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Veröffentlicht am 01.11.2016

Stille wäre manchmal schön gewesen ...

Die Stille vor dem Tod
3

Die Geschichte:
Nach einigen Jahren Wartezeit ist Smoky Barrett endlich zurück: hochschwanger und als Chefin einer neuen Spezialtruppe. Als in einer eigentlich sehr beschaulichen Wohnsiedlung gleich drei ...

Die Geschichte:
Nach einigen Jahren Wartezeit ist Smoky Barrett endlich zurück: hochschwanger und als Chefin einer neuen Spezialtruppe. Als in einer eigentlich sehr beschaulichen Wohnsiedlung gleich drei Familien in einer Nacht auf bestialische Weise ermordet werden, ruft man Smoky und ihr Team an die Tatorte. Dort wurde nämlich eine persönliche Botschaft für Smoky hinterlassen, geschrieben mit dem Blut der Toten.
Wird Smoky die schwierigen Ermittlungen durchstehen? Es wird immer deutlicher, dass es ein schier übermächtiger Gegner auf sie abgesehen hat und es dauert auch nicht lange, bis sie in größter Gefahr schwebt …

Meine Meinung:
Wie wohl alle Fans von Cody McFadyen habe ich ungeduldig auf eine Fortsetzung der “Smoky Barrett”-Reihe gewartet. Umso größer war die Freude, als ich das Buch endlich in der Hand halten durfte.
Leider muss ich an dieser Stelle schon sagen, dass die Freude nicht lange anhielt. Schon in den ersten Kapiteln passiert so viel Unglaubwürdiges und der Fall nimmt so monströse Ausmaße an, dass ich eigentlich nur noch den Kopf schütteln konnte. Ok, ein Thriller darf auch mal etwas übertrieben sein, aber wenn man sich beim Lesen nur noch permanent Gedanken drüber macht, wie der Autor dies und jenes am Ende noch irgendwie ein bisschen plausibel erklären will, dann nervt das einfach.
Apropos “nerven”: Smoky ist ja anfangs schwanger und das wurde mir mit allerlei unnötigen Details viel zu sehr thematisiert. Das Thema “Urin” in allen möglichen Formen wurde bald mindestens so lästig wie Smokys ständige Gedankengänge, an denen uns der Autor verschwenderisch teilhaben lässt. Und als wäre das noch nicht genug, gibt es auch noch seitenweise Träume von Smoky zu lesen. Da hat es mich auch nicht mehr gewundert, dass es darin selten um fallrelevante Dinge geht … der Autor nutzt sie viel mehr, um möglichst eklige Folter- und Mordszenen an den Leser zu bringen. Diese Unsitte zieht sich leider durch das ganze Buch und es wirkte auf mich bald nur noch effektheischend und hat sicher nicht zu spannender Stimmung beigetragen.
Die Spannung fehlte mir ohnehin fast gänzlich, wenn es nicht am Ende einiger Kapitel geschickte Cliffhanger gegeben hätte. In weiten Teilen konnte man das Buch sogar großzügig überfliegen, ohne Wichtiges zu verpassen, denn es wimmelt von Wiederholungen und Szenen, in denen viel zu viel “geschwafelt” wird. Dazu noch die Traumszenen und einige Zeitungsartikel, die wichtige Ereignisse der Handlung einfach im Nachhinein in Kurzform an den Leser bringen sollen. Das erschien mir alles irgendwie lieblos und nicht gut durchdacht.
Die Ermittlungen kommen allgemein viel zu kurz und wichtige Erkenntnisse werden scheinbar aus dem sprichwörtlichen Hut gezaubert.
Am Ende erhofft man sich natürlich Aufklärung über so vieles, worüber man sich während des Lesens ungläubige Gedanken gemacht hat. Und was bekommt man? Kaum Erhellendes, viele Verschwörungstheorien und so viele offene Fragen, dass klar ist, man müsste den Folgeband lesen, um vielleicht noch mehr zu erfahren. Momentan weiß ich allerdings nicht, ob ich das wirklich will …

Fazit:
Zu viel unnötige Ekelszenen, zu viele Gedanken, Träume und persönliche Unpässlichkeiten von Smoky, zu viele langatmige Passagen, zu viele Übertreibungen – und am Ende zu wenig Aufklärung! Das war leider nichts für mich.

Veröffentlicht am 24.03.2019

Spannend und etwas mystisch angehaucht ...

