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Veröffentlicht am 17.03.2019

Mit dem Wolf heulen

The Hurting
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Nell zieht mit ihrem Vater und ihrer krebskranken Schwester von England nach Norwegen, wo das Klima gesünder sein soll. Unzufrieden mit ihrer Situation, möchte sie nach England zurück, um einen Aufnahmetest ...

Nell zieht mit ihrem Vater und ihrer krebskranken Schwester von England nach Norwegen, wo das Klima gesünder sein soll. Unzufrieden mit ihrer Situation, möchte sie nach England zurück, um einen Aufnahmetest an einer Musikschule zu machen. Doch dann kommt alles anders: Sie trifft auf Lukas, einen geheimnisvollen Jungen in einem Wolfsmantel. Nell verliebt sich auf den ersten Blick, obwohl sie so etwas immer für unmöglich gehalten hat. Jetzt sollte sie glücklich sein, doch Lukas zieht sie immer tiefer in seine dunklen Machenschaften hinein. Blind vor Liebe entführt sie ein Kind, ohne zu durchschauen, was Lukas mit diesem Verbrechen erreichen will. Und dann ist sie plötzlich allein und muss in den unwirtlichen Wäldern Norwegens um ihr Leben kämpfen.
Das Jugendbuch „The Hurting“ von Lucy van Smit ist ein recht spannender Roman um erste Liebe, Selbstaufgabe und Familienzusammenhalt. Direkt das erste Kapitel wirft viele Fragen auf, die dann nach und nach beantwortet werden. Die Autorin schreibt hauptsächlich aus Nells Sicht auf die Dinge, dadurch gelingt ihr, dass der Leser sich mit Nell identifiziert und mit ihr leidet. Manchmal habe ich aber auch mit ihr gehadert und hätte mir sehr gewünscht, dass ihre Liebesblindheit nicht ganz so weit geht. Lukas ist ein vielschichtiger, manchmal beängstigender und manipulativer Charakter. Die Sprache ist flüssig und schnörkellos, das lässt den Leser schnell durch das Buch eilen. Einige unerwartete Wendungen machen das Buch spannend. Dem empfohlenen Lesealter ab 14 Jahren kann ich zustimmen.
Das weiße Cover mit dem heulenden Wolf und dem Titel, der scheinbar hinter einer Gebirgskette auftaucht, ist auffällig und gefällt mir gut. Auch passt es sehr gut zur Geschichte. Der Titel mit dem Untertitel „Als du mich gestohlen hast“, ist ebenfalls gut gewählt.

Veröffentlicht am 15.03.2019

Irrglaube

Roh
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Carl ist Streifenpolizist bei der Kölner Polizei – bis er in einen folgenschweren Hinterhalt gerät. Er wird zu einem bewaffneten Raubüberfall gerufen, bei der Verfolgung des vermeintlichen Täters nehmen ...

Carl ist Streifenpolizist bei der Kölner Polizei – bis er in einen folgenschweren Hinterhalt gerät. Er wird zu einem bewaffneten Raubüberfall gerufen, bei der Verfolgung des vermeintlichen Täters nehmen ihm zwei Täter seine Waffe ab und erschießen damit den 15jährigen türkischen Jungen, den Carl verfolgt hatte. Der Verdacht fällt natürlich auf Carl, dessen Waffe nur seine Fingerabdrücke aufweist. Er verliert seinen Job und seine Familie. Doch Carl kann dieses Verbrechen nicht auf sich beruhen lassen, er möchte sich rehabilitieren. So gerät er mit seinen privaten Nachforschungen ein ums andere Mal in Gefahr und stößt auf verschiedene radikale Glaubensgemeinschaften, die sich jeweils für einzig wahre Glaubensrichtungen halten. Fundamentalistische Christen sehen in Carl einen der Ihren, weil er scheinbar einen muslimischen Jungen getötet hat. Carl dringt immer weiter vor in einen Sumpf aus Machtgier, radikale-religiöse Verbindungen und Missbrauch.
Der Berliner Autor Uli T. Swidler hat mit „Roh“ einen hochaktuellen Thriller geschrieben. In einem flüssigen Schreibstil erzählt er in teilweise atemberaubenden Tempo eine vielschichtige Geschichte. Geschickt benutzt er seine beiden gegensätzlichen Protagonisten Carl und Lena, um den verschiedenen Glaubensrichtungen einen Platz einzuräumen, gleichzeitig aber die radikalen Fundamentalisten dahin zu rücken, wo sie hingehören: in die Reihe von Schwerverbrechern. Carl und Lena sind Typen mit Ecken und Kanten, das gefällt mir gut. Dem Autor gelingt es, den Spannungsbogen über weite Teile des Buches zu halten, bis zum spektakulären Finale. Die anfangs schwer einzuordnenden Handlungsstränge ergeben am Schluss ein folgerichtiges Ganzes.
Das düstere Cover mit dem Kreuz als Waffe passt sehr gut zum Buch, der Titel „Roh“ ist kurz, knapp und zutreffend – perfekt gewählt!

