten eingestreut werden, die sich dann für mich schon fast wie Kalendersprüche anhören.

Am Ende hatte ich nicht das Gefühl, wirklich ein Mosaik aus Frauen in den Geschichten entdecken zu können. Es wird nur selten deutlich, was der Erzählung aus der jeweiligen Beziehung mitgenommen hat. Es wirkt auf mich konstruiert und nicht wie die Erkenntnisse eines langen und aufregenden Lebens. Letztlich habe ich mich doch ziemlich schwer getan das Buch zu beenden.

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Perspektivwechsel

The Artist
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Die Geschichte hat mich wirklich überrascht, durch eine Erzählweise. Der Stil ist weich, sanft, alles ist beschrieben, als würde man ein Gemälde für jemanden beschreiben. Auf den ersten Blick wirkt es ...

Die Geschichte hat mich wirklich überrascht, durch eine Erzählweise. Der Stil ist weich, sanft, alles ist beschrieben, als würde man ein Gemälde für jemanden beschreiben. Auf den ersten Blick wirkt es etwas distanziert, aber diesen Eindruck musste ich schon bald revidieren. Die Gefühle der Figuren liegen zum Teil wie unter einer dicken Schicht Farbe verborgen, die sich einem erst Schicht für Schicht offenbart.

Joseph ist ein junger Mann, auf der Such nach sich selbst. Als er bei Tartuffe eintrifft, sucht er nach Anerkennung, einem Platz an dem er sich beweisen kann. Er ist ein wenig ein Träumer, ein Idealist. Sehr verfangen ins seinen Vorstellungen, wie ein Künstler sein hat. Die schroffe und abweisende Art Tartuffes erschreckt ihn.
Tartuffe, Tata, ist alles andere als ein einfacher und einladender Charakter. Er ist ein Choleriker, ein Tyrann der über sein Reich herrscht, unverhältnismäßig schroff und überheblich. Jedes Detail des täglichen Lebens ist allein auf ihn und seine Bedürfnisse ausgerichtet. Es fällt nicht schwer, diese Figur so richtig abstoßend zu finden. Seine Nicht Sylvette, Ettie, schwebt wie ein Geist um alles herum. Tata ist furchtbar grausam zu ihr. Er hält sie klein, schirmt sie von allem ab, gesteht ihr kein eigenes Leben zu. Man bekommt schnell den Eindruck, dass er sie bestraft. Aber wofür? Was kann diese junge Frau bereits als Kind furchtbares getan haben, um so behandelt zu werden? Diese Frage schwebt sehr lange über allem. Etties Leben erscheint traurig und lieblos. Und dann verschiebt die Autorin ein bisschen die Perspektive. Nur ein ganz kleines bisschen. Und schon verschiebt sich das Bild. Nicht, dass Etties Leben plötzlich ein Quell der Freude und des Glücks werden würde. Aber es zeigt sich, wie der große und berühmte Künstler im Grunde von seiner vermeintlich unbedeutenden Nichte abhängig ist. Ein gelungener Kunstgriff, der der Handlung einen spannenden Twist gibt und man mit jedem Kapitel staunt, wie Ettie sich verwandelt. Natürlich endet das Ganze in einem großen Drama, mit dem Ettie sich aus ihrem Gefängnis befreien kann. Der Aufbau bis zu diesem Punkt ist langsam und stetig. Nachdem man über lange Zeit Tatas Ausbrüche verfolgt hat, ist man als Leser dann schon fast froh, dass es zu dieser Eskalation kommt. So erdrückend fühlt sich die Stimmung an.

Größter Kritikpunkt: Das Buch hätte an einigen Stellen geraffter und weniger ausführlich sein dürfen. Die Farben und Formen der Speisen etwa. Man merkt als Leser spätestens nach dem zweiten Mal, dass dies ein wichtiger Punkt ist. Das muss für meinen Geschmack nicht jedes Mal bis ins äußerste Detail ausgeführt werden. Manche Details sind auch unwichtig für die weitere Handlung, werden aber trotzdem ausführlich erklärt. Das große Geheimnis um Ettie wird am Ende dann doch gelüftet. Tatas Reaktion passt zu der erschaffenen Figur. Ich finde das große Geheimnis allerdings ziemlich banal und, gemessen an dem langen Aufbau und den vielen Anspielungen - schon fast enttäuschend.