Sündenkammer: Thriller
1

Mit ihrem mitreißenden, atmosphärischen Schreibstil hat mich Catherine Shepherd schon auf den ersten Seiten dieses Thrillers absolut gefesselt. Ich hab das Buch dann auch fast in einem Rutsch gelesen und ...

Mit ihrem mitreißenden, atmosphärischen Schreibstil hat mich Catherine Shepherd schon auf den ersten Seiten dieses Thrillers absolut gefesselt. Ich hab das Buch dann auch fast in einem Rutsch gelesen und es hat mich bestens unterhalten.

Erzählt wird auf zwei Zeitebenen: in der Gegenwart begleiten wir Kommissar Oliver Bergmann bei seiner Arbeit, im Jahr 1500 klärt Stadtsoldat Bastian Mühlenberg die Verbrechen in der Stadt Zons auf.

Oliver hat es mit einer grausigen Serie von Morden zu tun, bei dem junge Frauen wie Hexen im Mittelalter lebendig auf Scheiterhaufen verbrannt werden. Der Täter scheint ein religiös Verblendeter zu sein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Sünderinnen zu bestrafen. Er tritt sogar selbst in Kontakt mit der Polizei, indem er Pakete an Oliver schickt, mit denen er die Schuld seiner Opfer beweisen möchte.

Bastian muss ebenfalls einen Mörder finden. Seine Opfer sind aber nicht weiblich, sondern ausschließlich junge Knaben, die qualvoll sterben müssen. Da niemand in der Stadt die Jungs kennt, kommt schnell die Vermutung auf, dass es sich um Novizen des sehr abgeschotteten Franziskanerklosters handeln könnte. Und hier findet er dann tatsächlich erste Spuren, doch wie soll er gegen die Verschwiegenheit und religiösen Regeln ankommen, die seine Ermittlungen erheblich behindern?

Durch die wechselnden Kapiteln fliegen die Seiten nur so dahin. Geschickt platzierte Cliffhanger sorgen genauso für wachsende Spannung wie falsch gelegte Spuren oder überraschende Wendungen. Einfach prima geschrieben und am Ende sehr stimmig aufgelöst.

Die Charaktere fand ich sehr lebendig gezeichnet. Oliver und Bastian sind tolle Hauptfiguren, mit denen man gerne mitfiebert und auch in deren Kollegen- und Freundeskreis sind viele Sympathieträger zu finden.
Es gibt auch eine Verbindung zwischen dem Mittelalter und der Gegenwart, die leicht mystisch angehaucht ist, aber das wird nicht zu dominant, falls manchen Leser so etwas nicht gefällt.

Mich hat das Buch von Anfang bis zum Ende bestens unterhalten und ich habe gern mitgerätselt, wenngleich ich meist falsch lag.

Veröffentlicht am 28.02.2019

Hoffentlich wird dieses geniale Buch bald verfilmt!

Unit 8200
1

Die „Unit 8200“ ist ein israelischer Geheimdienst, der für die elektronische Aufklärung zuständig ist. Bestens ausgebildete Spezialisten sind dort im Verborgenen am Werk, meist noch sehr jung, aber extrem ...

Die „Unit 8200“ ist ein israelischer Geheimdienst, der für die elektronische Aufklärung zuständig ist. Bestens ausgebildete Spezialisten sind dort im Verborgenen am Werk, meist noch sehr jung, aber extrem intelligent und fähig.
Eine von ihnen ist die 22-jährige Oriana Talmor, die kurzfristig zur Stellvertreterin des neuen Chefs der Unit 8200 erkoren wurde.
Oriana ist sehr zielstrebig, etwas dickköpfig und es fehlt ihr auch nicht an Mut, guten Ideen und Durchsetzungsvermögen. Zudem ist sie absolut sympathisch und weiß mit Ironie und Sarkasmus bestens umzugehen.
Auch ihr neuer Vorgesetzter, Oberst Zeev Abadi, ist ein toller Kerl, der beim Essen mit Mutti ganz der liebe Sohn, aber andererseits ein echt harter Hund sein kann. Zusammen bilden sie ein unschlagbares Team, wenngleich sie sich erst ganz am Ende der Geschichte erstmals persönlich kennen lernen.

