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Veröffentlicht am 21.03.2026

Dieser eine letzte Sommer

Little Hollywood
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Wer erinnert sich nicht an den letzten Sommer nach der Schule? Der eine Lebensabschnitt endet, der nächste steht kurz bevor. Zwischen eine kurze Pause. Alles fühlt sich irgendwie besonders an. Groß. Bedeutsam. ...

Wer erinnert sich nicht an den letzten Sommer nach der Schule? Der eine Lebensabschnitt endet, der nächste steht kurz bevor. Zwischen eine kurze Pause. Alles fühlt sich irgendwie besonders an. Groß. Bedeutsam. Und kann gleichzeitig auch ziemlich beängstigend wirken, man trifft immerhin Entscheidungen, die Auswirkungen auf das eigene Leben haben.
Diesen Gefühlsmix hat Inga Hanka ganz toll in ihrem Buch beschrieben.

Leo hat ihr Abitur in der Tasche und kann sich - theoretisch - ihren Traum erfüllen und Drehbuchautorin werden. In der Praxis steht ihr aber die Angst um ihre Mutter und ihren kleinen Bruder im Weg. Und auch die Ängste ihrer Mutter. Leo hat als Kind häusliche Gewalt gegenüber ihrer Mutter erlebt und die anschließende hässliche Trennung der Eltern. Der Vater terrorisiert die Mutter und Leo anschließend. Die Auswirkungen verfolgen Leo danach ihr ganzes Leben lang. Die psychischen Probleme und Ängste der Mutter entwickeln in der nachfolgenden Zeit eine ganz eigene Dynamik und manifestieren sich in einer Menge Regeln, die auf die heranwachsende Leo immer erdrückender und einschränkender wirken. Sie rebelliert dagegen.
Diese Szenen sind sehr gut geschrieben. Behutsam aber doch deutlich machend, wie genervt Leo ist, wie sehr sie die Verantwortung auch überfordert. Beim Lesen war ich immer wieder hin- und hergerissen. Ich konnte Leos Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung nachvollziehen, aber irgendwie auch die Sicherheitsängste der Mutter. Konflikte zwischen beiden bleiben da nicht aus. Aber es ist auch zu erkennen, dass Leo an und mit ihren Entscheidungen wächst, nicht nur rebelliert sondern auch reflektiert. Am Ende hatte ich schon das Gefühl, dass sich Mutter und Tochter auf einer anderen Ebene begegnen.

Es überwiegen aber die positiven Gefühle in dem Buch. Diese schöne Sommerstimmung versetzt einen in eine leichte Stimmung. Dazu kommt ein leichter und gut erzählender Stil. Die Videothek wird schnell zu einem Ort, der einem auch als Leser ans Herz wächst. Es liegt Aufbruch und Veränderung in der Luft und der gleichzeitige Wunsch, dass genau dieser Sommer doch bitte nie enden soll. Tolle Figuren, die lebendig wirken und die Eingängigkeit des Buches noch verstärken. In der Mitte hatte die Geschichte so einen kleinen Durchhänger und verliert sich ein bisschen ins Nichtige.
Aber eine tolle Geschichte, die Erinnerungen hervorholt. Völlig egal, wie lange dieser einer letzte Sommer schon bei einem selbst zurückliegt.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Hochemotional

Elbland
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Manche Geschichten sind besonders. Nicht, weil sie so ausufernd sind oder man die Geschichte der eigenen Familie bis ins letzte Detail mehrere Generationen zurückverfolgen kann. Sondern weil sie Lücken ...

Manche Geschichten sind besonders. Nicht, weil sie so ausufernd sind oder man die Geschichte der eigenen Familie bis ins letzte Detail mehrere Generationen zurückverfolgen kann. Sondern weil sie Lücken haben, zerbrechlich sind. So wie die Familiengeschichte von Nina und Katja.
Wir haben drei unterschiedliche Zeitebenen. Jede erklärt ein wenig mehr, wie die Familie, die ich zu Beginn als untereinander als distanziert und auch zerstritten wahrgenommen habe, zu diesem Punkt kommen konnte. Es wird ziemlich schnell klar, dass alles mit der Kindheit der Mutter zusammenhängen muss.
Ninas Mutter musste mit ihrer Familie 1945 nach dem Ende des Krieges aus Böhmen mit ihrer Familie fliehen. Zuerst fand ich es etwas merkwürdig, dass der Fokus so wenig auf der Vergangenheit liegt. Das man sich als Leser so einiges zusammenreimen kann und auch muss. Aber so geht es Nina auf ihrer Suche ja letztlich auch. Ihre Mutter hat nie etwas über diese Zeit erzählt. Weder über die Schönen Dinge ihrer Kindheit, noch über die Schlechten. Die Narben, die Traumata, die sie davongetragen hat, schwelten ihr Leben lang in ihr weiter. Nina hat also nur wenige Anhaltspunkte, muss sich auch selbst sehr viel zusammenreimen.
Und plötzlich versteht sie mehr und mehr, warum ihre Mutter gehandelt hat, wie sie es tat. Und auch als Leser versteht man mit jedem Kapitel mehr, wo die Wut in Nina herkommt, die da immer unter der Oberfläche brodelt.