Lesenswert finde ich das Buch trotzdem. Allein schon weil ich den Aufbau sehr clever finde und nichts wirklich so ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Emotionale Achterbahnfahrt

Schlaf
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Was für eine emotionale Achterbahnfahrt! Die Geschichte schafft einen schwierigen Spagat zwischen emotional aufwühlend und stilistisch fein gezeichnet. Der Stil alleine hat mir unglaublich gut gefallen. ...

Was für eine emotionale Achterbahnfahrt! Die Geschichte schafft einen schwierigen Spagat zwischen emotional aufwühlend und stilistisch fein gezeichnet. Der Stil alleine hat mir unglaublich gut gefallen. Klar, schnörkellos, direkt, ruhig und doch sehr präzise. An vielen Stellen leise und dabei so präzise formuliert, wie ein Skalpell. Jones schafft es, mit sorgfältig ausgewählten Worten eine Stimmung zu transportieren und gleichzeitig eine Flut an Gefühlen beim Lesenden auszulösen. Was sich im einen Moment noch nach einem stimmungsvollen Sommertag anfühlt, lässt einem schon wenige Sätze später die Kinnlade herunterklappen.

Die Beziehung zwischen Margaret und ihrer Mutter Elizabeth ist von jeher komplex und kompliziert. Man wird im ganzen Buch keinen wirklich unbelasteten, freien Moment zwischen den beiden erleben. Jede vordergründig positive Erinnerung wird überlagert von Schuldgefühlen, Ängsten und Konsequenzen. Es ist spannend und bestürzend zugleich zu lesen, wie sich gewisse Verhaltensmuster aus Margarets Kindheit in ihr Leben als Mutter ziehen und wie sehr sie darum kämpft, diese nicht auch noch auf ihre Töchter zu übertragen.

"Schlaf" ist ein Buch, das mir ganz arg an die Nieren ging. Die Kombination aus (familiären) Machtverhältnissen, sexualisierter Gewalt, Kontrolle und Schweigen ist unheimlich dicht ineinander verwoben. Das ist wirklich ganz großes Kino. Gleichzeitig ist es auch schwer verdauliche Kost. Ich kann es nicht anders sagen, als dass es mich manchmal regelrecht geschüttelt hat. Mal vor Abscheu, mal vor Empörung. Und auch dabei bleibt Jones ihrem ruhigen und zurückgenommenen Stil treu. Damit nimmt sie keinem ihrer Leitthemen die Brisanz, bläht sie aber auch nicht effekthascherisch übermäßig auf. Auch die Balance zu Margarets erwachender Sexualität, ihren Entdeckungen und Fragen an sich selbst, ist gegeben.

Mich hat die Geschichte völlig aus den Socken gehauen. Eine Achterbahnfahrt allererster Güte.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Nett, aber für mich zu oberflächlich

Zeit für meine Träume
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Ich tue mich hier ein bisschen schwer. Es ist im Prinzip eine Kurzgeschichte. Leicht geschrieben, hat durchaus einen gewissen Charme und Herzenswärme, eine kleine Feier der Freundschaft. Mich stört aber ...

Ich tue mich hier ein bisschen schwer. Es ist im Prinzip eine Kurzgeschichte. Leicht geschrieben, hat durchaus einen gewissen Charme und Herzenswärme, eine kleine Feier der Freundschaft. Mich stört aber sehr, wie stark oberflächlich alles gehalten ist. Die Hauptfigur hat nicht einmal einen Namen. Über jede Figur erfährt man nur das absolut Notwendigste, niemand hat in seinem Charakter unterschiedliche Facetten. Dabei hätte gerade das sehr hinreißende Senioren-Trio mehr Ausarbeitung verdient. Die Gesprächsthemen klingen teilweise wie eine Abhandlung gesellschaftlicher Reizpunkte. Dadurch klingen die Dialoge dann auch holprig und gestellt.
Ich möchte das Büchlein eigentlich gar nicht so negativ sehen, weil es irgendwie schon auch etwas schönes an sich hat, dass sich beim Lesen einfach nur gut anfühlt. Aber unterm Strich ist es mir einfach zu nichtssagend.

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