Die Story liest sich wie ein superspannender Agententhriller. Man hat dank des wunderbar lebendigen, atmosphärischen Schreibstils jede Szene bildlich vor Augen und hoffentlich wird von den bereits verkauften Filmrechten sehr bald Gebrauch gemacht.
Dov Alfon ist ein Insider: er war selbst einmal Geheimdienstoffizier der Unit 8200 und plaudert quasi aus dem Nähkästchen. Das merkt man schon an einigen Details, wie den Beschreibungen eingesetzter Waffen oder anderer Technologie. Solche prima recherchierten und glaubwürdig erscheinenden Geschichten machen mir gleich doppelt Spaß. Hinzu kommt noch, dass er durchgehend mit einem gewissen humorigen Unterton schreibt, so dass dies wirklich oft zu Szenen führt, in denen man trotz Gewalt und Tod laut lachen muss. Einfach genial geschrieben!
Einige seiner Figuren sind auch so unfreiwillig komisch, dass man sie einfach mögen muss. Im Zusammenspiel zwischen ihnen kommt es ständig zu Missverständnissen, Pleiten, Pech und Pannen.

Es geht in der Geschichte zunächst um einen jungen Israeli, der aufgrund einer Verwechslung in Paris am Flughafen ermordet wird. Die Aufklärung des Falles unterliegt Kriminalrat Jules Léger, der eigentlich nur vertretungsweise für dieses Gebiet zuständig ist und entsprechend wenig begeistert angesichts dieser Herausforderung. Oberst Abadi taucht zufällig auch gerade zum Zeitpunkt des Verbrechens in Paris auf und beginnt sofort vor Ort zu ermitteln – zunächst zum Missfallen von Léger.
Der Fall weitet sich aus und ganz im Stil von „24“ spielt sich wirklich alles fast nur an einem einzigen Tag ab, an dessen Ende allerdings zwölf Leichen stehen.
Die Tragweite der Morde enthüllt sich natürlich erst so nach und nach und das Ganze zieht weite Kreise. Die Auflösung ist überraschend und das Ende fand ich so stimmig und wunderbar, dass ich auf eine Fortsetzung hoffe – und natürlich auf eine baldige Verfilmung.

Eine bestens durchdachte Story mit rasanter Action, sympathischen Protagonisten, glaubwürdigen Emotionen und viel unterschwelligem Humor, die den Wunsch weckt, mehr von Oriana und Abadi zu lesen! Kann ich nur empfehlen, dieses Buch ist bereits jetzt eines meiner Lesehighlights 2019!

Veröffentlicht am 08.01.2019

Wenn das Lügengebäude einstürzt ...

Die andere Frau
1

Es ist ja nicht so, dass der Psychologe Joe O´Loughlin nicht schon genug Probleme im Leben hätte: erst kürzlich hat er seine Frau verloren, er kümmert sich jetzt alleine um seine Tochter Emma und obendrein ...

Es ist ja nicht so, dass der Psychologe Joe O´Loughlin nicht schon genug Probleme im Leben hätte: erst kürzlich hat er seine Frau verloren, er kümmert sich jetzt alleine um seine Tochter Emma und obendrein plagt ihn noch seine Parkinson-Erkrankung. Doch zu allem Überfluss erreicht ihn nun noch ein Anruf aus dem Krankenhaus: sein Vater William wäre schwer gestürzt und liegt im Koma.
Als Joe auf der Intensivstation ankommt, sitzt dort eine Fremde am Bett und behauptet, Williams Ehefrau zu sein. Nichts scheint einen Sinn zu ergeben, denn Joes Eltern sind seit Jahrzehnten verheiratet und diese Frau ist definitiv nicht seine Mutter, sondern viel jünger.
Er vertraut sich vorerst nur einer seiner drei Schwestern an und fängt an, auf eigene Faust genauer zu recherchieren, denn von Seiten der Polizei ist nicht viel Unterstützung zu erwarten. Der ermittelnde Beamte mag Joe nicht und macht keinen Hehl aus seiner Abneigung. Dafür erhält er tatkräftige Hilfe von seinem Freund Vincent Ruiz: der Ex-Polizist ist immer zur Stelle, wenn es brenzlig wird.
Die Geheimnisse, die Joe so nach und nach lüftet, bringen ihn und das vorgebliche Wissen um die eigene Vergangenheit bedrohlich ins Wanken. Nichts ist mehr so, wie es schien …