Veröffentlicht am 15.03.2019

Tödlicher Patriotismus

Der Patriot
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In Schweden wird eine Journalistin Opfer eines kaltblütigen Mordes. Und es bleibt nicht bei dem einen Opfer… Der Mörder, Carl Cederhielm, befindet sich mit Gleichgesinnten auf einem wohlüberlegten blutigen ...

In Schweden wird eine Journalistin Opfer eines kaltblütigen Mordes. Und es bleibt nicht bei dem einen Opfer… Der Mörder, Carl Cederhielm, befindet sich mit Gleichgesinnten auf einem wohlüberlegten blutigen Trip gegen Journalisten, die sich in ihren Artikeln positiv über Schwedens moderate Flüchtlingspolitik äußern. Sie hinterlassen keine Spuren und scheinen nicht fassbar zu sein. Immer perfider gestalten sie ihre Verbrechen gegen die von ihnen verhassten Journalisten. Derweil hat es in Chile August, ein ehemaliger Fremdenlegionär, ebenfalls mit grausamen Verbrechen zu tun, in die er selber verwickelt wird. Gerne möchte er alles hinter sich lassen und mit seiner Lebensgefährtin in seine Heimat Schweden zurückkehren, doch hier ist er ein gesuchter Krimineller…
Der Thriller „Der Patriot“, geschrieben vom schwedischen Schriftsteller Pascal Engman, ist eine Geschichte voller Hass gegen Flüchtlinge – zumindest in dem einen Handlungsstrang, in dem wir den Mörder Carl kennenlernen. Sehr gut wird dem Leser hier veranschaulicht, wie eine Person wie Carl ticken kann, der Hass ist förmlich greifbar. Dieser Protagonist hat mich schockiert und manchmal richtig wütend gemacht, dieses Buch ruft also ziemlich heftige Reaktionen bei mir als Leser hervor, das finde ich richtig gut. Die anderen Hautpersonen in diesem Buch, August und Madeleine, haben auch ihre unsympathischen Seiten und sind für die eine oder andere Überraschung gut. Der Autor leitet uns in einem flüssigen Schreibstil schnell durch dieses sehr spannende Buch, das ich allen Thrillerlesern empfehlen möchte, die nicht allzu zart besaitet sind, die Beschreibungen der Verbrechen sind schon sehr drastisch. Das Thema ist leider hochaktuell, dadurch gewinnt das Buch noch an Brisanz.
Das Cover zeigt eine Ansicht von Stockholm (zumindest vermute ich das), über der Stadt ballen sich dunkle Wolken zusammen – ein passendes Sinnbild.

Veröffentlicht am 17.02.2019

Toller letzter Fall!

Jetzt gehörst du mir (Ein Marina-Esposito-Thriller 8)
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Profilerin Marina Esposito sucht verzweifelt nach ihrem Mann, DI Phil Brennan. Dieser ist auf dem Weg nach Colchester, dem Ort einer mysteriösen Mordserie, spurlos verschwunden. Die drei Opfer der Serie ...