Es ist kein lautes Buch. Auch keines, das mit einer unheimlich ausgefeilten Familiengeschichte aus der Vergangenheit daher kommt. Emotional hat es mich ganz schön durchgeschleudert, denn es ist die ganze Palette an Gefühlen dabei. Trauer, Ohnmacht, Angst, aber auch Wut und Zorn, sich nicht gesehen und ungerecht behandelt fühlen. Und obwohl sich gerade Nina und Katja zuweilen ihren Frust gegenseitig um die Ohren schleudern, merkt man die Zerbrechlichkeit unter diesen Worten. Claudia Rikl hat das alles so wunderbar behutsam beschrieben. Es ist aber ein Buch das nachdenklich macht, inne halten lässt und so manche Handlung der eigenen Familie vielleicht auch noch mal in einem anderen Licht erscheinen lässt. Wie viele Familien mag es noch immer geben, in denen die Traumata der Kriegskinder noch bis in die jetzigen Generationen reichen. Für mich ein absolutes Jahreshighlight.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Mochte ich nicht

39 Grad Mord
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Ich bin richtig von enttäuscht von dem Buch. Ich habe mir einen leichten, unterhaltsamen und vielleicht ein bisschen humorvollen Krimi mit südländischem Urlaubsflair erwartet.
Das dabei der Plot nicht ...

Ich bin richtig von enttäuscht von dem Buch. Ich habe mir einen leichten, unterhaltsamen und vielleicht ein bisschen humorvollen Krimi mit südländischem Urlaubsflair erwartet.
Das dabei der Plot nicht super ausgefeilt ist, finde ich dabei noch nicht einmal besonders schlimm. Wenn das Drumherum stimmig ist, kann man da für mich vieles wettmachen.
Aber hier wirkt alles wie eine Aneinanderreihung von Klischees. Unfähige sizilianische Polizei, Macho-Gehabe, die Mafia, eine - natürlich - lesbische Krimi-Autorin, die viel lieber wichtige feministische Themen schreiben würde und stattdessen in einen Mord stolpert und diesen löst. Alles zusammen wirkt ziemlich undurchdacht, als würde man eine Liste an Punkten abhaken, die unbedingt untergebracht werden müssten. Noch dazu ist Hauptfigur Hannah für mich fürchterlich unsympathisch. Sie ist so selbstgerecht und beratungsresistent, dass schon alleine das reichen würde, das Buch abzubrechen. Sie nörgelt, motzt und meckert ständig. Und das auf eine sehr ätzende Art, an der ich nichts charmantes oder selbstironisches finden kann. Sie badet im Selbstmitleid und neidet anderen Menschen ihr Leben. Als Krone dazu säuft, pardon ich muss es so sagen, sie die ganze Zeit und begründet dies vor sich selbst mit fadenscheinigen Gründen. Das liest sich alle so nervig, warum legt man seine Romanfigur so derart negativ an?
Vom Lokalkolorit bleibt außer Sonne, Mafia und diverse Cocktails leider nicht viel übrig. Kein Buch, dass ich einem Krimi-Fan oder als Sommerlektüre empfehlen würde.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Magischer Anfang, dem dann leider die Puste ausgeht

Zwei in einem Bild
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Das Buch fing für mich sehr vielversprechend an. Der Stil ist leicht und schön erzählt, die Szenen bildlich gut vorstellbar. Wie Claire mit ihrem Wagen in die Galerie kommt, ihre Aufregung und Begeisterung ...

Das Buch fing für mich sehr vielversprechend an. Der Stil ist leicht und schön erzählt, die Szenen bildlich gut vorstellbar. Wie Claire mit ihrem Wagen in die Galerie kommt, ihre Aufregung und Begeisterung für die Kunst, der Kontrast zu ihrem Leben außerhalb ihrer Arbeit. Dazu fühlt sich die Erzählstimme an, wie jemand der einem die Geschichte mit einer angenehmen Stimme aus dem Off erzählt. Die Grundidee gefällt mir sehr gut. Einfach in ein Gemälde schlüpfen zu können und sich auf diese Weise die Geschichte des Bildes genauer anzusehen. Ich wäre sofort dabei. Die zwischen den Bildern wandernden Figuren haben mich ein wenig an die sich bewegenden Bilder aus Harry Potter erinnert, die Szenerie ein wenig an „Nachts im Museum“. Das fand ich sehr nett geschrieben und auch den Kontrast dazu, dass die Figuren teilweise seit einhundert Jahren in ihrem Bild „leben“ und in ihrer Zeit eingefroren sind, wie trist dieses Leben sein kann.
Leider kommt das Buch für mich über den Punkt der netten Erzählung aber nicht hinaus. Die Geschichte wirkt auf mich nicht bis zu Ende gedacht. Es gibt im Prinzip zwei Erzählstränge. Einmal die Geschichte um Claire und Jean im Museum, einmal um Claire in ihrem Leben außerhalb des Museums. Beide bleiben aber immer oberflächlich und wirken irgendwie unfertig.
Jean z.B ist halt einfach da. Ins Bild gemalt und harrt dort nun seit etlichen Jahren aus. Über sein Leben außerhalb des Bildes wird nur spärlich erzählt. Mir fehlt hier z.B der Punkt, ab wann eine Person in einem Bild lebendig wird. Nach seinem Tod? Oder lebt die gemalte Person dann ein Parallelleben? Das mag kleinlich sein, aber bei so einer Geschichte machen grade solche Details für mein Empfinden viel aus.
Claires Leben außerhalb des Museums ist wirklich ein starker Kontrast und hat insgesamt viel Potential. Aber auch hier wird es nicht tiefer. Es herrscht eine Pandemie, Claire ist eine junge, aktuell arbeitslose Mutter, die sich dank der Unterstützung ihrer Großmutter durchs Leben schlägt und sich jetzt plötzlich mit dem Vater ihrer Tochter konfrontiert sieht. Sie malen, sie liegt auf dem Sofa, der Kindsvater taucht auf und – so kann man spekulieren – taucht auch wieder ab. Da kam so wenig bei mir an, das fand ich wirklich schade.
Das es kein wirkliches Happy End gibt, ist natürlich von Beginn an klar. Aber das wie fand ich dann doch ein wenig sehr fade. Ja, es war ein kleiner Twist, den ich aber ehrlicherweise ziemlich unglaubwürdig fand. Vorbei die Leichtigkeit vom Anfang und die Magie, die dort durchaus herrschte. Es passt für mich nicht so recht zu den anderen beiden Erzählsträngen.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Witzige und romantische Zeitreise