Joe, Vincent und die Töchter Emma und Charlie habe ich ja schon lange fest ins Leserherz geschlossen, denn ich bin ein großer Fan dieser immer spannenden und überraschenden Buchreihe. Nun kommen noch weitere interessante Personen hinzu, die man mehr oder weniger sympathisch finden mag. Kate wird hoffentlich noch länger eine Rolle spielen.
Michael Robotham haucht seinen Figuren ganz viel Leben und Emotionen ein. Es sind Typen mit Ecken und Kanten, mit Problemen und viel Tiefe und Authentizität.
Auch der Schreibstil ist einfach prima: man ist immer mittendrin, fiebert mit und kann sich alles wunderbar bildlich vorstellen.
Die Story ist super durchdacht und wirklich harter Tobak: stellt euch vor, ihr erfahrt plötzlich, dass eine sehr nahestehende Person seit Jahrzehnten ein Lügengebäude errichtet hat. Besonders für Joe, der ja auch noch Psychologe ist, muss dies eine extrem verstörende und schmerzhafte Erfahrung sein. Man lässt alle möglichen Situationen Revue passieren, fragt sich ständig, was war wahr und was gelogen. Was bedeutet dies für das eigene Leben und was waren die Gründe für all das?
Der Autor schildert diese Verwirrtheit von Joe, das Auftauchen immer neuer Erkenntnisse und viele überraschende Wendungen so eindrücklich und fesselnd, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Natürlich dürfen wir uns auch noch über eine gehörige Portion Action und einige blutige Szenen freuen, so dass Thrillerfans voll auf ihre Kosten kommen. Dieses Buch kann ich nur empfehlen!

Veröffentlicht am 10.02.2018

Ein völlig anderer Blickwinkel ...

Der Augenblick
1

Dieses Buch ist wie ein Blick hinter die Kulissen, es zeigt eine völlig andere Perspektive, die bei normalen Krimis meist im Dunkeln bleibt. Die Geschichte befasst sich weniger mit der Aufklärung eines ...

Dieses Buch ist wie ein Blick hinter die Kulissen, es zeigt eine völlig andere Perspektive, die bei normalen Krimis meist im Dunkeln bleibt. Die Geschichte befasst sich weniger mit der Aufklärung eines Verbrechens, sondern mit dem Schicksal der Täter.
Das klingt zunächst abenteuerlich, denn im ersten Moment denken wir ja meistens eher schwarz-weiß: es gibt die „Guten“ und die „Bösen“, Täter und Opfer. Doch was ist, wenn die Täter eigentlich auch nur Opfer sind?

Irene Matt erzählt uns von einer eigentlich ganz normalen jungen Frau, die plötzlich eine unglaubliche Tat begeht. Niemand kann sich das Ganze erklären, am wenigsten sie selbst. Hauptkommissarin Alexandra Keller kann den Fall nicht aufklären, da es keine verwertbaren Spuren gibt.
Doch einige Monate später stellt sich die Frau selbst der Polizei und wird inhaftiert.
Alexandra lässt dieses Geständnis keine Ruhe, sie spürt, dass mehr hinter der Sache steckt und wendet sich an ihren früheren Ausbilder, den Fallanalytiker Hermann Rau.
Dieser ruft eine Therapiegruppe ins Leben, die sich näher mit dem Leben und dem Schicksal der Täter befasst. Sechs Patienten, ein Theologe, eine Analytikerin, ein forensischer Psychiater, Alexandra als Protokollführerin und Hermann als Leiter treffen sich zu Gruppen- und Einzelsitzungen und arbeiten alte Traumata auf.

Eindrucksvoll zieht uns Irene Matt in einen Strudel aus Emotionen, Zweifeln und überraschenden Enthüllungen. Wir lernen die andere Seite kennen, dürfen teilhaben an den Gedanken und Gefühlen der sogenannten „Täter“.

Wer einen herkömmlichen Krimi erwartet, der könnte vielleicht leicht enttäuscht sein, denn es fehlt etwas an Spannung und natürlich auch Action. Der Schreibstil ist gut lesbar, wirkte aber auf mich manchmal etwas „hölzern“, was auch in den Dialogen zum Ausdruck kommt. Aber die Geschichte liest sich trotzdem sehr fesselnd und es hat mir gefallen, diesen anderen Blickwinkel einmal näher kennenlernen zu dürfen.

Leider muss ich noch erwähnen, dass das Korrektorat etwas versagt hat: doppelte Satzfragmente oder falsche Namen bei den Protagonisten haben mich manchmal leicht verwirrt beim Lesen, hier ist noch Verbesserungspotential vorhanden.