Profilerin Marina Esposito sucht verzweifelt nach ihrem Mann, DI Phil Brennan. Dieser ist auf dem Weg nach Colchester, dem Ort einer mysteriösen Mordserie, spurlos verschwunden. Die drei Opfer der Serie sind allesamt männlich und weisen eine gewisse Ähnlichkeit mit Phil auf. Außerdem wird bei allen eine Tarotkarte mit Phils Namen gefunden… Steckt vielleicht eine Stalkerin dahinter, die dem DI nachstellt? Marina setzt alle Hebel in Bewegung, um ihren Mann unversehrt zu finden. Doch je länger die zähen Ermittlungen dauern, desto kleiner wird die Chance, Phil lebend zu finden.
Thrillerautorin Tania Carver hat mit „Jetzt gehörst du mir“ den achten und scheinbar letzten Band um das Ermittlerpaar Esposito – Brennan vorgelegt. Für mich war es leider der erste Band dieser Reihe, ich konnte dem Geschehen aber problemlos ohne Vorwissen folgen. Der Schreibstil ist schnörkellos und flüssig, genau richtig für einen spannenden Thriller. Die verschiedenen Handlungsstränge bzw. Perspektiven des Geschehens führen den Leser geschickt und voller Spannung zum spektakulären Finale. Marina und Phil sind meist sympathische Charaktere, Marinas nachvollziehbare Verzweiflung ist förmlich greifbar. Etwas viel waren für mich die persönlichen Dramen mehrerer Protagonisten, da sie sich aber recht gut in die Geschichte einfügen, gibt es dafür keinen Punktabzug von mir. Alles in Allem ein tolles Buch, das man kaum aus der Hand legen kann und das ich gerne weiter empfehle!
Beim grünen Cover weist hauptsächlich das Klebeband auf den Thriller hin, dieses für das Genre recht unspektakuläre Aussehen gefällt mir gut, die übliche reißerische Aufmachung fehlt. Auch der Titel passt zum Inhalt, keine Frage.

Veröffentlicht am 10.02.2019

Vielschichtig

Stella
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Der junge Schweizer Friedrich kommt 1942 nach Berlin. Hier trifft er in einer Kunstschule auf die geheimnisvolle Kristin. Sie zeigt ihm ihre Stadt – mit Jazzclubs und Alkoholexzessen. Der vermögende Friedrich ...

Der junge Schweizer Friedrich kommt 1942 nach Berlin. Hier trifft er in einer Kunstschule auf die geheimnisvolle Kristin. Sie zeigt ihm ihre Stadt – mit Jazzclubs und Alkoholexzessen. Der vermögende Friedrich kann es sich leisten, mit ihr in diese Berliner Nächte einzutauchen. Vom tobenden Weltkrieg scheint er hier weit entfernt zu sein. Doch eines Tages steht Kristin verletzt vor seiner Tür und von diesem Moment an ist alles anders…
Der Berliner Autor Takis Würger erzählt in seinem zweiten Buch nach dem preisgekrönten Roman „Der Club“ die verstörende Geschichte von Stella, die auf wahren Begebenheiten beruht. Der Spannungsbogen wird nur langsam aufgebaut, anfangs kann man nur schwer erahnen, wie in den einzelnen Kapiteln der Haupthandlungsstrang mit der Aufzählung der historischen Begebenheiten und den archivierten Zeugenaussagen zusammenhängt. Monatlich von Januar bis Dezember 1942 erfährt der Leser, was Interessantes geschah, von Kriegsschauplätzen über Geburtstage bekannter Persönlichkeiten bis zu Einschränkungen für die Bevölkerung – ungewöhnlich für einen Roman, aber durchaus interessant. Die Zeugenaussagen, die sich kursiv vom restlichen Text abheben, machen betroffen und passen anfangs noch nicht zum lockeren Berliner Nachtleben. Je weiter man liest, desto schockierter ist man über das Drama, das sich dort abspielt. Die Charaktere sind vielschichtig, Friedrich ist eher naiv und liebt Kristin fast schon bedingungslos. Von Kristin hingegen lernt man immer neue Seiten kennen, das macht sie interessant. Der Autor hat einen besonderen Schreibstil, er erzählt seine Geschichte nüchtern und relativ sachlich.
Das Cover ist für mich ein absolutes Highlight: sehr schlicht in schwarz gehalten, strahlt den Leser ein attraktives Frauengesicht aus dem Dunkel an. Die Silhouette ist nur zu erahnen, da ebenfalls schwarz gekleidet. Der Buchrücken und die Schrift sind goldfarben, das wirkt sehr edel. Auf jeden Fall ein sehr auffälliges Cover! Der Titel „Stella“ ist kurz und knapp und erschließt sich dem Leser während der Lektüre.