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Adam und Jules sind seit 25 Jahren verheiratet. Die Kinder sind zwar schon so gut wie erwachsen, die Sorgen um sie aber noch immer präsent. Das Liebesleben ist eher durchwachsen, der Rasen muss dringend ...

Adam und Jules sind seit 25 Jahren verheiratet. Die Kinder sind zwar schon so gut wie erwachsen, die Sorgen um sie aber noch immer präsent. Das Liebesleben ist eher durchwachsen, der Rasen muss dringend gemäht werden, der Dachboden entrümpelt und der Schuppen aufgeräumt werden. Die Küche könnte einen neuen Anstrich vertragen, die ungewaschene Wäsche stapelt sich und überhaupt herrscht eigentlich Dauerchaos im Hause Hole. Der Alltag beherrscht das (Ehe)Leben von Jules und Adam. Und dann taucht auch Adams bester Jugendfreund auf, der augenscheinlich alles hat, was man sich nur wünschen kann (inklusive jeder Menge Geld) und führt den beiden vor Augen, wie ihr Leben auch hätte aussehen können.
Nach einem Streit mit einigen unschönen Vorwürfen macht Adam im Schuppen eine Entdeckung. Dank aufgenommener CDs und Kassetten (die Älteren unter uns erinnern sich) verwandelt sich ein altes Radio in eine Zeitmaschine. Jetzt können beide bedeutsame Momente ihrer gemeinsamen Vergangenheit noch einmal erleben.

Mir hat die Geschichte unheimlich gut gefallen. Es ist eine leichte und heitere Geschichte, mit einem Kern, über den man trotzdem ganz prima ins philosophieren kommen kann. Denn Hand aufs Herz - wer von uns würde nicht in Versuchung kommen, ein paar Änderungen vornehmen zu wollen? Keine großen, nur so ein paar klitzekleine? Aber wo ist die Grenze zwischen klitzeklein und riesengroß und ein ganzes Leben verändernd? Bei Jules und Adam werden aus den klitzekleinen "Optimierungen" immer größere Veränderungen, bis alles kurz davor ist völlig aus dem Ruder zu laufen.

Trotz allem verliert das Autorenduo dabei aber seine Figuren nicht aus dem Blick. Man merkt, wie sehr sich Adam und Jules nach all den Jahren noch immer zugetan sind und ihre Gefühle unter dem Alltagstrott begraben liegen. Dabei wird so einiges auch mit einer guten Portion Realismus erzählt. Ein bisschen Klischee darf auch nicht fehlen, aber es passt gut in die Handlung und stört nicht.
Die Rückblenden auf das gemeinsame Leben sind toll erzählt und schildern schöne Momente. Der erste Kuss, der Heiratsantrag, die Schmetterlinge der ersten Liebe. Aber nicht nur das, auch die weniger schönen Seiten kommen noch einmal ans Licht. Jules Überforderung mit zwei Kleinkindern oder das Gefühl in einer nie enden wollenden Tretmühle zu stecken. Gerade diese Mischung hat die Handlung abwechslungsreich und die Figuren nicht so eindimensional gemacht.
Dazu ist die Geschichte gespickt mit Anspielungen zu Musik, Filmen und Spielen der 1980er und 1990er. Eine unheimlich charmante Mischung, die Spaß macht und zusammen mit der Musik entwickelt man auch ein Gefühl für die jeweilige Szene. Die dazugehörige Playliste macht auch noch richtig Spaß zu hören - egal ob man in der Küche grade das Abendessen vorbereitet oder sich im Auto bei offenem Seitenfenster seiner privaten Zweitkarriere als Gesangsstar hingibt.

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